Münster/Tel Aviv: Großer jüdischer Freund Deutschlands sprach heute im Paulus-Dom

Von Felizitas Küble

Am heutigen Mittwoch, dem 29. August, sprach Avi Primor, der frühere israelische Botschafter in Deutschland, im Paulus-Dom von Münster im Rahmen der Vortragsreihe „Domgedanken“. Primor ist Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Auswärtige Politik (Israel Council on Foreign Relations).

Der Andrang interessierter Menschen war so gewaltig, daß die Sitzplätze nicht ausreichten. Zu den Zuhörern in der ersten Reihe gehörte auch Diözesan-Bischof Dr. Felix Genn.

Nach seiner völlig frei gehaltenen Ansprache erhielt der jüdische Diplomat minutenlangen Beifall. 

Der heute 83-jährige Primor wirkte von 1993 bis 1999 als Botschafter in Bonn. In dieser Zeit setzte er sich in einzigartiger Weise für die deutsch-israelische Verständigung ein. Dazu diente nicht zuletzt sein im Jahre 1997 erschienenes Buch „…mit Ausnahme Deutschlands.“  

Der Sohn von Holocaust-Überlebenden wollte nämlich ursprünglich überall in der Welt Diplomat werden „mit Ausnahme Deutschlands“. Die gesamte Familie seiner Mutter wurde in der NS-Diktatur ermordet. Doch Primors Kontakte mit Deutschen änderten seine Einstellung allmählich grundlegend – und schlußendlich vertrat er den jüdischen Staat ausgerechnet in Deutschland.

Sein Buch ist eine ebenso kompetente wie humorvolle Sympathie-Erklärung für unser Land, ohne deshalb unkritisch zu sein, jedoch immer fair und freundlich. So erlebten wir ihn auch selber, denn unsere Redaktion stand damals im guten Briefkontakt mit Primor. 

Dompropst Kurt Schulte begrüßte den prominenten Gast, der eigens aus Tel Aviv eingeflogen war und auf einem Ministrantenhock im Chorraum Platz nahm (siehe 2. Foto).

Zur Einstimmung gab es musikalische Einlagen aus traditionellen jüdischen Gebeten. Ergänzend dazu wurde die Veranstaltung mit dem Vaterunser-Gebet abgeschlossen, zu dem alle gemeinsam aufstanden.

Wir haben im CHRISTLICHEN FORUM  bereits begründet, daß das Vaterunser ein zutiefst jüdisch geprägtes Gebet ist – und das nicht allein deshalb, weil Jesus selber Jude war, sondern weil sein gesamter Inhalt vom jüdischen Gedankengut lebt. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/09/die-juedischen-wurzeln-des-vaterunser-gebets/)

Der Vortrag Primors wirkte sehr persönlich und lebendig, nicht nur wegen der heiteren Anekdoten und seiner freien Redeweise, sondern auch wegen der historisch bewegenden Themen, ging es doch um seinen Blick auf das Verhältnis von Deutschen und Juden.

Gleich zu Beginn lobte er (erstaunlicherweise) den katholischen Templerorden und betonte mehrfach, dieser habe damals im Hochmittelalter sehr viel Gutes für das Land geleistet im Sinne von Fortschritt und Modernisierung.

Zwischen Juden und Templern hätten „allerbeste“ Beziehungen bestanden – nicht nur im Mittelalter, auch später bis in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Das Thema Kreuzzüge erwähnte der Regner nicht.

Sodann würdigte Primor den israelischen Nachrkriegs-Ministerpräsidenten David Ben Gurion. Dieser habe Vertrauen zum deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer entwickelt (Adenauer hatte sich in der NS-Zeit als Gegner der Nazis erwiesen). Für Ben Gurion bestand kein Zweifel: das neue Deutschland ist ein  a n d e r e r  Staat als die NS-Diktatur.

Für die Israelis war dies damals noch völlig befremdlich. Die Abwehrhaltung und Abneigung gegenüber Deutschland war verständlicherweise groß. Doch der israelische Regierungschef war nüchtern und machte sich klar, daß sein junger Staat sich im Aufbau befand, praktisch keine Industrie vorhanden war, zugleich aber immer noch große Massen jüdischer Flüchtlinge und Einwanderer ins Land strömten.  

