Wo bleibt die Präsenz des Glaubens in der Welt? Nehmen wir den Auftrag Christi ernst?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Den Platz der Weltchristen zeigt uns die „Dogmatische Konstitution“ des Zweiten Vatikanischen Konzils deutlich auf:

„Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen… Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie Salz der Erde werden kann…“

Der Jugendkatechismus (Youcat) spricht in seinem zweiten Kapitel „Die menschliche Gemeinschaft“ (Ziff 321 ff) über den Beitrag der Laien für die Gesellschaft:

„Ein Christ kann niemals ein reiner Individualist sein, denn der Mensch ist von Natur aus auf Gemeinschaft hin angelegt… Der Einzelne kann sich frei in der Gesellschaft entfalten, wenn das Subsidiaritätsprinzip beachtet wird“.

BILD: Prof. Hubert Ginder leitete den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“ und die Monatszeitschrift DER FELS

Subsidiarität besagt „was der Einzelne für sich aus eigenen Kräften leisten kann, darf ihm nicht durch eine übergeordnete Instanz abgenommen werden“. Der katholischen Soziallehre geht es darum, den „Masterplan“ Gottes für die Menschen darzulegen.

Warum ist das heute so wichtig?

Jeder kennt das zunehmende Lamento: Christliche Inhalte und Symbole (Kreuze) werden aus Politik, Vereinen, Schulen, öffentlichen Verwaltungen herausgedrängt. Und das stimmt auch!

Warum ist das so? Die Antwort ist einfach: Weil es immer weniger Christen gibt, die ihre Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent setzen.

Das hat neben fehlender Zivilcourage auch mit Unwissenheit zu tun. Hinzu kommt der sich ausbreitende Individualismus, christlich gesprochen, eine schwindende Nächstenliebe. Das erinnert an die Vorhersage Christi… „und weil die Gottlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten“ (Mt 24,12).

Warum war das früher anders?

Ich nenne zwei Gründe: Der höhere religiöse Grundwasserspiegel war auch verbunden mit der Nächstenliebe. Junge Menschen wurden in kirchlichen Gemeinschaften wie Kolping, Katholisches Landvolk, KAB vorbereitet und motiviert, Verantwortung für die Gemeinschaft in Vereinen oder in der Kommunalpolitik zu übernehmen. Es ging dabei um dauerhafte Bindung und nicht nur um Mitarbeit für ein zeitlich begrenztes Projekt.

Wie und wo können heute junge Menschen gewonnen werden, Christentum in der „Welt“ präsent zu machen?

Angesichts eines gesellschaftlichen Umbruchs, der inhumane Züge aufweist, ist das für Christen nicht Kür, sondern eine Pflichtaufgabe.

Wir erleben heute beispielsweise die völlige Gleichstellung aller Formen eheähnlichen Zusammenlebens mit der von der Verfassung geschützten Ehe von Mann und Frau. Wir sind konfrontiert mit Massenabtreibung, mit der Frühsexualisierung in Pflichtschulen, mit der Durchsetzung der Genderideologie, die den Menschen ihre Geschlechteridentität raubt und mit einer tabufreie Forschung an menschlichen Embryonen, mit Leihmutterschaft etc.

Wer kann ein Gegengewicht gegen solche Tendenzen bilden durch Information, aber auch durch gesellschaftspolitische Initiativen?

Manche denken an die neuen geistlichen Gemeinschaften. Bei näherem Hinschauen wird man aber ernüchtert. Ein Blick auf das Programm von zwei bekannten geistlichen Gemeinschaften, die ihre Jahrestreffen absolviert haben und gut besucht waren (rund 1500 Teilnehmer), zeigt, dass die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt werden.

Eine der beiden Gemeinschaften besteht überwiegend aus jungen Familien. Das Programm hatte folgende 13 Veranstaltungen/Workshops. Eines davon beschäftigt sich näher mit der Aufgabe der Weltchristen (Nr. 9).

