Merkwürdige Mitteilungen des „Himmels“ an den Priester Ottavio Michelini

Von Felizitas Küble

Der katholische Monsignore Ottavio Michelini wirkte in der italienischen Provinz Modena und starb am 15. Oktober 1975. Der Priester gehörte zur „Marianischen Priesterbewegung“ von Don Gobbi, einem italienischen Mitbruder, der angeblich jahrelang Einsprechungen der Gottesmutter erhielt, die er im sog. „Blauen Buch“ niederschrieb, einer mehrbändigen Sammlung diverser „Botschaften“ Mariens. buch

Doch auch der Geistliche Michelini bekam  –  eigenen Angaben zufolge  –  ab Mitte der 70er Jahre besondere Mitteilungen von Jesus und Maria. Diese „Offenbarungen“ wurden in dem Buch „Nicht ich, meine Söhne, habe diese Stunde gewollt“ gesammelt und veröffentlicht.

Vieles darin erinnert an die Botschaften von Don Gobbi. Beidesmal wird eine schlimme Zeit für Kirche und Welt angekündigt, eine „Reinigung“ der Erde, wobei aber danach ein herrlicher „Frühling“ für die Kirche, eine Art neues Pfingsten erblühen soll; angeblich handelt es sich dabei um den in Fatima angekündigen „Triumph des Unbefleckten Herzen Mariens“.

Diese Endzeitschwärmerei ist typisch für zahlreiche Privatoffenbarungen der letzten Jahrzehnte  – und wenngleich jene Einsprechungen im marianischen Gewande einherschreiten, sind sie doch mit jenen charismatischen Erwartungen verwandt, welche eine allgemeine „Erweckung“, eine starke weltweite Verbreitung von „Geistesgaben“ und eine universale Bekehrung für die Zukunft herbeireden.

Auch der Priester Michelini schreibt von einem „neuen Frühling des Friedens und der Gerechtigkeit für die Menschheit und für die Kirche”, von einer “einer strahlenden, niemals zuvor erlebten Morgenröte”.

Dabei wird übersehen, daß die Heilige Schrift genau das Gegenteil ankündigt:

Keine Epoche der Erweckung, sondern eine Phase des Glaubensabfalles wird der Wiederkunft Christi vorausgehen, wie zB. Paulus im 2. Thessalonicherbrief unmißverständlich erklärt. Zudem wird erst der Antichrist erscheinen, bevor unser Erlöser in seiner göttlichen Herrlichkeit wiederkommt, zu richten die Lebenden und die Toten.

Wenn in diesem wesentlichen Punkt irreführende Lehren verbreitet werden, kann die betreffende Botschaft nicht von oben sein, mag sie auch ansonsten noch so „rechtgläubig“ und fromm-konservativ klingen.

Die Tränen Mariens und ihr Eingreifen im Himmel?

Zudem heißt es z.B. in einer Mitteilung „Jesu“ an Prälat Michelini vom 2. April 1977:virgen-maria

„Mein Sohn, die Stunde ist schwer; sie ist aufgebläht und belastet von allen Leidenschaften. Sie wurde oft und oft angekündigt, aber immer wieder verschoben durch die Tränen und den Eingriff meiner und eurer Mutter, die erhört wurde, weil diese Liebe der erstgeborenen Tochter, Mutter und Braut letztlich aus der Liebe Gottes hervorgeht, die unendlich barmherzig und unendlich gerecht ist.“

Die Zeit der schweren Prüfung wurde also laut dieser Botschaft durch die „Tränen“ und den „Eingriff“ Mariens „immer wieder verschoben“.

Maria ist aber doch im Himmel glückselig, sogar mit Leib und Seele, sie weint daher keine Tränen; diese wird es in der himmlischen Herrlichkeit nicht geben (weder direkt noch im Sinne eines seelischen Schmerzes).

Zudem ist die Gottesmutter sicherlich unsere ganz besondere Fürsprecherin, aber die Vorstellung, sie würde darüber hinaus „eingreifen“, Gott gewissermaßen durch ihren „Eingriff“ (!) von einem Strafgericht abhalten, ist zumindest unangemessen, weil hier ein fragwürdiges Gottesbild vermittelt wird.

