Regensburg: Bischof eröffnete Wolfgangswoche

Das Priesteramt und die Bedeutung der Frauen

Am Sonntag hat Bischof Rudolf Voderholzer in der Regensburger Basilika St. Emmeram die Wolfgangswoche eröffnet. Dazu wurde der Schrein des Bistumsheiligen aus der Wolfgangskrypta erhoben und von Diakonen in das Kirchenschiff getragen (siehe Foto).

Die gesamte Woche über werden Gottesdienste zu Ehren des Heiligen gefeiert, der zu seiner Zeit „vorausschauend, klug und gegen manche Widerstände“ das Bistum in die Zukunft geführt hat, wie es Bischof Voderholzer formulierte.

Die Wolfgangswoche, die von Bischof Rudolf Graber ins Leben gerufen wurde, mündet in die Feier der Priesterweihe.

Am 29. Juni wird Bischof Voderholzer im Dom St. Peter sechs Männer weihen. Ihnen wünschte der Oberhirte, dass sie ihren Dienst immer tiefer verstehen. Das Priesteramt sei keine „Machtposition“, sondern ein „Dienst an der Freude“.

„Christus hat ausschließlich Männer als Apostel berufen“ – das betonte der Regensburger Bischof in seiner Predigt. Sie vergegenwärtigen Christus in besonderer Weise. Dabei habe dies aber von Anfang an „die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert“.

Bischof Voderholzer erinnerte beispielsweise an die Gottesmutter, der höchste Verehrung zuteil wird, an die Bedeutung der Frauenorden als Orte der Bildung und Erneuerung oder an Frauen wie die Regensburgerin Maria Theresia Gerhardinger, die gemeinsam mit dem späteren Bischof Wittmann Großes leistete.

Mann und Frau: „wunderbarer Zusammenklang“

All diese Beispiele zeigen, wie sich Frauen seit Beginn der Kirche mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten eingebracht haben. Sie tun dies auch heute, wie der Bischof hervorhob, wenn Frauen in Politik, Wissenschaft, caritativen Aufgaben oder im Bildungsbereich für das Evangelium wirken.

Die Beziehung Christi zu seiner Braut, der Kirche, werde vergegenwärtigt in der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit der beiden Geschlechter bilde wie die Männer- und Frauenstimmen in der Musik einen „wunderbaren Zusammenklang, eine Symphonie“, so Bischof Voderholzer: „Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.“

Lesen Sie hier die PREDIGT des Bischofs in voller Länge:

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zur Eröffnung der Wolfgangswoche am Sonntag, 23. Juni 2019:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Am kommenden Freitagabend wird der scheidende Domkapellmeister Roland Büchner zum letzten Mal in dieser Funktion in der Domstadt die Domspatzen, unseren Domchor, im Rahmen eines Konzertes dirigieren.

Anlässlich der Feier von 50 Jahre Städtepartnerschaft Regensburg Brixen wird im Audimax der Universität Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ gegeben, und die Domspatzen werden zusammen mit dem Domchor Brixen, namhaften Solisten und dem Kammerorchester Regensburg musizieren.

Die Schöpfung von Joseph Haydn gehört zu meinen Lieblingsstücken aus der klassischen Musik und ich freue mich schon sehr auf diesen Abend gegen Ende in einer ereignisreichen Wolfgangs-Woche, am Vorabend der Priesterweihe und dann der Feier von „150 Jahre Vollendung der Domtürme“.

Das Libretto dieses Oratoriums „Die Schöpfung“ orientiert sich ganz am Ersten Schöpfungsbericht aus dem Buch Genesis. Besonders beeindruckend ist, wie die Erschaffung des Lichtes in Töne umgesetzt wird. Unter den vielen bemerkenswerten musikalischen Akzenten ragt dann für mich heraus, wie Haydn die Krone der Schöpfung, den Menschen, geschaffen als Mann und Frau, musikalisch ehrt. Das Duett Adam und Eva und der Lobpreis der Ergänzung, der gegenseitigen Verwiesenheit von Mann und Frau, ihre gegenseitige Attraktivität zur Eröffnung von Geschichte bewegt mich immer wieder tief. Es ist geradezu eine Hymne auf die Schöpfung des Menschen als Mann und Frau.

Schon vom musikalischen her wird deutlich, dass es schön und gottgewollt ist, dass es nicht nur Männerstimmen, sondern auch Frauenstimmen gibt, und dass Bass und Tenor auf der einen und Alt und Sopran auf der anderen Seite einen wunderbaren Zusammenklang, eine Sym-Phonie ergeben.

Mann und Frau sind aufeinander verwiesen. Nur die Frau kann den Mann zum Vater, nur der Mann die Frau zur Mutter machen.

Man hat Haydn hin und wieder angekreidet, dass er die Schöpfung – ganz im Geiste der Aufklärung – zu optimistisch darstellt und den Bruch, der durch die Sünde die gute Schöpfung beeinträchtigt und belastet, auch das Verhältnis der Geschlechter zueinander überschattet, zu wenig berücksichtigt. In der Tat wird nur ganz am Schluss des Oratoriums die Gefahr angedeutet, dass der Mensch seine Freiheit auch missbrauchen kann.

Aber das stellt den Wert und die Größe dieses Werkes nicht infrage. Denn es ist und bleibt unsere Glaubensüberzeugung, dass die Sünde die Gottebenbildlichkeit des Menschen nicht aufgehoben hat. Seiner Erlösungsbedürftigkeit kommt Gott selbst in der Menschwerdung seines Sohnes entgegen.

