Die Schauspielerin und Schriftstellerin Inge Thürkauf: katholisch – kritisch – konsequent

Der folgende Beitrag von Felizitas Küble erschien in der aktuellen Ausgabe von THEOLOGISCHES:

Die langjährige Autorin der Zeitschrift „Theologisches“, Inge M. Thürkauf (geb. Hugenschmidt), vollendete am 21. Mai 2019 ihr 80. Lebensjahr.

Die gelernte Schauspielerin und Schriftstellerin entstammt einem evangelischen Elternhaus und wurde am 21. Mai 1939 geboren. Mit ihrem späteren Ehemann, dem Naturwissenschaftler Prof. Max Thürkauf  –   der am 21. Mai 1925 das Licht der Welt erblickte –  konnte sie stets gemeinsam den beiderseitigen Geburtstag feiern.

Nach ihrer Schauspielausbildung ist die junge Frau an verschiedenen Theatern in Deutschland und der Schweiz engagiert; zugleich wirkt sie an Fernsehfilmen mit. 1965 begegnet sie dem Chemiker und Philosophen Prof. Max Thürkauf und wird seine Frau. 

Das Ehepaar wendet sich zunächst der Anthroposophie zu, findet aber danach zur katholischen Kirche, worauf 1981 glaubensstark die gemeinsame Konversion erfolgt.

Seit dieser Zeit spielt Inge Thürkauf selbstverfasse Stücke besonders über christliche Heilige und Vorbilder (Einfrautheater), z.B. über die tapfere Dorothee von Flüe (Frau des Schweizer Nationalheiligen KIaus) oder die judenchristliche Märtyrerin Edith Stein.

Sie ist eine treue Weggefährtin ihres Mannes, auch als dessen Konflikt mit dem chemisch-physikalischen Institut zu seiner Entlassung führt und er danach als Fluglehrer arbeitet. Zugleich veröffentlicht Max Thürkauf zahlreiche Werke über naturwissenschaftliche und religiöse Themen aus einer theologisch konservativen Sichtweise. Seit seinem Tod am 2. Weihnachtstag 1993 ist Inge Thürkauf bemüht, die gehaltvollen Gedanken und das Werk Ihres Mannes durch Verbreitung seiner Bücher und Schriften weiterzutragen.

BILD: Auch über die judenchristliche Ordensfrau Edith Stein hat Frau Türkauf ein Theaterstück geschrieben und vielfach selbst gespielt

Sie engagiert sich zudem als freie Publizistin und Vortragsreisende zu grundlegenden und aktuellen Themen. So verfasst sie aufklärende Schriften über die „falschen Propheten von New Age“,über  Anthroposophie, Esoterik und die feministische Bewegung. Schon früh warnt sie gründlich und fundiert vor der „Gefahr des Genderismus“, widerlegt neomarxistische Thesen und multikulturelle Ideologien.

Vor allem befasst sich die vielseitige Autorin mit der weltweiten Christenverfolgung und der wachsenden islamischen Bedrohung der europäischen Nationalstaaten. Besonders ihr vielbeachteter Vortrag „Eurabia – eine Kolonie des Islam“ findet weite  Verbreitung in deutschsprachigen Ländern. Auch auf der traditionellen „Sommerakademie“ Anfang August 2018 referiert sie über die politischen Versäumnisse im Umgang mit den Anhängern der Religion Mohammeds.

Zugleich beschäftigt sich die konsequent katholische Schriftstellerin weiterhin mit religiösen und ethischen Themen, so etwa in ihrer Schrift „Die Frau, die Liebe und Humanae vitae“ (Christiana-Verlag 2010).

In ihrer Veröffentlichung „Vollendet in kurzer Zeit“ (Gustav-Siewerth-Akademie 2007) schreibt sie über den seliggesprochenen Märtyrer Marcell Callo, der im März 1945 als NS-Opfer im KZ starb. Mit ihrer Publikation „Der Priester als Mann Gottes im Widerstreit des Zeitgeistes“ (Christiana-Verlag 2010) will sie Sinn und Sendung des katholischen Priestertums verdeutlichen.