  1. Projektchor (Lieder)
  2. Sport und genießen
  3. Kunst und Kreativität
  4. Beziehung und Partnerschaft
  5. Meine „schrecklich nette“ Familie
  6. Leben mit dem heiligen Geist
  7. Ruhezone: Gebet, Stille, Meditation
  8. Glauben neu entdecken
  9. Politisch neu denken: Wie kann die politische Auseinandersetzung in Twitter, Shitstorms und sinkenden Hemmschwellen an menschlicher und inhaltlicher Qualität gewinnen. Welche Haltungen zählen, gerade auch im Umgang mit extremen Positionen links und rechts und neuen „starken“ Führern
  10. Abendteuer Alltag: Karriereplanung, Familienmanagement, Trends, Hobby, Weltpolitik
  11. Einfach fair leben: Über alltagstaugliche, umweltbewusste und nachhaltige Möglichkeiten etwas verändern
  12. Mission possible: Aufbau missionarischer Gemeinden/Gemeinschaften
  13. Klassische Austauschgruppen: Was man beim Forum erlebt und entspanntes Kennenlernen

Die zweite Gemeinschaft zählt überwiegend junge Menschen zu ihren Teilnehmern. Das Hauptprogramm des Jahrestreffens gibt einen Überblick über die vier Tage:

Mittwoch: Lobpreis/Talk „Bereit für Neues“/Lobpreis und Rosenkranz/Heilige Messe/Holy Hour – Nachtanbetung

Donnerstag: Lobpreis/Talk „Gottes Ja“/Meet & Speak/Glory Stories/Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/ Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Zeichen und Wunder“/Lobpreis Nachtanbetung

Freitag: Lobpreis/Talk „Zuhause beim Vater“/Meet & Speak/ Workshops (14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Was er euch gibt das nehmt – was er euch nimmt das gebt“/Barmherzigkeit Nachtanbetung

Samstag: Talk „Schönheit und Stärke“/Glory Story/Lobpreis und Gebet/Regionalgruppen/Workshops 14 Uhr bis 16:15 Uhr/Rosenkranz/Heilige Messe/Talk „Ja, aber“/eucharistischer Gebetsgottesdienst Nachtanbetung

Sonntag: Lobpreis und Glory Stories/Was er euch sagt, das tut – was er euch tut, das sagt/Heilige Messe/Abschluss (14 Uhr)

Das Programm umfasste an drei Tagen insgesamt 37 Workshops, die jeweils in rund zweieinhalb Stunden abgewickelt wurden. Davon hatten vier einen deutlichen Bezug auf den Weltauftrag der Christen:
„Papst Post“: Wie finde ich zu meiner Berufung und Lebensaufgabe?
„Wann ist ein Mann ein Mann? Über die Rückkehr der starken Männer“.
„Christentum und Islam“
„Fake News und journalistisches Echo: Können wir unseren Medien noch vertrauen. Ein Streifzug durch die Medienwelt. Warum werden Nachricht und Meinung immer stärker vermischt?“ 

Kardinal Walter Brandmüller verdeutlicht in seinem Vortrag vom 21. Juli 2019 „Der Beitrag des Christentums zur Zukunft Europas“ unsere Problematik:

„Sicher ist, dass das Maß des kirchlichen Einflusses auf die sich selbst als säkular verstehende Gesellschaft zunächst von der Zahl der Gläubigen und ihrem sozialen und politischem Gewicht bestimmt wird…

Nun ist auch zu bedenken, dass den Christen von heute und morgen ganz anders als im späten 19. Jahrhundert und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kein politischer Arm mehr zur Verfügung steht, wie ihn die christlichen Parteien der Vergangenheit geboten hatten.

Hinzu kommt, dass die Medien, die die Öffentlichkeit bestimmen, mit verschwindenden Ausnahmen in Händen sind, die gewiss nicht bereit sind, dem Auftrag der Kirche zu dienen.“

Wann wachen wir also auf und nehmen unseren Weltauftrag wahr?


AfD will dem Medieneinfluß der SPD Einhalt gebieten – Tichy sticht ins Wespennest der SPD

Roland Tichy, Journalist und Herausgeber des Magazins „Tichys Einblick“, hat mitgeteilt, seinen Artikel „Wie SPD in die Zeitungen kommt – Zeitungen, auf die die SPD heimlich und indirekt Einfluss nimmt“ auf Druck zurückgenommen zu haben. Inhalt des Artikels war die zunehmende Einflussnahme der SPD auf die Medien über ihre Beteiligungsgesellschaft DDVG.