Das Oratorium ist eine Auslegung, eine Predigt über die Gutheit von Gottes Schöpfung als Grundlage der Geschichte des Heils. Und in dieser Schöpfung spielt die Polarität von Mann und Frau, ihre Gegensätzlichkeit und Verwiesenheit aufeinander, eine fundamentale Rolle.

In dieses Gegenüber zeichnet sich gerade auch noch einmal der Fortgang der Heilsgeschichte ein. Das Alte Testament durchzieht wie ein roter Faden die Glaubensüberzeugung, dass sich das Miteinander Gottes zu seinem Volk verhält wie die Beziehung von Braut und Bräutigam. „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich Dein Gott über Dich“ (Jes 62,5), darf der Prophet Jesaja dem Volk Israel ausrichten.

Dieses Gegenüber wird vertieft in der Beziehung Christi zur Kirche. Christus lässt mehrfach im Evangelium erkennen, dass in ihm der Anspruch Gottes des Vaters erfüllt und er der Bräutigam des neuen Bundesvolkes ist.

Diese realsymbolische Vergegenwärtigung der Beziehung von Christus zu seiner Kirche in der Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau ist bekanntlich auch der Grund, weswegen die Kirche die Ehe als eines der sieben Sakramente betrachtet; also als eines der von Gott geschenkten Zeichen seiner Gegenwart und Nähe. Und weil das kirchliche Dienstamt in der Nachfolge der Apostel zuallererst in der Vergegenwärtigung dieses Voraus Christi seiner Kirche gegenüber besteht, hält sich die katholische Kirche ebensowenig wie die orthodoxe Kirche für berechtigt, von der Praxis Jesu abzuweichen, nur Männer für diese Aufgabe für geeignet zu halten.

Widerspricht dem nun aber nicht die 2. Lesung aus dem Galaterbrief, die wir gerade gehört haben? Ist nicht die darin enthaltene Aussage, es gebe nicht mehr Mann und Frau – „männlich und weiblich“ sagt die neue Übersetzung –, eine klare Weisung hin zur Öffnung der Weiheämter auch für Frauen, wo es doch nicht mehr darauf ankomme, ob jemand Mann oder Frau sei?

Doch hier gilt es, genau hinzuhören. Der Kontext des Galaterbriefes ist die Auseinandersetzung des Apostels mit dem Wunsch der Galater, wieder unter das jüdische Gesetz zurückzukehren. Ihnen gegenüber ruft Paulus das Geschenk, die Gnade der Taufe in Erinnerung. Die Taufe hebt alle soziologischen und nationalen Unterschiede auf.

In der Kirche gibt es keine Fremden und keine Ausländer. Und auch die Herrschaft des Mannes über die Frau ist abgelöst durch eine gegenseitige Unterordnung und eine gemeinsame Unterordnung unter Christus. Zielsatz des Abschnittes ist: Ihr alle seid „einer“, „unus“, nicht „eins“, ihr seid „einer in Christus“. Durch die Taufe werden wir zu einem Leib mit den vielen Gliedern auferbaut, zum Leib Christi, dessen Haupt der Herr selbst ist. Und als Getaufte sind wir zur Freiheit befreit.

Die Worte des Paulus wären missverstanden, wenn man sie so deuten würde, als habe Paulus die Geschlechterpolarität aufgehoben und die Tatsache geleugnet, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat.

Paulus sagt denn auch nicht: Es gebe nicht mehr Braut noch Bräutigam, oder, es gebe nicht mehr Vater und Mutter. Im Gegenteil. In anderen seiner Briefe zieht er die in die Schöpfung hineingelegte Unterschiedenheit von Mann und Frau und ihre Verwiesenheit aufeinander heran, um das Geheimnis der Liebe zwischen Gott und seiner Schöpfung, zwischen Christus und der Kirche zu verdeutlichen.

Die Zuordnung des geistlichen Dienstamtes mit seiner seinsmäßigen Aufgabe der Christusrepräsentation hat von allem Anfang an die Bedeutung von Frauen in der Kirche nicht geschmälert.

Neben Maria, der Mutter Jesu, der in der Kirche von den Uranfängen her höchste Verehrung zuteilwurde, gab es im Umfeld Jesu etliche Frauen, die ihm folgten, die ihn unterstützten und die vor allem am Karfreitag viel mutiger und treuer zu ihm standen als die Männer. Jesus hat sich über viele gesellschaftliche Schranken hinweggesetzt und einen ganz unbefangenen Umgang mit Frauen gepflegt. Wir wissen, wie ihm das nicht nur einmal zum Vorwurf gemacht wurde. Umso mehr muss es aber doch zu denken geben, dass er – das bezeugen alle Evangelien, und ich verstehe nicht, wie man das bezweifeln kann – dass er ausschließlich Männer als Apostel berufen hat. Sie sollten ihn in besonderer Weise vergegenwärtigen: Wer euch hört, hört mich. Wer auch aufnimmt mich auf und den, der mich gesandt hat.

Dies hat seinen Grund in der sakramentalen Struktur der Kirche. Noch einmal: Beim geistlichen Dienstamt geht es nicht zuerst um eine Funktion, die beliebig ersetzbar wäre, sondern um die Darstellung einer Seinswirklichkeit.

Die Kirche ist nicht eine Gewerkschaft, nicht eine Partei und auch nicht ein (gar noch monarchisches) Staatswesen, das im letzten nur eine irdische Wirklichkeit ist, eigene Zwecke und Ziele verfolgt und von gewählten Repräsentantinnen und Repräsentanten vertreten wird.

Die Kirche ist, wie wir es vom Apostel Paulus gehört haben, „einer“, ein Leib, der „Leib Christi“ zur Vergegenwärtigung seines Wortes und seiner heilbringenden Erlösungstat am Kreuz. In dieser Kirche gibt es verschiedene Dienste und Ämter. Und von Anfang haben Frauen sich in der Kirche mit all ihren Gaben und Fähigkeiten eingebracht. Soziologisch gesehen haben Frauen in der Antike und im Mittelalter vor allem durch die Kirche Entfaltungsmöglichkeiten bekommen.