Frau Thürkauf ist zudem u. a. als Mitherausgeberin des „Athanasius-Boten“, durch Beiträge im Webmagazin CHRISTILCHES FORUM und in verschiedenen Printmedien  tätig; sie ist sodann Mitautorin in dem Gedenkband „Der Löwe von Fulda“ (KOMM-MIT-Verlag 2015) über Erzbischof Johannes Dyba, den sie als „glaubensstarken Oberhirten“ und „mutigen Mahner“ würdigt, dem das „Charisma des Bekennens“ zu eigen gewesen sei (siehe Buch-Titel rechts).

Dabei zitiert sie ein treffendes Wort ihres Mannes Max Thürkauf: „Die Wahrheit der Botschaft Christi ist zeitlos. Die Aufgabe der Theologen kann es nicht sein, das Christentum dem Zeitgeist anzupassen. Ist es doch gerade das Unzeitgemäße, welches das Christentum auszeichnet.“

 


GEBET von Edith Stein nach ihrer Taufe

Mein Herr und Gott,
Du hast mich einen langen,

dunklen Weg geführt, steinig und hart.
Oft wollten meine Kräfte mir versagen,
fast hofft’ ich nimmer, je das Licht zu seh’n.
Doch als im tiefsten Schmerz mein Herz erstarrte,
da ging ein klarer, milder Stern mir auf.

Er führte mich getreu – ich folgt’ ihm,
zagend erst, dann immer sich’rer.
So stand ich endlich an dem Tor der Kirche.
Es tat sich auf – ich bat um Einlass.

Aus Deines Priesters Mund
grüßt mich Dein Segenswort.

Im Inneren reiht sich Stern auf Stern.
Rote Blütensterne weisen mir den Weg zu Dir.
Sie harren Dein zur Heil’gen Nacht.
Doch Deine Güte lässt sie mir leuchten
auf dem Weg zu Dir.

Sie führen mich voran.

Das Geheimnis,
das ich im Herzen tief verbergen musste,

nun darf ich laut es künden:
Ich glaube – ich bekenne!
Der Priester geleitet mich
die Stufen zum Altar hinauf:

Ich neige die Stirn.
Das heil’ge Wasser fließt mir übers Haupt.

Ist’s möglich, HERR,
dass einer neu geboren wird,

der schon des Lebens Mitte überschritten?
Du hast’s gesagt  – und mir ward’s Wirklichkeit.
Eines langen Lebens Last an Schuld und Leiden
fiel von mir.

Aufrecht empfang’ ich
den weißen Mantel,

den sie mir um die Schultern legen,
der Reinheit lichtes Bild.
Ich trag’ in meiner Hand die Kerze.
Ihre Flamme kündet,
dass in mir Dein heil’ges Leben glüht.

Mein Herz ist nun zur Krippe worden,
die Deiner harrt.
Nicht lange!

Maria, Deine und auch meine Mutter
hat ihren Namen mir gegeben.
Um Mitternacht legt sie ihr neugebor’nes Kind
mir in das Herz.

O keines Menschen Herz
vermag’s zu fassen,

was denen Du bereitet, die Dich lieben.
Nun hab’ ich Dich und lass Dich nimmermehr.
Wo immer meines Lebens Straße geht,
bist Du bei mir,
Nichts kann von Deiner Liebe
je mich scheiden.

Gedicht von Edith Stein für ihre Schwester Rosa nach deren Taufe

 


Motto der hl. Edith Stein (1891 – 1942): Wie können wir an der Hand des HERRN leben?

Von Pfarrer Felix Evers

„Es ist im Grunde immer eine kleine, einfache Wahrheit, die ich zu sagen habe: Wie man es anfangen kann, an der Hand des HERRN zu leben.“ (Brief vom 28.4.1931)

Als Nesthäkchen einer großen jüdischen Familie in Breslau hatte Edith Stein eine behütete Kindheit. Nach ihrem Psychologiestudium wechselte sie an die Universität Göttingen – in einem steten Hunger nach der Wahrheit.

Die begeisterte Philosophiestudentin stieß bald an ihre Grenzen. Trotz ihrer hohen Begabung und ihres glänzenden Doktorexamens blieb ihr als Frau die berufliche Anerkennung verwehrt.

Als Edith Stein sich im Sommer 1921 nach der Lektüre der Autobiographie der heiligen Teresa von Ávila entschloss, um die Taufe in der katholischen Kirche zu bitten, wurde ihr Leben dadurch nicht leichter. Erst die judenfeindliche Gesetzgebung des Dritten Reichs, die ihr jede berufliche Tätigkeit verwehrte, öffnete ihr die Tür zum Kölner Karmel.

