Chiara Lubich und der „verlassene Jesus“

Von Felizitas Küble

Vom Theologen Detlev Fleischhhammel aus Berlin stammt die „steile“ Aussage: Der einzige Mensch, der je wirklich von Gott verlassen gewesen ist, war Jesus Christus am Kreuz.

Bei Chiara Lubich, der Gründerin der katholisch-ökumenischen Fokolar-Bewegung, war die Verehrung des „verlassenen Jesus“ sogar eine der beiden „Säulen“ ihrer besonderen Spiritualität  – die zweite Säule war der Einheitsgedanke, wobei sie nicht nur an eine geeinte Christenheit dachte, sondern ihr Anliegen auf alle Religonen ausdehnte und den Eine-Welt-Gedanken propagierte.

Lubich  – deren mögliche Seligsprechung bereits kirchlich diskutiert wird –  bezeichnete Christus oft als den „verlassenen Jesus“ oder „verlassenen Gekreuzigten“. Über diese spezielle Frömmigkeitsform gibt es ausführliche Literatur, zB. das Buch „Jesu Gottverlassenheit als Heilsereignis in der Spiritualität Chiara Lubichs.“

Frau Lubich starb am 14. März mit 87 Jahren in Rocca di Papa bei Rom; im selben Jahr feierte ihre geistliche Gemeinschaft das 50-jährige Bestehen.

Wie steht es nun mit der „Verlassenheit“ Christi am Kreuz? War unser HERR und Erlöser wirklich von seinem himmlischen Vater gleichsam im Stich gelassen, von IHM getrennt?

Es wäre ein Kurzschluß, dies zu schlußfolgern, zumal unser Heiland GOTT und MENSCH in einer Person ist – und seine göttliche Natur kann ohnehin nicht „gottverlassen“ sein.

Jesu Ausruf am Kreuz stammt aus Psalm 22

Das Rätsel dieses Rufes Jesu löst sich, wenn wir bedenken, daß Christus hier den 22. Psalm betete, einen sog. „Klagepsalm“ aus dem AT, der mit den Worten beginnt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ 

Doch die niedergedrückte Stimmung weicht dann zunehmend einem großen Gottvertrauen, ja tiefer Dankbarkeit gegenüber dem himmlischen Vater. 

Im ersten Teil von Psalm 22 werden Nöte, Bedrängnisse und bittere Verfolgung erwähnt. Doch bald dringt schon der Lobpreis Gottes durch, begleitet von vertrauensvollen Bitten.

Im zweiten Teil steht der Dank im Mittelpunkt; gerühmt werden Gottes große Heilstaten, die er an Israel und den Völkern gewirkt hat bzw. noch vollbringen wird, wie es der Psalmist  im letzten Vers freudig ausruft; das erinnert uns an Christi weiteres Wort am Kreuz: „Es ist vollbracht.“  –  Dies entspricht inhaltlich dem Schlußsatz von Psalm 22. (In der Septuaginta  –  der griechischen Übersetzung des AT –  ist es übrigens der Psalm 21, weil dort eine andere Zählung gilt, nachdem der erste und zweite Psalm zusammengezählt werden.)

Die beklagte „Gottverlassenheit“ ist also gleichsam der Einstieg, der dann in Lob und Dank, in Vertrauen und Zuversicht einmündet.

Dieses Gebet ist ein „messianischer Psalm“

Es handelt sich bei diesem Gebet zudem um einen „messianischen Psalm“, der im Hinblick auf das Heilswirken Christi zu verstehen ist. Somit hat der Gekreuzigte durch seine Anrufung die messianische, auf IHN bezogene Bedeutung dieses Psalms bestätigt.

So heißt es in Vers 8 und 9: „Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.“ 

In Vers 17 ist davon die Rede, daß „die Rotte der Bösen mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben“.

Die Vers 18 und 19 lauten: „Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand“.

Es ist daher theologisch mißverständlich, vom „verlassenen Jesus“ zu sprechen  – und geradezu irreführend, daraus auch noch eine spezielle Spiritualität zu entwickeln und in den Mittelpunkt zu rücken, wie dies durch die Gründerin der Fokolar-Bewegung geschah.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Ein HERR, ein Geist, ein Glaube, eine Taufe!

