Das EKD-Familienpapier ist ein Dokument der Hilflosigkeit

Pressemeldung des Verbands Familienarbeit:

Das am 19. Juni 2013 veröffentlichte Papier der EKD mit dem Thema „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ gibt die bekannten Auffassungen der Wirtschafts- und Erwerbswelt wieder, die heute die Politik bestimmen.

Unabhängige Denkansätze sind nicht zu finden. Die Lebensfrage der Familien, wie deren Erziehungsaufgabe von der Gesellschaft behandelt wird, bleibt ausgespart. Das Papier verfehlt sein Thema. Sein Sinn ist für uns nicht erkennbar. ????????

Dazu erklärt der stellv. Vorsitzende, Dr. Johannes Resch:

„Die Verlässlichkeit der Familie basierte  –  wirtschaftlich gesehen  –  auf dem über Jahrtausende hinweg selbstverständlichen Geben und Nehmen zwischen Eltern und Kindern. Eltern versorgten ihre Kinder und wurden im Alter wieder von ihnen versorgt. Erst unsere Sozialgesetzgebung hat die Eltern ohne Ausgleich enteignet.

Obwohl auch die gesetzliche Altersversorgung ausschließlich von den erwachsen gewordenen Kinder finanziert wird, wurde sie statt an die Erziehung eigener Kinder an die Erwerbsarbeit gebunden. Die Verlässlichkeit der Familie kann aber weder durch Verstaatlichung noch durch Verkirchlichung der Kinderbetreuung wiederhergestellt werden, sondern nur durch direkte  –  auch finanzielle  –  Anerkennung der elterlichen Erziehungsleistung.

„Familienarbeit wurde zum Frondienst“

Aufgrund der Enteignung der Eltern wurde Familienarbeit zum Frondienst für die Gesellschaft und zum Armutsrisiko. Das ist für junge Menschen immer weniger erstrebenswert und Gift für den Kinderwunsch.

Im Papier der EKD werden Armutsrisiko und Zeitmangel zwar angesprochen, aber die Frage nach den Ursachen wird nicht gestellt. Es werden sogar ’sozialpolitische Transfers‘ zugunsten der Familien erwähnt. Die ein Mehrfaches betragenden Transfers zulasten der Familien im Rahmen der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung werden dagegen ignoriert  –  ebenso wie in der Politik.“

Die Verbandsvorsitzende Gertrud Martin ergänzt:

“Politiker orientieren sich an den Interessen der Wähler. Sie tendieren daher dazu, Familieninteressen zu vernachlässigen, weil Kinder keine Wähler sind. Kirchen sind aber nicht von Wahlen abhängig. Sie sollten es sich leisten, die Situation der Familien auf sachlicher Basis zu untersuchen, zu bewerten und Korrekturen anzumahnen. – Schade, dass es im Papier dazu nicht einmal einen Ansatz gibt.“

Quelle: Pressestelle Verband Familienarbeit e. V.


Nürnberg: Evangelikaler ABC-Kreis wendet sich gegen EKD-Papier zur Familie

Pressemeldung des „Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern“ (ABC):

Mit deutlichen Worten distanziert sich der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) vom neuen EKD-Papier zur Familie. Obwohl es unter dem Namen „Orientierungshilfe“ veröffentlicht worden sei, trage es nicht zur Orientierung, sondern zur Desorientierung bei, erklärte der Sprecher des ABC, der Landessynodale Hans-Joachim Vieweger (München).

Die EKD definiere den Familienbegriff schrift- und bekenntniswidrig um. Zusammen mit anderen Gemeinschaften innerhalb der evangelischen Landeskirchen in Deutschland hat der ABC eine Stellungnahme herausgegeben, in der er gravierende theologische Mängel in dem EKD-Papier beklagt. „Dem zu wenig an Theologie steht ein zu viel an Politik gegenüber“, so Vieweger bei einem Studientag des ABC zum Thema „Kirche und Politik“ in Nürnberg.

Politisierung der Kirche führt zur Verweltlichung

Als Hauptredner der Tagung warnte der Theologe Christian Herrmann (Stuttgart) vor einer Politisierung der Kirche, mit der die Kirche zu ihrer Selbstsäkularisierung beitrage. So wichtig es sei, auf Basis der biblischen Botschaft auch in der Politik grundlegende Orientierungen und Werte zu vermitteln, so problematisch sei die zunehmende Einmischung in die Tagespolitik durch führende Repräsentanten der EKD.

Der ABC im Internet:  www.abc-bayern.de
Kontakt: info@abc-bayern.de
 

EKD-Papier zu Ehe und Familie weiter unter Beschuß: „Ökumenischer Graben geöffnet“

Evangelischer Theologe beklagt „ewiges Einknicken“ vor dem Zeitgeist

Die Kritik an der neuen Orientierungshilfe der EKD reißt nicht ab. Das Papier vertritt ein erweitertes Familienbild, das vielfältige Lebensformen einschließt, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Kindern.