Dabei entsteht der irreführende Eindruck, als gäbe es im Himmel allein durch die Madonna einen derartigen Akt der Barmherzigkeit. Der Ewige ist jedoch seiner göttlichen Natur nach vollkommen, also gerecht und barmherzig zugleich; dazu bedarf ER nicht der Hilfe eines Geschöpfes, mag es auch das edelste sein, nämlich Maria.

Maria als Priesterin neben Jesus und als Miterlöserin?

Abgesehen davon ist in dem Buch ständig von Maria als „Miterlöserin“ die Redvisione, obwohl dies kein kirchlicher Ehrentitel für sie ist. Geradezu abenteuerlich ist zudem die theologische Begründung dafür: 

Maria habe Christus ihre menschliche Natur gegeben (durchaus richtig) – und Christus habe ihr gleichsam im Gegenzug seine göttliche Natur (!) geschenkt. Es ist dabei nicht von göttlicher Gnade die Rede (was dann ja zutreffend wäre), auch nicht etwa von einem „Anteil“ an der göttlichen Seligkeit (wie dies allen Erlösten für den Himmel verheißen ist), sondern mehrfach davon, daß Jesus seine göttliche Natur an Maria übermittelt habe. Diese Vorstellung ist unsinnig, weil sie die Mutter Jesu vergöttlicht.

Dazu paßt es dann, daß die Gottesmutter als „einzige Priesterin unter den Frauen“ bezeichnet wird, obwohl dergleichen weder das Neue Testament verkündet noch die Kirche lehrt.

Natürlich ist Maria im Sinne des allgemeinen Priestertums die vorbildlichste, geradezu vollendete Vertreterin im Gottesvolk des Neuen Bundes.

In den „Botschaften“ an Prälat Michelini wird aber jener Priesterin-Titel ausdrücklich nicht auf das allgemeine Priestertum der Gläubigen bezogen, sondern vielmehr in eine direkte Reihe mit dem Hohenpriester Christus gestellt, weil Maria sich angeblich mit IHM gemeinsam am Kreuz Gott, dem Vater, dargebracht habe. Dasselbe gelte dann auch für die heilige Messe.

In der „Botschaft“ vom 1. Oktober 1975 beklagt sich der „begnadete“ Geistliche bei Jesus: 

„Ich habe den Inhalt deiner Botschaft über die Teilnahme der allerseligsten Jungfrau am Geheimnis des Kreuzes einigen Bekannten übermittelt. Sie glaubten nur mit Mühe an das große Verdienst der Gottesmutter, das ihr durch ihr Selbstopfer bei der heiligen Messe zukommt.“

Es spricht für diese Bekannten aus dem Umfeld des Geistlichen, daß sie jene merkwürdigen Sonderlehren „nur mit Mühe glaubten“ (am besten freilich überhaupt nicht).

Aber der Botschafts-Jesus hält Trost für seinen Priester bereit: „Mein Sohn, ich sage dir, daß auch die Guten wenig vom Wesen des Christentums verstehen.“Jesus am Kreuz - Dom St Peter

Nach zweitausend Jahren kirchlicher Verkündigung muß anscheinend dieses „Wesen“ ganz neu verstanden werden.

Die Liebe Gottes kennt keinen Zwang

Der angebliche Himmels-Jesus fährt fort:

„Meine Mutter nimmt am Geheimnis meiner Menschwerdung und an jenem des Kreuzes teil. Deshalb nimmt sie auch am Geheimnis der heiligen Messe, dem unblutigen Geheimnis des Kreuzes, teil….Sie lebt in mir, aus meiner göttlichen Natur, wie ich in ihr lebe, in ihrer menschlichen Natur. Darum ist es selbstverständlich, daß auch sie dort ist, wo ich bin. Dazu zwingen die Natur und die Liebe.“

Erstens „zwingt“ die Liebe grundsätzlich zu nichts, weil Zwang und Liebe unvereinbar sind. Zweitens hat Christus zwar die menschliche Natur angenommen, Maria aber nicht die göttliche.

