Kardinal Kaspers Reformideen und ihre kulturrevolutionären Folgen

Mathias von Gersdorffmvongersdorff1

Als Antwort zu Kardinal Walter Kaspers Schrift „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“, in welcher eine Aufweichung der Sakramentenlehre und Praxis der Kirche bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen vorgeschlagen wird, sind zwei wichtige Bücher erschienen:

„In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche“, herausgegeben von Robert Dodaro und mit Beiträgen der Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Carlo Cafarra, Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke und Velasio de Paolis sowie weiterer Theologen.

Das zweite Buch ist „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ der Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski. Beide Bücher ergänzen sich und geben insgesamt eine recht vollständige Behandlung des Themas.

Hier soll das zweite Buch näher vorgestellt werden, weil es tiefer in die kulturellen Aspekte des Problems geht. Oder genauer gesagt: Das Buch von Pérez-Soba und Kampowski hat zwei Lesarten: eine theologische und eine kulturelle.

Wer eine systematische und detaillierte theologische Widerlegung von Kaspers „Rede vor dem Konsistorium“ sheader_buchucht, kommt genauso auf seine Kosten wie jemand, der den kulturellen Rahmen der Gedanken Kaspers kennenlernen will. Diese „kulturelle“ Seite des Problems soll nun untersucht werden.

Pérez-Soba und Kampowski stellen gleich am Anfang ihres Buches fest, daß die katholische Ehe- und Sexualmoral in der heutigen Welt auf heftigen Widerstand und Unverständnis stößt.

Nach katholischer Auffassung ist praktizierte Sexualität, die nicht von der Liebe geleitet wird, Egoismus. Damit Sexualität im Geist der Liebe praktiziert werden kann, muß sie ihrem eigentlichen Zweck, der menschlichen Fortpflanzung, offen stehen. Diese wiederum erfordert eine stabile Institution: die Ehe. Sexualität, Liebe und Ehe sind also organisch miteinander verbunden.

Die „Sexuelle Revolution“ hat sich durchgesetzt

Nach „moderner“ Auffassung sind das aber getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher.

Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren 1511Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.

Bekanntlich hat sich Reichs Sichtweise immer mehr durchgesetzt – inzwischen dermaßen stark, daß sich die katholische Kirche in einer Defensivposition befindet. Viele können gar nicht mehr nachvollziehen, wieso „Sex“ nur in der Ehe stattfinden soll, zudem ohne künstliche Verhütungsmittel.

Diese moderne freizügige Mentalität prägt natürlich unsere Kultur. In Spielfilmen, Fernsehserien, Literatur, Talkshows, Werbung, ja, überall wird eine Sicht von Sexualität verbreitet, die weitgehend der von Wilhelm Reich und seinen Nachfolgern, vor allem Herbert Marcuse und den 68ern, entspricht.

Die moderne Kultur unterstützt nicht die katholische Kirche, ihre Ehe- und Sexualmoral den Menschen begreiflich zu machen. Ganz im Gegenteil: Die moderne Kultur steht in vielen Punkten konträr zum katholischen Lehramt.

Pragmatischer deutscher Ansatz paßt sich den Umständen an

Auf diese Situation gibt es zwei mögliche Antworten: Eine wäre, die Kultur komplett zu verändern. Das war die Haltung des Apostels Paulus und der anderen Apostel, die permanent der antiken Welt die Leviten gelesen und zu einer umfassenden Bekehrung aufgerufen haben.

Dasselbe taten später Menschen wie der hl. Bonifatius oder der hl. Remigius, der Chlodwig I., dem König der Franken, nach seiner Konversion sagte: „Bete an, was du verbrannt hast – verbrenne, was du angebetet hast. Adora quod incendisti, incende quod adorasti!“

Kardinal Walter Kasper ist weit von solchen Vorstellungen entfernt. Er meint, man müsse die Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit akzeptieren und mit ihnen ganz behutsam umgehen. Keineswegs solle man sie überfordern oder gar einen drastischen Lebenswandel verlangen. chrkn

Dieser „pragmatische Ansatz“ ist gerade in Deutschland beliebt. Viele Prälaten und Priester sind schnell bereit, sich den gegebenen Umständen anzupassen.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben in ihrem Buch, Kardinal Kasper glaube wohl kaum, man könne die Menschen auffordern, sexuell enthaltsam zu leben. Eine solche Forderung scheine für Kardinal Kasper eine „unerträgliche Last“ zu sein. Selbst wenn man die Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe aufrechterhält, so müsse man laut Kasper die Möglichkeit einer zweiten Form des Zusammenlebens irgendwie legitimieren, indem man wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuläßt.

Wenn man aber so weit ist, wird die tragende Säule der Lehre der Kirche zur Sexualität umgeworfen. „Diese tragende Säule ist das Beharren der Kirche darauf, daß der einzige angemessene Rahmen für den Vollzug menschlicher Sexualität der Kontext ehelicher Liebe ist.“

Es folgen weitreichende kulturelle Konsequenzen

Folgerichtig schlägt Kardinal Kasper eine Änderung der Sakramentenpastoral vor. Das geht aber nicht ohne eine Änderung der Lehre der Kirche hinsichtlich Ehe und Sexualität sowie der Lehre der Kirche hinsichtlich der Sakramente, vor allem der Eucharistie und des Bußsakramentes und somit nicht ohne eine Änderung der katholischen Christologie.
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Im Grunde wird suggeriert, der katholische Glaube, der seit 2000 Jahren gelehrt wird, könne von der Mehrheit der Menschen gar nicht praktiziert werden. Auf diese Einzelfragen gehen Pérez-Soba und Kampowski detailliert ein.

Kaspers Vorschläge in „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“ hätten im Falle einer praktischen Anwendung jedoch nicht nur weitreichende theologische, sondern auch kulturelle Konsequenzen.

Die Preisgabe der Exklusivität des Geschlechtsaktes in der Ehe ist nämlich nichts anderes als eine Kapitulation vor der „Sexuellen Revolution“, die  –  wie oben schon beschrieben  –  seit Jahrzehnten an Boden gewinnt.