Aber wie litt Edith unter dem Schicksal ihres jüdischen Volkes, das auch bald das ihre werden sollte.

Edith Stein wird leider allzu oft ausschließlich als intellektuell beschrieben. In ihren Briefen hingegen begegnet uns die Mystagogin – die Frau, die uns lehrt, wie man es anfangen kann, an der Hand des HERRN zu leben und im Herzen nicht mehr „solo“, sondern „wie zu zweit“ mit Gott zu sein. Denn der wohl häufigste Grund, den Glauben an Gott zu verlieren, ist die Frage nach Gott und dem Leid: „Warum, Gott, müssen wir leiden, wenn du uns doch so sehr liebst?“

Hierauf gibt Edith Stein die einzig richtige Antwort: Sie stellt Gott nicht wegen ihres Leids und Schicksals infrage, sondern stellt Gott die Leidfrage – und Gott beantwortet sie mit seinem Mitleiden in Christus.

Edith Stein vertraut auf einen „sympathischen“, also „mitleidenden“ Gott  –  und dieser Gott kommt selbst in Jesus von Nazareth, um uns zu trösten.

In der Tradition Paul Gerhardts kann deshalb auch ein Dietrich Bonhoeffer dichten: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag; Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Am 28. April 1931 schreibt Edith an Schwester Adelgundis Jägerschmid: „Gott weiß, was er mit mir vorhat. Ich brauche mich darum nicht zu sorgen.“

Eine heilige Gelassenheit spricht aus diesen Worten, eine Gelassenheit, die offen bleibt für das Wirken des HERRN, an dessen Hand wir unterwegs sind.

Das lerne ich bis heute von Edith Stein: Die kleine und einfache Wahrheit, immer wieder neu – in Freud und Leid – die Hand Jesu zu ergreifen, der unsichtbar als Auferstandener meine Lebenswege treu begleitet.

 

 


Ranis: Fastennachmittag mit Dr. Boroda würdigt sechs christliche Märtyrer der NS-Zeit

Jüdischer Autor über „Leidenswege in einem gottlosen System“

Beeindruckende Zeugnisse von Menschen, die für ihren Glauben ein Martyrium auf sich nahmen, legte Dr. Moisei Boroda am zweiten Fastensonntag in der katholischen St.-Elisabeth-Kirche in Ranis (Thüringen) vor.

Der Musikwissenschaftler und Autor zeichnete die Lebenswege von sechs christlichen Märtyrern des 20. Jahrhunderts nach, die „dem gottlosen System der Nationalsozialisten zum Opfer fielen“.

Da­bei verwob der 1947 in Georgien als Kind jüdischer Eltern geborene Künstler die Biographien mit Briefen, Zitaten und emotionalen Szenen zu einem Gesamtkunstwerk, ergänzt von der Musik der Schola der katholischen Gemeinde.

BILD: Mit den zwei Bänden des „Deutschen Martyrologiums“ bedankte sich Johannes Heibel (rechts) vom Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Ranis bei Dr. Moisei Boroda in der St.-Elisabeth-Kirche.

Alle Märtyrer vereint die Bereitschaft, für ihren Glauben den Tod auf sich zu nehmen. Wie sich bei einzelnen Theologen des vergangenen Jahrhunderts diese Erkenntnis geradezu herausbildete, stellte Dr. Moisei Boroda eindrücklich vor.

Seine Texte – von den Lektoren der Raniser katholischen Gemeinde gelesen – ließen die Gäste aus Ranis, Pößneck, Neustadt/Orla, Auma, Weida und Saal­feld an den letzten Stationen des Lebens von Karl Leisner, Alois Andritzki, Edith Stein, Alfons Maria Waxmann, Franz Reinisch und Dietrich Bonhoeffer teilhaben.

Während Edith Stein, laut Boroda „eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des christlich-jüdischen Glaubens“, und der evange­lische Theologe Dietrich Bonhoeffer sicherlich den meisten Gästen vertraut waren, erschloss der Wissenschaftler mit den anderen vier Priestern Neuland. Alle kamen während des Zweiten Welt­krieges, zumeist in Konzentrationslagern oder in Gefängnissen, oder kurz danach ums Leben.

Drei von ihnen sind seliggesprochen (Leisner, Andritzki, Stein), für einen hat der Prozess dazu be­gonnen (Reinisch), Edith Stein wurde außerdem 1989 heiliggesprochen. Damit wird sie als Heilige in der katholischen Kirche besonders verehrt.