Der Stand der Witwen etwa bot Schutz vor der im römischen Reich selbstverständlichen Wiederverheiratungspflicht. Die Frauenorden waren über die ganze Geschichte hinweg Orte der Bildung und der Innovation gerade auch in gesellschaftlichen Entwicklungen. Wer hat denn das Krankenpflegewesen, das Kindergartenwesen, die Mädchenschulen usw. erfunden?

Ich erinnere hier nur an die selige Mutter Maria Theresia Gerhárdinger, eine Stadtamhoferin. Zusammen mit dem späteren Bischof Wittmann hat sie wahrhaft Großes geleistet und gezeigt, wie die verschiedenen Dienste und Ämter in der Kirche zusammenwirken, wenn sie sich nicht in eine ungeistliche und unfruchtbare Konkurrenzsituation hineindrängen lassen, sondern im Hören auf Gottes Wort zum Heil der Menschen arbeiten.

Und so gibt es auch heute in der Politik, in der Wissenschaft, im Bildungsbereich, im sozialcaritativen Bereich, usw. usw. eine Fülle von Aufgaben, in denen wir in der Verschiedenheit und im Reichtum der unterschiedlichen Begabungen und Charismen für das Evangelium wirken können und wo gerade auch Frauen ihre Begabungen einbringen können.

Im Blick auf das geistliche Dienstamt, das ja beileibe nicht allen Männern, sondern den von Christus berufenen, zukommt, schärft uns das heutige Evangelium ein:

Es geht zuallererst um das Zeugnis. Petrus als exemplarischer Jünger bekennt Jesus als den Messias Gottes. Das Einstehen für den Glauben und das Bekennen des Glaubens an den gekreuzigt-auferstandenen Herrn ist erste und wichtigste Aufgabe. Dass dies nicht unbedingt der Selbstverwirklichung dient und einem nicht in erster Linie Beifall und gesellschaftlichen Ruhm einbringt, dafür gibt es tagtäglich Beispiele.

Und der Herr sagt es ausdrücklich: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst und nehme er sein Kreuz auf sich.

Deutlicher kann das Besondere und Spezifische des Christseins und der Kirche nicht zum Ausdruck gebracht werden. Sich ganz in den Dienst Christi stellen, und ihn mit seiner ganzen Existenz bezeugen, das ist der Anspruch an die, die zum apostolischen Dienst gerufen sind. „Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“

In dieser Woche bereiten sich sechs Diakone auf die Priesterweihe vor.

Nehmen wir sie ins Gebet, dass sie das Amt, das ihnen übertragen wird, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi immer tiefer verstehen lernen und ausüben, nicht als Machtposition, sondern als Dienst an der Freude, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi, des Bräutigams seiner Kirche, als Dienst der Vergegenwärtigung Christi als Haupt des „einen“ Leibes, der die Kirche ist in ihren vielen Gliedern, die alle berufen sind, Männer und Frauen, den Armen sein Evangelium zu verkünden, Amen.

Quelle: Bistum Regensburg

 


Ehe, Priestertum und Schöpfungsordnung im Lichte des Evangeliums

PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer (Oberhirte von Regensburg) zur Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ am 14. Juni in Ingolstadt:

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN!

Das Messformular „Maria, Mutter der Schönen Liebe“ sieht als Evangelium die Verkündigungsperikope vor, die uns der Herr Diakon gerade wieder neu vorgetragen hat.

Es ist uns aus dem Ave-Maria und dem Angelus-Gebet zutiefst vertraut.

Dieses Evangelium ist nicht nur, zusammen mit der entsprechenden Überlieferung des Matthäus-Evangelisten, der biblische Beleg für die jungfräuliche, geist-gewirkte Empfängnis des messianischen Gottessohnes, es ist auch das ideale Evangelium für die Eröffnung des Kongresses „Freude am Glauben“ und es führt uns hinein in die Mitte auch des Kirchenverständnisses und der sakramentalen Struktur der Kirche.

Der Gruß des Engels, den wir im Deutschen –  gemäß dem lateinischen „Ave Maria“  – mit „Gegrüßet seist du Maria“ zu sprechen gewohnt sind, heißt im griechischen Original „chaire“, wörtlich: „Freue Dich“, „Freue Dich, Maria!“

Das ist nicht unwichtig, sondern verbindet die Berufung der Gottesmutter mit der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel.

Freue dich, Tochter Zion, denn der HERR ist mit dir

Der Engel Gabriel grüßt nämlich Maria mit denselben Worten, mit denen einst der Prophet Zefanja das als „Tochter Zion“ personifizierte Israel aufgemuntert und zur Freude aufgerufen hatte: „Freue dich, Tochter Zion… der HERR ist in deiner Mitte.“

Die Bible de Jérusalem, die vielleicht beste Übersetzung der Bibel in die Landessprachen, empfiehlt denn auch diese wörtliche Übertragung: „Freue Dich, Maria.“

Und in manchen französischen Gemeinschaften wird das Ave Maria gebetet als „Réjouie-toi Marie“. Auch im Englischen übersetzt die Jerusalemer Bibel: „Rejoice, Marie.“ Freue Dich, Maria.

Unser Evangelium will uns damit sagen: Maria, die Frau aus Nazareth, ist der heilige Rest Israels in Person, die Tochter Zion. Sie ist der wahre Tempel, der Ort, den Gott sich zur Wohnstatt gemacht hat. Auf sie schaut der große und heilige Gott, dem doch alles gehört und der trotzdem angewiesen sein will auf ein gläubiges Herz, das sich ihm öffnet und zur Verfügung stellt.