Von wilden Ehen bis zur Gender-Ideologie

Laut katholischer Lehre ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich – der Mensch kann das Ehesakrament nicht ungeschehen machen. Eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion durch die Kirche entspräche einer Akzeptanz der Zweitehe, die aber im katholischen Sinne gar keine Ehe ist, weshalb sie auch nicht kirchlich geschlossen werden kann.

Wie können dann aber jene Menschen, die gar nicht verheiratet sind, aber in „wilder Ehe“ leben, noch von der Kommunion ausgeschlossen werden? Ihr Zustand ist sogar weniger irregulär als der von wiederverheirateten Geschiedenen. Auch diese müßten also zum Tisch des Herrn zugelassen werden.

Dann ist man aber nicht mehr weit davon entfernt, auch Personen zur Kommunion zuzulassen, die in homosexuellen oder transgender-Partnerschaften leben.slider5-640x360

Kurz: Rasch hätte man sich der „Sexuellen Revolution“ in ihrer ganzen Breite angepaßt. Von wilden Ehen bis hin zur Gender-Ideologie wäre alles drin.

Pérez-Soba und Kampowski schreiben: „Fast alles, was die Kirche über diese Themen sagt, steht und fällt mit der grundlegenden Lehre über den angemessenen Ort der menschlichen Sexualität.“

Kardinal Walter Kasper geht zwar in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht so weit. Doch andere, vor allem etliche Theologen und Gruppierungen wie „Wir sind Kirche“, tun es sehr wohl und berufen sich auf Kasper. Sie ziehen die Schlußfolgerungen, die der Kardinal in seiner Rede vor dem Konsistorium nicht ziehen wollte.

Und mit der Zeit werden die Forderungen der Linkskatholiken immer radikaler und unverschämter. Mit seiner Rede hat Kardinal Kasper die Büchse der Pandora geöffnet, wodurch all der Schmutz der „Sexuellen Revolution“ der 68er-Bewegung in die katholische Kirche einzudringen droht.

Menschen suchen Antworten bei der Kirche

Eine Öffnung der katholischen Kirche für die Maximen der „Sexuellen Revolution“ hätte selbst für die heutige Welt fatale Folgen, so die beiden Autoren. Für sie ist unsere zeitgenössische Kultur längst nicht so libertär, wie oft angenommen oder in manchen Medien dargestellt wird.

Selbst in dieser modernen Welt ist die katholische Kirche so etwas wie ein Leuchtturm. Ginge dieser verloren, wären die Folgen unabsehbar:

„Die moderne Welt würde in ihr nicht länger einen Gesprächspartner finden hinsichtlich der Themen, die ihr am Herzen liegen. Was ist gerecht und was ist ungerecht? Wie kann man sein Leben gut führen? 120505288_BV_July und Mike

Wenn die Kirche also über Themen der Moral spricht, von Empfängnisverhütung und künstlicher Befruchtung über Klonen und genetische Manipulationen bis hin zu vorehelichem Geschlechtsverkehr, Scheidung, Abtreibung und Euthanasie, dann hat sie in der modernen Welt einen Gesprächspartner. Die moderne Welt mag nicht zustimmen, sie mag empört und schockiert sein; sie mag Medienkampagnen gegen Einzelpersonen oder die gesamte Kirche starten …

Nichtsdestotrotz zeigt die moderne Welt gerade dadurch, daß sie Ärger, Wut und Unverständnis gegenüber der Morallehre zum Ausdruck bringt, daß sie diese für wichtig hält, und das ist weit entfernt von der einzigen Haltung, die tödlicher ist als Opposition, nämlich Gleichgültigkeit.“

Laut katholischem Verständnis ist die Ehe aufgrund göttlicher Bestimmung unauflöslich. Ist eine Ehe gültig geschlossen, kann sie vom Menschen nicht aufgelöst werden. Wie die Autoren beschreiben, hat die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung in der Wahrnehmung vieler Menschen nicht nur das Verständnis für die kirchliche Sexuallehre erschwert, sondern erheblich die moderne Kultur beeinflußt.

Abtreibung, Bindungsunfähigkeit, hohe Scheidungsraten, Frühsexualisierung sind direkte Folgen dieser Mentalität.

Kardinal Kaspers Vorstellungen zu Ende gedacht

Doch die wohl weitreichendste ist die Idee, daß das biologische Geschlecht unwichtig geworden sei: Die Gender-Ideologie „führt einen Bruch zwischen biologischem Geschlecht und sozialem Gender herbei und zieht damit die extremen Konsequenzen aus Simone de Beauvoirs berühmten Worten: ‘Man kommt nicht als Frau zur Welt, sondern wird es.’

Sie leugnet jegliche Bedeutung des sexuellen Unterschieds für die Bildung der eigenen Identität so weitgehend, daß nach Tony Anatrella ‘die Vorstellung der sexuellen Orientierung die Idee der sexuellen Identität vollständig ersetzt und zum Beispiel Homosexualität als Alternative zur Heterosexualität darstellt, was sie in Wirklichkeit nicht ist’ …

Kirche in Augsburg

Es scheint in der Tat so zu sein, daß die Gendertheorie nur in einer Gesellschaft entstehen kann, der jedes Bewußtsein für den Zusammenhang zwischen sexueller Aktivität und Zeugung verlorengegangen ist. Nur in einem derartigen Kontext kann die sexuelle Präferenz wichtiger werden als der Geschlechtsunterschied mit seinem inneren Bezug zur Fruchtbarkeit.“

Wir haben es also mit einer regelrechten „anthropologischen Revolution“ zu tun, in der folgerichtig auch die Mutterschaft und die Vaterschaft verschwinden müssen. Vater und Mutter werden durch die Ausdrücke „Elter 1“ und „Elter 2“ ersetzt.

„Die Genderideologie wurde im Westen in die schulischen Lehrpläne eingeführt, und wenn die Kirche weiter schweigt, dann könnte in ungefähr zwanzig Jahren das ‘Vaterunser’ für fromme, gender-gemainstreamte Ohren anstößig klingen. Es könnte so weit gehen, daß Eltern, die ihren Kindern das Vaterunser beibringen, das Sorgerecht verlieren und ins Gefängnis wandern“, so Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski.