Er benötigte dringend Unterstützung und begann daher klugerweise mit Handelsbeziehungen zu Deutschland. Dazu kam das mit Adenauer vereinbarte Wiedergutmachungsabkommen. Diese Politik führte in Israel zu Massenprotesten auf der Straße, doch Ben Gurion ließ sich nicht beirren.

Er wollte deutsche Technik, Knowhow und Investitionen ins Land holen. Damit kam es automatisch zur Fühlungsnahme mit deutschen Experten, Ingenieuren, Wirtschaftsleuten – und es entstanden auch auf menschlicher Ebene immer mehr Kontakte. Zugleich ging es durch diese vorausschauende Politik mit der israelischen Wirtschaft aufwärts. „Das hat uns damals gerettet“, erklärte Avi Primor wörtlich.

1965 war es dann soweit: Deutschland und Israel nahmen diplomatische Beziehungen miteinander auf. Heute seien 80% der Israelis deutschlandfreundlich eingestellt, erklärte der frühere Botschafter. Ende der 50er Jahre sei es noch genau umgekehrt gewesen. Der jüdische Staat würde mit den USA und Deutschland heute weltweit die engsten Beziehungen pflegen. Aus seiner Sicht sei die israelisch-deutsche Freundschaft heute nicht nur „bestens“, sondern „ein Wunder“.

Anders standen die Aktien freilich bei der „DDR“. Der kommunistische bzw. sowjetisch beherrschte Teil Deutschlands war im Sinne des Ostblocks extrem israelfeindlich und einseitig pro-arabisch. Es gab zwischen der „DDR“ und Israel keine diplomatischen Beziehungen, sondern Eiszeit.

Der frühere Botschafter äußerte sich auch zum arabisch-israelischen (Miß-)Verhältnis. Die Palästinenser bezeichneten sich selber in der Nachkriegszeit als Araber. Primor erwähnte den Überfall arabischer Armeen auf den jüdischen Staat kurz nach dem Beschluß der UNO vom 29.11.1947, wonach das Heilige Land zwischen Juden und Arabern geteilt werden soll – doch die islamische Seite beanspruchte das gesamte Land für sich allein.

Der jüdische Gast betonte im Dom, wie wichtig es für den Frieden im Nahen Osten sei, daß sich die Beziehungen zwischen Juden und Arabern verbessern. Auch die Palästinenser sollten in Würde leben können.

BILD: Eingang der Synagoge von Münster

Aus meiner Sicht besteht ein großes Hindernis für eine jüdisch-arabische Verständigung jedoch im Islam selbst, in seinem antisemitischen und zudem militanten Potential, was alle noch so wohlmeinenden israelischen Bemühungen nicht ändern können.

Von daher fand ich es merkwürdig, wenngleich typisch für die islamfreundliche Bistumsleitung von Münster, daß die Kollekte für diesen Abend an die „Flüchtlingshilfe“ ging.

Die in unser Land strömenden Migranten bestehen zu 80% aus Muslimen, die zudem häufig ihren Antisemitismus „importieren“. Das Problem wird auf jüdischer Seite längst klar erkannt: https://charismatismus.wordpress.com/2018/02/27/historiker-wolffsohn-ist-besorgt-gewalt-gegen-juden-geht-allein-von-muslimen-aus/

Zudem wäre es ohnehin dem Redner und Anlaß angemessener gewesen, die eingesammelten Spenden der Gläubigen an ein israelisches Hilfszentrum oder eine soziale Initiative im Hl. Land zu übermitteln (gerne auch an ein Projekt, das sich für den Dialog mit Palästinensern einsetzt)  – oder an die Gesellschaft für jüdisch-christliche Zusammenarbeit in Münster bzw. die Deutsch-israelische Gesellschaft, was höchst angebracht gewesen wäre. Schließlich ging es in Primors Vortrag um genau diese Anliegen, vor allem um die israelisch-deutsche Freundschaft!  

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Unionsfraktion trauert um Philipp Jenninger

Der frühere Bundestagspräsident Philipp Jenninger ist am gestrigen Donnerstag verstorben. Dazu erklärt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder:

„Philipp Jenninger hat sich während seines langjährigen parlamentarischen Wirkens und darüber hinaus um die Christlich-Demokratische Union, die CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Deutschland verdient gemacht.

