Kritik am Führungsstil des Papstes nimmt zu

Wie das O-Netz  – eine oberfränkische Zeitungs-Plattform  – am 5. Juli 2017 in durchaus sachlicher Weise berichtet, hat der aus Polen stammende Pfarrer von Pullenreuth die mangelnde Kritikfähigkeit von Papst Franziskus in seiner letzten Sonntagspredigt thematisiert und dabei vor allem die Art und Weise der Entlassung von Kardinal Müller beanstandet.

Pfarrer Dr. Dr. Zbigniew Waleszczuk erklärte der Zeitungsgruppe auf Anfrage, er nehme nichts von seiner Kritik zurück, doch man müsse seine Aussagen in ihren Zusammenhang einordnen:

„Ich versuche, mit der Kirche zu denken und den Papst zu verstehen, aber ich erachte seine Entscheidung für falsch und schädlich.“ – Gemeint ist der Umgang des Pontifex mit der Glaubenskongregation und die Absetzung des Präfekten Gerhard Müller.

Der 51-jährige Geistliche glaubt, dass es darum ging, eine kritische Stimme abzuservieren: „Ich will nicht sagen, dass Müller immer Recht hat, es geht um die Vielfalt der Meinungen in der Kirche.“ 

Der standpunktklare Pfarrer bezeichnet den ehem. Glaubenspräfekten als „brillanten Theologen“. Hingegen bleibe die Ausbildung von Papst Franziskus dahinter zurück; dem Pontifex fehle nicht nur der Doktortitel der Theologie, sondern überhaupt die nötige Kompetenz, um die kirchliche Situation umfassend zu verstehen.

Er fügt hinzu: „Ich habe Angst, dass sich der Papst nur mit Ja-Sagern umgibt, die ihn nur bestätigten, statt auf Fehler hinzuweisen.“

Kardinal Müller berichtet über die (Un-)Art seiner Entlassung

Inzwischen hat sich auch Kardinal Müller selbsst zu Wort gemeldet und dem Oberhaupt der katholischen Weltkirche einen „schlechten Stil“ vorgehalten. Dennoch bleibe er dem Papst gegenüber loyal, zumal ihm grundsätzlich diese Entscheidung „zustehe“: „Ich werde darauf nicht mit irgendwelchen Aktionen antworten.“

Zudem lasse er sich nicht vor den Karren einer „papstkritischen Bewegung“ spannen: „Ich habe als Kardinal weiterhin die Verantwortung, für die Einheit der Kirche zu sorgen und Polarisierungen so weit wie möglich zu verhindern.“

Der Würdenträger erklärte der Passauer Neuen Presse, der Papst habe ihm am letzten Arbeitstag seiner Amtszeit „innerhalb einer Minute seine Entscheidung mitgeteilt“, die Präfektenstelle nicht zu verlängern: „Diesen Stil kann ich nicht akzeptieren“, ließ Müller die Zeitung wissen, zumal der Papst ihm keinerlei Gründe für seine Entscheidung mitgeteilt habe.

Der geschaßte Kurienkardinal fügte hinzu, im Umgang mit Mitarbeitern sollte auch im Vatikan „die Soziallehre der Kirche“ gelten.

Zugleich empfahl sich Müller als Vermittler zwischen dem Papst und den Kritiker-Kardinälen in der Causa „Amoris laetitia“: „Ich könnte das Gespräch zwischen dem Papst und den drei Kardinälen moderieren. Ich würde dem Papst empfehlen, dass er mir diesen Dialog anvertraut, weil ich die Kompetenz und auch das Verantwortungsbewusstsein dafür habe.“

Domradio: Angst im Vatikan vor Meinungsverschiedenheiten?

Selbst sonst eher liberal-katholische Medien, die Kardinal Müller inhaltlich nicht nahestehen, zeigen sich irritiert über die jüngste päpstliche Personalpolitik.

Dazu gehört auch das Kölner „Domradio“, wahrlich kein Hort konservativer Ansichten. In einem Interview mit Jesuitenpater Zollner stellte Tobias Fricke am 4. Juli einige Fragen, die seine Verwunderung über das päpstliche Vorgehen verdeutlichen, darunter folgende:

„Kardinal Müller war nicht erfreut darüber, dass drei seiner Mitarbeiter im Vorfeld entlassen wurden. Diese hatten auch über den Papst gemeckert. Herrscht denn da nicht die Angst vor, dass man sehr schnell rausgeworfen wird, wenn man anderer Meinung ist?“

Damit hat der Domradio-Journalist diese Causa trefflich auf den Punkt gebracht.

Fotos: Bistum Regensburg, Radio Vatikan, Archiv


Damals: Schavans Schadenfreude über Minister v. Guttenbergs Fall – heute eine eigene Doktortitel-Affäre am Hals

Von Hans Martin Schmidt

Als Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg wegen seiner Plagiats-Affäre vom Amt des Bundesverteidigungsministers zurücktrat, wurde die Kanzlerin per SMS davon unterrichtet.