An solchen Passagen wird die Argumentationsstärke und die Weitsicht der beiden Autoren von „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ sichtbar.

Die praktische Umsetzung von Kardinal Kaspers Vorstellungen wäre nicht nur eine Schleifung der katholischen Ehe- und Sexualmoral, sondern auch ein ungeheurer Triumph der „Sexuellen Revolution“ mit kaum abzuschätzenden Folgen.

Buch-Daten: Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski: Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Media-Maria Verlag, geb., 240 Seiten, 19,95 Euro.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und die Webseite “Kultur und Medien online”

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit”


Zwischen künstlicher Verhütung und Scheidungsrate besteht ein Zusammenhang

Von Inge Thürkauf     Inge_M._Thuerkauf

„Scheidung ohne Stress, „Scheidung für Eilige, „Scheidung online – Fachkanzlei ermöglicht es.“  – So klingen die Werbeangebote der seit einigen Jahren florierenden Scheidungsindustrie.

Da jede zweite oder dritte Ehe geschieden wird, bedarf es Spezialisten, die diese Krisensituation aufarbeiten. In fast allen Ländern des Westens hat das Geschäft der Scheidungsindustrie ein Übermaß an Aktivität erreicht.

Scheidungsanwälte, Psychocoaches, Heiratsvermittler, Reisebüros, Immobilienmakler einschließlich Konditoren mit Scheidungstorten bieten auf sog. Scheidungsmessen ihre Dienste an.

Es gibt in dieser Branche nichts, was nicht wert ist, vermarktet zu werden. Kann man sich vorstellen, daß noch jemand daran interessiert sein könnte, gebrochene Verbindungen zu heilen und Ehen zu retten?

Auch hier geht es um die Geschichte vom großen Geld, vom Millionengeschäft.

Psychologen und Sozialforscher machen vor allem den gesellschaftlichen Wandel und die völlig veränderten gegenseitigen Ansprüche in der Ehe als Verursacher der in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegenen Scheidungszahlen verantwortlich.

Das mag im Einzelnen gesehen nicht falsch sein. Doch Weihbischof Dr. Andreas Laun und seine Mitarbeiter im Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg sowie seine bischöflichen Mitbrüder Dr. Elmar Fischer und Dr. Klaus Küng gelangten zu einem Ergebnis, das in den Betrachtungen der genannten „Berater“ keine Beachtung findet: der Zusammenhang zwischen künstlicher Empfängnisverhütung und Scheidung. 012_9A

Grundlage ihrer Überlegungen war die Studie der amerikanischen Lebensrechtlerin Mercedes Wilson, die entdeckte, daß Paare, die künstlich verhüten, häufiger in Scheidung enden als jene, die in ihrer Ehe die Natürliche Empfängnisregelung (NER) leben.

Mit Hilfe des Arzt-Ehepaars Walter und Michaela Rhomberg wurde unter den Mitgliedern des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung (INER) Vöcklabruck auch im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz und Süd-Tirol) eine Untersuchung durchgeführt, um abzuklären, ob die in Amerika erarbeitete Studie insoweit bestätigt werden kann.

Die Umfrage bezog sich auf die Gründe für die Wahl der Natürlichen Empfängnisregelung (NER) sowie auf die Praxis der Methode, die Zufriedenheit im Familienleben und die Akzeptanz der periodischen Abstinenz.

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Die Sondierung dieses Fragebogens, bei der auch die religiöse Praxis einbezogen wurde, zeitigte erstaunliche Resultate: 61 % bestätigten eine Bereicherung ihrer persönlichen Beziehung zum Partner, 63 % erlebten das Familienleben schöner und glücklicher und 82 % der Befragten beurteilten die periodische Abstinenz als positiv.

Das für die Anwendung der NER sprechendste Ergebnis jedoch ist die Tatsache, daß die Scheidungshäufigkeit in Relation zur religiösen Praxis  –  unabhängig vom Glaubensbekenntnis  –  bei 3 % liegt, bei distanzierter religiöser Praxis allerdings bei 12,5 %.

Doch auch diese Scheidungsrate liegt immer noch deutlich unter den Durchschnitts-Werten der in Frage kommenden Länder (Österreich im Jahre 2007 bei 48 %, Tirol 37 % und Wien bis zu 60 %). Die durchschnittliche Geburtenzahl der befragten Paare liegt bei 3 Kindern.

Die gesammelten Erkenntnisse wurden in einem ansprechenden Band mit dem Titel „Die Dynamik der Liebe“ erfasst, herausgegeben von Weihbischof Dr. Andreas Laun und Mag. Maria Eisl.

Daß über die darin erstellten Gutachten kein Widerhall in den Mainstream-Medien zu finden ist, erstaunt weiter nicht, da über das Wissen um die von Prof. Dr. Josef Rötzer entwickelte sympto-thermale Methode, die nichts mehr gemeinsam hat mit der Knaus-Ogino Rechenregel, weitgehend geschwiegen wird.

Dabei möchte Dr. Rötzer bei dieser Art der Fruchtbarkeitsregelung weniger von einer Methode als von „der eigenen Lebensweise“ sprechen, da durch NER die Möglichkeit gegeben wird, Mann und Frau im Sinne der katholischen Lehre zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung und Annahme des Leibes zu führen. ???????

Langjährige Forschungsarbeiten haben gezeigt, daß NER bei sorgfältiger Anwendung ebenso sicher ist wie die “Pille“.

Ein entscheidender Grund des mangelnden Bekanntheitsgrades der NER ist die Dominanz der Pharmalobby, die aus wirtschaftlichen Gründen die zahlreichen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen dieses hochwirksamen Hormonpräparats unterschlägt: wie Thrombosen und Embolien, Infektionen, Demenzentwicklung, sowie ein erhöhtes Krebsrisiko (Brustkrebs, Leber- und Gebärmutterhalskrebs).

Der westliche Mensch pflegt einen oft befremdlichen Gesundheitskult in seinem Trend zur Natürlichkeit. Warum aber wird die Pille, die kein Medikament gegen eine Krankheit ist, sondern ein Mittel gegen die Fruchtbarkeit der Frau, über Jahre hinweg täglich eingenommen?

