Krebs überstanden, Kinder weg: Probleme moderner Fruchtbarkeitspraktiken

Von Dr. med. Edith Breburda

Die Chance, Kinder zu haben und dennoch ihre Krebskrankheit erfolgreich behandeln zu können, veranlasste eine junge Frau aus dem Bundestatt Arizona, ihre Embryonen sprichwörtlich auf Eis zu legen. Bevor Ruby Torres sich 2014 einer Krebstherapie unterzog, entschied sich ihr damaliger Freund Joseph Terrell, Kinder anhand einer In-Vitro-Fertilisation zu erzeugen. Die Embryonen wurden danach eingefroren.

Falls etwas schief gehen sollte, wollte man die Embryonen zur Adoption freigeben. So stand es im Vertrag. Dieser wurde dem bald darauf verheirateten Paar zum Verhängnis. Ruby überlebte zwar ihre Krankheit, deren Nebenwirkung, unfruchtbar zu werden, sie so sehr fürchtete, dennoch war der Traum von eigenen Kindern nicht mehr realisierbar.

Wie schon fast zur Gewohnheit geworden, hielt auch diese Ehe nicht lange, sondern nur bis Ruby vom Krebs geheilt war. 2017 ließ sich das Paar scheiden, und damit war das Gericht – wie allgemein üblich – für den Verbleib der Kinder verantwortlich. 

Ruby wollte die Kinder alleine bekommen, aber ihr Ex-Mann protestierte. Er erhob Einspruch, als seine ehemalige Frau seine biologischen Kinder austragen wollte. Eigentlich stand im Vertrag, dass im Scheidungsfalle der andere Partner sein schriftliches Einverständnis geben muss, um die Kinder einem der Partner zuzusprechen.

Das Familiengericht hielt sich an diese Vertragsklausel. Der Einspruch der Mutter kam nur kurze Zeit zur Geltung und wurde vom obersten Gericht von Arizona dann doch nicht stattgegeben. Keines der Elternteile bekam die Kinder. Sie warten weiterhin auf Eis darauf, dass sie eventuell jemand adoptiert. 

Mit diesem Urteilspruch wurde der Mutter abgesprochen, ihre gefrorenen Embryonen auszutragen. Entscheidend für das Gericht war der Wille des Mannes, der seine Kinder nicht von seiner Ex-Frau haben wollte.

Embryos einfrieren erhöht Schwangerschafts-Chancen

Um ein emotionales und manchmal auch logistisches Dilemma auszumerzen, frieren Reproduktionsmediziner Eizellen ein.

Frauen mit späterem Kinderwunsch, teils auch ohne Partner, homosexuelle Paare und Mütter, die sich einer Chemotherapie unterziehen, nehmen oft diese Reproduktionstechnik in Anspruch, weil sie glauben, dies würde nicht nur die Rechte des Vaters, sondern auch die ethische Lage unkomplizierter machen. 

Die Chancen einer eintretenden Schwangerschaft ist jedoch höher, wenn man auf Embryos und nicht auf Eizellen zurückgreift. Nicht alle Embryos überleben ihr Einfrieren und ihr späteres Auftauen. 

Deshalb bevorzugen Reproduktionsmediziner aus rein technischen Gründen robustere Embryos. Obwohl man eigentlich nichts über die Langzeiteffekte weiß, welche die so erzeugten Kinder davontragen. 

Im Dezember 2019 veröffentlichten dänische Forscher eine Studie, in der sie berichteten, dass Kinder, die in ihrem Embryonenstaus eingefroren waren, später Krebs entwickelten. Darüber hinaus sind die gesundheitlichen Konsequenzen einer In-vitro-Fertilisation (künstliche  Befruchtung) wenig erforscht. 

Offene Fragen zur künstlichen Befruchtung (IVF)

Es ist 40 Jahre her, seitdem das erste Baby durch eine IVF entstand. Seitdem haben sich die Fruchtbarkeitsmethoden verändert. Allein der Zugang zu einer künstlichen Befruchtung ist leichter geworden, womit noch im höheren Alter an Nachwuchs zu denken ist.