Weiter heißt es in jener „Botschaft“:

„Wahrhaft wirklich wie auf Kalvaria ist ihr Fiat am Altar. Wäre es anders, so wäre sie nicht Miterlöserin. Miterlöserin war sie und wird sie immer sein in vollkommener Vereinigung mit mir, in der sie auch in der Ewigkeit mit euch sein wird. Jetzt seid ihr durch das Geheimnis des Glaubens vereint, wenn ihr daran glaubt und daraus lebt.“

Wir sind also dann „durch das Geheimnis des Glaubens“ vereint, wenn wir „daran glauben“, daß Maria „Miterlöserin“ ist. Dabei gehört dieser Titel durchaus nicht zum kirchlichen Lehrbestand. Papst Benedikt hat sich sogar ausdrücklich dagegen ausgesprochen. (Näheres siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Was außerdem an diesen vermeintlichen Einsprechungen des Himmels stört: Ständig wird den Lesern eingeredet, die Freimaurerei sei der schlimmste Feind der Kirche  –  und das „jüdische Volk“ habe einen „Gottesmord“ vollbracht. israeltag2

Daß die freimaurerischen Standpunkte mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind, ist eine klare Tatsache, aber daraus läßt sich kein derart übertriebenes Feindbild ableiten, als ob es sonst keine nennenswerten Gegner in- und außerhalb der Kirche gäbe.

Das jüdische „Volk“ hat Christus nicht ermordet, es waren vielmehr römische Soldaten, zweifellos angestachelt durch einen Teil der jüdischen Elite, aber nicht durch das Volk der Juden insgesamt.

Manche Bemerkungen klingen zudem ziemlich gnostisch bzw. leibfeindlich, zB. eine Botschaft des heiligen Josephs vom 15. Mai 1977: „Große, reine Liebe herrschte zwischen mir und meiner wahren Braut, Maria. Unsere Liebe wurde nie durch sinnliche Gefühle befleckt: Wir liebten uns wie Engel, die keinen Körper haben.“

Maria und Joseph waren aber Menschen, die einen Körper haben, keine Geistwesen, keine Engel. Natürlich lebten sie ihre Ehe enthaltsam, aber das bedeutet nicht „wie Engel, die keinen Körper haben“.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Auszüge aus dem erwähnten Buch finden Sie hier: http://kath-zdw.ch/maria/Ottavio.nicht.ich.habe.diese.stunde.gewollt.html#49


Broschüre über Charismatik und Falschmystik

Im Frühjahr 2008 erschien im Münsteraner KOMM-MIT-Jugend-Verlag die 52-seitige, großformatige (DIN-A-4) Dokumentation „Botschaften des Himmels?“  mit dem Untertitel „Charismatik und Falschmystik unter der Lupe“.

Diese fundierte Schrift von Felizitas Küble, die vor allem von Theologen, Priestern und Wallfahrtsleitern bestellt wird, befaßt sich mit grundsätzlichen Fragen zum Bereich Marienverehrung, Mystik, Charismatik, Erscheinungen, Visionen  – aber auch kritisch mit einzelnen Themen, die vielen Gläubigen auf den Nägeln brennen, darunter: Scannen0006

Endzeitpanik
Endzeitschwärmerei
Heroldsbach
Medjugorje
La Salette (über die kirchlich abgelehnte 2. Version)
Montichiari (Rosa Mystica)
Psychotechniken, Gruppendynamik
Don Gobbi, marianische Priesterbewegung
Teresa Higginson (Haupt-Christi-Verehrung)
Charismatische Praktiken („Ruhen im Geist“ etc)
Biblische Warnungen vor falschen Propheten etc.

Wer diese Broschüre lesen bzw. gezielt weitergeben möchte, kann sie für nur  5,95 € einschließlich Versandkosten beziehen bei: KOMM-MIT-Verlag, 48167 Münster, Schlesienstr. 32, Tel. 0251-615151, Fax 0251-614020, Mail: Felizitas.kueble@web.de

(Bei Auslandsbestellungen beträgt der Preis 8 Euro wegen des überaus hohen Auslands-Portos!)


