Potsdamer Gewalttat: Entwertung behinderter Menschen bereits durch Abtreibung

Von Dr. Josef Bordat

„Nachdem in Potsdam vier Menschen in einer Einrichtung für Behinderte getötet wurden, ist im Netz eine Debatte um den Umgang mit Behinderten entbrannt. Im Zentrum steht die Frage, ob die Tat Ausdruck struktureller Gewalt und eines behindertenfeindlichen Systems ist.“ – So hebt ein Beitrag in der Märkischen Allgemeinen an, der leider nicht frei zugänglich ist.

Aber diese beiden Sätze reichen schon, um einiges an Gedanken auszulösen.

Ich bin – wie sicher die allermeisten Menschen – erschüttert über diese abscheuliche Gewalttat, bei der vor einer Woche in einer Klinik für Behinderte in Potsdam vier Personen getötet und eine weitere schwer verletzt wurde. Die Tat begangen haben soll eine Mitarbeiterin der Einrichtung.

Ich kann aber – und hier dürfte der breite Konsens auch schon zuende sein – nicht wirklich ernsthaft fragen: „Warum?“ – Insoweit fasst die Überschrift des Beitrags in der Märkischen Allgemeinen meine Gefühlslage gut zusammen: „Ich bin schockiert, aber nicht überrascht“.

Ich kann nicht „Warum?“ fragen, weil ich die Antwort zu kennen glaube. Und ich meine, dass wir sie alle kennen könnten. Auch wenn sie mir, wenn sie uns nicht gefällt, sollten wir sie geben:

Der Grund – zumindest: ein Grund – für die Gewalttat von Potsdam liegt in der immer weiter fortschreitenden Entwertung des Lebens kranker und behinderter Menschen.

Wenn wir beim Thema Abtreibung kollektiv mit „Ach, so!“ reagieren, sollte der getötete ungeborene Mensch genetisch in besonderer Weise zu Krankheit und Behinderung geneigt haben (und sowas kriegt man ja heutzutage rechtzeitig heraus), können wir dann allen Ernstes bei der Gewalttat von Potsdam in tränenreicher Fassungslosigkeit „Warum?“ fragen? Ich meine: ohne Heuchelei?

FORTSETZUNG des Beitrags hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/05/05/warum-ach-so/

Wir danken Dr. phil. Josef Bordat für seine freundliche Abdruckserlaubnis.

Eines seiner Bücher zu diesem Themankreis ist neu erschienen: Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand


Zur Aufarbeitung des Missbrauchs: Warum die Kirche strenger als der Staat ist

Von Dr. Josef Bordat

Oft begegnet einem der Vorwurf, die Kirche arbeite den sexuellen Missbrauch in ihren Einrichtungen, wie er vor allem im 20. Jahrhundert in erschreckendem Ausmaß stattfand, nicht oder nicht angemessen auf – häufig wird dieser Vorwurf genau dann erhoben, wenn mal wieder ein neues Gutachten präsentiert wird, wie am Donnerstag in Köln.

Dagegen stehen die Fakten.

Seit 2010, als das Thema zu einem öffentlichen wurde, gab es mehrere Gutachten mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielsetzungen zur Aufarbeitung der Vergangenheit sowie eine Verschärfung der kirchenrechtlichen Lage zur Prävention von Missbrauch in der Zukunft.

Für die MHG-Studie („Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“) aus 2018 wurden im Bearbeitungszeitraum von 2014 bis 2017 fast 40.000 Personalakten untersucht.

Auf diözesaner Ebene gibt es neben dem strafrechtlichen Gutachten der Kanzlei Gercke Wollschläger zum Erzbistum Köln (2021) auch ein Rechtsgutachten der Kanzlei Westpfahl, Spilker, Wastl zum Erzbistum München und Freising („Sexuelle und sonstige körperliche Übergriffe durch Priester, Diakone und sonstige pastorale Mitarbeiter im Verantwortungsbereich der Erzdiözese München und Freising in der Zeit von 1945 bis 2009. Bestandsaufnahme – Bewertung – Konsequenz“ ), das bereits 2010 vorgelegt wurde, sowie ein seit 2019 laufendes Aufarbeitungsprojekt im Bistum Limburg unter Supervision der Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller („Betroffene hören – Missbrauch verhindern“).