Nach Ansicht des katholischen Ruhrbischofs Franz-Josef Overbeck ist damit ein ökumenischer Graben geöffnet worden. Mit der Orientierungshilfe sei eine „Phase der Ratlosigkeit und des Ärgernisses“ eingeläutet worden, sagte Overbeck am 21. Juni in Gladbeck. Auch innerhalb der evangelischen Kirche zeigten sich zunehmend widersprüchliche Auffassungen. 

Der ehem. Professor für Christliche Gesellschaftslehre in Bochum, Günter Brakelmann, kritisierte das „ewige Einknicken“ der evangelischen Kirche vor dem Zeitgeist sowie den protestantischen Umgang mit der Bibel:

„Wenn uns etwas an den Texten des Neuen Testaments nicht mehr gefällt, wird es so ausgelegt, dass am Ende etwas anderes herauskommt, als im Urtext drin steht.“

CDU-Protestanten: Der Ehe gebührt Vorrang

Der Bundesgeschäftsführer des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) von CDU/CSU, Christian Meißner, bedauert die Relativierung der Ehe. Aus Sicht der Union sei die lebenslange Ehe von Mann und Frau als gute Gabe Gottes zu verstehen, der bei aller Achtung gegenüber anderen Lebens- und Familienformen ein Vorrang gebühre, sagte Meißner dem „Hamburger Abendblatt“. Die Mitglieder des EAK erwarteten, „dass dies auch im liturgischen und seelsorgerlichen Handeln unserer Kirche klar wird“.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur http://www.idea.de


„Spiegel“-Autor kritisiert EKD-Papier zum „erweiterten“ Ehe- und Familienverständnis

Jan Fleischhauer: „EKD betreibt Verweltlichung von innen

Der einstmals linksorientierte, heute aber bürgerlich-konservativ denkende „Spiegel“-Redakteur Jan Fleischhauer befaßte sich in einer am 20. Juni 2013 in „Spiegel-online“ veröffentlichen Kolumne mit der sog. „Orientierungshilfe“ der EKD (Evang. Kirche in Deutschland) zu Ehe und Familie, die zwar nicht im „Stuhlkreis“ (oder doch?) entstand, aber im Rahmen dreijähriger Beratungen einer 14-köpfigen „Expertenkommission“…

Ausgerechnet in einem „Spiegel“-Artikel wird diesem umstrittenen „Leitfaden“ der EKD nun der „spektakuläre Versuch“ einer „Verweltlichung von innen“ vorgeworfen, der einzigartig in der Religionsgeschichte sei. 120505209_B_July und Mike

Für den Autor steht fest:  Die Selbstsäkularisierung der Protestanten strebt einem neuen Höhepunkt zu.“

Die Heilige Schrift ist für den Rat der EKD offenbar nicht mehr verbindlich, wie dieses modernistische Grundsatzpapier zu Ehe und Familie belegt. Hierzu heißt es in der „Spiegel“-Kolumne:

„Alles, was an den biblischen Texten zu streng oder bevormundend wirkt, hat sie soweit entschärft, dass man sich von ihr heute völlig unbesorgt ein Kerzlein aufstecken lassen kann. Man sollte im Gegenzug nur nicht mehr erwarten, dass man weiterhin auch zu den Fragen verlässlich Auskunft bekommt, für die sie bislang das Privileg besaß – also alle, die über das Diesseits hinaus weisen.“

Überall waltet eines weichgespülte Kuschel-Theologie ihres Amtes, die alles versteht und nichts und niemanden verurteilt  – mit Ausnahme der Unternehmer natürlich, wie Fleischhauer zutreffend erläutert:

„Genau besehen gibt es nur einen Bereich, in dem die Kirche noch für sich in Anspruch nimmt, den Sündern heimzuleuchten, und das ist die Wirtschaft. Wer zu den sogenannten Leistungsträgern zählt und damit irgendwie zu den Reichen, kann auf keine Nachsicht hoffen. Da wird selbst der sanfte Nikolaus Schneider, der Käßmann im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden nachfolgte, ganz alttestamentarisch. Die Reichen müssten endlich begreifen, dass weniger mehr sei, donnert es dann von der Kanzel.“

Zudem kritisiert der Verfasser, daß bei allem demonstrativem Mitgefühl für Geschiedene von den „seelischen Kosten einer Scheidung für die Kinder“ nur am Rande die Rede sei.