Don Gobbis „Botschaften“ unter der Lupe

Seit fast 40 Jahren berichtet der italienische Priester Stefano Gobbi    –  von seinen Anhängern meist „Don Gobbi“ genannt  –  von angeblichen Einsprechungen der „Gottesmutter“, dokumentiert im sog. „Blauen Buch“, das den Titel trägt: „Die Muttergottes an ihre vielgeliebten Priestersöhne“.

Die Anhänger dieser Privatoffenbarung  –  sowohl Priester wie Laien  –  treffen sich zu Gebet und gemeinsamer Lektüre dieser Botschaften in „Zönakeln“, wie sie ihre regelmäßigen Zusammenkünfte bezeichnen. Don Gobbi ist zugleich Gründer und internationaler Chef der „Marianischen Priesterbewegung“ (MPB), die in Deutschland von Pater Otto Maier geleitet wird.

Die zahlreichen Neu-Auflagen und Ergänzungen seines sog. „Blauen Buches“ machen eine Analyse langatmig und kompliziert. Daher ist es übersichtlicher, sich Don Gobbis Neujahrsbrief 2007 an die „nationalen und regionalen Verantwortlichen der MPB“  näher anzuschauen, weil er darin viele seiner zentralen Themen zusammenfaßt.

Darin berichtet Don Gobbi von seiner eifrigen Reisetätigkeit durch aller Herren Länder, so etwa im Jahre 2006 durch vierzehn Staaten; zudem schildert er seine bisherigen Erfolge, die sich wahrlich sehen lassen können: „Ich habe 90 Städte mit 55 Flügen besucht, habe 110 Zönakel geleitet, an denen 70 Bischöfe, 1750 Priester und 450.000 Gläubige teilgenommen haben.“

Nun kommt es allerdings bei Licht betrachtet nicht auf den äußerlich meßbaren Erfolg an, sondern auf das Fundament und seine Qualität. Worauf also beruht die besondere „Spiritualität“ der Marianischen Priesterbewegung?

Natürlich auf dem Blauen Buch mit den „Einsprechungen“, die Don Gobbi  angeblich   von der Himmelsmutter erhält.

Unter diesen umfangreichen Botschaften sind einige Aspekte besonders interessant. Lassen wir Don Gobbi selbst zu Wort kommen, genauer: die von ihm empfangene „Botschaft“ vom 15. März 1993:

„Wie Noah im Namen des Herrn jene, die vor der Sintflut bewahrt werden sollten, eingeladen hat, in die Arche einzutreten, so mußt du, mein kleinster Sohn, im Namen der himmlischen Mutter jene einladen, in die Zufluchtsstätte meines Unbefleckten Herzens einzutreten, die vor der großen Prüfung, die nun für die Kirche und für die ganze Menschheit gekommen ist, geschützt, verteidigt und gerettet werden sollen.“

Bereits hier taucht die Frage auf, ob sich die Gobbi-Bewegung gewissermaßen als „Staat im Staate“, eine Art Extra-Kirche innerhalb oder „oberhalb“ der Kirche Christi versteht. Don Gobbi wird hier jedenfalls in eine direkte Linie mit dem gerechten Noah des Alten Bundes gestellt  – offenbar  ist er der Noah unserer Zeit, was ein erstaunliches Sendungsbewußtsein markiert, das man ansonsten nur bei Sektenführern kennt.

Zudem ist das Unbefleckte Herz Mariens nun quasi die „Arche“ für jene, die vor der „großen Prüfung“ geschützt bleiben sollen –  vor einer Prüfung immerhin, die „nun für die Kirche“ (und die Menschheit) „gekommen“ sei.

Abgesehen davon, daß diese Ankündigung von 1993 auch fast 20 Jahre später noch   ihrer Erfüllung harrt, stellt sich die Frage, warum denn „die Kirche“ durch eine große Prüfung hindurchgehen muß, während gleichzeitig eine gewisse Schar von Gläubigen (eben die Anhänger Don Gobbis) davor bewahrt bleiben, weil sie sich getrost in der „Arche“ aufhalten, nämlich im Unbefleckten Herzen Mariens.

Wo befindet sich dann aber die Kirche Christi? Etwa außerhalb dieser Arche? Ist nicht die Kirche selber die Arche des Neuen Bundes? Viele Kirchenväter der ersten Jahrhunderte haben genau dies gelehrt: die Kirche als „Arche des Heils“!

