Aufbruch und kirchliches Leben im Südosten Europas zwischen den Weltkriegen

Von Stefan P. Teppert

Nach einem anregenden Auftakt im vergangenen Jahr nahm sich in diesem Jahr abermals eine Tagung der Reformen im religiösen Leben in den Nachfolgestaaten der Habsburger-Monarchie im Südosten Europas zwischen den beiden Weltkriegen an.

Während bei der letztjährigen Tagung die Aufbruchsbewegungen im deutschen Katholizismus der Weimarer Republik bei den Deutschen in Südosteuropa im Vordergrund stand, richtete sich der Fokus diesmal auf Erneuerungen als Antwort auf die veränderte politische Situation, auf ethnische Homogenisierungsbestrebungen und daraus resultierende Ambivalenzen und Verfänglichkeiten 100 Jahre nach dem Friedenvertrag von Trianon.

Wie im Vorjahr leitete Prof. Dr. Dr. Rainer Bendel (siehe Foto) auch die Vorträge und Diskussionen am 18. Juli 2020 im „Weltzentrum der Donauschwaben“ in Sindelfingen.

Als Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft katholischer Vertriebenenorganisationen (AKVO), Lehrbeauftragter für Kirchengeschichte an der Universität Hohenheim und Vorsitzender des Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa hatte er das Programm wieder konzipiert und als Kooperationsveranstaltung des St. Gerhardswerks, des Gerhardsforums und des Hauses der Donauschwaben ermöglicht.

Dr. Bettina Reichmann (siehe Foto) vom Katholisch-Theologischen Institut der Universität Koblenz-Landau beschäftigte sich mit Bischof Ottokár Prohászka (* 1858), einem prominenten Vertreter der katholischen Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg, den die Frage umtrieb, wie der Katholizismus mit den Gedanken des Fortschritts versöhnt werden kann.

Der Professor für Dogmatik in Gran und Budapest war von 1905 bis zu seinem Tod 1927 Bischof in Stuhlweißenburg und während des ungarischen Kulturkampfes tonangebend an der Gründung der Katholischen Volkspartei sowie von katholischen Arbeiter- und Sozialvereinen zur Hebung des Lebensstandards beteiligt. In der aktuellen historischen Forschung werde Prohászka, so die Referentin, polarisiert dargestellt.

Als Mitglied der ungarischen Nationalversammlung hatte er 1921 das Andersgläubige benachteiligende Numerus-Clausus-Gesetz mit vorbereitet, was ihm von jüdischer Seite den Vorwurf einbrachte, eine führende Figur antisemitischer Ideologie zu sein.

Demgegenüber gilt er aber auch mit seinem christlich-nationalen Kurs als „leuchtende Gestalt“, die einer zerrütteten Gesellschaft nach den Leiden der Kriegs- und Nachkriegsjahre den schmerzlichen Gebietsverlusten durch den Friedensvertrag von Trianon in einer nunmehr republikanischen Verfassung durch die Erneuerung des Katholizismus eine Festigung im Staatsgefüge brachte.

In Abweichung von dem polarisierten Bild, das viele Kirchengeschichtler in Ungarn von Prohászka gezeichnet haben – entweder Praeceptor oder Antisemit – plädierte Reichmann dafür, das eine mit dem anderen ohne Wertung zusammenzudenken. Beides seien nämlich aufeinander bezogene und sich gegenseitig bedingende Facetten derselben Person.

Man müsse ihr theologisches Denken im historischen Kontext studieren und dürfe die erneuernden Impulse nicht getrennt von den Abgrenzungen sehen, die bei den Suchbewegungen nach einem katholischen Profil für unerlässlich galten.

Dr. Andor Lénár (siehe Foto), der seine Dissertation an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest über den Vacer Bischof Árpád Hanauer geschrieben hat, sprach über die ungarische Priesterausbildung der Zwischenkriegszeit innerhalb des katholischen Erneuerungsprozesses .

Die Erneuerung sei auch durch Impulse und Regelungen der Weltkirche mit der päpstlichen Enzyklika rerum novarum angeregt worden, besonders von Priestern, die im Ausland Theologie studiert hatten und die Notwendigkeit von Reformen erkannten.