Das RECHT schützt die JUGEND

Ferner wurden die seit 2002 bestehenden Leitlinien zur Prävention von sexualisierter Gewalt und Missbrauch 2010 verschärft.

Die normativen Grundlagen dafür, dass Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche verfolgt wird, ist damit gegeben, sogar in weit größerem Maße als in weltlichen Institutionen oder in nicht-institutionellen Kontexten.

Denn: Während eine generelle Anzeigepflicht im Hinblick auf Sexualstraftaten gegenüber der Polizei oder Staatsanwaltschaft im weltlichen Recht grundsätzlich nicht existiert, führte die Deutsche Bischofskonferenz diese 2010 ein.

Das Kölner Gutachten dazu:

„Auch im Kirchenrecht war eine Anzeigepflicht gegenüber den Strafverfolgungsbehörden lange unbekannt. Erst in den Leitlinien 2010 wurde eine Pflicht zur Anzeige eines Sachverhalts an die Strafverfolgungsbehörden verbindlich aufgenommen. Es konnte danach nur noch dann von einer Anzeige abgesehen werden, wenn eine solche Anzeige dem Willen des Opfers eindeutig zuwiderlief“ (S. 279).

Das heißt: Die Kirche verlangt seit 2010 mehr als der Staat, die Wahrscheinlichkeit einer Anzeige im Verdachtsfall ist aufgrund der unterschiedlichen Rechtsgrundsätze in der Kirche höher als überall anderswo.

FORTSETZUNG des Beitrags von Dr. Bordat hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/03/20/aufarbeitung-des-missbrauchs-tut-die-kirche-genug/

Jetzt ist dieses Buch des Philosophen Dr. Bordat erschienen: Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand


Warum der Zölibat dem Gottesreich dient

Von Dr. Josef Bordat

Die Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Mariendonk, Dr. Christiana Reemts OSB, schreibt am 10. März 2021 in ihrem Blog:

In den aktuellen Diskussionen ist immer wieder von „Zwangszölibat“ die Rede und es wird gefordert, diese unmenschliche Bedingung für das Priestertum endlich aufzugeben. Bei vielen Beiträgen, die ich lese, fühle ich mich persönlich angegriffen, denn ich lebe selbst in dieser Lebensform und empfinde sie nicht als ein Joch, sondern als ein Geschenk, für das ich Gott danke. Manchmal vermisse ich allerdings, dass unsere Priester sich zu dieser Lebensform bekennen und von ihrer Schönheit sprechen.

Wir müssen in unserer Kirche neu den Mut haben, davon zu sprechen, dass man auch auf ganz vitale Interessen und Begierden verzichten kann. Dazu brauchen wir ein neues Verhältnis zur Sexualität, nicht im Sinn immer weiterer Liberalisierung, sondern im Sinn tieferer Humanisierung.

Kein Mensch hat ein Recht darauf, seine sexuellen Wünsche jederzeit befriedigen zu können, egal auf wen sich sein Begehren richtet. Bei Pädophilen ist uns das klar, aber es gilt für jede Lebensform, dass Liebe immer auch den Verzicht auf das Ausleben eigener Wünsche fordert.

In unserer Kirche gibt es Menschen wie meine Mitschwestern und mich, die, um Gott und die Menschen freier lieben zu können, auf Ehe, Familie und Geschlechtsverkehr verzichten. Wir wollen damit leiblich sichtbar machen, dass wir Christus nichts vorziehen. Dieser Verzicht schenkt uns Zeit für Gebet und Bibelstudium, Zeit für andere Menschen. Wir sind dadurch keine besseren Christen als Eheleute, aber wir sind von Christus wie die Priester zu einer anderen Aufgabe berufen worden. Was ärgert unsere Gesellschaft eigentlich so maßlos daran?

Höchst eindrucksvolle Worte einer Ordensfrau, Worte, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann in der aktuellen Debatte um Sexualmoral, Priesteramt und Zölibat. Worte, die glaubwürdig verdeutlichen: Der Zölibat ist wertvoll.