Abschließend heißt es dann mit leichter Ironie:

„Die beruhigende Nachricht ist: Wenn man Heranwachsende nach ihren Zukunftsträumen fragt, steht die Ehe ganz weit oben. Gegen die romantische Natur hat auch die kahle Rationalität der EKD keine Chance.“

Wenn eine Kirche nicht einmal mehr die natürliche Lebensordnung hochhält, von einer fälligen Wertschätzung der göttlichen Schöpfungsordnung, der Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe ganz schweigen, dann sägt sie den Ast ab, auf dem sie sitzt  – falls sie überhaupt noch drauf sitzt.

Martin Luther hat zwar die Ehe bereits als „weltlich Ding“ bezeichnet und ihren sakramentalen Charakter bestritten, doch als bürgerliches Leitbild blieben Ehe und Familie auch im Protestantismus noch erhalten  –  diese Zeit scheint nun vorbei. Die EKD paßt sich dem Zeitgeist nicht nur an (wie seit Jahrzehnten dort üblich), sie rennt ihm sogar voraus.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


EKD-Papier zu Ehe und Familie stößt auf Kritik führender Evangelikaler

Präses Diener beklagt „ökumenischen Flurschaden“

Auf Kritik der evangelikalen Bewegung stößt die am 19. Juni in Berlin veröffentlichte Orientierungshilfe desRates der EKD zur Familie. Sie trägt den Titel „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“.

Den Verfassern zufolge besteht Familie nicht mehr nur aus Vater, Mutter und Kindern. Vielmehr heißt es:

„Wo Menschen auf Dauer und im Zusammenhang der Generationen Verantwortung füreinander übernehmen, sollten sie Unterstützung in Kirche, Gesellschaft und Staat erfahren.“ 120505393_BV_July und Mike

Als Familie seien zu verstehen: neben „Eltern (ein Elternteil oder zwei) mit ihren leiblichen, Adoptiv- oder Pflegekindern“ auch „Patchwork-Familien, die durch Scheidung und Wiederverheiratung entstehen, das kinderlose Paar mit der hochaltrigen, pflegebedürftigen Mutter und das gleichgeschlechtliche Paar mit den Kindern aus einer ersten Beziehung“.

Der Vorsitzende der Dt. Evangelischen Allianz und Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, kritisiert in einer Stellungnahme, dass der Orientierungshilfe die „biblische Fundamentierung“ fehle. Deshalb werde sie dem Anspruch nicht gerecht, „evangelische Orientierung“ zu bieten. Vielmehr werde eine „Anpassung an gesellschaftliche Entwicklungen“ deutlich.

Leitbildcharakter der Ehe geleugnet

Das EKD-Papier enthalte eine auffällige Abwertung sogenannter „bürgerlicher Ehe- und Familienverständnisse“ und eine Absage an jedes „normative Verständnis der Ehe als göttliche Stiftung“ oder „natürliche Schöpfungsordnung“.

Ehe habe demnach keinen Leitbildcharakter mehr. Der Erklärung zufolge seien alle anderen ebenfalls „verbindlich, verantwortlich und verlässlich“ geführten Partnerschaften in gleicher Weise anzuerkennen und  –  wo gewünscht  –  auch zu segnen.

Nach Ansicht Dieners weist die Orientierungshilfe im Blick auf die biblisch-theologischen Grundlagen „gravierende Mängel“ auf „trotz der vollmundigen Behauptung, dass hier eine normative Orientierung am Evangelium geleistet werde“. So werde aus der schöpfungsgemäßen Polarität von Mann und Frau lediglich eine allgemeine „Angewiesenheit auf ein Gegenüber“. 

Man müsse ernsthaft fragen, ob die EKD „mit dieser durchgehend spürbaren Abwertung der Ehe“ in den derzeitigen gesellschaftlichen Diskussionen politisch verantwortlich handele. Diener: „Im ökumenischen Kontext ist der schon beträchtliche Schaden noch größer geworden.“

Für viele evangelische Christen würden damit die Zweifel und die Kritik am Kurs der EKD noch stärker werden.

Pastor Rüß: Bruch mit der Bibel

Scharfe Kritik an der Orientierungshilfe übt auch die die Konferenz Bekennender Gemeinschaften innerhalb der evangelischen Kirchen. Das Papier markiere „einen Bruch mit eindeutigen Bibel- und Bekenntnisaussagen“ und stelle sich zu ihnen in Widerspruch. „Der Geist des Bundesverfassungsgerichts, der Geist der unbeschränkten Gleichheit (Genderismus) hatte Vorrang vor dem Geist der Treue zu den Grundlagen der Kirche, des evangelischen Glaubens“, erklärte der Vorsitzende des evangelikalen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß in Hamburg.

Für die Ökumene bedeute „diese unevangelische, schrift- und bekenntniswidrige Orientierungshilfe einen ernstzunehmenden Rückschlag“. Die Konferenz Bekennender Gemeinschaft ruft Christen dazu auf, „weiter unbeirrt am biblischen Bild von Ehe und Familie festzuhalten“.

Quelle:  evangelische Nachrichtenagentur http://www.idea.de