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 4,1-6:

Brüder! Ich, der ich um des HERRN willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.
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Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.
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Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein HERR, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Kardinal Müller warnt Katholiken vor Personenkult und Fixierung auf die Päpste

Von Felizitas Küble

Nach einem Bericht der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress befaßt sich der vatikanische Glaubenspräfekt Gerhard Müller in seinem neuen Buch „Der Papst – Sendung und Auftrag“ kritisch mit einem unangemessenen Personenkult um den jeweiligen Papst bzw. die Päpste. Bischof Gerhard Ludwig Müller Internet

Die katholische Kirche sei schließlich keine „Papstkirche“, weil das Zentrum des Glaubens der göttliche Erlöser selber sei.

Der Papst diene mit seinem Amt der kirchlichen Einheit, was aber nicht zentralistisch aufgefaßt werden solle, denn mit „Personenkult um ihn herum“ könne man dem Papst nicht wirklich dienen.

Der deutsche Kurienkardinal beschreibe, so meldet Kathpress, in seinem Buch die historische Entwicklung des Petrusamtes; er sehe die Gefahr, daß in den Medien nur noch die Stimme des Papstes erklinge, „während die Sichtweise von der natürlichen Verfassung der Kirche her eigentlich andersherum ist“.

Die kirchliche Versammlung sei das Urprungs-Prinzip des Christentums. Jede Papstverherrlichung schade dem Petrusamt mehr, als sie ihm nutze. Zu warnen sei auch vor überzogenen Erwartungen, zumal diese bei einer vorhersehbaren Nichterfüllung ins Gegenteil umschlagen würden.

Foto: Vatican.vaSchwächen und Grenzen seien, so Kardinal Müller weiter, ein Wesensbestandteil jedes Menschen und somit auch der amtlichen Vertreter der Kirche bis hinauf zum Pontifex.

Der vatikanische Glaubenspräfekt plädiert für eine größere Verantwortung der Bischöfe, Synoden und Bischofskonferenzen. Eine „heilsame Dezentralisierung“ bedeute jedoch keinen theologischen Richtungswechsel oder gar eine „Revolution im Vatikan“.

Papalismus: seit langem eine wachsende Fehlentwicklung in der Kirche

Hierzu sei angemerkt:

Schon seit Jahrzehnten wendet sich unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt, gegen die in konservativen Kreisen weitverbreitete Papstschwärmerei und sonstigen papalistischen Enthusiasmus – und zwar ganz unabhängig davon, welche Persönlichkeit gerade das Petrusamt innehat.

Es geht hierbei nämlich gerade nicht um Sympathie oder Argwohn gegenüber diesem oder jenem Papst, sondern ums theologische Prinzip:

Unser Glaube beruht nicht auf dem Papst und seinen Worten oder Taten, sondern auf der Offenbarung Gottes; diese entfaltet sich auf zwei miteinander verbundenen Wegen, nämlich der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition (frühchristlichen Überlieferung).papst_letzter_tag_01

Das „Dach“, das dieses „Glaubensgebäude“ schützt, ist das kirchliche Lehramt, das sich aber nicht etwa im Papst und seiner Verkündigung erschöpft.

Abgesehen von den letzten beiden Dogmen wurden alle vorherigen unfehlbaren Glaubenssätze von Konzilien (allgemeinen, universalen Bischofsversammlungen) verkündet, die freilich vom Papst oder seinem Legaten geleitet (oder zumindest später als rechtens bestätigt) wurden.

Das Papsttum muß der Kirche als wichtigster Garant der Einheit dienen, es soll wie einst Petrus „die Brüder stärken“, ist aber selber nicht die Basis des katholischen Glaubens.

Die Päpste kommen und gehen, doch die Kirche bleibt

Jene durchaus problematische Entwicklung der späten Neuzeit hin zu einer immer stärkeren Fixierung auf den Papst und seine Stellung, die beim 1. Vatikanischen Konzil ihren vorläufigen Höhepunkt fand, führte zu einem wachsenden Personenkult um den jeweiligen Papst oder zu einer allgemeinen papalistischen Schwärmerei, aber zugleich zu einer überzogenen Polemik gegen Päpste, denn je mehr seine Person im Mittelpunkt steht, umso mehr entzündet sich an ihm auch die Empörung  – und zwar durchaus nicht immer nur von „links“ (wie man derzeit im traditionellen Lager zum Thema Papst Franziskus bestätigt sieht).Herz-Jesu_01

Viele konservativen Gläubigen, die mir ihren Unmut über Papst Franziskus mitteilen, sage ich, daß sie ihre  – vielfach durchaus berechtigte  – Enttäuschung nicht überdramatisieren mögen.

