Lobpreis der EHE aus dem Hochmittelalter

Aus dem Buch „Summe der Tugenden und Laster“ des Dominikanerpaters Wilhelm Peraldus (+1271):

  1. Der Eheorden ist von Gott selber eingesetzt worden, während die anderen Orden von Menschen gestiftet wurden.
  2. Er wurde eingesetzt im heiligsten Ort auf Erden: dem Paradies.
  3. Er ist älter als alle anderen Orden.
  4. Er ist eingesetzt worden, als der Mensch noch im Stand der Unschuld lebte.
  5. Diesen Orden allein hat Gott in der Sintflut erhalten.
  6. Die Gottesmutter hat in diesen Orden eintreten wollen.
  7. Christus hat ihn geehrt, indem er ihn auf der Hochzeit zu Kana besuchte.
  8. Bei dieser Hochzeit hat der HERR sein erstes Wunder gewirkt.
  9. Dazu kommt der feierliche Segen, den die Kirche in der hl. Brautmesse den Eheleuten spendet.
  10. Zur Empfehlung des Ehestandes trägt noch die kostbare Frucht bei, die aus der Ehe hervorgeht: aus ihr werden Kinder geboren, die dann in der heiligen Taufe Kinder Gottes werden. Wenn jemand einen Weinberg hätte, der ihm jährlich 1000 Eimer Wein brächte, so würde er ihn sehr schätzen. Wie hoch ist daher die Ehe zu würdigen, aus der Kinder hervorgehen, von denen eines mehr wert ist als aller Wein auf Erden. Aus der Ehe werden zudem Jungfrauen hervorgebracht. Wenn aber die Jungfräulichkeit sehr liebenswert ist, dann auch die Ehe.
  11. Die Ehe ist eines der sieben heiligen Sakramente.

Professor Wolfgang Ockenfels weist Vorwürfe von ZdK-Präsident Sternberg zurück

Der katholische Publizist und Professor Dr. Wolfgang Ockenfels (siehe Foto) hat die Kritik für sein Engagement bei der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung zurückgewiesen. „Wir leben in hysterischen Zeiten, in denen auch manche Katholiken durchdrehen“, sagte Ockenfels der Wochenzeitung JUNGEN FREIHEIT.

Zuvor hatte der Präsident des „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK), Thomas Sternberg, dem Dominikanerpater dessen Mitarbeit im Kuratorium der Stiftung als „skandalös“ vorgehalten. „Wie kann ein Dominikanerpater und früherer Berater der CDU sich dazu hergeben, sich im Kontext einer rechtsradikalen Partei zu engagieren?“ teilte er auf Twitter mit.

„Herr Sternberg bewegt sich ‘im Kontext’ einer C-Parteienfixierung und ist von Kopf bis Fuß auf Angela Merkel eingestellt“, kritisierte Professor Ockenfels: „Statt parteipolitische Wahlkampfparolen von sich zu geben, sollte er sich … besser für die Geltung christlicher Sozialprinzipien einsetzen.“

Dies müsse im offensiven Gespräch mit allen Parteien geschehen. „Doch hier fehlt es an der sonst so oft beschworenen Dialogfähigkeit und der Bereitschaft, ‘nach allen Seiten offen’ zu sein und ‘an die Ränder’ zu gehen“, verdeutlichte der Geistliche.

Ockenfels verteidigte die AfD gegen den Vorwurf, sie sei eine rechtsradikale Partei: „Die pauschale Abstempelung der AfD als rechtsradikal ist dem Wörterbuch der Diffamierung entnommen.“ 

Spätestens seit dem Zweiten Vatikanum seien zudem die „Zeiten einer parteipolitischen Bevormundung von Seiten kirchlicher Amtsträger vorbei“. Mittlerweile seien „kirchliche Laien in Ordnungsfragen die eigentlichen Fachleute, die aus eigener Verantwortung zu entscheiden haben, ob, wo und wie sie sich parteipolitisch engagieren“.

P. Ockenfels leitet das Institut für Gesellschaftswissenschaften Walberberg in Bonn, das sich dafür einsetzt, Prinzipien der katholischen Soziallehre Geltung in der Politik zu verschaffen. Zudem ist er Chefredakteur der Zeitschrift Die Neue Ordnung. Von 1985 bis 2015 war er Professor für Christliche Sozialwissenschaft in Trier.

Im März hatte die Desiderius-Erasmus-Stiftung Ockenfels’ Berufung in das Kuratorium bekanntgegeben. Dem 27-köpfigen Gremium gehören unter anderem auch der Biologe und bekennende Atheist Ulrich Kutschera, die frühere DDR-Oppositionelle Angelika Barbe sowie der Theologe David Berger an. Vorsitzender ist der Ökonom Max Otte. 

