Regensburg: Dankbare Verneigung vor dem mutigen Domprediger Dr. Johann Maier

In einem Pontifikalamt im Hohen Dom St. Peter hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer am Freitagabend Domprediger Dr. Johann Maier geehrt, der 75 Jahre zuvor in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ermordet worden war. Er wollte sich für die friedliche Freigabe der Stadt Regensburg einsetzen.

Gedacht wurde ebenfalls der anderen Männer, die mit Domprediger Dr. Maier ihr Leben lassen mussten. Am Ende des Gottesdienstes begab sich der Bischof von Regensburg in die Krypta, wo er an der Grablege Dr. Maiers betete.

Der Gottesdienst sowie das Gebet des Bischofs in der Krypta wurden per Livestream und über den Regionalsender TVA Regensburg sowie über weitere Kanäle in die Öffentlichkeit übertragen.

Für den Nachmittag des 23. April 1945 wurde zu einer Kundgebung aufgerufen, für die –  wie Zeitzeugen berichten – auch Domprediger Dr. Maier tagsüber geworben hatte.

Bischof Voderholzer erklärte, Dr. Maier dürfte es darum gegangen sein, die Kundgebung gegenüber den Machthabern weniger gebieterisch-fordernd als vielmehr bittend erscheinen zu lassen und den Parteigrößen die Furcht der Bevölkerung begreiflich zu machen.

Dabei bezog sich Dr. Voderholzer auf die neueste Publikation zum Kriegsende im April 1945 in Regensburg: „Kurz nachdem er das Wort ergriffen hatte, um den Appell zur kampflosen Übergabe der Stadt zu rechtfertigen, wurde er verhaftet.“

Wegen „Wehrkraftzersetzung“ wurde der Priester noch am 23. April zum Tode verurteilt und in den frühen Morgenstunden des 24. April auf dem heutigen Dachauplatz erhängt.

Der Oberhirte von Regensburg gab zu bedenken:

„Domprediger Maier gehört somit zu den weit über 8000 Geistlichen, von denen aktenkundig ist, dass sie im Dritten Reich ins Visier der Nationalsozialisten geraten waren; das ist ein Drittel des damaligen Welt- und ein Fünftel des Ordensklerus, allein in Deutschland.“

Dr. Voderholzer erinnerte daran, dass Dr. Maier das prominenteste, aber nicht das einzige Opfer im Zusammenhang der Versammlung war. Der 70-jährige Rentner Josef Zirkl hatte während des Tumults bei der Verhaftung von Dr. Maier protestiert und die Freilassung des Priesters verlangt. Er wurde ebenfalls erhängt.

Der pensionierte Gendarmerie-Hauptwachtmeister Michael Lottner wurde erschossen, der gesagt hatte: „Lasst doch den Domprediger reden! Ihr wisst ja gar nicht, was er sagen will.“

Auch erwähnte der Bischof Johann Igl, den Mesner von St. Emmeram Regensburg, der wegen einer unvorsichtigen Bemerkung hingerichtet wurde.

Bischof Dr. Voderholzer sagte:

„Wir wollen diesen 75. Jahrestag nicht vorübergehen lassen, ohne für den Mut und das Lebensopfer Dr. Maiers und der anderen zu danken. Sie traten ein für Wahrheit und Menschlichkeit aus christlicher Glaubensüberzeugung. Wir wissen nicht, wie wir uns unter den gegebenen Umständen damals verhalten hätten.

Aber wir verneigen uns in Dankbarkeit und großer Anerkennung vor den Tapferen. Und wir beten für uns alle, dass uns in unseren Tagen Freimut und Weitblick gegeben seien, damit wir einstehen können für Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit in den Bereichen, wo wir Einfluss nehmen können.“

Quelle (Text / 1. und 2. Foto): Bistum Regensburg


Regensburg: Gedenkfeier für den von Nazis ermordeten Domprediger Johann Maier heute Abend im Dom St. Peter

Einladung zur Gedenkfeier anläßlich des Todestages von Domprediger Dr. Johann Maier

Am 24. April 1945 wurde der 39-jährige Domprediger Dr. Johann Maier (siehe Foto) durch die NS-Diktatur auf dem damaligen Moltkeplatz in Regensburg  –  dem heutigen Dachauplatz  –  im Morgengrauen erhängt.

Anläßlich des 68. Todestages von Domprediger Dr. Johann Maier findet am heutigen Mittwoch, den 24. April 2013, eine Eucharistiefeier im Hohen Dom zu Regensburg statt. Zelebrant ist Dekan Alois Möstl.

Um 19:20 Uhr wird der NS-Opfer am Hauptportal des Domes gedacht. images

Dr. Johann Maier, 1933 in Rom zum Priester geweiht und seit 1939 in Regensburg als Domprediger tätig, nutzte die Predigt als Mittel, um die Menschen aus dem totalen Würgegriff der NS-Ideologie zu befreien. In Wort und Tat kämpfte er für das Licht der Wahrheit.

Am 23. April 1945 nahm er an einer Demonstration teil, in der die Regensburger Bürger für eine friedvolle Übergabe der Stadt an die heranrückenden amerikanischen Truppen plädierten.

Dr. Johann Maier ergriff das Wort, als nach dem Einsatz von Gestapo, SS-Männern und Polizisten durch aufkommende Gewalttätigkeiten ein Tumult auszuarten drohte: nur durch eine Bitte, nicht durch Forderungen könne man die kampflose Übergabe der Stadt erreichen.

Noch während er sprach, wurde er von Polizisten in Zivil festgenommen und zusammen mit dem Lagerarbeiter Josef Zirkl am selben Abend zum Tode verurteilt, denn er habe „öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur Selbstbehauptung zu lähmen versucht“.

Zusammen mit Dr. Johann Maier und Joseph Zirkl starb Michael Lottner, den man kurz zuvor durch Genickschuss ermordet hatte. Einige Tage zuvor war der Mesner von St. Emmeram, Johann Igl, im Hof des Regensburger Gerichtsgebäudes erschossen worden.

Regensburg wurde vor der unausweichlich scheinenden Zerstörung am 27. April 1945 bewahrt, weil die Kampftruppen der Stadt zum Aufbau einer neuen Verteidigungslinie bei Landshut benötigt wurden und das Oberkommando der Wehrmacht Regensburg freigegeben hat.

So wurde die Hoffnung der Regensburger Bürger erfüllt, für die Domprediger Dr. Johann Maier, Josef Zirkl, Michael Lottner und Johann Igl ihr Leben gelassen haben.

In der Krypta des Regensburger Domes findet der Besucher die letzte Ruhestätte jenes Mannes, an den heute mit großer Hochachtung erinnert wird.

Quelle (Text/Foto): Pressestelle des Bistums Regensburg