Johannes Heibel von der Raniser Gemeinde, der Dr. Moisei Boroda eingeladen hatte, sagte zur Begrüßung: „Uns erscheint es heute fremd, dass Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt und hingerichtet wurden.“ – In vielen Ländern der Welt sei dies jedoch auch heute noch zu beobachten.

Gleichzeitig schlug er den Bogen vom Pallotinerpater Franz Reinisch – einem der vorgestellten Märtyrer – zur Region: Zwei aus der weltweiten Gemeinschaft waren viele Jahrzehnte auch hier als Priester tätig, Pater Ewald Rieg in Ranis und Pater Remigius Unmüßig in Ziegenrück.

Als „sehr ansprechend und sehr prägnant“ würdigte Pfarrer Werner Ciopcia aus Neustadt/Orla im Gespräch mit dieser Zeitung den Fastennachmittag in Ranis. Ihn habe vor allem das Zusam­menspiel der Lebens- und Leidenswege der sechs Märtyrer sehr angesprochen.

„Das 20. Jahrhundert hat uns gezeigt, in welchen Abgrund der Staat kommen kann, wenn er und seine Anführer sich von Gott lossagen“, gab Dr. Moisei Boroda den Gästen am Ende der Veranstaltung mit auf den Weg.

Wenn Edith Stein gesagt habe, dass kein Weg am Kreuz vorbeiführe, so erweitere er diese Aussage zu: „Kein Weg führt an Gott vorbei“, so der Schriftsteller, Komponist und Musikwissenschaftler.

Autor dieses Artikels und Fotograf des ersten Bildes ist Stephan Breidt aus Ranis, dem wir für die Abdruckgenehmigung herzlich danken.

Gemälde: Evita Gründler

 


Juden finden zum Glauben an Jesus Christus

 

Quelle: https://gloria.tv/photo/dA66CkqrtmgF4veZ3NTNzQ1WD


Prälat Helmut Moll sprach in Telgte über katholische Märtyrer aus der NS-Zeit

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Helmut Moll ist Beauftragter und Herausgeber der Deutschen Bischofskonferenz für das zweibändige Werk „Zeugen für Christus“, ein deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Es versteht sich als Teil eines Gesamtprojekts der Märtyerergeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Der Prälat aus Köln leitet seit 1998 die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln.

Am Samstag, dem 30. September, sprach der Geistliche (siehe Foto) im westfälischen Wallfahrtsort Telgte auf Einladung des in Sendenhorst ansässigen Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster zum Thema „Zeugen für Christus“. Es ging um Märtyrer, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod auf sich nahmen.

Professor Moll konzentrierte sich in seinem aufschlußreichen Vortrag in Wort und Bild besonders auf die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der NS-Zeit. Anschaulich und bewegend schilderte er ihre Liebe zu Christus und ihre authentische marianische Spiritualität als Vorbild für unsere Gegenwart.

Zugleich erwähnte er, wie sein eigener Glaube durch die intensive Beschäftigung mit diesen Märtyrer gefestigt und vertieft wurde.

Der Referent würdigte über ein Dutzend todesmutige Priester, Ordensleute und Laien, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Blutzeugen für Christus, für Gottes Gebote und die Nächstenliebe.  

Als weiterer Gast sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger (siehe Foto) aus Billerbeck über den seliggesprochenen Karl Leisner aus dem Niederrhein. Der Referent war langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er ist Mitautor der Biographie „Coesfelds Fels in der braunen Flut“ über den im KZ Dachau an den Folgen unmenschlicher Misshandlung verstorbenen Dechanten Josef Lodde aus Coesfeld.

Auch der stark von der katholischen Jugendbewegung beseelte Karl Leisner wurde von NS-Scherzen ins KZ Dachau eingeliefert, wo er durch einen französischen Bischof heimlich zum Priester geweiht wurde.

Pfarrer Seeger erläuterte, wie persönlichkeitsprägend die damals weit verbreitete Christkönigs-Frömmigkeit und eine tiefe Marienliebe für diesen Märtyrer war. Zugleich holte sich Leisner Impulse für seine Charakterbildung und Selbsterziehung durch die religionspädagogisch gut bewanderte Schönstattbewegung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnke (siehe Foto) in ergreifenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Dieser in Greven geborene und aufgewachsene Pfarrer war von einer tiefen Marienverehrung und seiner Hinwendung zur Botschaft von Fatima geprägt.

