Fulda: Gedenkmesse für Erzbischof Johannes Dyba, der vor 20 Jahren plötzlich verstarb

Am kommenden Donnerstag, dem 23. Juli, findet im Hohen Dom zu Fulda das Jahresgedächtnis für Erzbischof Dr. Johannes Dyba (siehe Foto) statt, der im Heiligen Jahr 2000 völlig unerwartet verstorben ist.

Der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber wird um 9 Uhr ein Pontifikalamt feiern.

Alle Gläubigen sind zu dieser Gedenkmesse am 20. Todestag des Erzbischofs herzlich eingeladen, wie die Pressetelle des Bistums Fulda mitteilt.

Kürzlich ist im Fe-Verlag ein neues Buch über Erzbischof Dyba erschienen, das unser Autor, der aus Schlesien stammende Pfarrer und Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann verfaßte.

Das informative Taschenbuch trägt den Titel Erzbischof Johannes Dybas geistige Silhouette und kostet nur 4,95 Euro.

Näheres dazu hier: https://www.fe-medien.de/epages/fe-medien.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/fe-medien/Products/50064

Diese informative Publikation, die zum 20. Todestag des glaubensstarken Fuldaer Bischofs erschien, ist eine passende Ergänzung zu unserem eigenen Gedenkbuch über Dyba unter dem Titel „Der Löwe von Fulda“, in dem 33 Autoren (darunter drei Bischöfe) diesen mutigen Oberhirten würdigen. Dieser eindrucksvolle Sammelband kostet 14,80 Euro.

Beide Bücher können bei uns oder im Fe-Verlag bestellt werden.

 


Zum Fest der hl. Erzengel Gabriel, Michael und Raphael am 29. September

Von Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann 

Glauben Sie an Engel? Sind Sie schon einem Engel begegnet?

Engel begegnen uns heutzutage in allen möglichen Situationen des Alltags: in der Werbung, in Filmen und auch in vielen Liedern. Sie werden immer wieder gerne besungen, manche Pop-Gruppen benennen sich sogar nach ihnen.

Auch in der Kunst begegnen uns die Engel. Wer kennt sie nicht – die beeindruckenden Engeldarstellungen eines Michelangelo oder Raffaelo.

Selbst Menschen werden als Engel bezeichnet. „Du bist ein Engel!“ ist ein häufig verwendetes Kompliment. Damit will man ausdrücken: „Du bist mir wichtig, du tust mir gut!“. Ich finde es schön, wenn man das von einem anderen Menschen sagen kann! Denken wir an den „Engel von Kalkutta“, die hl. Mutter Teresa.

Die Kirche feiert am 29. September das Fest der hl. Erzengel Gabriel, Michael und Rafael. Und am 2. Oktober begehen wir den Gedenktag der hl. Schutzengel.

Während Michael als Streiter Gottes gilt und Gabriel als biblischer Bote, drückt Rafael als Begleiter von Tobias im Alten Testament doch am ehesten das aus, was in unserer Gesellschaft mit einem Engel verbunden wird: „Da ist einer, der für mich da ist. Er steht mir zur Seite.“

Auf dem Friedhof wird der Gedanke ganz deutlich, wenn es auf manchem Grabstein heißt: „Mögen Engel dich begleiten.“ So gesehen ist der Gedanke an Engel nicht kitschig oder überholt, sondern allseits präsent. Gott schickt uns auch heute Engel als Begleiter, die mit uns gehen „bis ins Paradies hinein“, wie es in einem Lied heißt, also über den Tod hinaus. Ein tröstlicher Gedanke!

Als Priester wird man immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob es Engel überhaupt gibt und wenn ja, warum wir sie brauchen?

Der Katechismus der katholischen Kirche sagt unter Nummer 328: „Dass es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift für gewöhnlich „Engel“ genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit. Das bezeugt die Schrift ebenso klar wie die Einmütigkeit der Überlieferung.“

Jeder hat einen Schutzengel, der ihn begleitet, beschützt und auf die guten Wege Gottes führen möchten. Unzählige Menschen, die auf wundersame Weise gefährliche Situationen heil und unversehrt überstanden haben, bezeugen die Wirklichkeit dieser himmlischen Beschützer.

