Grundlagenwerk über die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus

Besprechung von Dr. Bernd F. Pelz

Buch-Daten: Hans-Jürgen Jakobs: Wem gehört die Welt? – Knaus-Verlag – erschienen am 17.11.2016  – 36 € – geb. mit Schutzumschlag – ISBN 978-3-8135-0736-2

Das Neue an dem Buch von Jakobs in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt Researpelzch Institute und zahlreichen Korrespondenten und Redakteuren des Handelsblatts ist der Versuch, die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus konkret darzustellen.

Von den 680 Seiten sind 324 Seiten der Beschreibung und Beurteilung der weltweit führenden 200 Akteure (zum Teil Familienunternehmen) des Weltfinanzwesens (von denen Sie die meisten wahrscheinlich gar nicht kennen) gewidmet. Diese kommandieren mehr als 40 Billionen US-$ – das sind 60% des Bruttoinlandsproduktes der Welt oder das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU. 

Auf 260 Seiten wird beschrieben, wer davon in welchen Märkten herrscht. Die geschilderten Akteure werden nach den Kriterien ihres Handelns beurteilt: Nachhaltigkeit, Unbestechlichkeit, Steuerehrlichkeit, Humanität und Transparenz. Eine zusammenfassende Darstellung der Sachverhalte und Wechselwirkungen im Ringen um die globale Dominanz erfolgt auf den restlichen 85 Seiten.

Jakobs und seinen 50 Zuarbeitern ist ein gut lesbares, hoch relevantes und in der Zusammenstellung der Fakten einzigartiges Grundlagenwerk gelungen für die Beurteilung des, in den letzten drei Jahrzehnten entstandenen modernen Kapitalismus. Eine Pflichtlektüre für alle, die in Sachen Kapitalismus mitreden und etwas ändern wollen. Die guten Abbildungen erleichtern das Verständnis. Eine empfehlenswerte Lektüre für die kommenden, hoffentlich besinnlichen Tage.

Meine Anregung für eine zweite Auflage:

Der Einfluss der Weltbevölkerungsentwicklung, der die globalen Sehnsüchte bedingt, kommt in der Betrachtung als auslösender Faktor zu kurz. – Ebenso die Bedeutung der regulatorischen Selbstbedienungsmechanismen, die sich die Finanzindustrie in den letzten Jahrzehnten hat einräumen lassen. – Ein Hinweis auf die Verflechtungen der Akteure mit transnationalen Einrichtungen wie BIZ, IWF, Zentralbanken etc. wäre ebenfalls nützlich.cover-jakobs

Verkürzt nun einige Erkenntnisse und Schlussfolgerungen:

Im modernen Kapitalismus fließt das Geld machtvoll zwischen Staaten und Kontinenten und den beteiligten Akteuren in einer ganz eigenen Infrastruktur hin und her.

Die quasi per Fernsteuerung auftretenden Effekte sind vielen Bürgern der westlichen Industrienationen zunehmend suspekt, wohingegen sie von denen, die auf der Welt nach mehr Wohlstand und Beseitigung der Armut streben, solange ihre eigene Wirtschaft wächst, hingenommen werden.

–  Erst mit dem Machtverfall der UdSSR und dem Chaos der GUS-Staaten entwickelte sich die neue Zockerqualität des US-Kapitalismus zu ihrer vollen Blüte.
–  Die Realwirtschaft ist zum Anhängsel der Finanzwirtschaft geworden: Heute machen die Finanzvermögen (270 Billionen US-$) das Vierfache der Gütermärkte (73 Billionen US-$) aus. Das hohe Finanzvermögen erklärt sich aus der hohen Verschuldung auf der Welt. – Einschließlich der spekulativen Finanzgeschäfte der Schattenbanken erreichen die Finanzgeschäfte allerdings bereits ein Volumen von mehr als dem Zehnfachen der realen Weltwirtschaft, was auf zukünftige Krisen hinweist. Anders als Banken müssen die Schattenbanken keine risikogewichteten Reserven vorhalten.