Die Päpste kommen und gehen, aber die Kirche bleibt. Das Werk Christi beruht auf seiner Verheißung, nicht auf einer vermeintlichen oder tatsächlichen Großartigkeit von Menschen.

Es ist paradoxerweise sogar so, wie Paulus schreibt, daß sich gerade in menschlicher Schwäche die Gnade des Höchsten umso deutlicher zeigt.

An die Göttlichkeit der Kirche glaube ich – um es zugespitzt auszudrücken  – nicht wegen der guten, sondern gerade wegen der schlechten Päpste.

Nicht daß ich mir solche herbeiwünschen würde, ihr Wirken war oft sehr verhängnisvoll, aber die eindrucksvolle Tatsache, daß die katholische Kirche an diesen unwürdigen Vertretern des Petrusamtes nicht gescheitert ist, daß sie aufgrund der Gnade und Zusage Christi, ihres unsichtbaren Hauptes, stets weiterlebte und es auch in Zukunft tun wird, ist der Hoffnungsgrund unseres Glaubens. 

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag in Münster und das Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

HIER wurde unser Artikel als PRESSEMELDUNG veröffentlicht: http://www.news4press.com/Kardinal-M%C3%BCller-warnt-vor-Personenkult-u_972964.html

Fotos: Bistum Regensburg, Radio Vatikan

 


Web-Portal der Bischofskonferenz beklagt wachsende Schelte an Papst Franziskus

Von Felizitas Küble

„Katholisch.de“ ist die amtliche Webseite der Deutschen Bischofskonferenz. Mit theologisch konservativen Anwandlungen ist hier also nicht zu rechnen.

Am heutigen Dreikönigs-Fest fühlt sich das Portal zur mannhaften Verteidigung des Papstes aufgerufen  –  ein Vorgang, den man unter dem Pontifkat von Benedikt XVI. dort nicht gewohnt war, was erst recht für die linkskatholische Zeitschrift „Publik Forum“ gilt.

Foto: Radio VatikanUnter dem Titel „Soll der Reformpapst niedergemacht werden?“ schreibt Thomas Seiterich über die „Papstkritik von Konservativen“. Der Autor ist Redakteur von „Publik Forum“.

Der Verfasser beklagt Versuche, den „Reformpapst“ Franziskus „niederzumachen“, was hoffentlich nicht gelinge. Sogar die katholische Zeitung „Tagespost“ (DT) beteilige sich an dem kritischen Treiben, nachdem der Papst laut DT drei Mitarbeiter der Glaubenskongregation ohne Angabe von Gründen entlassen hat.

Der Autor ist sich nun sicher: „Eine so massive kirchliche Kritik am Pontifex gab es noch nie seit 1870, als sich die Kirche beim Ersten Vatikanischen Konzil neu aufstellte.“

Die Zeiten werden aus Seiterichs Sicht zunehmend trister: „Der Papst hat es immer schwerer. Denn nur wenige stehen ihm im Ringen um Öffnung und Barmherzigkeit der Kirche so klar bei wie Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.“

Jörg Ascherl schreibt auf diesem Portal in seinem Leserkommentar u.a.:

„Es mag gut sein, dass es noch nie so eine massive Kritik an einem Papst seit 1870 gegeben hat. Völlig grundlos? Es geht bei der Kritik (…) um die Fundamente des Glaubens, um die Gebote Gottes.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche, der Garant der Einheit sein sollte, ist entweder nicht fähig oder willens, diese Kritik zu widerlegen. Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Kirche unter Franziskus in einem nie dagewesen Tempo zerbröckelt. (…)

Ich kann diese ewigen, inzwischen inhaltsleeren Worthülsen von „Barmherzigkeit“ (Gleichgültigkeit?) und „jesuitischer Seelsorge“ langsam nicht mehr hören.
Hoffentlich hat Papst Franzikus noch bessere Verteidiger als Kardinal Marx an seiner Seite.“

Quelle für die Zitate: http://www.katholisch.de/aktuelles/standpunkt/soll-der-reformpapst-niedergemacht-werden

Foto: Radio Vatikan

 


AfD: Gemeinsame Erklärung von Dr. Frauke Petry und Prof. Dr. Jörg Meuthen

Liebe Mitglieder,

da uns in diesen Tagen viele besorgte Briefe erreichen, möchten wir gemeinsam folgendes erklären: Wir sind uns einig, die Alternative für Deutschland weiterhin gemeinsam führen zu wollen, so wie wir uns dazu am 4. Juli 2015 in Essen den Mitgliedern und Wählern gegenüber verpflichtet haben. untitled

Die Einheit der Alternative für Deutschland zu bewahren, Sachpolitik im Sinne unseres Landes und seiner Bürger zu machen und diesem Auftrag persönliche und interne Belange unterzuordnen, ist uns gemeinsam wichtig.