Dabei blieb sie nicht unter Klerikern isoliert, sondern durchdrang viele Bereiche des katholischen Lebens.

Das positive politische Klima der Zwischenkriegszeit brachte eine Entfaltung der religiösen Presse, Orden und Vereine sowie steigenden Einfluss der katholischen Kirche im Unterrichtswesen. Die Orientierung der Priesterausbildung am Josephinismus wurde zurückgedrängt, um den zentralen Regelungen der Weltkirche zu folgen.

Hatten die Bischöfe zuvor als Grundbesitzer eher das Leben zeitgenössischer Magnaten als das eifriger Oberhirten geführt und einfache Geistliche sich eher als Staatsbeamte und nicht als Seelsorger verstanden, sei in der Zwischenkriegszeit  –  so Lénár  –  eine Priestergeneration herangewachsen, für die eine strengere Disziplin, gründlichere theologische Ausbildung, tiefere Spiritualität und gesellschaftliches Pflichtgefühl charakteristisch waren.

In Ungarn gab es zehn Priesterseminare, die meisten Diözesen unterhielten auch Knabenseminare, Budapest bot zusätzlich ein Zentralseminar.

Lénár erläuterte ihre Organisation und finanzielle Lage, die schwankende Anzahl der Seminaristen und ihren gesellschaftlichen Hintergrund (die Hälfte der Kandidaten stammte aus einfachen Familien) sowie die theologische Ausbildung und Erziehung mit ihren Protagonisten Ottokár Prohászka, István Hanauer und József Petró.

Dr. András Grósz (siehe Foto), ein weiterer Gast aus Ungarn, hat seine Dissertation 2014 über den Führer der deutschen Bewegung in Ungarn, Jakob Bleyer, unter besonderer Bezugnahme auf die katholische Kirche ebenfalls an der Eötvös-Loránd-Universität Budapest vorgelegt.

Sein Thema war die deutsche Muttersprache in der katholischen Liturgie im Ungarn der Zwischenkriegszeit, ein sensibler Bereich, weil er Ausdruck für die Autonomie der Religionsausübung und zugleich Schauplatz der politischen Kämpfe in der Nationalitätenfrage war.

Eigentlich ist die Frage der Liturgie eine kirchliche Befugnis, deren Regelung das ausschließliche Recht des Heiligen Stuhls ist, wie im Codex Iuris Canonici(Kirchenrecht) von 1917 klar festgelegt.

Der Verwendung der Muttersprache in der Liturgie widmeten Bischöfe und Priester daher besondere Aufmerksamkeit, denn die Kirche wollte in liturgischen Angelegenheiten ihre eigenen Entscheidungen nach Kirchenrecht treffen und verwehrte Außenstehenden die Mitsprache.

Die Seelsorge in der Muttersprache galt als ein natürliches Recht der Gläubigen, was freilich in mehrsprachigen Gemeinden zu einem heiklen Problem werden konnte.

Der Gebrauch der Muttersprache in der Kirche hing daher von mehreren Faktoren ab: der Anzahl der in den Siedlungen lebenden Nationalitäten, dem Maß ihrer Bedürfnisse, ihren Sprachkenntnissen, dem persönlichen Verhalten des Diözesanbischofs und des örtlichen Pfarrers, aber auch von der Beeinflussung durch die Verwaltungsbehörden und die Lobbykraft der ungarndeutschen Bewegung.

Man könne – so Grósz resümierend – bei allem Konsens hinsichtlich einer notwendigen Stärkung der ungarischen Identität über unterschiedliche Situationen in jeder Siedlung sprechen, wobei die Pfarrer in der Seelsorge die Rechte der Nationalitäten zu konservieren pflegten, im Unterricht meist jedoch der ungarischen Sprache den Vorzug gaben, um Assimilierung und Integration zu befördern.