Der Zölibat ist kein Zwang, denn niemand ist gezwungen, in einen Orden einzutreten oder Priester zu werden. Einfach aufgeben sollte man den Zölibat nicht. Schon gar nicht aus den falschen Gründen.

Nachfolgend möchte ich an acht Aspekte erinnern, die für den Erhalt dieser katholischen Einrichtung sprechen – bezogen auf das Priesteramt, doch selbstredend grundsätzlich auch übertragbar auf Ordensleute. Vielleicht hilft auch die Erinnerung an diese Argumente, eine andere Perspektive auf den Zölibat einzunehmen, der dem Lebensgefühl der Äbtissin (und anderer Frauen und Männer in Ordensgemeinschaften und dem priesterlichen Dienst) eher gerecht wird.

1. Bibel

Der Zölibat lässt sich zunächst biblisch begründen. Man findet im NT die Empfehlung des Apostels Paulus, ehelos zu bleiben, wenn man die Nachfolge Christi ernsthaft antreten will (vgl. 1 Kor 7, 32-35).

Allerdings lassen sich auch Ausnahmen vom Zölibat biblisch begründen. Der erste Papst war verheiratet. Zumindest ist von einer Schwiegermutter des Simon Petrus die Rede, die von Jesus geheilt wird (vgl. Mk 1, 29-31; Lk 4, 38-39; Mt 8, 14-15). Auch andere Stellen deuten darauf hin (vgl. 1 Tim 3, 2 und 12; Tit 1, 6).

Unter Umständen waren auch weitere Apostel verheiratet, schließlich schreibt Paulus der Gemeinde von Korinth: „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“ (1 Kor 9, 5).

Dagegen wiederum kann man einwenden, dass die Ehen vor der Berufung zur Nachfolge geschlossen wurden. Auch heute darf ein zum Katholizismus konvertierter Priester einer anderen christlichen Gemeinschaft verheiratet bleiben (Zölibatsdispens nach Kanon 1049, CIC).

Der Zölibat wird von Paulus vorgeschlagen, um „in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen“ zu können (1 Kor 7, 35). Grundsätzlich gilt für die Nachfolge Christi das Prinzip der Bindungslosigkeit gegenüber weltlichen Dingen: Das Loslassen, das Verlassen weltlicher Bezugssysteme (Familie, Arbeit, Heimat) steht am Beginn der Berufung (vgl. Mt 4, 18-22).

Nach kirchlicher Interpretation der Schrift hat Jesus selbst zölibatär gelebt; die Evangelien berichten nichts über eine Ehe Jesu (was sie aufgrund der Bedeutung der Ehe im Judentum mit Sicherheit getan hätten, wäre Jesus verheiratet gewesen).

2. Theologie

Es gibt darüber hinaus gewichtige theologische Argumente in der Debatte um die Bedeutung von Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit der Priester und Ordensleute. Zeichen, Charisma und Nachfolge sind die drei theologischen Hauptgründe für den Zölibat. Zunächst wird der Zölibat als Hinweis auf das Himmelreich angesehen, wo es ebenfalls keine Ehe gibt (vgl. Mk 12, 25).

Sodann wird die Ehelosigkeit als Gnadengabe betrachtet, die den Priester in besonderer Weise auszeichnet. Schließlich stehen Priester in der Nachfolge Jesu und sollen ihre Berufung durch eine möglichst enge Orientierung an Jesu Leben und Lehre zum Ausdruck bringen. Zum Leben Jesu gehört die Ehelosigkeit ebenso wie zu seiner Lehre: Ehelosigkeit „um des Himmelreiches willen“ ist einer der Evangelischen Räte (vgl. Mt 19, 12).

3. Pastoral

Es gibt darüber hinaus aber auch pastorale Gründe für den Zölibat. Ehelose Priester können sich ganz auf die Arbeit in ihrer Gemeinde konzentrieren und brauchen bei der Ausübung ihrer Tätigkeit keine Rücksicht auf eine Familie zu nehmen. Sie sind unabhängig, flexibel und – in antiklerikalen Systemen – weniger leicht erpressbar.