Überall heißt es „Zurück zur Natur“, doch wenn es um Verhütung geht, ist jedes Mittel recht, selbst wenn es die Gesundheit der Frau ruiniert.

Es ist in unserem aufgeklärten Zeitalter weithin unbekannt, daß die Tage der Fruchtbarkeit selbst bestimmt werden können. Da die Eizelle eine begrenzte Lebensdauer hat, ist nur ein kurzer Zeitraum vorbehalten, in dem der Eisprung stattfinden kann, d. h. wenn die Eizelle nach wenigen Stunden abgestorben, also nicht mehr befruchtungsfähig ist, besteht bis zur nächsten Blutung tatsächlich eine 100-prozentige Unfruchtbarkeit. IMG_1468 (2)

Dem INER liegen 400.000 Zyklen vor, die seit 1956 gesammelt wurden: sie bestätigen, daß in der unfruchtbaren Zeit keine Schwangerschaft zustande gekommen ist.

Ein eigenes Kapitel ist den persönlichen Erfahrungen gewidmet (Seite 18 – 30), in denen Ehepaare in Dankbarkeit über die Zuverlässigkeit der NER-Methode berichten. Hier einige Aussagen:

  • Sie ist eine Lebensweise ohne Nebenwirkungen der Pille…
  • Gibt ein gutes Gesundheitsgefühl ohne Chemie…
  • Die Konsequenzen unseres Handelns werden gemeinsam getragen…
  • Auch der Ehemann wird mit den körperlichen und seelischen Situationen seiner Frau vertraut…
  • Durch die Enthaltsamkeit freute ich mich stärker auf das nächste Beisammensein…
  • In der Zeit der Enthaltsamkeit leben wir von der gegenseitigen Zärtlichkeit…

Was bei den Befragungen immer wieder betont wurde, ist der Schutz der Fruchtbarkeit für die nächste Generation und der Respekt und die Würde vor dem Leben des andern.

Das sexuelle Verhalten vieler Paare wird seit Jahrzehnten durch Verhütung bestimmt, das in der Folge in allen Bereichen der Moral zu einer permissiven Denkweise geführt hat. Die Entwicklung hätte einen andern Verlauf genommen, wenn „der umstrittenste Text der Kirche“ ernst genommen worden wäre: die Enzyklika „Humanae vitae“.

Die Folgen der Verneinung dieses prophetischen Lehrschreibens haben in die uns bekannten Sackgassen geführt: Kontrazeption und Abtreibung  –  und in Weiterführung dieser faulen Früchte zur In-vitro-Fertilisation, Embryonenvernichtung in verbrauchender Embryonenforschung, Präimplantationsdiagnostik (PID) zur Selektion Behinderter und schließlich „assistierte Tötung“ am Lebensende, d. h. Euthanasie.

Am Schluß des Buches findet der interessierte Leser eine Kurzanleitung als Information für Ärzte, sowie wertvolle Erklärungen über die Funktionsweise der sympto-thermalen Methode nach Dr. Rötzer, ebenso Kontaktadressen für den deutschsprachigen Bereich.

Fast ein halbes Jahrhundert ist seit dem Erscheinen von „Humanae vitae“ vergangen. Die Erfahrungen dieser Jahre haben gezeigt, daß die Warnungen und Gefährdungen, von denen Papst Paul VI. einst sprach, in einem kaum erwarteten Maße berechtigt waren.

Daher trifft es zu, was Weihbischof Dr. Andreas Laun in seiner Abhandlung „In der Liebe begründet“ betont:

„Die Abwendung von Verhütung hin zur Natürlichen Empfängnisregelung könnte der Anfang einer neuen, erneuerten Liebesbeziehung werden und Scheidung verhindern,…denn mit Blick auf die Kirchengeschichte gab es noch nie einen günstigeren Zeitpunkt für Katholiken, die Ehelehre der Kirche zu entdecken als heute.“

Unsere Autorin Inge Thürkauf ist katholische Publizistin und Theaterschauspielerin; sie lebt im Schwarzwald


Wegweisender Sammelband zum Dauerbrenner “Ehe und Kommunion”

Rezension von Felizitas Küble

Die folgende Besprechung erschien in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2015):

Rudolf Voderholzer (Hrsg). Zur Seelsorge wiederverheiratet Geschiedener. Dokumente, Kommentare und Studien der römischen Glaubenskongregation. Mit einer Einleitung von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. / 116 Seiten, 14 × 22,5 cm, Broschur, € 9,90, Echter-Verlag, ISBN 978-3-429-03760-4. index

Erschienen in der Reihe „Römische Texte und Studien“, hrsg. von Bischof Prof. Dr. Gerhard L. Müller, Band 6, erstmals in deutsch als 2. erweiterte Auflage 2014 (Erstauflage in lateinischer Sprache bei Libreria Editrice Vaticana 1998)

Dieser inhaltsreiche Sammelband, der bereits 1998 im vatikanischen Verlag und nun im September 2014 (und damit noch vor der römischen Familiensynode) in erweiterter Form erstmals auch in deutscher Sprache beim Echter-Verlag erschienen ist, bietet wesentliche Grundlagen für eine theologisch solide Sicht jenes Dauerbrenners, der auch auf der außerordentlichen Bischofssynode im Oktober 2014 kontrovers debattiert wurde:

Sollen geschiedene „Wiederverheiratete“ zum Tisch des HERRN zugelassen werden?

Herausgeber der Dokumentation ist Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, der bis zu seiner Ernennung als Bischof von Regensburg im Herbst 2013 als Dogmatiker in Trier lehrte. Er verfaßte zudem das Geleitwort, dem ein Vorwort von Tarcisio Bertone folgt (damals Sekretär der römischen Glaubenskongregation); es stammt noch aus der Zeit der vatikanischen Erstauflage von 1998.

Deutlich umfangreicher gestaltet sich sodann eine thematische Einleitung von Papst-Emeritus Benedikt XVI. bzw. Joseph Ratzinger aus seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation. Darin faßt der frühere Pontifex die Lehraussagen der Kirche zum erwähnten Thema in übersichtliche Thesen zusammen und geht zugleich auf die häufigsten Einwände ein, die er beantwortet und widerlegt.