Peter Krier (siehe Foto) aus Schweinfurt zeichnete – aus eigenem Erleben und in dankbarer Bewunderung – ein Lebensbild von Schwester Hildegardis Wulff, die in der Zeit von 1927 und 1951 im Banat wirkte und dort zur Leitfigur des religiös-kulturellen Lebens und dessen Erneuerung wurde.

Aufgewachsen in Mannheim in einer evangelischen, vom nationalen Liberalismus geprägten Familie, konvertierte sie 1918 zur katholischen Kirche und stellte ihr Leben ganz in den Dienst Gottes.

Sie wurde Mitbegründerin des Benediktinerordens der heiligen Lioba in Freiburg und verstand sich nach innen als Nonne, nach außen als Apostel mit sozialkaritativem und pädagogischem Auftrag.

1927 wurde das Banat zu ihrer neuen Missionsheimat. Mit ihrer Sprachmächtigkeit und ihrer überzeugenden Ausstrahlung fesselte sie ihre Zuhörer. Mit ihren Themen traf sie genau das, was dem Banater Deutschtum zur Selbstfindung half. Sie organisierte die Banater katholische Jugend.

Als Priorin eines neuen Klosters in Temeswar fand sie noch Zeit, um schriftstellerisch und redaktionell tätig zu sein und Beziehungen zu bedeutenden katholischen Persönlichkeiten zu pflegen. Sie brachte eine Volkshochschule, ein Spital, ein Entbindungs- und ein Altenheim auf den Weg.

Den Nöten der Zeit entsprechend, half sie den von Deportation, Verfolgung und Entwurzelung betroffenen Volksdeutschen mit Nahrung, Kleidern und Papieren und rettete vielen das Leben.

Mutig widersetzte sie sich der Kirchenverfolgung der Nazis und Kommunisten, wurde 1945 interniert und 1952 in einem Schauprozess zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. In ihrem neunjährigen Martyrium zeigte sie große Glaubensstärke, bis sie 1959 freikam und in ihr Kloster zurückkehrte.

Obwohl das materielle Werk der 1961 verstorbenen Schwester vernichtet ist, bestehe ihr Vermächtnis fort. „Sie hat dazu beigetragen, dass unsere Volksgruppe aufrecht gehen und den ihr bestimmten schweren Weg in Würde gehen konnte.“

Der Musikhistoriker Dr. Franz Metz (siehe Foto), Geschäftsführer des Gerhardsforums in München, der im Jahr zuvor Kirchenlied und Chorgesang behandelt hatte, sprach diesmal über die Folgen des Friedensvertrags von Trianon für die Kirchenmusik der Donauschwaben, besonders über die Forschungen in diesem Bereich, eine Disziplin, die sich als Fach erst 1905 zu etablieren begann.

Als Paradebeispiel dafür hob er die Publikation „Banater Rhapsodie“ des Temeswarer Domkapellmeisters Desiderius Braun (1894 – 1940) hervor, ein wichtiges Quellenbuch, das mit einer Fülle von Dokumenten auf 500 Seiten zwar lediglich den Schauplatz Temeswar erfasst, was aber, so Metz, schon ausreiche, um dieser 1937 erschienenen „Fundgrube“ einen Spitzenrang zu verleihen.

Obwohl das Buch von Fehlern und Satzungetümen wimmelt, der Fußnoten entbehrt und ein Torso geblieben ist, spiegele es wie kein anderes das selbstverständliche multiethnische Nebeneinander im Musik- und Theatergeschehen der damals deutschsprachigen Stadt und sei bis heute Fundament für musikgeschichtliche Forschungen in Südosteuropa und darüber hinaus geblieben.

Das Multiethnische zeige sich auch an der Gründung der ungarischen Spielzeit am Temeswarer Stadttheater. Der pompöse Auftritt und die Ansprache des populären Dichters Jókai Mór wurden dabei hymnisch von der Presse besprochen. 

Mór propagierte zwar die ungarische Nation, in der alle Nationalitäten unteilbar versammelt seien, verlangte aber auch Respekt vor allem Fremden, nicht zuletzt, weil es zur Inspirationsquelle werden könne.