Wir waren uns in der Frage der klaren Abgrenzung gegen Antisemitismus, Rassismus und Extremismus jeglicher Art immer einig, und wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass derlei Ansichten in der AfD auch weiterhin keinen Platz haben.

Wir haben die Ereignisse der letzten Tage und Wochen im Kreis von Bundes- und Landesvertretern aufgearbeitet, und wir werden intensiv daran arbeiten, dass die parteiinterne Kommunikation unter allen Funktionsträgern auf Bundes- und Landesebene weiter verbessert wird.

Frauke Petry und Jörg Meuthen

Quelle: http://www.afd-stadtoldenburg-ammerland.de/gemeinsame-erklaerung-von-frauke-petry-und-joerg-meuthen/


Irreführende Botschaften der „Seherinnen“ Vassula Ryden und Myrna Koubet al-Akhras

Von DDr. Wolfgang F. Rothe

„Zu allen Zeiten ist der Kirche das Charisma der Prophetie gegeben, die geprüft werden muss, aber auch nicht verachtet werden darf“,  schreibt Kardinal Joseph Ratzinger in einem Kommentar, der im Jahr 2000 zusammen mit der „Botschaft von Fatima“ veröffentlicht wurde.  Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Der Maßstab für die Echtheit und Bedeutung einer jeden Prophetie, mystischen Erfahrung und Privatoffenbarung ist das der Kirche anvertraute Glaubensgut.

BILD: Unser Autor, der katholische Priester und Kirchenrechtler Dr. Dr. Wolfgang Rothe (München), überreichte Papst Benedikt sein Buch „Liturgische Versöhnung“

Eine Privatoffenbarung kann nur dann und nur insoweit echt sein, so der damalige Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, als sie nichts enthält, „was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht“.

Zu fragen und prüfen, ob eine bestimmte Privatoffenbarung mit dem Glauben übereinstimmt, ist daher kein Frevel, sondern ein Dienst am Charisma der Prophetie in der Kirche.

1. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach der katholischen Glaubenslehre

Unter den zahlreichen als Privatoffenbarung verbreiteten „Botschaften“ finden sich seit einigen Jahren vermehrt auch solche, die die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zum Thema haben.

Wenngleich dieses Anliegen in den meisten Privatoffenbarungen der Vergangenheit und insbesondere auch bei den von der Kirche anerkannten eine eher geringe Rolle gespielt hat, ist dies an sich noch kein Grund, an ihrer Echtheit zu zweifeln  –  im Gegenteil: afc127c26a

Nach dem Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel gehört die Einheit zu den Wesensmerkmalen der Kirche und bildet damit einen Bestandteil des ihr anvertrauten Glaubensguts.

Wenn eine Privatoffenbarung dazu beiträgt, das Bewusstsein der Gläubigen für die Bedeutung der kirchlichen Einheit zu stärken, ist dies durchaus zu befürworten.

Einheit ist bereits Wesensmerkmal der Kirche  

Dasselbe gilt für die Bemühungen zur Überwindung der bestehenden Spaltungen und zur Wiederherstellung der Einheit unter den Christen. Eben weil die Einheit zum Wesen der Kirche gehört, hat das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret über den Ökumenismus erklärt:

„Die Sorge um die Wiederherstellung der Einheit ist Sache der ganzen Kirche, sowohl der Gläubigen, wie auch der Hirten, und geht einen jeden an, je nach seinen Fähigkeiten“.

Dementsprechend enthält auch der geltende Codex des kanonischen Rechts (Kirchenrecht) in can. 755 § 1 die lapidare Festjesus in der synagoge von nazarethstellung, dass „die Kirche kraft des Willens gehalten“ ist, die Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen zu fördern.