Er war 1. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Kanzleramtsminister und Bundestagspräsident. In allen Ämtern erwies sich Philipp Jenninger als sachkundiger, integrer und überzeugter Parlamentarier. So führte der Bundestag in seiner Zeit als Parlamentspräsident das Instrument der Regierungsbefragung ein.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag stellte sich Philipp Jenninger in den Dienst seines Landes, zunächst als Diplomat in Österreich, dann beim Vatikan.

Wir trauern mit seiner Familie und sind in Gedanken bei ihr. Philipp Jenninger hat sich in verschiedenen Ämtern um Deutschland, die CDU und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verdient gemacht. Dafür danken wir ihm.“


Die Abschieds-Erklärung des israelischen Botschafters in Deutschland

„Deutschland steht heute an der Spitze der westlichen Welt“

Am 27. August 2017 endet nach über fünf Jahren die Amtszeit des israelischen Botschafters in Deutschland, Yakov Hadas Handelsman (siehe Foto). Sein eigener Vater sowie der Vater seiner Frau Ida überlebten jeweils als einzige in ihrer Familie die nationalsozialistische Vernichtungspolitik gegen die Juden . In seiner öffentlichen Abschiedserklärung heißt es daher:  

„Wer hätte vor diesem Hintergrund jemals gedacht, dass ich einmal als israelischer Botschafter nach Deutschland kommen würde? Für mich werden jedenfalls die positive Entwicklung und die heutige Dynamik der israelisch-deutschen Zusammenarbeit und Freundschaft niemals zu einer Selbstverständlichkeit werden.“

Danach schreibt der scheidende Diplomat:

„Was nehme ich mit aus Deutschland? Neben dem Wissen, dass unsere Beziehungen heute auf politischer Ebene sowohl einzigartig als auch strategisch sind, auch die Überzeugung, dass sie diesen Status ebenso in der Zukunft behalten werden.

Ich habe den Wandel, den Deutschland in den vergangenen Jahren durchlaufen hat, aufmerksam verfolgt. Deutschland steht heute an der Spitze der westlichen Welt und übernimmt auch über Europa hinaus immer neue Führungsaufgaben.

Es bleibt nicht aus, dass sich Deutschlands neue außenpolitische Machtposition auch auf die deutsch-israelischen Beziehungen auswirkt. Was jedoch nicht vergessen werden darf, ist, dass sich Deutschland nur eine neue Identität aufbauen und einen Platz in der internationalen Gemeinschaft erarbeiten konnte, indem es sich zu seiner Vergangenheit bekannte und die notwendigen Konsequenzen zog. In andern Worten: Einen „Schlussstrich“ unter die Shoa kann und wird es nicht geben.“

Der israelische Botschafter würdigt besonders das Jubiläumsjahr 2015 (50 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland-Israel); er berichtet zudem, daß er von März 2012 bis August 2017 in so viele Städte und Orte in Deutschland gereist sei, wie er nur konnte:

„Ich habe versucht, auch die Seiten meines Landes zu zeigen, die nicht so bekannt sind und Verbindungen zwischen Akteuren auf beiden Seiten zu knüpfen, die unsere florierenden Beziehungen gemeinsam weiter voranbringen können. Mir werden die vielen Begegnungen mit engagierten Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft in sehr guter Erinnerung bleiben, für die aus der Vergangenheit ganz offensichtlich Verantwortung erwächst.“

Der Abschiedsbrief von Yakov Hadas Handelsman endet mit den Worten:

Heute möchte ich mich nun mit einem herzlichen Dankeschön für die Unterstützung, das Vertrauen, die kreative Zusammenarbeit und die Freundschaft verabschieden. Lehitraot – auf Wiedersehen!“

Quelle: Israelische Botschaft in Deutschland – Foto: Boaz Arad


Avi Primor, ehem. israelischer Botschafter, über Antisemitismus und Islamprobleme

Der frühere Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Avi Primor (siehe Foto), hat eine Reihe von Büchern geschrieben, in welchem er sich mit der Judenfeindlichkeit in aller Welt und dem Nahostkonflikt befaßt, zudem mit dem deutsch-israelischen Verhältnis, aber auch mit dem Problem des radikalen Islam.