Bis heute versammelt das Temeswarer Theatergebäude als einziges drei verschiedene Staatstheater unter einem Dach. Metz spielte dann die Aufnahme eines Musikstücks für Violine und Orgel des donauschwäbischen Komponisten Anton Horner vor, der eigentlich aus Franzensbad stammte, aber 1912 mit seinen Kompositionen nach Pantschowa kam und im März 1946 im Vernichtungslager Rudolfsgnad an Hunger starb.

Mit anderen Ave-Maria-Vertonungen von Banater Komponisten soll auch diejenige Horners in Kürze auf CD erscheinen.

BILDER: Auch die Referenten-Fotos stammen von Stefan Teppert

 


Regensburger Bischof betrachtet die Furcht vor Islamisierung nicht als „Hirngespinst“

Bei der traditionellen Wallfahrt katholischer Donauschwaben nach Altötting hielt der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto) am 8. Juli eine ausführliche Predigt, worin er die geschichtlichen Verdienste und das kulturell-christliche Erbe der Donauschwaben würdigte. (Näheres dazu HIER in unserem CF.)

Zugleich äußerte sich der Oberhirte zum aktuellen Thema Islam(isierung) – wir zitieren die entsprechenden Abschnitte vollständig:

„Ihre Vorfahren waren einst die Donau hinabgezogen, um das Land zu besiedeln, und auch, um einen kulturellen und religiösen Schutzschild für Europa zu bilden. Wenn man all das aus der Perspektive der Gegenwart betrachtet, erkennt man erst, welche Katastrophe die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts letztendlich bedeuten.

Die Perspektive der Gegenwart: Viele sehen heute die Gefahr einer drohenden Islamisierung Mitteleuropas, nicht durch kriegerische Eroberung und Besatzung, sondern durch Asylgewährung und Fruchtbarkeit.

Sie wissen wahrscheinlich, dass ich diese Befürchtungen nicht für ganz unberechtigt oder gar für krankhafte Hirngespinste halte. Der Islam ist von seinem theologischen Wesen her der Widerspruch zum Christentum, und von daher ist kulturell allenfalls ein Nebeneinander möglich.

Dennoch meine ich, dass der große Orient-Kenner Peter Scholl-Latour Recht hatte: Der Westen muss nicht in erster Linie Angst haben vor der Bedrohung von außen, liebe Schwestern und Brüder, sondern von innen, vor der eigenen Glaubensschwäche und vor der eigenen Unlust an der Zukunft, die sich auch ausdrückt in einer Unlust an Nachkommenschaft, was von vielen Menschen in den anderen Kontinenten ja nur als eine Einladung verstanden werden kann, zu uns zu kommen und die Lücken zu schließen.“

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/ein-vereintes-europa-auf-der-basis-des-christentums-6153/


Regensburg: Bischof würdigt Glaube und Kultur der vertriebenen Donauschwaben

„Das Kreuz gehört in den öffentlichen Raum“

Anlässlich der 59. Gelöbniswallfahrt der Donauschwaben hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Basilika St. Anna in Altötting am Sonntagvormittag eine Pontifikalmesse gefeiert. Während der sehr ermutigend wirkenden Predigt bat der Regensburger Bischof die zahlreich Anwesenden, die Sonntagskultur stark zu halten, das Kreuz im öffentlichen Raum wertzuschätzen und die Marienverehrung zu pflegen.

Er erinnerte an die große Bedeutung der Donauschwaben sowie überhaupt der Lebensleistung der vertriebenen Gläubigen innerhalb Europas – bis heute und gerade angesichts der Lage des Kontinents in dieser Zeit.

Der Bischof, der von der Herkunft seiner Mutter aus dem Sudetenland sehr geprägt wurde, sagte: „Es bewegt mich tief, zu erleben, mit welcher Hingabe Sie die geerbten Traditionen pflegen.“

Angesichts des zunehmenden Einflusses des Islam in Europa betonte der Regensburger Bischof die Notwendigkeit, den christlichen Glauben zu leben und zu bekennen. Er forderte dazu auf, die Sonntagskultur zu leben, denn mit dem staatlichen Schutz sei es nicht getan. Zu den Formen einer zeitgemäßen Sonntagskultur gehöre nicht zuletzt die Tracht. Zahlreiche Donauschwaben waren in ihrer traditionellen Tracht zu diesem Gottesdienst erschienen (siehe Foto).

