Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
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Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“

 

 


Dr. Philipp Küble über Sündhaftigkeit, Gehorsam und Gewissensfreiheit in der Kirche

Von Felizitas Küble

Der konservative Theologe Dr. Philipp Küble veröffentlichte 1969 seine Dissertation (Doktorarbeit) über „Glaube als christliche Existenz“ (siehe Foto).

Der oberschwäbische Schriftsteller stand der traditionsbewegten Richtung in der katholischen Kirche nahe, ohne sich jedoch von ihr vereinnahmen zu lassen. Stets behielt er seinen eigenständigen und teils auch kritischen Standpunkt.

Dr. Küble, der heute im Ruhestand lebt, war ein Pionier des katholischen Rundfunks und Kassetten-Apostolats schon in den 70er Jahren. Zudem brachte er jahrzehntelang alle zwei Wochen die Zeitschrift „VOX FIDEI – Stimme des Glaubens“ heraus.

Bei allem Konservatismus war er gegenüber einem vernünftigen Fortschritt sehr aufgeschlossen, auch in puncto Computertechnik, die er früh in seiner Redaktion einsetzte. Er wollte gerne die Glaubenstradition mit den modernen Medien verbinden.

Zurück zu seinem Buch „Glaube als christliche Existenz“. Es behandelt auch das heute – angesichts der innerkirchlichen Sexskandale vor allem in den USA – viel diskutierte Thema nach den Sünden innerhalb der Christenheit, nach dem Sinn und den Grenzen des Gehorsams in der Kirche und dem Respekt vor der Gewissensfreiheit des einzelnen Gläubigen.

Wir veröffentlichen hierzu einige nachdenkenswerte Auszüge aus seinem wissenschaftlichen und gleichwohl verständlich verfaßten Werk (S. 242 ff):

„Ohne Christus bedeutet die Kirche nichts“

Die Kirche ist die Fortführung des Lebens und Werkes Christi. Christus ist ihr Haupt und lenkt und belebt sie durch seinen Geist. Sie ist auf innigste mit ihm vereinigt, ohne ihn bedeutet sie nichts.

Ihr Anspruch und ihr Sendungsbewußtsein erregt bei dem außenstehenden Ungläubigen oft Ärgernis. Ihr missionarischer Eifer ist ihm verdächtig oder geht ihm auf die Nerven. Den Ärgernis-Charakter hat die Kirche nicht nur für jene, die draußen sind, sondern auch im Inneren für die Glieder der Kirche selber.

Zudem führt die Sünde in der Kirche, die menschliche Unzulänglichkeit, die Umtriebe des Teufels in ihr zu manchen Fehlentscheidungen, nicht hinsichtlich der geoffenbarten Lehre, wohl aber in der praktischen Verwirklichung des innerkirchlichen Lebens und der konkreten Verwirklichung des Auftrags Christi.

Ungeheuere Prüfungen durch die Kirche

Dem einzelnen kann der ganze Lebensweg durch bestimmte kirchliche Entscheidungen verbaut werden. Das Leben in der Kirche bringt unter Umständen ungeheuere Prüfungen mit sich. Nun fragt  sich, kann ein in den wichtigsten Lebensfragen ungerecht Behandelter ehrlicherweise in der Kirche bleiben? Muß er an ihr zerbrechen und scheitern oder gibt es vielleicht eine positive Lösung?

Wenn ein Betroffener um die Sündhaftigkeit der Kirche weiß und sich darauf eingestellt hat, braucht es für ihn nicht zu einer Krise kommen.

Leider wird in der Verkündigung oft so getan, als ob es in der Kirche kein Unrecht, keine Skandale und dergleichen geben könnte, wenigstens nicht häufig und in unserer Nähe, vielleicht in früheren Zeiten; man bekennt sich zwar vor Gott öffentlich als Sünder, in seinem Amt hüllt man sich aber in das Gewand der Unfehlbarkeit und Selbstgerechtigkeit.

Dies sollte man nicht tun, sondern eher die Gläubigen auf das Sündhafte in der Kirche vorbereiten, darauf hinweisen, um das Verständnis dafür zu wecken, die aus dem Glauben kommende Deutung zu geben und die richtige Haltung in solchen Dingen zu vermitteln.