Wohlgemerkt: nicht die Einheit der Kirche, sondern die Einheit der Christen gilt es anzustreben.

Würde man nämlich davon ausgehen, dass die eine und einzige von Christus gegründete Kirche ihre ursprüngliche Einheit verloren hätte und in einzelne, mehr oder weniger gleichwertige Teile zerfallen wäre, dann könnte die Einheit wohl kaum länger als Wesensmerkmal der Kirche gelten.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass es (nur) eine einzige von Christus gegründete Kirche gibt  –  und diese von ihrem Wesen her eine und einzige Kirche besteht in der katholischen Kirche.

Kein Ökumenismus des „kleinsten Nenners“

Von daher ist dem großen Anliegen der Wiederherstellung der Einheit unter allen Christen kaum etwas abträglicher als die gar nicht so selten anzutreffende Vorstellung, das Ziel des Ökumenismus bestünde in der Einigung und Zusammenführung der verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften (einschließlich der katholischen Kirche) in einer künftigen, neu zu bildenden (und damit von der katholischen Kirche verschiedenen) ökumenischen Kirchengemeinschaft.

Damit würde man den Ökumenismus nämlich auf ein mehr oder weniger diplomatisch-kirchenpolitisches Unterfangen reduzieren, dessen Fundament und Maßstab nicht mehr im unverkürzten und unverfälschten Glaubensgut, sondern in Einigung und Kompromiss auf der Grundlage des kleinsten gemeinsamen Nenners und damit auf Kosten der Wahrheit bestehen würde.

2. Einheit der Kirche / Einheit der Christen nach Vassula Ryden

Derartige Vorstellungen von kirchlicher Einheit und Ökumene wurden lehramtlicherseits stets entschieden zurückgewiesen  –  nicht zuletzt auch dann, wenn sie mit dem Anspruch verbreitet wurden, auf einer Privatoffenbarung zu beruhen.  

So sah sich etwa die Kongregation für die Glaubenslehre am 6. Oktober 1995 veranlasst, eine Mitteilung (Notifikation) zu den angeblichen Privatoffenbarungen zu veröffentlichen, die eine gewisse Vassula Ryden empfangen zu haben behauptete.

Die in den „Botschaften“ dieser „Seherin“ enthaltenen Irrlehren bestanden nicht zuletzt in der zukünftigen Erwartung einer Art „panchristlichen Gemeinschaft“, einem ökumenischen Zusammenschluss aller christlichen Konfessionen unter Einbeziehung der katholischen Kirche.

VASSULA und die „ökumenische Unordnung“

Darüber hinaus rief Frau Ryden mitunter auch dadurch Verwirrung unter den Gläubigen hervor, dass sie  –  obwohl der griechisch-orthodoxen Kirche angehörend  –  unterschiedslos an den Sakramenten der katholischen Kirche teilnahm. 1547 - Kopie

Offenbar hielt sie sich für berechtigt, die von ihr propagierte künftige Kirchengemeinschaft gleichsam im vorauseilenden Gehorsam vorwegzunehmen und sich über jede kirchenrechtliche Ordnung hinwegzusetzen.

Auf diese Weise, erklärte die Kongregation für die Glaubenslehre unter ihrem damaligen Präfekten Kardinal Joseph Ratzinger, verursache Frau Ryden „ökumenische Unordnung“. In Anbetracht all dessen wurden die Gläubigen eindringlich ermahnt, die angeblichen Privatoffenbarungen von Frau Ryden „nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der Herr der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren“.

3. Einheit der Kirche und Einheit der Christen nach Myrna Koubet al-Akhras

„Einigt euch!“ – so lautet die zentrale und zunächst einmal unverdächtige „Botschaft“ von Myrna Koubet al-Akhras, die seit geraumer Zeit auch im deutschsprachigen Raum großer Bekanntheit erfreut.

Die Spirale von Hass und Gewalt in der Welt könne nur dadurch unterbrochen werden, so die aus Syrien stammende „Seherin“, dass die Menschen sich einigen, Frieden schließen und in Liebe miteinander umgehen.

Myrna, wie die „Seherin“ von ihren Anhängern kurz genannt wird, sieht sich von Gott berufen, die Menschen für das Anliegen der Einheit zu gewinnen. Die Christen sollen dabei mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie sich für die Überwindung der konfessionellen Unterschiede und die Wiederherstellung der Einheit einsetzen.