Außerdem erklärte Bischof Dr. Voderholzer, dass zu den Grundlagen des christlichen Europa das Kreuz gehört. „Das Kreuz gehört in den öffentlichen Raum: Ich verstehe es nicht, wenn der Bayerische Ministerpräsident sogar aus kirchlichen Reihen heraus kritisiert wird, weil er das Anbringen von Kreuzen in öffentlichen staatlichen Räumen angeordnet hat.“ 

Das Kreuz stehe für die vor-staatlich religiösen Wurzeln unserer Gesellschaft und für ein Fundament, das sich der Staat nicht geben kann und das er nicht garantieren kann. Allerdings werde auf die Dauer auch ein Erlass nicht helfen, wenn es nicht Menschen gibt, die die Religion des Kreuzes von innen her leben und lieben, erklärte der Bischof.

Schließlich erinnerte der Regensburger Oberhirte auch an die große Bedeutung der Marienverehrung. Wallfahrtswege seien die Pulsadern des christlichen Europa und die Marienwallfahrtsorte seien Knotenpunkte der christlichen Vernetzung.

Bischof Voderholzer würdigte die Tatsache, dass die Wallfahrt die Donauschwaben nach Altötting führt. Abschließend stellte er fest: „Die Vertriebenenverbände und Volksgruppen sind prädestiniert, Förderer eines vereinten Europas auf der Basis des christlichen Glaubens zu sein. Niemand weiß mehr um die Bedeutung und die Notwendigkeit eines vereinten Europas auf der Basis des Christentums als Sie!“

Die Donauschwaben sind eine Gemeinschaft mit einer besonderen gemeinsamen Geschichte: Aus deutschen Ländern kamen sie ab dem Ende des 17. Jahrhunderts aufgrund von gewährten Privilegien in Gegenden an der Donau, die heute in den Staaten Ungarn, Rumänien und Serbien liegen. Die österreichische Kaiserin Maria-Theresia u.a. hatte sie gerufen, um das Land zu kultivieren, das im Zuge der Türkenkriege verwüstet worden war. Bald brachten sie die Gegenden durch handwerkliches wie auch landwirtschaftliches Geschick zur Blüte.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie nach Kriegsende flohen sie zum Teil. In großer Zahl wurden Donauschwaben, die geblieben waren, aber auch interniert, vertrieben oder zu vielen Tausenden in fürchterlichen Massakern ermordet. Schon immer spielte der katholische Glaube bei den Donauschwaben eine große Rolle, auch und gerade bei den Überlebenden, die diesen ihren Glauben bei ihrer Flucht und Vertreibung nach Österreich, Deutschland, weitere Länder Europas sowie überhaupt in die ganze Welt mitnahmen. 

Quelle (Text/Fotos): https://www.bistum-regensburg.de/news/sonntag-kreuz-maria-bei-der-christlichen-praegung-europas-haben-die-donauschwaben-eine-besondere-aufgabe-6151/


Neuerscheinung über Schicksal, Opfer, Helden und Märtyrer der Donauschwaben

Von Felizitas Küble

Auch die Donauschwaben  –  also deutsche Volksgruppen aus Ungarn, Rumänien und Jugoslawien – waren von Flucht und Massenvertreibung am Ende des 2. Weltkriegs und in den Jahren danach betroffen.

Im Mittelpunkt des Gedenkens stehen freilich meist Landsleute aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern, zumal aus diesen einst deutschen Provinzen der größte Teil der Heimatvertriebenen stammt.

Doch auch die Donauschwaben  –  darunter die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben aus Rumänien  –  hatten infolge der damaligen kommunistischen Besetzung Ostdeutschlands und Osteuropas zehntausende Opfer, Verfolgung und Vertreibung zu beklagen.  