In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei der Madonna und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die Johannes-Offenbarung immer wieder Trost und geistliche Orientierung vermittelten. Er wurde wiederholt verhaftet und starb 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald. Die Nichte zeigte den Teilnehmern mit sichtlicher innerer Erschütterung das Primizbild ihres priesterlichen Verwandten.

BILD: Irmgard Behnke berichtet aus dem Leben ihres Onkels, des Priesters Alfons Mersmann

An Maria orientiert und mit dem Sühnegedanken von Fatima verbunden war zudem der bayerische Pfarrer Karl Borromäus Kramer. Ihm war es wichtig, dem Himmel Buße und Genugtuung zu leisten für die Gottlosigkeit und Verbrechen in jener mörderischen Zeit.

Dem Geistlichen lag besonders das Gebet Jesu im Garten Getsemane am Herzen: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ – Am 27. März 1945 verstarb der geradlinige Priester in Landsberg an den Folgen seiner Haft.

Prälat Moll berichtete, wie der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen durch seine Verbundenheit mit Maria zum katholischen Glauben zurückfand und in zahlreichen Büchern seine Suche und seinen Weg zur Kirche begründete.

Die bekannteste Blutzeugin, die der Geistliche vorstelle, war zweifellos die heiliggesprochene Judenchristin Edith Stein (siehe Bild im 1. Foto oben). Die gebildete Ordensfrau, die auch in Münster als Dozentin wirkte, wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa Stein 1942 im KZ Auschwitz ermordet. 

Auch Laien ließen sich durch eine tiefe Marienverehrung inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl, der durch eine Lourdesreise in seinem Glauben gefestigt wurde.

BILD: Prälat Moll spricht über das Schicksal von Charlotte Holubar, einer Blutzeugin aus der Schönstattbewegung

Mit der Schönstattbewegung verbunden und ebenfalls Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren auch die Pallottinerpatres Franz Reinisch  – er verweigerte den Eid auf Hitler – und Albert Eise, zudem mutige Frauen wie Charlotte Holubars; ihr Lebensmotto lautete „Durch Maria zu Jesus“. Die Schönstätterin wollte „marianische Frauenart“ verkörpern.

Prälat Moll erläuterte, dass es für wahrhaft Gläubige keine Emanzipation von Gottes Wort gebe, sondern die Hingabe an seinen Willen – gleichsam ein gelebtes „Fiat“. Diese Haltung des Gottvertrauens wird in der Schönstättbewegung mit dem plastischen Begriff von der „Blankovollmacht für Gott“ definiert.

Nicht zu vergessen Pater August Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich marianisch ausgerichtet.

BILD: Der Redner zeigt ein Foto von Pater August Benninghaus SJ aus Münster, Märtyrer der NS-Zeit

Nach den lehrreichen und zugleich spannenden Vorträgen folgte eine Aussprache mit zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher.

Dabei entstand eine lebhafte Debatte über Marienerscheinungen der jüngeren Zeit. Professor Moll erklärte, angebliche Privatoffenbarungen müssten mit der Heiligen Schrift, der katholischen Tradition, dem Lehramt bzw. Weltkatechismus und dem Gehorsam gegenüber der Kirche übereinstimmen. Dies sei jedoch häufig  nicht der Fall.

Er appellierte an die Teilnehmer, kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsstätten zu meiden, aber gerne zu den seit  langem bewährten Wallfahrtsorten zu pilgern.

Die inhaltliche Grundlage des faktenstarken Vortrags von Prälat Moll bildete sein Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

Als Ergänzung sehr empfehlenswert ist das eindrucksvolle und übersichtliche Neuerscheinung „Helden und Heilige in Dikaturen“ (siehe Abb.).

Das im Media-Maria-Verlag verlegte Buch des Historikers und FELS-Autors Dr. Eduard Werner stellt Bekenner und Märtyrer unter der nationalsozialistischen oder kommunistischen Herrschaft vor, die heroischen Glaubensmut bewiesen haben, darunter auch Judenretter und Befehlsverweigerer.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der kath. Monatszeitschrift DER FELS, Ausgabe v. Dezember 2017


Deutschland – eine verunsicherte Nation

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Der Flüchtlingsstrom 2015 hat den Zustand der Gesellschaft und der politischen Führung offengelegt. Er traf ein moralisch geschwächtes Volk.