–  Die Finanzkrise 2007/2008 hat die Größenentwicklung der Akteure nicht gestoppt. Allerdings geht die Bedrohung heute weniger von den offiziellen Banken aus, sondern von den immens gewachsenen, und weniger regulierten Schattenbanken, die jetzt das machen, was Banken früher gemacht haben  –  und von denen die offiziellen Banken sogar abhängig geworden sind. 60% der weltweiten Kredite laufen mittlerweile außerhalb des offiziellen Bankensystems. – Die G20 und auch die EU sind ihren Versprechen zur Regulierung der Schattenbanken bis jetzt nicht nachgekommen.
–   Die wahre Macht liegt heute bei den Kapitalsammelstellen: den Vermögensverwaltern (78 Billionen US-$), den staatlichen Pensionsfonds (36 Billionen US-$) und den Staatsfonds (über 7 Billionen US-$)  –  und zunehmend weniger bei den offiziellen Banken (142 Billionen US-$). Deutschland liegt in Bezug auf Kapitalsammelstellen weit hinter den USA und Großbritannien.euros
 –  Über gegenseitige Verflechtungen (wie früher bei der „Deutschland AG“) sind die großen Akteure eng miteinander verbunden. Das Finanzsystem gehört quasi sich selbst. Es beherrscht die Realwirtschaft und stellt eine Gefahr für den Wettbewerb dar. Im Gegensatz zu Realwirtschaft sind die Folgen von Monopol- und Kumpaneiwirtschaft in der Finanzindustrie noch wenig untersucht und nicht in Kartellregeln gegossen.
–   Die exorbitant schnelle Vermehrung des Vermögens hat zu seiner ungleichen Verteilung geführt. Das oberste eine Prozent der Gesellschaft besitzt in Afrika 47% des Gesamtvermögens, in Indien 53%, in Nordamerika 37%, in Europa 32%, in China 39%, in den USA 42%. – Die zunehmende Ungleichheit hat ihre Ursache im völlig aufgeblähten Finanzsektor. Er bringt seit geraumer Zeit viel mehr Geld hervor, als sinnvoll investiert werden kann.
–   Im Kampf der Systeme  –  bei der Auseinandersetzung zwischen dem Staatskapitalismus Chinas, aber auch der arabischen Staaten, mit der Wall-Street-Macht USA  –  ist Europa eher Beobachter als Gestalter. – All denen, die auf der Welt nach mehr Wohlstand und Entrinnen aus der Armut streben, bietet China seine Hilfe als Führungsmacht an.
–  Die größte Macht geht heute von Unternehmen und Institutionen aus, die die Verfügungsgewalt über Geld mit der Verfügungsgewalt über Daten verbinden können. Zusammen sind Alphabet, Apple, Facebook und Amazon rund 1,8 Billionen US-$ wert. Das ist mehr als Russland in einem Jahr erwirtschaftet. Was die Bürger in Europa und den USA langsam erwarten, ist, dass die digitalen Riesen endlich Steuern bezahlen.
–   Die klassische Annahme eines breit gestreuten Eigentums „Streubesitz“ stimmt nicht mehr. Die Realität ist Blockbildung.
–   Staatsfonds und staatliche Pensionskassen haben über die Jahre einen immer größer werdenden Teil der zirkulierenden Finanzsummen in Anspruch genommen. Geld ist so zu einer politischen Waffe geworden, um Macht zu vergrößern und Wohlfahrt zu organisieren. – International zeichnet sich ab, dass öffentliche Pensionsfonds zunehmend große staatliche Infrastruktur-projekte finanzieren und betreiben. be2004_38_551
–   Die Deutschen sind Ausführende einer Geldpolitik der EZB, die in ihrer Not dem japanischen Modell nacheifert und mit dem Kauf von Staatsanleihen und Firmenanleihen die Wirtschaft stimulieren will. Diese Politik hält die Kurse an den Börsen künstlich hoch und die Zinsen für Anleger dramatisch niedrig.
–  Dass China mit seinen 1,4 Milliarden Menschen und dem größten Binnenmarkt der Welt größere Anteile an der Weltwirtschaft für sich fordert, ist offenkundig. Die Strategie dabei ist, möglichst viele wichtige Märkte auf der Welt in die Hand von chinesischen Investoren zu bringen. – Es ist eine logische Folge langjähriger Handelserfolge und einer ehrgeizigen Modernisierungspolitik. – Die Frage ist allerdings, ob die chinesische Bevölkerung auf Dauer bereit ist, auf politische Freiheiten zu verzichten und die Privilegien der kommunistischen Eliten zu akzeptieren.
–  Die Grundfrage ist, ob Deutschland und Europa die Herausforderungen des Weltkapitalismus bestehen können, oder ob wir nicht eher zerrieben werden zwischen dem anglo-amerikanischen Blackrock-Kapitalismus, dem kalifornischen Datenkapitalismus und den Interessen der chinesischen und arabischen Staatsfonds.
–   Familienunternehmen spielen in der Weltwirtschaft immer noch eine bedeutende Rolle, wobei sich viele Familien inzwischen selbst als Finanzinvestor betätigen.

