„Wasser des Lebens“ von Dr. Wolfgang Rothe jetzt in dritter, aktualisierter Neuauflage

Anfang 2016 veröffentlichte der auch als „Whisky-Vikar“ bekannte Münchener Priester Dr. Dr. Wolfgang F. Rothe im EOS-Verlag der Benediktinerabtei Sankt Ottilien sein erstes Buch über die „Spiritualität des Whiskys“.

„Wasser des Lebens“, so der Titel des Buches, erlebte eine Nachfrage, die sogar Verlag und Autor völlig überraschte. Bereits nach kurzer Zeit war die Erstauflage vergriffen.

Mittlerweile hat sich „Wasser des Lebens“ vom Bestseller zum Longseller entwickelt. Die im November 2016 erschienene Zweitauflage ist inzwischen ebenfalls komplett ausverkauft.Um der anhaltenden Nachfrage gerecht werden zu können, hat sich der Verlag entschlossen, noch vor dem diesjährigen Weihnachtsfest eine dritte, aktualisierte Auflage in Druck zu geben. Insofern dürfte es zu keinen Lieferengpässe kommen.

Das Buch „vermittelt handfestes Grundwissen über Whisky, begleitet von interessanten Denkanstößen für bewusst erlebte Whiskymomente“ (The Highland Herold). Mit mehr als 50 Farbbildern ist es „ein Buch zum Verschenken und sich selber Schenken, bei dem der Genuss – auch ohne einen Tropfen Alkohol – bereits beim Lesen beginnt“ (Bistumszeitung „Kirche + Leben“).

Zum Autor: Wolfgang F. Rothe wurde 1967 geboren. Er ist katholischer Priester sowie Doktor der Theologie und des Kirchenrechts. Als Experte für schottischen Whisky ist er auch unter dem Beinamen „Whisky-Vikar“ bekannt.

Quelle: https://whiskyexperts.net/pr-wasser-des-lebens-von-wolfgang-f-rothe-jetzt-in-3-aktualisierter-neuauflage/?theme=app-theme

Buch-Daten: Wolfgang F. Rothe, Wasser des Lebens – Einführung in die Spiritualität des Whiskys
EOS-Verlag, Sankt Ottilien, 19,95 EUR, ISBN 978-3-8306-7766-6


BUCH-Tip zum Naturrecht: „Ins Herz geschrieben“ von Prof. Wolfgang Waldstein

Rezension von Dr. Dr. Wolfgang F. Rothe

Buch-Daten: Waldstein, Wolfgang: Ins Herz geschrieben / Das Naturrecht als Fundament einer menschlichen Gesellschaft, Augsburg (Sankt- Ulrich-Verlag) 2010, 173 Seiten; 19,90 €  –    ISBN 978-3-86744-137-7.

„Wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist“, so zeigen sie damit, „dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist“, erklärt der heilige Apostel Paulus (Röm 2, 14-15). afc127c26a

Tatsächlich gab es zu allen Zeiten und in allen Kulturen „Heiden“, die bestimmte „christliche“ Gebote  –  etwa das Gebot, nicht zu töten bzw. das daraus resultierende Recht auf Leben  –  nicht nur fraglos befolgt, sondern auch als ebenso zeitlos wie universal gültige Normen erkannt und eingefordert haben.

Selbst religiös indifferente Organisationen und Institutionen wie die Vereinten Nationen oder die Europäische Union gründen auf der Überzeugung, dass es Rechte gibt, die jedem einzelnen Menschen als solchem zu eigen sind, und dass die daraus resultierenden Normen im Umkehrschluss von jedem einzelnen Menschen als unveräußerlich erkannt werden können und befolgt werden müssen.

Doch wo liegen Ursache und Ursprung dieser so genannten Menschenrechte? Sind sie vielleicht das Produkt einer wie auch immer gearteten Evolution, eines utilitaristisch motivierten gesellschaftlichen Konsenses oder einer demokratischen Mehrheitsentscheidung?

