Nachruf von Papst Benedikt zum Tod seines Bruders Georg Ratzinger

Schreiben von Benedikt XVI. an den Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer:

Lieber Bischof Rudolf!

In dieser Stunde, in der Du meinem Bruder den letzten brüderlichen Dienst erweist, ihm das Geleit auf dem letzten irdischen Wegstück gibst, bin ich mit dabei. Es drängt mich, ein Wort des Dankes zu sagen für alles, was Du in diesen Wochen des Abschieds getan hast und tust.

Mein Dank gilt auch all denen, die sichtbar oder unsichtbar in diesen Wochen bei ihm waren und ihm ihre Dankbarkeit für das gezeigt haben, was er in seinem Leben für sie getan und erlitten hat.

Das Echo auf sein Leben und Wirken, das ich in diesen Tagen in Form von Briefen, Telegrammen und e-mails erhalten habe, geht weit über das hinaus, was ich mir hatte vorstellen können. Menschen aus vielen Ländern, aus allen Ständen und Berufen haben mir geschrieben in einer Weise, die mein Herz berührte.

Jedem einzelnen müßte eigentlich eine persönliche Antwort zukommen. Dazu fehlen mir leider Zeit und Kraft, und ich kann nur bei dieser Gelegenheit allen danken für das Mitgehen in diesen Stunden und Tagen. Der Satz von Kardinal Newman bewahrheitet sich für mich gerade jetzt: „Cor ad cor loquitur.“ Durch das Papier hindurch und über alles Papierne hinaus spricht Herz zu Herz.

Es waren vor allem drei Eigenschaften meines Bruders, die in vielen Varianten immer wiederkehrten und die auch mein persönliches Gefühl in dieser Stunde des Abschieds wiedergeben. Zuerst und vor allem wird immer wieder gesagt, daß mein Bruder die Berufung zum Priestertum zugleich als musikalische Berufung empfangen und verstanden hat. Schon in Tittmoning in den ersten Jahren seines Schullebens hat er sich über die Kirchenmusik sorgsam nicht nur informiert, sondern erste Schritte getan, um sie selbst zu erlernen.

Er hat sich in Tittmoning oder in Aschau darüber erkundigt, wie der Beruf heiße, den ein Priester am Dom für die Kirchenmusik ausübt. Dabei hat er den Namen Domkapellmeister erfahren, in dem er irgendwie die Richtung seines Lebens angedeutet sah.

Als er tatsächlich zum Domkapellmeister in Regensburg berufen wurde, war es ihm Freude und Schmerz zugleich, denn unsere Mutter war fast gleichzeitig mit Domkapellmeister Schrems aus dieser Welt abgerufen worden. Wenn Mutter weiter gelebt hätte, hätte er den Ruf nicht angenommen, Chef der Regensburger Domspatzen zu sein. Dieser Dienst ist für ihn immer mehr zur Freude geworden, die freilich durch vielerlei Leid erkauft werden mußte.

Feindseligkeit und Ablehnung haben vor allem anfangs nicht gefehlt. Aber zugleich ist er Vater für junge Menschen geworden, die ihm dankbar als seine Domspatzen zur Seite standen und stehen. Ihnen allen gilt auch mein herzlicher Dank in dieser Stunde, in der ich neu erleben und erfahren durfte, wie er als Priester und als Musiker priesterlicher Mensch gewesen und immer neu geworden ist.

Eine andere Eigenschaft meines Bruders möchte ich noch erwähnen. Da ist zum einen seine heitere Geselligkeit, sein Humor, seine Freude an den guten Gaben der Schöpfung. Zugleich aber war er ein Mann des direkten Wortes, indem er seine Überzeugung offen aussprach. Er hat über zwanzig Jahre in weitgehendster Blindheit gelebt und war so von einem guten Teil der Wirklichkeit ausgeschlossen. Dieser große Verzicht war immer schwer für ihn. Aber er hat ihn auch stets von innen her angenommen und bestanden.

Im letzten aber war er doch ein Mensch Gottes. Auch wenn er seine Frömmigkeit nicht zeigte, so war sie doch über alle Nüchternheit und Redlichkeit die eigentliche Mitte seines Lebens.