Das Buch enthält als wichtiges Dokument das vom 14.9.1994 datierte Schreiben der Glaubenskongregation an die Bischöfe der katholischen Kirche, danach folgen erläuternde Kommentare und Studien einzelner Theologen zu dieser seit Jahrzehnten anhaltenden Debatte, die angesichts der Familiensynode in Rom wieder verstärkt aufgeflammt ist.

„Nicht hinter bereits gewonnene Einsicht zurückfallen“

Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) schreibt in seinem Geleitwort, es sei angebracht, die bewährten Dokumente der Glaubenskongregation wieder in Erinnerung zu bringen „und damit der Gefahr vorzubeugen, hinter bereits gewonnene Erkenntnisse und Einsichten zurückzufallen“.  borMedia1840101

Zur lehramtlichen Verkündigung über Ehe, Familie und Fruchtbarkeit gehört sicherlich auch die „umstrittene“ Enzyklika „Humanae Vitae“, deren Wert und Bedeutung von nachdenklicher Seite angesichts des modernen Hedonismus zunehmend erkannt wird.

Der Regensburger Oberhirte schreibt im Hinblick auf die für 2015 geplante ordentliche Familiensynode im Vatikan, diese werde „den zu Unrecht so oft verkannten, epochalen, weil prophetischen Beitrag“ von Papst Paul VI. „neu würdigen und für die aktuelle Lehrverkündigung fruchtbar machen“.

Gott lieben und seine Gebote halten

Abschließend zitiert der Bischof das Bibelwort und erinnert an den Beistand des Heiligen Geistes für die Kirche und die Christgläubigen, „damit wir auch heute seine Gebote halten und ihn lieben können, denn das ist unsere große Berufung als getaufte Christen: Christus lieben und seine Gebote halten.“

Der bischöfliche Herausgeber verfaßte sein Geleitwort sinnigerweise am 24. Juni 2014, dem Hochfest der Geburt von Johannes dem Täufer, der bekanntlich wegen seines unbeugsamen Eintretens für die göttlichen Gebote – gerade im Hinblick auf die Ehelehre – im Auftrag von König Herodes enthauptet wurde.

Papst-Emeritus Benedikt erwähnt in seiner Einleitung die „tiefe Krise“, in der sich Ehe und Familie in vielen Ländern befinden. Allerdings sei die Kirche schon „seit den Zeiten der Apostel“ mit vielfachen „Schwierigkeiten in der Ehepastoral konfrontiert“. Dabei habe man sich aber auch in der Patristik „wie selbstverständlich“ an Christi Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe gehalten. 

Hinsichtlich der orthodoxen Praxis, welche eine Zweit- oder gar Dritt-Ehe erlaubt, schreibt der Verfasser: „Die orthodoxen Kirchen des Ostens betonten das Prinzip der oikonomia, der gütigen Nachsicht in schwierigen Einzelfällen, was allerdings eine fortschreitende Aufweichung des Prinzips der akribia, der Treue zur geoffenbarten Wahrheit, mper ebayit sich brachte“ (S.13).

Außerdem erwähnt Benedikt XVI. mit Berufung auf „Gaudium et spes“ (47-52), daß das 2. Vatikanische Konzil die kirchliche Ehelehre „vertieft und in einer mehr personalistischen Sichtweise vorgelegt“ habe.

Dabei räumt der Verfasser ein: „Aufgrund der Konzilsoption, die Wahrheit positiv zu verkünden, kamen Schwierigkeiten und Probleme weniger zur Sprache.“ – Er fügt freilich hinzu: „Allerdings lehrt das Konzil, dass die Ehescheidung die Würde von Ehe und Familie entstellt (ebd. 47) und mit der ehelichen Liebe unvereinbar ist (ebd. 49)“ (S.14).

Allerdings kümmert sich die Kirche gleichwohl „als Mutter und Lehrmeisterin auch um Gläubige in irregulären Situationen“. Freilich darf diese Fürsorge und Seelsorge nicht auf Kosten der göttlichen Gebote und der von Christus selbst eingesetzt Sakramente gehen.

Deshalb erwähnt der Autor, daß die Glaubenskongregation in ihrem an die Bischöfe gerichteten Schreiben vom 14.9.1994, „die an sich bekannte Wahrheit und Praxis der Kirche“ von neuem „eingeschärft“ habe, um „pastoralen Missbräuchen entgegenzuwirken“ (S.16).

Die Kirche ist an Christi Lehre gebunden

Für Papst-Emeritus Benedikt besteht jedenfalls kein Zweifel: „Die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen befinden sich in einer Situation, die der Unauflöslichkeit der Ehe widerspricht“ (S.17). DSC05485

Eben deshalb ist die Kirche als Leib Christ an ihr Haupt, den göttlichen Erlöser, gebunden und darf hinsichtlich der Ehe weder willkürlich lehren noch handeln, zumal es bei der christlichen Ehe nicht allein um ein göttliches Gebot geht (6. Gebot), sondern um ein heiliges Sakrament und damit um die christliche Heilsordnung für die Gläubigen.

Die „pastorale Praxis“ darf sich von dieser unabdingbaren Voraussetzung keineswegs ablösen. Daher schreibt Benedikt XVI: „Die Kirche glaubt, dass niemand – nicht einmal der Papst – die Macht hat, eine sakramentale und vollzogene Ehe aufzulösen.(…) Eine neue zivile Verbindung kann das vorausgehende sakramentale Eheband nicht lösen.“ (vgl. CIC, can.1141)“ (S.17).

Gleichwohl betont der Autor, daß wiederverheiratet geschiedene Katholiken keineswegs exkommuniziert sind, selbst wenn ihnen der Tisch des HERRN verwehrt ist; sie bleiben „Glieder des Volkes Gottes und sollen die Liebe Christi und die mütterliche Nähe der Kirche spüren“, denn sie sind „nicht von der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen“ – freilich unter der Voraussetzung, daß sie „den christlichen Glauben bewahren“ (S. 17).

Benedikt zitiert zur Konkretisierung das nachsynodale Schreiben „Familiaris consortio“ von Papst Johannes Paul II., wonach jene Katholiken keineswegs zur Passivität bzw. einem randständigen kirchlichen Dasein verurteilt seien, sondern vielmehr „berufen sind, aktiv am Leben der Kirche teilzunehmen, insofern dies mit ihrer objektiven Situation vereinbar ist“.

