Weihbischof Laun unterschreibt Erklärung für die traditionelle Ehe-Lehre der kath. Kirche

Mathias von Gersdorff

Als erster deutschsprachiger Bischof unterschreibt Andreas Laun, em. Weihbischof in Salzburg (siehe Foto), das „Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe“ der Bischöfe Kasachstans.

Das Bekenntnis der Bischöfe Tomash Peta (Metropolit der Erzdiözese in Astana), Jan Pawel Lenga (Erzbischof/Bischof von Karaganda) und Weibischof Athanasius Schneider bekräftigt die überlieferte katholische Lehre zu Ehe und Familie und lehnt jegliche Aufweichung ab.

Bislang erhielten die drei Kirchenmänner für ihre Erklärung die Unterstützung der Erzbischöfe Luigi Negri, Carlo Maria Viganò und Kardinal Janis Pujats (Riga, Lettland).

Es wäre zu begrüßen, wenn neben Weihbischof Andreas Laun weitere Bischöfe aus dem deutschsprachigen Raum das Bekenntnis unterschreiben.

Insbesondere in Deutschland macht sich nämlich die Relativierung und Ignoranz der katholischen Lehre über Ehe und Familie im Kirchenvolk (und in Teilen des Klerus) bemerkbar. Folge davon ist nicht nur eine immer größere Missachtung der Sexuallehre der Kirche und eine hohe Zahl von Ehescheidungen, sondern auch zunehmende Sakrilegien durch unwürdigen Empfang der hl. Kommunion.

Weitere Infos: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2018/01/kardinal-janis-pujats-unterschreibt.html


Wegweisender Sammelband zum Dauerbrenner „Ehe und Kommunion“

Rezension von Felizitas Küble

Die folgende Besprechung erschien in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 1-2/2015):

Rudolf Voderholzer (Hrsg). Zur Seelsorge wiederverheiratet Geschiedener. Dokumente, Kommentare und Studien der römischen Glaubenskongregation. Mit einer Einleitung von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. / 116 Seiten, 14 × 22,5 cm, Broschur, € 9,90, Echter-Verlag, ISBN 978-3-429-03760-4. index

Erschienen in der Reihe „Römische Texte und Studien“, hrsg. von Bischof Prof. Dr. Gerhard L. Müller, Band 6, erstmals in deutsch als 2. erweiterte Auflage 2014 (Erstauflage in lateinischer Sprache bei Libreria Editrice Vaticana 1998)

Dieser inhaltsreiche Sammelband, der bereits 1998 im vatikanischen Verlag und nun im September 2014 (und damit noch vor der römischen Familiensynode) in erweiterter Form erstmals auch in deutscher Sprache beim Echter-Verlag erschienen ist, bietet wesentliche Grundlagen für eine theologisch solide Sicht jenes Dauerbrenners, der auch auf der außerordentlichen Bischofssynode im Oktober 2014 kontrovers debattiert wurde:

Sollen geschiedene „Wiederverheiratete“ zum Tisch des HERRN zugelassen werden?

Herausgeber der Dokumentation ist Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, der bis zu seiner Ernennung als Bischof von Regensburg im Herbst 2013 als Dogmatiker in Trier lehrte. Er verfaßte zudem das Geleitwort, dem ein Vorwort von Tarcisio Bertone folgt (damals Sekretär der römischen Glaubenskongregation); es stammt noch aus der Zeit der vatikanischen Erstauflage von 1998.

Deutlich umfangreicher gestaltet sich sodann eine thematische Einleitung von Papst-Emeritus Benedikt XVI. bzw. Joseph Ratzinger aus seiner Amtszeit als Präfekt der Glaubenskongregation. Darin faßt der frühere Pontifex die Lehraussagen der Kirche zum erwähnten Thema in übersichtliche Thesen zusammen und geht zugleich auf die häufigsten Einwände ein, die er beantwortet und widerlegt.

Das Buch enthält als wichtiges Dokument das vom 14.9.1994 datierte Schreiben der Glaubenskongregation an die Bischöfe der katholischen Kirche, danach folgen erläuternde Kommentare und Studien einzelner Theologen zu dieser seit Jahrzehnten anhaltenden Debatte, die angesichts der Familiensynode in Rom wieder verstärkt aufgeflammt ist.

„Nicht hinter bereits gewonnene Einsicht zurückfallen“

Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) schreibt in seinem Geleitwort, es sei angebracht, die bewährten Dokumente der Glaubenskongregation wieder in Erinnerung zu bringen „und damit der Gefahr vorzubeugen, hinter bereits gewonnene Erkenntnisse und Einsichten zurückzufallen“.  borMedia1840101

Zur lehramtlichen Verkündigung über Ehe, Familie und Fruchtbarkeit gehört sicherlich auch die „umstrittene“ Enzyklika „Humanae Vitae“, deren Wert und Bedeutung von nachdenklicher Seite angesichts des modernen Hedonismus zunehmend erkannt wird.

Der Regensburger Oberhirte schreibt im Hinblick auf die für 2015 geplante ordentliche Familiensynode im Vatikan, diese werde „den zu Unrecht so oft verkannten, epochalen, weil prophetischen Beitrag“ von Papst Paul VI. „neu würdigen und für die aktuelle Lehrverkündigung fruchtbar machen“.

Gott lieben und seine Gebote halten

Abschließend zitiert der Bischof das Bibelwort und erinnert an den Beistand des Heiligen Geistes für die Kirche und die Christgläubigen, „damit wir auch heute seine Gebote halten und ihn lieben können, denn das ist unsere große Berufung als getaufte Christen: Christus lieben und seine Gebote halten.“

Der bischöfliche Herausgeber verfaßte sein Geleitwort sinnigerweise am 24. Juni 2014, dem Hochfest der Geburt von Johannes dem Täufer, der bekanntlich wegen seines unbeugsamen Eintretens für die göttlichen Gebote – gerade im Hinblick auf die Ehelehre – im Auftrag von König Herodes enthauptet wurde.

Papst-Emeritus Benedikt erwähnt in seiner Einleitung die „tiefe Krise“, in der sich Ehe und Familie in vielen Ländern befinden. Allerdings sei die Kirche schon „seit den Zeiten der Apostel“ mit vielfachen „Schwierigkeiten in der Ehepastoral konfrontiert“. Dabei habe man sich aber auch in der Patristik „wie selbstverständlich“ an Christi Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe gehalten. 

Hinsichtlich der orthodoxen Praxis, welche eine Zweit- oder gar Dritt-Ehe erlaubt, schreibt der Verfasser: „Die orthodoxen Kirchen des Ostens betonten das Prinzip der oikonomia, der gütigen Nachsicht in schwierigen Einzelfällen, was allerdings eine fortschreitende Aufweichung des Prinzips der akribia, der Treue zur geoffenbarten Wahrheit, mper ebayit sich brachte“ (S.13).

Außerdem erwähnt Benedikt XVI. mit Berufung auf „Gaudium et spes“ (47-52), daß das 2. Vatikanische Konzil die kirchliche Ehelehre „vertieft und in einer mehr personalistischen Sichtweise vorgelegt“ habe.

Dabei räumt der Verfasser ein: „Aufgrund der Konzilsoption, die Wahrheit positiv zu verkünden, kamen Schwierigkeiten und Probleme weniger zur Sprache.“ – Er fügt freilich hinzu: „Allerdings lehrt das Konzil, dass die Ehescheidung die Würde von Ehe und Familie entstellt (ebd. 47) und mit der ehelichen Liebe unvereinbar ist (ebd. 49)“ (S.14).

Allerdings kümmert sich die Kirche gleichwohl „als Mutter und Lehrmeisterin auch um Gläubige in irregulären Situationen“. Freilich darf diese Fürsorge und Seelsorge nicht auf Kosten der göttlichen Gebote und der von Christus selbst eingesetzt Sakramente gehen.

Deshalb erwähnt der Autor, daß die Glaubenskongregation in ihrem an die Bischöfe gerichteten Schreiben vom 14.9.1994, „die an sich bekannte Wahrheit und Praxis der Kirche“ von neuem „eingeschärft“ habe, um „pastoralen Missbräuchen entgegenzuwirken“ (S.16).

Die Kirche ist an Christi Lehre gebunden

Für Papst-Emeritus Benedikt besteht jedenfalls kein Zweifel: „Die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen befinden sich in einer Situation, die der Unauflöslichkeit der Ehe widerspricht“ (S.17). DSC05485

Eben deshalb ist die Kirche als Leib Christ an ihr Haupt, den göttlichen Erlöser, gebunden und darf hinsichtlich der Ehe weder willkürlich lehren noch handeln, zumal es bei der christlichen Ehe nicht allein um ein göttliches Gebot geht (6. Gebot), sondern um ein heiliges Sakrament und damit um die christliche Heilsordnung für die Gläubigen.

Die „pastorale Praxis“ darf sich von dieser unabdingbaren Voraussetzung keineswegs ablösen. Daher schreibt Benedikt XVI: „Die Kirche glaubt, dass niemand – nicht einmal der Papst – die Macht hat, eine sakramentale und vollzogene Ehe aufzulösen.(…) Eine neue zivile Verbindung kann das vorausgehende sakramentale Eheband nicht lösen.“ (vgl. CIC, can.1141)“ (S.17).

Gleichwohl betont der Autor, daß wiederverheiratet geschiedene Katholiken keineswegs exkommuniziert sind, selbst wenn ihnen der Tisch des HERRN verwehrt ist; sie bleiben „Glieder des Volkes Gottes und sollen die Liebe Christi und die mütterliche Nähe der Kirche spüren“, denn sie sind „nicht von der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen“ – freilich unter der Voraussetzung, daß sie „den christlichen Glauben bewahren“ (S. 17).

Benedikt zitiert zur Konkretisierung das nachsynodale Schreiben „Familiaris consortio“ von Papst Johannes Paul II., wonach jene Katholiken keineswegs zur Passivität bzw. einem randständigen kirchlichen Dasein verurteilt seien, sondern vielmehr „berufen sind, aktiv am Leben der Kirche teilzunehmen, insofern dies mit ihrer objektiven Situation vereinbar ist“.

Diese Gläubigen dürfen nicht nur, sondern „sie sollen ermahnt werden, das Wort Gottes zu hören, am heiligen Messopfer teilzunehmen, regelmäßig zu beten, die Gemeinde in ihren Werken der Nächstenliebe und Initiativen zur Förderung der Gerechtigkeit zu unterstützen, die Kinder im christlichen Glauben zu erziehen und den Geist und die Werke der Buße zu pflegen, um so von Tag zu Tag die Gnade Gottes auf sich herabzurufen“ (S.18). abtei-ettal-startseite_01

Mit Recht betont der Verfasser sodann, daß „die Teilnahme am kirchlichen Leben nicht einfach auf die Frage des Kommunionempfangs reduziert werden“ dürfe, wobei er in diesem Kontext auch die „geistliche Kommunion“ erwähnt, die den geschieden-wiederverheirateten Gläubigen empfohlen wird (S.19).

Deren Nichtzulassung zum Tisch des HERRN liegt, so Papst-Emeritus Benedikt, neben dem offensichtlich doktrinellen Grund auch ein pastorales Motiv zugrunde, wobei er sich erneut auf „Familiaris consortio“ beruft: „Ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung“ (S.19).

„Viele andere Situationen“ hindern am Kommunionempfang

Die Debatte über den pastoralen Umgang mit „geschieden Wiederverheirateten“ leidet oftmals an einer gewissen Einseitigkeit, insofern diese Personengruppe allein im Focus steht. Leicht wird dabei verdrängt, daß allen Gläubigen der Zugang zum Tisch des HERRN verwehrt ist, die sich im Zustand der schweren Sünde befinden.

Hier rächt sich nun die bedauerliche Tatsache, daß in der kirchlichen Verkündigung vor Ort äußerst selten darüber gepredigt wird, daß allein jene Gläubigen, die sich im „Stand der Gnade“ befinden, zur hl. Kommunion zugelassen sind.

Hierzu schreibt Benedikt XVI. sehr realistisch und treffend: „Freilich – und dies ist in der Kirche weithin vergessen – gibt es auch viele andere Situationen, die einem würdigen und fruchtbaren Kommunionempfang im Weg stehen. In Predigt und Katechese müsste dies wieder viel mehr und deutlicher zur Sprache kommen. Dann könnten auch die wiederverheiratet geschiedenen Gläubigen ihre Situation leicht verstehen“ (S.20). christus

Wie sehr die Kirche versucht, dieser Personengruppe entgegenzukommen, so weit dies mit sakramententheologischen und pastoralen Prinzipien noch vereinbar ist, zeigt sich auch angesichts der Tatsache, daß jene zivil Verheirateten zu den Sakramenten zugelassen sind, die gleichsam „platonisch“ zusammenleben:

„Wenn wiederverheiratete geschiedene Gläubige sich trennen bzw. wie Bruder und Schwester leben, können sie zu den Sakramenten zugelassen werden“ (S. 22).

Die kirchlich erwünschte Lösung in einer solch „irregulären“ Lebenssituation ist zweifellos die Trennung der Partner, aber „wenn dies aus ernsthaften Gründen, zum Beispiel wegen der Kindererziehung, nicht möglich ist, müssen sie sich vornehmen, vollkommen enthaltsam zu leben.“

Auch hier beruft sich Papst-Emeritus Benedikt auf „Familiaris consortio“ (FC 84). – Er fügt hinzu: „Mit Hilfe der alles überwindenden Gnade und ihres entschiedenen Bemühens soll sich ihre Verbundenheit immer mehr in ein Band der Freundschaft, der Wertschätzung und der Hilfsbereitschaft verwandeln“ (S. 22).

Betroffene sollen ihre Hoffnung nicht verlieren

Gleichzeitig betont der Verfasser hinsichtlich jener Betroffenen, denen eine solch platonische Beziehung nicht gelingt: „Die wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen dürfen niemals die Hoffnung verlieren, das Heil zu erlangen“ (S. 23). – Er erwähnt, die Kirche vertraue fest darauf, daß jene Gläubigen, „die sich vom Gebot des Herrn entfernt haben“, von Gott die „Gnade der Umkehr“ erhalten können, sofern sie „ausdauernd geblieben sind in Gebet, Buße und Liebe“ (S. 23).

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

In ihrer gesamten Lehre und Pastoral ist die Kirche auf den Willen Christi verwiesen, weil unser Heiland die Unauflöslichkeit der Ehe so glasklar eingeschärft und diese gottgewollte Verbindung überdies zum Sakrament erhoben hat:

„Mit dem Kommen des Erlösers wird also die Ehe in ihrer schöpfungsgemäßen Ur-Gestalt wieder hergestellt und der menschlichen Willkür entrissen – vor allem der männlichen Willkür, denn für die Frau gab es ja die Möglichkeit der Scheidung nicht. (…) Nur so kann die Ehe der gottgegebenen Berufung zur Liebe und der menschlichen Würde voll gerecht werden und zum Zeichen der unbedingten Bundesliebe Gottes, d.h. zum Sakrament werden (vgl Eph 5,32)“ (S. 25).

Dabei ist die Natur-Ehe von Nichtchristen zwar ehrenwert und grundsätzlich gottgefällig, aber kein eigentliches Sakrament: „Die sogenannte Naturehe hat ihre Würde von der Schöpfungsordnung her und ist daher auf Unauflöslichkeit angelegt, kann aber unter Umständen eines höheren Gutes – hier des Glaubens – wegen aufgelöst werden“ (S.25).

Freilich beschränkt sich das Ehe-Sakrament keineswegs auf Katholiken, sondern erstreckt sich auf „zwei Getaufte“. Hierzu schreibt Papst-Emeritus Benedikt, daß „nur Ehen zwischen zwei Getauften Sakrament im strengen Sinn des Worte sind und dass für diese im Raum des Christusglaubens stehenden Ehen die unbedingte Unauflöslichkeit gilt“ (S. 25).

An diesen Willen des Ewigen bleibt die Kirche Christi für immer gebunden – und es ist ein erfreuliches und aktuell besonders notwendiges Verdienst dieses Sammelbandes, jene zeitlose Wahrheit von neuem ins Gedächtnis zu rufen. Die weiteren kirchlichen Dokumente und die fundierten Beiträge präzise argumentierender Theologen untermauern dieses Glaubensfaktum auf überzeugende Weise.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Glaubenskongregation: Gerhard Kardinal Müller erläutert biblische und kirchliche Gründe für das unauflösliche Eheband

Zur Unauflöslichkeit der Ehe AL-0015

und zur Debatte um die zivil Wiederverheirateten und die Sakramente

von

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller

Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre

Die Diskussion über die Problematik der Gläubigen, die nach einer Scheidung eine neue zivile Verbindung eingegangen sind, ist nicht neu. Von der Kirche wurde sie immer mit großem Ernst und in helfender Absicht für die betroffenen Menschen geführt. Denn die Ehe ist ein besonders tief in die persönlichen, sozialen und geschichtlichen Gegebenheiten eines Menschen hinabreichendes Sakrament.

Aufgrund der zunehmenden Zahl der Betroffenen in Ländern alter christlicher Tradition handelt es sich um ein pastorales Problem von großer Tragweite. Heute fragen sich durchaus gläubige Menschen ernsthaft: Kann die Kirche die wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen nicht unter bestimmten Bedingungen zu den Sakramenten zulassen? BILD0222

Sind ihr in dieser Angelegenheit für immer die Hände gebunden? Haben die Theologen wirklich schon alle diesbezügliche Implikationen und Konsequenzen frei gelegt?

Diese Fragen müssen im Einklang mit der katholischen Lehre über die Ehe erörtert werden. Eine verantwortungsvolle Pastoral setzt eine Theologie voraus, die sich „dem sich offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt“ (II. Vatikanisches Konzil, Konstitution Dei verbum, Nr. 5).

Um die authentische Lehre der Kirche verständlich zu machen, müssen wir vom Wort Gottes ausgehen, das in der Heiligen Schrift enthalten, in der kirchlichen Tradition ausgelegt und vom Lehramt verbindlich interpretiert wird.

Das Zeugnis der Heiligen Schrift

Es ist nicht unproblematisch, unsere Frage unvermittelt in das Alte Testament hineinzutragen, weil damals die Ehe noch nicht als Sakrament betrachtet wurde. Das Wort Gottes im Alten Bund ist aber insofern für uns von Bedeutung, als Jesus in dieser Tradition steht und von ihr her argumentiert. ???????

Im Dekalog steht das Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen!“ (Ex 20,14), an anderer Stelle wird eine Ehescheidung aber als möglich angesehen. Mose bestimmt nach Dtn 24,1-4, dass ein Mann seiner Frau eine Scheidungsurkunde ausstellen und sie aus seinem Haus entlassen kann, wenn sie nicht mehr sein Wohlgefallen findet. Im Anschluss daran können Mann und Frau eine neue Ehe eingehen.

Neben dem Zugeständnis der Scheidung findet sich im Alten Testament aber auch ein gewisses Unbehagen gegenüber dieser Praxis. Wie das Ideal der Monogamie, so ist auch das Ideal der Unauflöslichkeit in dem Vergleich enthalten, den die Propheten zwischen dem Bund Jahwes mit Israel und dem Ehebund anstellen.

Der Prophet Maleachi bringt dies deutlich zum Ausdruck: „Handle nicht treulos an der Frau deiner Jugend…, mit der du einen Bund geschlossen hast“ (Mal 2,14-15).

Vor allem Kontroversen mit den Pharisäern waren für Jesus Anlass, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Er distanzierte sich ausdrücklich von der alttestamentlichen Scheidungspraxis, die Mose gestattet hatte, weil die Menschen „so hartherzig“ waren, und verwies auf den ursprünglichen Willen Gottes:

„Am Anfang der Schöpfung… hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Mk 10,5-9; vgl. Mt 19,4-9; Lk 16,18). 1511

Die katholische Kirche hat sich in Lehre und Praxis stets auf diese Worte Jesu über die Unauflöslichkeit der Ehe bezogen. Das Band, das die beiden Ehepartner innerlich miteinander verbindet, ist von Gott selbst gestiftet. Es bezeichnet eine Wirklichkeit, die von Gott kommt und deshalb nicht mehr in der Verfügung der Menschen steht.

Heute meinen einige Exegeten, diese Herrenworte seien schon in apostolischer Zeit mit einer gewissen Flexibilität angewandt worden: und zwar bei porneia/Unzucht (vgl. Mt 5,32; 19,9) und im Fall der Trennung zwischen einem christlichen und einem nicht christlichen Partner (vgl. 1 Kor 7,12-15).

Die Unzuchtsklauseln wurden freilich in der Exegese von Anfang an kontrovers diskutiert. Viele sind der Überzeugung, dass es sich dabei nicht um Ausnahmen von der Unauflöslichkeit der Ehe, sondern um ungültige eheliche Verbindungen handle. Jedenfalls kann die Kirche ihre Lehre und Praxis nicht auf umstrittene exegetische Hypothesen aufbauen. Sie muss sich an die klare Lehre Christi halten.

Paulus verkündet das Verbot der Scheidung als ausdrücklichen Willen Christi:

„Den Verheirateten gebiete nicht ich, sondern der Herr: Die Frau soll sich vom Mann nicht trennen – wenn sie sich aber trennt, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich wieder mit dem Mann –, und der Mann darf die Frau nicht verstoßen“ (1 Kor 7,10-11).

Zugleich lässt er auf Grund eigener Autorität zu, dass sich ein Nichtchrist von seinem christlich gewordenen Partner trennen kann. In diesem Fall ist der Christ „nicht gebunden“, unverheiratet zu bleiben (1 Kor 7,12-16).

Ausgehend von dieser Stelle erkannte die Kirche, dass nur die Ehe zwischen einem getauften Mann und einer getauften Frau  Sakrament im eigentlichen Sinn ist und nur für diese die unbedingte Unauflöslichkeit gilt. Die Ehe von Ungetauften ist zwar auf die Unauflöslichkeit hingeordnet, kann aber unter Umständen – eines höheren Gutes wegen – aufgelöst werden (Privilegium Paulinum). BILD0230

Es handelt sich hier also nicht um eine Ausnahme vom Herrenwort. Die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe, der Ehe im Raum des Christusmysteriums, bleibt gewahrt.

Von großer Bedeutung für die biblische Grundlegung des sakramentalen Eheverständnisses ist der Epheserbrief, in dem es heißt: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5,25).

Und etwas weiter schreibt der Apostel: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5,31-32).

Die christliche Ehe ist ein wirksames Zeichen des Bundes zwischen Christus und der Kirche. Weil sie die Gnade dieses Bundes bezeichnet und mitteilt, ist die Ehe zwischen Getauften ein Sakrament.

Das Zeugnis der kirchlichen Tradition

Für die Herausbildung der kirchlichen Position bilden sodann die Kirchenväter und die Konzilien wichtige Zeugnisse. Für die Väter sind die biblischen Weisungen bindend. Sie lehnen die staatlichen Ehescheidungsgesetze als mit der Forderung Jesu unvereinbar ab. Die Kirche der Väter hat Ehescheidung und Wiederheirat zurückgewiesen, und zwar aus Gehorsam gegenüber dem Evangelium. In dieser Frage ist das Zeugnis der Väter eindeutig. IMG_1468 (2)

In der Väterzeit wurden geschiedene Gläubige, die zivil wieder geheiratet haben, auch nicht nach einer Bußzeit zu den Sakramenten zugelassen. Einige Vätertexte lassen wohl erkennen, dass Missbräuche nicht immer rigoros zurückgewiesen wurden und hin und wieder für sehr seltene Grenzfälle pastorale Lösungen gesucht wurden.

In manchen Gegenden kam es später, vor allem aufgrund der zunehmenden Verflechtung von Staat und Kirche, zu größeren Kompromissen. Im Osten setzte sich diese Entwicklung weiter fort und führte, besonders nach der Trennung von der Cathedra Petri, zu einer immer liberaleren Praxis.

Heute gibt es in den orthodoxen Kirchen eine Vielzahl von Scheidungsgründen, die zumeist mit dem Verweis auf die Oikonomia, die pastorale Nachsicht in schwierigen Einzelfällen, gerechtfertigt werden, und den Weg zu einer Zweit- und Drittehe mit Bußcharakter öffnen.

Mit dem Willen Gottes, wie er in den Worten Jesu über die Unauflöslichkeit der Ehe eindeutig zum Ausdruck kommt, ist diese Praxis nicht zu vereinbaren. Sie stellt jedoch ein nicht zu unterschätzendes ökumenisches Problem dar.

Im Westen wirkte die Gregorianische Reform den Liberalisierungstendenzen entgegen und stellte die ursprüngliche Auffassung der Schrift und der Väter wieder her. Die katholische Kirche hat die absolute Unauflöslichkeit der Ehe selbst um den Preis großer Opfer und Leiden verteidigt.

Das Schisma einer vom Nachfolger Petri abgelösten „Kirche von England“ erfolgte nicht aufgrund von Lehrdifferenzen, sondern weil der Papst dem Drängen von König Heinrich VIII. nach Auflösung seiner Ehe aus Gehorsam gegenüber dem Wort Jesu nicht nachkommen konnte.

Das Konzil von Trient hat die Lehre von der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe bestätigt und erklärt, dass diese der Lehre des Evangeliums entspricht (vgl. DH 1807).  

Manchmal wird behauptet, dass die Kirche die orientalische Praxis faktisch toleriert habe. Das trifft aber nicht zu. Die Kanonisten sprachen immer wieder von einer missbräuchlichen Praxis. Und es gibt Zeugnisse, dass Gruppen orthodoxer Christen, die katholisch wurden, ein Glaubensbekenntnis mit einem ausdrücklichen Verweis auf die Unmöglichkeit von Zweit- und Drittehen zu unterzeichnen hatten.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat in der Pastoralkonstitution Gaudium et spes über die „Kirche in der Welt von heute“ eine theologisch und spirituell tiefe Lehre über die Ehe vorgelegt.

Es hält klar und deutlich an der Unauflöslichkeit der Ehe fest. Die Ehe wird verstanden als umfassende leib-geistige Lebens- und Liebesgemeinschaft von Mann und Frau, die sich gegenseitig als Personen schenken und annehmen.

Durch den personal freien Akt des wechselseitigen Ja-Wortes wird eine nach göttlicher Ordnung feste Institution begründet, die auf das Wohl der Gatten und der Nachkommenschaft hingeordnet ist und nicht mehr menschlicher Willkür unterliegt:

„Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sich-Schenken zweier Personen wie auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern ihre unauflösliche Einheit“ (Nr. 48).

Durch das Sakrament schenkt Gott den Gatten eine besondere Gnade: 120505288_BV_July und Mike

„Wie nämlich Gott einst durch den Bund der Liebe und Treue seinem Volk entgegenkam, so begegnet nun der Erlöser der Menschen und der Bräutigam der Kirche durch das Sakrament der Ehe den christlichen Gatten. Er bleibt fernerhin bei ihnen, damit die Gatten sich in gegenseitiger Hingabe und ständiger Treue lieben, so wie er selbst die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (ebd.).

Durch das Sakrament enthält die Unauflöslichkeit der Ehe einen neuen, tieferen Sinn: Sie wird zum Bild der beständigen Liebe Gottes zu seinem Volk und der unwiderruflichen Treue Christi zu seiner Kirche.

Man kann die Ehe nur im Kontext des Christusmysteriums als Sakrament verstehen und leben. Wenn man die Ehe säkularisiert oder als bloß natürliche Wirklichkeit betrachtet, bleibt  der Zugang zur Sakramentalität verborgen.

Die sakramentale Ehe gehört der Ordnung der Gnade an, sie ist hinein genommen in die endgültige Liebesgemeinschaft Christi mit seiner Kirche. Christen sind gerufen, ihre Ehe im eschatologischen Horizont der Ankunft des Reiches Gottes in Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort Gottes, zu leben.

Das Zeugnis des Lehramts in der Gegenwart

Das bis heute grundlegende Apostolische Schreiben Familiaris consortio, das Johannes Paul II. am 22. November 1981 im Anschluss an die Bischofssynode über die christliche Familie in der Welt von heute veröffentlichte, bestätigt nachdrücklich die dogmatische Ehelehre der Kirche.

Es bemüht sich aber pastoral auch in der Sorge um die  zivil wiederverheirateten Gläubigen, die in einer kirchlich gültigen Ehe noch gebunden sind.   Der Papst zeigt ein hohes Maß an Sorge und Zuwendung.

Die Nr. 84 „Wiederverheiratet Geschiedene“ enthält folgende Grundaussagen:

  1. Die Seelsorger sind aus Liebe zur Wahrheit verpflichtet, „die verschiedenen Situationen gut zu unterscheiden“. Man darf nicht alles und alle gleich bewerten. media-444757-2
  2. Die Seelsorger und die Gemeinden sind gehalten, den betroffenen Gläubigen in „fürsorgender Liebe“ beizustehen. Auch sie gehören zur Kirche, haben Anspruch auf Seelsorge und sollen am Leben der Kirche teilnehmen.
  3. Die Zulassung zur Eucharistie kann ihnen allerdings nicht gewährt werden. Dafür wird ein doppelter Grund genannt:
  4. a) „ihr Lebensstand und ihre Lebensverhältnisse stehen in objektivem Widerspruch zu jenem Bund der Liebe zwischen Christus und der Kirche, den die Eucharistie sichtbar und gegenwärtig macht“;
  5. b) „ließe man solche Menschen zur Eucharistie zu, bewirkte dies bei den Gläubigen hinsichtlich der Lehre der Kirche über die Unauflöslichkeit der Ehe Irrtum und Verwirrung“. Eine Versöhnung im Bußsakrament, die den Weg zum Eucharistieempfang öffnet, kann es nur geben bei Reue über das Geschehene und „Bereitschaft zu einem Leben, das nicht mehr im Widerspruch zur Unauflöslichkeit der Ehe steht“. Das heißt konkret: Wenn die neue Verbindung aus ernsthaften Gründen, etwa wegen der Erziehung der Kinder, nicht gelöst werden kann, müssen sich die beiden Partner „verpflichten, völlig enthaltsam zu leben“.
  6. Den Geistlichen wird aus inner sakramententheologischen und nicht  aus legalistischen Zwang ausdrücklich verboten, für Geschiedene, die zivil wieder heiraten, „irgendwelche liturgische Handlungen vorzunehmen“, solange eben die erste sakramental gültige Ehe noch besteht..

Das Schreiben der Glaubenskongregation über den Kommunionempfang von wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen vom 14. September 1994 bekräftigt, dass die Praxis der Kirche in dieser Frage „nicht aufgrund der verschiedenen Situationen modifiziert werden kann“ (Nr. 5).

Zudem stellt es klar, dass die betroffenen Gläubigen nicht auf der Basis ihrer eigenen Gewissensüberzeugung zur heiligen Kommunion hinzutreten dürfen: „Im Falle, dass sie dies für möglich hielten, haben die Hirten und Beichtväter… die ernste Pflicht, sie zu ermahnen, dass ein solches Gewissensurteil in offenem Gegensatz zur Lehre der Kirche steht“ (Nr. 6).

Falls Zweifel über die Gültigkeit einer zerbrochenen Ehe bestehen, müssen diese durch die dafür kompetenten Ehegerichte überprüft werden (vgl. Nr. 9). Von fundamentaler Bedeutung bleibt, „in fürsorgender Liebe alles zu tun, was die Gläubigen, die sich in einer irregulären ehelichen Situation befinden, in der Liebe zu Christus und zur Kirche bestärken kann.

Nur so wird es ihnen möglich sein, die Botschaft von der christlichen Ehe uneingeschränkt anzuerkennen und die Not ihrer Situation aus dem Glauben zu bestehen. Die Pastoral wird alle Kräfte einsetzen müssen, um glaubhaft zu machen, dass es nicht um Diskriminierung geht, sondern einzig um uneingeschränkte Treue zum Willen Christi, der uns die Unauflöslichkeit der Ehe als Gabe des Schöpfers zurückgegeben und neu anvertraut hat“ (Nr. 10).

FORTSETZUNG dieses Beitrags von Glaubenspräfekt Müller siehe hier: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/muller/rc_con_cfaith_20131023_divorziati-risposati-sacramenti_ge.html#top

Erstveröffentlichung im Osservatore Romano (Vatikanzeitung) vom 23.10.2013

1. Foto: Bistum Regensburg / Gemälde: Evita Gründler