Am Schluß möchte ich dafür danken, daß ich in den letzten Tagen seines Lebens noch einmal mit ihm zusammen sein durfte. Er hat nicht um einen Besuch von mir gebeten. Aber ich spürte, daß es die Stunde war, um noch einmal zu ihm zu fahren. Für dieses innere Zeichen, das der Herr mir geschenkt hat, bin ich zutiefst dankbar.

Als ich mich am Montag, dem 22. Juni, morgens bei ihm verabschiedete, wußten wir, daß es ein Abschied aus dieser Welt für immer sein würde. Aber wir wußten auch, daß der gütige Gott, der uns auf dieser Welt dieses Zusammensein geschenkt hat, auch in der anderen Welt regiert und uns dort ein neues Miteinander schenken wird.

Vergelt’s Gott, lieber Georg, für alles, was Du getan, erlitten und mir geschenkt hast!

Und Vergelt’s Gott nochmals Dir, lieber Bischof Rudolf, für den ganz außergewöhnlichen Einsatz, den Du in diesen für uns beide nicht leichten Wochen geleistet hast.

Herzlich
Dein Benedikt XVI.

Quelle (Text/Fotos): https://www.bistum-regensburg.de/news/wort-von-papst-em-benedikt-xvi-zum-tod-seines-bruders-georg-7551/


Bistum Regensburg: Kirchlicher Abschied von Domkapellmeister Georg Ratzinger

Pressemitteilung des Bistums Regensburg:

Das Bistum Regensburg, das Kollegiatstift St. Johann, die Domspatzen, Freunde, Schüler, Wegbegleiter und Verwandte verabschieden sich von Domkapellmeister Georg Ratzinger.

Die Domspatzen nehmen Abschied von Ihrem ehemaligen Domkapellmeister am Sonntag, 5. Juli 2020 um 15 Uhr im Rahmen einer Totenvesper mit 220 Sängern im Regensburger Dom. Sie ist nicht öffentlich, kann aber über den Livestream (www.bistum-regensburg.de) und andere Übertragungswege verfolgt werden.

BILD: Die Gebrüder Georg und Joseph Ratzinger

Am Montag, 6. Juli 2020, wird um 19 Uhr im Dom der Sterbe-Rosenkranz gebetet. Alle sind herzlich eingeladen hinzuzukommen.

Für die Öffentlichkeit besteht am Dienstag, 7. Juli, von 10 bis 18 Uhr in der Stiftskirche St. Johann beim Dom die Möglichkeit, von Georg Ratzinger Abschied zu nehmen und sich in ein Kondolenzbuch einzutragen.

Das Pontifikalrequiem am Mittwoch, 8. Juli 2020, um 10 Uhr im Dom St. Peter zelebriert Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Gegen 12:30 Uhr wird der Verstorbene im Stiftungsgrab der Regensburger Domspatzen auf dem Unteren Katholischen Friedhof in Regensburg beigesetzt.

Bedingt durch die gegenwärtige Situation stehen zur Mitfeier des Requiems im Dom eine begrenzte Anzahl von Plätzen zur Verfügung. – Anmeldungen können ab Montag, 6. Juli, unter (0941) 597-1662 zwischen 10 und 17 Uhr entgegen genommen werden.

Das Requiem kann als Livestream über www.bistum-regensburg.de und andere Übertragungswege verfolgt werden.


Regensburg: Pontifikalamt im Dom zu Ehren von Prälat Georg Ratzinger

Mit einem besonders festlichen Pontifikalamt im Regensburger Dom St. Peter ist für den früheren Leiter der Regensburger Domspatzen Prälat Georg Ratzinger am Sonntag eine Woche der Geburtstagsfeiern zu Ende gegangen.

Der Domkapellmeister war am Freitag aus Rom zurückgekehrt, wo er den eigentlichen Festtag zusammen mit seineFoto: M. Kollerm Bruder Papst Benedikt XVI. verbringen konnte. Es war eine exklusive Feier, denn der emeritierte Papst hatte ja mit seinem Rücktritt erklärt, künftig im Verborgenen bleiben zu wollen.