Trotzdem bestehen viele offene Fragen. Kaum etwas ist über die psychische und physische frühkindliche Entwicklung der Kinder bekannt, die einst als Embryos oder auch nur als Eizelle/Samenzelle eingelagert waren.

In der am 10. Dezember 2019 im Journal of the American Medical Association veröffentlichte Studie untersuchte Marie Hargreave mit ihren Mitarbeitern über eine Million (genau: 1.085.172) Kinder, die zwischen 1996 bis 2012 aus eingefrorenen Embryos erzeugt wurden. Von 100.000 dieser Kinder hatten 44,4 Krebs bekommen. 

Eine Fruchtbarkeitsbehandlung war zwar gedacht, Probleme zu lösen, im Endeffekt kommen wir jedoch nicht darum herum, sie heraufzubeschwören. Diese Technologie sollte Unfruchtbaren zum Kind verhelfen. Ohne sie wären sie niemals fähig gewesen,biologische Kinder zu bekommen.

Einer Umfrage (PewResearch 2018) zufolge haben sich 1/3 der Amerikaner entweder selber einer Behandlung unterzogen oder sie kennen jemanden, der dies tat. All das hat nicht nur soziale, ethische und rechtliche Konsequenzen.

TITEL-BILDER: Zwei der sechs bioethischen Sachbücher unserer Autorin Breburda

Man fragt sich: welche Rechte haben Eltern? Was bedeutet es, Vater oder Mutter zu sein? Wer darf sich einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen? Und welche Instanz kann diese Fragen beantworten? 

Mangelnde Kontrolle in IVF-Kliniken

Im Sommer 2018 wurden in Kalifornien Embryonen vertauscht, so dass die Mutter nicht ihr biologisches Kind ausgetragen hatte. Dies zeigt, dass viele der 500 Fruchtbarkeitskliniken der USA sowie eigentlich der ganze Industriezweig weder einer Kontrolle noch Gesetzen unterliegen. 

Im November 2019 bemerkten Wissenschaftler, dass einige IVF-Kliniken Zusatzbehandlungen anboten, die keinerlei bewiesenen Gesundheitseffekte aufwiesen und eher dazu führten, dass die Frauen unfruchtbar blieben. 

In Großbritannien diskutiert man, ob Tote ihre Samenzellen spenden sollten und man diese als eine Art Organspende ansehen sollte. Man diskutiert allen Ernstes darüber, dadurch den Samenspenderpool zu vergrößern bzw. einer Knappheit von Samenspendern entgegenzutreten. Man ist allerdings über die ethische Ansicht verunsichert. Vor allem: Wer darf spenden und wie viel – in diesem Falle Samen – darf man von derselben Person beanspruchen?

„Moralisch gesehen“, sagt der Bioethiker Arthur Caplan, „ist es das Schlimmste, was man jemandem antun kann, dass man Nachkommen von ihm erzeugt, ohne dass sie ihr Einverständnis dazu gegeben haben.“  – Wie auch? Der Spender ist tot!

Literaturhinweis: Anna Medaris Miller: Cancer survivor must donate frozen embryos after divorce: court ruling. Insider, Jan 28. 2020

Ediths Homepage: http://scivias-publisher.blogspot.com/

Körperzellen in Eizellen umwandeln: Eine neue Methode für unfruchtbare Frauen?

Von Dr. med. Edith Breburda

Ist die Biotechnologie soweit, Körperzellen zu Eizellen umzuwandeln, woraus sich letztendlich lebensfähige Babys entwickeln?  – Eine derartige Methode würde die biologische Uhr der Frau hinfällig machen. Sie wäre wie der Mann “zeitlebens“ fruchtbar.  dr-breburda1

Auf einer sehr populären Unfruchtbarkeits-Internetseite konnte man am 11. August 2014 den folgenden anonymen Eintrag finden:

„Ich bin 47 Jahre alt und lese die Webseite der Pharmafirma OvaScience. Dort wird über neue Behandlungsmethoden berichtet, die für In-Vitro-Fertilisationen benutzt werden können. Hat jemand darüber näherer Informationen?”, fragt die Frau.