Nicht am Unrecht in der Kirche „irre werden“

Wer die Armseligkeit der Kirche als ein ihr anhaftendes, notwendiges Merkmal kennt, der regt sich nicht auf, wenn der kirchliche Vorgesetzte ihn nicht recht versteht, wenn ein Priester Ärgernis erregt, ein Bischof abfällt.

Warum sollten für den Gläubigen in der Kirche die mit der christlichen Existenz notwendig verbundenen Prüfungen nicht auch von den Vorgesetzten kommen?

Wer also von seiten der Kirche „Unrecht“ leidet, braucht an ihr nicht irre werden, nicht an ihr zerbrechen oder sich gegen sie erheben.

Vom Sinn und den Grenzen des Gehorsams

Freilich darf man sich hier nicht in einen allzu abwegigen Infantilismus (kindliche Haltung) verirren, wie es nur zu häufig geschieht, wenn Vorgesetzte ihren Untergebenen weismachen wollen, die Untergebenen müßten nur gehorsam sein, dann würde für sie alles zu reichsten Quelle des Segens werden.

Über den Segen, die Würde und die Bedeutung des im Glauben geübten Gehorsams bedarf es keiner besonderen Erklärung; eher muß der Gefahr entgegengearbeitet werden, durch falsche Interpretation und Begründung den Verdacht zu erwecken, das Gewissen der Untergebenen manipulieren zu wollen, die fehlende persönliche Autorität und Fähigkeit zu verdecken und auszugleichen mit dem Appell an den Gehorsam, das übertragene oder erreichte Amt möglichst sorglos und ohne Schwierigkeiten innezuhaben.

Die logische Folge einer angemaßten göttlichen Autorität wäre dann die, daß keine Entscheidung einer Amtsperson sachlich gerechtfertigt sein müßte.

In dieser Logik könnte ein verantwortungsloser und unfähiger Amtsträger eine dauernde Quelle des Segens für seine Untergebenen sein. Die Unsinnigkeit einer solchen, mit der Würde der anvertrauten Untergebenen – gleichgültig, ob Kind oder Erwachsener – schamlos spielenden Auffassung ist nur allzu deutlich.

„Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche“

Zwei Dinge seien noch hervorgehoben:

Niemals hat ein Vorgesetzter das Recht, Unrecht zu tun. Wie Pilatus muß er auf jeden Fall sein Tun voll verantworten. Die Untergebenen können  nicht alle Heilige sein – und auch die Heiligen sind nicht jederzeit jeder Prüfung gewachsen. Ein Befehl muß also die Situation des einzelnen berücksichtigen und sachlich begründet und gerechtfertigt sein.

Unbeschadet des Gehorsams hat der Untergebene bei unüberwindlichen Schwierigkeiten das Recht, auf falsche Voraussetzungen einer Entscheidung hinzuweisen, Mißstände anzuprangern, wenn Aussicht auf Beseitigung derselben gegeben ist. Kampf und Auseinandersetzung sind Wesenselemente der Kirche, Zeichen ihres Lebens, sie dienen der Besserung kirchlicher Verhältnisse (vgl. Paulus – Petrus: Gal 2,11).

Die unbequemen Kritiker haben in der Kirche durchaus ihren Platz und eine wichtige Funktion, sie zu hören ist nicht nur Klugheit, sondern Pflicht.

Wer in echter Sorge um die Kirche im Glauben an Christus und in Liebe zu ihm bestimmte Dinge bessern will, verdient ebenfalls höchstes Lob.

HINWEIS: Das Buch „Glaube als christliche Existenz“ von Dr. Philipp Küble umfaßt 272 Seiten und kann zum Sonderpreis von 7,50 Euro bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de / Tel. 0251-616768


Trauer um meine Schwester Annemarie: R.I.P.

Von Felizitas KübleScannen0003

Vor zwei Tagen, am Freitag, den 12. Februar 2016, ist meine jüngere Schwester Annemarie Kesenheimer (siehe Fotos) im Alter von nur 51 Jahren in der Mittagszeit verstorben; ihr Ehemann Rolf war bei ihr – und auch meine Schwester Agnes Reichle war zu Besuch bei „Anni“, wie wir sie gerne nannten.

Annemarie hat ihre letzten Lebensmonate in einem freundlichen Hospiz mit dem passenden Namen „am Engelberg“ in Wangen (Allgäu) verbracht, wo sie sehr aufmerksam und fürsorglich behandelt wurde, sowohl von Ärzten (besonders von Frau Dr. Kneer) wie auch von Krankenschwestern und ehrenamtlichen Helfern.

