Lehrt Don Gobbis „Blaues Buch“ eine Realpräsenz Mariens im Altarsakrament?

Von Felizitas Küble

Der italienische Priester und Visionär Don Stefano Gobbi gründete die sog. Marianische Priesterbewegung (MPB), die in vielen Ländern – auch den deutschsprachigen – vertreten ist und deren Anhänger  – sowohl Priester wie Laien –  sich regelmäßig in Zönakeln treffen. 

Don Gobbi  – verstorben am 29. Juni 2011  –  berichtete in seinem Neujahrsbrief 2007 an die „nationalen und regionalen Verantwortlichen der MPB“ von seiner eifrigen Reisetätigkeit, so etwa in 2006 durch vierzehn Staaten; er schilderte Erfolge, die sich sehen lassen können: „Ich habe 90 Städte mit 55 Flügen besucht, habe 110 Zönakel geleitet, an denen 70 Bischöfe, 1750 Priester und 450.000 Gläubige teilgenommen haben.“

Die „Botschaften“ vom Himmel, die der Geistliche erhalten hat, wurden in aufeinanderfolgenden Bänden veröffentlicht, die in der MPB als „Blaues Buch“ bezeichnet werden. Der genaue Titel lautet: „An die Priester, die vielgeliebten Söhne der Muttergottes“ (siehe Foto).

Auf den Seiten 702 und 703 geht es um Einsprechungen, die Don Gobbi angeblich von der himmlischen Mutter zuteil geworden sind, wobei sie das Thema Eucharistie aufgreifen. Maria wird in diesen Botschaften häufig als „Mutter der Eucharistie“ vorgestellt.

Die diesbezügliche Botschaft lautet folgendermaßen:

„Als Mutter bin ich immer neben meinem Sohn. Ich bin es auf dieser Erde gewesen; ich bin es jetzt im Paradies durch das Privileg meiner leiblichen Aufnahme in den Himmel; ich befinde mich weiterhin dort, wo Jesus in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig ist.

Wie sein verherrlichter Leib, der sich außerhalb der Begrenzung von Raum und Zeit befindet, es ihm gestattet, hier im Tabernakel dieser kleinen Bergkirche bei euch zu sein, aber es ihm zur gleichen Zeit auch gestattet, in allen Tabernakeln, die in jedem Teil der Welt verstreut sind, gegenwärtig zu sein, so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird.“

Diese Aussagen sind zum Teil theologisch mißverständlich, irreführend oder direkt unzutreffend:

1. Die Kirche lehrt eine Realpräsenz (wahre und wirkliche Gegenwart) Christi im Sakrament des Altares, nicht jedoch eine Realpräsenz Mariens. Dieser Eindruck entsteht aber in dieser Botschat aus dem „Blauen Buch“, wenn es heißt, die Madonna befindete sich „weiterhin dort“, wo Jesus „in jedem Tabernakel der Erde gegenwärtig“ sei.

Abgesehen davon, daß es auch leere Tabernakel geben kann und Christus nicht dort, sondern in der hl. Hostie zugegen ist (und dies natürlich auch außerhalb von Tabernakeln), so versteht sich von selbst: Unser HERR ist in der Eucharistie mit Gottheit und Menschsein zugegen – und zwar so, wie ER im Himmel lebt und wirkt: mit seinem verherrlichtem, verklärten Leib und seiner Seele.  – Von einer sakramentalen oder sonstwie vergleichbaren Anwesenheit Mariens ist der Kirche hingegen nichts bekannt.

Zudem war Maria auf Erden keineswegs „immer neben ihrem Sohn“. Abgesehen von der theologischen Mißverständlichkeit dieser Formulierung steht fest, daß sie bei Jesu öffentlichem Wirken und bei seinen Predigten zumeist fehlte.

2. Die Äußerung, Jesu verherrlichter Leib „gestatte“ es IHM, im Tabernakel gegenwärtig zu sein, führt dann zu dem Vergleich: „so befindet sich eure himmlische Mutter mit ihrem verherrlichten Leib, der es ihr erlaubt, hier und wo immer auch zu sein, wahrhaftig neben jedem Tabernakel, wo Jesus aufbewahrt wird“.

Diese offensichtliche Gleichsetzung ist deshalb ein Irrtum, weil Christus als GOTT eine Allgegenwart besitzt: Nur GOTT allein ist allgegenwärtig, es handelt sich um eine spezifisch göttliche Wesenseigenschaft. Somit genügt es keineswegs, einen verklärten Leib zu haben (den nach der Auferstehung sowieso alle Seligen im Himmel haben werden). Der „springende Punkt“ für Jesu Gegenwart im Altarsakrament ist sein göttliches (!) Wesen.

Maria hingegen ist ein Geschöpf, wenngleich das edelste und heiligste von allen, die „Gesegnete unter den Frauen“ und die erste Dienerin des Ewigen („Siehe, ich bin die Magd des HERRN“ lautet ihr eigene biblische Selbstbezeichnung).

Daher kann Maria keineswegs allgegenwärtig sein – und somit von sich aus auch nicht „realpräsent“ in oder neben jedem Tabernakel.

Sodann heißt es weiter in jener „Botschaft Mariens“ an Don Gobbi: „Mein Unbeflecktes Herz wird für Christus zum lebendigen, schlagenden und mütterlichen Tabernakel der Liebe, der Anbetung, des Dankes und der dauernden Sühneleistung.“

Welche „dauernde Sühneleistung“ vollbringt Marias Unbeflecktes Herz denn im Himmel – noch dazu „für Christus“?