Wir müssen unsere Schutzengel häufig anrufen, große Achtung vor ihnen haben und vor allem zusehen, dass wir sie nachahmen in allem, was wir tun.

Um das zu verdeutlichen, zitiere ich den Text vom einem Lied: „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ – besser bekannt als das Wolgalied – stammt aus der Operette „Der Zarewitsch“ von Bela Jenbach und Heinz Reicher; die Musik wurde von Franz Lehár komponiert:

„Es steht ein Soldat am Wolgastrand,
Hält Wache für sein Vaterland.
In dunkler Nacht allein und fern,
Es leuchtet ihm kein Mond, kein Stern.
Regungslos die Steppe schweigt,
Eine Träne ihm ins Auge steigt:
Und er fühlt, wie’s im Herzen frißt und nagt,
Wenn ein Mensch verlassen ist, und er klagt,
Und er fragt:

Hast du dort oben vergessen auf mich?
Es sehnt doch mein Herz auch nach Liebe sich.
Du hast im Himmel viel Engel bei dir!
Schick doch einen davon auch zu mir.“

Ja – Liebe Schwestern und Brüder! „Du hast im Himmel viel Engel bei dir! Schick doch einen davon auch zu mir.“  – Wir wissen, dass sich viele Menschen nicht gerne darüber Rechenschaft geben, dass es die Engel gibt.

So gehen die hl. Engel förmlich anonym mit ihnen durch diese Welt. Nicht dass sie deswegen weniger treu sein würden oder weniger eifrig. Aber nie beachtet oder verkannt zu werden (denken wir an die Esoterik), das ist natürlich für den hl. Engel „schwer“ und dadurch kann er auch dem Menschen weniger helfen, wenn dieser gar nicht auf ihn ausgerichtet ist, wenn er nicht an ihn denkt, um ihn weiß oder an ihn glaubt.

Viel leichter ist es für den hl. Engel, zu helfen, wenn ein Mensch ihn gläubig anruft und sich bemüht, mit dem hl. Schutzengel durchs Leben zu gehen. Bitten wir sie besonders an ihrem Festtag mit dem Gebet, das viele von uns aus ihrer Kindheit kennen:

„Heiliger Schutzengel mein, lass mich dir empfohlen sein.
Tag und Nacht, ich bitte dich, beschütze und bewahre mich.
Lass mich leben recht und fromm, dass ich in den Himmel komm!“ 

 

 


Freundschaft erfahren im Trubel der Zeit

Von Pfarrer Dr. Franz Weidemann

Freundschaft… ein Wort, das jeder von uns kennt, das jeder oftmals gehört hat und das jeder so oft wie möglich hören möchte. Doch existiert Freundschaft noch?  – Sind wir, durchs Leben eilend, überhaupt in der Lage, sie zu definieren? Pfarrer Dr. Franz Weidemann

Freilich, wir treffen Bekannte, wir haben verschiedene berufliche Kontakte, wir unterhalten und amüsieren uns, aber freunden wir uns mit jemandem an? 

Wir können helfen, gerührt sein, aber begreifen wir wirklich, worin Freundschaft besteht?

Können wir über jemanden sagen, dass er ein Freund ist, und wichtiger noch: kann das jemand über uns sagen? Haben wir Zeit und Lust, uns darüber Gedanken zu machen?

Menschen wünschen sich Freunde. Sehr oft verwenden sie das Wort „Freundschaft“, um das zwischenmenschliche Verhältnis zu bestimmen. Die Wirklichkeit zeigt jedoch überdeutlich, dass sie sich des Wesens und des Inhalts des Wortes nicht immer bewusst sind.

Sie betrachten die Freundschaft als eine Plattform gemeinsamer Interessen, gegenseitiger Einflussmöglichkeiten und bedeutsamer Beziehungen. Die auf diese Weise gewöhnlich begriffenen zwischenmenschlichen Beziehungen sind einfach Bekanntschaften, die sich durch gegenseitige Solidarität ausdrücken.