Wie sieht nun die Zukunft aus – was ist zu tun?

Bei dem riesigen Umfang und der Komplexität des Themas und der fortgeschrittenen Entwicklung, denke ich, ist es akzeptabel, dass in dem Buch keine endgültigen Lösungen angeboten werden, sondern nur Diskussionsansätze aufgezeigt werden: eu

–   Notwendig ist eine neue Kultur der Bescheidenheit: Renditeerwartungen müssen auf drei bis vier Prozent durch Umerziehung der Kunden begrenzt werden.
–   Alle Staaten mit Verteilungsproblemen müssen durch ein besseres Schul- und Bildungssystem für den Aufstieg von Bürgern aus der Unterschicht oder der Mittelschicht sorgen. Soziale Durchlässigkeit ist ein Grundversprechen der liberalen Gesellschaft.
–   Die internationale Staatengemeinschaft muss wirksam Steuerschlupflöcher schließen und Einkommen dort besteuern, wo sie entstehen. – Dazu müssen entsprechende Daten verfügbar gemacht werden.
–   Die Begrenzung der Finanzexzesse und die weitere ungehemmte Aufblähung des Kapitalsektors kann nur durch eine Weltschuldenkonferenz oder einen Weltfinanzgipfel aller wichtigen Staaten erreicht werden. Aufgabe einer solchen Konferenz wäre auch die Definition von Investitionsvorhaben in die die vielen Gelder fließen könnten. – Leider scheint in den Köpfen der Politiker der Gedanke zu überwiegen, der Finanzkrise noch einmal davongekommen zu sein.
–   Fakt ist jedoch, dass die Verschuldung trotz aller G20-Maßnahmen weiter zugenommen hat. Auf einer Weltfinanzkonferenz müssten daher konkrete Ziele zur Reduktion von Schulden, zur besseren Sicherung von Geldgeschäften, zu Mindesthaltefristen für bestimmte Finanzprodukte und zur Einführung einer weltweiten und ausnahmslosen Finanztransaktionssteuer zur Reduzierung der Verschuldung und Finanzierung der Gemeinwesen beschlossen werden.
–   Was die EU angeht: Eine gemeinsame Antwort der Europäer – mit seinen noch vorhandenen Stärken  –  ist die Voraussetzung dafür, im künftigen Kampf um Wachstum, Wohlstand und Wertschöpfung eine angemessene Rolle spielen zu können. Dies wird nur gelingen mit einer einheitlichen europäischen Industriestrategie mit wirklich159481-3x2-teaser296en Binnenmärkten und wettbewerbsfähigen Konzernen. – Eine starke europäische Stimme wäre auch nötig, um das ausufernde Shadow-Banking zu regulieren.
–   Was unser Land angeht: Deutschland hat bis jetzt keine Antwort auf die Dominanz des großen Finanzkapitals gefunden. In den Ranglisten der Staatsfonds ist Deutschland nicht vertreten.
–   Die Antwort auf die gestellte Machtfrage hat zu der Erkenntnis geführt, dass unsere Macht in dieser Welt geschwunden ist, dass die Wirtschaft und unser Wohlstand nicht von uns abhängen und unseren Chefs, auch nicht von den gewählten Parlamenten und gipfelsüchtigen Politikern, sondern von all jenen, die in unvorstellbarer Dimension Vermögen verwalten und ihrer Milliarden um den Globus kreisen und jagen lassen.
–   Die Antwort muss eine Politik sein, die den neuen Weltverhältnissen gilt, und nicht den Rückzug ins eigene Land oder ins private Idyll preist. Das Verhältnis Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen muss thematisiert werden.

