Ruhen im Geist? – Phänomen jenseits des Verstandes wirkt wie „elektrischer Strom“

Slain in the Spirit = Erschlagen „im Geist“

Seit über hundert Jahren hat sich weltweit, aber auch in Deutschland, das sogenannte „Ruhen im Geist“ ausgebreitet (vereinzelt gab es diesen Vorgang auch bereits vorher in enthusiastischen Strömungen, „Erweckungsbewegungen“ etc.).  

Dieses Phänomen, wonach Menschen wie in einer Art Trance –  fast wie ohnmächtig – plötzlich umfallen (meist auf ihren Rücken), zeigte sich zunächst vermehrt in der protestantisch-freikirchlichen Pfingstbewegung, fand dann aber seit 1967 (damals begann die kath. „Charismatische Erneuerung“) auch Eingang in die katholische Christenheit.

BILD: Flachliegende Personen beim „Ruhen im Geist“ nach dem „Segen“ eines Heilungspredigers auf den Philippinen

Von schwarmgeistiger Seite wird dieses  –  auf neutrale Beobachter meist befremdlich wirkende  –  Geschehen als „Geisttaufe“ angesehen, mindestens aber als besondere „Glaubenserfahrung“ oder gar als ein sanftes „Hineinfallen in den Schoß Jesu“ (so z.B. Sr. Margaritha Valappila in ihren Ansprachen).

Meist kommt es zu diesem plötzlichen Umkippen, wenn „geistbegabte“ Charismatiker bzw. euphorische Starprediger den herbeiströmenden Christen die Hände auflegen und einen Einzelsegen verteilen.

Dieser „Hammersegen“ wird im englischsprachigen Raum treffend als „Slain in the Spirit“, als Erschlagen(werden) im Geist bezeichnet.

Viele Verteidiger dieses Phänomens machen durchaus kein Geheimnis daraus, daß der Vorgang den menschlichen Verstand bzw. das Wachbewußtsein gleichsam ausschaltet, lahmlegt, zeitweilig außer Kraft setzt.

Nun wirkt der wirkliche Heilige Geist aber nicht gegen die menschliche Vernunft (auch nicht ohne sie); vielmehr baut die Gnade auf der Vernunft auf und vollendet sie.

Zudem gehört der Verstand nicht nur zur natürlichen Schöpfungsordnung Gottes (er ist also gleichsam ein Geschenk des Himmels), sondern sogar zur Erlösungsordnung; immerhin lehrt die katholische Kirche, daß durch das Sakrament der Firmung die Sieben Gaben des Hl. Geistes vermittelt werden – und eine dieser sieben Gaben ist der Verstand (eine weitere Gabe ist übrigens die Wissenschaft bzw. Erkenntnis).

Daher ist seit zweitausend Jahren noch nie beobachtet worden, daß bei einer Taufe (Einwohnung Gottes, somit auch des Hl. Geistes, in der menschlichen Seele), einer Firmung, einer Priester- oder Bischofsweihe jemals ein „Ruhen im Geist“ stattgefunden hätte. Dabei steht laut katholischem Glauben fest, daß der Geist Gottes in diesen von Christus selbst gestifteten Sakramenten heilsmächtig wirksam ist.

Zu den begeisterten Anhängern der Charismatischen Bewegung gehört auch der Vatikanprediger Pater R. Cantalamessa. In seinem Buch „Komm, Schöpfer Geist“ heißt es über den Hammersegen:

„Die vom Geist ‚berührte‘ Person fällt zu Boden, aber weich, als ob jemand sie auf dem Fußboden ausstrecken würde; jede geistige Aktivität hört auf, und wenn die betroffene Person danach anderen beschreiben will, was sie in jenen Momenten erlebt hat, findet sie dafür nur ein Wort: Frieden, Frieden, soviel Frieden.“

Wohlgemerkt: „Jede geistige Aktivität hört auf.“

Eine eifrige Aktivistin des Flachlegens von Gläubigen ist beispielsweise Sr. Margaritha Valappila vom „Haus Raphael“ in Bad Soden-Salmünster (es handelt sich dabei um ein kirchlich nicht anerkanntes „Evangelisationszentrum“).

Die charismatische Nonne erklärte in einer Ansprache vom 15.2.2008 mehrfach: Um die Gaben des Hl. Geistes zu erhalten, müsse man die „Intelligenz abschalten“. Daher sei es für „studierte Leute“ schwerer, die Geistesgaben zu erhalten.

Schon kleine Kinder kippen bei ihr nach hinten um: In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ sieht man auf  S. 94 das Foto eines Mädchens im Grundschulalter: Jene Miriam erlebte das sogenannte „Weinen im Geist“ und „Lachen im Geist“:  Nach dem Einzelsegen von Sr. Valappila lag sie sofort flach, mußte jedesmal bis zu einer Viertelstunde weinen; im September 2009 habe sie – so heißt es dort  –  „fröhlich gelacht, als ob Gott mich kitzeln würde“.

