Christen unter totalitärer Herrschaft: Seminar in Eichstätt präsentierte neue Einblicke

Von Stefan P. Teppert

Zwischen dem 16. und 20. November 2019 trafen sich am Collegium Orientale in Eichstätt ukrainische und deutsche Historiker.

Sie befassten sich in Vorträgen, Diskussionen und Workshops mit den Fragen, wie der sowjetische Kommunismus vor und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Christen in der Ukraine und Polen verfuhr und welche Auseinandersetzungen ihre Unterdrückung im alltäglichen Leben in den Gemeinden hervorrief.

Der Großteil der Teilnehmer bestand aus Lemberger Doktoranden bzw. Postdocs der dortigen Hochschule – es hatten sich also Fachleute, Nachwuchswissenschaftler und Multiplikatoren versammelt.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit stand auch eine Führung durch Eichstätt und das Collegium Orientale, die Teilnahme an der Göttlichen Liturgie und ein Besuch des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände in Nürnberg auf dem Programm (siehe 1. Foto).

Das Seminar wurde ausgerichtet vom Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa (Tübingen), vom Institut für Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universität (Lviv), vom Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte der Theologischen Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt/Ingolstadt sowie vom Collegium Orientale in Eichstätt.

Gefördert wurde die Veranstaltung vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie vom AMK-Fonds beim Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz.

Zur Einführung stellte Prof. Dr. Rainer Bendel das 1958 in Königstein gegründete, heute unter seinem Vorsitz in Tübingen ansässige Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa (IKKDOS) mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern, seinem Arbeitsprogramm sowie seinen Publikationsorganen und bisherigen Leistungen vor.

Das Institut mit seinem im Namen steckenden Forschungs- und Vermittlungsprogramm arbeitet interdisziplinär und international eng mit Partnern in Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowenien, der Slowakei oder der Ukraine zusammen. Primäre Zielsetzung ist die gemeinsame Pflege einer „reflektierten und zukunftsfähigen Erinnerungskultur“ als Voraussetzung der Friedensarbeit in einem christlich vereinten Europa.

Eine auch nur annähernd vergleichbare Einrichtung gibt es in der bundesrepublikanischen Wissenschaftslandschaft nicht. Jährliche wissenschaftliche Arbeitstagungen und über mehrere Jahre sich erstreckende Forschungs- und Arbeitsprojekte sind eine Basis der Institutsarbeit.

Bendel steckte die Fragestellung der Tagung ab, indem er zunächst die Merkmale totalitärer Herrschaft umriss, um dann nach den Strategien und Strukturen der Kirche zu fragen bei ihrem widerständigen Bestreben, sich Freiräume, Gegenwelten und Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen.

Wie die Situation ex post, auch unter Berücksichtigung schuldhaften Verhaltens kirchlicherseits, zu bewerten, wie mit alten Wunden und Sensibilitäten umzugehen ist und ob aus der Geschichte mit pastoralen und therapeutischen Konsequenzen gelernt oder sensibilisiert werden kann, waren Fragen, die Bendels hermeneutischen Musterzirkel schlossen.

Prof. Dr. Oleh Turiy aus Lviv (Lemberg) rückte das Zeugnis der ukrainischen griechisch-katholischen Märtyrer und Bekenner des 20. Jahrhunderts ins Zentrum seiner Betrachtung und  erläuterte die theologischen Perspektiven. Insgesamt erlitten in der Ukraine 17 Millionen Menschen einen gewaltsamen Tod.

Für die Märtyrer und Bekenner unter ihnen sei die Kirche Stütze gewesen, das Mysterium der Erlösung, das zur Nachfolge Christi motivierte. Glaube, Hoffnung und Liebe waren die Angelpunkte ihrer Furchtlosigkeit, ihrer unbedingten Pflichterfüllung, ihrer Verantwortungs- und Aufopferungsbereitschaft, die es ermöglichten, mitten in den Schrecken des kommunistischen Terrors bleibende Zeugnisse abzulegen. #

Neben einer strengen Befolgung der Klosterregeln zeichneten sich die Mönche durch Liebe zu Gott und den Menschen, Bescheidenheit, Buße, Gebet, Güte und Armut aus, so benutzten sie etwa ein Stück Blech als symbolischen Ersatz für konfiszierte Messgeräte. Der Mut offenbare die Glaubenstiefe eines Menschen, so Turiy, denn vollkommene Liebe vertreibe nach Johannes die Furcht.

Auch körperlich schwache Menschen hätten deshalb Erstaunliches vollbracht. Und gerade diejenigen, die am meisten Leid ertragen mussten, hätten die Täter am wenigsten verurteilt, seien bereit zum Gespräch geblieben. Vieles an der Untergrundkirche im Totalitarismus erinnere stark an die Christenverfolgungen in der Antike.

Thema von PD Dr. Andriy Mykhaleyko aus Eichstätt war die „Deutsche Kirchenpolitik in Deutschland und im Osten während des Zweiten Weltkrieges 1939 – 1945“. Zwischen den  beiden Totalitarismen, dem nationalsozialistischen und dem bolschewistischen, gebe es viele gemeinsame Merkmale, im Kern der Absolutheitsanspruch, der keine Konkurrenz duldet.

Zunächst beleuchtete Mykhaleyko die unvereinbare weltanschauliche Feindschaft zwischen Nazi-Ideologie und Christentum, weshalb der Hitler-Vertraute Martin Bormann am 7. Juni 1941 in einem Geheimerlass an alle Gauleiter bestimmte, dass der Einfluss der Kirchen in Deutschland endgültig gebrochen werden müsse. Die NS-Kirchenpolitik sei ein integraler Bestandteil ihrer Nationalitätenpolitik, so Mykhaleyko, aber mit Alfred Rosenberg und Erich Koch als Reichkommissaren der Ukraine uneinheitlich gewesen.

Die NS-Kirchenpolitik im Generalgouvernement bezeichnete er als Feld konkurrierender politischer Interessen, schwankend zwischen Liberalisierung und Repression, zwischen Pragmatismus mit Förderung der Kirchen und ihrer Instrumentalisierung oder Isolierung. Im Reichskommissariat Ukraine behandelten die Nazis die Kirche einerseits als potenzielle antibolschewistische Kraft, für die auch Geld als Loyalität schaffendes Propagandamittel eingesetzt wurde, auf der anderen als zu unterdrückende Gefahr. Diese abwechselnde, konzeptlos wirkende Politik mache die unterschiedlich hohe Bereitschaft bei den Kirchen zur Kooperation verständlich.