Bleibt uns womöglich in 30 bis 40 Jahren die Rolle, die heute Griechenland für die EU spielt, wo wir alle uns fragen, wann die nächste Krisenmeldung kommt, der nächste Alarm vor einem drohenden Zusammenbruch?

Hinweis: Das Buch „Wem gehört die Welt?“ kann portofrei bei uns bezogen werden: Tel. 0251-616768  – Mail: felizitas.kueble@web.de


Portugiesischer EU-Spitzenpolitiker Barroso wechselt zu Goldman Sachs

Von Dr. Bernd F. Pelz

Nach Einhaltung der 18-monatigen Sperrfrist wechselt José M.D. Barroso (60), der von 2004 bis  31.10.2014 Präsident der Europäischen Kommission war, als gut bezahlter Berater  zur amerikanischen Investment-Bank Goldman Sachs  –  ganz legal. pelz

Die Frage ist allerdings, ob das in diesem Falle nicht nur für ihn gut, sondern auch im Sinne der Europäischen Union und Deutschlands ist.

Der Wechsel von hochrangigen Vertretern des öffentlichen Lebens zur Investment-Bank Goldman Sachs und umgekehrt ist grundsätzlich nicht neu. In die Liste dieser Persönlichkeiten reihen sich u.a. ein:

Mario Draghi, der Präsident der EZB; Henry Paulson, amerikanischer Finanzminister, der 2008 die Rettungspläne für die Banken in den USA (u.a. auch für Goldman Sachs selbst ) einleitete; der Däne A.F. Ragmussen, der bis 2014 Generalsekretär der Nato war; Robert Zöllick, der von Mitte 2007 bis Ende 2012 Präsident der Weltbank war. Ebenso der  Aufsichtsrats-vorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, der vorher Deutschlandchef von Goldman Sachs und Finanzvorstand bei der Allianz-Versicherung war, und der ehemalige Premierminister von Italien, Mario Monti.

Egal wie man die Verflechtungen von Goldman Sachs mit der amerikanischen Regierung, die Verwicklungen in die US-Hypothekenkrise, die sich 2008 zur weltweiten Finanzkrise ausweitete,  und die Beteiligung von Goldman Sachs an der Erstellung von Dokumenten für die griechische Regierung  zu Erlangung von EU-Vorteilen sehen mag, eindeutig ist, dass es sich bei Goldman Sachs um einen der großen Spieler der Finanzwelt, d.h. Repräsentanten des Kapitalismus amerikanischer Prägung handelt.  ecb

Im achten Jahr der 2007/2008 ausgelösten weltweiten Finanz- und Schuldenkrise, an der wir in Europa noch lange Jahre leiden werden, zeugt es von wenig Loyalität und Fingerspitzengefühl , wenn Barroso jetzt sein im Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission erworbenes Wissen einem der großen Spieler des weltweiten Finanzkapitals gegen gute Bezahlung zur Verfügung stellt.

Es ist daher sicherlich nicht abwegig, zu fordern, dass die europäischen Institutionen (Kommission, Rat und Parlament) überprüfen, ob der Portugiese Barroso mit seinem Verhalten elementare europäische Interessen verletzt hat und ihm deswegen nicht seine Pensionsansprüche und Ehrentitel aberkannt werden sollten.