In seinem Buch „Mit Ausnahme Deutschlands“ würdigt er unser Land auch anhand vieler persönlicher Berichte und Erlebnisse.avi-primor

Primor ist Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Auswärtige Politik (Israel Council on Foreign Relations). Er erhielt u. a.den Kulturpreis Europa 1998, den Merite Européen in Gold und 2003 das Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

In seinen Reden und Schriften äußert sich der ehem. Diplomat betont deutschfreundlich. Dies war bereits während seiner Amtszeit als Botschafter des jüdischen Staates der Fall. Er hat auch uns seinerzeit einen sehr freundlichen Brief geschrieben, in dem er unseren Einsatz sowohl gegen Rechts- wie gegen Linksradikalismus sowie unser Eintreten für demokratische Werte ausdrücklich würdigt.

Primor nimmt auch nach seiner Diplomatenlaufbahn zu aktuellen Ereignissen Stellung, zB. nach dem Tod von Shimon Peres, dem israelischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträger: http://www.ndr.de/kultur/Avi-Primor-zum-Tod-von-Shimon-Peres,journal540.html

Das Kulturmagazin CICERO veröffentlichte im Oktober 2010 ein Interview mit Avi Primor. Dabei stellte ihm Daniel Schreiber auch folgende Frage:

„Zusammen mit der Journalistin Christiane von Korff haben Sie sich in Ihrem Buch „An allem sind die Juden und die Radfahrer schuld“ (Piper-Verlag) auf eine überraschend entkrampfte Weise mit Antisemitismus auseinandergesetzt. Deshalb möchten wir Ihnen eine provokante Frage stellen: Ist der Antiislamismus, der sich zurzeit in Westeuropa und den Vereinigten Staaten abzeichnet, mit dem Antisemitismus vergleideutschland-israel-flag-300x214chbar?“

Hierzu gibt Primor folgende Antwort:

„Vergleichbar sind sie nicht, weil die Umstände anders sind; wir sprechen hier von ganz anderen Maßstäben. In Deutschland machten die Juden zu Beginn des 20. Jahrhunderts höchstens ein Prozent der Bevölkerung aus, das sich außerdem noch ungewöhnlich erfolgreich integrierte. Anschläge oder Feindseligkeiten vonseiten der Juden gab es nie.

Auch die meisten Muslime sind nicht gewalttätig, wahrscheinlich gibt es auch eine Mehrheit unter ihnen, die sich integrieren will. Es gibt aber eben diese Minderheit unter ihnen, die das nicht macht. Und die löst eine Empörung aus.“

Zum Thema Antisemitismus im Westen erklärt der ehem. Botschafter:

„Interessanterweise ist der Antisemitismus in Westeuropa und Nordamerika in den vergangenen Jahrzehnten ununterbrochen zurückgegangen. Anhand von Meinungsumfragen haben wir das sorgfältig untersucht. Wenn auch manche Vorurteile bestehen bleiben, so hat sich die Haltung gegenüber den jüdischen Mitbürgern doch zunehmend normalisiert.

Auch haben wir versucht zu erklären, warum im Gegensatz zu dieser Lebensrealität viele Menschen glauben, dass der Antisemitismus zunimmt. Das liegt unter anderem daran, dass es in Westeuropa einen neuen, gelegentlich gewalttätigen Antisemitismus gibt, der von jenem radikalen Teil der muslimischen Bevölkerung ausgeübt wird.“

Sodann sagt Schreiber, Deutschland gelte in puncto Vergangenheitsaufarbeitung vielfach als Vorbild in der Welt: „In kaum einem anderen Land wurden so ausgeprägte Diskussionen über kollektive Schuld geführt, kaum ein anderes Land baut so viele Mahnmale.“

Die Antwort Primos lautet: „Ja, das ist eine unbestrittene Tatsache. Es gibt auch keinen vergleichbaren Fall in der Geschichte, in dem ein Land, das einen Krieg verliert, ohne Zwang Entschädigungen gezahlt hat – und dies nicht einmal einem anderen Land beziehungsweise dem Sieger, sondern einer Bevölkerung von einzelnen Individuen. Dass freilich auch die Verbrechen der Nazis in der Geschichte ohne Vergleich dastehen, muss ich hier nicht extra betonen.“

 


Arabischer Diplomat aus dem Irak besucht Israel und ist beeindruckt

Hamad Al-Sharifi, der für die irakische Regierung bereits als Diplomat in Jordanien und in Kuwait entsandt wurde, ist gestern zu einem Besuch in Israel eingetroffen. Dabei gilt er bei seinem Besuch als offizieller Gast des Außenministeriums und Al-Sharifi hofft darauf, eines Tages als irakischer Botschafter nach Israel entsandt zu werden.  COLLAGE-BLUSP2

Sein Besuch gilt als Durchbruch, denn Israel und der Irak führen bis heute keine diplomatischen Beziehungen. Al-Sharifi wird somit zusammen mit seinen israelischen Partnern einige Barrieren brechen. Während seines Besuchs trifft Al-Sharifi auf Israelis irakischer Herkunft, auf Mitglieder der Knesset sowie auf religiöse Vertreter der drei abhrahamitischen Religionen. Außerdem wird er mehrere historische Stätten besuchen wie z.B. die Gedenkstätte Yad VaShem.