Dazu erklärt der AfD-Bundestagsabgeordnete Thomas Ehrhorn, stellvertretendes Mitglied im Bundestagsausschuss für Kultur und Medien:

„Die zunehmende Beteiligung der SPD an Medienunternehmen und die damit verbundene Einschränkung der Medienfreiheit hat überhandgenommen. Ob als größter Anteilseigner, wie bei der deutschlandweit agierenden Madsack-Gruppe, oder dem Zeitungsverlag Neue Westfälische mit einhundertprozentiger Beteiligung, nimmt die SPD-Beteiligungsgesellschaft Einfluss auf über fünfzig Tageszeitungen.

Wenn die ehemalige SPD-Bundesschatzmeisterin Wettig-Danielmeier damit zitiert wird, dass selbst dort, wo nur eine Minderheitsbeteiligung vorliegt, in den Verlagen nichts mehr gegen die SPD laufen könne, besteht Handlungsbedarf.

Ich werde mich dafür einsetzen, dass Zeitungen künftig auf ihre wirtschaftlichen Verbindungen mit Parteien deutlich hinweisen und derartige Verflechtungen, wenn es um Lokalzeitungen geht, grundsätzlich unterbunden werden müssen. Wo Medien unerkannt zum Parteiensprachrohr werden, ist politische Korruption nicht mehr fern.“

 


Die Volksabstimmung in Irland ist auch ein Debakel für die katholische Kirche

Mathias von Gersdorff

Das Ergebnis des Irland-Referendums zur Abtreibungsfrage ist dermaßen erdrückend, dass sich das Kommentieren fast erübrigt. Die Fakten sprechen für sich.

Die Tatsache, dass zwei Drittel der Iren für die Abschaffung des Abtreibungsverbots und für eine – perspektivistisch – recht liberale Regelung votiert haben, verschlägt einem den Atem. 1983 wurde mit etwa diesem Ergebnis das Abtreibungsverbot in die Verfassung eingeführt.

Dieses Erdbeben in der öffentlichen Meinung kann nur aufgrund der Erosion des Einflusses der katholischen Kirche in Irland erklärt werden.

Als Irland noch Teil des Vereinigten Königreiches war, bedeutete Ire zu sein, auch katholisch zu sein. Ire und katholisch waren Synonyme, wie etwa heute immer noch in Polen ähnlich. Das ist aber in Irland nun Geschichte.

Hier zeigt sich das ungeheure Risiko, das jener Katholizismus birgt, der sich fast ausschließlich auf die Autorität des Klerus stützt und dabei die moralischen Grundsätze und die Glaubenswahrheiten in den Hintergrund rückt: Zerbricht diese Autorität, wie in den letzten Jahren aufgrund vieler gravierender Skandale geschehen, so verliert das Volk auch den Glauben.

Es scheint, dass die katholische Kirche in Irland zu einer Art „Stunde Null“ gelangt ist. Sie muss sich selbst erst erneuern und zum alten Glanz des Glaubens finden, um wieder jenen Einfluss zu gewinnen, den sie einst hatte.

Bitter ist auch, dass sich diese Fälle auch in anderen Ländern vermehren, man denke bloß an Chile. Auch dort ist der Einfluss des Klerus auf null gesunken. Nicht nur aufgrund der sexuellen Skandale, sondern auch, weil die Kirchenleitung seit den 1960er Jahren mit sozialistischen politischen Strömungen flirtet.

Ein ähnliches Schicksal erlebt zurzeit die katholische Kirche in Italien. Die Bischofskonferenz hat bei den letzten Wahlen massiv für eine liberale Einwanderungspolitik geworben. Schließlich votierten ca. zwei Drittel der Italiener für Parteien, die genau das Gegenteil postulierten. Lange vorbei sind auch hier die Zeiten der Klüngelei zwischen Kirche und Democrazia Cristiana.

Und in Ländern wie Deutschland kann man „irische“ Verhältnisse gar nicht mehr befürchten, weil der Klerus sowieso fast keine Bedeutung mehr hat. Und Persönlichkeiten wie Kardinal Marx mit ihren ständigen bizarren Wortmeldungen sind dabei, die Reste an Einfluss zu demolieren, den Amtsräger noch haben.

Die katholische Kirche kann aus dieser Krise nur dann herauskommen, wenn sie das selber will. Das wird ihr aber nicht gelingen, wenn sie meint, sich dafür mit dem Zeitgeist verbrüdern zu müssen, so wie das gegenwärtig Kardinal Marx praktiziert.

Erstveröffentlichung des Beitrags hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/2018/05/irlands-abtreibungs-katastrophe-ist.html