Eine Petition von Mitarbeitern der EU-Behörden mit diesem Ansinnen finden Sie hier: https://www.change.org/p/ma%C3%9Fnahmen-gegen-jm-barroso-und-seine-position-im-vorstand-bei-goldmansachs-jmdbarroso


Das Finanzvermögen ist weltweit dreimal schneller gewachsen wie das Sozialprodukt

Von Dr. Bernd F. Pelz

Wie ich bereits 2007 in meinem Buch „Manager im Würgegriff“ geschrieben haben, hat sich die Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Geschwindigkeit der Entkopplung nimmt weiter zu: euros

Kam 1980 auf ein weltweites Sozialprodukt von rund 10 Billionen USD ein Finanzvermögen von etwa 12 Billionen USD, waren es 2010 etwa 214 Billionen US-Dollar bei einem weltweiten Sozialprodukt von gut 63 Billionen US-Dollar.

Da diese Zahlen die Vermögen der Schattenbanken nur ungenügend reflektieren, ist das reale Finanzvermögen noch deutlich höher  –  und bis heute auch noch gestiegen. Das Finanzvermögen ist also mehr als dreimal so schnell gewachsen wie das Sozialprodukt. Anders gesagt: heute steht einem Finanzvermögen von wenigstens 150 Billionen USD keine realwirtschaftliche Deckung gegenüber.

Konsequenzen:

  • Alle großen Finanzinstitute und Staatsfonds sind bemüht, möglichst inflationsunabhängige Güter der realen Welt zu ergattern. Der Kampf ist in vollem Gange.
  • Die Feuerkraft der Zentralbanken ist nicht mehr groß genug, um die um die Welt ziehenden Finanzvermögen im Zaum zu halten. Zudem fördert die Geldschwemme der Zentralbanken die Vermehrung der Finanzvermögen.
  • Die Volatilität auf den Finanzmärkten steigt weiter mit entsprechenden Auswirkungen auf die Realwirtschaft.
  • Die Wertentwicklung von Immobilien oder risikoreichen Anlageformen wie Aktien und Unternehmensanleihen entfernt sich von ihrem vernünftigen Niveau.
  • Die Finanzwelt stützt das Mantra der Politik für ein ungebremstes Wachstum zur Bekämpfung der Armut und um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Ökologische Fragen geraten an den Rand oder werden ausgeblendet.
  • Vermeiden Sie unnötige und riskante finanzielle Transaktionen. Schonen Sie Ihre Liquidität.

Flüchtlingskrise: Konsequenzen des Zuzugs

Von Dr. Bernd F. Pelz

In der gegenwärtigen Diskussion zur Flüchtlingskrise wird langsam deutlich, dass es nicht nur um die aktuelle und kurzfristige Versorgung der Flüchtlinge geht, sondern um die Konsequenzen des Zuzugs.

Nach Aussagen von Vizekanzler Gabriel ist es durchaus möglich, dass in nächster Zukunft jährlich 500.000 Menschen nach Deutschland kommen. Wie viele nach Europa kommen, ist unklar. be2004_38_551

Sollten sich zu den geopolitisch bedingten Flüchtlingsströmen noch solche aufgrund von Klimaveränderung hinzufügen, worüber jetzt noch nicht nachgedacht wird, so wird die Beantwortung der Frage nach den Konsequenzen des Zuzugs und dem Zeitraum zur Bewältigung der Veränderungen immer dringender. In Deutschland leben bereits heute Menschen aus über 150 verschiedenen Ländern und wir sind von einem „Schmelztiegel“ nicht mehr weit entfernt.

Berücksichtigt man die Prognosen der Vereinten Nationen, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahre 2050 um weitere 2 Milliarden Menschen auf über 9 Milliarden zunehmen wird, so kann man davon ausgehen, dass die Anzahl der Menschen, die in Zukunft in Deutschland und Europa Zuflucht suchen werden wollen, zunehmen wird.

Martin Kämpchen schreibt in seinem Beitrag in der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) vom 26.10.2015: „Die großen Probleme der Welt sind (jetzt) auch unsere geworden“ und appelliert an unseren Mut und unsere im letzten Jahrzehnt entwickelten, und im Ausland bewunderten „erstaunlichen Kräfte der Toleranz“ für homosexuelle Politiker und jene Politiker, die in anderen Ländern geboren sind.