Quelle und vollständiger Text hier: https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2018/afd-nahe-stiftung-ockenfels-wehrt-sich-gegen-kritik/

Foto: Andreas Kobs in FaireMedien: https://fairemedien.de/im-internet-wird-zurueckgeschrieben/ockenfels02/


Berlin: Prof. Michael Fiedrowicz informierte über Kardinal Pie von Poitiers

Von Paul Schiller

Das Dominikanerkloster St. Paulus in Berlin-Moabit zählt im Hinblick auf Liturgie, Spiritualität und theologischer Bildung zu den Schwergewichten in der Hauptstadt. Als geistliches und intellektuelles Zentrum des Dominikanerordens ist es für viele Katholiken zu einer Heimat im hektischen Großstadttreiben geworden.

Der anspruchsvolle Backsteinbau in seiner neugotischen Stilform verkörpert dabei schon architektonisch einen Katholizismus, der sich seines Anspruchs und seiner Sendung bewusst ist.  Foto

Hier fand am 22. Oktober ein Vortrag im Rahmen des „Colloquium Catholicum“ statt. Das „Colloquium Catholicum“ ist eine Veranstaltungsreihe des umtriebigen Berliner Landesvorsitzenden der Christdemokraten für das Leben (CDL), Stefan Friedrich, der dieses Format zunehmend zu einem Treffpunkt für an intellektuellen Themen interessierte Katholiken ausbaut.

Schon der Vortrag zu dem britischen Denker Lord Acton im Sommer dieses Jahres sorgte für eine ausgesprochen positive Resonanz.

Thematisch wurde an diesem Abend an Kardinal Pie von Poitiers erinnert, der vor 200 Jahren am 26. September 1815 geboren wurde. Referent war der Trierer Professor für Kirchengeschichte des Altertums, Patrologie und christliche Archäologie, Prof. Dr. Michael Fiedrowicz, der auch Priester des Erzbistums Berlin ist.

„Alles in Christus erneuern“

Dr. Fiedrowicz hat zuletzt zwei Bücher zu Kardinal Pie veröffentlicht („Alles in Christus erneuern“ und „Nachfolger des hl. Hilarius), die im kleinen, aber anspruchsvollen Carthusianus-Verlag erschienen sind.  afc127c26a

Mit 60 Teilnehmen war dieses Colloquium sehr gut besucht. Auffallend dabei war, dass auch viele jüngere Interessierte den Weg nach St. Paulus fanden, so dass der Altersschnitt der Besucher die katholische Kirche in einem guten Querschnitt widerspiegelte. Schon dadurch hob sich das Colloquium wohltuend von verschiedenen Foren des in Selbstgesprächen ergrauten deutschen Gremienkatholizismus ab.

Dr. Fiedrowicz entfaltete in seinem facettenreichen Vortrag „Jesus Christus ist nicht fakultativ – Glaube und Politik in der Nachfolge des hl. Hilarius“ das Bild eines Bischofs des 19. Jahrhunderts, der uns in seinen scharfsinnigen Analysen und Prognosen heute näher steht, als dies mancher zunächst glauben mochte.

Louis-François-Désiré-Édouard Pie wurde 1815 unweit von Chartres geboren. Seine herausragende Begabung wurde früh erkannt, so dass er im Seminar Saint-Sulpice in Issy Philosophie und in Paris Theologie studieren konnte. Im Jahre 1839 wurde er in Chartres zum Priester geweiht.

In der Nachfolge des hl. Hilarius

Schon seine erste Stelle machte ihm zum Vikar an der Kathedrale. Schnell erwarb sich der junge Priester eine gewisse Berühmtheit als wortgewaltiger Prediger. 1845 wurde er zum Generalvikar ernannt und 1849 mit nur 34 Jahren zum Bischof von Poitiers. Somit stand er nun in der Nachfolge des heiligen Hilarius mit dem er sich Zeit seines Lebens befassen sollte. christus

Mit unbändiger Kraft und Tatendrang legte Pie in seinem neuen Amt gleich los. Leisetreterei und Duckmäusertum waren seine Sache nicht. Noch am Tage seiner Weihe richtete Monseigneur Pie ein erstes Pastoralschreiben an seine Diözesanen, in dem er betonte, dass die Rückkehr zu Jesus Christus das einzige Heilmittel für alle Übel der Zeit sei.