Umso erfreulicher, daß in dieser Neuerscheinung „Donauschwäbisches Martyrologium“ des katholischen St.-Gerhards-Werks an jene erinnert, die sich auch in schwerster Zeit heldenhaft für andere eingesetzt haben.

Der redaktionell Verantwortliche Stefan P. Teppert hat damit ein einmaliges Standwerk geschaffen, das zugleich der Ausssöhnung und Verständigung mit unseren östlichen Nachbarvölkern dient. Er weiß um jenes Prinzip, das auch für dem deutsch-jüdischen Verhältnis zugrundliegt: Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung!

Zum Geschichtsbewußtsein und zur Gedächtniskultur gehört auch die umfassende Information und die Solidarität mit den Opfern, vor allem mit den Bekennern und Märtyrern, die für Gott, seine Gebote und die Nächstenliebe gelitten haben oder gar ihr Leben hingaben  –  sei es unter den Nationalsozialisten oder später den Kommunisten.

Erzbischof em. Dr. Robert Zollitsch schreibt in seinem Geleitwort zu diesem 770 Seiten umfassenden Sammelband: „Kaum eine deutsche Volksgruppe hatte unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Folgen so sehr zu leiden wie die Donauschwaben.“ 

Dem Band enthält neben bewegenden Biografien von Glaubenshelden und geschichtspolitischen Informationen zahlreiche Illustrationen und Gedichte donauschwäbischer Schriftsteller und Künstler.

Buch-Daten: Donauschwäbisches MartyrologiumHrsg.:  St.-Gerhardswerk, Stuttgart  – Verlag: Patrimonium  – ISBN: 978-3-86417-084-3  –  Einband:  Hardcover  –  Seitenumfang:  770 (mit zahlreichen Abbildungen)  – Format: 16 cm x 23,5 cm  –  Preis: nur 25.- €

Bestellungen per Mail (Stefan.Teppert@gmx.de) oder hier: http://www.banater-schwaben.org/nachrichten/dokumentation/dokumentation-detail/1782-donauschwaebisches-martyrologium/

 


Volker Bouffier erhält den Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wird am Pfingstsamstag in Augsburg mit dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet. Dies gab der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, bekannt, der Bouffier als „kämpferischen Europäer, Brückenbauer zwischen den Völkern und engagierten Freund der deutschen Heimatvertriebenen“ würdigte. 

Als Sohn einer aus Jugoslawien stammenden Donauschwäbin wisse Bouffier „aus persönlicher Betroffenheit, wie grausam Nationalismus sein kann, weshalb er sich stets dieser Krankheit, die heute wiederzukehren droht, entgegengestellt hat.“

Der hessische Regierungschef (siehe Foto) tue dies u.a. durch eine von ihm begründete Partnerschaft zwischen seinem Land und der zu Serbien gehörenden Autonomen Provinz Vojvodina, in der auch Neu-Pasua, der Geburtsort seiner donauschwäbischen Mutter, liegt.

Hessens Vertriebenenpolitik bezeichnete Posselt als „vorbildlich, weil sie von Volker Bouffier weit über seine Amtspflichten hinaus mit Herzblut und überragendem Engagement betrieben wird.“

Der Europäische Karlspreis der Sudetendeutschen wird alljährlich zu Pfingsten für „besondere Verdienste um eine gerechte Völkerordnung in Mitteleuropa“ vergeben.

Unter den bisherigen Preisträgern waren Persönlichkeiten wie Franz Josef Strauß, der Gründer der tschechischen Bürgerrechtsbewegung „Charta 77“ Petr Uhl, der letzte Vorsitzende der Sudetendeutschen Sozialdemokratie in der Heimat, Wenzel Jaksch, der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sowie in den letzten Jahren der slowakische Staatspräsident Rudolf Schuster, der AuschwitzÜberlebende Max Mannheimer, der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer, der Mitbegründer von Bündnis 90/Grüne, Milan Horáček, und der regierende Fürst Hans Adam II. zu Liechtenstein.