Er vergisst zu sagen, dass Politiker danach beurteilt werden, wie sie sich vor ihrer Wahl für eine Gemeinschaft engagiert haben, und dass sie jederzeit wieder abgewählt werden können. Flüchtlingsströme lassen sich nicht abwählen.

Damit die Toleranz nicht in Intoleranz umschlägt, bedarf es des Nachdenkens und des Einsatzes der Regierung zu sagen, wie ein tolerantes Deutschland den Zustrom der Menschen in den Griff bekommen kann, und was die Konsequenzen des Zuzugs über lange Jahre sein werden.

Als ergänzendes Info zum Beitrag von Dr. Pelz hier ein aktueller FAZ-Artikel: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/merkel-verliert-in-der-fluechtlingskrise-die-kontrolle-13875877.html


Medienkritisches Buch von Udo Ulfkotte

Von Dr. Bernd F. Pelz

Udo Ulfkotte: Gekaufte Journalisten – Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken. Kopp-Verlag. ISBN 978-3-86445-143-0index

Der einst ebenfalls „gekaufte Journalist“ Ulfkotte schämt sich für seine Taten und schildert, wie sich Alpha-Journalisten in Deutschlands renommierten Print- und Fernseh-Medien  –  besonders auch bei seinem früheren Arbeitgeber, der FAZ  – durch „klebrig-filzige Nähe zu rüstungs- und US-nahen Eliteorganisationen korrumpieren lassen“ und dem Volk von einer Welt berichten, wie diese Eliten sie gerne hätten.

Er nennt Ross (mehr als zwei Dutzend Organisationen) und Reiter (etwa 60 Prominente, die darin als „Netzwerker“ vertreten sind) , und belegt seine Aussagen mit 575 Links, zum Teil allerdings nicht mehr aufrufbar. Die Namen der von ihm genannten Journalisten habe ich nicht gezählt.    

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich hinter der Scham Ulfkottes auch ein gutes Stück Rache, Selbstmitleid und auch Sorge verbirgt. Rache an der FAZ, die ihn 17 Jahre in die Welt geschickt und nicht sehr pfleglich behandelt hat. Selbstmitleid vielleicht wegen dieser rauen Behandlung und weil er es nicht in die höheren Ränge geschafft hat. Sorge wahrscheinlich aus der relativ späten Erkenntnis der manipulativen Zusammenhänge, wie sie in einer Demokratie nicht vorkommen sollten.

Nach Ulfkotte gibt es nur einen Weg, dieser „totalitären Gehirnwäsche“ zu entgehen, und wieder zu einer „Deutungshoheit über unser Leben“ zu kommen, indem die Leitmedien boykottiert und deren Mitarbeiter arbeitslos gemacht werden.

Damit auch alle Leser seine Sorgen teilen, beschreibt Ulfkotte die zukünftige Möglichkeit der Implantation von vernetzten Chips in die Gehirne von Menschen mit dem Ziel, die persönliche Freiheit immer mehr einzuschränken.

Ist „Gekaufte Journalisten“ ein lesenswertes Buch? – Am verkäuferischen Erfolg, 5. Auflage, gemessen: Ja.  – Am Erkenntnisgewinn gemessen: Jein.  – Wer seine Sinne schärfen will, und dabei nicht jede Aussage auf die Goldwaage legt: Ja. – Wer praktische Lösungen, außer dem genannten Boykott der Leitmedien und der Nutzung seiner eigenen Internetpräsenz, sucht: Nein. – Hat Ulfkotte die Branche aufgerührt? – Ja.

Als Nachklapp zu den Snowden-Enthüllungen und seiner Verfolgung der Aktivitäten von Pegida und AfD hat sein journalistischer Spürsinn eine Lücke gefunden und er hat einen Bucherfolg daraus gemacht.


Kritik an der Banken- und Finanzwelt: „Markt ohne Moral“ von Susanne Schmidt

Rezension von Dr. Bernd F. Pelz

Das Buch“Markt ohne Moral“ von Susanne Schmidt reiht sich ein in die Bücher der Sorger und Sachverhaltsbeschreiber. Es ist, wie die Autorin sagt, ein persönliches Buch und reflektiert den Sachverstand und Durchblick einer ehemaligen Bankangestellten. index

Für nicht im Bankenbereich Tätige sind die Beschreibungen trotzdem durchaus illustrativ für Vorgänge und Verhaltensweisen innerhalb der Banken- und Finanzwelt, und als solche auch lesenwert: ein subjektiver Einblick in eine fremde Welt.