Der ehem. Ministerpräsident Professor Dr. Werner Münch (siehe 2. Foto) hat die politischen Konsequenzen der „Willkommenskultur“ und den Führungsstil der Bundeskanzlerin „Wir schaffen das“ schonungslos analysiert:  0000009699_3

„Ohne Erläuterung, was denn dieses „wir“ und „das“ bedeuten und welche Folgen es haben würde, überraschte dieser Satz nicht nur die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, sondern auch Parlamente, Regierungen, Parteien, Kommunen und die EU–Mitgliedstaaten. Sie waren allesamt überrumpelt worden, obwohl sich eine Flüchtlingsbewegung nach Europa lange vorher abgezeichnet hatte.

BILD: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet das „Forum Deutscher Katholiken“ und den Kongreß „Freude am Glauben“

Monatelang gab es keine genauen Kosten – Ermittlungen, keine Vorstellungen über die Bewältigung der Erfassung der Flüchtlinge, über die Beschaffung des erforderlichen Wohnraumbedarfs, die lokale Verteilung, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Lösung der absehbaren Integrationsprobleme. Für die Bundesregierung waren alle Flüchtlinge zunächst einmal eine „Bereicherung“ für unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, sie hatten durchweg eine „gute Ausbildung und berufliche Qualifikation“ und waren „uneingeschränkt integrationswillig“.

Es gab auch keine eingewanderten Terroristen und Kriminelle  – das war ein „abwegiger Generalverdacht von rechts“. Nach einer Statistik des Bundeskriminalamtes betrug die Zahl der Delikte der Flüchtlinge z. B. im ersten Quartal 2016 tatsächlich aber 69.000.

Und erst am 10. September hat Thomas de Maziere, der Minister des Innern, der überraschten deutschen Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland mit über 520 Personen und ca. 360 Unterstützern, sog. relevanten Personen, so hoch sei wie nie.Münch, Prof. Dr. Werner, mittel

Auch ist inzwischen bekannt, in welcher Intensität Salafisten versuchen, in Flüchtlingsheimen neue Mitglieder anzuwerben. Sogar die genaue Zahl der Eingewanderten war  unserer Regierung nicht bekannt.  Anfangs sprach der zuständige Minister von 200.000 Asylbewerbern, kurze Zeit später waren es 800.000, bald darauf über 1 Mio., und schließlich musste die Regierung einräumen, dass sie die genaue Zahl nicht wisse.

Ende Juli 2016 lagen beim zuständigen Bundesamt ca. 530.000 unerledigte Asylanträge, und 150.000 Asylbewerber sind nicht einmal registriert. 77% der eingereisten Asylsuchenden hatten keine Ausweispapiere. Aus einer Antwort der Bundesregierung von September 2016 geht hervor, dass 550.000 abgelehnte Asylbewerber weiterhin in Deutschland leben. Der Chef der deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sprach in diesem Zusammenhang von einer „Abschiebeverhinderungsindustrie“ bei uns…

Damit eins unbestritten bleibt: Wir müssen und wollen offen sein für jede mögliche Hilfe für Menschen, die in wirklicher Not und oft mit grausamen Erlebnissen und Erfahrungen aus ihren Heimatländern mit dem Tode bedroht und zu uns geflohen sind. Sie benötigen dringend unsere Hilfe und persönliche Zuwendung.

Gerade Christen müssen alles dafür tun, damit diese Flüchtlinge wieder ganz konkret erfahren, was Menschenwürde bedeutet. Und wir sind davon überzeugt, dass bei dieser wahrlich nicht leicht zu bewältigenden Aufgabe nicht schlechtes Management und Rechthaberei vorherrschen dürfen, sondern Realismus und Wahrhaftigkeit die Leitlinie sein müssen.“ (Vortrag vor dem IK-München am 27. September 2016)

Folgen der 68er Revolution nicht verarbeitet

Die deutsche Bevölkerung ist tief verunsichert und verängstigt, weil sie befürchtet, die Auswirkungen der Masseneinwanderung nicht zu verkraften. Die Kulturrevolution von 1968 hat ihr das Selbstvertrauen genommen, diese neue Herausforderung zu bewältigen. cropped-ZIM_5640

Die Folgen der Kulturrevolution werden bei uns tabuisiert. Sie hat die Grundzelle jeder Gesellschaft, nämlich Ehe und Familie schwer geschädigt. Die traditionelle Ehe wurde als „vorgestrig“ und als „Korsett der Unfreiheit“ diffamiert. Die Folgen davon sind: Immer weniger junge Menschen heiraten, rund 40% der Ehen werden geschieden, Massenabtreibung ist zum Instrument der Familienplanung geworden.