Das Naturrecht beansprucht universale Gültigkeit

Wenn dem so wäre, könnten sie weder universale noch zeitlose Gültigkeit beanspruchen und folglich auch nicht als unveräußerlich deklariert und eingefordert werden. Gerade in einer Zeit, in der die Menschenrechte mehr denn je gefährdet sind  –  man denke etwa an ihre Infragestellung durch kommunistische oder radikal islamische Regime wie in China oder im Iran  –  ist es unerlässlich, daran zu erinnern, dass ihr Ursprung nirgends anders denn in der Natur des Menschen selbst begründet ist. Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Darum können die Existenz und Geltung von Menschenrechten nur dann und insoweit begründet und eingefordert werden, als ihre naturrechtliche Grundlage anerkannt wird: Ohne Naturrecht keine Menschenrechte!

FOTO: Dr. W. Rothe überreicht sein Buch „Liturgische Versöhnung“ an Papst Benedikt

„Nur wenn diese Grundlagen wieder mehr anerkannt und tatsächlich beachtet werden, kann es einen wirksamen Schutz der Menschenrechte geben“ (S. 65), betont Wolfgang Waldstein in seiner jüngsten Monographie, die „eine kompakte Einführung“ in die naturrechtliche Thematik bietet und trotz ihres uneingeschränkt wissenschaftlichen Anspruchs „für ein breites Publikum“ (so der Text im Buchrücken) geeignet ist.

Kompendium der Rechtsphilosophie

Das Buch bildet gleichsam ein Kompendium der zahlreichen einschlägigen Publikationen des Verfassers, der zunächst an der Universität Innsbruck, dann von 1965 bis 1992 an der Universität Salzburg und schließlich bis 1998 an der zivilrechtlichen Fakultät der Päpstlichen Lateranuniversität doziert und sich auf vielfache Weise  –  nicht zuletzt auch als Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben  –  um die Begründung und Wahrung der Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, verdient gemacht hat.

Das Buch gliedert sich in zehn aufeinander aufbauende und zugleich in sich abgeschlossene Kapitel, deren erstaunliche Themenvielfalt und -breite deutlich macht, dass es in der Auseinandersetzung um das Naturrecht nicht um irgendeine juristische bzw. rechtsphilosophische Spitzfindigkeit geht, sondern um nicht weniger als um „die europäische Rechtskultur“ als solche, die ohne die „Wirklichkeit des Naturrechts nicht zu verstehen“ (S. 7) ist.

Dabei hat sich der Verfasser  –  wie er in dem als „Einleitung“ (S. 7-14) konzipierten ersten Kapitel erklärt  –  zum Ziel gesetzt, zunächst „die wichtigsten Argumente gegen das Naturrecht [zu] überprüfen“ (S. 8), sodann „die Grundlagen und die Wirklichkeit des Naturrechts in der historischen Rechtsentwicklung“ aufzuzeigen und schließlich „auf einzelne Menschenrechte ein[zu]gehen, deren wichtigstes das zum Leben ist“ (ebd.).

 „Ungeachtet der naturrechtlichen Wirklichkeit in der historischen Entwicklung haben sich, beginnend mit der Reformation seit dem 16. Jahrhundert über die Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts Theorien entwickelt, mit denen die Existenz eines Naturrechts bestritten wurde.“ (S. 8)

„Gibt es ein Naturrecht?“

In Anbetracht dessen stellt sich der Verfasser im zweiten Kapitel der grundsätzlichen Frage: „Gibt es ein Naturrecht?“ (S. 15-30)  – Die gewichtigsten Einwände gegen eine zustimmende Beantwortung dieser Frage beruhen auf „der Behauptung, Naturrecht könne nur durch einen ‚naturalistischen Fehlschluss’ aus der Natur abgeleitet werden“  –  mit anderen Worten: „aus der Natur als etwas Seiendem könne kein Sollen abgeleitet werden“ (S. 15).

Zwar sei es tatsächlich „eine logische Selbstverständlichkeit, dass man von der physischen Natur nicht auf die Existenz geistiger Gegebenheiten schließen kann“, doch könne aus der physischen Natur „aber auch nicht umgekehrt auf die Nichtexistenz geistiger Gegebenheiten, wie etwa der Gesetze der Logik“ (ebd.) geschlossen werden, hält der Verfasser dem entgegen.