Quelle: http://www.sudeten.de


Ungarn gedenkt der vertriebenen Deutschen und würdigt ihre Kultur

Am 19. Januar 2016 erinnerte Ungarn auf dem „Alten Friedhof“ in Wudersch (Budaörs) erneut mit einer Gedenkveranstaltung an das Schicksal seiner deutschstämmigen Bürger, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entweder verschleppt oder aus dem Land vertrieben wurden. Logo Christustag

Nach einer Kranzniederlegung am Landesdenkmal der Vertreibung der Ungarndeutschen wurde mit einer Heiligen Messe in der Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk der Vertriebenen gedacht.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hielt die Festrede und machte damit deutlich, dass Ungarn dem Schutz von Identität sowie der Ächtung von Vertreibungen und ethnischen Säuberungen einen hohen Stellenwert einräumt:

„Die offizielle Bezeichnung lautete Aussiedlung, doch dieses Wort hatte mit der Wahrheit nichts zu tun. Was Aussiedlung genannt wurde, bedeutete die Ausplünderung und die Vertreibung der ungarischen Schwaben. Sie wurden ihrer Häuser und sie wurden ihrer Heimat beraubt.…

Die Ungarndeutschen können bis auf den heutigen Tag eine Kultur die ihrige nennen, deren Fäden tief in das Gewebe der ungarischen Kultur eingeflochten sind. Wenn wir diese Fäden herauszögen, so würde das gesamte Gewebe zerfallen. Die ungarische schwäbische Gemeinschaft stellt einen organischen und unveräußerlichen Bestandteil der ungarischen Kultur dar“, so Orban in seiner eindrucksvollen Rede.

Weitere hochrangige ungarische Politiker wie etwa der Präsident des Verfassungsgerichtes, Dr. Barnabás Lenkovics, und Kultusminister Zoltán Balog, aber auch der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen Ottó Heinek, und der Fürsprecher der Deutschen in der Ungarischen Nationalversammlung, Imre Ritter, nahmen an der Veranstaltung teil; sie steigerten so ihre Bedeutung für die Wertschätzung der vertriebenen Ungarndeutschen und deren Nachkommen.

Quelle und FORTSETZUNG des Berichts hier: http://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/news-detail/datum/2016/01/22/ungarn-begeht-vierten-gedenktag-zu-ehren-der-vertriebenen-deutschen.html


Das Martyrium der Donauschwaben und ihrer todesmutigen katholischen Priester

Von Dr. Eduard Werner

Der österreichische Dichter Franz Grillparzer hat in prophetischer Voraussicht schon 1848 geschrieben: „Der Weg der neuren Bildung geht von Humanität durch Nationalität zur Bestialität.“ 

Foto: Evita Gründler

Foto: Evita Gründler

Wie recht er hatte, zeigte sich, als sich nach dem 2. Weltkrieg auf dem Balkan Kommunismus und Nationalismus vermischten. Da geriet die Grausamkeit der Menschen tatsächlich zur Bestialität.

Den katholischen Priestern in den deutschsprachigen Volksgruppen wurden gleich zwei Dinge zur Last gelegt. Einmal, dass sie Priester der weltumspannenden katholischen Kirche waren und dann noch, dass sie Deutsch als Muttersprache hatten und somit zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien oder in Jugoslawien gehörten.

Etwa 33 Priester der Donauschwaben wurden nicht einfach erschossen, sondern langsam zu Tode gequält, um ihre Schmerzen zu steigern.

Dekan Theodor Klein: von Kommunisten brutal gefoltert

Einer dieser Märtyrer ist der Dechant Theodor Klein, Priester des Bistums Fünfkirchen in Ungarn.

Er ist am 2. September 1872 in Barbac in Ungarn geboren. Am 8.2.1895 wurde er zum Priester geweiht. Am 30. März 1945 wurde er in seinem Seelsorgsbezirk Monoster/Baranya ermordet.

Nachdem im Herbst 1944 sowjetrussische Truppen auch Südungarn erobert hatten, errichteten dort die kommunistischen Partisanen eine Schreckensherrschaft. Die Priester wussten zwar, welches Unheil sie erwartete, aber getreu dem Wort Christi „Ein guter Hirte flieht nicht, er bleibt bei seinen Schafen“ blieben nahezu alle Priester auf ihrem Posten.