Im Dom zu Regensburg, meiner Kathedrale, haben wir, wie Sie vielleicht wissen, eine mittelalterliche Verkündigungsgruppe, und der Engel Gabriel, der seine Botschaft auf einem schwungvollen Spruchband bei sich hat, strahlt über das ganze Gesicht; viele Besucher kommen eigens in den Dom, um ihn zu sehen, den „lachenden Engel“, den Inbegriff der Freude und frohmachenden Botschaft.

„Chaire!“  – Freue dich Maria  –  und an Ostern singen wir: Freue dich mit ihr, erlöste Christenheit. Freut Euch im Glauben, auch ihr Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kongresses, die wir alle wie Maria mitwirken dürfen am Heil und an der Erlösung; freut euch, denn der Glaube ist nicht eine Last, sondern Quelle des Trostes und der Freude!

Diese gesamtbiblische Einordnung der Verkündigungsperikope führt uns freilich noch tiefer in die Zusammenhänge unseres Glaubens hinein.

MARIA führt zu einer „Theologie der Frau“

Mit dem Thema „Tochter Zion“ ist nämlich ein wesentliches Element der biblischen Überlieferung angesprochen, eine Theologie der Frau, ohne die das Alte und auch das Neue Testament nicht zu verstehen sind.

Die Offenbarung Gottes, sie zeichnet sich nämlich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift ein in die geschöpfliche Beziehung des Gegenübers von Mann und Frau.

Das Hohelied der Liebe ist nur der Höhepunkt der Glaubensüberzeugung, dass in der ehelichen Gemeinschaft von Mann und Frau die angemessenste Analogie für das Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel gegeben ist.

Die natürliche und unvertauschbare Zuordnung und Komplementarität von Mann und Frau wird im Zusammenhang des Glaubens gnadenhaft überhöht und zur Darstellung der Heilswirklichkeit erhoben.

Jesus stellt sich in diese aus dem Glauben Israels herkommende Tradition und offenbart sich selbst als der Bräutigam des Volkes, bei dessen Anwesenheit doch nicht gefastet werden darf (vgl. Mk 2, 19).

Die Theologie des Ehesakramentes beruht auf dieser Glaubenseinsicht, ist doch die Ehe von einem getauften Mann und einer getauften Frau Sakrament, heiliges Zeichen, Darstellung der Liebe Christi zu seiner Kirche (vgl. Eph 4, 24).

Und auch die Zuordnung des Weihesakramentes zum männlichen Geschlecht beruht auf dieser ins Licht des Glaubens erhobenen natürlichen Zeichenhaftigkeit. Der Priester repräsentiert in seiner ganzen Person Christus als „Bräutigam“ der Kirche.

Hier geht es nicht um die Darstellung der naturalen Fruchtbarkeit der stetig sich abwechselnden Jahreszeiten.

CHRISTUS hat Männer als Apostel berufen

Jesus hat bewusst nur Männer als Apostel berufen, als Stammväter des neuen Israel, die ihn dann zu vergegenwärtigen hatten auch im christlichen Kult.

Das hat nichts zu tun damit, dass man sich in der Antike weibliches Priestertum nicht vorstellen konnte. Im Gegenteil: Die Religionen und Kulte Griechenlands und Roms kannten vor allem ein weibliches Priestertum. Ihr Dienst war oft verbunden mit der Tempelprostitution als Darstellung der Fruchtbarkeit der Erde im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Davon setzt sich gerade die in der Bibel bezeugte Offenbarung ab mit ihrem Verweis auf die Geschichtsmächtigkeit Gottes, der nicht durch die naturale Fruchtbarkeit wirkt, sondern durch Menschen, die auf ihn hören, durch ein Volk, das er sich als Eigentum erwählt hat und das in der gesamten biblischen Überlieferung weiblich konnotiert ist, als Tochter Zion, die in Maria eine individuelle, von Gott in besonderer Weise begnadete Person wird.

Die Glaubensüberzeugung von der Schöpfung des Menschen im Gegenüber von Mann und Frau, Geschlechterpolarität und ihre Positivität, ist somit so etwas wie die Grammatik der heilsgeschichtlichen Offenbarung.

Sie ist nicht nur Ausdruck des Wesens des Menschen, sondern auch die Bildseite der Sakramentalität der Kirche. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass die Kirche und alle ihre Glieder jedem Menschen mit Hochachtung begegnen, ganz gleich, welche biologischen oder psychischen Besonderheiten er hinsichtlich seines Geschlechtes aufweist. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes.

Die grundsätzliche Infragestellung der in der Schöpfung gegebenen Bezogenheit von Mann und Frau aufeinander hat aber nicht nur erhebliche anthropologische Folgen, sondern auch theologische, insbesondere sakramenten-theologische.

„Als MANN und FRAU schuf ER sie“

Deshalb ist das letzte Woche veröffentlichte Schreiben der römischen Bildungskongregation mit dem Titel „Als Mann und Frau schuf er sie. Für einen Weg des Dialogs über die Genderfrage“ so außerordentlich wichtig.

Es war ja seit langem angekündigt gewesen und fasst die wichtigsten Lehraussagen von Papst Franziskus zu dieser für das Menschenbild wichtigen Frage zusammen. Ich hoffe, dass es bald auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Dass es die Bildungskongregation ist, die das erste der angekündigten Dokumente zu dieser Frage veröffentlicht, hängt mit der von Papst Franziskus schon oft kritisierten „ideologischen Kolonisierung“ zusammen, durch die gerade über den Weg der Erziehung der Kinder und Jugendlichen die Schöpfungswirklichkeit untergraben wird.