Welche „Maria“ offenbart sich hier?

Die bereits zitierte Gobbi-Botschaft vom 15. März 1993, die er in Fatima empfangen haben will, bietet weitere Merkwürdigkeiten: „Ich habe dich hier gewollt, weil du allen verkünden mußt, daß die Zeit gekommen ist, in der ich mich auf außergewöhnliche Weise all jenen offenbaren werde, die sich mir geweiht haben.“

Bereits 1993 ist demnach die „Zeit gekommen“, in der sich die „Gottesmutter“ jenen, die sich ihr „geweiht“ haben, „offenbaren“ wird  – und zwar auf „außergewöhnliche“ Weise.

Auch hier möchte man nun gerne wissen, ob diese Ankündigung bereits eingetroffen ist und inwiefern der hier erwähnte Personenkreis (der sich dem „Unbefleckten Herzen geweiht hat“) tatsächlich „außergewöhnliche Offenbarungen“ erfahren hat, die von Seiten der „Gottesmutter“ bewirkt wurden.

Die von Don Gobbi propagierte Art der „Herz-Marien-Weihe“ erscheint  theologisch eher merkwürdig, erweckt sie doch den Eindruck, als ob die Gottesmutter nicht etwa nur der beste Weg zu Christus sei, sondern quasi die Endstation des Erdenpilgers. Doch die Gottesmutter ist der Weg, nicht das Ziel!

So heißt es z.B. in der „himmlischen“ Einsprechung Don Gobbis am 25. März 1984:

„Wenn ich euch um die Weihe an mein Unbeflecktes Herz bitte, so geschieht dies, um euch verständlich zu machen, daß ihr euch mir vollkommen anvertrauen müßt, total und für immer, damit ich entsprechend Gottes Willen über euch verfügen kann.“

Diese Aufforderung kann kaum von der wirklichen Gottesmutter herrühren, nicht von jener Jungfrau aus Nazareth, die bescheiden von sich sagte: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn.“  –  Allein Gott, unser Schöpfer, kann die volle „Verfügungsgewalt“ über seine Geschöpfe beanspruchen, allein dem dreieinigen Gott sollen wir uns „vollkommen“ anvertrauen, IHM „total und für immer“ dienen und uns freiwillig seinem Willen unterordnen.

Im Verhältnis zur Gottesmutter, also gegenüber dem höchsten gottbegnadeten Geschöpf, kann ein solcher Weihe-Akt lediglich in relativer Weise erfolgen, nämlich letztlich im Hinblick auf Christus selbst  –  bezogen auf die Madonna in dem Sinne, daß wir uns ihrer mächtigen Fürsprache am Throne ihres göttlichen Sohnes anvertrauen.

Zurück zu Don Gobbis Neujahrsbrief 2007, der auch in anderer Hinsicht aufschlußreich ist; er schreibt darin z.B.:

„Die Aufgabe, die der Marianischen Priesterbewegung in dieser Zeit der Reinigung und der großen Bedrängnis anvertraut ist, besteht darin, der Kirche und der ganzen Menschheit DIE HERRLICHKEIT MARIENS zu verkünden.“ (Großschreibung im Original.)

Wenn es sich bei dieser „Herrlichkeit Mariens“ um die amtliche Lehre der Kirche über die Gottesmutter handelt, dann braucht das „der Kirche“ keineswegs „in dieser Zeit“ durch die MPB „verkündet werden“, dann weiß die Kirche das selbst und lehrt dies sei eh und je. Offenbar geht es sich hier aber um eine neue Variante der „Herrlichkeit Mariens“, die erst noch „offenbar“ werden muß?