Zuerst wurden alle nicht arbeitsfähigen Männer dieser Gegend erschossen. Die arbeitsfähigen Männer wurden in ein Zwangsarbeitslager getrieben. Auch Dechant Klein wurde dorthin gebracht.

In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag 1945 wurde der damals 73 Jahre alte Geistliche im Dorfgasthaus von Albertsdorf (Grabovac) gefoltert. Sein markerschütterndes Schreien hörte man in der ganzen Nachbarschaft. Eine Zeitzeugin konnte in einem unbewachten Augenblick in den benachbarten Gasthof gehen, wo sie den Dechanten nackt und blutüberströmt auf dem Betonfußboden liegen sah. Er bat stöhnend um Hilfe.

Sein Gesicht war zerschunden. Aus seinem Körper hatten Folterknechte Stücke Fleisch herausgeschnitten und in die Wunden reichlich Salz gestreut. Schließlich kamen die Partisanen zurück. Sie warfen den Sterbenden auf einen Schubkarren und fuhren ihn weg. Sein Wimmern wurde immer leiser. Nach Aussagen von Kindern soll Dechant Klein erst am Ostermorgen gestorben sein.

Weitere Priester grausam ermordet

Auch in Rumänien und Jugoslawien wurden Priester auf ähnliche Weise zu Tode gequält. Dem Pfarrer Michael Werner wurden die Genitalien mit einer Zange herausgerissen. Der Apostolische Protonotar Lakajner wurde an einen Wagen gebunden und zu Tode geschleift.

Wie stark muss der Glaube dieser Priester gewesen sein, dass sie trotz der vorhersehbaren Gefahren bei ihren Gläubigen blieben. Heute dagegen wagen viele Christen nicht einmal mehr, den Glauben der Kirche zu vertreten, obwohl ihnen keine Todesstrafe droht. Die heutige Glaubensschwäche wird den Menschen keinen Segen bringen.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags hier: http://blog.forum-deutscher-katholiken.de/?p=1760

Die DEUTSCHEN stellten im UNGARN der Vorkriegszeit ca. 10% der Bevölkerung. Näheres hier: http://www.sulinet.hu/oroksegtar/data/magyarorszagi_nemzetisegek/nemetek/die_donauschwaben/pages/012_Kulturelle_und_wirtschaftliche.htm


Sonntag, 26. Mai: Wallfahrt zum Schönenberg bei Ellwangen – Begegnung mit Bischöfen aus Mittel- und Osteuropa

SAMSTAG,  25. Mai 2013 von 9:30 bis 18 Uhr

TAG der Begegnung

Thema: „Die Ankunft der Slawenapostel Cyrill und Methodius als Geburtsstunde Europas“

Referenten: Prof. Dr. Rudolf Grulich und Pfarrer Dr. Stephan Koster

Vorabendprogramm

Kirchenkonzert: „Chöre begegnen sich“ um 19 Uhr in Ellwangen: Evangelische Stadtkirche

SONNTAG, 26. Mai:

9:45 Uhr Begrüßung vor dem Portal der Wallfahrtskirche Schönenberg durch Oberbürgermeister Karl Hilsenbek
10 Uhr Eucharistiefeier in der Wallfahrtskirche mit Bischof Prof. Dr. Jan Kopiec, Gliwice/Gleiwitz, Polen untitled

Anschließend Glaubenskundgebung mit Christa Meves (siehe Foto): „SOS: die Familie retten heißt Europa bewahren“

13:30 Uhr Lesung mit Frau R. Denemarková, Tschechien   /  Ort: Bildungshaus Schönenberg
15  Uhr Offenes Singen in der Wallfahrtskirche auf dem Schönenberg

15:30 Uhr Marienandacht mit Dekan Matthias Koschar 

Veranstalter:  Arbeitsgemeinschaft Katholischer Vertriebenenorganisationen, 70184 Stuttgart,  Stafflenbergstraße 46, Telefon: 0711 1645-550, Telefax: 0711 1645-551  / E-Mail: rfath@blh.drs.de