Wörtlich heißt es in diesem Dokument mit Papst Franziskus:

Die Gender-Ideologie „fördert Erziehungspläne und eine Ausrichtung der Gesetzgebung, welche eine persönliche Identität und affektive Intimität fördern, die von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau radikal abgekoppelt sind. Die menschliche Identität wird einer individualistischen Wahlfreiheit ausgeliefert, die sich im Laufe der Zeit auch ändern kann.“

Liebe Schwestern und Brüder!

Das Münster in Ingolstadt ist der Gottesmutter der Schönen Liebe geweiht.

Auch dieses Patrozinium verbindet Altes und Neues Testament. Denn das Wort von der Mutter der schönen Liebe stammt aus dem Buch Jesus Sirach und ist dort der Sophia, der göttlichen Weisheit in den Mund gelegt (vgl. Sirach, 24, 18).

In Maria, so hat es die christliche Tradition erkannt, ist die Mutter der schönen Liebe als unsere Schwester und Mutter geschichtliche Realität geworden.

Ihrer Fürsprache vertrauen wir auch diese Tage des Kongresses Freude am Glauben 2019 an. Dreimal wunderbare Gottesmutter! Bitte für uns!

Quelle: Bistum Regensburg


Weihbischof Zekorn: Ehe und Zölibat bezeugen unsere Sehnsucht nach Vollendung

Dr. Stefan Zekorn (siehe Fotos) ist Weihbischof im Bistum Münster. Der folgende Bericht von Felizitas Küble über seinen Vortrag im Hansahof in Münster ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift THEOLOGISCHES erschienen: 

Seit über 20 Jahren besteht in Münster eine altrituelle Gottesdienstgemeinschaft, die in der Innenstadt-Kirche Sankt Aegidii die überlieferte Liturgie feiert. Am 10. Februar 2019 hielt Weihbischof Dr. Stefan Zekorn einen theologischen Vortrag über Ehe und Zölibat im Hansahof, der mit vielen Messbesuchern und weiteren Gästen vollbesetzt war.  

Dabei stellte der Redner den Auftrag beider Lebensformen, Gottes Gegenwart in dieser Welt zu bezeugen, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen und verwies auf eine Aussage von Papst Franziskus: „Jungfräulichkeit und Ehe sind verschiedene Formen zu lieben.“ – Nach Thomas von Aquin diene die Verschiedenheit der christlichen Lebensstände dem Reichtum der Kirche und die unter ihnen herrschende „wechselseitige Unterstützung“ sei Ausdruck ihrer gelebten Einheit.

Zur Ehe gehöre die natürliche Anziehung und Ergänzung von Mann und Frau nach der Schöpfungsordnung Gottes. Zugleich sei die Ehe unter Getauften als Sakrament noch weitaus bedeutsamer, denn in der gegenseitigen Liebe und Treue werde die Güte Gottes lebensnah erfahrbar, erklärte Dr. Zekorn: „Der Partner ist ein Ort der Begegnung mit Gott.“

So wie der Ewige den Menschen in der Heilsgeschichte immer wieder entgegenkommen sei, begegne nun der Erlöser der Menschen durch das Sakrament der Ehe den christlichen Eheleuten. So wie Christus seiner Kirche in allem Auf und Ab der Geschichte unbeirrbar die Treue halte, sollen sich auch die Eheleute ganz aufeinander verlassen können.

Die Verheirateten könnten, so der Weihbischof, besonders wirksam die „Konkretheit und Greifbarkeit“ der Liebe Gottes bezeugen. Durch diese sakramentale Wirklichkeit sei die Ehe zutiefst mit dem Heilswerk Christi verbunden. Gott selbst binde sich an menschliche Wirklichkeiten und führe so die Gläubigen über sich selbst hinaus in das Reich des Übernatürlichen und in ein unvergängliches Leben.

Schon in der frühen Christenheit sei die von der Kirche verkündete Ein-Ehe und ihre Unauflöslichkeit für viele Menschen – vor allem für Frauen  –  eine befreiende und beglückende Erfahrung inmitten sittlicher Verwilderung gewesen. Auch der gottgeweihte Zölibat und die christliche Jungfräulichkeit faszinierte als glaubensstarkes Zeugnis, zumal Jesus selbst ehelos lebte. In dieser Lebensform konnten sich Männer und Frauen „unbeschwert von familiärer Fürsorge“ (vgl. 1 Kor 7,32) ganz für das Gottesreich einsetzen.

Sowohl Ehe wie Jungfräulichkeit beinhalten ein jeweils eigenes Charisma, betonte der Weihbischof; in beiden Gnadengaben werde Gottes Erlösungstat erkennbar und wirksam. Bereits in der Antike habe diese zweifache Berufung sogar in der heidnischen Welt und ihrer zunehmenden Dekadenz bisweilen Staunen hervorgerufen,

Der Redner führte weiter aus, beide Lebensformen seien von der Sehnsucht nach Vollendung geprägt: Die Freude in der Ehe gebe einen „Vorgeschmack des himmlischen Hochzeitsmahles“ und helfe so den Gläubigen, ihre Lasten gemeinsam zu tragen.

Auch in der christlichen Enthaltsamkeit gehe es um eine hoffnungsfrohe Blickrichtung in die Ewigkeit. Nicht allein Mann und Frau, auch Ehe und Zölibat seien eine gottgewollte Ergänzung und Bereicherung, immer verbunden mit einem großherzigen Auftrag für ein Leben in Fülle.