Um seinen Lesern zu verdeutlichen, was diese „Herrlichkeit Mariens“ konkret beinhaltet, veröffentlicht Don Gobbi in seinem Rundschreiben einige Passagen aus den „Botschaften“, die er am 2. Februar 1988 von der „Gottesmutter“ erhalten habe. Hier einige Auszüge:

„Liebt mit dem Schlag meines Unbefleckten Herzens die heiligste und göttliche Dreieinigkeit. Liebt den Vater, der euch mit seiner Zärtlichkeit umgibt, der euch in seinen Armen trägt und immer mit seiner Vorsehung beisteht. Liebt den Sohn, der sich zu eurem Bruder gemacht und euch ein neues Herz und einen neuen Geist geschenkt hat… Jesus erwart von Euch nur Liebe.“

Es fällt auf, welche kindische Vorstellung hier von Gott-Vater entwickelt wird. Seine Gerechtigkeit, Erhabenheit und Heiligkeit wird ausgeblendet. Auch Christus kommt nur als unser „Bruder“ zum Vorschein, nicht als unser Herr, Erlöser und Richter.

Im Grunde handelt es sich hier um sentimentalen Modernismus.  Im übrigen erwartet Jesus von uns keineswegs „nur Liebe“, sondern Glaube, Hoffnung und Liebe, also alle drei übernatürlichen, durch den Heiligen Geist „eingegossenen“ Tugenden.

Ist Don Gobbis „Maria“ die „Magd des HERRN“?

Jene „Maria“, von der Don Gobbi himmlische „Einsprechungen“ erhält, ist eifrig auf ihre eigene Ehre bedacht. Demgegenüber wissen wir von der wahren Madonna, daß sie auf Gottes Verherrlichung und auf ihren göttlichen Sohn hinweist: „Was ER euch sagt, das tut!“    –   „ER hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd.“  –  „Denn der Allmächtige hat Großes an mir getan und SEIN Name ist heilig.“

In der „Botschaft“ an Don Gobbi vom 2.2.1988 äußert sich „Maria“ aber wie folgt:

„Ich verherrliche mich in euch, wenn ihr mit mir im Lichte der Liebe wandelt…Ich verherrliche mich in euch, wenn ihr mit mir im Lichte der Heiligkeit wandelt…Ich werde in euch verherrlicht. In euch werde ich verherrlicht, wenn ihr demütig, arm, klein, rein und barmherzig seid. Ich verherrliche mich in euch, wenn ihr im Licht des  Glaubens, der Liebe und der Heiligkeit wandelt. Dann werdet ihr meine Herrlichkeit verbreiten.“

In dieser einzigen Kurzbotschaft erscheint sechs Mal die Äußerung,  daß „Maria“ sich selbst „verherrlicht“ in ihren Anhängern. Kommt uns hier nicht unwillkürlich die biblische Botschaft in den Sinn, die im Johannesprolog verkündet: „…und wir sahen seine Herrlichkeit, die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Sogar die dritte göttliche Person der Dreieinigkeit, der Heilige Geist, verherrlicht laut Heiliger Schrift keineswegs sich selber, obwohl ihm das kraft seiner göttlichen Natur durchaus „zustehen“ würde, sondern der Heilige Geist bezeugt Christus und verherrlicht dessen Erlösungswerk: Christus spricht vom „Geist der Wahrheit“, den er senden und der „von mir Zeugnis geben“ wird (vgl. Joh 15,26).  In Joh 16,13 wird Christi Aussage berichtet, daß der Heilige Geist „nicht von sich selber reden“ , sondern „mich verherrlichen wird“.

Wenn demnach die göttliche Person des Heiligen Geistes nicht sich selbst, sondern Christus verherrlicht, dann kann man dies erst recht bei einem so heiligen und wahrhaft demütigen Geschöpf wie der Gottesmutter als selbstverständlich voraussetzen.

Problematisch ist eine weitere Variante, durch die das Erlösungswerk Christi verdrängt   wird  – und auch diese Version findet sich in jener „Botschaft“ vom 2.2.1988, die Don Gobbi in seinem Neujahrsbrief zitiert:

Seine Anhänger sind das neue „Licht der Liebe“

„Ihr werdet meinen Triumph vorausnehmen, ihr werdet die Strahlen des Lichtes sein, die von meinem Unbefleckten Herzen herabströmen, um die Erde in diesen Tagen tiefer Dunkelheit zu erleuchten… Dann bewirkt ihr in diesen Tagen der Gewalt und des Hasses, daß der himmlische Tau der göttlichen Barmherzigkeit auf die große Wüste der Welt herabsteigt. So wird durch euch erneut das Licht der Liebe erstrahlen und ich werde in euch verherrlicht.“