Das ist heute in vielen Teilen der Welt höchst relevant. Ganz pragmatisch betrachtet ist es auch materiell einfacher, allein zu leben. Man braucht nur für sich zu sorgen und hat außerdem die Möglichkeit, einem Armutsideal zu folgen, das man einer Familie (insbesondere auch Kindern) nicht zumuten kann.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://jobosblog.wordpress.com/2021/03/13/der-zoelibat-kein-joch-sondern-geschenk/

Dr. Bordat verfaßte mehrere Bücher, darunter Ewiges im Provisorium (2019)
Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand (2020)


Das Lebensrecht der Ungeborenen

Von Dr. Josef Bordat

Das Bundesverfassungsgericht erklärte vor 46 Jahren – am 25. Februar 1975 – die 1974 verabschiedete „Fristenregelung“ bei Abtreibungen für verfassungswidrig. Eine Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate der Schwangerschaft verletze das Recht des ungeborenen Menschen auf Leben.

Denn: Das „Recht auf Leben wird jedem gewährleistet, der ,lebt’; zwischen einzelnen Abschnitten des sich entwickelnden Lebens vor der Geburt oder zwischen ungeborenem und geborenem Leben kann hier kein Unterschied gemacht werden“ (Urteil des BVerfG vom 25.02.1975, AZ 1 BvF 1/74 u.a. [BVerfGE 39, 1, veröffentlicht in: NJW 1975, 573]).

Diesen Grundsatz zum Lebensrecht des ungeborenen Menschen hat das Bundesverfassungsgericht dann 18 Jahre später noch einmal betont: Das Grundgesetz enthalte keine „dem Entwicklungsprozess der Schwangerschaft folgenden Abstufungen des Lebensrechts“ (Urteil des BVerfG vom 28.05.1993, AZ 2 BvF 2/90 u.a. [BVerfGE 88, 203, veröffentlicht in: NJW 1993, 1751]).

Also: Der in Artikel 1, Absatz 1, Satz 1 Grundgesetz erwähnte Mensch hat keine würde- und rechtlosen Vorstufen. Auch der ungeborene Mensch hat eine einzigartige, unhintergehbare, bedingungslos zu achtende und zu schützende Würde, und infolgedessen kommt dem ungeborenen Menschen auch das Recht auf Leben nach Artikel 2, Absatz 2 Grundgesetz zu – ohne Wenn und Aber.

Mehr dazu in meinen Büchern Ewiges im Provisorium (2019)
Würde, Freiheit, Selbstbestimmung. Konzepte der Lebensrechtsdebatte auf dem Prüfstand (2020)

Quelle: https://jobosblog.wordpress.com/2021/02/25/das-lebensrecht-ungeborener/


Klarstellungen zum Hexenwahn in Europa

Von Felizitas Küble

Beim Dauerbrenner Hexenverfolgung gibt es gerade in Deutschland viele Vorurteile jenseits der Fakten.

So denken die meisten Leute dabei an das „finstere“ Mittelalter, in Wirklichkeit handelt es sich weitgehend um ein Phänomen der Neuzeit  – in Europa bis tief ins 18. Jahrhundert hinein. Zwar gab es im späten Mittelalter bereits Hexenverbrennungen, aber nicht als derart massenhaftes Geschehen wie später.

Es gab mit dem frühmittelalterlichen „Canon Episcopi“ aus dem 10. Jahrhundert sogar ein kirchenrechtliches Gesetz, das nicht nur die Hexenverfolgung, sondern sogar den Hexenwahn an sich verurteilte und mit Bußstrafen belegte. Dieses Rechtsordnung behielt 1000 Jahre lang ihre amtliche Gültigkeit bis zum neuen CIC-Kirchenrecht von 1918. (Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/04/13/aufgeklaertes-mittelalter-der-kanon-episcopi-warnte-eindringlich-vor-dem-hexenwahn/)

Ebenso falsch ist die Vorstellung, es handle sich dabei um eine typisch katholische Problematik. Im Gegenteil waren die protestantischen Herrschaftsgebiete (evangelische Fürsten) insgesamt weitaus stärker vom Hexenwahn betroffen. Alle Reformatoren, vor allem Calvin, befürworteten die Hexenverfolgung, Calvin hat sie in Genf sogar persönlich und systematisch vorangetrieben.