„Nach der Darstellung einiger der wichtigsten Argumente gegen das Naturrecht“ und deren Widerlegung zeigt der Verfasser in den daran anschließenden Kapiteln auf, „welche Wirklichkeit des Naturrechts die Quellen seit der Antike bezeugen“(S. 30), wobei er im kurzen, aber gehaltvollen dritten Kapitel zunächst „Das Naturrecht in Zeugnissen der Antike“  (S. 31-37) vorstellt.

Im Zuge dessen macht er deutlich, dass zu den wesentlichen Grundzügen bereits des vorchristlichen Menschenbildes die Erkenntnis gehört, „dass der Mensch in seinem Handeln an objektive Normen gebunden ist, die für ihn erkennbar sind, und dass der Sinn seines Lebens sich nicht in diesem Leben erschöpft“ (S. 31).

„Römisches Recht und europäische Rechtsentwicklung“ (S. 38-65) ist das umfangreiche vierte Kapitel überschrieben, in dem sich der Verfasser einmal mehr als ausgewiesener Kenner der im Römischen Recht wurzelnden europäischen Rechtstradition erweist.

So ist es ihm ein besonderes Anliegen aufzuzeigen, wie die Erkenntnis und Anwendung des Naturrechts durch die römischen Juristen eine ungebrochene, bis in die Gegenwart hinein reichende Rechtstradition begründet hat:

„Römisches Recht“ auf  naturrechtlicher Basis

„Die römischen Juristen haben das Naturrecht als eine dem Menschen vorgegebene und für diesen mittels seiner Vernunft erkennbare normative Ordnung mit Selbstverständlichkeit als verbindlich erkannt und in konkreten Entscheidungen angewandt. […] Das Ergebnis dieser Arbeit wurde im Jahre 533 n. Chr. vom oströmischen Kaiser Justinian […] in dem als Digesten bezeichneten Werk als eines seiner Gesetzbücher veröffentlicht.

Die Wiederentdeckung dieses Werkes im Mittelalter und dessen Studium an der ursprünglichen Schule der artes in Bologna ließ zunächst aus dieser Schule die erste Universität Europas entstehen. Sie hat dann die gesamte weitere Entwicklung der europäischen Rechtskultur geprägt. Im 18. und 19. Jahrhundert sind auf dieser Grundlage die ‚Naturrechtsgesetzbücher’ entstanden, das preußische Allgemeine Landrecht von 1794 (AL), der französische Code civil von 1804 und das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch von 1811 (ABGB).“ (S. 53)

Vor allem aber gilt es daran zu erinnern, dass das Naturrecht „auch die Grundlage der modernen Menschenrechte“ (S. 62) bildet.

In den nun folgenden Kapiteln thematisiert der Verfasser einige der wichtigsten Naturrechte im Einzelnen, so vor allem im fünften Kapitel „Das Menschenrecht zum Leben“ (S. 66-104), das er zu Recht als „das grundlegendste aller Menschenrechte“ ( S. 77) bezeichnet.

Insofern dieses Recht durch eine weitgehende Legalisierung von Abtreibung und (so genannter) Sterbehilfe „nicht mehr uneingeschränkt geachtet wird“, haben die betreffenden Staaten nach Meinung des Verfassers „die Grundlage ihrer Legitimität längst verloren“ (S. 104).

Während es im sechsten Kapitel um das „Naturrecht als Grundlage der Ehe“ (S. 105-115) geht, steht „Das Erziehungsrecht der Eltern“ (S. 116-121) im Mittelpunkt des siebten Kapitels; Ausführungen „Zur Bedeutung des Naturrechts für das Recht auf Eigentum“ (S. 122-130) schließen sich im achten Kapitel an, die im knappen neunten Kapitel im Hinblick auf die „Naturrechtliche[n] Grundlagen des Vertragsrechts“ (S. 131-133) fortgeführt und ergänzt werden.