Zudem sind Angehörige, Verwandte und Freunde oftmals zu Anni in die Klinik gekommen. Auch ich fuhr mehrmals von Münster nach Oberschwaben in heimatliche Gefilde, um meine geliebte Schwester zu besuchen, zuletzt am Samstag vor ihrem Tod, worüber sie sich sehr gefreut hat  –  auch wenn ich sie z.B. mit Weihwasser und dem Kreuzzeichen zum Abschied segnete.Scannen0005 - Kopie

FOTO: Anni mit ihrer um 1 Jahr älteren Schwester Agnes (rechts) auf der Obstwiese unserer Familie

Annemarie war seit über einem Jahr an Krebs erkrankt – und sie hat zahlreiche Operationen, zudem sehr schmerzhafte Behandlungen, Bestrahlungen sowie eine Chemotherapie über sich ergehen lassen in der Hoffnung auf Heilung, die sich aber leider nicht erfüllte.

Annemarie hinterläßt ihren liebevollen Ehemann Rolf und zwei Töchter (Sandra und Julia) sowie ihre kleine Enkelin Amilia.

Meine Schwester war sehr heimat- und naturverbunden und seit jeher eine große Wanderfreundin; ähnlich wie ihr Vater, ihre Brüder Klaus und Rudi  – und vor allem ihr Ehemann Rolf; sie war jahrzehntelang im Schwäbischen Albverein aktiv, einem starken Verband mit über 100.000 Mitgliedern, wobei Rolf Kesenheimer zum Gesamtvorstand und Hauptausschuß in Stuttgart gehört. Scannen0008 - Kopie

Zugleich ist Rolf der Nachfolger von Annis Vater Anton Küble in seinem Amt als Vertrauensmann (Vorsitzender) des Schwäbischen Albvereins Bergatreute.

BILD: Familienwanderung im heimatlichen Altdorfer Wald

In den Familien Küble und Kesenheimer wurde und wird gerne und regelmäßig gewandert, wie dieses Foto illustriert: es zeigt Annemaries Vater (Mitte) im Gespräch mit Rolf (links), ihrem Bruder Klaus (rechts), seiner Frau Claudia und Kindern.

Neben dem Wandern tanzte meine Schwester sehr gerne: in jungen Jahren war sie in einer flotten Mädchen-Tanzgruppe namens „Casambres“ aktiv, später in einer schwäbischen Volkstanzgruppe, geleitet von ihrem Bruder Klaus Küble.Scannen0004

Auch in der katholischen Pfarrgemeinde hat sie sich jahrzehntelang mit Herzblut eingesetzt, teils in Schülergruppen, teils in der Firmvorbereitung der Jugendlichen.

BILD: Annemarie bei einer Tanzvorführung in den 80er Jahren: vorne links das erste Mädchen

Annemarie schätzte und bewunderte besonders den im Jahre 2000 verstorbenen Erzbischof Johannes Dyba, weshalb sie unseren Aufruf für seine Seligsprechung unterschrieb.

1979 war Anni  – damals erst 15 Jahre alt  – mit mir auf dem Katholikentag in Freiburg, was in jeder Hinsicht ein Glück für mich war, da sie über einen außergewöhnlich guten Orientierungssinn verfügte; andernfalls hätte ich mich in der Großstadt ständig in den Straßen verirrt – und so konnte ich bequem hinter meiner jüngeren Schwester hertraben.

Ich war damals 18  –  und schon kurz danach begann mein journalistischer Einstieg beim KOMM-MIT-Verlag in Münster.

Anfang der 80er Jahre war auch meine Schwester bei uns im KOMM-MIT-Verlag und Christoferuswerk  – das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  als Praktikantin beschäftigt, wobei sie sehr eifrig, zuverlässig und einsatzfreudig mitarbeitete; später hat sie uns auch gemeinsam mit ihrem Mann in Münster besucht.  Scannen0006

Zugleich fuhr unser Verlagsgründer Günter Stiff (verstorben im September 2002) mehrfach mit mir von Münster nach Süden, wobei er auch meine Eltern auf ihrem Bauernhof besuchte.

FOTO: Anne neben Vater und Mutter vor unserem Elternhaus: auf dem Schoß meiner Mutter sitzt Annemaries Tochter Sandra  –  und Anni selbst hat sich unseren Günter (den sie von ihrem Praktikum her noch gut kannte) als Sitzplatz ausgesucht.