Unrichtig ist auch die weitverbreitete Meinung, es seien fast nur Frauen betroffen gewesen. In Wirklichkeit wurden auch angebliche Zauberer bzw. Hexenmeister verbrannt. Der mehrheitliche Anteil von Frauen beschränkt sich weitgehend auf Deutschland. In Estland und Island wurden mehr Männer als Frauen Opfer des Hexenwahns.

Weitere fundierte Infos gibt es dazu von Dr. Josef Bordat: https://charismatismus.wordpress.com/2013/03/29/dauerbrenner-hexenverfolgung-fakten-statt-legenden/

Zudem hat sich Prof. Dr. Andreas Resch mit dem Thema befaßt und schreibt u.a.:

„Die Opfer der Hexenverfolgung beliefen sich nicht auf 8 bis 9 Millionen Personen, wie die NS-Propaganda vermutete, sondern auf ca. 50.000 auf dem Gebiet des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation in den 350 Jahren europäischer Hexenverfolgung (1430 – 1780).

Dabei waren die Opfer zwischen protestantischen und katholischen Gebieten ungleich verteilt  –  mit etwa 10.000 Opfern auf katholischer Seite.

Die Inquisition war lediglich an einigen hundert der über drei Millionen Hexenprozesse (Schuldspruchquote: 1,5 Prozent) beteiligt. Diese fanden zudem vor weltlichen Gerichten statt. Die Inquisition interessierte sich hauptsächlich für Ketzer, nicht für Hexen.

Im katholischen Spanien gab es wegen der Inquisition keine Hexenverfolgung und in Italien sorgte die Inquisition dafür, dass so gut wie keine Hexe verbrannt wurde…

Die Inquisitoren hatten den Auftrag, verdächtige Personen ernsthaft zu prüfen, zurechtzuweisen, zu inhaftieren und zu bestrafen, nicht aber, sie zu verbrennen. In der Praxis hat dies den Hexenwahn eher gemindert als befördert.“ (Quelle: https://www.imagomundi.biz/hexenverfolgung-2/)


Neuerscheinung: Dr. Josef Bordat schreibt über das „Sündenregister“ der kath. Kirche

Buch-Daten: Josef Bordat: Von Ablaßhandel bis Zölibat. Das „Sündenregister“ der Katholischen Kirche. 17,90 EUR,  296 Seiten | 130 x 210 mm | Softcover | 1. Auflage | Lepanto Verlag ISBN: 978-3-942605-16-8

Mit Klischees über die Kirche müssen sich viele Menschen in Diskussionen auseinandersetzen. Bei Gesprächen am Arbeitsplatz, in der Mensa oder bei Familienfeiern, aber auch in den sozialen Kommunitäten im Internet begegnen einem die immer gleichen Angriffsformationen.
Das „Sündenregister“ der Katholischen Kirche ist in den Augen des modernen, religionsfernen Menschen ellenlang. Die Kirche wird von außen mit Kritik und Forderungen konfrontiert und muß auch innerhalb ihrer Mauern manche Zerreißprobe bestehen.

»Seit der Aufklärung ist die Vernunft an die Stelle der Religion getreten!« heißt es dann etwa  – oder: »Die Kirche hat im Dritten Reich total versagt!« Oder: »Die Kirche ist durch zahllose Mißbrauchsfälle völlig diskreditiert! «. Oder – besonders im Reformationsgedenkjahr: »Die kirchliche Einheit scheitert am Unwillen Roms!«

Der Philosoph und Publizist Dr. Josef Bordat nimmt sich 36 populäre religions- und kirchenkritische Thesen vor und setzt ihnen mit Kenntnisreichtum und Besonnenheit historische und systematische Fakten entgegen.

So entsteht eine sachliche und differenzierte Darlegung von Geschichte und Wesen der Katholischen Kirche, die allen Diskussionsteilnehmern zu einem begründeten Urteil über eine der umstrittensten, aber auch wichtigsten Einrichtungen der Menschheit verhelfen will – von A wie „Ablaßhandel“ bis Z wie „Zölibat“.


Der Rosenkranz an der polnischen Grenze und die Islamophobie-Keule in deutschen Medien

Vorige Woche haben wir hier im CHRISTLICHEN FORUM einen Bericht über die angekündigte polnische Rosenkranz-Initiative an der Grenze veröffentlicht.