Vor dem Abflug nach Israel sagte Al Sharifi, dass er sich wünsche, eines Tages Botschafter des Iraks in Israel zu sein und bedankte sich für die Einladung, das „wahre Israel“ zu sehen, welches im irakischen anti-israelischen Fernsehen nicht zu sehen sei.

„Ich verstehe mich als Freund Israels. Die Menschen müssen verstehen, dass es keinen Konflikt zwischen Arabern und Israelis gibt, sondern dass der Konflikt primär israelisch-palästinensischer Herkunft ist. Ich hoffe, dass dies bald ein Ende hat und Frieden regiert“, fügte Al-Sharifi hinzu.

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin


„Löwe von Fulda“: Würdigung unseres DYBA-Gedenkbandes in der „Tagespost“

Die „Tagespost“ aus Würzburg veröffentlichte am 27.2.2016 eine ausführliche Besprechung der Neuerscheinung aus dem KOMM-MIT-Verlag: „Der Löwe von Fulda“ über Erzbischof Johannes Dyba, den Oberhirten von Fulda, der am 23. Juli 2000 überraschend verstarb.

Der Autor Urs Buhlmann schreibt unter dem Titel „Über die Faszination des echten Hirten“ Folgendes über den von Felizitas Küble herausgebrachten Sammelband mit über 35 Beiträgen katholischer und evangelischer Verfasser:  Fürs CF verwenden

Ein Gedenkband zu Ehren des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba zeigt, dass klares Profil über die konfessionellen Grenzen hinaus ausstrahlt.

Er fehlt, er fehlt sehr: Johannes Dyba (1929 – 2000) war das Muster eines intelligenten Konservativen, eines vielseitig gebildeten Kirchenmannes, der seine Anliegen mutig und froh vertrat. Ein Bischof mit Herz und  –  das darf man bei einem in Berlin-Wedding Geborenen und in Pankow Getauften wohl sagen  –  „Schnauze“, einer, der sich nicht die Butter vom Brot nehmen ließ.

Das erfuhren auch seine bischöflichen Mitbrüder, die sich häufig genug eine Mitkommentierung bei journalistischen Anfragen durch den seit 1983 als Bischof von Fulda amtierenden vormaligen Kuriendiplomaten gefallen lassen mussten – auch wenn die Anfrage eigentlich dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz galt.

Bei Medien gefragt wegen seiner klaren Rede

Mit Dyba wollten die Journalisten sprechen, weil sie wussten, dass er Klartext redete, gerade wenn es um die kirchlichen Reizthemen ging. Darüber waren wieder manche in der Kirche heimlich froh, die sich öffentlich nie so zu Wort gemeldet hätten, auch wenn sie in der Sache einer Meinung mit dem klar formulierenden Fuldaer Oberhirten waren.

Wie gesagt, Dyba fehlt – doch jetzt kann man sich an ihn erinnern. Ein Gedenkbuch versammelt Reflexionen von 33 Autoren, auch aus dem evangelischen Bereich, zum „Löwen von Fulda“, wie er hier leicht verklärend genannt wird.

Der Band ersetzt nicht den 2002 erschienenen Sammelband von Gotthard Klein und Monica Sinderhauf in der empfehlenswerten Reihe „Quaestiones non disputatae“, gibt also keine Zusammenfassung der wichtigsten Predigten und Beiträge des Erzbischofs (und leider nicht einmal seinen Lebenslauf).

Er macht aber deutlich, wie vielen dieser unkonventionelle Kirchenmann etwas bedeutet hat und wie sehr sich offenbar „Normal-Katholische“ einen „unverschämt katholischen“ Hirten wünschen.

