FATIMA: Fragen zum „Gebet des Engels“

Dogmatik ist wichtiger als Privatoffenbarungen

Am 6. März dieses Jahres haben wir über einen visionären Sonder-Rosenkranz „zum einladenden Herzen“ berichtet, der eine theologisch eindeutig unzutreffende Formel enthält, denn dort ist die Rede davon, daß der Betende dem ewigen Vater die „Gottheit“ Christi aufopfert. 0013

Das allerdings ist nicht möglich, denn man kann Gott nicht die Gottheit aufopfern, weil diese unsterblich und zudem nicht leidensfähig ist.

Wir haben ausführlich  –  auch anhand päpstlicher Aussagen und dogmatischer Lehrbücher  –  dargelegt, daß diese Gebetsaussage logisch und theologisch unsinnig ist (siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/korrektur-an-einem-sonder-rosenkranz-die-gottheit-christi-wurde-nicht-geopfert/).

In den Leserkommentaren wurde mehrfach darauf hingewiesen, daß jene Formel von der Aufopferung der „Gottheit“ Christi auch im visionär entstandenen Rosenkranz der hl. Schwester Faustine vorkommt, außerdem im sog. „Engelsgebet“ von Fatima.

Wie wir bereits in unseren dortigen Antworten an jene Leser erläutert haben, hat die Dogmatik im Zweifelsfall den Vorrang vor Privatoffenbarungen, selbst wenn es sich um kirchlich „anerkannte“ Erscheinungen handelt.

„Es ist gestattet, daran zu glauben“

Das geläufige Wort „Anerkennung“ ist eine mißverständliche Übertragung des kirchenamtlichen Ausdrucks „Approbation“, der präziser  mit „Genehmigung“ oder mit „Billigung“ übersetzt würde.

Wenn die Kirche eine Erscheinung approbiert, bestätigt sie damit keineswegs mittels ihrer Lehrautorität eine himmlische Herkunft jener Privatoffenbarung. Vielmehr gestattet sie den Glauben an jene Erscheinung  – es geht also um eine Erlaubnis („Du darfst“), nicht um eine Verpflichtung („Du mußt“), nicht einmal um eine verbindliche Aufforderung („Du sollst“).  – Genaue Beweisführung dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/18/kirchliche-anerkennung-einer-erscheinung-bedeutet-es-ist-gestattet-daran-zu-glauben/ – Zudem: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/

Zurück zum „Engelsgebet“:

Die drei Engelserscheinungen von Fatima aus dem Jahre 1916 gehören schon rein formal nicht zum kirchlich gebilligten Bereich, da sich die bischöfliche Approbation von 1930 ausdrücklich allein auf die Marienerscheinungen vom Mai bis Oktober 1917 bezog (folglich nicht auf die ein Jahr vorher erfolgten Engelsvisionen).

Aufopferung der „Gottheit“ Christi?

In dem Buch „Schwester Lucia spricht über Fatima“ wird auf S. 58 (sowohl übersetzt wie auch mit ihrer Originalhandschrift) jenes Gebet des Engels wiedergegeben, das die theologisch merkwürdige Formel von der Opferung bzw. Aufopferung der „Gottheit“ Christi enthält.

Hier der volle Wortlaut jener Anrufung:

„Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
ich opfere Euch
auf den kostbaren Leib, das Blut,
die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus,
gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt,
zur Sühne für die Schmähunge, Sakrilegien
und Gleichgültigkeiten, durch welche Er selbst
beleidigt wird.

Durch die unendlichen Verdienste seines heiligsten Herzens
und die des Unbefleckten Herzens Mariens erflehe ich von Euch

die Bekehrung der armen Sünder.“

Zunächst erstaunt, daß sich die Aufopferung Christi auch an den „Sohn“ wendet (1. Zeile). Kann man denn den Sohn dem Sohne aufopfern? Wie die Kirche lehrt, opfert sich Christus dem himmlischen Vater auf (das gilt für Kreuzesopfer und sakramentales Meßopfer gleichermaßen). Sodann heißt es in der nächsten Zeile: „ich opfere Euch auf…“, womit erneut der irreführende Gedanke wiederholt wird, als ob der Sohn dem Sohne aufgeopfert werde.

Vor allem aber ist bei dieser Opferformel neben Leib und Blut auch die Seele und „Gottheit“ des Erlösers erwähnt. Daß dieses Gebet daher jenen Irrtum enthält, haben einige Theologen eingeräumt, die den Fatima-Ereignissen ansonsten durchaus zugeneigt sind.

So schreibt z.B. der theologisch konservative, lehramtstreue und angesehene Professor Konrad Algermissen in seinem 1949 erschienenen Werk „Fatima und seine Botschaft an die heutige Menschheit“ auf S. 20 hierzu:

„Ein Gebet, das einen dogmatischen Unsinn enthält, kann unmöglich eine Privatoffenbarung Gottes sein.“

„Glaubensunklarheiten und falsches Beten“

Er fügt hinzu: „Unverständlich ist, daß Fatima-Schriften dieses Gebet ohne jede Kritik als Engels-Botschaft nachdrucken und dadurch Anlaß für Glaubensunklarheiten und falsches Beten werden.“

Foto: Paul Badde

Foto: Paul Badde

Zu seiner Beschwerde über jene Fatima-Schriften sei angemerkt:

Inhaltlich hat Prof. Algermissen freilich recht, allerdings geht diese Anrufung auf Aussagen der Seherin Lucia selbst zurück. Als sie auf den Irrtum in jenem „Engels-Gebet“ angesprochen wurde, soll sie ziemlich flapsig geäußert haben, dieser Engel habe ja „vielleicht keine Theologie studiert“.

Das berichtet Prof. Gonzaga da Fonseca in seinem Pro-Fatima-Klassiker „Maria spricht zur Welt“ auf S. 132. Er bestätigt außerdem, daß Lucia noch im Jahre 1946 (also genau 30 Jahre später) gegenüber Pater Jongen ausdrücklich auf jener Formulierung (Aufopferung der „Gottheit“) bestand; dieser Ausdruck sei keineswegs versehentlich in ihren Text gerutscht, sondern wörtlich vom Engel so gesagt worden.

Der Jesuitenpater und Bibelwissenschaftler Dr. da Fonseca hatte zuvor noch mit dem Gedanken gespielt, das Wort „Gottheit“ sei von den Seherkindern selber eingefügt worden, weil ihnen der Ausdruck „Gottheit und Menschheit“ von eucharistischen Gebeten oder Liedern her geläufig war.