Die Gebetsaktion hat stattgefunden und in der „veröffentlichten Meinung“ ein teils unsachliches bis schrilles Echo gefunden; dabei wurde auf den Vorwurf der Islamfeindlichkeit bzw. die Homophobie-Keule nicht verzichtet.

Der katholische Autor und Philosoph Dr. Josef Bordat hat auf seinem Jobo-Blog dazu – teils etwas ironisch –  Stellung bezogen: https://jobo72.wordpress.com/2017/10/08/ein-besonderes-rosenkranzgebet/

Mit seiner freundlichen Genehmigung zitieren wir einige Abschnitte daraus:

„Normalerweise ist es ja eher so, dass das Rosenkranzgebet eine eher unauffällige, stille Form des Gottesdienstes ist. Allein oder in kleiner Gruppe wird es gebetet, meditativ, kontemplativ, den Glauben reflektierend. Ich hatte das kürzlich erläutert.

Nun beteten “Zehntausende” (Tagesschau.de) Polen verabredungsgemäß gemeinsam den Rosenkranz…

Eigentlich ist die “Aktion” (Welt.de) nämlich eine “islamophobe”. Wenn Marek Jedraszewski, der Erzbischof von Krakau, etwa meint, die Menschen beteten im Vertrauen darauf, dass Gott ihnen helfen werde, “alle Schwierigkeiten zu überwinden”, dann meint er natürlich den Islam.

Und wenn die Initiatoren der Stiftung “Solo Dios Basta” meinen, sie wollten mit dem Gebetsaufruf “uns auch entschuldigen und jegliche Gotteslästerung wiedergutmachen”, dann meinen sie natürlich den Islam. Und wenn auf ihrer Website steht, das Rosenkranzgebet sei “eine mächtige Waffe im Kampf gegen das Böse”, dann meinen sie… Ich glaube, Sie haben das Prinzip verstanden…

Da ist es nur zu verständlich, dass die Qualitätspresse feststellt, einige Menschen sähen das Gebet “explizit gegen Muslime gerichtet” (Welt.de)…Gegen wen oder was soll es denn sonst gehen? Gut, vielleicht “gegen den Islam” (Tagesschau.de). Da können Polens Bischöfe “die Kundgebungen” (Tagesschau.de) noch dreidutzendmal als “Gebet für den Weltfrieden” tarnen.

Gut, dass Tagesschau.de und Welt.de und *.de insgesamt der Islamophobie der islamophoben Katholiken nicht auf den Leim gehen!“


Zwei-Schwerter-Lehre: Kirche und Staat, Papst und Kaiser, geistliche und weltliche Macht

Von Dr. Josef Bordat

Die Balance zwischen geistlicher und weltlicher Macht konnte im frühmittelalterlichen Europa über Jahrhunderte aufrecht erhalten werden.

Im 5. Jahrhundert formulierte Papst Gelasius I. dazu die Zwei-Gewalten-Lehre, welche die weltliche Herrschaft des Kaisers, das regnum, und die geistliche Herrschaft des Papstes, das sacerdotium, auf eine Ebene stellte und dies mit zwei Schwertern symbolisierte: Dem gladius materialis für die weltliche Gewalt und dem gladius spiritualis für die geistliche Gewalt.

Dabei erscheinen beide Herrschaftsformen als Teile des einen Corpus Christi, wobei das regnum dem Körper und das sacerdotium der Seele entsprechen sollte. Im Ergebnis steht eine harmonische Koexistenz von Kirche und Staat.

Als dann im Investiturstreit, in dem es eigentlich darum ging, wer Bischöfe und Äbte in ihr Amt einsetzen durfte, Papst Gregor VII. triumphiert hatte und Kaiser Heinrich IV. im Büßerhemd den Gang nach Canossa antreten musste (1077), war die hierokratische Stellung der Kirche zementiert. Zur Hierokratie entwickelte sich im Hochmittelalter eine theologische Lehre, die ekklesiologische und soteriologische Aspekte verband.