Der Zölibat sei ein Ruf in die unmittelbare Nachfolge Jesu, ein ganzheitlicher Lebenseinsatz, der zugleich Verzicht und „Selbstentäußerung“ verlange. Deshalb dürfe er nicht zu einem besinnungslosen Aktivismus führen, sondern könne nur gelingen in einer starken Verbindung mit Christus, wobei Gott die erste Stelle im Leben einnehmen solle. Entscheidend sei eine fest verankerte Geborgenheit in Gott auch durch das Gebet und die Sakramente der Kirche.

Das gelte aber in ähnlicher Weise auch für Eheleute: Für sie sei es entlastend, wenn nicht alles Glück vom anderen Partner erwartet und verlangt werde, sondern beide in einer tiefen Offenheit für Gott leben. Gerade in schweren Zeiten der Ehe sei diese Grundhaltung für Verheiratete ein starker Pfeiler ihrer gegenseitigen Treue.

Nach dem Vortrag konnten die Zuhörer dem Weihbischof Fragen stellen oder eigene Ansichten vortragen. Dabei ging es um geistliche Themen von der Erbsünde bis zum Rosenkranz, um Missstände in der liturgischen Praxis und aktuelle Fragen wie etwa die Genderdebatte. Dr. Zekorn ermutigte dazu, sich keineswegs den herrschenden Zeitströmungen zu unterwerfen, denn nicht der Mainstream, sondern der Glaube schenke uns Orientierung und eine klare Sicht.

Auch heute führe Christus seine Kirche durch schwere Krisen hindurch wie bereits in früherer Zeit, die ebenfalls vielfach von schweren Erschütterungen geprägt gewesen sei. Unser Einsatz für den Glauben solle ohne Angst oder Verbissenheit, sondern mit einem festen Gottvertrauen geführt werden, denn die Verheißungen Christi seien für uns alle der Schlüssel zu einem frohen Christenleben.

Literatur-Hinweis: Weihbischof Stefan Zekorn veröffentlichte im Verlag Butzon und Bercker sein Buch „anders leben – mehr leben“ über die evangelischen Räte.


Warum die Thesen von Prof. Schockenhoff theologisch in die Irre führen

Von Rainer Kochinke

Die Thesen des Vortrags von Prof. Eberhard Schockenhoff bei der Frühjahrsvollversammlung der DBK lesen sich streckenweise wie ein Glaubensbekenntnis des zeitgenössischen Hedonismus.

Er fordert die Kirche zu einem radikalen Bruch mit der noch geltenden Lehre zur Sexualmoral auf. Auf den Seiten 6 und 7 verlangt er, die Kirche solle sich insbesondere die Kategorien des Luststrebens und Lustgewinns, des sexuellen Verlangens als anzuerkennende Prinzipien der sexuellen Partnerschaft zu eigen machen und in einem beliebigen Kontext aufwerten.

Die von Schockenhoff bemühte „Lebenswirklichkeit“ zeigt aber, dass die von ihm empfohlenen Kategorien ohnehin schon bei der großen Masse der Taufschein-Katholiken in der Lebensführung umgesetzt werden. Und die zweite Hälfte dieser Lebenswirklichkeit sind die katastrophalen Auswirkungen dieses von der kirchlichen Ethik losgelösten Sexualverhaltens.

Sexuelles Verlangen und Begehren sind ihrer Natur nach kurzlebig und können rasch den Adressaten wechseln. Das bewusste Streben nach Lustgewinn macht nicht nur egoistisch und rücksichtslos, sondern nutzt sich ab und verlangt nach Steigerung der auslösenden Reize.  Pädosex und Pornographie gedeihen auf diesem Nährboden.

Um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können, bedarf es der Orientierung an der von der Kirche gelehrten göttlichen Schöpfungsordnung, in der auch die Beziehung der Ehegatten von einer keuschen Liebe getragen wird. Das bedeutet, dass die geistig-seelische Dimension der Partnerschaft, also das, was jenseits der körperlichen Attraktivität vom Willen gelenkt Beständigkeitscharakter hat, den Vorrang vor der leiblichen Komponente haben muss und somit die sexuelle Lusterfahrung nicht mehr und nicht weniger als eine sinnvolle Begleit-erscheinung der liebenden Hingabe ist.

Bei Schockenhoff kommt der Begriff „Keuschheit“ nicht vor, also das Schlüsselwort für das Gelingen einer beständigen und krisenfesten Partnerschaft, die nicht von der schwankenden Attraktivität des Partners abhängt.

Statt dessen liefern seine Thesen die Menschen gerade jenen Verhaltensweisen aus, die letztlich für das Elend der betrogenen Ehegatten, der Scheidungswaisen, der alleinerziehenden Mütter und der Patchworkfamilien verantwortlich sind.

Wie kann man angesichts der Tragödien einseitig erotisch geprägter Beziehungen, die rasch aufflammen, ebenso rasch verglühen und zu Asche werden, die Augen verschließen?

Prof. Schockenhoff zieht angebliche neuere Erkenntnisse der Humanwissenschaften, die oft genug nach wenigen Jahrzehnten ihre Irrtümer eingeräumt und durch neue Fragwürdigkeiten ersetzt haben, der geltenden kirchlichen Lehre vor.

Er beruft sich dabei auf die Meinung einer „gegenwärtigen theologischen Ethik“ und unterstellt, dass Gottes Geist die Kirche durch 2000 Jahre im Stich bzw. im Irrtum verharren ließ.

Der Theologe tritt nun als der Befreier von den „normativen Fesseln der traditionellen Sexualmoral“ auf (S. 6) und diffamiert dadurch die bisherige Orientierung an der geoffenbarten göttlichen Schöpfungsordnung als schädliche Beschneidung der Freiheit und der Lebensqualität.