Instaurare omnia in Christo – „Alles in Christus erneuern“, lautete das Programm seines Episkopates. Dabei führte er Auseinandersetzungen auf allen Ebenen, im philosophischen, politischen und innerkirchlichen Raum. Wo sich die Möglichkeit eines „intellektuellen Scharmützels“ für das Königtum Christi ergab, war er an Ort und Stelle. Monseigneur Pie war die Verkörperung einer Kirche, die nicht in der Defensive verharrt, sondern bestrebt ist, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Prof. Fiedrowicz arbeitete in seinem Referat die die Kernaussagen Pies im Kontext unserer heutigen Situation heraus. „Jesus Christus ist nicht fakultativ“ ist dabei eine der kämpferischen Aussagen, die auch die Klammer des Vortrags bildete. Was bedeutet dies?

Der Redner machte deutlich, dass es nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft insgesamt keine neutrale Haltung gegenüber dem menschgewordenen Gottessohn geben kann. Die durch dieses Glaubensgeheimnis erschlossene übernatürliche Ordnung kann nicht ignoriert werden, ohne dass die Gesellschaft schwersten Schaden nähme.

Religiöse Fundierung des Staatswesens

Mit seiner unermüdlichen Forderung, dass jedes Staatswesen einer religiösen Fundierung bedarf, die letztlich keine andere als die christliche sein kann, ist Kardinal Pie damit am Anfang des 21. Jahrhunderts so aktuell wie nie zuvor.
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Die Analysen Pies sind dabei immer im zeitlich engen Abstand zur Französischen Revolution zu sehen, an der er kein gutes Haar ließ. Die jüngste Geschichte seit 1789 könne dabei nicht nur keinerlei Erfolgsbilanz vorweisen, sondern hätte entgegen der allgemeinen Fortschrittseuphorie vielfach nur ein allgemeines Desaster herbeigeführt. Mit prophetischem Weitblick sah er die verhängnisvollen Konsequenzen jener Ideologien voraus, die in den Totalitarismen des 20. Jahrhunderts zur tragischen Bestätigung werden sollten.

Es sind auch Worte wie diese, die wie in unsere Zeit hinein gesprochen klingen:

„Ihr alle, meine Brüder, auch wenn Ihr dazu verurteilt seid, den Triumph des Bösen zu erleben, sagt niemals zum Bösen: Du bist das Gute; zur Dekadenz: Du bist der Fortschritt; zur Nacht: Du bist das Licht; zum Tod: Du bist das Leben …“.

In diesem Sinne wurde eine Persönlichkeit sichtbar, die im deutschen Sprachraum kaum mehr bekannt war, nunmehr aber durch die Arbeit von Michael Fiedrowicz neu erschlossen werden kann.

Kardinal Pie starb am 18. Mai 1880. Eine Beschäftigung mit seinen hellsichtigen Texten lohnt heute mehr denn je.

Die anschließende Diskussion wurde souverän von dem Dominikaner-Pater Michael Dillmann (Pfarrer an St. Paulus und Dekan von Berlin-Mitte) geleitet. Er ve???????rwies zunächst auf die allgemeinen theologischen Suchbewegungen im 19. Jahrhundert, wie auf seinem dominikanischen Mitbruder Henri-Dominique Lacordaire, der in vielfacher Hinsicht einen anderen Ansatz als Kardinal Pie vertreten hat.

In den Beiträgen wurden mögliche konkrete Ableitungen für ein heutiges katholisches Verständnis erörtert. Fiedrowicz wies im Sinne von Papst Benedikt XVI. auf die Kraft kleiner aktiver und von lebendigem Glauben geprägten Gruppen hin, die das Christentum bewahren und in ihrer Überzeugung die Kirche neu in der Welt verankern können.

Auch hier zeigte sich Kardinal Pie bereits voll auf der Höhe der Zeit: „Im Übrigen genügt eine kleine Zahl von solchen, die Einspruch erheben, um die Unversehrtheit der Lehren zu retten; und die Unversehrtheit der Lehren ist die einzige Chance zur Wiederherstellung der Ordnung in der Welt.“

Pater Michael beendete den ertragreichen Abend mit einem eindringlichen Zitat Pies: „… die Erde befrieden und den Himmel bevölkern: Das ist der Auftrag, den wir mitten unter Euch auszuüben haben, soweit es unsere Kräfte zulassen“.

Nach Ende der Veranstaltung standen die Teilnehmer noch eine Zeit lang in den Räumlichkeiten der gediegenen Dominikanerbibliothek und sprachen miteinander. Alte mit Jungen, Priester mit Laien, Schüler, Studenten, Professoren, Berufe aller Art. Vielleicht wurde hier deutlich, was Kirche auch ist und sein kann.