Zur aktuellen Debatte um Joseph Beuys: Er verstand sich als „Eingeweihter“ von Steiners antroposophischem Weltbild

Von Bernd Harder

Eine neue Joseph-Beuys-Biografie, die vor wenigen Tagen im Aufbau-Verlag erschienen ist, sorgt für Wirbel. Der umstrittene Künstler sei zudem “eine ziemlich gestrige und gefährliche Figur” gewesen, gibt eine Spiegel-Rezensentin die Meinung des Biographen Hans Peter Riegel wieder.

Und zwar nicht nur im Hinblick auf Beuys “reaktionäres Alt-Nazitum”, sondern auch wegen seiner existentiellen Verbindung mit Rudolf Steiner. In jedes einzelne Werk seiner symbolschweren Kunst sei Steiners Weltbild eingesickert. (…)

Die Welt hat beim Beuys-Biographen Hans Peter Riegel selbst nachgefragt. Die Redaktion kommt zu dem Schluss, dass in der Tat …

„… die eigentliche Sprengkraft des Buches in dem Nachweis [liegt], welchen gewaltigen Einfluss die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners auf Beuys’ Werk hatte. Riegels These: Beuys habe zeit seines Lebens unter einem grünen, anarchistischen Deckmäntelchen die Welt mit völkischen und totalitären Ideen in der Nachfolge Steiners missioniert.”

Ein Auszug aus dem Interview:

Hans-Peter Riegel: „In einem Gespräch mit Michael Ende sagte Beuys: “Die Anthroposophie ist der einzige Weg”. Die Anthroposophen eine Sekte zu nennen, wäre jedoch fatal. Man handelt sich schnell eine einstweilige Verfügung ein. Aber betrachtet man Steiners organisches Gesellschaftsmodell, das im ersten Moment wunderbar klingt, einmal genau, dann muss man zu dem Schluss kommen: Es ist totalitär.

Der Mensch steht bei Steiner in der Hierarchie auf der untersten Stufe der Existenz. Dann kommen “Erfinder, Künstler und Forscher”, dann die “geheimwissenschaftlichen Eingeweihten” und schließlich “übermenschliche Wesen”. Der Mensch überantwortet seine Freiheit übergeordneten Instanzen. Nur die Eingeweihten sind erkenntnisfähig. Das nenne ich totalitär. Und solches Denken ist wohl auch Sekten zu eigen.

Joseph Beuys war geradezu besessen davon, derartige Überzeugungen Steiners weiterzutragen. Wie Steiner hat auch er sich offenbar als Eingeweihter empfunden. Beuys’ existenzielle Krise 1956/57 mündete in eine Überhöhung der eigenen Person. Er selbst beschrieb sie als eine Art Erweckungserlebnis. Seitdem fühlte er sich, wie er selbst bekundete, von Rudolf Steiner beauftragt, dessen Weltanschauung und letztendlich ihn selbst zu vertreten.“

QUELLE und vollständiger ARTIKEL hier: http://blog.gwup.net/2013/06/01/beuys-steiner-und-das-ubersinnliche-in-der-kunst/