Deshalb lässt er auch das traditionsgemäße Offenbarungsverständnis nicht gelten. Folgerichtig wird Gottes Gebot keine absolute, sondern nur eine relative Verbindlichkeit zugebilligt.

Dazu verwendet er den Taschenspielertrick, man solle bei der katholischen Ehelehre nicht von „Alleingeltung“, sondern von „Höchstgeltung“ reden. Um besser gegen den kirchlichen Standpunkt polemisieren zu können, entstellt er die tatsächliche Lehre der Kirche und baut auf Seite 6 einen Popanz auf.

So stellt er das Eheleben mit NER oder im unfruchtbaren Alter als von der Kirche unerlaubt dar, was den Tatsachen nicht entspricht. Aber im Gegensatz zu den tatsächlichen und den von ihm konstruierten Einschränkungen fordert er die Bischöfe auf, die aus seiner Sicht „positiven Gestaltungsmöglichkeiten der Bedürfnisfülle menschlicher Sexualität“  zu bejahen, das heißt wohl im Klartext, kirchlich beinahe alles abzusegnen, was bisher als sexuelle Verfehlung und schwere Sünde galt.

In nächster Zeit wird es sich ergeben, ob jetzt die auf progressiv getrimmten „engagierten Katholiken“ Deutschlands im Laien- und Klerikerstand bereit sind, Schockenhoffs Forderungen zu übernehmen und sich damit gleich den Lemmingen in den theologischen Abgrund zu stürzen.

Unser Gast-Autor Rainer Kochinke ist Religionspädagoge und wohnt in Rheine (Westfalen)


Hochzeitsbräuche: Der tiefere Sinn des Kranzes

Von Felizitas Küble

Manches Brauchtum um Ehe und Hochzeit ist nicht nur altehrwürdig, feierlich und volkstümlich, sondern hat auch einen tieferen Sinn. Dazu gehört das „Kränzen“ vor der Heirat, das in vielen Gegenden Süddeutschlands, aber auch im Münsterland, Emsland und Ostfriesland weit verbreitet ist.

Dabei wird die Haustür der Brautleute mit Tannenzweigen geschmückt und oben in die Mitte ein  – rundes oder rechteckiges –  Schild gesetzt mit den Worten: „Gott segne euren Einzug“ oder (wie hier auf dem Foto): „Gott segne das Brautpaar“.

Dieser Spruch ist rund oder viereckig und ebenfalls von grünen Zweigen oder manchmal von Blumen umrahmt.

Das „Kränzen“ wird meist von den Nachbarn – manchmal auch von Freunden oder Angehörigen – übernommen. Dabei binden Männer die Tannenzweige zu einem Kranz, während Frauen ihn mit Rosen und farbigen Schleifen dekorieren. Meist wird der Kranz am Vorabend der Trauung über der Hauseingangstür angebracht. 

Dieser grüne Kranz ist letztlich eine Ableitung aus dem Siegeskranz der römischen Kaiser und auch der späteren Regenten.

Im antiken römischen Reich erhielt jeder Mann eine „Krone“ aus Eichenlaub, wenn er einem Mitbürger in der Schlacht das Leben gerettet hat. Es war also eine militärische Auszeichnung. Diese Bürgerkrone hieß „corona civia“.

Erstmals erhielt mit Augustus – der zur Zeit Christi regierte – auch ein römischer Kaiser diese Eichenlaubkrone. Der Grund lag darin, daß er durch die Beendigung des Bürgerkriegs viele Menschenleben gerettet hat und für Recht und Ordnung sorgte. Er wurde als gerechter, treuer und zuverlässiger Herrscher gewürdigt und geachtet.

Die Eichenlaubkrone trug er bei festlichen Anlässen teils auf dem Haupt, meist hing sie aber über seiner Haustür.

Auch in Preußen wurde diese Symbolik des Siegeskranzes bei bürgerlichen oder militärischen Auszeichnungen übernommen. Bekannt ist aus jener Zeit das Volkslied „Heil Dir im Siegerkranz“, das zugleich eine Art Königs- und Kaiserhymne war, wenngleich keine offizielle Nationalhymne.

Was nun die Ehe damit zu tun hat? – Erstens bilden auch Mann und Frau, wenn sie sich zur Familie erweitern, gleichsam ein „kleines Königreich“, in dem sie gerecht und verläßlich „regieren“ sollen zum Wohl ihrer Kinder.

Zweitens übernehmen sie Verantwortung füreinander und verpflichten sich zu Treue und lebenslanger Verbundenheit. Damit sind sie nicht nur äußerlich, sondern auch geistig-seelisch erwachsen, haben jugendliches Ungestüm („Sturm und Drang“) oder pupertäre Launen hinter sich gelassen – und treten in den Ernst des Lebens bzw. in den „Ehestand“ ein. Für die Hochzeit gibt es auch das Wort „Trauung“ – die Brautleute „trauen“ sich etwas (zu)…

Bei jüdischen und bei orthodoxen Hochzeiten wird die Braut sogar mit einer Krone geschmückt. Der Brautkranz über der Haustür soll eine Art Ersatz für diese Krönung darstellen.


Verbot von Konversionstherapien widerspricht der Religions- und Gewissensfreiheit

Mathias von Gersdorff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte ein Gesetz zum Verbot von Konversionstherapien für Personen mit homosexueller Orientierung an, die heterosexuell empfinden möchten. 

Sein Ansinnen begründete er sogar religiös in einem Interview mit der linken „taz“ am 15. Februar 2019: „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins. Ich sage immer, der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Spahn will Konversionstherapien möglichst auch für Erwachsene verbieten. Diese Therapien seien wie „Körperverletzung“ einzustufen. Damit will er wohl den drastischen Einschnitt in die individuelle Freiheit rechtfertigen. Schließlich sollte aber doch jedem freigestellt sein, ob er sich auf diese Weise therapieren lässt oder nicht.