Der an und für sich löbliche Aufruf, sich zu einigen, ist in diesem Zusammenhang jedoch zumindest missverständlich.

MYRNA und die ersehnte „Kirche der Einheit“

Das Ziel des Ökumenismus ist nicht Einigung, sondern Einheit, nicht Kompromiss, sondern Erkenntnis der Wahrheit. Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Die Einheit, die es anzustreben gilt, ist keine neu zu schaffende Einheit, sondern jene, die zum Wesen der einen und einzigen von Christus gegründeten Kirche gehört, die auf dem Fundament des unverkürzten und unverfälschten katholischen Glaubensguts beruht und die in der katholischen Kirche von jeher bewahrt wurde.

In den „Botschaften“ Myrnas ist hingegen immer wieder von einer erst noch zu gründenden (!) Kirche der Einheit die Rede. Dabei entsteht der Eindruck, als sei diese zukünftige Kirche etwas von den gegenwärtig bestehenden Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften Verschiedenes, etwas Verschiedenes auch von der katholischen Kirche.

Damit würde die Unzerstörbarkeit der in der katholischen Kirche bestehenden Kirche Christi ebenso in Frage gestellt wie die in ihrem Wesen begründete Einzigkeit und Einheit.

Die Kirche Christi ist nicht „gespalten“

Ganz auf dieser Linie liegt auch die in Myrnas „Botschaften“ regelmäßig enthaltene Klage darüber, dass die Kirche gespalten sei. Gespalten ist die Christenheit, nicht die Kirche. Nicht die Einheit der Kirche gilt es wiederherzustellen, sondern die Einheit der Christen. 0018

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass eine auf der Grundlage gegenseitiger Einigung zu gründende Kirche, wie sie in den „Botschaften“ Myrnas propagiert wird, mit dem katholischen Kirchenverständnis nicht zu vereinbaren ist.

Die diesbezüglichen Vorstellungen der syrischen „Seherin“ gleichen in frappierender Weise jener „panchristlichen Gemeinschaft“, wie sie einst von Vassula Ryden propagiert und von der Kongregation für die Glaubenslehre mit Nachdruck verworfen wurde.

Wenngleich im Rahmen der vorliegenden Ausführungen nur ein einzelner Aspekt aus den „Botschaften“ der „Seherin“ Myrna Koubet al-Akhras herausgegriffen und kritisch hinterfragt wurde, ist in jedem Fall Vorsicht vor einer neuerlichen „ökumenischen Unordnung“ geboten.

Ein abschließendes Urteil bleibt freilich dem Lehramt der Kirche vorbehalten.

 


Mögliche Einheit von katholischer Kirche und Orthodoxie rückt näher

Nach der Amtseinführung von Papst Franziskus ist es zu einer Annäherung zwischen der katholischen Kirche und der orthodoxen Christenheit gekommen.

Koptisch-orthodoxes MARIENBILD

Orthodoxes MARIENBILD

Das Ehrenoberhaupt von weltweit rund 300 Millionen Mitgliedern orthodoxer Kirchen, Bartholomäus I. (Istanbul), hält sogar eine Wiedervereinigung der seit 1054 getrennten Konfessionen für möglich. Allerdings werde er dieses Ereignis kaum erleben, sagte der 73-jährige Ökumenische Patriarch von Konstantinopel vor Journalisten.

Bartholomäus hatte als erstes Oberhaupt der Ostkirchen seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054 an der Amtseinführung eines römischen Papstes teilgenommen. Nach der Begegnung mit Papst Franziskus äußerte er sich optimistisch über dessen neue Haltung. Er sei überrascht gewesen, dass Franziskus ihn zu einem Essen mit den Kardinälen eingeladen habe.

Bartholomäus präsentierte mehrere Vorschläge für gemeinsame Aktionen. So könnte im Jahr 2014 eine gemeinsame Pilgerreise nach Jerusalem stattfinden. Dies würde an das erste Treffen eines Papstes mit einem orthodoxen Patriarchen in der Heiligen Stadt vor 50 Jahren erinnern.

Im darauffolgenden Jahr könnten Patriarch und Papst gemeinsam eine Ausstellung zur Bewahrung der Schöpfung auf dem Berg Athos eröffnen. In Rom hatten Bartholomäus und Franziskus für eine Verstärkung des gegenseitigen theologischen Dialogs plädiert.

Quelle: http://www.idea.de