Wir zählen zu den kinderärmsten Ländern der Welt. Die demographische Katastrophe mit ihren sozialen Folgen steht vor der Tür.

Die 68er Kulturrevolution hat unsere Geschichte und Kultur einseitig negativ interpretiert, so als hätte unsere Chronik nur dunkle, nicht aber auch glänzende Seiten. Patriotismus in jeder Form ist verpönt. Wörter wie Verzicht, Disziplin und Opfer für Andere, von der jede Gemeinschaft lebt, wurden zu Unwörtern.

Unwissenheit und Gleichgültigkeit gegenüber der überlieferten Kultur, insbesondere bei der jüngeren Generation, lassen das kulturelle Erbe als eine musiale Angelegenheit, nicht aber als eine Aufgabe die weiter zu entwickeln ist, erscheinen.

Der US-amerikanische jüdische Professor Joseph Weiler hält den Europäern Ablehnung, ja Hass gegenüber der eigenen Kultur vor.

Dieses veränderte Kulturbewusstsein schließt auch das Rechts- und Verfassungsverständnis ein. Demokratische Mehrheiten sehen sich heute als legitimiert, selbst Menschenrechte, wie das auf körperliche Unversehrtheit und Leben nicht mehr als absolut schützenswert zu interpretieren.

Christliches Fundament der europäischen Zivilisation

Unsere Vorstellung von Wert und Würde des Menschen ist religiös geprägt. Diese Sicht von Menschen ist in unser Rechts- und Verfassungsverständnis eingegangen. Das Christentum ist das Fundament der europäischen Zivilisation. Die Kirche als religiöse Institution sollte die entscheidende Barriere für die Unverfügbarkeit des Menschen und vor dem Zugriff auf ihn seitens Staat und Gesellschaft bilden. Herz-Jesu_01

Nun ist aber die 68er Kulturrevolution auch in die Kirche eingedrungen, konkret in die theologischen Ausbildungsstätten für Priester, Religionslehrer und Katecheten. Für die Verbindlichkeit kirchlicher Aussagen ist aber entscheidend, ob Jesus Christus Sohn Gottes oder nur irgendein Guru oder Religionsstifter ist. Statt dem Wort Gottes ist die Verkündigung vielfach zur Inflation der Wörter degeneriert.

Die Hirten der Kirche in Deutschland sind, von Ausnahmen abgesehen, verunsichert. Sie formulieren kein Alternativprogramm zum Zeitgeist und zu den üblichen Trends. Man ist versucht, in die alttestamentarische Klage einzustimmen: „Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten, und keinen, der uns anführt“ (Dan 3,38).

Seit der 68er Kulturrevolution haben Millionen der sog. „Volkskirche“ den Rücken zugekehrt. Von denen, die noch der Kirchensteuergemeinschaft angehören, fehlen 90% bei der sonntäglichen Gottesdienstfeier, vor allem die Zukunft der Kirche, Kinder und Jugendliche. Für das gesellschaftliche, kulturelle und politische Leben ist die Kirche in Deutschland, samt ihren Laieninstitutionen (ZdK) weithin bedeutungslos geworden.

Als Papst Benedikt XVI. in den „Letzte Gespräche“ den beklagenswerten Zustand der Kirche in Deutschland ansprach, konterte der Jesuit Andreas Batlogg, der Chefredakteur der „Stimmen der Zeit“, Joseph Ratzinger sei als Erzbischof von München und Freising selber „Teil des Systems“ gewesen. Darauf erwiderte Erzbischof Gänswein: „Die Behauptung, Joseph Ratzinger sei selbst Teil des Systems gewesen, überzeugt nicht. Ein solches System kann man nicht in ein paar Jahren verändern“.#

Parallelgesellschaften vermeiden

Die Kulturrevolution hatte nahezu 50 Jahre Zeit, um die Grundbefindlichkeit der Menschen zu ändern. Die entscheidende Frage ist heute, identifizieren sich die deutschen Staatsbürger noch mit ihrer eigenen Kultur? be2004_38_551

Wir fordern in der aktuellen Diskussion der Flüchtlingsproblematik die Integrationsbereitschaft von den Flüchtlingen. Zu Recht! Was ist aber damit gemeint? Bedeutet „Integration“ das sich bewusste Einfügen in die Werte- und Kulturgemeinschaft mit dem geltenden Rechts- und Verfassungssystems des Aufnahmelandes, oder versteht man darunter nur das Dach über dem Kopf, den Arbeitsplatz und den Erwerb der Sprache, um die Abläufe am Arbeitsplatz besser zu verstehen?