Weihbischof Laun über Dyba und den hl. Thomas Morus

Mitten hinein ins Dyba-Universum führt der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, der den Verstorbenen zu Thomas Morus in Verbindung setzt und zunächst einräumt: „Mag schon sein, dass er manchmal ,zu hart‘ formuliert hat und ,klüger‘ hätte sein können.“  bildma1

Aber genau diese undiplomatische Verkündigung des gelernten Diplomaten hätte Dyba mit den großen Propheten des Alten Testamentes gemeinsam gehabt. Dem österreichischen Mitbruder gefällt jedenfalls, was der deutsche Bischof einmal einem Journalisten auf die Frage nach seiner „Außenseiterrolle“ antwortete:

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verschwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“

Also sprach der Mann, der auch seinen Amtsbrüdern etwas auszurichten hatte: „Wenn Johannes der Täufer sich verhalten hätte wie die deutschen Bischöfe, wäre er im Bett gestorben.“

Unerschrockener Einsatz für die ungeborenen Kinder

Da mag Dyba auf seine kompromisslose Haltung zum Lebensschutz Bezug genommen haben, die nicht überall geteilt wurde: Er ließ die Glocken läuten für die Ungeborenen, die einer Abtreibung zum Opfer fielen, und stieg 1993 als Allererster aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung aus, weil „Lizenzen zum Töten“ eines ihrer Ergebnisse sein können. Foto von Elstrud Consoir

Dagegen und auch gegen erste staatliche Pläne zu einem Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare begehrte Dyba leidenschaftlich auf.

Weihbischof Laun erinnert sich an den Vorwurf eines anderen deutschen Bischofs: „Johannes, du operierst ohne Narkose“  –  worauf der Angegriffene antwortete: „Und ihr operiert gar nicht!“

Viele der Beiträge im Würdigungs-Band stammen aus den Reihen der Lebensschützer, die im verstorbenen Erzbischof  –  er führte dieses Rang als persönlichen Titel weiter, weil er ihn als Nuntius bekommen hatte, bevor er nach Fulda ging  –  einen Fürsprecher im Episkopat hatten wie seitdem kaum mehr.

Prof. Dr. Peter Beyerhaus: Er war auch „unser“ Bischof

Der evangelische Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus hält fest: „In der Tat sahen viele evangelische Christen in ihm ihren eigenen Bischof. Das zeigte sich darin, dass – wie er uns berichtete – über die Hälfte aller sich hilfesuchend oder dankbar an ihn wendenden Zuschriften von Protestanten kamen, die sich von ihren Kirchenleitungen geistig im Stich gelassen fühlten“.

Der lutherische Pastor Joachim Cochlovius: Wenn „evangelisch“ bedeutet, Grundsätze zu vertreten, dann war Bischof Dyba ein „evangelischer Christenmensch“.

Die Kombination von Eindeutigkeit und Kampfgeist verschaffte Dyba allerdings nicht nur Freunde, in gewisser Weise hat er sein ganzes Leben lang kämpfen müssen. Als Nuntius in Liberia wurde er damit konfrontiert, dass ein Oppositions-Politiker Schutz in der Nuntiatur suchte, wie Leo Lennartz zu berichten weiß. „Auch als Dyba selbst mit Erschießen gedroht wurde, gab er seinen Schützling nicht heraus.“  – Was dazu führte, dass er bei späterer Gelegenheit auf der Straße überfallen und krankenhausreif geschlagen wurde.

Sinn für Humor und Berliner Wortwitz

So war er nun innerlich gewappnet, denn sein Einsatz für den Lebensschutz in Deutschland brachte ihm wiederum Hass und Verfolgung ein  –  bis hin zu wiederholten Handgreiflichkeiten. Bei der „Verarbeitung“ mag ihm sein echter, von Herzen kommender Sinn für Humor, mit Berliner Wortwitz verbunden, geholfen haben. Jeder, der Dyba erlebt hat, erinnert sich an sein offenes Lachen. Jan laechelt von der Mauer des Bischofgartens  - Kopie

Einen „Katalysator“ im eigentlichen Sinn des Wortes nennt ihn sein CV-Bundesbruder Leo Lennartz: „Er provozierte Entscheidungen. Bei Erzbischof Dyba war es eigentlich einfach: Entweder war man für ihn oder gegen ihn. So machte er es Freunden und Gegnern leicht, sie aber keineswegs ihm. Die einen bezeichneten ihn als einen neuen Abraham a Sancta Clara, andere als Axt Gottes.“

Etwas deprimierend ist es, feststellen zu müssen, dass vieles, was Johannes Dyba an unheilvollen Entwicklungen vorausgesehen hat, seitdem noch weit schlimmer geworden ist, als es der hellsichtige Bischof seinerzeit vermuten konnte.