Ein Bekannter ist nicht automatisch ein Freund. In manchen Regionen Italiens hat das Wort „Freundschaft“ sogar einen negativen Beigeschmack und wird mit mafiösen Verhaltensweisen in Verbindung gebracht. So hebt der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort hervor, dass es im Leben drei Sorten von Freunden gibt: (…) die, die uns lieben, die, denen wir egal sind, und die, die uns hassen“. Scannen0001 (22)

Die Freundschaft ist jedoch ein Bestandteil unseres Alltags. Ohne sie wäre das Leben inhaltslos und mühsam. Mit ihr ist es viel leichter zu leben. Mit jemandem ein freundschaftliches Verhältnis zu haben bedeutet, sich vor ihm zu öffnen und sich geborgen zu fühlen. Es bedeutet auch, ihn näher als andere an sich heranzulassen, ihm eigene Freude und Erfolge, aber auch Probleme, Ängste und Befürchtungen anzuvertrauen.

Man sollte jedoch nicht verkennen, dass man nur Freunde betrügt und verkauft. Einen Freund gewinnt man daher erst nach einer Bewährungsprobe.

Diese Warnung ist das Hauptmotiv in dem alttestamentlichen Buch der Weisheit von Sirach (6,5-17). Er erinnert an die Notwendigkeit, einen Freund gewissenhaft auszuwählen, denn es gebe den einen Freund, der „je nach der Zeit“ da sei, einen anderen, der „zum Feind [wird], unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf“, und einen weiteren, der „als Gast am Tisch“ in schwierigen Momenten nicht durchhält.

Was ist also das Wesen einer Freundschaft? Eine Freundschaft ist die schönste Form der menschlichen Liebe. Oder anders gesagt: Freundschaft ist die reife Form der Liebe. Freundschaft gehört zu den wichtigsten Werten, die von der Macht des menschlichen Geistes zeugen.

Dieser Wert erlebt heutzutage  –  ähnlich wie viele andere  –  eine Krise und wird immer mehr entwertet. Man sollte sich also bewusst machen, nach welchen Gesetzen die Freundschaft folgt, damit das menschliche Leben einen strahlenden Glanz erhält.

Eine Voraussetzung der Freundschaft ist Aufrichtigkeit. Sie beruht auf Wahrheit und hängt mit Vertrauen zusammen. Daher gehört nicht Schmeicheln und Bejahen zu ihrem Wesen, sondern gegenseitige Hilfe, gegenseitiges Ermahnen und Beraten.

Die Wahrheit anzuerkennen ist der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis, und nur dort, wo die Wahrheit geehrt wird, kann Vertrauen entstehen. So wird die Wahrheit zur gegenseitigen Aufrichtigkeit und Weltoffenheit. 02a1c5407f

Die Freundschaft ist ein Wert, der keine Beurteilung voraussetzt; er lässt es auch nicht zu, sie auszuprobieren, denn man muss die Freundschaft erst schließen, bevor man sie überprüfen kann. Die beste Prüfungsform ist die Zeit. Cicero rät deshalb dazu, „starke, selbstbewusste und vernünftige Menschen auszusuchen“, denn nur auf solche kann man bauen und nur solche können treu bleiben.

Epiktet dagegen nennt drei Arten von Menschen: Drohnen, Wespen und Bienen. Die Drohnen bestehen aus den Schmeichlern, die nichts tun, sondern das Gut anderer Menschen vergeuden. Zu den Wespen zählt er unzugängliche, eifersüchtige, nicht gern gebende Menschen, die letztlich nutzlos sind. Die Gemeinschaft der Bienen bilden ehrliche Leute, die von der Arbeit der eigenen Hände leben, tüchtige, freundliche Menschen, die für das Wohl der Freundschaft sorgen, verständnisvoll und  –  wenn nötig  –  kampfbereit sind.

Wenn man echte Freundschaft finden will, so lohnt es sich, auf Bienen zu setzen und sich von Drohnen und Wespen zu befreien.

In der Freundschaft ist es sehr wichtig, Zeit für sie zu haben und sie zu pflegen. Das Leben ist so konstruiert, dass jeder nur für solche Werte und Menschen Zeit findet, die ihm am teuersten sind. Der Mangel an Zeit zeugt nur davon, dass die Freundschaft nicht das Wichtigste ist und sie zu pflegen eine Belastung ist. ???????