CHRISTUS allein ist die „Sühne für unsere Sünden“, wie Bibel und Kirchenlehre bezeugen und verkünden – geschweige bedarf es einer menschlichen Sühneleistung „für“ Christus, eine zumindest höchst irreführende Bemerkung – gemeint ist vermutlich eine Sühneleistung „an“ Christus „für“ die Kirche im Sinne des hl. Paulus – aber dann müßte es auch so ausgedrückt werden.


Italien: Neuer „Seher“ Mario aus Brindisi tourt bald durch Deutschland

Von Felizitas Küble

Italien gehört sicherlich zu einem von Visionären und besonders „begnadeten“ Personen stark bevölkerten Land. Es wäre ermüdend, die dortige Fülle kirchlich nicht anerkannter Erscheinungsstätten aufzuzählen… Scannen0007

Auch Seher Mario, ein junger Mann aus Brindisi, gehört zu jenen „Sühneseelen“, die der Himmel vorzüglich erwählt hat, um der Menschheit eine bedeutende Botschaft zu übermitteln. Bei „Christus-Erscheinungen“ wird er angeblich als „Kleiner Mario della Quercia“ (von der Eiche) angesprochen. 

Der italienische Visionär erhält  –  eigenen Angaben zufolge  –  seit Jahren Visionen und Einsprechungen von Jesus und Maria; auf der Botschafts-Homepage sind überdies zahlreiche Fotos von einer „Stigmatisation“ Marios veröffentlicht, wobei er merkwürdigerweise neben den Handflächen auch Stigmen (angebliche Wundmale Jesu) an seinen beiden hinteren Unterschenkeln aufweist (statt wie in solchen Fällen üblich an den Füßen).

Wie dem auch sei, jedenfalls will sich der mit vorzüglichen „Gnaden“ ausgestattete Visionär Mitte Oktober 2015 zu einer Tour durch Deutschland begeben, zB. nach Bitburg, Marienberghausen und ins oberschwäbische Amtszell.

Auch in seinem Heimatort in Brindisi findet an jedem 4. Tag des Monats ein Gebetsabend im „Gesegneten Garten Mariens“ statt, zu dem meist mehrere hundert Teilnehmer kommen. Am nächsten Tag ist ebenfalls Gebetstag mit Prozession  – und zudem jeweils pünktlich eine „Erscheinung der Muttergottes“, natürlich ebenfalls in jenem gesegneten Hof rund um einen Olivenbaum, der sich in direkter Nähe zum Flughafen von Brindisi befindet, was für weit herreisende Pilger zweifellos sehr praktisch ist.

Der „Seher“ teilt in einem Interview mit, daß er neben den Erscheinungen auch eine Art „Herzensschau“ empfangen hat:

„Die Madonna kann dich in jedem Augenblick des Tages bezüglich der Menschen, die zu dir kommen, erleuchten. Die Muttergottes führt dich beständig geistlich und innerlich und enthüllt dir etwas aus dem Leben der anderen. Es gibt so viele Dinge.“
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Bei entsprechender Neugier hinsichtlich des „Lebens der anderen“ gibt es sicherlich „viele Dinge“. Der Visionär fügt noch hinzu:Ein so großes Phänomen kann man in so kurzer Zeit nur schwer beschreiben.“

Natürlich fehlt es nicht an weiteren „Zeichen und Wundern“, darunter Blut-Tränen auf Statuen im „Gesegneten Garten Mariens“, sonstigen Andachtsgegenständen  –  selbst Kopien der visionären „Botschaften“ bleiben von derlei Phänomenen nicht verschont. (Näheres hier: http://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/zeichen-wunder/)

Weiter heißt es dort: „Maria sagt, dass sie und ihr Sohn reichlich Blut vergießen, aufgrund der vielen schweren Sünden, die begangen werden.“

Bislang ging die Christenheit davon aus, daß Christus vor zweitausend Jahren sein Blut am Kreuz vergossen hat, um die Sünden der Welt zu sühnen. Aber vielleicht weiß es Mario aus Brindisi einfach besser?

Angeblich besucht ihn die Madonna unter dem Titel „Jungfrau der Versöhnung“ sowie „Königin und Mutter der Hoffnung“.
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Am 13. August 2009 soll Christus selbst ihm erschienen sein und ihm die Stigmata angekündigt haben (siehe hier: http://brindisi-marienerscheinungen.jimdo.com/ereignisse-botschaften-2009/) – und zwar wie folgt:

„Mein Sohn, nicht mehr lange und ich werde dir an meiner Passion und an meinem Kreuzestod Anteil geben: Ich werde dir meine Wunden als ein Geschenk der Liebe einprägen. Sie werden viele Sünden sühnen und die tausendfachen Beleidigungen der heiligsten Dreifaltigkeit wiedergutmachen.“

Auch hier entsteht der Eindruck, als solle das Heilsopfer Christi verdrängt werden, denn der göttliche Erlöser selber ist es schließlich, der sühnt und wiedergutmacht – und nicht etwa der Seher Mario.

Wie in solchen Fällen üblich, wird gerne mit „Zuckerbrot und Peitsche“ hantiert: Große Gnaden dürfen die Anhänger erwarten, schlimme Strafen drohen hingegen den Kritikern. So soll Christus dem Seher gesagt haben:Es ist nicht von Bedeutung, wenn dich manche verfolgen. Sie sind Mitarbeiter des „Tieres“, und wenn sie keine Buße tun, werden sie dem Verderben anheim fallen.“

Allein schon dieser Gesichtspunkt verweist diese Visionen ins Reich des Aberglaubens.