Aus dem Naturrecht folgt Gerechtigkeit

Von bemerkenswerter Aktualität ist die Thematik des zehnten, überschriebenen Kapitels, in dem der Verfasser aufzeigt, dass es „nur auf der Grundlage des Naturrechts […] Gerechtigkeit geben“ kann: „Wenn seit jeher […] Gerechtigkeit darin gesehen wird, dass ‚jedem das Seine’ zuteil wird, so kann das, was ‚jedem das Seine’ ist, nur auf der Grundlage des Naturrechts erkannt werden.“

Einer besonderen Würdigung unterzieht der Verfasser in diesem Zusammenhang dem monumentalen Werk des österreichischen Sozialethikers Johannes Messner (+ 1984), das nach wie vor einer angemessenen wissenschaftlichen Erschließung zumal unter rechtswissenschaftlichem und kanonistischem Aspekt harrt.

Im „Ergebnis“ (S.157-160) titulierten Schlusskapitel schreibt der Verfasser unter Verweis auf die Präambel der europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten:

„Die Bildung des Rechtsbewusstseins ist […] eine der wichtigsten Aufgaben, um eine europäische Wertegemeinschaft auf der Grundlage des ‚gemeinsamen Erbes an geistigen Gütern’ wiederherstellen zu können. Anders kann eine menschenwürdige Zukunft der Menschheit nicht gesichert werden“

Mit seinen ebenso kompakten wie informativen Ausführungen über das Naturrecht als dem einem jeden Menschen ins Herz geschriebene Gesetz ist es dem Verfasser gelungen, einen beeindruckenden Beitrag zur Bewältigung dieser ebenso drängenden wie gewaltigen Aufgabe zu leisten.

Unser Autor Dr. Dr. Wolfgang Rothe ist katholischer Priester, Pfarrvikar in München und promovierter Kirchenrechtler

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in „Theologisches“ (3-4/2010)


Buch-TIP: Fünf Gründe, warum die Inquisition ein echter Fortschritt war

Rezension von Dr. Dr. Wolfgang Rothe

Buch-Daten: Zander, Hans Conrad: Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition, Gütersloher Verlagshaus 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-579-06952-4, Preis 14,95 €.

Einmal angenommen, ein katholischer Theologe oder Bischof würde sich erdreisten, allen Ernstes öffentlich die Meinung zu vertreten, die Inquisition sei fortschrittlich und effizient gewesen, hätte Recht gehabt und sei mit gutem Grund heilig zu nennen  –  die Folgen wären wohl ähnlich denen der von Papst Benedikt XVI. in Regensburg zitierten Aussagen eines byzantinischen Kaisers über den Islam oder der Thesen der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann zu Ehe und Familie.  Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Heutzutage scheint es  –  auch und gerade in der Kirche  –  einzig dem Satiriker (noch?) erlaubt zu sein, an Tatsachen zu erinnern und Meinungen zu äußern, die nicht der zeitgeistbestimmten political correctness entsprechen.

FOTO: Dr. W. Rothe überreicht sein Buch „Liturgische Versöhnung“ an Papst Benedikt

Hans Conrad Zander, ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Journalist, der in jungen Jahren vom Calvinismus zum Katholizismus konvertiert ist, hat genau diesen Weg beschritten und sich an ein Thema herangewagt, das ansonsten in Theologie und Kirche allenfalls noch im Rahmen wortreicher Entschuldigungen für die Sünden der Vergangenheit zur Sprache kommt.

Im Rückgriff auf Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“ lässt der Verfasser einen fiktiven Großinquisitor auftreten, der einem ebenso fiktiven Publikum in fünf großen Reden darlegt, warum die Heilige Inquisition erstens „jung und fortschrittlich“ (S. 6 – 42), zweitens „frauenfreundlich“ (43 – 72), drittens „effizient“ (73 – 116), viertens im Recht (117 – 153) und fünftens – wie ihr Name schon sagt – „heilig“ (154 – 192) gewesen ist.

Er tut dies ebenso selbstkritisch wie  – „Fassungslosigkeit im Publikum“ (67)  –  selbstbewusst.

„Inquisition heißt Wahrheitsfindung“

Allein schon der Name „Inquisition“ (lateinisch „inquisitio“), so der Großinquisitor in seiner ersten Rede, sei ein geradezu „revolutionäres Programm“ gewesen; meist werde er „mit ‚Nachforschung’ übersetzt. Doch es gibt einen modernen deutschen Rechtsbegriff, der ihm besser entspricht“, lässt der Großinquisitor nicht nur den Juristen aufhorchen: „Inquisition heißt ‚Wahrheitsfindung’“ (20)!