Diese Gläubigen dürfen nicht nur, sondern „sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Messopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen“ (S.18). abtei-ettal-startseite_01

Mit Recht betont der Verfasser sodann, daß „die Teilnahme am kirchlichen Leben nicht einfach auf die Frage des Kommunionempfangs reduziert werden“ dürfe, wobei er in diesem Kontext auch die „geistliche Kommunion“ erwähnt, die den geschieden-wiederverheirateten Gläubigen empfohlen wird (S.19).

Deren Nichtzulassung zum Tisch des HERRN liegt, so Papst-Emeritus Benedikt, neben dem offensichtlich doktrinellen Grund auch ein pastorales Motiv zugrunde, wobei er sich erneut auf „Familiaris consortio“ beruft: „Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung“ (S.19).

„Viele andere Situationen“ hindern am Kommunionempfang

Die Debatte über den pastoralen Umgang mit „geschieden Wiederverheirateten“ leidet oftmals an einer gewissen Einseitigkeit, insofern diese Personengruppe allein im Focus steht. Leicht wird dabei verdrängt, daß allen Gläubigen der Zugang zum Tisch des HERRN verwehrt ist, die sich im Zustand der schweren Sünde befinden.

Hier rächt sich nun die bedauerliche Tatsache, daß in der kirchlichen Verkündigung vor Ort äußerst selten darüber gepredigt wird, daß allein jene Gläubigen, die sich im „Stand der Gnade“ befinden, zur hl. Kommunion zugelassen sind.

Hierzu schreibt Benedikt XVI. sehr realistisch und treffend: „Freilich – und dies ist in der Kirche weithin vergessen – gibt es auch viele andere Situationen, die einem würdigen und fruchtbaren Kommunionempfang im Weg stehen. In Predigt und Katechese müsste dies wieder viel mehr und deutlicher zur Sprache kommen. Dann könnten auch die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen ihre Situation leicht verstehen“ (S.20). christus

Wie sehr die Kirche versucht, dieser Personengruppe entgegenzukommen, so weit dies mit sakramententheologischen und pastoralen Prinzipien noch vereinbar ist, zeigt sich auch angesichts der Tatsache, daß jene zivil Verheirateten zu den Sakramenten zugelassen sind, die gleichsam „platonisch“ zusammenleben:

„Wenn wiederverheiratete geschiedene Gläubige sich trennen bzw. wie Bruder und Schwester leben, können sie zu den Sakramenten zugelassen werden“ (S. 22).

Die kirchlich erwünschte Lösung in einer solch „irregulären“ Lebenssituation ist zweifellos die Trennung der Partner, aber „wenn dies aus ernsthaften Gründen, zum Beispiel wegen der Kindererziehung, nicht möglich ist, müssen sie sich vornehmen, vollkommen enthaltsam zu leben.“

Auch hier beruft sich Papst-Emeritus Benedikt auf „Familiaris consortio“ (FC 84). – Er fügt hinzu: „Mit Hilfe der alles überwindenden Gnade und ihres entschiedenen Bemühens soll sich ihre Verbundenheit immer mehr in ein Band der Freundschaft, der Wertschätzung und der Hilfsbereitschaft verwandeln“ (S. 22).

Betroffene sollen ihre Hoffnung nicht verlieren

Gleichzeitig betont der Verfasser hinsichtlich jener Betroffenen, denen eine solch platonische Beziehung nicht gelingt: „Die wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen dürfen niemals die Hoffnung verlieren, das Heil zu erlangen“ (S. 23). - Er erwähnt, die Kirche vertraue fest darauf, daß jene Gläubigen, „die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben“, von Gott die „Gnade der Umkehr“ erhalten können, sofern sie „ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe“ (S. 23).

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

In ihrer gesamten Lehre und Pastoral ist die Kirche auf den Willen Christi verwiesen, weil unser Heiland die Unauflöslichkeit der Ehe so glasklar eingeschärft und diese gottgewollte Verbindung überdies zum Sakrament erhoben hat:

„Mit dem Kommen des Erlösers wird also die Ehe in ihrer schöpfungsgemäßen Ur-Gestalt wieder hergestellt und der menschlichen Willkür entrissen – vor allem der männlichen Willkür, denn für die Frau gab es ja die Möglichkeit der Scheidung nicht. (…) Nur so kann die Ehe der gottgegebenen Berufung zur Liebe und der menschlichen Würde voll gerecht werden und zum Zeichen der unbedingten Bundesliebe Gottes, d.h. zum Sakrament werden (vgl Eph 5,32)“ (S. 25).

Dabei ist die Natur-Ehe von Nichtchristen zwar ehrenwert und grundsätzlich gottgefällig, aber kein eigentliches Sakrament: „Die sogenannte Naturehe hat ihre Würde von der Schöpfungsordnung her und ist daher auf Unauflöslichkeit angelegt, kann aber unter Umständen eines höheren Gutes – hier des Glaubens – wegen aufgelöst werden“ (S.25).

Freilich beschränkt sich das Ehe-Sakrament keineswegs auf Katholiken, sondern erstreckt sich auf „zwei Getaufte“. Hierzu schreibt Papst-Emeritus Benedikt, daß „nur Ehen zwischen zwei Getauften Sakrament im strengen Sinn des Worte sind und dass für diese im Raum des Christusglaubens stehenden Ehen die unbedingte Unauflöslichkeit gilt“ (S. 25).

An diesen Willen des Ewigen bleibt die Kirche Christi für immer gebunden – und es ist ein erfreuliches und aktuell besonders notwendiges Verdienst dieses Sammelbandes, jene zeitlose Wahrheit von neuem ins Gedächtnis zu rufen. Die weiteren kirchlichen Dokumente und die fundierten Beiträge präzise argumentierender Theologen untermauern dieses Glaubensfaktum auf überzeugende Weise.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Modernismus pur: Wie sich Kardinal Reinhard Marx die Kirche von morgen vorstellt

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Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz, gab am 22. Januar America, der US-amerikanischen Zeitschrift der Jesuiten, ein Interview, in welchem er seine Hoffnungen für die Familiensynode im Oktober 2015 und seine Vision von Kirche schildert.