Diese Pseudo-Maria will ihre Selbstverherrlichung offenbar auch ihren Anhängern vermitteln, heißt es doch in der erwähnten Botschaft: „Dann bewirkt ihr….daß der himmlische Tau der göttlichen Barmherzigkeit…herabsteigt… So wird durch euch erneut das Licht der Liebe erstrahlen…“

Die göttliche Barmherzigkeit ist in der Person Christi vor 2000 Jahren wie himmlischer Tau („Tauet Himmel, den Gerechten…“) zur Erde herabgestiegen und hat sein Heilswerk durch den Opfertod am Kreuz vollendet. ER ist das „wahre Licht“, das die Welt erleuchtet (vgl. Johannes-Prolog)  – niemand sonst, auch nicht die Anhänger Don Gobbis.

Die Mutter des Heilands hat ihren und unseren göttlichen Erlöser an der Krippe angebetet und ihm auch unter dem Kreuz die Treue gehalten; sie stand „unter“ dem Kreuz und „unter“ ihrem Sohn, keineswegs ebenbürtig „neben“ ihm.   –  Auch hier wird in der Gobbi-Botschaft wieder eine stolze „Maria“ erkennbar, die schon deshalb nicht die wahre Gottesmutter sein kann, denn diese würde nie von sich behaupten, was Don Gobbis Pseudo-Maria am 21.8.1987 erklärte:

„Als Mutter bin ich immer neben meinem Sohn. Ich bin es auf dieser Erde gewesen; ich bin es jetzt im Paradies. Ich befinde mich weiterhin dort, wo Jesus in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig ist. Mein Unbeflecktes Herz wird für ihn zum lebendigen, pulsierenden und mütterlichen Tabernakel der Liebe, der Anbetung, des Dankes und der dauernden Sühneleistung.“

Hier wird mit fromm klingenden Worten die kirchliche Lehre verdrängt, wonach die hl. Messe durch die Weihe-Vollmacht des Priesters  ein wahres sakramentales Opfer des Dankes, der Sühne und der Verherrlichung Gottes darstellt.

Die Gottesmutter ist hingegen keine Inhaberin des Amtspriestertums, sie kann keine sakramentale Opferhandlung voll- ziehen; sie ist auch keineswegs wie Christus im Tabernakel „gegenwärtig“, zumal der Gott allein allgegenwärtig ist und sein kann, sei es in seiner Schöpfung oder besonders in den heiligen Sakramenten, vor allem jedoch im Sakrament des Altares.

Mit den „Aposteln der Letzten Zeiten“ ins irdische Paradies

Was Don Gobbi ansonsten in seinem Rundschreiben zum Besten gibt, zeigt auch seine profunde Fähigkeit, alte Visionen neu zu vermarkten, darunter eine enthusiastische Endzeitschwärmerei, die mit Bibel und Dogma nicht übereinstimmt.

Demzufolge soll es schon vor der Wiederkunft Christi ein großes christliches Friedensreich auf Erden geben, das von den „Aposteln der Letzten Zeiten“ geprägt sei. Diese These des sog. Postmillenarismus widerspricht der Hl. Schrift und wurde bereits im Mittelalter von der Kirche abgelehnt, zB im Zusammenhang mit den Schwärmereien eines Joachim v. Fiore.

Nun erfahren wir von Don Gobbi, daß er und seine Getreuen diese endzeitliche Apostelschar bilden werden; hierzu zitiert er in seinem Neujahrsbrief die Botschaft vom 8.12.1994, angeblich „passend“ erhalten am Fest der Unbefleckten Empfängnis:

„Ihr seid die Apostel der Letzten Zeiten, weil ihr allen die baldige Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit verkünden sollt, der die Menschheit in die neuen Zeiten einführen wird, in denen man schließlich den neuen Himmel und die neue Erde sehen wird.“