Gut möglich, dass er auch gerne den offiziellen Teil der Feierlichkeiten um seinen älteren Bruder miterlebt hätte: „Er lässt Sie von ganzem Herzen grüßen“, betonte denn sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein vor den Gläubigen in der vollbesetzten Kathedrale.  Auf Parallelen zwischen dem Lebensweg des priesterlichen Musikers Ratzinger und dem Evangelium des Sonntags (Joh 1,29-31) verwies Bischof Voderholzer (siehe Foto):

„Johannes der Täufer widerstand der Versuchung, sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken“, las er aus der Begegnung von Johannes mit Jesus. Als Stimme in der Wüste habe der Täufer vielmehr auf den Kommenden verweisen wollen, angesichts dessen Größe er in den Hintergrund trat. borMedia1847901

Der Bischof erfüllte damit zwei Präferenzen, die wohl beide Brüder Ratzinger einen dürfte: Zunächst die Predigt zur Auslegung der Heiligen Schrift zu nutzen, anstatt an dieser Stelle einer Person oder gar einer politischen Meinung Raum zu verschaffen.

Die Person tritt zurück, der Glaube hat Vorrang

Darüber hinaus sind beide für ihre Zurückhaltung im wahrsten Sinne des Wortes bekannt, um die Sache des Glaubens in den Vordergrund zu stellen. „Die Stimme ist die Brücke, die das Wort zum Herz des Hörers trägt“, sagte Voderholzer weiter. Auch Georg Ratzinger habe sein künstlerisches Wirken als Wegbereitung für die Ankunft des Höchsten begriffen. 

Erzbischof Georg Gänswein hatte zu Beginn der Messe von musikalischen und gastronomischen Höhepunkten, die den eigentlichen Geburtstag am vorigen Mittwoch begleitet haben, berichtet. Dazu gehörte ein Privatkonzert für Georg Ratzinger am Abend mit seinem Bruder. Michael Hesemann hatte die Soirée als Geschenk an den Jubilar organisiert. Rund 50 Gäste, darunter der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard L.  Müller, Erzbischof Georg Gänswein und Vatikansprecher Pater Federico Lombardi SJ waren der Einladung nachgekommen.

Kirchenmusiker Kraus und die Ratzinger-Brüder

Lächelnd und mit großer Aufmerksamkeit hätten beide Brüder den Darbietungen gefolgt, berichtete Kirchenmusiker Wolfgang Kraus im Gespräch. Kraus, der Organist in Furth im Wald ist, verbindet mit beiden Ratzinger-Brüdern persönliche Erinnerungen:

Sein 2003 verstorbener Vater Eberhard Kraus war zu der Zeit Domorganist in Regensburg, als Georg Ratzinger die weltberühmten Regensburger Domspatzen leitete, bei denen auch Wolfgang Kraus im Konzertchor mitsang.

Durch den Domkapellmeister wurde er ebenso wie durch seinen Vater musikalisch geprägt. „Benedikt betrat das Studio von Radio Vatikan als erster vor seinem Bruder und ging vor dem Konzert und nach dem Konzert jeweils auf uns Künstler zu und begrüßte uns“, berichtete er weiter.

Ebenso trat Geigenstar Baptiste Pawlik mit Jules Massenets Thais Meditation auf, der schon als erster Geiger von Celine Dion spielte, und der kraftvolle Tenor Wolfgang Nöth sowie die US-amerikanische Pianistin Lauren Green, die hauptberuflich Korrespondentin für Religion beim Sender Fox News ist.

Auszüge aus einem Bericht der Würzburger „Tagespost“ vom  21. Januar 2013

2. Foto: Bistum Regensburg


Regensburg: Prälat Georg Ratzinger wurde 90 Jahre alt / Festmesse am Sonntag

Das Bistum Regensburg gratuliert Domkapellmeister Georg Ratzinger herzlich zu seinem Geburtstag und wünscht ihm Gottes Segen. xRatzingerGeorgBruderJosephKardinalInternet_jpg_pagespeed_ic_sYUwr3Ogwy

Prälat Ratzinger konnte am vergangenen Mittwoch sein 90. Lebensjahr beginnen; er verbrachte seinen Ehrentag bei seinem Bruder Joseph: Papst em. Benedikt XVI.

Am Sonntag, den 19. Januar 2014, feiert Bischof Rudolf Voderholzer anläßlich des Geburtstags von Prälat Georg Ratzinger um 10 Uhr ein Pontifikalamt im Regensburger Dom St. Peter.

Alle Gläubigen sind herzlich zur Mitfeier eingeladen.

Quelle (Text/Foto): Bistum Regensburg