Im Gegensatz zu den hysterischen Ketzerpogromen und der korrupten bischöflichen Gerichtsbarkeit entstand mit der 1231 von Papst Gregor IX. ins Leben gerufenen Inquisition „zum ersten Mal in der europäischen Geschichte eine Justiz“, die „unabhängig wirken konnte. So hat das Gesetz über die Willkür triumphiert, die Unbestechlichkeit über die Korruption, der Fortschritt über die Vergangenheit“ (42).

Inquisition contra Hexenwahn

Frauenfreundlich war die Inquisition  –  wie der Großinquisitor in seiner zweiten Rede darlegt  –  insbesondere deshalb, weil sie dem mittelalterlichen Hexenwahn zumindest eine zeitlang Einhalt gebieten konnte. Gemäß dem Decretum Gratiani etwa, der bedeutendsten kirchlichen Rechtssammlung jener Zeit, waren schließlich nicht die vermeintlichen Hexen zu verurteilen, sondern deren offenkundig dem Aberglauben verfallene Verfolger!

Leider sei ein mangels echter Ketzer „arbeitsloser Strassburger Inquisitor“ (56) namens Heinrich Kramer irgendwann auf die verhängnisvolle Idee verfallen, unter dem kampagnentauglichen Titel „Hexenhammer“ ein Handbuch der Hexenkunde- und Hexenverfolgung herauszugeben. An den bekannten Folgen dieses Meisterwerks der Demagogie gibt es auch nach Auffassung des sichtlich zerknirschten Großinquisitors nichts zu beschönigen.

Nicht einmal die „ökumenische Harmonie“ (68) in der Hexenverfolgung vermag ihm Trost zu spenden, denn schließlich haben „dieselben Protestanten, welche die Spanische Inquisition verteufeln, als wäre sie eine Ausgeburt der Hölle, […] sich bei der Hexenverfolgung so genau an das Handbuch des Strassburger Inquisitors“ gehalten, „als wär’s – ich sag’s jetzt mal evangelisch – das reine Evangelium“ (68).

Der Inquisition Effizienz bescheinigen zu wollen, das klingt nach menschenverachtendem Zynismus. „Schaudern im Publikum“ (74), als sich der Großinquisitor in seiner dritten Rede just diesem Thema zuwendet. Was er mit Effizienz meint, illustriert er an einem einfachen Beispiel:

„Bedenkt doch, dass der Vatikan noch unter den Pius-Päpsten […] mit knapp 300 Beamten die gesamte Weltkirche fest im Griff hatte. Danach sind es – durch die ‚Konzilsreformen’ – mehr als 3000 Beamte im Vatikan geworden. Und die haben die Weltkirche, weiß Gott, nicht mehr im Griff“ (77).

Anders die Inquisition: Jahrhunderte lang ist es ihr mit der wohl dosiertem Verbreitung von „shock and awe“ (80)  –  auf deutsch: Angst und Schrecken  – gelungen, Europa vor dem zu bewahren, was die beinahe logische Folge der so genannten Reformation war: ein immerhin Dreißigjähriger Krieg!

„Wie hoch immer ihr das reine Wort aus Wittenberg schätzt, war es einen Bürgerkrieg wert, in dem Deutschland in Trümmer sank und ein Drittel der Deutschen ums Leben kam“ (165)?

Galilei hinkte Kopernikus nach

„Das stärkste Argument meiner Gegner heisst Galileo Galilei“ (117), bekennt der Großinquisitor freimütig zu Beginn seiner vierten Rede, deren Quintessenz lautet: Die Inquisition hatte Recht  –  auch und gerade was Galilei betrifft!

Dabei hatte dieser nichts anderes gelehrt als vor ihm  –  immerhin 67 Jahre vor ihm  –  ein frommer Domherr aus Frauenburg in Preußen namens Nikolaus Kopernikus: Nicht die Erde ist der Mittelpunkt der Welt, sondern die Sonne. Der Unterschied zwischen beiden Gelehrten könnte, so der Großinquisitor, dennoch kaum größer sein:

Während Kopernikus seine Erkenntnis als wissenschaftliche Hypothese verstanden wissen wollte und überhaupt nur auf Drängen hin der Öffentlichkeit zur Kenntnis brachte, verhieß Galilei schon auf dem Titelblatt seiner einschlägigen Druckschrift  –  ganz im Stil der modernen Boulevardpresse  –  „magna, longeque admirabilia spectacula“ – „auf deutsch: ‚grosse Sensationen’“ (123).