Anni war gleichsam eine echte „Tochter Oberschwabens“; sie hatte Spaß am fröhlichen Treiben, an Geselligkeit, Feste feiern und kreativer Betätigung. Zugleich war sie tiefsinnig, nachdenklich, sehr fürsorglich und bodenständig-gläubig und interessiert an Grundsatzfragen und aktuellen Themen.

Als ich sie eine Woche vor ihrem Tod im Krankenhaus besuchte, meinte sie gleich eingangs etwas traurig: „Ooh, jetzt kann ich nichtmal bei der Fasnet dabeisein.“ (So nennt man den Karneval bzw. Fasching im schwäbischen „Oberland“.)

Meine Schwester war sehr froh, ermutigt und getröstet, als sie von mir erfuhr, daß hier in Münster, aber auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz so viele Fr eunde unseres Christoferuswerks regelmäßig für sie beten  –  und zudem zahlreiche Geistliche für sie in der heiligen Messe ein Memento (Gedenken, Fürbitte) einlegten und ihr den priesterlichen Segen übermittelten.Scannen0005

Dieses FOTO zeigt meine Schwester auf ihrem heimatlichen Bauernhof in Witschwende bei Bergatreute, wo sie häufig unsere Eltern Anton und Theresia bzw. Resi besuchte (der Vater verstarb bereits im Jahre 2001).

Annemaries Heimat Bergatreute ist ein jahrhundertealter Marienwallfahrtsort in malerischer Landschaft mit prächtiger Zwiebelturm-Kirche. Die landwirtschaftlich und handwerklich geprägte Dorfgemeinde im Landkreis Ravensburg gehört zur oberschwäbischen Barockstraße sowie zum bekannten Jakobsweg. 

Alois Küble, der Großvater der Verstorbenen, war nach dem 2. Weltkrieg jahrzehntelang Bürgermeister von Bergatreute. Er wurde von der französischen Besatzungsmacht ins Amt gesetzt, weil er sich öffentlich eindeutig gegen die Nazi-Diktatur gestellt hatte. Später wurde er mehrfach durch Wahlen in seinem Bürgermeisteramt bestätigt.

Anton Küble, Annemaries Vater, kam bereits mit 16 Jahren ins Gefängnis nach Ulm, weil er sich geweigert hatte, „freiwillig“ in die Waffen-SS zu gehen. Annemaries Großonkel, Pater Dr. Philipp Küble SJ, war ein begnadeter Pädagoge und Schriftsteller, der das bekannte Jesuitenkolleg in Feldkirch (Österreich) leitete; wegen seiner kernkatholischen und bekenntnistapferen Haltung erhielt er zeitweise Predigtverbot durch die Nazis und durfte im Marienwallfahrtsort Bergatreute nicht mehr zelebrieren. Scannen0009 - Kopie

Dieses BILD illustriert den besinnlichen, die Stille suchenden Charakter meiner Schwester; es entstand bei der gemütlichen Rast während einer Bergwanderung mit dem Schwäbischen Albverein Bergatreute. Die schöne Tour in die Alpen erlebte ich gemeinsam mit Anne (links) und meiner Freundin Susanne Brändle (rechts).

Meine Schwester war immer sehr familienverbunden und kinderlieb. Oft hatte sie Kinder aus den Nachbarsfamilien mit am Eßtisch oder spielend im Garten  – gemeinsam mit ihren eigenen beiden Töchtern.

Das letzte FOTO zeigt ihre Tochter Julia und Enkeltochter Amilia, an der Anni ihre große Freude hatte.   Scannen0010

Auch als Christen sind wir von tiefer Trauer erfüllt, wenn Angehörige oder enge Freunde uns irdisch verlassen – doch wir leben in der Zuversicht, daß der liebende Gott unsere Tränen einst trocknen wird: Wir wissen, daß unser Todestag zugleich der Geburtstag für die Ewigkeit ist.

So bleiben wir unseren Verstorbenen in Liebe und Gebet verbunden, denn sie leben für immer und ewig: R.I.P.  (Requiescat in pace – Ruhe in Frieden).

HERR, schenke ihr die ewige Freude
und das ewige Licht leuchte ihr.
HERR, laß sie ruhen in Frieden. Amen.