In der öffentlichen Diskussion werden normalerweise Therapien genannt, die von evangelikalen Gruppen angeboten werden und die angeblich keine medizinischen Standards einhalten würden; es ginge dabei mehr oder weniger um Scharlatanerie.

Jens Spahn gibt allerdings nicht zu erkennen, dass es ihm bei seinem Verbotsplan nur um Pseudo-Therapien geht, sondern um jegliche Handlung, die zu einer freiwilligen „Umorientierung“ führen könnte. Dazu könnten womöglich auch schlichte Gespräche mit einem Psychologen oder mit einem Seelsorger  – etwa im Beichtstuhl – gehören. 

Möglicherweise lässt Spahn das bewusst offen, um ein Drohszenario aufzubauen:

Selbst eine Predigt, die zur Bekehrung von homosexuellen Personen aufruft und in der theologische und moralische Argumente angeführt werden, könnte als eine Form der Therapie angesehen werden. Jedenfalls würde in einer solchen Predigt davon ausgegangen werden, dass sich Personen, die homosexuelle Praktiken ausüben, bekehren sollten und auf solche Handlungen künftig verzichten.

BILD: Mann und Frau – in der Schöpfungsordnung Gottes

Jemand könnte nach einer solchen Predigt oder nach einem solchen Beichtgespräch behaupten, er hätte ein schlechtes Gewissen bekommen, hätte sich unter Druck gesetzt gefühlt und hätte deshalb versucht, seine Homosexualität zu überwinden. Dies stürzte ihn in große seelische Not, weshalb er eine Entschädigung und die Bestrafung des Priesters fordert.

Von Spahn sind Bußgelder von bis zu 5.000 Euro angedacht.

Je nachdem, wie Spahns Vorstellungen am Ende in Gesetzesform gegossen werden, wird die Religions- und Gewissensfreiheit eingegrenzt werden. Im Extremfall könnte jeder Aufruf in Wort oder Schrift zur Bekehrung bzw. Konversion als eine Hass-Botschaft aufgefasst werden, die entsprechend bestraft werden müsse.

„Konversion“ (oder auf deutsch „Bekehrung“) ist ein Schlüsselbegriff der christlichen Moraltheologie und Askese. Zu Aschermittwoch, also zu Beginn der Fastenzeit, wird den Katholiken das Aschenkreuz aufgelegt. Dabei hören sie vom Priester: „Bekehre dich und glaube an das Evangelium“.

Die gesamte Fastenzeit sollte genutzt werden, um sich zu bekehren, um sich von Fehlern, falschen Anhänglichkeiten und vor allem von der lässlichen und schweren Sünde zu befreien.

Die Fastenzeit ist so etwas wie eine Bekehrungs-Zeit im Jahr. Doch zur Bekehrung sind alle Menschen immer aufgerufen. Alle Menschen sollten stets bemüht sein, sich mit der Hilfe Gottes zu bekehren und bessere Menschen zu werden.

Der Grund dafür ist sehr einfach: Alle Menschen sind Sünder. Alle Menschen sündigen, selbst Gerechte sündigen „sieben Mal am Tag“, wie es in der Hl. Schrift heißt. Wobei „sieben“ in diesem Fall einfach „viel“ bedeutet. Niemand ist von den Folgen der Erbsünde ausgenommen. Dementsprechend sollten alle Menschen versuchen, sich zu bekehren.

Das ist der einzige Weg zu Gott: Wer sich nicht bekehrt, gelangt nicht zum Heil.

Bekanntlich ist die sexuelle Vereinigung nur im Rahmen einer gültig geschlossenen Ehe ethisch einwandfrei. Zudem müssen diese Akte grundsätzlich für eine Fortpflanzung offen sein. Alles andere ist Sünde.

Die praktizierte Homosexualität soll im Grunde eine Art Privileg erhalten: Sie soll stets als moralisch einwandfrei erklärt werden. Nicht einmal eine geschlossene Ehe wäre als Voraussetzung erforderlich. Eigentlich würden dadurch die heterosexuellen Paare moraltheologisch „diskriminiert“ werden, denn sie müssen sehr wohl heiraten.

Spätestens hier sieht man, dass die ethische Sonderbehandlung der Homosexualität lächerlich ist.

Die katholischen Bischöfe müssten scharf gegen ein Verbot von Konversionstherapien protestieren. Möglicherweise müssten aber auch manche Missverständnisse, die in der Öffentlichkeit herrschen, ausgeräumt werden.

Eine Konversion bzw. Bekehrung ist immer eine völlig freiwillige Entscheidung. Der freie Wille ist also die entscheidende Instanz. Diese Entscheidung muss im Heilsplan Gottes für den Einzelnen eingebettet werden (Gott will die Bekehrung aller Sünder) und es muss auch betont werden, dass Gott eine zentrale Rolle in der Bekehrung jeden Menschen spielt, denn Gott schenkt die Gnade, die für einen solchen lebensverändernden Schritt notwendig ist.

Eine Bekehrung ist im Grunde das Ergebnis des Zusammenspiels von menschlichem Willen und göttlicher Gnade.

Deshalb ist eine Bekehrung immer auch ein übernatürlicher Vorgang, der sich in der Seele des Menschen abspielt.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und publiziert regelmäßig hier: https://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/


Die EHE soll von allen in Ehren gehalten werden und das Ehebett bleibe unbefleckt

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 13,1-8:

Die Bruderliebe soll bleiben. Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.
Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden, und das Ehebett bleibe unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.
Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Darum dürfen wir zuversichtlich sagen: Der HERR ist mein Helfer, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?
Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!
Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.