In den 14 Monaten, die seitdem vergangen sind, kamen 3500 Antworten. Viele von ihnen sind voll des Lobes über die Versprechungen von OvaScience. In einer Zuschrift heißt es, eine Frau habe bereits 300.000 US-Dollars für Fruchtbarkeitsbehandlungen ausgegeben. Trotzdem will sie nochmals Geld aufnehmen, um mit OvaScience schwanger zu werden. Die Institution verspricht, primitive Zellen in Eizellen umwandeln zu können.

“Ich wette bei meinem Leben, dass ich dank dieser Methode bald ein Baby haben werde“, behauptet eine andere Frau, die ihre Renten-Ersparnisse bereits in OvaScience steckte.

Wenn Kunden so viel Vertrauen in ein Biotechnologie-Unternehmen setzen und Spender bereits 2011 und 2012 zweihundertvierzig Millionen US-Dollars für Forschungsvorhaben aufgebracht haben, muss man sich fragen, was diese Firma von anderen In-Vitro-Kliniken unterscheidet? shutterstock_114300748-140x94

OvaScience-Forscher wollten es einfach nicht hinnehmen, dass die Zahl der Eizellen, die einer Frau zur Verfügung stehen, bereits bei der Geburt festgelegt ist. Sie wollten die Biologie der Frau verändern.

„Die Möglichkeit, mehr Eizellen herzustellen, kommt einer Revolution in der Frauengesundheit gleich“, sagte der Reproduktionsbiologe Roger Gosden der New York Times bereits 2004.

Anlass war ein Artikel von Jonathan Tilly, der am 12. März 2004 in der Fachzeitschrift Science erschien. Dr. Tilly gründete OvaScience. Obwohl viele Wissenschaftler überzeugt sind, dass es keine Stammzellen in den Eierstöcken gibt, die noch nach der Geburt Eizellen produzieren, behauptet Tilly, einen Weg gefunden zu haben, genau solche Eizellen entwickeln zu können. Damals, 2004, waren Mäuse die Versuchstiere. Die zuständige US-Behörde verlangte von OvaScience, mehr Daten zu sammeln, bevor eine derartige Therapie für Menschen zugelassen wird.

Jonathan Tilly ist über die vielen Zweifler an seinen Studien frustriert. Seine Kollegen erwähnen, dass er bei Vorträgen oft schon vor der Diskussion den Saal verlässt, um lästigen Fragen aus dem Weg zu gehen.Augment

Am 29. Juli, 2005 berichtete Tilly, der damals noch an der Harvard-Universität praktizierte, im Fachmagazin Science über seine Mäuse-Experimente. Er gewann seine sogenannten Eizellstammzellen aus dem Knochenmark.

„Ich hatte damals Patientinnen, die mir erzählten, sie gehen in Boston in das Mass General Krankenhaus, um sich Knochenmarkszellen entnehmen zu lassen, aus denen dann Eizellen entstehen. Ich sagte zu ihnen, dass derartige Versuche nicht replizierbar sind. Die Frauen antworteten mir jedoch, sie würden alles tun, um ein Kind zu bekommen “, erinnert sich Dr. David Keefe, ein Fruchtbarkeitsspezialist des Langone Medical Centers der New-York- Universität.

Ein Jahr später wurde Tilly’s Studie widerlegt (Science, 16 Juni 2006). Dann fing Tilly an, die angeblichen Eizellvorläuferzellen anstatt aus Knochenmark aus Eierstöcken zu entnehmen.

OvaScience hat seinen Hauptsitz in Waltham, Massachusetts, USA. Seit neuestem bietet die Firma außerhalb der USA Frauen die neuartige AUGMENT- Therapie für 50.000 Dollars per Zyklus an. Wissenschaftler der Firma haben ein Elixier hergestellt, das sie mit den Samenzellen vermischen und bei einer In-Vitro-Fertilisation anwenden. Aus der Außenwand der Eierstöcke gewinnen die Forscher ein Gemisch, aus denen sie angebliche Vorläufer von Eizellen entwickeln. Daraus werden Mitochondrien extrahiert, die mit den Spermienzellen bei der Befruchtung wieder eingebracht werden.

Ob es funktioniert, weiß keiner. Man arbeitet also letztendlich nur mit Substanzen, die man aus den angeblichen Eistammzellen extrahiert. Eine Stammzelle ist eine Zelle, aus der funktionstüchtige Zellen hervorgehen. Eine Eistammzelle müsste demnach selbständige Eizellen bilden.

Und trotzdem behauptet Tilly, dass er Eistammzellen gefunden hat, die er in Eizellen umwandeln kann. Skeptiker betonen hingegen, man könne erst von einer Eizelle reden, wenn die Zelle einen haploiden Chromosomensatz hat und wenn eine Befruchtung Nachkommen hervorbringt. Book

Ji Wu von der Shanghai-Jiao Tong-Universität in China schrieb 2009 in einem Artikel in Nature Cell Biology von Zellen aus Eierstöcken von neugeborenen Mäusen, die er in sterilisierte Mäuse transplantierte, die daraufhin trächtig wurden. Tilly hat die Versuche von Ji Wu nachgemacht; es dauerte jedoch neun Monate, bis er endlich Erfolg hatte. „Diese lange Zeit gibt den Skeptikern Recht, die längst vorher aufgeben“, sagt Tilly.

Evelyn Telfer von der Universität Edinburgh stellte fest: “Ich glaube es gibt doch so etwas wie Eistammzellen.“

Wissenschaftler, die versucht haben, Wu zu kontaktieren, hatten allerdings keinen Erfolg. Er reagiert weder auf Anrufe noch auf E-Mails.

Viele Forscher zweifeln an den Mäuse-Studien, die nicht nachvollziehbar sind. Vier Forschungsteams konnten keine Eistammzellen finden, egal, welche Methode sie anwendeten. „In meinem Labor konnte ich sie nicht isolieren“, sagt Prof. Kui Liu von der Universität von Gothenburg in Schweden.

Weder Dr. Kui Liu noch Lin Liu Nankai von der Universität Tianjin in China haben diese Zellen in Affen, Menschen und Mäusen gefunden. „Vielleicht sehen die Zellen unter dem Mikroskop so ähnlich aus wie Eizellen, und eventuell reagieren sie auf Hormone so wie Eizellen, aber sie teilen sich nicht und sind nicht haploid, so wie alle Eizellen. Es handelt sich um ein Wunschdenken“, sagen John Eppig und David Page, zwei Wissenschaftler von Universitäten in Massachusetts,USA.

Tilly ist zugegebenermaßen erstaunt über seine Kollegen. „Jeder der weiterhin die Existenz dieser Eistammzellen leugnet, obwohl sie so oft in der Literatur beschrieben worden sind, ist entweder naiv oder hat irgendwelche Hintergedanken, die mit Wissenschaft nichts zu tun haben“, behauptet er. picture-45

Sein Kollege Hugh Clarke von der McGill-Universität in Montreal, Kanada, ist fassungslos: „Ich dachte, die Debatte ist endgültig vorbei. Hingegen schenkt man den Eistammzellen immer mehr Aufmerksamkeit. Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler in der Grundlagenforschung, der allen Ernstes an diese Zellen glaubt. Und plötzlich ist da diese dubiose Firma OvaScience.“

Zian Rajani, ist das erste Baby, das im April 2015 in Toronto/Kanada durch die Mithilfe der AUGMENT-Behandlung von OvaScience auf die Welt kam.

Bilder des Babys mit seinen schwarzen Haaren und den geballten Fäustchen gingen um die Welt. (http://ti.me/1cnqF4E). Seine Mutter bekam einen Extrasatz Mitochondrien bei der Befruchtung injiziert. Mitochondrien sind kleine Zellorganellen, die sich in jedem Zellplasma befinden und als Energie-Lieferant der Zelle fungieren. Die Mitochondrien der Eizellen von älteren Frauen sind nicht mehr so funktionstüchtig.

Dr. Tilly sagt, er wurde durch ein Experiment der späten 90iger Jahre inspiriert. Wissenschaftler entnahmen damals Zellplasma von jungen Frauen und spritzten es in Eizellen von 30 unfruchtbaren Frauen. Dreizehn der Probanden wurden daraufhin schwanger.

Jacques Cohen von der Livingston-Universität in New Jersey, der damals die Versuche machte, beschreibt sie als Pilo- Studie, die einigen Frauen verhalf , schwanger zu werden, aber ansonsten keine sicheren Erkenntnisse lieferte.

Tilly war dennoch beeindruckt. „Es hat immerhin bei 43% funktioniert“, erklärt er. euros

Krankenhäuser in Kanada, der Türkei und den Arabischen Emiraten bieten seit 2011 die AUGMENT-Methode an. Panama, Spanien, Japan und Großbritannien werden wohl bald folgen.

Seitdem sind angeblich 17 gesunde Babys mit Hilfe von AUGMENT geboren worden. Sie hatten allerdings jüngere Mütter. „Ärzte haben eine höhere Fruchtbarkeitsrate bei Frauen festgestellt“, sagte der Direktor von OvaScience, Michelle Dipp, im September 2015. Neun von 34 Frauen werden fruchtbar, heißt es in den einschlägigen Fachzeitschriften: Journal of Fertilization, In-Vitro-IVF-Worldwide, Reproductive Medicine, Genetics & Stem Cell Biology.

Prof. Keefe, der New Yorker Spezialist für Unfruchtbarkeit, ist sehr verärgert. Er war Mitglied der US Food and Drug Administration, der Arzneimittelbehörde, die derartige Therapien auswertet

„Das, was OvaScience tut, ist völlig fehlerhaft. Die Patientinnen haben 2 – 3 erfolglose Fruchtbarkeitstherapien hinter sich. Was OvaScience veranlasst, dieses als „Null-Fertilität“ zu bezeichnen. Dann werden sie behandelt und haben eine 20-prozentige Erfolgsquote. Wenn ich eine Münze werfe und wenn sie erst beim dritten Mal auf den Kopf fällt, ist das nicht plötzlich 100 mal besser.

Daten haben gezeigt, dass die Fruchtbarkeitsrate bei 5 Zyklen 30% beträgt. Jeder möchte gerne an den Hl. Nikolaus glauben. Man zahlt immerhin 50.000 US-Dollars pro Zyklus. OvaScience kann ja weiterhin behaupten, Eistammzellen gefunden zu haben, nur glaubt das außer ihnen kein Mensch auf der Welt.“ 

Keefe fordert, dass OvaScience keine Therapien mehr anbietet, solange die Grundlagenforschung nicht stattgefunden hat.

OvaScience hat eine Niederlassung in Kanada. In den USA erwartet die FDA von OvaScience reguläre klinische Studien wie bei allen neuen Therapien. Dementsprechend ist die Konversation zwischen OvaScinece und der FDA minimal. Da jedoch AUGMENT in anderen Ländern angenommen wird, sieht sich OvaScience nicht unbedingt der FDA gegenüber verpflichtet. „Der Endmarkt ist attraktiv“, sagt Zarak Khurshid von der Firma WedBush Securities in San Francisco, der den Werdegang von OvaScience verfolgt. „Da sind sehr motivierte Kunden. Es ist ein barzahlendes Geschäft.“

AUGMENT ist erst der Anfang. Die Pharmaindustrie plant zwei weitere Therapien: OvaPrime und OvaTure benutzen Extrakte aus den sogenannten Vorläuferzellen der Eistammzellen. Die Therapie mit OvaPrime, die zwei chirurgische Eingriffe erfordert, soll Ende 2015 angeboten werden. Im Grunde handelt es sich um die gleiche Therapie wie bei der Methode von AUGMENT.

Hugh Taylor, der Forschungsgelder von OvaScience bekommt, ist der Meinung, es wäre unethisch, eine erfolgsversprechende Behandlung nicht anzuwenden. Er hofft AUGMENT wird bald auch in den USA angeboten. „Ärzte sollen die Wirkung selber herausfinden. Grundlagenforschung ist nicht so wichtig in diesem Fall.“

Die Austragenden dieses Dramas sind die Patientinnen, die jede Behandlung ertragen; jeden Preis zahlen und sonstwohin fahren, nur mit dem Ziel, ein eigenes Baby zu bekommen.

Literatur: Jennifer Couzin-Frankel, Feature: A controversial company offers a new way to make a baby. Science Magazine, Latest News, 5. Nov. 2015BookCoverImage

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda (von ihr stammt auch das Foto) ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin). 

Weiterführende Literatur, Artikel und Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Ediths Buch-Neuerscheinung REPRODUKTIVE FREIHEIT vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/

Dieses sachkundige und zugleich verständliche Buch “Reproduktive Freiheit” (viele bioethische und aktuelle Themen) kann portofrei für 22,30 Euro bei uns bezogen werden: felizitas.kueble@web.de (Tel. 0251-616768)

 


Gibt es ein Rückgaberecht für Babys?

Von Dr. med. Edith Breburda

Ein Ehepaar in Italien, Guiseppe und Aurora Bellandi, haben ihren Arzt angezeigt, der ihre Tochter abtreiben sollte. Das Kind überlebte und nun sollte die Klinik für die Unterhaltskosten aufkommen. Die Eheleute hatten schon einen erwachsenen Sohn. Dr. Breburda

Als man feststellte, dass Elisa trotz Abtreibung noch lebte, war eine Wiederholung der Abtreibung nicht mehr möglich, weil das Kind schon älter als 21 Wochen war. Die Schwangerschaft und Geburt waren sehr problematisch und die Eltern wollten, dass die Ärzte für den materiellen Schaden, den das Kind ihnen bescherte, aufkommen.

„Die Ärzte brachten sie auf die Welt. Sie sollen nun für ihren Unterhalt aufkommen, bis sie 18 Jahre alt ist“, erklärte Vater Guiseppe. Die Eltern bekamen 2008 umgerechnet 120.000 €. Doch damit nicht genug, sieben Jahre später gingen die Eltern vor das Oberste Gericht in Italien. Sie hatten immer noch Schwierigkeiten, für Elisa finanziell aufzukommen.

Elisa war ungewollt. Die Eltern waren der Auffassung, sie hätten ein Recht auf Entschädigung, weil Elisa nur wegen eines Fehlgriffs der Ärzte überlebte. Guiseppe weiß, dass Kinder ein Geschenk Gottes sind. Er ist jedoch der Meinung, dass er ein solches Geschenk nie haben wollte. shutterstock_114300748-140x94

“Weiß denn die Frau nicht, wie sie schwanger wurde? Wenn Leute nicht offen für das Leben sind, aber dennoch sexuellen Vergnügungen nachgehen, kann ein daraus resultierendes Leben nicht als ein Unfall angesehen werden. Und wenn das Kind unbeabsichtigt entstand, muss jemand Schuld an diesem Unglück sein. Und dieser kann dann verklagt werden.

Wenn man der Liebe und Dankbarkeit den Rücken kehrt, sind Anwälte sehr schnell zur Stelle. Als Gott den Eheleuten ein Kind schenkte, wollten sie es so schnell wie möglich zurückgeben, doch als das nicht klappte, wollten sie eine Rückvergütung.

Die Eltern meinen zwar, sie würden ihre Tochter lieben, dennoch vermitteln sie zweierlei Botschaften an ihr Kind: „Liebling, wir haben versucht, Dich umzubringen, nur hat der Arzt dabei versagt und nun meinen wir, dass er deswegen unterhaltspflichtig ist, aber wir lieben Dich trotzdem“, schreibt Mattew Archbold am 14.8.2015 im National Catholic Register (1).

“Wenn Eltern nicht mehr für ihr Kind sorgen und die Verantwortung abgeben wollen, ist die ganze Kultur in images (2)Schwierigkeiten. Dann kann man ungewollte Kinder töten, bevor sie geboren wurden und ihre Organe an die Forschung oder Kosmetikindustrie verkaufen.

Wir sehen in ihnen nicht mehr ein menschliches Wesen. Menschliches Leben hat nur einen Wert, wenn wir die richtige Wahl treffen, es nicht abtreiben zu lassen. Ein Ungeborenes hat keine Rechte, wenngleich uns die Wissenschaft ganz klar sagt, dass es sich um einen Menschen handelt“, erläutert der Jesuit James V. Schall, am 13. August 2015 in seinem Artikel The Madness of Intellectuals (2).

Das Geschäft mit der Fruchtbarkeit

Am meisten trifft es die Kinder, die durch die sogenannte Third-Party-Reproduktion entstehen. Sie haben überhaupt keine Rechte. Um die Anonymität der Spender zu wahren, erfahren die Kinder nichts über Erbkrankheiten oder Gesundheitskrisen ihrer Spender.

Die fundamentalen Rechte, zu wissen, wer die Eltern oder Geschwister sind, werden ihnen immer noch vorenthalten, obwohl bereits 2001 eine Studie im Journal Human Reproduktion darauf hinwies, dass Kinder ihre biologischen Eltern kennen sollten.
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Die Gesundheitsrisiken, welche Frauen auf sich nehmen, um eine Third-Party-Reproduktion zu ermöglichen, wurden bisher kaum adressiert. Wie oft hören wir von jungen Studentinnen, die dem Angebot auf Geld und der Aussicht anderen Frauen zum Kind zu verhelfen, nicht widerstehen.

So manipulierte die Fertility Industrie auch Maggie. Ihre Geschichte wurde in dem neuem Film, Maggie’s story, von CBC, einer US-Organisation, die bioethische Themen behandelt, dargestellt. Man sagte ihr, sie sei eine Auserwählte: sie sei Teil eines Teams, einer Familie. Sie fühlte sich schuldig, wenn sie Unfruchtbaren nicht zum Kind verhilft.

So etwas kann passieren, weil es keine Vorschriften oder Gesetze im Fruchtbarkeitsgewerbe der USA gibt. Damit wurde Amerika ein beliebtes Ziel für den Fertility-Tourismus. „Die Frauen bieten sich freiwillig an und werden nicht gezwungen“, erklärt die American Society for Reproductive Medicine und die Society for Assisted Reproductive Technologies.

Es besteht keine nationale Registrierung für Frauen, die ihre Eizellen verkaufen oder ihre Gebärmutter vermieten. Nachdem die Frau ihre Dienste als Eizellen-Lieferant oder Gestations-Carrier beendet hat, wird nicht mehr an sie gedacht. Auch wenn sie auf lange Zeit unter den gesundheitlichen Folgen ihres Dienstes zu leiden hat.

Es gibt keine einzige Studie über Langzeiteffekte, die eine Eizellspenderin oder Leihmutter erleiden könnte. Das macht es unmöglich, Informationen an Frauen, die willig sind, diese Dienste zu tun, weiterzugeben (Weiterführende Literatur: E. Breburda; Reproduktiver Freiheit, free for what? ISBN-10: 0692447261, ISBN-13: 978-0692447260) .luitgard5

„Die hochprofitable Fertilitätsindustrie hat ihre Geheimnisse, die sie nicht aufdeckt. Sie ignoriert lieber die Gesundheitsrisiken, welche die Kommerzialisierung der Erschaffung eines menschlichen Lebens mit sich bringt.

Man braucht Gameten. Die Gewinnung von Eizellen erweist sich als besonders schwierig, da man anstatt der üblichen einen Eizelle im Monat bis zu einem Dutzend gewinnen will. Dafür muss die Eizellspenderin eine sehr schmerzhafte, gesundheitsgefährdende Prozedur über sich ergehen lassen (siehe dazu auch: E. Breburda; Verheissungen der neuesten Biotechnolgien, ISBN-10: 3717111728, ISBN-13: 978-3717111726).

Die Frau, die das Kind austragen will, setzt sich ebenfalls einer schmerzhaften und gefährlichen Behandlung aus. Die Liste der Kurzzeitbeschwerden ist lang und kann zu Unfruchtbarkeit oder Tod führen.

Der Film „Eggsploitation: Maggie’s Story“ des Centrums für Bioethics and Culture gibt uns einen Einblick was geschah, als Maggie sich zehnmal einer Eizellenextraktion unterzog. Sie hatte plötzlich einen Knoten in der Brust. Der wurde von der Fertilitätsinstitution nicht ernst genommen. marsch_2013_photo_dv_447_m

Erst als sie später ihren eigenen Hausarzt aufsuchte, diagnostizierte er Brustkrebs im vierten Stadium, mit Metastasen in der Lunge und in den Knochen. Keiner in ihrer Familie hatte vor ihr diese Krankheit. Diese Art von Krebs sieht man eigentlich nur bei Frauen nach ihren Wechseljahren oder bei Frauen, die drei oder mehr Kinder hatten.

Das Journal of Child Psychology and Psychiatry publizierte im Juni 2013 eine Studie (3), die feststellte, dass die mütterlichen Bindungen an das Ungeborene prägend sind. Die Frage bleibt, welche Beziehungen eine Leihmutter zu ihrem Auftragskind aufbaut. Fehlt diese gestationale Verbindung, ist das problematisch für das Kind. Die biologische Verbindung zwischen Mutter und Kind während der Schwangerschaft ist unweigerlich intim. Eine Leihmutter schadet so gesehen auch den Eltern.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2013, die in Reproductive BioMedicine erschienen ist, untersuchte 108 Paare, die eine Leihmutter für ihr Kind hatten. 50% der Paare bedauerten diesen Schritt wegen der oben genannten Gründe.

Annie Murphy Paul schreibt in ihrem Buch „Origins: How the Nine Months before Birth Shape the Rest of our Lives“ (4):

“Während der letzten 20 Jahre haben Wissenschaftler damit begonnen, zu erforschen, welchen Effekt die Zeit, die wir in der Gebärmutter verbringen, auf unser ganzes Leben hat. Unsere Gesundheit, unsere Intelligenz und unser Temperament werden bereits vorgeburtlich beeinflusst.

Frauen, die z.B. die Attacke auf das World Trade Center am 11. September 2001 miterlebten, gaben an ihre Kinder die Effekte einer Posttraumatischen Stress Disorder weiter.“ (siehe auch: E. Breburda: Globale Chemisierung, vernichten wir uns selbst. ISBN-10: 0615926657, ISBN-13: 978-0615926650).

Weiter heißt es: „Eine Schwangere ist demzufolge nicht diejenige, die dem Ungeborenen schadet, sondern die es positiv beeinflusst. Dieser Mechanismus ist viel wirksamer, als wir bisher annahmen (5).“

Unsere Autorin Dr. med. Edith Breburda ist Bioethik-Expertin und Veterinär-Medizinerin (Tierärztin); sie lebt in den USA (Bundesstaat Wisconsin).

Weiterführende Literatur, Bücher von Dr. Edith Breburda: http://scivias-publisher.blogspot.com/p/blog-page.html

Buch-Neuerscheinung vom Juni 2015: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/20/neuerscheinungbuch-empfehlung-reproduktive-freiheit-von-dr-edith-breburda/