In Deutschland wurden vor allem die Passagen zu geschiedenen Wiederverheirateten und Homosexuellen registriert.

Die Süddeutsche Zeitung wählte für ihren Bericht die Überschrift „Auch Homosexuelle gehören dazu“, der Nordbayerische Kurier titelte: „Marx für Reformkurs bei wiederverheirateten Geschiedenen“.

Diese Themen sind zur Zeit die wichtigsten für die sog. Reformkatholiken, die eine Anpassung der kirchlichen Lehre an die Maxime der sexuellen Revolution der 68er-Bewegung anstreben.

Doch Kardinal Marx beschränkt sich im Interview mit America keineswegs auf diese Themen, sondern präzisiert und aktualisiert die üblichen Anschauungen des Reformkatholizismus. Damit stellt er sich an die Spitze einer Bewegung, die spätestens seit dem Mißbrauchsskandal vor fünf Jahren immer deutlicher und lauter in der Öffentlichkeit ihre Ansichten vertritt:

Die Kirche müsse ihre Strukturen drastisch schleifen, die Kirche müsse sich demokratisieren, und das kirchliche Lehramt müsse sich dem heutigen Lebensgefühl anpassen.IMG_20140601_122952

Kardinal Marx als Umstürzler

Der sog. „Fall Tebartz-van Elst“ im vergangenen Jahr war ein neuer willkommener Anlaß für liberale Katholiken, für ihre Agenda zu werben. Angeblich um in Zukunft „Limburger Verhältnisse“ auszuschließen, müsse nun auch über eine neue Definition des Bischofsamtes und der kirchlichen Hierarchie schlechthin diskutiert werden.

In Wahrheit geht es um eine völlig neue Vision dessen, was Kirche überhaupt ist. Dies wird im Interview von Kardinal Marx (siehe Foto) mit America sehr deutlich. So sagt er: „Die Kirche kann der Welt zeigen, daß sie nicht ein Instrument für sich selbst, sondern für die Einheit der Nation und der Welt sein kann.“ –  Die Kirche dürfe keine narzistische Kirche, keine Kirche der Furcht sein, so Marx.

Verständnis zeigt Kardinal Marx auch für homosexuelle Partnerschaften, für „wilde Ehen“, für wiederverheiratete Geschiedene, für die Forderungen, die Sakramentenlehre zu verändern. Für ihn sei sowieso nicht klar definiert, was die katholische Kirche über Ehe und Familie lehrt.

Kirche nicht als Hüterin der Wahrheit?

Kardinal Marx tritt ein für eine Entklerikalisierung der Macht an der römischen Kurie. Dementsprechend sollten Laien wichtige Ämter, sogar den Vorsitz von Räten, Kongregationen (vatikanischer Ministerien) und sonstigen Verwaltungseinheiten übernehmen.

Im Rahmen dieser Strukturreformen sollten Frauen bevorzugt werden. Man müsse nämlich endlich erkennen, daß eines der „Zeichen der Zeit“ die „Emanzipation der Frauen“ sei. Die Kirche müsse diese nun vollziehen. (Der Begriff „Emanzipation der Frau“ stammt aus dem Begriffsarsenal linker Gesellschaftspolitik und hat die Ideologie des Klassenkampfes zur GruRadio Vatikanndlage).

An diesen Aussagen wird folgendes klar: Die Kirche wird von den liberalen Reformkatholiken nicht primär als Hüterin der Wahrheit aufgefaßt, sondern als ein Ort der Begegnung, wo sich alle Menschen, egal wie sie sind, treffen.

Damit das überhaupt funktionieren kann, muss sich die Kirche an den Zeitgeist anpassen und möglichst offene Grenzen haben. Die Grenzen zwischen katholisch und nicht-katholisch werden möglichst verwischt (aber nicht so stark, daß das die Kirchensteuereinnahmen gefährden könnte). Um das wiederum zu erreichen, ist eine Schwächung des Priester- und Bischofsamtes nötig.

In einer solchen Kirche kann die Wahrheit bzw. die Treue zum Evangelium nicht im Mittelpunkt stehen. Das wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, doch das ist die zwangsläufige Konsequenz. Damit die Wahrheit gegen die ständigen Angriffe gewappnet ist, muß sie hierarchisch auf der Basis des Weihesakramentes aufgebaut sein.

Sollte dieser Prozeß lange genug fortdauern, entstünde ein formloses Gewebe von Bistümern und Pfarreien ohne festumrissene Gebietsabgrenzungen. Das Sagen hätten pseudo-demokratische Gremien und charismatische Figuren, die einen Lebensstil vorgeben, der nicht mehr an festdefinierte Glaubenswahrheiten gebunden ist.

Eigentlich sähe dann die Kirche nicht viel anders aus als die utopische poststrukturalistische Gesellschaft der 68er-Revolutionäre.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und die Webseite “Kultur und Medien online”

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit”

Fotos: M. v. Gersdorff – Felizitas Küble – Laura Mohr – Radio Vatikan


“Die EHE werde von allen in Ehren gehalten”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Hebr 13,1-8:

Brüder! Die Bruderliebe soll bleiben. Vergeßt die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.  cropped-ZIM_5640

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Mißhandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib.

Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden, und das Ehebett bleibe unbefleckt; denn Unzüchtige und Ehebrecher wird Gott richten.

Euer Leben sei frei von Habgier; seid zufrieden mit dem, was ihr habt; denn Gott hat versprochen: Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Darum dürfen wir zuversichtlich sagen: Der HERR ist mein Helfer, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?

Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!

Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

 


Uni-Studie: Für ältere Ehepaare ist Zärtlichkeit weitaus wichtiger als Sexualität

Pressemitteilung der Universität Rostock:

Im höheren Lebensalter bleibt die sexuelle Zufriedenheit stabil. Zudem hat Zärtlichkeit im Vergleich zur Sexualität im Alltag älterer Paare eine höhere Bedeutung. BILD0289
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Zu diesen Ergebnissen kommt ein Wissenschaftlerteam der Universitätsmedizin Rostock und der Queen Mary University of London, Barts and the London School of Medicine and Dentistry bei der Untersuchung verheirateter älterer Männer und Frauen.
Die Ergebnisse veröffentlichte kürzlich die renommierte Fachzeitschrift PlosOne.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von Teilnehmern der bevölkerungsbasierten „Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE) aus, mit der seit 1993 individuelle, soziale und ökonomische Bedingungen gesunden Alterns erforscht werden.