Ein solch gleichsam zwanghaftes und quasi-ohnmächtiges Weinen und Lachen „im Geist“ stammt aber nicht vom Geist des HERRN, der die menschliche Freiheit (die ER selbst erschaffen hat), grundsätzlich nicht vergewaltigt und erst den Verstand nicht „flachlegt“.

Auf  S. 182 ist die  Rede von einem dreijährigen (!), zudem behinderten (!) Knaben, der nach nach ihrer Handauflegung über eine Stunde flachlag, das nächste Mal sogar zwei Stunden. (Das scheint noch lange nicht die Obergrenze zu sein: Der bekannte charism. Starprediger John Wimber schreibt in seinem Buch „Powerhealing“ dazu: „Gelegentlich kann dieser Zustand 12 bis 48 Stunden anhalten.“)

BILD: Buchtitel von Sr. Valappila: „Jesus lebt heute“

Man fragt sich als nüchterner Christ überdies, was denn der himmlische Gott mit dem elektrischen Strom zu tun hat – oder ist ein gefühlter „Stromschlag“ neuerdings ein Gnadenmittel von oben?

In ihrem Buch  „Jesus lebt heute“ schreibt die schwarmgeistige Ordensfrau auf S. 38, sie habe in Indien an einem charismatischen Großtreffen teilgenommen; als sie dort im Geist ruhte,  gewann sie  –  eigenen Angaben zufolge  –  „den Eindruck, als würde elektrischer Strom durch meinen Körper fließen“  –  In ihrem Buch „Unterwegs mit Jesus“ heißt es S. 11 hierüber: „Ich durfte das Wirken des Hl. Geistes erfahren, den ich spürte, als würde elektrischer Strom durch mich fließen.“

Dieses „elektrische“ Durchströmen des Körpers erlebte bereits der britische Erweckungsprediger John Wesley (Gründer der methodistischen Freikirche) im 18. Jahrhundert als Empfang einer „Geisttaufe“.

Bei charismatischen Heilungspatres ist diese Erfahrung ohnehin gang und gäbe, z.B. bei Dr. Joseph Vadakkal, der sein besonderes Geisterlebnis wie folgt schildert: „Ich hatte das Gefühl, als ob mein ganzer Körper unter Strom stand. Ich spürte Stromschläge, die durch meinen Körper fuhren.“ (Aus seinem Buch: „Jesus wischt deine Tränen ab“, S. 21)

Auch von Betroffenen, die aus der Schwärmerszene aussteigen, wurde mir dieses Phänomen („als würde mich elektrischer Strom durchrieseln“) mehrfach berichtet; manchmal begann dieses Gefühl sogar schon vor dem Umkippen bzw. hat es eingeleitet.

Diesen Hammersegen beschreibt Sr. Valappila, die Ordensfrau aus Kerala (Südindien), die seit Jahrzehnten im hessischen Bad Soden-Salmünster wirkt, als echtes Superwunder des Hl. Geistes.

In ihrer Publikation „Unterwegs mit Jesus“ rühmt sie auf S. 150, sie habe „nie so viele Wunder erlebt wie in Japan“, als sie dort mit ihrem Team „evangelisiert“ habe. Dabei habe sie und ihre Mitarbeiter erlebt, „daß Lahme wieder gehen, Blinde wieder sehen, Tauben hören und vieles mehr.“ 

Wirklich „erstaunlich“, aber jetzt kommts: „Das größte Wunder war, daß bei der Handauflegung fast alle im Hl. Geist ruhten, obwohl die meisten das erste Mal an Exerzitien teilnahmen und die Gnadengabe des Ruhens im Geist nicht kannten.“

Interessanterweise beschreibt sie in all ihrer euphorischen „Naivität“ in ihrem Buch „Jesus lebt heute“ auf S. 28, wie eine ungetaufte (!) junge Frau aus bloßer Neugier zu ihren Exerzitien kam: „Bei der Handauflegung bekam sie die Gnade, im Heiligen Geist zu ruhen.“

Folglich gibt Sr. Valappila damit selber zu, daß dieses ohnehin bedenkliche Phänomen auch außerhalb der Christenheit wirksam ist.

Tatsächlich kennt man Trance-Erlebnisse oder ekstatische Begleiterscheinungen auch in anderen Religionen, vor allem in der fernöstlichen Yoga-Meditation (worauf diese enthusiastische Nonne doch sonst so allergisch reagiert).

Dort wird der Hammersegen als „Shakti pat“ bezeichnet: meist geschieht dies, wenn Hindu-Gläubige einem Guru ihre Verehrung erweisen, sich z.B. vor einem erfahrenen Yogi verneigen bzw. wenn dieser seine „Energie-Kraft“ per Handauflegung an Schüler weitervermittelt.

Hierüber berichtet z.B. Rabindranath R. Maharaj  –  er ist Nachkomme einer langen Linie hochrangiger Brahmanen  –  in seinem aufschlußreichen Buch „Der Tod eines Guru“ (siehe Foto).

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den Jugendverlag KOMM-MIT und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Foto (Nr. 1): Pattayablatt