Im Glaubensbekenntnis (großen Credo) liest man es freilich anders: „Er wird wiederkommen in Herrlichkeit zu richten die Lebenden und die Toten.“  – Bei Don Gobbi ist vom Richter keine Rede, stattdessen von freudigen, außergewöhnlichen Empfindungen und irdischen Paradieseswonnen,  wie die Botschaft vom 21. 8. 1987 bezeugt:

„Sobald Jesus sein eucharistisches Reich errichtet hat, wird er euch dazu führen, daß ihr Freude an dieser seiner dauernden Gegenwart habt, die ihr auf eine neue und außergewöhnliche Weise empfinden werdet und die euch dazu bringen wird, die Erfahrung eines zweiten, erneuerten und schöneren irdischen Paradieses zu machen.“

Damit übertrifft Don Gobbi sogar die wohlbekannten Schwärmereien der Zeugen Jehovas und sonstiger chiliastischer Sekten, die gern von einem irdischen Paradies am Ende aller Zeiten träumen, aber nicht wie Don Gobbi behaupten, dieses „zweite Paradies“  sei noch schöner als jenes erste, in dem sich Adam und Eva vor ihrem Sündenfall aufhalten durften.

Zudem räumen diese Gruppen zum Teil immerhin ein, daß vor diesem „goldenen Zeitalter“ erst der Antichrist kommen und sein diabolisches Reich errichten wird, ein wesentlicher Sachverhalt, den Don Gobbi in seiner Endzeitschwärmerei „übersieht“, den er auch in seinem achtseitigen Neujahrsbrief mit keinem Wort erwähnt.

Charismatische Elemente bei Don Gobbi

Zu diesen chiliastischen Inhalten gesellen sich charismatische Elemente in den Botschaften Don Gobbis; man denke etwa an seine häufige Erwähnung eines „zweiten Pfingsten“ bzw. einer „neuen Kirche“, die noch im Entstehen sei.

Hierzu paßt das Motto seiner Deutschlandtour im Herbst 2007 („Wir beten um das Kommen des Heiligen Geistes“), die ihn auch zu „Zönakeln“ nach Heroldsbach und Marienfried führte (beidesmal Stätten von „Marienerscheinungen“, die kirchlich nicht anerkannt sind).

Die charismatische Erwartungshaltung Don Gobbis wird auch deutlich in der von ihm stark verbreiteten Anrufung: „Komm, Heiliger Geist, komm durch die mächtige Fürsprache des Unbefleckten Herzens Mariens, Deiner so geliebten Braut.“

Tatsache ist jedenfalls, daß weder die Heilige Schrift noch die Dogmatik ein „zweites Pfingsten“ für die Kirche kennt und daß sich die alttestamentliche Verheißung von Joel 3 in ihrer Ersterfüllung auf das Pfingstfest und in ihrer Voll-Erfüllung auf das bekehrte Israel der Endzeit bezieht.

Dazu paßt es auch, daß Don Gobbis „Maria“ sich zu Medjugorje bekennt, einem stark charismatisch geprägten Erscheinungsort.  So will  er am 3. Juli 1987 eine Einsprechung der „Gottesmutter“ erhalten haben, wonach sich „noch in diesem Jahr große Ereignisse vollziehen werden“.

Die Gobbi-Bewegung verbreitete diese Auskunft in Millionen Flugblättern, was zu einer kompletten Bauchlandung führte, denn das besagte Jahr verlief ohne auffallende Besonderheiten. Pikant war überdies, daß die „Madonna“ diese „großen Ereignisse“ ausdrücklich auf Medjugorje bezog: „…was ich unter dem Siegel der Geheimhaltung auch den Kindern offenbart habe, denen ich in Medjugorje immer noch erscheine.“

„Immer noch“ dürfte ein passender Ausdruck sein, nachdem die dortige Seherschar  behauptet, auch nach dreißig Jahren noch „Offenbarungen“ der “Gospa“  zu erhalten. Dergleichen ist in der Kirchengeschichte nie dagewesen, doch man wird gut daran tun, diese banalen „Botschaften“ nicht für ein „zweites Pfingsten“ zu halten, sondern als Phänomen aus dem Irrgarten der Falschmystik einzustufen, was auch für die „Einsprechungen“ eines Don Gobbi gilt.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MiT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

Kontakt: felizitas.kueble@web.de