Was die Vorschläge zur Änderung der Verhaltensweisen im Finanzbereich und in der Politik angeht, so bleiben sie im Allgemeinen stecken, wie „Wir müssen von allen Beteiligten Augenmaß und Courage einfordern.“

Auch wenn der angesprochene Veränderungsbedarf in den Bereichen: Begrenzung des Moral Hazard, Nachhaltigkeit, Schattenbankensystem, Vergütungssysteme, Rolle der Ratingagenturen, systemische Regulatorien, und die Frage nach einer sinnvollen Größe des Finanzmarktes durchaus nachvollziehbar ist, so bleiben die Antworten der Autorin mangels tiefer gehender Einsicht in die Steuerungsmechanismen der Finanzindustrie allgemeine Aufforderungen, und an der Oberfläche.

Ergänzend hier noch ein Auszug aus dem Nachtrag der Autorin von 2011:

„Wir befinden uns im Jahr drei nach der Lehman-Pleite. Sie war der Tropfen, der das Fass mit dem Giftmüll zum Überlaufen brachte. Auch wenn viele Banken, nicht wenige Politiker und ein großer Teil der Bevölkerung inzwischen zum »business as usual« übergegangen sind, werden uns die Folgen der Finanzkrise noch lange begleiten. euros

Die Euro-Krise legt schon jetzt davon Zeugnis ab. Doch auch andere hochverschuldete Staaten könnten plötzlich in einen Krisensog geraten, die hässliche Situation einer Stagflation ist nicht auszuschließen und das globale Finanzsystem weist immer noch viele gefährliche Schlaglöcher und unbeleuchtete Baustellen auf.

Wir als Bürger und Steuerzahler sind trotz der Zeit, die seither vergangen ist, kaum besser vor einer neuen Finanzkrise geschützt, als wir das vorher waren. Sicherlich, es gibt neue Regeln, und sie weisen auch in die richtige Richtung, aber sie sind zu zahm, zu lax, letztlich Kleckerkram.

Mir scheint, die Bankenlobby hat sich behauptet. Und sie wird sich auch in Zukunft durchsetzen – es sei denn, wir würden noch einmal in eine so entsetzliche globale Krisensituation geraten. Dann könnte es sein, dass sich die globale Politik endlich zu einem gemeinsamen Vorgehen entschließt.

Das Bankwesen in seiner jetzigen Form würde eine neuerliche Krise möglicherweise nicht überleben. Weitere Verstaatlichungen, mehr Bürokratie, erhebliche Politisierung, weniger Effizienz wären die Folgen – und all das wäre durchaus nicht wünschenswert.

Deshalb müssen sich die Politiker und Aufsichtsbehörden weiterhin intensiv mit der Neuregulierung des Finanzwesens und der Finanzmärkte beschäftigen und ihre nationalen Egoismen hintanstellen. Sonst scheint die nächste Krise multinationalen, möglicherweise globalen Ausmaßes unabwendbar. So weit dürfen wir es nicht kommen lassen. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Wir als Bürger müssen weiter Druck auf unsere Politiker ausüben. Die Finanzmärkte und das Problem der Neuregulierung des Finanzwesens sind und bleiben, aller beruhigenden Worte zum Trotz, von vitaler Bedeutung für jeden Einzelnen und für uns alle gemeinsam.“


Unser neues Sommer-Poster zeigt ein Stadtbild von Bautzen

PLAKAT des ECCLESIA-Plakatpredigt: diese "Wandpredigt" erscheint alle zwei Wochen neu!

POSTER des ECCLESIA-Plakatdienstes: diese „Wandpredigt“ erscheint alle zwei Wochen mit neuen Plakaten in unserem KOMM-MiT-Verlag in Münster    (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)