Die Hierokraten begründeten den Vorrang der geistlichen Gewalt theologisch damit, dass sie davon ausgingen, der Corpus Christi, also die Gesamtheit der Gläubigen, bestünde aus zwei Ständen, dem des Klerus und dem der Laien. Wie die Kirche unter dem Haupte Christi stehe, so stehe nun jeder dieser Stände unter seinem Haupt, der Stand des Klerus unter dem Papst und der Stand der Laien unter dem Kaiser.

Quelle und FORTSETZUNG des Artikels hier: https://jobo72.wordpress.com/2017/08/20/kirche-und-staat/


Bistum Regensburg: Seit 1945 gab es 67 Missbrauchs-Opfer bei den „Domspatzen“

Die Untersuchungen zu Fällen von Misshandlung und Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen sind abgeschlossen. Rechtsanwalt Ulrich Weber hat heute den rund 450 Seiten starken Abschlussbericht vorgestellt.

Daraus geht hervor, dass seit 1945 bei den Domspatzen 500 Kinder Opfer körperlicher Gewalt wurden, 67 Kinder auch Opfer sexueller Gewalt.
Von 49 Tätern ist die Rede, neun von ihnen hätten zudem sexuelle Gewalt ausgeübt.

Insgesamt besuchten seit 1945 etwa 4500 Schüler das Internat des weltberühmten Knabenchors. Damit wäre jeder Neunte von physischer Gewalt betroffen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass Lehrern und Erziehern die körperliche Züchtigung über weite Strecken des Untersuchungszeitraums erlaubt war, in Bayern bis 1982. Niemals erlaubt war der sexuelle Missbrauch, der etwa jedem 70. Schüler widerfuhr.

Rechtsanwalt Weber bestätigte den Domspatzen aktuell eine „zeitgemäße Pädagogik“ sowie eine „hohe Sensibilisierung“. Er äußerte den Wunsch, dass seine Aufklärung dazu beiträgt, dass Opfer mit dem dunklen Kapitel abschließen könnten.

Die Diözese Regensburg hat ihnen bereits „Anerkennungsleistungen“ zwischen 5000 und 20.000 Euro pro Person zugesagt.

Vollständiger Artikel von Dr. Josef Bordat hier: https://jobo72.wordpress.com/2017/07/18/misshandlung-und-missbrauch-bei-den-regensburger-domspatzen-abschlussbericht/

Weiteres Info zu Georg Ratzinger/Domspatzen: http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/ehemalige-domspatzen-nehmen-georg-ratzinger-in-schutz-21705-art533743.html?p=1

Foto: Bistum Regensburg


Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch

Von Dr. Josef Bordat

„Die Kirche ist keine Fußballmannschaft auf Fansuche“, soll Papst Franziskus gesagt haben. So steht es auf der Titelseite der heutigen Ausgabe der Rheinischen Post.  christus

In welchem Zusammenhang er die Aussage getätigt hat, steht dort nicht. Wenn der Heilige Vater dies allerdings tatsächlich so gesagt und auch in der RP-Lesart gemeint haben sollte, als Verurteilung des „Abwerbens von Gläubigen anderer Bekenntnisse“ (so die Rheinische Post), dann wäre das ein Paradigmenwechsel.

Denn dann kippte Papst Franziskus den Missionsauftrag Christi:

„Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 18-20).

Zudem änderte er die Grundausrichtung der Kirche. Die Katholische Kirche ist nämlich apostolisch, also missionarisch, das heißt, sie ist „als Gesandte unterwegs“ (Ad gentes, Nr. 2) und ihrem Wesen nach darauf ausgerichtet, die Botschaft Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. Wer darin unlautere Fansuche sieht, kann alles sein, aber nicht katholisch.

Schließlich hinkt die Allegorie auch noch auf der Bildseite: Eine Fußballmannschaft will in erster Linie gut spielen, auf dem Platz überzeugen und dadurch Fans gewinnen. Sie geht nicht direkt auf die Suche nach Fans, sondern sie versucht, über Leistung und Auftreten alte Anhänger zu binden und neue zu gewinnen. Vielleicht sollte sich die Kirche das dann doch mal zum Vorbild nehmen. Und Fußballfreund Franziskus seine Defensivtaktik überdenken. Denn: Vorne hilft der liebe Gott.

Erstveröffentlichung des Beitrags von Dr. Bordat hier: https://jobo72.wordpress.com/2016/11/19/mission-impossible/