Dreimal nahmen die Studienteilnehmer bereits an dem umfangreichen Untersuchungsprogramm teil. Fragen zu Sexualität und körperlicher Nähe spielten dabei auch eine Rolle. Die publizierten Befunde basieren auf Daten von 1930 bis 1932 geborenen Männern und Frauen. Zum Zeitpunkt der drei Erhebungswellen waren sie 63, 67 und 74 Jahre alt.

Die Teilnehmer zeigten während des zwölfjährigen Studienverlaufs stabile sexuelle Zufriedenheitswerte, obwohl sich die sexuelle Aktivität, so der übereinstimmende Befund der internationalen Forschungsliteratur, mit dem Alter als Folge hormoneller und physischer Veränderungen verringert.

Bei langjährigen Ehen wächst die gegenseitige Anpassung

Die Forscher führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass psychische Anpassungsprozesse bei Menschen in langjährigen Partnerschaften besonders gut gelingen.
Die Ergebnisse belegen, dass sich diese Anpassungsprozesse an altersbezogene sexuelle Veränderungen bei Männern über einen längeren Zeitraum als bei Frauen erstrecken.
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Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass die untersuchten Personen Zärtlichkeit für wesentlicher erachten als Sexualität:
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„So räumten im Alter von 74 Jahren 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen Zärtlichkeit einen wichtigen Platz in ihren Partnerschaften ein“, sagt Dr. Britta Müller (siehe Foto) vom Forscherteam der Universitätsmedizin Rostock.
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Sexualität hingegen habe nur bei 61 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen eine bedeutende Rolle gespielt.

Kuscheln führt zu größerer Zufriedenheit

 „Viele alternde Paare suchen durch Streicheln, Schmusen, Kuscheln, mitunter auch ritualisiert in Form des morgendlichen bzw. abendlichen Kusses oder des Händchenhaltens beim Spazierengehen, dem wachsenden Bedürfnis gerecht zu werden, sich der gegenseitigen körperlichen Nähe zu versichern“, erläutert Frau Dr. Müller. Darin liege auch der Schlüssel für die Partnerschaftszufriedenheit im Alter.
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Von fünf untersuchten Aspekten  –  Bildungsgrad, physischer Gesundheitszustand, Dauer der Partnerschaft, Bedeutung von Sexualität sowie von Zärtlichkeit  –  erweist sich nur der letzte Punkt, die Zärtlichkeit, als relevant für die Zufriedenheit mit der Partnerschaft.

Publikationsverweis:
Müller, B., Nienaber, C. A., Reis, O., Kropp, P., & Meyer, W. (2014). Sexuality and Affection among Elderly German Men and Women in Long-Term Relationships: Results of a Prospective Population-Based Study. PloS one, 9(11), e111404.

Kontaktdaten: Dr. Britta Müller
Universitätsmedizin Rostock
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Tel. 0381/494 9596

Quelle: http://www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/senioren-ist-kuscheln-wichtiger-als-sex/

Gemälde: Evita Gründler


Kardinal Raymond Burke nimmt ca. 30.000 Unterstützer-Unterschriften entgegen

Am vergangenen Donnerstag präsentierte die kanadische Lebensrechtler-Internetseite “Lifesite-News” dem amerikanischen Kardinal Raymond Burke in gebundenener Buchform mehr als 29.000 Unterschriften von Menschen in aller Welt.

In dieser “Fanpost”, an der sich auch unser Christoferuswerk in Münster und zahlreiche deutsFeatured Imageche Katholiken beteiligten, wurde dem vatikanischen Würdenträger gedankt für seinen Einsatz pro Ehe und Familie.

Zugleich wurde versichert, für ihn und seinen treuen Dienst in der Kirche zu beten, damit er weiter eine “starke Stimme zur Verteidigung der Wahrheiten für das Leben und die Familie” bleiben möge.

Der theologisch konservative Kardinal äußerte seine “tiefste Dankbarkeit” für dieseUnterstützung und vor allem für Ihre Gebete.” 

Diese Online-Petition wurde im November 2014 von der katholischen Nachrichtenseite “Lifesite-News” gestartet, um sich so mit dem Kurienkardinal zu solidarisieren, weil dieser sich seit langem als eindeutiger Lebensrechtler und Verteidiger der katholischen Ehelehre bewährt hat.

Anlaß für die Aktion war zudem die Nachricht aus dem Vatikan, daß der profilierte Kirchenmann als Präfekt der Apostolischen Signatur entlassen und auf den lediglich repräsentativen Posten eines Patrons des Malteserordens abgeschoben wurde.

Die Absetzung Kardinal Burkes vom höchsten vatikanischen Gerichtshof hatte weltweit für große Enttäuschung unter glaubenstreuen Katholiken und Abtreibungsgegnern gesorgt.

Nachdem John-Henry Westen, der Chefredakteur von Lifesite-News, dem Kardinal das Unterschriftenbuch überreichte, bekräftigte dieser erneut seinen grundsätzlichen Standpunkt: 

“Wir müssen jetzt alle auch zukünftig vereint sein mit unserem Herrn Jesus Christus und die Wahrheit unseres Glaubens verteidigen, vor allem in Bezug auf Ehe und Familie. Auch wenn uns die Zeiten dunkel erscheinen, können wir mit Hilfe der Gnade Gottes wahre Verteidiger der Botschaft Christi sein. Bleiben wir also standhaft und lassen wir uns nicht entmutigen.

Das Treffen fand statt in dem von Burke selbst gegründeten regionalen Heiligtum der Madonna von Guadalupe in der Bischofsstadt La Crosse (Bundesstaat Wisconsin).

Quelle für die Zitate und das Foto: https://www.lifesitenews.com/news/cardinal-burke-receives-petition-signed-by-30000-supporters-this-was-his-re


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