Wer Parallelgesellschaften vermeiden will, kann „Integration“ nur in dem umfassenden Sinne verstehen. Noch einmal gefragt: Hat das deutsche Volk noch die Bereitschaft und die Vitalität, jahrzehntelange Fehlentwicklungen zu korrigieren  –  oder sieht es den Niedergang als unaufhaltsam an?

Sicher ist, dass ein Volk ohne Kinder und ohne Rückgewinnung der Werte, die es groß gemacht haben, keine Zukunft hat. Für die Zukunft sind alle gefordert: Zuerst die Kirche. Sie müsste in der seit Johannes Paul II. geforderten Neuevangelisierung die spirituellen Grundlagen für einen Neuanfang legen. Gefordert sind die Verantwortungsträger in Politik und Gesellschaft.

Noch kann man von einem Umdenken wenig feststellen. Im Gegenteil wird weiterhin beschwichtigt, beschönigt, werden Kritiker als unverbesserliche Pessimisten diffamiert. Gefordert sind schließlich alle, um mit Teresa von Kalkutta zu sprechen, du und ich.

TITANIC: Für Umkehr ist es nie zu spät

Ob die Bereitschaft zum Umdenken und zur Umkehr noch einsetzt, wissen wir nicht. Für Christen bleiben aber, selbst in scheinbar oder wirklich aussichtslosen Situationen nicht delegierbare Aufgaben. Zwei Beispiele sollen das verdeutlichen: Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Am 11. April 1912 fuhr die Titanic von Queenstown/Südirland auf ihrer Jungfernfahrt in die USA ab. Die Titanic galt als „unsinkbar“. Deshalb wurden nur für 800 Menschen Rettungsboote mitgenommen, obwohl über 2000 Menschen an Bord waren. Oberhalb der Tauchlinie konnte man auf einem Band mit riesen Lettern lesen „Weder Gott noch der Papst“ und auf der anderen Seite „weder die Erde noch der Himmel können dich verschlingen“.

Am 14. April, um 23:35 Uhr, stieß die Titanic auf einen Eisberg und versank innerhalb von zweieinhalb Stunden. Von den 1308 Passagieren und 898 Mann Besatzung konnten nur 703 gerettet werden. Auf dem Schiff waren auch zwei Priester, der Benediktinerpater Byles und P. Joseph Peruschitz von Kloster Scheyern. Die Titanic-Überlebende Agnes Mac Coy schrieb:

„Etwa 100 Personen – Katholiken, Protestanten und Juden – umgaben die beiden Priester. Eine große Zahl von Menschen kniet auf eine stumme Übereinkunft nieder und fängt an, das Vater-Unser zu beten. Viele weinen und flehen um Hilfe. Ihr Sterbekreuz fest umklammert, sprechen der deutsche und englische Geistliche den Titanic-Passagieren Mut zu. Ein paar wollen beichten. Schließlich erteilen Reverend Byles und Pater Peruschitz die Generalabsolution“.

Ein weiteres Beispiel:

Am 26. Juli 1942 protestierten die katholischen Bischöfe der Niederlande gegen die Judenverfolgung. Bereits am 2. August setzte eine Verhaftungswelle gegen die Juden ein, bei der auch Edith Stein und ihre Schwester Rosa verhaftet wurden. Am 7. August wurden sie in Richtung des Vernichtungslagers Auschwitz abtransportiert.

Die Gefangenen ahnten, was ihnen in Auschwitz bevorstand. Als Sr. Benedicta sah, wie die Mitgefangenen apathisch und furchtsam geworden, sich vernachlässigten, tröstete sie diese und richtete sie wieder auf, damit sie ihre Selbstachtung und Würde nicht verloren. Am 9. August wurde Sr. Benedicta und ihr Schwester Rosa in Auschwitz ermordet.