Dr. Iryna Brychuk, die bei Prof. em. Dr. Konstantin Maier in Eichstätt promoviert hat, befasste sich mit Verhaftungen und Prozessen gegen die griechisch- katholische Hierarchie am Beispiel des Falles von Petro Werhun, der 1890 in Galizien geboren wurde und ab 1927 Seelsorger für die ukrainischen Katholiken in Berlin war.

Werhun bemühte sich um den Dialog zwischen Ost- und Westkirche und sehnte ihre Wiedervereinigung herbei. Von der Gestapo wurde er überwacht und sollte ausgewiesen werden. Von der Roten Armee wurde er 1945 verschleppt und wegen angeblicher Kollaboration mit den Nazis zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Auch nach seiner Entlassung aus der Haft wurde er in Sibirien festgehalten und starb 1957 an den Folgen der Zwangsarbeit.

2001 wurde er von Papst Johannes Paul II. in Lemberg zusammen mit 26 weiteren ukrainischen Märtyrern selig gesprochen. Die Doktorandin umriss die gegenwärtige politische Lage in der Ukraine, die bei schwacher demokratischer Tradition von manipulativen Oligarchen und dem russischen Einfluss kompliziert werde und zu unklaren Perspektiven führe. Viele Waffen befänden sich in den Händen der Bürger, die Justiz sei nicht reformiert, das Regime stark korrupt, die Parteien stellten lediglich Wahlvereine dar, es herrsche Bürgerkriegsgefahr. Für ihre Universität habe sich aber bislang nichts geändert.

In Deutschland neige man zum Abbau einschlägiger Studiengänge, wenn aber eine Krise kommt, bemerke man wieder den Bedarf. Ihrem historischen Thema zugewandt, fragte Brychuk, ob es den Priestern nicht bewusst war, dass sie sich als Kollaborateure des Regimes gegen ihre eigenen Gläubigen und Gemeinden wandten. Ihr dubioses Verhalten sei nach außen hin ins Positive gewendet und als große Sache im Dienste des sowjetischen Staates dargestellt worden.

„Katholische Gemeinden im Schwarzmeergebiet: Zwischen totalitärer Erfahrung und pragmatischer Praxis“ war das Thema von Prof. Dr. Katrin Boeckh aus Regensburg.  Sie stützte ihre Erkenntnisse auf Berichte und Briefe aus der Sowjetunion, die über den Alltag der Katholiken in dörflichen Gemeinden im Schwarzmeergebiet und an der Wolga berichten (nach einer Volkszählung von 1938 gab es 1,8 Millionen Russlanddeutsche), eine Geschichte von unten, die Relevanz auch für die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Deportationen gewinnen werde.

Da die im Vatikanischen Geheimarchiv verwahrten Akten bisher nur bis 1939 zugänglich sind, wird man die Geschichte dieser Periode mit der Öffnung weiterer Jahrgänge neu schreiben müssen. Nach der Oktoberrevolution seien nach einem Dekret des Allrussischen Exekutivkomitees und des Rates der Volkskommissare vom 8. April 1929 die Hierarchien der Kirchen zerstört, Geistliche aller Konfessionen verhaftet und in mehreren Wellen von Prozessen von den 1920er bis in die 1940er Jahren angeblich wegen Spionage, Diversions- und Terrorakten, konterrevolutionärer Tätigkeit, Kontakten mit dem Ausland sowie antisowjetischer Propaganda verurteilt, verbannt und interniert worden.

Weil in Stalins Verfassung von 1936/37 Religions- und Gewissensfreiheit garantiert war, wandten sich viele katholische Gemeinden an die Moskauer Regierung, machten aber dadurch ihr Los nur schwerer. Das Regime versuchte, systemloyale Kandidaten zu installieren. Die Kirchen wurden profaniert, mit Ausnahme zunächst derjenigen von Saratow, von der mit Hilfe des Auswärtigen Amtes und deutscher Hilfsorganisationen überhöhte Zahlungen geleistet wurden, bis auch sie 1936 wegen Geldmangels schließen musste.

Nach Haftentlassung wurden die Geistlichen konsequent daran gehindert, in ihre alten Gemeinden zurückzukehren. Die Möglichkeit zur Ausreise nutzten zwar protestantische Geistliche, von katholischen dagegen gibt es keine Gesuche, denn selbst auf dem Höhepunkt des stalinistischen Terrors 1936/37 gebot der Vatikan seinen Geistlichen, auch unter Lebensgefahr bei ihren Schafen auszuharren.

Trotz abschreckender Verhaftungen von Bischöfen, Priestern und aktiven Laien engagierten diese sich trotzdem an geheimen Orten weiter religiös in ihren Gemeinden und gaben das Wissen an ihre Kinder weiter. Sie gaben Beispiele und zeigen Mechanismen religiösen Überlebens in religionsfeindlicher Umgebung.

Prof. Dr. Bohdan Prach aus Lviv schilderte das Schicksal der griechisch-katholischen Kirche und ihrer Gläubigen im kommunistischen Polen. Nach einer sowjetisch-polnischen  Vereinbarung wurde 1944 ein großer Teil der ethnisch ukrainischen Gebiete jenseits des Flusses Sian Teil des wiederbelebten polnischen Staates, der nunmehr fest unter sowjetischer Kontrolle stand.

Die meisten ukrainischen Einwohner dieses Landes gehörten der griechisch-katholischen Kirche, genauer gesagt der Eparchie von Przemyśl und der apostolischen Verwaltung von Lemkivshchyna an. Im Gegensatz zur Sowjetunion und einigen anderen kommunistischen Ländern wurde die griechisch-katholische Kirche in Polen nie offiziell liquidiert oder mit der Orthodoxie „wiedervereinigt“. Ihr Schicksal wurde jedoch von der Politik der polnischen Regierung gegenüber der ukrainischen Minderheit bestimmt.

1944 begann ein „Bevölkerungsaustausch“ zwischen Polen und der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, der bald gewalttätige Formen annahm. In den Jahren 1944 – 1946 wurden 480.000 Ukrainer in die UdSSR umgesiedelt, darunter ein großer Teil der Geistlichen, die ihren Gläubigen folgten. 1946 wurden die beiden ukrainischen Bischöfe in Przemyśl festgenommen und in die Sowjetunion deportiert, und 1947 wurde während der Operation Vistula die verbleibende ukrainische Bevölkerung von 140.000 gewaltsam aus Deutschland in die westlichen und nördlichen Gebiete umgesiedelt.

Das führte zu einer vollständigen Zerstörung der griechisch-katholischen Kirchenstrukturen, obwohl sie kanonisch noch unter der Gerichtsbarkeit des polnischen Primas existierten. Von den Priestern wurden einige verhaftet und die übrigen gezwungen, im lateinischen Ritus zu dienen. Nur eine griechisch-katholische Pastoralstation, die weder von der polnischen katholischen Kirche noch von den Behörden anerkannt war, existierte in den neuen ukrainischen Siedlungen, bis 1956 der Entstalinisierungsprozess in Polen einsetzte.

Ab diesem Zeitpunkt entstanden mehr griechisch-katholische Seelsorgestationen im Westen und Norden Polens (jedoch nicht in den ehemaligen ukrainischen Gebieten im Südosten). 1967 ernannte der polnische Primas einen Generalvikar für die Griechisch-Katholiken, obwohl die vollständige Hierarchie für die Griechisch-Katholiken in Polen erst 1989 wiederhergestellt wurde.

Roman Skakun aus Lviv präsentierte seine Erkenntnisse aus den Archiven des ukrainischen Sicherheitsdienstes über dessen Agenten als Instrument der Regierungskontrolle über die  russisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine von 1939 bis Anfang der 1960er Jahre.

In den Jahren 1939 – 1941 wurden die Überreste des Moskauer Patriarchats, die während des Großen Terrors fast vollständig zerstört worden waren, vom NKWD durch seine Bischofsagenten instrumentalisiert, um die Kontrolle über das lebendige kirchliche Leben in den neu eroberten Gebieten der westlichen Ukraine zu erlangen. Von 1942 bis 1943 sanktionierte der Kreml die Wiederbelebung der russisch-orthodoxen Kirche als autoritäres Gebilde, das von den NKWD-NKGB-Agenten in Schlüsselpositionen streng von oben kontrolliert wurde.

Von dieser Zeit an waren 85 bis 100 Prozent der orthodoxen Bischöfe in der Sowjetukraine Agenten der Sicherheitsdienste. Zu ihren Aufgaben gehörte in den Jahren 1943 – 1956 die Zusammenarbeit bei der Säuberung der Kirche von verschiedenen antisowjetischen, nationalistischen und autokephalistischen Elementen und bei der Zerstörung der griechisch-katholischen Kirche sowie verschiedener unterirdischer Formen des religiösen Lebens. Einige dieser Bischöfe waren auch in außenpolitischen Bemühungen der Sowjetunion in der orthodoxen Welt und bei der Überwachung ausländischer religiöser Delegationen beschäftigt.

In der Zeit Chruschtschows wurden die Agenten der Kirchenleitung zunehmend eingesetzt, um den Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft zu untergraben und die Schließung von Pfarreien, Klöstern und Seminaren vorzubereiten und zu erleichtern. Die von den Sicherheitsdiensten geförderten Agenten setzten sich aus verschiedenen Arten von Personen zusammen, von respektierten Klerikern alter Schule, die sich für Kollaboration nur ungern hergaben, bis hin zu völlig ergebenen „roten Bischöfen“ und solchen, die ihre Büros mit geradezu schurkischer Unmoral zur persönlichen Bereicherung ausbeuteten.

Die Ausführungen von Svitlana Hurkina aus Lviv sollten die Überlebensstrategien des hohen griechisch-katholischen Klerus unter dem totalitären Regime der Sowjetunion nach der  Verhaftung des Metropoliten Josyf Slipyi und der Bischöfe sowie die Anfänge der Errichtung seiner Kirche in den Katakomben 1944 bis 1953 zeigen. Dies war auch eine Zeit, in der ihre Kirche auf der offiziellen staatlichen Ebene als „wieder vereint“ mit dem Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche erklärt wurde.

Hurkina legte den Schwerpunkt auf  die Wahlen und Aktivitäten von kanonischen und Generalvikaren der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (Ukrainian Greek Catholic Church, UGCC) nach 1945. Am Ende gab sie einen allgemeinen Überblick über zwei weitere Überlebensstrategien: erstens die Versuche der verfolgten Kirche zu Aufrechterhaltung der Außenkontakte, insbesondere mit dem Papst von Rom, und zweitens die Positionen und Beweggründe des Verhaltens des griechisch-katholischen Klerus in Zeiten der sowjetischen Verfolgung.

Dr. Volodymyr Moroz, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Kirchengeschichte der Ukrainisch-Katholischen Universität in Lviv, nahm die Erfahrungen des ukrainischen Mönchtums mit dem sowjetischen totalitären Systems in den Blick und zeigte sie am Beispiel des Basilianerordens in der Region Transkarpatien 1945 bis 1960.

Moroz untersucht die Verhaltensmodelle der Mönche unter den Bedingungen des totalitären sowjetischen Staates mit besonderem Augenmerk auf die Analyse von Quellen des basilianischen Ordens und beschreibt so das Schicksal von Mönchen, die verhaftet, deportiert,  getötet wurden oder überlebt haben. Nur ein einziger Mönch dieses Ordens sei als sowjetischer Propagandist der Kirche abtrünnig geworden. Nur ein weiterer Mönch sei zur russisch-orthodoxen Kirche konvertiert, aber später zur griechisch-katholischen Kirche zurückgekehrt.

Dennoch schlossen sich alle anderen Basilianermönche in der ukrainischen Region Transkarpatien der griechisch-katholischen Katakombenkirche an. Sie widmeten ihr Leben dem Dienst an Gott sowohl in der Ukraine als auch in Sibirien, Kasachstan und Zentralasien. Mehrere Mönche entgingen den sowjetischen Repressionen durch Auswanderung in den Westen. Moroz analysierte Archivalien und unveröffentlichte Werke von P. Hlib Kynakh, P. Pavlo Madiar, P. Meletiy Malynych und anderen basilianischen Autoren, die sich einer Beschreibung der sowjetischen Repressionen in den Jahren 1945 bis 1960 gewidmet hatten, und achtete besonders darauf, dokumentierte Memoiren über sowjetische totalitäre Repressionen gegen die Kirche aus dem Archiv des Instituts für Kirchengeschichte heranzuziehen.

Roman Harandzha aus Lviv bezeichnete Arbeitslager und Exil als die „zwei Hände“ desselben Regimes: als Hauptmethoden zur Bestrafung griechisch-katholischer Priester. Die sowjetische Besetzung der Westukraine habe zu einer zunehmenden Verfolgung der griechisch-katholischen Kirche und ihrer anschließenden Zerstörung geführt. Die Ideologie des Sowjetregimes ließ keinen Platz für religiöse Konfessionen, die außerhalb der Kontrolle der Regierung lagen, und die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche war zu unbequem, um ihre Existenz zuzulassen. Im Jahr 1946 wurde sie formell aufgelöst, und ihre Geistlichkeit war schweren Repressionen ausgesetzt. Viele Priester wurden in Arbeitslager oder ins Exil geschickt. Die überwiegende Mehrheit derer, die sich nicht dem kommunistischen Regime beugten, litt unter einer dieser Strafmaßnahmen, die die Priester an den Rand des Untergangs brachten.

Beide Methoden seien Ausdruck der Grausamkeit und Unmenschlichkeit des Regimes gewesen. Trotz des Drucks und des Missbrauchs seien es jedoch oft die Priester gewesen, die in den Arbeitslagern oder im Exil einen Funken der Liebe Gottes in das Chaos des täglichen Lebens brachten, der zum Überleben beitrug, nicht allein für sie selbst, sondern auch für ihre Angehörigen und alle, die ihn empfingen.

Taras Bublyk aus Lviv berichtete über die Teilnahme von griechisch-katholischen Laien an der Legalisierungsbewegung des UGCC. Ein Teil des Klerus und der Gläubigen erkannte die Auflösung des UGCC im Pseudorat von Lemberg im Jahr 1946 nie an. Sie setzten ihre Aktivitäten trotz Repressionen und Verboten fort. Das Thema der UGCC-Legalisierung in der UdSSR war über vier Jahrzehnte lang aktuell.

In den späten 80er Jahren war es jedoch am günstigsten, den Kampf um die Wiederbelebung der Kirche zu intensivieren. Zu dieser Zeit konzentrierte sich die Legalisierungsbewegung aufgrund der aktiven Teilnahme religiöser und politischer Menschenrechtsaktivisten (Joseph Terelya und Ivan Gel) auf die Menschenrechtsorganisation „Komitee zum Schutz der ukrainischen katholischen Kirche“.

Mit den neuen Formen und Methoden des Kampfes gegen das Regime, der aktiven Zusammenarbeit mit den unterirdischen Bischöfen und Priestern und der Mobilisierung eines Großteils der Bevölkerung der Westukraine zum Schutz der Rechte des UGCC gelang es dem Ausschuss, sein Ziel zu erreichen. Am 20. November 1989 wurde nämlich die Erklärung des Rates für religiöse Angelegenheiten im Ministerrat der UkSSR proklamiert, wonach die griechischen Katholiken ihre Gemeinden registrieren konnten.

Die vielfältigen von Bublyk genutzten Archivmaterialien repräsentieren die Position verschiedener Ebenen der Sowjetmacht in Bezug auf die UGCC-Legalisierung und die Beteiligung der Laien an diesen Prozessen. Trotz zahlreicher Quellen bietet dieses Thema ein großes Potenzial für die Erforschung und eingehende Untersuchung der Prozesse, die in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren im UGCC stattgefunden haben.

Zusammenfassend ergaben am Ende der Tagung die beiden Workshops zum Thema Christen wichtige Impulse zur Herausbildung des kirchlichen Untergrunds, zu Formen der Resistenz, zur Gestaltung des religiösen Lebens unter den Bedingungen der Verfolgung. Sie behandelten an konkreten Beispielen grundlegende Fragen nach dem Ob und Wie der Publikation solcher Erkenntnisse, die aus den Arbeiten mit den Quellen und Erinnerungen gewonnen werden.

Sie zeigten, wie wichtig es ist, auch die Ambivalenz manchen Verhaltens aufzuzeigen. Paradoxerweise konnte nämlich ein Priester Eifer zugleich als Agent und als Seelsorger entfalten. Detailliert wurden Quellen vorgestellt und ausgewertet zur Situationsbeschreibung in den unterschiedlichen Formen von Lagern und zur Beschreibung der Methoden von Drangsalierung für die Geistlichen, die nicht zur Orthodoxie konvertieren wollten.

In den 80er Jahren zeigte sich zunehmend der Konnex von religiösen und politischen Fragen und auch Veranstaltungen: Gottesdienste wurden gefeiert und im Anschluss Kundgebungen mit der Formulierung politischer Forderungen veranstaltet. Auf diese Weise wurden beim Ringen um die rechte Form der Widersetzlichkeit oder des Widerstandes auch grundlegende Tugenden für zivilgesellschaftliches Verhalten eingeübt und praktiziert.

Erinnerung ist ein kontinuierlicher Prozess, dem man sich je neu stellen muss, war eine zentrale Feststellung; daher tauchten in der Reflexion der Tagungsergebnisse immer wieder Fragen nach den Perspektiven der Weiterarbeit auf, auch danach, wie die Forschungserträge breiteren Kreisen, Multiplikatoren und der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden können.

Text und Fotos: Stefan P. Teppert

 

 


Bischof Hanke stellt Kirchensteuer infrage

Der Eichstätter katholische Oberhirte Gregor Maria Hanke kann sich vorstellen, „eine ärmere Kirche zu wagen“ und „über die Zukunft der Kirchensteuer nachzudenken“.

Bischof Hanke (siehe Foto) erklärte auf dem Neujahrsempfang des Diözesanrats der Katholiken zudem, „echte Reform“ wachse aus „mehr Nachfolge Jesu“ und „mehr Zeugenschaft – und vielleicht weniger Institution und Verfasstheit“.

Man müsse darüber nachdenken, „auf die institutionalisierten gesellschaftlichen Möglichkeiten der Einflussnahme der Kirche in der heutigen Breite zu verzichten“, erklärte der Würdenträger.

Dies gelte, obwohl die Kirche vielfältige Pflichten und Verantwortung gegenüber Mitarbeitern habe und nicht von heute auf morgen aus dem gewachsenen System aussteigen könne.

Quelle und Fortsetzung der Meldung hier: https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-01/hanke-bischof-eichstaett-deutschland-abschaffung-kirchensteuer.html


Kath. Bischof Walter Mixa sprach beim AfD-Neujahrsempfang in Stuttgart über den Islam

Der frühere katholische Oberhirte der Bistümer Eichstätt und Augsburg, Walter Mixa, hat die Einladung der AfD zum Neujahrsempfang im Stuttgarter Rathaus angenommen und dort eine Ansprache über den Islam in Deutschland gehalten.

Wie die Stuttgarter Regionalpresse am gestrigen Samstag berichtete, hat der emeritierte Bischof Mixa erklärt, man solle den Muslimen den Moscheebau erlauben, allerdings müßten sie im Gegenzug die Christen akzeptieren. 

BILD: Große Moschee mit Minarett in Bonn (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Moscheen sollten außerdem keine Herrschaftsbauten sein, die einen Willen zur „Moslemisierung Europas“ zum Ausdruck bringen.

Laut Zeitungsberichten soll der 77-jährige Würdenträger erklärt haben: „Islam heißt Unterwerfung, und es gibt im Islam leider auch diese Gewalttätigkeiten.“

Um einer Islamisierung Deutschlands und der Begünstigung von Gewalt keinen Vorschub zu leisten, sollen muslimische Einwanderer „klar festgelegt werden auf den Artikel 1 des Grundgesetzes“, wonach die Menschenwürde jedes Einzelnen zu achten sei.

Im Sommer 2007 hatte Bischof Mixa erklärt, die Türkei gehöre nicht in die EU und zudem beanstandet: „In vornehmlich islamisch geprägten Kulturen und Ländern haben Christen heute noch so gut wie keine Daseinsberechtigung“(Quelle: „FOCUS Online“, 27. Juli 2007)

Zu den Attacken von Claudia Roth gegen Mixa siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/03/wann-entschuldigt-sich-die-grune-parteichefin-claudia-roth-bei-bischof-mixa/


Preisverleihung: Pater Samir SJ gab Christen im Orient ein neues Selbstbewußtsein

Die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen verleiht ihren diesjährigen Sonderpreis einem der einflussreichsten Gelehrten im Dialog zwischen Orient und Okzident: Der ägyptische Jesuitenpater Professor Pater Samir Khalil Samir (siehe Foto) wird an diesem Samstag in der Residenz im bayerischen Eichstätt mit der Auszeichnung geehrt.

„Der Islamwissenschaftler und katholische Theologe ist Berater führender Persönlichkeiten aus Kirche und Politik, einige darunter waren sogar seine Studenten. Weil er gerade orientalischen Christen durch seine Forschungen ihre Geschichte und damit neues Selbstbewusstsein in Zeiten der Unterdrückung zurück gegeben hat, wird er für sein Lebenswerk geehrt“, unterstrich die Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Stephanus-Stiftung, Michaela Koller.

Das US-Magazin „Time“ sagte dem 80-jährigen Geistlichen höchsten Einfluss nach: Er sei jener Jesuit gewesen, der die Vorstellungen des Papstes über den Islam angeregt habe. Damit war die Regensburger Rede des emeritierten Papstes Benedikts XVI. gemeint, durch die der Dialog im Jahr 2006 erst wieder in Fahrt kam. Mit Deutschland verbindet Samir, dass er jährlich im Bistum Regensburg in den Sommerferien in der Seelsorge aushilft.
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„Samir hat sich in der islamischen Welt Respekt verschafft, weil er nicht bei Höflichkeiten stehenbleibt, sondern mit seinen Gesprächspartnern auf Augenhöhe gemeinsam nach der Ursache von Krisen und Ungerechtigkeit sucht“, begründet die Stephanus-Stiftung weiter ihre Entscheidung.
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Zudem habe der Priester mit mancher Geschichtsklitterung aufgeräumt, indem er nachwies, in welchem Ausmaß christliche Gelehrte in Syrien und Mesopotamien das griechisch-römische Erbe an die islamisch-arabische Zivilisation weitergegeben haben. Ohne diesen Einfluss hätte auch die europäische Philosophie seit dem Mittelalter wohl einen anderen Weg eingeschlagen.
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„In Deutschland lernen Jugendliche diese Geschichte in der Schule nur unvollständig. Orientalische Christen kommen darin nicht vor“, sagte die Vorstandsvorsitzende. In Italien, Frankreich, USA und im Libanon, wo Pater Samir gelehrt habe und häufig auch als Kommentator in den Medien vorkomme, sei diese Information verbreiteter. „Europa hat diesen Christen einen großen geistigen Schatz zu verdanken, was Pater Samir nicht müde wird, darzustellen.“
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Mit nicht einmal 18 Jahren trat Samir 1955 ins Noviziat des Jesuitenordens ein und wurde hauptsächlich in Frankreich, jedoch auch in den Niederlanden, ausgebildet. Im Juli 1968  – vor 50 Jahren – empfing er die Priesterweihe im koptischen Ritus.
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BILD: Michaela Koller überreicht Papst Benedikt ihr Interview-Buch mit Pater Samir SJ
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In seiner islamwissenschaftlichen Doktorarbeit beschäftigte er sich mit Al-Ghazzāli (1058 – 1111), der die aristotelische Logik in die islamische Jurisprudenz und Theologie einführte und in einer zweiten Dissertation mit dem arabisch christlichen Denker Abū Zakariyyā Yaḥyā Ibn ‘Adī al-Takrītī (893-974), auf den sich Averroes, von Thomas von Aquin als „der Kommentator“ des Aristoteles bezeichnet, wiederum berief.
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An der Universität Saint-Joseph in Beirut begründete Samir das Dokumentationszentrum CEDRAC zur Erforschung des christlich arabischen Literaturerbes. In Beirut unterrichte er auch Imame über das Christentum. Im Jahr 2015 leitete er das Päpstliche Orientalische Institut (PIO)in Rom.
Wissenschaft und Öffentlichkeit verdanken Pater Samir mehr als 60 Werke und mehr als 1500 Artikel.
Die Laudatio hält Archimandrit Dr. Andreas Abraham Thiermeyer, Gründungsrektor des Collegium Orientale.
Der Theologe und Chefredakteur der „Tagespost“, Oliver Maksan, moderiert den Festakt.
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TERMIN: Die Preisverleihung beginnt um 15 Uhr im Spiegelsaal.
Anmeldungen und Rückfragen unter: stephanuspreisverleihung@gmail.com und 0177 – 2599187
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Die Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen ist nach dem Diakon der christlichen Urgemeinde benannt, der als erster Märtyrer wegen seines Bekenntnisses zu Jesus Christus gesteinigt wurde. Die Stephanus-Stiftung hilft laut ihren Statuten verfolgten Christen in Not, etwa durch einen Zuschuss zum Lebensunterhalt oder zu Anwaltskosten, und deckt Missachtung der Religionsfreiheit und ihre Hintergründe auf.
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Zu den bisherigen Preisträgern zählen die syrisch-orthodoxe Ordensfrau Schwester Hatune Dogan (siehe Foto), die auch „moderne Mutter Teresa“ genannt wird, der Patriarch von Babylon, Louis Raphael I. Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche, Pfarrer Gottfried Martens, von der zur SELK (Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche) gehörenden Dreieinigkeitsgemeinde in Berlin-Steglitz und der am 7. April 2014 im syrischen Homs ermordete Jesuitenpater Frans van der Lugt. Im vorigen Jahr erhielt die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Anthony den Preis, die in der Vergangenheit prominente Fälle vor Gericht verteidigte, in denen Christen fälschlich der Blasphemie angeklagt waren.
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In diesem Jahr nahm den Hauptpreis Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, ehemals Bischof von Hongkong, in Empfang, für seinen Mut und seine Beharrlichkeit im jahrzehntelangen Einsatz für die Freiheitsrechte in China. Über das Ereignis wurde weltweit berichtet. Gründer der „Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen“ in Frankfurt ist Wolfgang Link aus Gengenbach im Schwarzwald, Oberstudienrat im Ruhestand. Die Vorstandsvorsitzende Michaela Koller ist Referentin der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt.
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Weiteres Info zu P. Samir: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/30/nahost-experte-samir-khalil-der-arabische-islam-wird-immer-radikaler/

 


Medienkampagnen und kirchenpolitische Aktionen gegen Bischof Hanke

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Augsburger Allgemeine Zeitung (AZ) vom 22. Februar 2018 titelt: „Auch für die katholischen Bischöfe endet die Zeit der Alleinherrschaft“.

In diesem Artikel wird aufgrund des „Finanzskandals“ in der Diözese Eichstätt nicht nur die Trennung von Vermögensverwaltung und Aufsicht gefordert, sondern gleichzeitig gefragt, „ob künftig Laien Pfarrgemeinden leiten dürfen oder ob wiederverheiratete Geschiedene grundsätzlich von der Kommunion ausgeschlossen bleiben sollen“.

Der Leser fragt, was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? In diesem Artikel wird durchsichtige Kirchenpolitik betrieben und versucht, das Prinzip „Demokratie in der Kirche“ voranzubringen.

Der Versuch, den „Finanzskandal von Eichstätt“ kirchenpolitisch zu instrumentalisieren, setzt sich fort, obwohl der ursprünglich genannte Vermögensverlust von 50 Mio. Euro inzwischen mit weniger als 1 Mio. Euro beziffert wird und Bischof Hanke (siehe Foto), sogleich nachdem die Sache ruchbar wurde, Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Finanzdirektor gestellt hatte.

Am 16. Mai 2018 berichtete die AZ: „Ende März hatten Katholiken Bischof Gregor Maria Hanke bei der Kleruskongregation angezeigt und gefordert, ein Verfahren gegen Hanke ‚wegen besonders schwerwiegender Verletzung der Sorgfaltspflicht mit dem Umgang des Anlagevermögens des Bistums Eichstätt einzuleiten‘“. – Sie wollen eine „eigene unabhängige Untersuchung“ durch die Kurienbehörde.

Die Formulierung „Katholiken“, die den Bischof anzeigten, lässt einen großen Teil des Kirchenvolkes vermuten. Tatsächlich haben Walter Hürter und die Minigruppe der Kirchenvolksbegehrer in der Diözese Eichstätt die Anzeige in Rom gestellt. Die Kleruskongregation in Rom hat inzwischen geantwortet, dass sie die Ergebnisse der staatlichen Ermittlungen abwarte.

Die Wiederholung der Vorwürfe gegen Bischof Hanke durch die AZ ist für Kampagnen typisch. Sie lässt vermuten, dass es darum geht, einen missliebigen Bischof zu verhindern: Bischof Hanke gilt als „konservativ“, mit dem sogenannte „Reformen“ nicht zu machen sind.

Er ist einer der sieben Bischöfe, die sich an die Glaubensbehörde in Rom gewandt haben, um überprüfen zu lassen, ob der Mehrheitsbeschluss der deutschen Bischofskonferenz zur Zulassung protestantischer Partner bei konfessionsverschiedenen Ehen dem Glauben und der Einheit der Kirche entspricht. Und zusätzlich wird Bischof Hanke als möglicher Nachfolger von Bischof Konrad Zdarsa von Augsburg, der 2019 in den Ruhestand geht, genannt. Augsburg zählt zu den großen bayrischen Bistümern.

Unser Autor Hubert Gindert leitet den Dachverband „Forum deutscher Katholiken“, den Kongreß  „Freude am Glauben“ und die Monatszeitschrift DER FELS


Hirtenwort von Bischof Gregor M. Hanke (Eichstätt) zum Advent 2014 im Wortlaut

Liebe Schwestern und Brüder!bildma1

Vorfreude auf die Geburt
Ein Ehepaar, das ein Kind erwartet, bereitet sich auf das Ereignis vor. Die schwangere Frau nimmt auf ärztliche Empfehlungen so mancherlei Verzicht auf sich. Die Kliniktasche steht lange vor dem Entbindungstermin griffbereit gepackt. Es ist die Freude, die alles leitet. Auch Verwandte und Freunde sind voller Erwartung.

Mit dem ersten Advent am nächsten Sonntag beginnt auch für uns die Zeit dieser freudigen Erwartung. Dann bereiten wir uns auf das Fest der Geburt des Herrn vor. Gott wird Mensch in Jesus Christus!

Menschwerdung Gottes ist bleibende Einladung
Die Menschwerdung Gottes ist nicht einfach Vergangenheit, sondern bleibende Einladung Gottes an uns hier und heute, seinen Weg der Menschwerdung einzuschlagen. Das Zweite Vatikanische Konzil erklärt in der Konstitution über die Kirche in der Welt die Bedeutung der Menschwerdung des Gottessohnes für unser Menschsein:  011_7A

Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt. (…) Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.(1)

Menschsein als Personsein in der Krise
Der Blick auf den Mensch gewordenen Gottessohn und seinen Weg als Mensch tut not für den Weg meiner Menschwerdung. Es scheint, als sei sich der Mensch von heute selbst zur Frage geworden, als sei die Anerkennung des Menschen als Person mit Würde in die Krise geraten.

Weltweite Krise der Menschseins
Trotz Fortschritt, Wissensmehrung und eines global gewachsenen Bewusstseins der Zusammengehörigkeit der Menschheit wird die Menschenwürde in vielen Bereichen der Welt mit Füßen getreten. Ökonomische und machtpolitische Interessen oder auch eine fanatisierte Religion werden sich zum Selbstzweck. Der Mensch in seiner Würde bleibt auf der Strecke. baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Wir erleben dies gegenwärtig dramatisch an den Konflikten und kriegerischen Auseinandersetzungen. Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, Minderheiten sind bedroht. Denken wir vor allem an Syrien und den Irak, wo gerade unsere christlichen Schwestern und Brüder Bedrängnisse bis hin zur Verfolgung erleiden.

Doch auch in unserer Umgebung zeigt sich die Krise des Menschseins:

Krise der Menschenwürde: Debatte um den assistierten Suizid
Wir stehen mitten in der Debatte um den assistierten Suizid. Hier wird mit den Ängsten vor unerträglichen Schmerzen, der finanziellen Belastung der Angehörigen und der Einsamkeit argumentiert, um letztlich die Beihilfe zum Selbstmord zu legalisieren.

Auch wer „religiös unmusikalisch“ ist und daher die in der Gottebenbildlichkeit wurzelnde Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens nicht mehr nachzuvollziehen vermag, kann die darin liegende Gefahr erkennen. Die gesetzliche Erlaubnis einer Tötung auf Verlangen könnte dazu führen, dass kranke Menschen subtil oder offen dazu gedrängt werden, endlich sterben zu wollen.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: E. Gründler

Diese Tendenz ist bereits jetzt deutlich erkennbar, wenn immer unverblümter darauf hingewiesen wird, wie hoch die Kosten für die Pflege Sterbender sind. In Wirklichkeit ist die Palliativmedizin mittlerweile schon so weit fortgeschritten, dass sie auf die vorhandenen Ängste reagieren kann, ohne Beihilfe zum Suizid zu leisten: Auch in schweren Fällen können die Ärzte ein Sterben ohne Schmerzen gewährleisten.(2)

Identitätskrise des Menschen: Theorie des Genderismus
Auch auf einem zweiten Feld zeigt sich die Krise des Menschseins. Die Ideen des Genderismus stellen sich gegen unser biblisch-christliches Menschenbild. Dieses Theoriegebäude postuliert, Mann und Frau seien in allen Lebensbereichen auswechselbar. Es seien primär Erziehung und kulturelle Bedingungen, welche die Geschlechterrollen von Mann und Frau prägen. Diese gelte es als kulturelle Klischees zu überwinden.

Unter dem sanft klingenden Begriff Geschlechtervielfalt verbreiten manche, es gebe überhaupt kein objektives Geschlecht als Mann und Frau. Stattdessen propagieren sie eine Geschlechtervielfalt mit weiteren geschlechtlichen Identitäten. Der Einzelne könne sich sein Geschlecht selbst auswählen.BILD0222

Diese Sicht auf den Menschen verwundert in einer Zeit, in der sich viele für die Bewahrung der Schöpfung engagieren. Sie übernehmen die Anwaltschaft für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes, was nur zu begrüßen ist. Denn sie sind überzeugt, dass die in der Schöpfung vorgegebene Ordnungsstruktur dem Wohle dient.

Hingegen herrscht bei vielen in der Gesellschaft Desorientierung und Verwirrung, wenn es um die Natur des Menschen und die Bedeutung der menschlichen Person geht.

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau
Am Beginn der Heiligen Schrift lesen wir: Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. (…) Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte. Es war sehr gut. (Gen 1, 27.31)

Lassen wir uns als Getaufte in unserem Zeugnis für das Menschsein nicht entmutigen. Machen wir uns Gottes Wort und die Wegbegleitung der Kirche zu eigen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat uns als kostbares Vermächtnis die Botschaft von der Schönheit des Menschseins hinterlassen, das der Schöpfer als Mannsein und Frausein gewollt hat.DSC05485

In seinen als „Theologie des Leibes“ bekanntgewordenen Katechesen deutet er die Schöpfungsordnung als Ausdruck der Liebe des Schöpfers, denn der Mensch ist um seiner selbst willen von Gott gewollt und geliebt.

Die leibliche Unterschiedlichkeit offenbart bereits, dass Mann und Frau aufeinander verwiesen sind. Diese gegenseitige Verwiesenheit wiederum lässt erkennen, dass wir zum Menschsein in Fülle die Gemeinschaft mit einem personalen Gegenüber benötigen. Die höchste Form dieser personalen Gemeinschaft ist die gegenseitige Hingabe, das wechselseitige Sich-Verschenken von Mann und Frau im Liebesbund der Ehe.(3)

Die gegenseitige Hingabe ist gleichzeitig natürlich auch ein wechselseitiges Empfangen und Annehmen des anderen. Wenn der jeweilige Partner dabei um seiner selbst willen angenommen wird, dann findet er sich selbst durch seine Hingabe. Aus dieser Selbstfindung heraus ist er wiederum in der Lage, sich selbst erneut und tiefer zu verschenken: Die Selbsthingabe wird zur neuen Quelle des Gebens.(4)

Von der Krippe strahlt das Licht des wahren Menschseins
Liebe Schwestern und Brüder, Weihnachten rührt auch heute viele Menschen an. Der tiefste Grund liegt doch darin, weil Gott in der Menschwerdung des Sohnes diese Ordnung der Liebe bestätigt und erneuert hat. Von der Krippe und aus dem Leben Jesu strahlt das Licht des wahren Menschseins. Offensichtlich spüren das selbst noch viele, die nicht mehr tief in der religiösen Praxis verwurzelt sind.DSC_0062

Lassen wir uns von Christus einladen auf seinen Weg der Menschwerdung, um selbst Mensch zu werden. Wir Getaufte können so dafür Zeugnis geben, wie erfüllend der Weg der Menschwerdung nach Gottes Schöpfungsordnung und im Geiste Jesu ist.

Begegnung als Schlüssel zu Menschwerdung
Der Schlüssel zu unserer eigenen Menschwerdung liegt in der Begegnung. Erst im Du des Gegenübers erkenne ich mich selbst und kann zu dem Menschen werden, der Gottes Plan von mir entspricht. In der Reaktion des anderen spiegelt sich sozusagen mein Ich, das ich sonst nicht zu sehen vermag. Deswegen kommt es wesentlich auf die Begegnung an.

Drei Ausformungen der menschlichen Begegnung können auf unserem Weg zur Menschwerdung eine besondere Rolle spielen. In gewisser Weise können sie auch als Antwort auf die oben skizzierten drei Symptome der Krise des Personseins verstanden werden.

Menschwerdung in der Gastfreundschaft
Schon das Gespräch mit Familienmitgliedern und Freunden, für das ich mir Zeit nehme, ist eine solche Begegnung, die zur Formung meines Ichs, zu meiner eigenen Menschwerdung beitragen kann. header_buch

Aufgrund der Wechselseitigkeit der Begegnung gilt dasselbe natürlich für den, der mir begegnet. Dort, wo wir Gastfreundschaft üben und den Fremden in christlicher Nächstenliebe aufnehmen, kommt ein zusätzlicher Aspekt hinzu. In der Begegnung mit dem Fremden können mir Elemente offenbar werden, die im Austausch mit mir schon bekannten Menschen verborgen bleiben. Die Gastfreundschaft etwa gegenüber Flüchtlingen als Schritt der eigenen Menschwerdung kann so auch eine erste Antwort auf die Unmenschlichkeit in der Welt sein, die sich in Verfolgung und Unterdrückung äußert.

Menschwerdung in der Freundschaft
Eine zweite Weise der personalen Begegnung ist die Freundschaft. Das wesentliche Merkmal der Freundschaft als menschlicher Begegnung ist die personale Bindung an ein Du.

Gerade die Freundschaft mit Christus gibt uns die Kraft für eine solche tiefe personale Verbundenheit. In der Freundschaft lernen wir, uns selbst zu überschreiten und über unser Drängen nach Selbstverwirklichung hinauszugehen. Die Annahme des Freundes um seiner selbst willen macht den Kern der Freundschaft aus. Echte und dauerhafte Freundschaften sind auch ein Heilmittel gegen den Wunsch nach legalem Suizid, der im Grunde ja nichts anderes als ein Ruf der Verzweiflung ist.

Menschwerdung in der Ehe
IMG_1468 - KopieDie gegenseitige Annahme des anderen um seiner selbst willen findet seine höchste Ausformung in der gelingenden Ehe.

Die personale Bindung der Freundschaft findet sich in der Ehe zwischen Mann und Frau noch einmal exklusiv auf einen einzigen Partner hin ausgerichtet. Durch ihre wechselseitige Hingabe und gleichzeitige Annahme des anderen um seiner selbst willen fördern sich die Partner in ihrer Selbstfindung und Menschwerdung.

Die Ehepartner, die in gegenseitiger Liebe und Hingabe leben, stärken sich nicht nur gegenseitig, sondern geben in der umsichgreifenden Identitätskrise des Menschen zugleich auch denen Orientierung, die noch auf der Suche sind nach dem Menschsein in Fülle.

Sie alle, die Sie als Weggemeinschaften zur Krippe hin unterwegs sind, als Familie, Freundeskreise, Gemeinschaften, Pfarreien und Verbände, segne der Dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Eichstätt, am Gedenktag der hl. Elisabeth von Thüringen, dem 19. November 2014

Ihr Gregor Maria Hanke OSB
Bischof von Eichstätt


(1) Gaudium et spes 22.
(2) Vgl. Gisela Klinkhammer, Mit großer Sorgfalt und klinischer Erfahrung, in: Deutsches Ärzteblatt 111 (38) , 19. September 2014, 1552f.
(3) Vgl. Theology of the Body (TOB) 14,4; zitiert nach: Johannes Paul II., Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan. Eine Theologie des Leibes (herausgegeben v. Norbert und Renate Martin), 2. überarbeitete Auflage Kisslegg 2008, 161.
(4) Vgl. TOB 17,6.

Quelle: http://www.bistum-eichstaett.de/bischof/wortlaut/hirtenwort-adventsszeit-2014/


Bischof Hanke wirbt für „ONE OF US“

Etwa 1400 Unterschriften für das europäische Bürgerbegehren „One of Us“ wurden am Rande der Willibalds-Woche in Eichstätt gesammelt. Bischof Gregor Maria Hanke (siehe Foto) hatte die Gläubigen zur Unterstützung aufgerufen. 37ae0ccc01

Das Ziel von „One of Us“  –  zu Deutsch: „Einer von uns“  –  ist der Schutz menschlichen Lebens von der Zeugung an.

Es soll erreicht werden, dass die Europäische Union nicht weiterhin Aktivitäten finanziell unterstützt, in deren Zusammenhang Embryonen zerstört werden. Damit sich die Europäische Kommission mit dem Anliegen der Bürgerinitiative beschäftigt, müssen eine Million Unterstützer durch ihre Unterschrift nachgewiesen werden, die aus mindestens sieben EU-Ländern stammen. Die Frist läuft im Oktober aus.

In Deutschland müssen insgesamt 75.000 Unterschriften gesammelt werden, davon sind erst gut 31.000 gesichert  –  ohne die Listen aus Eichstätt. In Kirchen des Bistums liegen die Unterschriftenlisten aus.

Die Petition kann auch online unter http://www.oneofus.eu/de unterzeichnet werden.

Quelle: http://www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/Eichstaett-One-of-Us-1400-Befuerworter;art575,2794894#1584311676