Man mag darüber streiten, ob die Inquisition dem Glauben und der Kirche mit der Verurteilung Galileis einen Gefallen getan hat. Eines aber ist  –  zumindest aus heutiger Perspektive betrachtet  –  sicher: Von der Sache her hatte sie Recht! Zwar befindet sich die Erde tatsächlich nicht im Mittelpunkt der unendlichen Weiten des Weltraums  –  die Sonne aber auch nicht.

Dass sich die Inquisition zu Recht als heilig bezeichnet hat, illustriert der Großinquisitor am Beispiel eines seiner historischen Vorgänger: des hl. Papstes Pius V.

„Ich hoffe so zu regieren“, soll der vormalige Großinquisitor Michele Ghislieri nach seiner Wahl gesagt haben, „dass die Trauer bei meinem Tod grösser sein wird als bei meiner Erhebung“.

Vom hl. Pius V. zu Benedikt XVI.

Ähnliches wird sich wohl auch ein gewisser Kardinal Joseph Ratzinger gedacht haben, als sich am 19. April 2005 wider Erwarten mehr als zwei Drittel der Wählerstimmen im Konklave auf ihn vereinigten. Gleich Pius V. hatte auch er vor seiner Wahl zum Nachfolger Petri das wenig populäre Amt des Großinquisitors  –  auf neuvatikanisch: des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre  –  inne.

Gleich Pius V. scheut Benedikt XVI. nicht die Konfrontation mit dem Islam  –  man denke an Lepanto (1571) und Regensburg (2006). Gleich Pius V. schließlich sieht Benedikt XVI. eines seiner wichtigsten Anliegen darin, „den lateinischen Kult in seiner antiken Schönheit und Ursprünglichkeit wiederherzustellen“ (176).

Leider ging, wie der Großinquisitor bedauernd feststellt, bei der Liturgiereform Pius’ V. „auch vieles daneben. Allerdings lange nicht so viel wie bei der vielgepriesenen Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils“ (177). Mit seinem Motu Proprio „Summorum Pontificum“ hat sich Papst Benedikt – sehr zum Ärger der außerhalb wie innerhalb der Kirche agierenden Irrlehrer unserer Tage – darangemacht, den Schaden zu beheben. Allein dafür dürfte ihm, wie vor ihm Pius V., die Heiligsprechung gewiss sein.

Bedauerlicherweise zieht sich der Großinquisitor nach seiner fünften Rede „schweigend zurück“ (192)  –  bedauerlich deswegen, weil mit ihm endlich einmal jemand vieles von dem zur Sprache gebracht hat, was viel zu lange schon verschwiegen wurde.

Zu hoffen bleibt, dass sein Beispiel  –  die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie konzilskritisch, unökumenisch oder einfach nur katholisch klingt  – Schule macht.

Insofern kann die Lektüre der „Kurzgefasste[n] Verteidigung der Heiligen Inquisition“ Rechtgläubigen wie Ketzern, Traditionalisten wie Progressisten, Moralisten wie Modernisten nur dringend empfohlen werden:

Den jeweils Ersteren  –  ganz im Sinn der einst von der Heiligen Inquisition so meisterhaft inszenierten Autodafés  –  zur Erbauung, Letzteren zur Warnung vor dem Scheiterhaufen  –  dem jenseitigen, versteht sich. Beiden Gruppen vermag das geistreiche Büchlein zu lehren, was den nachkonziliaren Flügelkämpfen durchweg als Erstes zum Opfer gefallen ist: das zu Selbsterkenntnis und Selbstkritik erforderliche Quäntchen Humor.

Unser Autor Dr. Dr. Wolfgang Rothe ist katholischer Priester, Pfarrvikar in München und promovierter Kirchenrechtler

Erstveröffentlichung dieser Buchbesprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 11-12/2007)

Foto des Buchtitels aus Amazon