Der kath. Bibelübersetzer Dr. Otto Karrer schrieb in seiner Abhandlung „Privatoffenbarungen und Fatima“ (erschienen in „Geist und Leben“ 1947) auf S. 494: Der vom Engel vorgebetete Text enthalte „das theologisch immerhin Seltsame einer „Aufopferung“ auch der Gottheit Christi.

Auch der bekannte Theologe Prof. Karl Rahner SJ schrieb, jene Aufopferungsformel sei „theologisch unmöglich“  – nachzulesen in seinem Buch „Visionen und Prophezeiungen“ von 1958, das Privatoffenbarungen insgesamt recht wohlwollend darstellt.

Auch sein Ordensbruder, der Jesuitenpater Bernward Brenninkmeyer SJ erklärte 1948 in der „Schweizer Rundschau“:

„Einen weiteren Grund, der hier zur Vorsicht mahnt, bietet die Aufopferungsformel, die der Engel die Kinder gelehrt hat und die theologisch nicht ganz einwandfrei ist. Sie enthält nämlich die Aufopferung des Leibes und Blutes, der Seele und der  G o t t h e i t  unseres Herrn Jesus Christus. Die Gottheit Christi aber kann niemals Gegenstand einer menschlichen Aufopferung sein.“fatima-ruft-2-2016

Zur Klarstellung: In jenem Satz („Ich opfere Euch auf…die Gottheit Christi“) geht es ersichtlich um eine Aufopferung der Gottheit Christi   –  und nicht etwa um die eucharistische Realpräsenz, wonach unser HERR selbstverständlich im Altarsakrament mit Leib und Blut, mit Menschsein und Gottheit gegenwärtig ist; es geht in jenem Satz auch nicht um den Opfercharakter der heiligen Messe, der ein Wesenselement der Eucharistie ist.

Überdies ist die Formulierung „in allen Tabernakeln der Erde“ unpräzise; denn Jesus ist realpräsent in jeder heiligen Hostie (wobei sich nicht jede Hostie in einem Tabernakel befindet  –  und auch nicht unbedingt alle Tabernakel der Welt eine hl. Hostie enthalten).

Zudem ist es auch theologisch völlig unzutreffend, von den „unendlichen“ Verdiensten des Unbefleckten Herzen Mariens zu reden, wie dies in jener Engels-Anrufung der Fall ist. Christus allein konnte wegen seines göttlichen Wesens „unendliche“ Verdienste für unser Heil erwerben; für Geschöpfe ist das unmöglich, folglich auch für Maria.

Da es immer wieder heißt, man solle solch ein Gebet auch in seinem Zusammenhang darstellen, wollen wir diesen Kontext aus dem Jahre 1916 (diese Engels-Vision fand ein Jahr vor der ersten Marienerscheinung vom 13.5.1917 statt) hiermit erläutern:

Kommunion-Empfang durch einen Engel?

Wie die Hauptseherin von Fatima, Sr. Lucia, später erklärte, sei ihr und ihren beiden Verwandten, nämlich den Kindern Francesco und Jacinta, ein Engel erschienen und habe ihnen die heilige Eucharistie gereicht.

Nach jenem umstrittenen Gebet geschah – laut dem Bericht der Hauptseherin Lucia  –  folgendes Ereignis (vgl. S. 58):

„Danach erhebt der Engel sich, ergreift den Kelch und die Hostie, reicht mir die hl. Hosie und teilt das Blut im Kelch zwischen Jacinta und Francisco, wobei er spricht: „Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnet ihre Sünden und tröstet Euren Gott.“  –  Er kniete sich von neuem auf die Erde, wiederholte mit uns noch dreimal das gleiche Gebet: „Heiligste Dreifaltigkeit…“ und verschwand.“

Hier stellen sich zusätzlich zur irreführenden Aufopferungs-Formel weitere Fragen, nämlich aus meiner Sicht folgende: 

1. Christus  ist  u n s e r  Trost, der Heilige Geist ist unser Tröster und Beistand. Warum spricht der Engel zu den kleinen Kindern: Tröstet euren Gott?  –  Benötigt der Ewige, der allmächtige und dreieinige Gott, den „Trost“ von zwei kleinen Mädchen und einem Knaben?

Sodann: Warum werden die Kinder kurz vor jener „Kommunion“ dazu aufgefordert, die Sünden der „undankbaren Menschen“ zu „sühnen„?   – Gerade die heiligste Eucharistie erinnert uns doch daran, daß CHRISTUS selber durch seinen Opfertod die Sühne für unsere Sünden ist. Dieses Heilswerk des HERRN kann wohl kaum an drei Seherkinder „delegiert“ werden?

2. Welchen Sinn hat überhaupt jene „Engels-Kommunion“ an die kleinen Hirten? –  Immerhin war es bei Jacinta (6 Jahre alt) und Francesco (8 Jahre alt) eine Art „Erstkommunion“. Lediglich Lucia hatte mit ihren 9 Jahren bereits in ihrer Pfarrkirche die Erstkommunionfeier erlebt. Warum sollte der Himmel die kirchliche Erstkommunion gleichsam „vorwegnehmen“?5d56a7150a

3. Damals war die Erstbeichte vor der Erstkommunion noch eine Selbstverständlichkeit. Diese hatte aber bei Lucias beiden kleinen Verwandten bislang nicht stattgefunden. Welchen Sinn sollte es wohl haben, den beiden Kindern ohne Erstbeichte schon die hl. Eucharistie zu reichen?

4. Engel sind weder Kommunionspender noch Priester. In jener Zeit durften allein die Geistlichen den Leib des HERRN an die Gläubigen austeilen. Der Himmelsbote konnte zudem sicherlich keine heilige Wandlung vollziehen. Woher hat er also die eucharistischen Gestalten (Hostie und Kelch) „geholt“? Etwa von einem Priester aus dessen Meßfeier „einfach so“ weggenommen? 

5. Warum hat der Engel den beiden Kindern Francesco und Jacinta, die noch keine Erstbeichte kannten, vor jener „Kommunion“ nicht wenigstens ein Reuegebet als Ersatz gelehrt? 

Stattdessen sprach der  – wie er sich nannte  –  „Engel des Friedens“ bei seiner vorigen Erscheinung folgende Gebetsformel, die auch zu den bekannten Fatima-Anrufungen gehört:

„Mein Gott, ich glaube an Dich, ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich und ich liebe Dich.

Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die an Dich nicht glauben, Dich nicht anbeten,
auf Dich nicht hoffen und Dich nicht lieben.“

Warum werden die Seher nicht angeleitet, Gott zunächst für ihre eigenen Sünden und Nachlässigkeiten um Vergebung zu bitten?  – Stattdessen wird der kritische Blick auf andere, nämlich auf „jene“ gelenkt, die „nicht glauben“ usw…

In der Broschüre „Fatima, die Botschaft des Jahrhunderts“ (herausgegeben vom Fatima-Weltapostolat in Deutschland) heißt es auf Seite 4, jene Engelserscheinung habe die Seher aufgefordert: „Betet so!“ 

Danach schildert die Publikation folgendes: „Hingerissen wiederholten die Kinder dreimal, was sie den Engel sagen hörten. Dann entschwand der Engel. Dieses unvergessliche Gebet des Engels beteten sie oft bis zur Erschöpfung.“

6. Weshalb erhielten die sechs- und acht-jährigen Kinder (Jacinta, Francesco) nicht allein die hl. Hostie, sondern auch den Kelch des HERRN? –  Damals war Kelchkommunion für Laien nicht einmal Ausnahmefällen angesagt, schon gar nicht ausgeteilt an kleine Kinder. Warum sollte ein Bote Gottes völlig anders handeln, als es die kirchliche Praxis vorsieht, die sich zudem auch heute bei der Erstkommunionfeier auf das Austeilen der hl. Hostie beschränkt.

7. Wirkt jene „Eucharistie-Szene“ von Fatima nicht eher pseudomystisch?  – Wird hier nicht das Altarsakrament zu einem fast magischen Vorgang degradiert? Warum werden zwei kleine Kinder von einem Engel völlig unvorbereitet mit einer „Erstkommunion“ überrascht? Bedurften sie etwa keiner Hinführung, keiner Katechese (Glaubensunterweisung)?  –  Jene Engelserscheinung hat sie ihnen jedenfalls nicht erteilt.

Abgesehen davon wußte der kleine Francesco ohnehin nicht recht, wie ihm geschah – und es mußte ihm später von Jacinta erst erklärt werden, daß er eine Engelskommunion empfangen habe (nachzulesen in „Sr. Lucia spricht über Fatima“, S. 117).

Islamische Gebetshaltung des Engels

8. Zudem heißt es in der bereits erwähnten Fatima-Broschüre (S. 4) über die 1. Erscheinung eines Engels auf dem „Loca de Cabeco“ im Frühjahr 1916: foto-dcubillas-www_freimages_com_

„Die Kinder erblickten in einiger Entferung über den Bäumen ein Licht in der Gestalt eines Jünglings (…). Niederkniend, die Stirn bis zur Erde gebeugt, sprach er dreimal: „Mein Gott, ich glaube an Dich…“

Warum sollte ein Engel Gottes diese typisch islamische Gebetshaltung einnehmen?  – Niederknien mit der Stirn bis zum Boden ist im Judentum und Christentum nicht geläufig, weder in der hl. Messe noch in der religiösen Kunst, etwa bei Darstellungen von der Anbetung Gottes durch die Engel, Bildern vom himmlischen Jerusalem (siehe Foto ganz oben) etc.

Es gibt zwar die sog. Prostration (vollständiges Niederlegen) im Rahmen einer Priesterweihe, doch auch dies unterscheidet sich deutlich vom islamischen Unterwerfungs-Ritus (Knien, Gesäß nach oben, Stirn nach unten).

Vereinzelt wird zwar im Alten Testament erwähnt, daß sich ein Patriarch oder Prophet vor Gott mit dem Angesicht zur Erde neigte bzw. bis zur Erde beugte.

Freilich wird der Prophet Ezechiel in Ez 1,28b.2.1-5 von Gott selber aufgefordert, sich auf seine Füße zu stellen, denn ER, der HERR, wolle mit ihm, dem „Menschensohn“, reden; dabei solle sich der Prophet in eine aufrechte Haltung begeben, was  – rein menschlich gesehen  –  auch das Zuhören, das Hören auf den Höchsten erleichtert. (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/05/gott-sprach-zum-propheten-ezechiel-stell-dich-auf-die-fuse-menschensohn/)

Die Gebetshaltung des Engels entspricht einer gängigen islamischen Gebetspraxis. (Daran ändert sich nichts, wenn diese Geste bisweilen auch in anderen orientalischen Kulturkreisen vorkommt.) Im Judentum und Christentum ist sie jedenfalls nicht üblich. Welchen Sinn soll dies also letztlich ergeben?

Bereits der Erscheinungsort (Cova da Iria bei Fatima) erinnert an den Islam:

Fatima ist ein arabisches Wort; zugleich ist Fatima die von Muslimen sehr geschätzte und im Koran erwähnte Lieblingstochter Mohammeds. Nach dem Tod Fatimas schrieb Mohammed: „Du sollst die gesegnete aller Frauen im Paradiese sein  –  nach Maria.“ 

Die „Fatima-Hand“ ist geradezu ein Amulett (Zaubermittel, magisches Maskottchen) in islamischen und esoterischen Kreisen, zB. hier: http://www.engelsrufer.de/Rufe-Deine-Engel/Bedeutungen/Bedeutung-Hand-Fatimas

Im streng-islamischen Iran wird der Muttertag nicht wie sonst am 2. Sonntag im Mai gefeiert, sondern am Geburtstag von Fatima nach dem islamischen Mondkalender (meist Ende Februar).

Der bekannte US-amerikanische Bischof Fulton J. Sheen veröffentlichte 1952 das Buch „Mary and the Moslems“ (Maria und die Moslems). Er meint, die himmlische Madonna sei aus besonderer „Weitsicht“ heraus  bewußt in dem „portugiesischen Dörfchen namens Fatima erschienen (das nach der Tochter Mohammeds während der muslimischen Besatzung benannt wurde) und so als Unsere Liebe Frau von Fatima bekannt“ geworden.  

Der Autor fügt hinzu: „Wenn in Afrika, Indien oder sonstwo eine Statue ´Unserer Lieben Frau von Fatima` durch muslimische Gebiete getragen wird, strömen die Muslime tatsächlich zu Hunderten herbei, um sie zu verehren.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet ehrenamtlich des Christoferuswerks in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


„Frankfurter Rundschau“: polemische Klischees über Kardinal Gerhard L. Müller

Von Felizitas Küble

So wie Papst Benedikt als Chef der Glaubenskongregation von der hiesigen Mainstream-Presse einst gerne als „Panzerkardinal“ oder „Inquisitor“ abgestempelt wurde, ergeht es von Anfang an auch dem heutigen Präfekten und jetzt frischgebackenen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, vormals Oberhirte des Bistums Regensburg und seit über eineinhalb Jahren amtlicher Hüter des Glaubens, berufen von Papst Benedikt, der den brillanten früheren Dogmatik-Professor sehr zu schätzen weiß.  AL-0003

Anders sieht es freilich  –  wen wundert es?  –   in der deutschen Medienwelt aus. Die der SPD nahestehende „Frankfurter Rundschau“ gab am gestrigen Samstag, den 22. Februar, online bereits den passenden „Ton“ an:

Unter dem bezeichnenden Titel „Autoritärer Hardliner“ zeichnet Regina Kerner ein entsprechendes Bild bzw. Zerrbild des neuen Kardinals. Die nächste Zwischenüberschrift bietet bereits eine polemische Steigerung: „Katholischer Ayatollah“.

Schon der erste Satz läßt tiefe redaktionelle Verbitterung ob der von Papst Franziskus verliehenen Kardinalswürde für Erzbischof Müller erahnen: „Dass Gerhard Ludwig Müller sich von nun an in die Farbe Purpur kleiden kann, erfreut bei weitem nicht alle Katholiken.“

Die Verfasserin bezeichnet den Glaubenspräfekten als „Mann von hünenhafter Statur und strenger Ausstrahlung“  –  aber nicht einmal der Frankfurter Rundschau gelang es offenbar, ein Porträtbild Müllers aufzutreiben, das diese angebliche „Strenge“ belegen könnte..

Sodann heißt es, dieser „Hüter der katholischen Doktrin ist zwar einer der mächtigsten Männer im Vatikan, aber auch einer der umstrittensten. Viele kirchliche Laien- und Reformbewegungen sehen in dem prinzipientreuen Konservativen einen autoritären Hardliner, Inquisitor oder gar katholischen „Ayatollah“.“

Sobald es freilich an die Begründung für jene Klischees geht, scheitert die so forsch schreibende FR-Autorin am einfachsten theologischen ABC: AL-0005

„Forderungen, die Kirche müsse die Lebenswirklichkeit der Menschen stärker respektieren und etwa Geschiedene nicht mehr ausgrenzen, lehnt der 66-Jährige ab. Man dürfe die Gläubigen hinsichtlich der kirchlichen Lehre über die Unauflöslichkeit der Ehe nicht verwirren.“

Betroffene Katholiken sind nicht „ausgegrenzt“

Zum Nachbüffeln wollen wir klarstellen:

1. Geschiedene werden sowieso nicht „ausgegrenzt“; es geht bei der dabei angesprochenen Debatte allein um  jene Katholiken, die nach Scheidung eine (nicht-kirchliche) Zivil-Ehe eingegangen sind. Wegen der Unauflöslichkeit einer gültig geschlossenen und vollzogenen Ehe ist diese „Wiederheirat“ grundsätzlich nicht erlaubt; daher sind die Betreffenden nicht zum Tisch des HERRN eingeladen.

2. Aber auch die Betroffenen sind keineswegs, wie die FR unterstellt, pauschal „ausgegrenzt“: sie sind nicht exkommuniziert (also nicht aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen); sie sind zum Sonntagskirchgang nicht nur eingeladen, sondern wie alle Katholiken verpflichtet, gehören also schlicht zum katholischen Kirchenvolk. Daß sie nicht zur hl. Kommunion zugelassen sind, ist eine Situation, die sie mit all jenen Kirchgängern teilen, welche sich im Zustand einer schweren Sünde (welcher Art auch immer) befinden, wozu beileibe nicht allein an das 6. Gebot zu denken ist (sondern an alle!).

Weiter berichtet FR-online über Kardinal Müller:

„Glauben und Moral dürften nicht verwässert werden, das ist Müllers Überzeugung. Er streitet gegen Relativismus, Verweltlichung und die Anpassung der Kirche an den Zeitgeist. Selbst im Vatikan sehen das einige kritisch. „Für ihn gibt es nur richtig oder falsch, das war’s“, sagt der honduranische Kardinal Maradiaga über seinen Mitbruder.“ Müller

Hierbei befindet sich der Kirchenmann Müller (und nicht etwa der Kardinal aus Honduras) freilich in bester Gesellschaft, hatte doch schon Christus ohne Wenn und Aber verkündet: „Euer JA sei ein JA, euer NEIN sei ein NEIN, alles andere ist vom Bösen.“

Näheres über die unangemessenen, zudem wenig kollegialen Seitenhiebe von Kardinal Maradiaga lesen Sie HIER.

Katholische Priester gegenüber Medienhetze verteidigt

Natürlich wird dem vatikanischen Glaubenshüter seitens der „Frankfurter Rundschau“ auch  verübelt, daß er sich schützend vor die katholische Priesterschaft stellte, nachdem der Klerikerstand vielfach von Medien und Politikern unter unfairen Generalverdacht gestellt wurde:

„Angesichts des Missbrauchs-Skandals bestritt er eine generelle Verantwortung der Kirche, die öffentliche Empörung über den Limburger Bischof Tebartz-van-Elst tat er als Medienkampagne ab.“

Daß es sich tatsächlich bei jener monatelangen Stimmungsmache weitgehend um eine üble Schlammschlacht handelte, haben längst auch Nicht-Katholiken erkannt, zB. der bekannte evangelische Fernsehmoderator Peter Hahne (siehe HIER).

Unter dem Zwischentitel „Signal an traditionalistischen Flügel der Kurie“ bedient die FR zunächst weiter ein paar medienübliche Klischees: 

„Seit mit Franziskus ein offenerer Stil im Vatikan eingezogen ist, galt der Glaubenspräfekt als der konservative Gegenspieler. Müller bestreitet das, Franziskus und er hätten ein herzliches Verhältnis. Dass er nun Kardinal wird, ist nicht nur ein klares Signal an den traditionalistischen Flügel der Kurie.“

Danach gerät die Darstellung etwas differenzierter:

„Es gibt tatsächlich auch vieles, das den Argentinier, der eine Kirche für die Armen will und den Deutschen verbindet: Müller ist Lateinamerika-Experte, seit Jahren ein engagierter Kämpfer gegen die Armut auf dem Kontinent und überraschenderweise ein Verfechter der Befreiungstheologie. In Peru wurde er zum Ehrenbürger eines Slums ernannt.“

Die Redakteurin verschweigt allerdings, warum Kardinal Müller in Lateinamerika so wertgeschätzt wird: Weil er als deutscher Priester selber dort gelebt und unter den Armen gewirkt hat. Während Linksgruppen gerne Sprüche klopfen für die Unterdrückten und Entrechteten in aller Welt, hat sich dieser Geistliche höchst lebenspraktisch engagiert.

Was die sog. Befreiungstheologie betrifft, so ist der vatikanische Glaubenspräfekt bekanntlich seit Jahrzehnten mit dem namhaften Befreiungstheologen Pater Gustavo Gutiérrez befreundet, lehnt dabei aber den marxistischen Flügel strikt ab, gehört also zum gemäßigten Spektrum.

Fotos: Bistum Regensburg


Der Papst würdigt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller in einer Festschrift

Papst Benedikt XVI. in einer 2007 erschienenen Festschrift zum 60. Geburtstag des Regensburger Oberhirten

Lieber Bischof Gerhard Ludwig!
In der Festschrift zu Deinem 60. Geburtstag möchte ich wenigstens mit einem Grußwort vertreten sein. Ich erinnere mich noch gut unserer ersten Begegnung, als Du mir Deine eben erschienene Dissertation über die Sakramente im Denken von Dietrich Bonhoeffer überreicht hast: Eine ökumenische Arbeit besonderer Art, die bei einem großen protestantischen Denker, den wir von seinen zentralen Thesen her alle zu kennen glauben, unerwartete Aspekte aufzeigt und so auf besondere Weise zur Begegnung einlädt.

1995 hast Du mir dann Deine „Dogmatik“ zugesandt. Sie ist  –  soweit ich sehen kann  –  das einzige derzeit auf dem Markt befindliche Lehrbuch unseres Fachs, das von einem einzigen Verfasser geschrieben ist und so das große Gefüge der Welt des katholischen Glaubens in seiner inneren Einheit sichtbar macht.

Als besonderer Vorzug kommt noch dazu, daß das Werk sich in einem Umfang hält, der es für Studenten als Arbeitsbuch geeignet macht. Damit hast Du eine wichtige Markierung gesetzt, denn die Theologie und auch das Fach Dogmatik droht sich in Spezialisierungen aufzulösen, die das Ganze nicht mehr erkennbar werden lassen, wo doch alles einzelne in unserem Glauben eben nur von seiner Ganzheit her recht verstanden werden kann.

Nach diesen mehr literarischen Begegnungen sind wir uns persönlich nahe gekommen in den Jahren, in denen Du Mitglied der Internationalen Theologenkommission warst, deren Präsident ich als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre gewesen bin. Wir alle haben immer Deine umfassende Kenntnis der ganzen Geschichte von Dogma und Theologie bewundert, die in Deinen Gesprächsbeiträgen zum Vorschein kam und die das Fundament für Dein immer zuverlässiges Urteil gewesen ist.

Bei allem haben wir auch gespürt, daß Deine Theologie nicht bloße akademische Gelehrsamkeit war, sondern  –  wie es das Wesen der Theologie verlangt  –  Mitdenken mit dem Wort des Glaubens, Mitdenken mit dem Wir der Kirche als dem gemeinsamen Subjekt des Glaubens war und ist.

Du hast dafür gesorgt, daß die Arbeiten der Internationalen Theologenkommission auch in Deutschland bekannt wurden und hast in all diesen Jahren mit wichtigen Beiträgen zu den drängenden theologischen Fragen der Gegenwart Stellung genommen.

Du hast Dich darum gemüht, das vielfach auf verzerrende Stichworte reduzierte Dokument „Dominus Iesus“ verständlich zu machen.

Als Bischof von Regensburg hast Du das biblische Grundwort Dominus Iesus – Jesus ist der Herr (Röm 10,9; 1 Kor 12,3) – als Wahlspruch gewählt und damit zugleich ein Programm festgelegt: Christus steht in der Mitte des bischöflichen Dienstes; er ist die Mitte unserer christlichen Existenz.

Im Augenblick Deiner Bischofsweihe, als die Diskussion um das so beginnende Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre noch voll im Gang war, war dieser Wahlspruch zugleich ein Hinweis darauf, daß das Lehramt mit dem umstrittenen Dokument uns eben zu dieser Mitte unseres Glaubens zurückrufen wollte.

Nun sind es schon fünf Jahre, seitdem Dir der Bischofsstuhl des heiligen Wolfgang anvertraut wurde. Du hast manche Stürme erleben müssen, und andere werden wohl noch kommen.

Aber niemand konnte in dieser Zeit daran zweifeln, daß Du letztlich dies eine willst: Zeugnis für Jesus Christus geben, in dem Gott uns sein Angesicht zugewandt und sein Herz geöffnet hat.

So möchte ich Dir bei Deinem 60. Geburtstag wünschen, daß der Herr Dir hilft, immer sein getreuer Zeuge und so „Mitarbeiter unserer Freude“ (2 Kor 1,24) zu sein.

Rom, am Fest des heiligen Hilarius 2007
Benedikt XVI.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/bischof/borPage004524.asp

Fotos: Bischöfliches Presseamt Regensburg


Leugnete Erzbischof Müller – Chef der Glaubenskongregation – wirklich die Jungfrauengeburt ?

MARIA ist Jungfrau immerdar – und zugleich Realsymbol für das volle HEIL und Heilsein in CHRISTUS

Seitens mancher traditioneller Gruppen und Webseiten wird derzeit behauptet, der frisch ernannte Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, bestreite nichts weniger als die Jungfrauengeburt bzw. immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter; folglich verbreite er Irrlehren, sei gar ein „Ketzer“, „Häretiker“ etc. 0012

Einige Kritiker drücken dieselbe Anschuldigung etwas vorsichtiger aus, indem sie einräumen, der Erzbischof habe wohl das Virgo-Dogma  als solches nicht  geleugnet, sich aber nicht an die „Hermeneutik“ bzw übliche Auslegungstradition gehalten. – Nun ist eine solche Deutungstradition  –  mag sie auch weit verbreitet sein –  durchaus nicht mit dem Dogma selber gleichzusetzen, so daß der Häresie-Vorwurf insoweit schon rein formal gesehen nicht aufrechterhalten werden kann.

In dieser Debatte wird eine bestimmte Äußerung von Dr. Gerhard L. Müller (als er noch Theologieprofessor war) erstens aus dem Kontext bzw. Zusammenhang gerissen; zweitens wird nicht immer ausreichend berücksichtigt, daß die Geburt Christi aus der Jungfrau Maria sowohl natürliche wie übernatürliche Dimensionen aufweist, zumal unser Erlöser in seiner Person Gott und Mensch zugleich ist.

So ist auch seine Geburt eine wirkliche Geburt und doch wunderbar; also gewissermaßen ein „Miteinander“ von göttlichem Wirken und menschlicher Natur.

Jesu wahres Menschsein hat die Kirche immer verkündet, auch gegenüber Irrlehren aus dem gnostischen Doketismus, der behauptete, Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt, also keinen wirklichen menschlichen Leib, keine wahre menschliche Natur.

Zugleich bekennt sich die Kirche voll und ganz zur Gottheit Christi, so daß seine Geburt aus Maria vom übernatürlichen Glanz seiner Herrlichkeit überstrahlt ist  – und die Madonna auch „in der Geburt“ Jungfrau blieb („virginitas in partu“).

Dabei kann bedacht werden, daß Christus nach seiner Auferstehung mit seinem wirklichen und zugleich verherrlichten Leib durch verschlossene Türen gehen konnte und seinen Aposteln erschien. Allerdings gilt dieser Vergleich nicht im Sinne einer direkten Gleichsetzung,  sondern eher als Hinweis zum leichteren Verständnis.

Freilich hat sich die Kirche  –  wohl aus Gründen der Vernunft und des guten Geschmacks  –  zu gynäkologischen Einzelheiten von Marias Jungfrauschaft „in der Geburt“ niemals lehramtlich festgelegt.

Die Jungfräulichkeit der Madonna ist überdies kein Selbstzweck, sondern mit ihrer  einzigartigen Berufung zur Gottesmutterschaft verbunden, die das Fundament aller weiteren kirchlichen Lehren über Maria darstellt.

Marias Gottesmutterschaft ist „ihre wesentliche Bestimmung“

Der bekannte Mariologe und Kardinal Leo Scheffczyk schreibt hierzu, daß die marianische Wahrheit nicht im Bekenntnis zur Jungfräulichkeit ihr „Zentrum“ hat, sondern daß vielmehr „die Gottesmutterschaft die wesentliche Bestimmung des Personalcharakters Mariens darstellt.“

Das grundlegende Dogma über Maria ist jenes über die „Theotokos“, die Gottesmutterschaft.

Der Mariologe fügt hinzu, daß die „Jungfräulichkeit als eigentümliche Verwirklichungsform dieses Mutterseins zum Personalcharakter der Mutter Jesu hinzukommt.“  (Vgl. sein Buch „Katholische Glaubenswelt“, S. 277)

Auf S. 281 betont der Kardinal über das „Glaubensgeheimnis der Jungfräulichkeit Mariens“:

„Wenn man hier ein Geheimnis anerkennt, so ist damit auch gesagt, daß der Blick nicht vorschnell und einseitig auf das darin sicher eingeschlossene biologische Faktum gehen soll.“

Die jungfräuliche Gottesmutterschaft sei „ein tiefes Mysterium“ und erschließe sich vor allem sittlich und geistlich, wenngleich die biologische Ebene dazugehört. Kardinal Scheffczyk schreibt hierzu:

„Man darf deshalb auch beim Geheimnis der Jungfrauengeburt und der Jungfräulichkeit Mariens nicht ausschließlich an das biologische Moment denken.“ (S. 281)

Die bleibende Jungfräulichkeit Mariens wurde bereits in spätantiker Zeit als Glaubenssatz gelehrt (Synode zu Mailand, 390 n. Chr.), auf dem 5. Konzil von Konstantinopel (553 n. Chr.) mit der Formel von der „Jungfrau immerdar“ erneut verkündet und auf der Lateransynode 649 n. Chr. unter Papst Martin I. dogmatisch bekräftigt.

Im betreffenden Kanon 3 heißt es wörtlich:

„Wer nicht gemäß den heiligen Vätern im eigentlichen Sinne und der Wahrheit entsprechend die heilige, allzeit jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie ja eigentlich und wahrhaftig Gott, das Wort, selbst, der vor allen Zeiten aus Gott, dem Vater, geboren wurde, in den letzten Zeiten ohne Samen aus dem Heiligen Geist empfangen und unversehrt gebo­ren hat, wobei ihre Jungfrauschaft auch nach seiner Geburt unzerstört blieb, der sei verurteilt.“  (DH = Denzinger: 503)

Soweit das Dogma zur Jungfräulichkeit „in der Geburt“,  um das es in der „Müller-Debatte“ geht.

Während sich freilich Erzbischof Müller klar zu dieser Aussage des „außerordentlichen“ Lehramts bekennt (Zitat siehe Schlußteil dieses Artikels), hatte der Theologe Karl Rahner das Dogma auch dadurch zu relativieren versucht,  indem er erklärte, es habe sich lediglich um eine regionale Synode gehandelt, nicht um ein allgemeines Konzil  – was so nur teilweise zutrifft.

Auch die großen, heiligen Kirchenväter des 4. und beginnenden 5.  Jahrhunderts, nämlich Ambrosius (gest. 397), Hieronymus (+420) und Augustinus (+430) bekannten sich eindeutig zur allzeit jungfräulichen Mutter des HERRN.

Schon zuvor schrieb der hl. Kirchenlehrer Ephräm der Syrer (4.Jh.):

„In Maria mußte die Natur von ihren Gesetzen abgehen, denn Maria empfing und gebar als Jungfrau; diesen Weg vermag die Natur nicht zu gehen. Das Kind wurde wie alle Kinder geboren, doch seine Mutter blieb Jungfrau. (…)  Sie empfing und gebar ohne Zutun eines Mannes (…)  – ein in der Welt völlig unerhörtes Wunder. Einem Sohn hat sie das Leben gegeben, den alles bewundert. Wie dies geschah, ist unserem Verständnis entrückt. Die Gelehrten sind unfähig, dieses Geheimnis zu ergründen: Das Mädchen stillt, eine Jungfrau ist Mutter.“  (5. Hymnus, Vers 1 – 4)

Das Mädchen stillt“  – auch durch die Tatsache, daß die Madonna dem Christkind ihre Mutterbrust reichte, wird ein natürlicher Vorgang und auch so das wahre Menschsein, die volle menschliche Natur unseres göttlichen Heilands deutlich.

Erinnern wir uns an das Marienlob einer Frau aus dem Volke, die Christus zurief: „Selig der Leib, der Dich getragen, und die Brust, die Dich genährt hat!“ (Lk 11,27) – Die Antwort Jesu („Ja, selig sind jene, die Gottes Wort hören und bewahren!“)  ist kein Widerspruch, sondern vielmehr eine Bestätigung und zugleich ein Hinweis darauf, daß Marias Mutterwürde sich nicht auf das Leibliche beschränkt, sondern vor allem im Geistigen und im Glauben gründet, wie schon ihre Verwandte Elisabeth erkannte, als sie die Madonna mit den Worten pries: „Selig bist Du, die Du geglaubt hast, was der HERR Dir sagen ließ“ (Lk 1,45).

Während die „stillende Maria“ an das wahre Menschsein Christi erinnert, leuchtet uns im Mysterium ihrer Jungfräulichkeit die Allmacht des Ewigen und der göttliche Glanz unseres Erlösers entgegen, der auch der Erlöser Marias ist, wie sie selbst in ihrem Magnificat bezeugt („mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“) und wie es der Immaculata-Glaube der Kirche bekennt: Maria als die makellos Voraus-Erlöste im Hinblick auf die Verdienste Christi.

Im Großen Credo bzw. dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel heißt es „Natus ex Maria Virgine„, also (wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt): „Geboren aus Maria, der Jungfrau“.

Zu diesem altkirchlichen Credo hat sich auch Martin Luther mehrfach ausdrücklich bekannt, so zB. in seiner Weihnachtspredigt vom 24.12.1528: „Diese Jungfrau kennt keinen Verlust der Jungfräulichkeit; sie bleibt unverletzt und rein.“

Es geht bei der Lehraussage von Marias immerwährender Jungfräulichkeit freilich substantiell nicht um physiologische Details hinsichtlich des Geburtsvorgangs,  sondern darum,  d a ß  Marias Virginität immer unverletzt blieb.

Über das genaue „Wie“ der jungfräulichen Mutterschaft Mariens äußern sich weder Bibel noch Dogma im Detail.

Unsere Kirche kennt überdies auch die Bedeutung eines „Realsymbols„, wonach etwas, das wirklich vorhanden ist,  z u g l e i c h  eine sinnbildliche Bedeutung aufweist.

So ist die jungfräuliche Unversehrtheit Mariens  auch ein Zeichen für ihr volles „Heilsein“ in Christus, für ihre gnadenhafte Erwählung durch Gottes Güte gemäß der Botschaft des Engels Gabriel: „Du bist voll der Gnade, der HERR ist mir Dir!“

Die „Unberührtheit“ der Madonna ist freilich noch umfassender als ihre anatomische Unversehrtheit und sittliche Reinheit:

In Maria zeigt sich in mancher Hinsicht noch die ursprüngliche Ganzheit und das Heilsein der Schöpfung (im Paradieszustand): so ist ihre Jungfrauschaft auch ein Sinnbild für die „intakte“ Unversehrtheit der ursprünglichen Schöpfung und zugleich für das volle Heil in Christus, das in Maria gleichsam sichtbare Gestalt angenommen hat.

Hierzu erklärte der bekannte Jesuitenpater und Märtyrer Alfred Delp:

„Daß Gott einer Mutter Sohn wurde, daß eine Frau über die Erde gehen durfte, deren Schoß geweiht war zum heiligen Tempel und Tabernakel Gottes  –  das ist eigentlich die Vollendung der Erde und die Erfüllung ihrer Erwartungen.“

Bekanntlich bezeugte der hl. Apostel Paulus: „Christus lebt in mir…, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingab“ (Gal 2,20).  – Wieviel mehr kann das die Madonna von sich sagen, die ihren und unseren Erlöser in ihrem Leib getragen hat.

An diese Auserwählung erinnert auch der Name Maria, auf hebräisch „Mirjam“, was übersetzt „Meerestropfen“ heißt, aus dem Ägyptischen jedoch „Die von Gott Geliebte“ bedeutet.  – Die erste biblisch bekannte Miriam war die Schwester des großen Propheten Moses, wie er geboren in Ägypten. Zweifellos ist die Madonna als auserwählte Mutter unseres HERRN ein von Gott besonders geliebtes Geschöpf.

Durch ihr JA-Wort wurde die Jungfrau aus Nazareth die erste Christin, ein unübertreffliches Vorbild des Glaubens; vor allem aber ist sie die Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  –  sie ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, wobei sie all ihre Vorzüge im Hinblick auf Christus erhielt.

Die Kirche ist daher im Vor-Bild der Madonna „realsymbolisch“ bereits zu ihrer herrlichen Vollendung in Christus gelangt.

Daher ist die allzeit jungfräuliche Gottesgebärerin (Theotokos) das Urbild, Idealbild und Sinnbild der Kirche  –  und dies auch hinsichtlich ihrer Mutterschaft.

Deshalb spricht der Katholik von seiner „Mutter Kirche“, denn die Kirche bringt durch die Taufe „Kinder Gottes“ hervor; durch Predigt und Sakramente stärkt sie die Seelen der Gläubigen und führt sie Christus entgegen. Diese mütterlichen Züge der Kirche finden wir auch in Maria, denn „die Magd des HERRN“ dient auch durch ihre Fürsprache der Verherrlichung Gottes, so wie „das Werk den Meister lobt“ und ein guter Diener seinen Herrn. 6a40d593df - Kopie

Nun zu den Anschuldigungen gegen den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, die derzeit im Umlauf sind:

Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der „Katholischen Dogmatik“ Müllers auf S. 498:

„Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war.“

Zunächst ist festzuhalten, daß der Autor hier erläutert, worum es beim Virgo-Dogma wesentlich geht, er hat „physiologische Besonderheiten“ aber dadurch keineswegs bestritten, sondern lediglich eine Akzentsetzung vorgenommen.

Zudem sind eben gerade die „Details“ nicht dogmatisiert worden. Wo bleibt also die angebliche „Ketzerei“?

Dazu kommt, daß Gerhard L. Müller diese „Katholische Dogmatik“ verfaßte, als er noch nicht Bischof, sondern Theologieprofessor war; in diesem Berufszweig neigen viele zu unpräziseren Ausdrücken, was man nicht überbewerten muß, zumal wenn es um einen einzigen Satz in einem umfangreichen Werk von 922 (!) Seiten geht.

Daß Theologen deutlicher formulieren, sobald sie hohe kirchliche Ämter übernehmen, leuchtet durchaus ein, denn nunmehr sind sie mit einer „amtlichen“ Stellung betraut – und die Phase theologischer „Spekulationen“ ist angesichts der neuen Verantwortung vorbei.

Nun hat der „vorkonziliare“, gewiß lehramtstreue und bewährte Theologe Ludwig Ott, dessen „Grundriss der Dogmatik“ auch in traditionellen Kreisen hochgeschätzt wird, zu diesem Thema in seinem bekannten Werk einiges erläutert.

Wir zitieren aus der 11. Auflage des „Ott“ (wie sein „Grundriss“ im Volksmund gerne genannt wird), die der traditionsorientierte Verlag Nova & vetera neu herausbrachte  –  dort heißt es auf Seite 300:

„Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

Diese Klarstellung zunächst als „Vorbemerkung“ –  und nun sei auf den ZUSAMMENHANG der vielzitierten Aussage Müllers hingewiesen.

Sein diesbezügliches Kapitel „Die Jungfräulichkeit Marias in der Geburt“ (S. 497) beginnt mit den Worten:

„Seit Anfang des 4. Jh. begegnet in verschiedenen Varianten die Dreierformel von der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt. Die Grundlage bietet die in ihrer Glaubensbereitschaft angenommene jungfräuliche Gottesmutterschaft.

Aus dieser eher christologischen Aussage über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt folgt im Sinne einer stärker mariologischen Akzentuierung der Aussage die Prägung des Geburtsvorgangs (virginitas in partu) durch die Tatsache, daß Maria den Gott-Menschen und Erlöser gebiert und daß sie in der Konsequenz ihrer ganzmenschlichen Hingabe an das Erlösungsereignis keinen ehelichen Umgang mit Josef hatte und darum auch ohne weitere Kinder geblieben ist. Den Glaubensinhalt der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt und damit der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens bezeugen alle Kirchenväter…“

Sodann geht der Autor darauf ein, daß die Jungfrauengeburt nicht „gnostisch“ mißdeutet werden dürfe (als ob Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte und kein wirkliches Menschsein besitze); es dürfe „keine Verleugnung der Realität der Menschheit Jesu“ stattfinden.

Daher, so der Verfasser, „muß die kirchliche Lehre im Sinne der Realität der Inkarnation ausgelegt werden“. (Inkarnation  =  Menschwerdung Christi)

Nach dieser Feststellung folgt die derzeit von einigen Kreisen vielkritisierte Aussage hinsichtlich der „physiologischen Besonderheiten“ etc.

Außerdem bekannte sich Erzbischof Müller in seinem 1989 veröffentlichten Buch „Geboren von der Jungfrau Maria? Eine Theologische Deutung“ auf S. 100 ausdrücklich zum Dogma von Mariens „Virginitas in partu“ (Jungfräulichkeit in der Geburt): Weihnacht 2013.001

„Wenn auch die verschiedenen Zeugnisse des kirchlichen Lehramtes im einzelnen noch einmal unterschiedlich zu bewerten sind hinsichtlich ihres Gewichtes, ihres Aussagewillens und ihrer Letztverbindlichkeit, so kann doch im ganzen auch im Hinblick auf die spätere Lehrentwicklung gesagt werden, daß die virginitas in partu zum sicheren Glaubensbewußtsein der Kirche gehört und vom ordentlichen und außerordentlichen Lehramt vorgetragen wird.

Es ging Prof. Dr. G. L. Müller, dem heutigen Erzbischof, also ersichtlich darum, das wahre Menschsein Christi zu bezeugen und gegen doketische bzw. gnostische Irrtümer abzugrenzen  – und nicht etwa um eine Leugnung der Jungfrauengeburt, die er in der Einleitung des betr. Kapitels seiner „Katholischen Dogmatik“ und in dem vorhin erwähnten Buch ausdrücklich bezeugt.

Außerdem erwähnt G. L. Müller die Jungfrauengeburt mehrfach in weiteren marianischen Kapiteln seiner „Dogmatik“, zB. auf S. 493:

„Die kirchliche Verkündigung brachte (in Katechese und Liturgie) immer neu die Geburt des Erlösers durch die Jungfrau Maria in Erinnerung.“  

Als Virgo (Jungfrau) ist die Madonna jener vorbildhafte „Typus“ für die Kirche, die allein Christus anhängt:

„Maria steht am Anfang der Glaubensgeschichte der neuen Menschheit, d.h. der im Glauben wiedergeborenen Kirche des Neuen Bundes. Durch ihren Glauben ist sie als Jungfrau der Typus der Kirche,  die von Gott her das Heil empfängt“.  (S. 494) 

Auf S. 495 spricht der Dogmatiker Müller im Kontext der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) davon,  daß sich der Glaube „unmittelbar auf das Wirken Gottes richtet“ und auf seine „Vergegenwärtigung in der Wirkung, nämlich der Empfängnis und Geburt des ewigen Gottessohnes als Mensch aus der Jungfrau Maria. “ – Er fügt hinzu:

So ist dieEmpfängnis Jesu vom Heiligen Geist die metaphysische Ursache der Inkarnation, während die Empfängnis und Geburt aus der Jungfrau Maria das Realsymbol der Inkarnaton darstellt.“ (S. 495) 

Auf der nachfolgenden Seite verweist der Autor auf die lateinische Fassung des Credo: „ex Maria virgine“  – d.h. auf deutsch: (geboren) aus der Jungfrau Maria.

Aus Prof. Müllers Ausführungen (die freilich nicht immer ganz leicht zu lesen sind) eine Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens abzuleiten, ist ebenso unfair wie unzutreffend; diese wird vielmehr ausdrücklich bezeugt.

Diesen Sachverhalt bestätigt Prälat Don Nicola Bux, ein Förderer der überlieferten, klassischen Messe bzw. Liturgie („usus antiquior“); er ist Consultor der Glaubenskongregation und anderer vatikanischer Dikasterien.

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten A.Tornielli wies der Prälat die Anschuldigung gegen Erzbischof Müller zurück:

„Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt fest, daß die körperliche Unversehrtheit der Jungfräulichkeit zu jedem Zeitpunkt gegeben war, da Jesus nicht durch männlichen Samen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geist gezeugt wurde. Sie ist ein göttliches Werk, das das menschliche Fassungsvermögen übersteigt.

Die Kirche bekennt die reale und immerwährende Jungfräulichkeit Mariens, dringt aber nicht in die physischen Details ein, noch scheint mir, daß die Konzilien und Kirchenväter etwas anderes gesagt haben. In diesem Sinn, scheint mir, ist auch zu verstehen, was Müller geschrieben hat, der keine „Lehre“ vertritt, die das Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens leugnet“.

Außerdem wird man davon ausgehen können, daß der Papst den Regensburger Oberhirten nicht zum Chef der Glaubenskongregagtion ernannt hätte, wenn dieser ein „Irrlehrer“ bzw. „Häretiker“ wäre. 

Dabei ist ausgeschlossen, daß Papst Benedikt das „Dogmatik“-Werk Müllers nicht kennt, denn im Jahre 2007 wurde Bischof Gerhard L. Müller zu seinem 60. Geburtstag eine umfangreiche Festschrift gewidmet, für die Papst Benedikt ein Vorwort beisteuerte, worin er diese „Dogmatik“ Müllers ausdrücklich würdigt. Hier der Wortlaut: https://charismatismus.wordpress.com/2012/07/22/vorwort-des-papstes-in-einer-2007-erschienenen-festschrift-fur-erzbischof-gerhard-l-muller/

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Zu diesem Thema hier ein ergänzender Artikel auf einer anderen katholischen Webseite:  http://invenimus.blogspot.de/2012/07/muller-und-die-jungfrau-maria.html

Hier außerdem eine Klarstellung von Erzbischof Müller zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: http://summorum-pontificum.de/themen/2-vatikanum/116-erzbischof-mueller-und-die-dogmen.html