Mit sichtlicher Genugtuung reichte sie das Handy an Bundesbildungsministerin Schavan weiter, die gerade neben ihr stand – damit auch diese die Nachricht lesen konnte. Auch Frau Schavan schien ihre klammheimliche Freude nicht verbergen zu können (und auch nicht verbergen zu wollen). Ein selbstzufriedenes (vielleicht passt auch das Wort ‚höhnisch‘) Schmunzeln stand in ihrem Gesicht.

Keine überraschende Reaktion, hatte sie doch in der „Süddeutschen“ jegliche Solidarität mit ihrem Kabinettskollegen brüsk vermissen lassen: „Ich schäme mich nicht nur heimlich“ klagte sie über den jungen Adeligen.

Jetzt, wo Frau Schavan selbst eine Plagiatsaffäre an der Backe hat, macht sie energisch auf kämpferisch, man sieht sie gelegentlich mit grimmigem Gesicht, wenn es um „ihre Sache“ geht: Sie habe nicht getürkt. Sie habe „vielleicht“ ein paar Flüchtigkeitsfehler gemacht. Die Uni Düsseldorf sieht das wohl anders.

Dass es plötzlich harsche Kritik an der Verfahrensweise der Uni hagelt, die sich allerdings streng an rechtstaatliche Vorgaben hält (was auch Frau Schavan berücksichtigen sollte), kommt wohl nicht von ungefähr. Und auch ein merkwürdiges Gegengutachten zugunsten Schavans wirft mehr Fragen auf, als es Antworten gibt.

Das ist nicht gerade förderlich, um Rückhalt in der öffentlichen Meinung für die Ministerin zu schaffen: 62 Prozent, so eine Repräsentativumfrage, sind dafür, dass Frau Schavan zurücktritt, wenn sie ihren Doktortitel verliert (TNS-Emnid für „Focus“).

Quelle: http://www.ffmdirekt.de/

Vorsicht vor der Häme einer Neidgesellschaft

Von Christa Meves

Ha, ha, ha! Mal wieder ein erschlichener Doktorhut! Eine Titel-Aberkennung, die wieder darauf hoffen lässt, dass der so stolz dem Namen hinzugefügte und mit Ansehen verbundene Nachweis besonderer wissenschaftlicher Forschungsleistung sich schändlicherweise für seinen Träger als unberechtigt erweist!

Was für eine beglückende Mediennachricht für uns Nicht-Doktorierten in all unserer Vielzahl  –  Anlass zu Hände-reibender Vorverurteilung im aufrauschenden Blätterwald! 

Verbunden mit der oft wiederholten Nachricht tritt dann im Fernsehen auch gleich ein Lehrstuhlinhaber auf, der mit vor Bekümmernis gefalteter Stirn bekundet, wie dringlich eine umfängliche Nachprüfung sei und unverzüglich anberaumt werde.

Wer mag da nicht  –  kopfnickend  –  über all die Lupenreinheit unserer hohen Schulen mit von der Partie sein, obgleich das alles die unwissende Allgemeinheit doch eigentlich gar nichts angeht?

Keine Fragen also?

Doch, sie stehen schon seit dem Super-Pranger, bereitet für den Herrn von Guttenberg, im Raum; sie lauten:

1)    Bahnt es sich in Zukunft als Möglichkeit an, den Doktorhut als gängiges Abschussobjekt für promovierte, öffentlich unliebsame Personen zu verwenden?

2)    Was hat Sensationsfreude dieser Art für Auswirkungen auf die Motivation von Studenten zur super-zeitaufwendig gewordenen Doktorarbeit?

3)    Wie wirkt sich die hochgepuschte Bedrohung auf Professoren aus, sich als Doktorväter zu betätigen?

4)    Hat diese öffentliche misstrauische Beäugung von Forschungsarbeiten, nicht eine Minderung von Forschungslust bei Studenten und eine Verkleinerung wissenschaftlich bedeutsamer erkenntnissteigernder Forschungsarbeit bei den Professoren zur Folge und damit Minderung von elitärer Leistung sowie des Forschungsniveaus?

5)    Ist also die Masche  einer neuen Ausgrenzungsmethode nur ein besonders perfides Mittel zur Angleichung aller an alle mithilfe der immer wirksamen Neidschiene? Ist also diese neu medial ermöglichte Häme vielleicht ein weiteres Etappenziel zu einem weiteren geistigen Niveauverlust durch Ausschaltung von Elite?

Ich denke, gerade wir Nicht-Graduierten, sollten in diesem Punkt rechtzeitig darum bemüht sein, uns nicht der Neidgesellschaft zu verschreiben; denn bei mehrheitlicher Einigkeit dieser Art wird es einst allen gleichermaßen an den Kragen gehen.

Gesellschaft, die mehrheitlich mit Rasenmähermanier dem ideologischen Neidwunsch nach Gleichheit aller lange genug frönt, produziert  –  laut  geschichtlicher Vorlage  – Niedergang und Unfreiheit.

Aber gemach: Erst einmal schaffen wir jetzt, ganz gemächlich, ganz allmählich, ohne dass das jemand (und erst recht nicht die Hintergründe) bemerkt und als Gefahr erlebt, diesen unliebsamen, nur noch als hochgestelzt erlebten Titel ab…

Kontakt: christameves@aol.com
http://www.vfa-ev.dehttp://www.christa-meves.dehttp://www.eccm.de