Man sollte sich dessen bewusst sein, dass die größten Feinde der Freundschaft und Liebe die Erschöpfung und der tägliche Stress sind. Der daraus resultierende Zeitmangel führt dazu, dass die Freundschaft abstirbt. Wenn es dem Menschen auf die Freundschaft ankommt, so muss er für das Zusammenkommen Zeit finden, denn so findet er zur Erholung und die Erholung erfüllt sich im Zusammenkommen mit dem anderen.

Eine echte Freundschaft ähnelt  –  wie Professor Edward Staniek hervorhebt  –  dem Flug der Adler: Man kann sie nicht mit Gewalt zusammenbinden, denn ihr gemeinsamer Flug basiert auf der Kraft der ausgebreiteten Flügel in der Freiheit endlosen Weite. Die Adler beschäftigen sich nicht mit dem Fliegenfangen, sondern gemeinsam streben sie zur Sonne und sind verbunden durch das in ihren Herzen liegende Vertrauen. Darum muss eine Freundschaft, die leben möchte, ein Gesicht haben.

Die Freundschaft hat noch einen weiteren Namen  –  Loyalität. Loyal sein bedeutet, in der Freundschaft sein, selbst wenn der Freund nicht da ist, und nach seinen Sachen zu schauen. Loyal sein bedeutet, sich –   während der Abwesenheit des Freundes  –  so gegenüber den Menschen zu verhalten, dass man sich nicht schämen muss, wenn der Freund wieder auftaucht.

Je länger die Freundschaft dauert, umso stärker wird ein illoyales Verhalten verpönt. In der Freundschaft leben heißt, sie ausdrücken zu können, ihr bei aller Schüchternheit sein Herz zu öffnen und, wenn nötig, für sie zu kämpfen. Ansonsten ist sie bedroht.

Man muss aus den Fehlern anderer lernen, denn eine wahre Freundschaft ist wie die Gesundheit: wir lernen sie schätzen, wenn wir sie verlieren.

Während einer seiner Vorlesungen sprach der polnische Theologe und Philosoph Józef Tischner über zwei Arten von Menschen: diejenigen, mit denen man den Rosenkranz beten, und diejenigen, mit denen man Pferde stehlen kann. Wald-DSC_0989

Er empfahl, dass man lieber mit denen Freundschaft schließen solle, mit denen man Pferde stehlen kann, denn mit denen könne man auch den Rosenkranz beten. Mit eingebildeten Menschen, die zu keiner Freundschaft fähig sind, kann man höchstens  –  und das auch nicht immer  –  nur das erste tun.

Die Freundschaft leben und in der Freundschaft leben bedeutet, seine Umwelt positiv zu gestalten, die bei den Menschen den Glauben und die Hoffnung auf ein größeres Wohl erweckt und die Überzeugung entstehen lässt, dass nicht alles endgültig verloren ist und die Niederlage von gestern sich in den Sieg von morgen umwandeln lässt.

Es ist daher wichtig, welchen Menschen wir zu unserem Freund machen und welchem Umfeld wir zugehören, denn wir werden selbst so wie diejenigen, mit denen wir verkehren.

Es lohnt sich also, Hoffnung zu haben, denn“  –  wie der polnische Dichter Słowacki in Anhelli schreibt  –  „die Hoffnung geht von Euch auf die nächsten Generationen über, aber wenn sie in Euch stirbt, werden die nächsten Generationen aus toten Menschen bestehen.“

Freunde kommen und Freunde gehen, doch nur die wahren Freunde bleiben ein Leben lang  –  sagt das Sprichwort!

Vergessen wir nicht, dass auch Gott uns seine Freundschaft in Jesus Christus anbietet. Dieses Angebot sollte ein jeder von uns annehmen, denn diese Freundschaft dauert ein Leben lang, ja sie geht sogar über den Tod hinaus.

Unser Autor Pfarrer Dr. Franz Weidemann (siehe Foto oben) ist als Priester in Dortmund (Erzbistum Paderborn) tätig

Gemälde: Evita Gründler