Müssen alle Bischöfe so sein wie Johannes Dyba? Wohl nicht, es wäre jedenfalls recht anstrengend für alle Beteiligten. Aber die Farbe, die er in das ansonsten doch recht einheitliche Spektrum der Bischofskonferenz eingebracht hat, die zugleich gelehrte, glaubensfeste und humorvolle Streitlust, gehört unbedingt mit hinein. Denn wie Stefan Meetschen in dem neuen Sammelband ganz zu Recht folgert: „Die Faszinationskraft echter Hirten vergeht nicht.“

Buch-Daten: Felizitas Küble (Hrsg.): Der Löwe von Fulda – 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba, Komm-mit-Verlag, Münster, 2015, 207 Seiten, ISBN 978-3-921090-98-5, Preis 14,80 €

Fotos: KM, Elstrud Consoir, Gaby Kaudel


Der erste Botschafter Israels in Deutschland, Asher Ben Natan, verstorben

Der Diplomat war von 1984 bis 1988 Ministerpräsident Israels

Asher Ben Natan, der erste Botschafter Israels in Deutschland, verstarb jetzt 93-jährig in Israel. Er war von 1965 bis 1969 israelischer Botschafter in Bonn. 

In Wien im Jahr 1921 geboren, Zionist seit frühester Jugend, nahm er den Geist des deutschsprachigen Judentums vor seinem Untergang auf. Als 17-jähriger Junge schaffte er während des „Anschlusses“ Österreichs die Flucht ins damalige Mandatsgebiet Palästina und war Mitbegründer des Kibbuz Dovrát. Asher Ben Natan

In der Rolle als Israels erster Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland (1965-1969), im zweiten Jahrzehnt nach der Schoah, fand Asher Ben-Natan zu seiner Lebensaufgabe und historischen Größe.

Seine Besuche in deutschen Städten, Schulen, Universitäten und jüdischen Gemeinden  –  stets jeweils „der erste Besuch“ –  wurden zu Massenereignissen. Das Herz des deutschen Publikums gewann er mit der ihm eigenartigen Mischung aus scharfem Verstand, moralischer Stärke, Sinn für Humor und ruhiger Würde, die seine Persönlichkeit ausmachten.

Er wusste es, immer im richtigen Tonfall, neben dem steten Wachen auf die Erinnerung an die Vergangenheit, beiden Gesellschaften auch eine Vision von Aussöhnung und Zusammenarbeit für die Zukunft zu zeigen.

Asher Ben-Natan diente Israel weiter als Botschafter in Frankreich (1969-1973) und als hoher politischer Berater, zuerst des Verteidigungsministers (1974-1977), dann des Ministerpräsidenten und Außenministers (1984-1988); 1978 bis 1983 war er Mitglied des Stadtrats von Tel Aviv.

Er begleitete die „besonderen Beziehungen“ weiter als Präsident der Israelisch-Deutschen Gesellschaft von 1980 bis 2008.

Dieses Amt verband er mit dem Vorsitz der Ben-Gurion-Stiftung und mit der Beschaffung von Mitteln für zahlreiche Kultur-, Wissenschafts- und Entwicklungseinrichtungen, darunter die Ben-Gurion-Universität, das Haus Hamburg, das Institut zur Wüstenforschung, das Sde-Boker-Kolleg, den internationalen Klavier-Wettbewerb zum Gedenken an Arthur Rubinstein etc. 

Der heutige israelischer Botschafter Yakov Hadas-Handelsman würdigte Ben Natan mit den Worten:

„Asher Ben Natan hatte wohl von allen israelischen Botschaftern in Deutschland die wichtigste und schwierigste Aufgabe, nämlich nur zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Shoah, eine gemeinsame Zukunft zum Wohle beider Völker zu schaffen, über alle Widrigkeiten und Traumata hinweg. Ohne sein Wirken würden unsere beiden Staaten heute nicht das Vertrauensverhältnis und diese enge Partnerschaft auf so zahlreichen Ebenen haben und es ist für mich eine große Ehre, diese Position heute ausfüllen zu dürfen.“

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin