AfD-Neujahrsempfang in Münster informierte über Wiedertäufer und „Schwarmgeisterei“

Von Felizitas Küble

Auf dem Neujahrsempfang des AfD-Kreisverbands Münster im historischen Rathaus der westfälischen Metropole wurden ein halbes Dutzend Ansprachen von verschiedenen Parteivertretern gehalten.

Eine der Reden war ausgesprochen geschichtsphilosophisch geprägt und erhielt anhaltenden, teils stehenden Beifall der rund dreihundert Besuchern.

Den fundierten Vortrag hielt der NRW-Parteivorsitzende und Landtagsabgeordnete Helmut Seifen, der den Wissenschaftsausschuß im nordrhein-westf. Landtag leitet. Der Familienvater (siehe Foto) war jahrzehntelang als Schulleiter von Gymnasien in Münster und Gronau tätig.

In seiner Rede befaßte er sich eingehend mit dem Problem der politisch-religiösen „Schwarmgeisterei“. Dabei bezog er sich auch auf die zeitgleich stattfindenden und teils rechtswidrigen Proteste auf der Straße gegen diese AfD-Veranstaltung.

Viele dieser Demonstranten seien für Argumente und Sachdebatten kaum noch zugänglich, da sie sich ihrem ideologischen Enthusiasmus verschrieben hätten. Schwärmerei ersetze aber keine Vernunft  – und Leidenschaft bedürfe der Zügelung durch Verstand und Selbstdisziplin.

Der AfD-Politiker holte sodann weiter aus und ging 500 Jahre zurück in die bewegte Geschichte der Stadt Münster. Damals herrschten die endzeitschwärmerischen „Wiedertäufer“ über die Bürger und errichteten eine religiös begründete Diktatur, die sie als „Neues Jerusalem“ verherrlichten.

In der wissenschaftlichen Debatte wird heute allgemein von der „Täuferbewegung“ gesprochen, einer  – von Luther bekämpften – protestantischen Abspaltung, die allerdings weitgehend friedlich gestimmt war.

Ein Teil dieser Sondergruppe geriet jedoch in eine unheilvolle apokalyptische Schwarmgeisterei  – und dies trifft vor allem auf die sog. Wiedertäufer in Münster zu, die das Privateigentum der Einwohner „vergemeinschafteten“ und jeden Widerstand blutig niederschlugen.

BILD: Die Spitze des historischen Rathauses in Münster zeigt in der Mitte Christus als Weltenherrscher und darüber die Krönung Mariens

Im Jahre 2025 jährt sich die Entstehung der allgemeinen Täuferbewegung zum 500. Mal. 1525 fand die erste – amtlich bekannte  –  „Glaubenstaufe“ der Neuzeit in Zürich statt. Dabei wurden Christen, die bereits als Kind getauft wurden, als Erwachsene noch einmal getauft, weil diese reformierte Konfession die Kindertaufe grundsätzlich ablehnte.

Die gemäßigte, gewaltfreie Strömung unter den Täufern ging schon bald unter dem Namen „Mennoniten“ oder „Hutterer“ in die Geschichte ein; im weiteren Sinne gehören auch die Quäker, Amische und Baptisten dazu, die sich ebenfalls auf die Erwachsenentaufe beschränken.

Zurück zum Vortrag des Pädagogen und NRW-Sprechers Seifen über die Wiedertäufer in Münster, die in Geschichte und Literatur eingingen (auch in die Filmgeschichte):

Der Redner beleuchtete die Verführungskraft euphorischer Ideologen damals und heute. Als die Wiedertäufer ihre Herrschaft in Münster aufbauten, taten sie dies unter dem Vorzeichen höherer Erleuchtungen, großer Zukunftsverheißungen, göttlicher Sendung und emotionaler Bürgernähe.

Doch die führenden Personen steigerten sich immer stärker in ihre Endzeitschwärmereien hinein. Damit verbunden waren ein religiös-politischer Fanatismus und wachsender Machtrausch mit Verfolgung gemäßigter Bürger und Andersdenkender.

BILD: Lamberti-Kirche in Münster: auf dem dortigen Kirchplatz erwarteten die Wiedertäufer in ihrem „Neuen Zion“ die Wiederkunft Christi

Gläubige Katholiken und kritische Protestanten, die sich der „Wiedertaufe“ verweigerten, wurden bei Nacht und Nebel aus der Stadt vertrieben. Das Privateigentum der Münsteraner wurde in „Gemeineigentum“ umgenutzt  – und auf jedwege Verweigerung stand die Todesstrafe.

Nicht zuletzt aufgrund eines erheblichen Frauenüberschusses (das weibliche Geschlecht war damals anfälliger für diese Schwärmerbewegung) wurde sogar amtlich die Vielweiberei eingeführt und erzwungen.

Helmut Seifen sprach von einer irregeführten „Erlösungssehnsucht“, verbunden mit utopischen Vorstellungen. Es war der verstiegene und deshalb gescheiterte Versuch, existentielle Probleme „endgültig“ lösen zu wollen.

Ekstatische Bewegungen lassen sich, so der AfD-Parlamentarier, nicht durch Vernunftargumente eingrenzen. Aber wenn glühende Leidenschaft „durchbrenne“, wenn sie nicht durch Besonnenheit und Maß gezügelt und geordnet werde, ende sie immer in einer Katastrophe.

Das gelte es auch in heutiger Zeit zu beachten. Der Redner sah sowohl in der heutigen Europapolitik wie in der Migrations- und Bildungspolitik die Gefahr der Schwarmgeisterei.

Fanatische politische Ideologien – aus welcher Ecke auch immer  –  müßten früh genug erkannt und vor ihnen gewarnt werden. Utopische Politikmodelle und erlösungsbewegte Verheißungen dienten vielfach als Ersatzreligion für eine verweltlichte Gesellschaft auf der Suche nach Sinn und endgültigen Lösungen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Patricia Kings charismatische Erweckungs-Vision vor einem Jahr um 5.55 Uhr

Von Felizitas Küble

Vor genau einem Jahr um kurz vor 6 Uhr morgens war es soweit: eine charismatische Geisterfüllte namens Patricia King erhielt am 31.1.2018 eine ganz besondere Vision.
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Es geht wieder einmal um das schwärmerische Lieblingsthema, nämlich die zu erwartende weltweite „Erweckung“, die allerdings schon seit über 100 Jahren seitens der Pfingstbewegung angekündigt (und nie eingetroffen) ist.
Wie dem auch sei, von Tatsachen hat sich eine echte Enthusiasten-Schar in ihrer Endzeit-Schwärmerei noch nie „anfechten“ lassen.
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Der protestantisch-pfingstlerische „Wächterruf“ vom Juni 3018 präsentiert seinen Lesern auf der 4. Seite eine besondere Vision: https://kingdomimpact.org/wp-content/uploads/2018/06/Prophetische_Seite_2018_06.pdf
Es ist übrigens nicht die erste Offenbarung, auf den vorherigen Seiten gab es schon etliche weitere „Eindrücke“ aus der himmlischen Welt.
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Der erwähnte „Wächterruf“ gehört zu Peter Ischkas Bewegung „Mission ist possible“ (Mission ist möglich). Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/11/02/bewegen18-pfingstlerveranstaltung-will-prophetengabe-fuer-alle-freisetzen/
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Unter dem typischen Stichwort „Erweckliches Wirken glaubensvoll erwarten“ wird  – so wörtlich  – eine „himmlische Begegnung“ (!) geschildert, die Prophetin Patricia King vor einem Jahr um 5.55 Uhr zuteil wurde:
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Sie befand sich auf einer „goldenen Truppe“, die zum Himmel führte, wobei „der Herr“ sagte, er führe sie auf eine „neue Ebene“. Sie befand sich auf dem Flur vor der Tür ins Paradies, auf dem sie das Schild „Erweckung“ las.
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Ein Engel sei als „Wächter“ davor gestanden – und viele konnten nicht eintreten, „weil sie nicht den richtigen Schlüssel“ gehabt hätten.
Alle mußten draußen warten, ob sie nun den Schlüssel „Hoffnung“ oder „verzweifelte Sehnsucht“ trugen, auch „Erwartung“ half da nicht weiter.
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Erst als jemand mit dem Schlüssel „glaubensvolle Gebete“ ankam, öffnete sich die Tür in den Erweckungs-Raum „voller Licht, Herrlichkeit und Schönheit“, mitten darin ein „heiliges Feuer“.
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Von diesem Lichtraum ging nun ein „Erweckungsstrom“ aus, der sich „schnell auf die Erde zubewegte“:
„Einzelpersonen, die vorher keinen Schlüssel in der Hand hatten, wurden in diesen Strom hineingezogen. Einige waren freudig erregt und andere waren schockiert und wunderten sich. Andere standen beleidigt und ärgerlich am Ufer des Flusses und versuchten, den Fluss aufzuhalten. Einige von ihnen, die widerstanden, wurden in den Sog hineingenommen und ihr Ärger und ihr Beleidigtsein löste sich im strömenden Wasser auf. Der Fluss war nicht zu stoppen…er füllte die Erde.“
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Soweit diese wundersame Erleuchtung der visionären Patricia.

Was fällt uns hier auf?

  1. Es wird zum x-ten Male eine universale Erweckung angekündigt, die durch „glaubensvolle Gebete“  – wie sie zumal der charismatischen Szene eigen sind – ausgelöst wird, denn nur durch diesen Schlüssel kann die paradiesische Türe geöffnet werden.
  2. Nun fragt sich jeder Vernünftige, wie es denn zu solch einer weltweiten Erweckung kommen soll, da doch die Menschen auf der Erde mehrheitlich entweder gottlos sind oder fremden Religionen anhängen. Alles kein Problem für die Schwärmerschar, denn da sorgt der Höchste schon selber dafür, indem er einfach seinen Erweckungsstrom wie einen „Sog“ verteilt und jeden Widerstand kraftvoll hinwegfegt, so daß sich jedweder Unglaube „im strömenden Wasser auflöst“.

Davon, daß Gott den freien Willen der Menschen achtet; davon, daß von einer wirklichen Erweckung nicht die Rede sein kann, wenn diese nicht freiwillig erfolgt, scheint die prophetisch begabte Dame nichts zu wissen!

 


Erweckungsprediger Ben Fitzgerald sprach auf der charismatischen MEHR-Konferenz

Von Felizitas Küble

Zu den vier wichtigsten Referenten bei der diesjährigen Augsburger MEHR-Konferenz, die mit ca 10.000 Teilnehmern für ein gewisses Aufsehen sorgte und sogar eine ausführliche Sendung in den „Tagesthemen“ erhielt, gehörte neben Vatikanprediger R. Cantalamessa auch der bekannte protestantische Pfingstpastor Ben Fitzgerald. vor_600x600

Organisiert wird das musikalisch von superlauter Musik und exaltiertem „Lobpreis“ geprägte Spektakel durch das ökumenische „Gebetshaus Augsburg“, geleitet vom katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl.

BILD: Fitzgeralds MEHR-Vortrag kann beim „Gebetshaus Augsburg“ bestellt werden (Quelle: https://shop.gebetshaus.org/vortraege/mehr/5568/vortrag-ben-fitzgerald)

Auch der relativ wohlwollende Tagesthemen-Bericht bezeichnet die MEHR-Konferenz als „Mischung aus Rock-Konzert, Festival und Gottesdienst“.                     (Siehe hier: https://www.facebook.com/tagesschau/videos/10154956887504407/?hc_ref=NEWSFEED)

Auf seiner Facebook-Seite wirbt Fitzgerald für die „Evangelisationsschule“ des extrem-charismatischen Heilungspredigers Reinhard Bonnke, der sich selber wegen seiner „Missionserfolge“ vor allem in Afrika gerne als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet: https://de-de.facebook.com/benfitzgeraldandJesus

In der erscheinungsbewegten und charismatisch geprägten Nachrichtenseite „kath.net“ berichtete deren Leiter Roland Noé  –  wie zu erwarten: völlig unkritisch  –  über den Auftritt Fitzgeralds auf der MEHR-Konferenz am vergangenen Freitag.

Der evangelische Pfingstprediger habe, so der katholische Autor, die „deutsche Kirche“ (wen immer er damit genau gemeint haben mag) dazu aufgefordert, „wieder zu ihrer Rohform zurückzufinden“.  Vermutlich meint er seine eigene protestantische Konfession, zumal er dort verkündete, es sei die Zeit für eine „neue Reformation“ angebrochen, freilich eine pfingstlerische  – also keine „trennende“ Spaltung.

Die charismatische Bewegung versteht sich ohnehin zutiefst als ökumenisch, denn wenn auch manche Lehrinhalte noch trennen, so sei es doch der „Geist“ bzw. die „Geistesgaben“, welche zusammenführen.

Evangelische Kirche in Augsburg

Kath. Kirche in Augsburg

Im Kath-net-Bericht heißt es überdies: „Der Prediger aus Melbourne hatte Ende 2002 eine tiefgreifende Umkehr erfahren, zuvor war er als Drogendealer tätig.“ – Dies ist ein recht häufiger Vorgang in der Lebensgeschichte charismatischer Prominenter. Bisweilen fragt man sich, ob diese Personen ihre Euphorie gleichsam „umgelenkt“ haben: vom Drogen-Trip zum „Jesus-Trip“. Typisch für die enthusiastische MEHR-Konferenz ist auch ihr Motto: „Holy fascination“ (heilige Faszination).

Kritischer äußerte sich die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ in ihrem Artikel über eine Charismatiker-Konferenz in Nürnberg über Starprediger Fitzgerald. 

Demzufolge hat er dort die typisch schwarmgeistige Erweckungslehre verkündet, derzufolge es vor der Wiederkunft Christi weltweit zu einer „Rettungswelle“ komme, die Christenheit einen herrlichen Aufschwung nehme und auch Fernstehende in großer Zahl zum Glauben finden.

Während gemäßigte Pfingstprediger für solch eine „Erweckung“ beten und Vorarbeit leisten wollen, glauben ultra-charismatische Kreise, dieser wunderbaren Zustand sei bereits eingetreten. Laut EZW-Bericht erklärte Fitzgerald, „Erweckung sei nicht allein das, wofür gebetet und worauf gewartet werde, vielmehr habe sie bereits begonnen.“ – Es werde eine „Welle der Errettung über ganz Europa“ kommen, „die nicht mehr verebbt“.

Unsere theologischen Einwände zur Erweckungs-Euphorie siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/pfingstlerische-erweckungs-lehre-widerspricht-der-bibel/

Unser Bericht über MEHR-Konferenz-Referent Pater Raniero Cantalamessa: https://charismatismus.wordpress.com/2017/01/07/charismatisch-oekumenische-mehr-konferenz-mit-vatikanprediger-cantalamessa/

 


Vatikanprediger Cantalemessa lobt Luther und preist die Charismatische Bewegung

Von  Felizitas Küble

Pater Raniero Cantalamessa wurde von Johannes Paul II. zum „Päpstlichen Hausprediger“ ernannt und hat daher seit Jahrzehnten dieses Amt inne. Ebenfalls seit langem sind seine Äußerungen bekannt, in denen er seine besondere Vorliebe für Martin Luther kundtut oder die Charismatische Bewegung lobt und preist.

Er nimmt auch selber gerne an schwarmgeistigen Veranstaltungen  – etwa von pfingstlerischer Seite  –  teil.  Radio Vatikan

Nun hat der Kapuzinerpater aus dem Vatikan wieder ein Loblied auf die „Reformation“ gesungen und ihren Urheber verklärt. Zu den verheerenden Folgen der Glaubensspaltung (darunter ein von Luther selbst eingeräumter Sittenverfall oder auch der 30-jährige Krieg) hat sich der Prediger freilich nicht geäußert.

Pater Cantalamessa hielt die Karfreitagspredigt im Petersdom in Gegenwart von Papst Franziskus, wie der Nachrichtendienst ZENIT berichtet.

Dabei erklärte er, Luther habe die „Wahrheit“ über Gottes „Gerechtigkeit“ erst wieder „ans Licht gebracht“. Der Kapuziner spielte damit auf die reformatorische Rechtfertigungslehre an, wonach allein der Glaube selig und „gerecht“ mache; die Einhaltung der Gebote und gute Werke seien nicht heilsnotwendig.

Angeblich habe die Kirche in den Jahrhunderten zuvor den Sinn für Gottes wahre Gerechtigkeit verloren, bedauerte Cantalamessa. Doch es sei der Reformation zu „verdanken“, daß sie wieder entdeckt worden sei.

In Wirklichkeit hat die katholische Kirche schon in der Frühzeit des Christentums jede falsche Werkgerechtigkeit oder Leistungsfrömmigkeit abgelehnt, weshalb sie der Irrlehre des Pelagius entschieden widersprach. Dieser hatte erklärt, die Gnade Gottes sei zwar eine erfreuliche und stärkende Zugabe, aber nicht absolut notwendig, da ein nach Gerechtigkeit strebender Mensch die Gebote Gottes auch aus eigener Kraft einhalten könne. 0018

Dem hat die katholische Kirche ihre biblisch begründete Gnadenlehre entgegengesetzt, wonach Gottes Huld und Hilfe den Menschen überhaupt erst zum Glauben und zur Nachfolge Christi befähigt.

Die Betonung der Gnade Gottes ist also keine „Entdeckung Luthers“, wie Pater Cantalamessa vorgibt, sondern seit jeher katholische Lehraufassung gewesen und geblieben; sie wurde von Thomas v. Aquin ebenso betont wie vom Trienter Konzil bestätigt. 

Luther hat hingegen das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, indem er die Heilsnotwendigkeit der guten Werke leugnete und zudem erklärte, daß die Einhaltung der Gebote Gottes keine Voraussetzung für das ewige Heil sei. Dies hat Christus allerdings anders gelehrt: „Wer mich liebt, der hält meine Gebote“, ebenso verkündeten es Jakobus und auch Paulus, auf den Luther sich zu Unrecht als seinen vermeintlichen Kronzeugen berufen hat.

Seine starke Hinneigung zu Luther hat P. Cantalamessa schon in den 90er Jahren auf pfingstlerisch-protestantischen oder ökumenischen Konferenzen der Charismatischen Bewegung erwähnt, wobei er sich einer erfreuten Zuhörerschaft sicher sein konnte.

So wird es wohl auch Anfang Oktober 2016 wieder der Fall sein, wenn der päpstliche Hausprediger als Redner an einem ökumenischen Kongreß namens „Pfingsten 21“ in Würzburg teilnimmt, den katholische und evangelische Charismatikerverbände in Deutschland gemeinsam organisieren. (Näheres hier: http://www.erneuerung.de/index.php/veranstaltungen?task=view_event&event_id=31)

Das typische Leitwort lautet: „Gottes Geist schenkt Einheit“  – und wieder einmal geht es um die „Sehnsucht nach einem neuen Pfingsten im 21. Jahrhundert“.

Seit Jahrzehnten wollen „Geistbewegte“ eine Zeit großartiger weltweiter „Erweckung“ herbeireden und eine Art Neuauflage des Pfingstereignisses ankündigen. Diese Endzeitschwärmerei stimmt allerdings mit der nüchternen biblischen Prophetie nicht überein. Aber das enthusiastische Wunschdenken ist hier offenbar stärker als der Sinn für die Wirklichkeit.

 


Theologisch unausgegorene Äußerungen der „Madonna“ von Medjugorje

Von Felizitas Küble

Kürzlich haben wir uns mit dem Buch „Gedanken über Medjugorje“ von Dr. Ewald Kurtz befaßt, dem man immerhin zugutehalten kann, daß er sich innerhalb der Medju-Literatur um ein höheres Niveau bemüht: https://charismatismus.wordpress.com/2015/06/26/medjugorje-ist-die-erscheinende-gestalt-eine-lebendige-person/

Der Autor will in seiner 92-seitigen Schrift jenen Nachweis erbringen, den er in seinem Untertitel thematisiert: „Die erscheinende Gestalt als lebendige Person.“  884bb991a79922716df25fc4342f10d8_XL

Dem Verfasser zufolge zeigt sich die Glaubwürdigkeit bzw. Echtheit einer Erscheinung auch daran, ob in ihr die individuellen Züge einer lebendigen Persönlichkeit erkennbar sind, also nicht nur ein schablonenhafter Ablauf erfolgt bzw. bloß schematische Äußerungen vorliegen.

Wie bereits in unserem ersten Artikel dargelegt, eignen sich die vom Autor erwähnten Gospa-Zitate allerdings nicht, um seinen Anspruch zu begründen, weil jene Aussagen sich entweder als unsinnig oder als theologisch irrtümlich erweisen.

Medjugorje-Zitate belegen das Gegenteil des Erwünschten:

Hier folgen dazu ein paar weitere Beispiele aus dem zweiten Teil des Buches:

Auf Seite 39 bringt der Medjugorje-Anhänger folgende Gospa-Aussagen, welche die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen stützen sollen: „Opfert euer Leben für die Rettung der Welt!“ 

Erstens hält sich das „Opferleben“ der Medju-Seher offensichtlich in ganz engen Grenzen  – und zweitens können selbst die frommsten Christen mit noch so hochherziger Askese keine „Rettung der Welt“ vollziehen, zumal Christus vor zweitausend Jahren dieses Heilswerk bereits vollbracht hat.

Sodann fordert die vermeintliche Himmelsmutter dazu auf, daß alle „mit mir durch das Gebet eine neue Welt des Friedens aufbauen“ mögen; zudem sollen sie fasten, denn das wolle sie  –  die Madonna  – „ihrem Sohn Jesus für das Kommen einer neuen Zeit, einer Zeit des Frühlings, darbringen“.

Diese Endzeitschwärmerei bzw. Ankündigung eines kommenden Friedensreiches und einer „Zeit des Frühlings“ ist erstens weltfremd und zweitens bibelfremd, denn die Heilige Schrift kündigt für das Ende der Zeiten einen schlimmen Glaubensabfall an  –  und nicht etwa eine „neue Welt des Friedens“ etc. ???????

Auf Seite 40 wird die Erscheinung wie folgt zitiert: „Ich lade euch ein, euch mir ganz zu öffnen, damit ich durch jeden von euch die Welt bekehren und retten kann, die von Sünde und von all dem voll ist, was nicht gut ist.“

Abgesehen von der banalen Ausdrucksweise besitzt die Himmelsmutter weder mit noch ohne diese Seherschar eine Vollmacht, um die Welt zu „retten“, weil dies allein ihr göttlicher Sohn vermag. Kein Geschöpf ist hierzu imstande, auch nicht Maria, das edelste und am meisten von Gott begnadete Geschöpf.

1997: „Bald werdet ihr diesen Botschaften nachtrauern“.

Am 25.8.1997 sagte die Erscheinung: „Bald wird die Zeit kommen, in der ihr diesen Botschaften nachtrauern werdet.“  –  Der Autor fügt eigens hinzu: „Klarer kann sie das ihr bekannte Ende kaum ausdrücken.“ (S. 41)

Nun sind inzwischen weitere 18 Jahre vergangen  – und von „bald“ wird man insofern kaum sprechen können!

Bekanntlich haben die Sehermädchen Vicka und Marija im ersten Jahr der Erscheinungen (nämlich 1981) bereits öffentlich verkündet, es stände endgültig fest, daß sie ins Kloster gehen. Darauf wartet die Welt heute noch (es ist ohnehin nicht mehr möglich, denn beide Damen sind längst verheiratet).

Auch die Medjugorje-Visionärin Ivanka wurde keine Ordensfrau, obwohl es offenbar der „Wunsch“ der Erscheinung war, wie der Autor selber zitiert:

„Wenn ihr ins Kloster gehen wollt, so wäre das auch mein Wunsch. Aber wenn ihr es nicht wollt, ist es besser, ihr tut es nicht.“ (S. 50)

„Erlaubt nicht, dass mein Herz blutige Tränen weint…“

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Der Verfasser hält die „erscheinende Gestalt“ auch deshalb für eine „lebendige Person“, weil sie immer wieder besondere Empfindungen wie „Trauer, Leiden und Freude“ ausdrücke. Freilich erscheinen manche Gefühlsäußerungen theologisch recht merkwürdig, zB. folgende:

„Ich bitte euch, erlaubt nicht, dass mein Herz blutige Tränen über jene Seelen weint, die in der Sünde verloren gehen.“ (S. 54)

Wie sollte die im Himmel hochgradig glückselige Gottesmutter denn überhaupt „blutige Tränen“ weinen?  –  Zudem findet das Weinen mit den Augen und nicht mit dem Herzen statt.

Die besonders interview-freudige Seherin Vicka wird auf S. 55 wie folgt zitiert: „Das Gesicht der Gospa sieht aus wie bei  jemandem, der anfangen wird zu weinen. Und am nächsten Tag sieht es nicht besser aus, im Gegenteil:  jeden Tag leidet sie mehr.“

Da fragt man sich: Wenn eine tägliche Leidenszunahme auf dem Antlitz der Erscheinung erkennbar ist, wie wird das Gesicht der Erscheinung jetzt nach über 34 Jahren wohl aussehen?!

Reichlich unausgegoren ist auch jene Gospa-Aussage, die der Autor auf S. 68 erwähnt:

„Liebe Kinder, ihr wißt, daß ich euch unermesslich liebe und dass ich einen jeden von euch für mich will. Aber Gott hat allen die Freiheit gegeben, die ich in Liebe achte und ich verneige mich in meiner Demut vor eurer Freiheit.“

Erstens läßt es tief blicken, daß die Erscheinung einräumt, daß sie die Seher eigentlich „für mich“ will (also nicht für Gott?!).

Zweitens respektiert der Himmel zweifellos die menschliche Freiheit, aber nicht in der Weise, daß er sich davor „verneigt“, als stände der Mensch samt seiner (von Gott verliehenen!) Freiheit auf einem ganz hohen und verehrungswürdigen Podest.

Drittens wird die wahre Gottsmutter sich nie ihrer eigenen Demut rühmen, denn wer dies tut, ist schon nicht mehr wirklich demütig!

 

 


Pater Jacek Skowronski und seine merkwürdigen „charismatischen“ Methoden

Endzeitschwärmerei und „Heilungs“-Versprechungen

Pater Jacek Skowronski ist ein vor 24 Jahren geweihter katholischer Priester; er gilt als Exorzist und charismatischer Beichtvater (mit „Seelenschau“ inklusive). Zudem leitet er ein Exerzitienhauses in Stettin; zugleich ist dieser „Heilungs-Pater“ Moderator einer sog. „Legion der Kleinen Ritter“ und betreibt eine eigene Homepage.Herz-Jesu_01

Auf seiner polnisch-sprachigen Webseite verkündet er in typisch schwarmgeistiger Manier das baldige „Zweite Kommen“ Christi und eine vorhergehende himmlische „Warnung“ aller Erdenbewohner (insofern verwandt mit den irrgeistigen „Warnungs“-Botschaften jener entlarvten irischen „Seherin“).

Der angeblich besonders „begnadete“ Geistliche will schon als Kind übernatürliche Visionen erlebt haben und erhält (eigenen Angaben zufolge) ständig weitere Einsprechungen und Offenbarungen „von oben“.

Kürzlich sandte uns ein in NRW lebender katholischer Pfarrer, den wir seit vielen Jahren persönlich kennen, einen Erlebnisbericht über die Exerzitien dieses „charismatischen“ Paters , welche er vorigen Herbst in Frankfurt-Nidderau zwei Tage lang durchführte. media-FZMqzvujo1V-2

Hier folgt nun der Erfahrungsbericht unseres Pfarrers:

„Ich beteiligte mich an den Gebetstagen mit P. Jacek Skowronski in der Katholische Kirche in Frankfurt-Nidderau. Die Gebetstage begannen am Samstag mit Lobpreisliedern und Anbetung, wie dies häufig in charismatischen Tagungen der Fall ist.

Danach gab es vier Konferenzen über außergewöhnliche Wirkungen des Hl. Geistes und über das Thema „Heilung“. Die Vorträge hielt Pater Jacek Skowronski in polnischer Sprache. Ein Arzt aus Bayern übersetzte seine Ausführung simultan ins Deutsche.

Doch der „Heilungs“-Priester hat manchmal ziemlich leise gesprochen, so dass der Übersetzer nicht alles mitbekommen hat, worauf Pater Jacek mehrmals sehr ärgerlich reagierte.

Am nächsten Tag gab es erneut auch „Lobpreis“-Gesang und Vorträge über den Heiligen Geist und seine Wirkung bei den Menschen. Vor der hl. Eucharistie hat der charismatische Pater seine „Gebete um Heilung“ gesprochen; danach sagte er, dass fünf schwerhörige Personen geheilt sind.

Mehrfach forderte er deutlich dazu auf, dass die „Geheilten“ sich melden sollen, doch niemand reagierte. Nach mehrfachem weiteren Drängen haben sich nach einiger Zeit drei Personen gemeldet. Ich frage mich aber, welche „Heilung“ das wohl gewesen ist?

Während einer Pause meldete sich aber ein junges Ehepaar, deren Kind seit vielen Monaten im Krankenhaus lebt, es wurde schon drei Mal erfolglos operiert. Sie brachten ein Foto des Kindes mit und baten Pater Jacek, er möge um Heilung beten. Aber er hat sich nicht dafür interessiert, sondern die Eltern des Kindes ungerührt weggeschickt.

Außerdem hat er bei den Heilungsgebeten mit den Händen „nachgeholfen“ bzw. seine Handflächen auf die Gläubigen zugeschoben. Auch dies hat Christus nie getan, sondern ER sprach zu seinen Aposteln: „Empfangt den Heiligen Geist.“ 

Zudem ist mir aufgefallen: In Frankfurt am Main existiert eine große Polnische Katholische Mission; viele polnische Priester wirken dort; zudem arbeiten in der Umgebung einige von ihnen in der deutschen Seelsorge, aber keiner kam zu den Exerzitien von P. Jacek Skowronski.“

Fotos: Archiv, Dr. Bernd F. Pelz


Pfingstfestival mit 5000 Jugendlichen in Salzburg zeigt schwärmerische Tendenzen

Pfingstprediger Pete Greig und seine charismatische „Vision“

Am Pfingstwochenende dieses Jahres wurde in Salzburg ein äußerlich sehr erfolgreiches Festival veranstaltet, das 14. „Fest der Jugend“, an dem ca. 5000 Jungen und Mädchen aus ganz Europa teilnahmen, wobei viele von ihnen zur Beichte gingen oder still im Dom beteten  –  soweit durchaus erfreulich.

Gemeinsam mit mehreren Bischöfen und zahlreichen Priestern feierten die vorwiegend jungen Leute ab dem 17. Mai 2013 vier Tage lang mit Andachten, Gottesdiensten, Katechesen, Theateraufführungen und Gruppengesprächen, zudem mit heißen Rhythmen, Tänzen und der in charismatischen Kreisen üblichen “Lobpreismusik”. ???????

Die Massenaufläufe von Freitag bis Pfingstmontag standen unter dem Motto „Neues Feuer braucht das Land“; sie waren vielfach geprägt von gruppendynamisch-suggestiven Elementen (z.B. in etlichen Ansprachen oder im Rahmen der „Gebetsteams“) sowie euphorischen Manifestationen.

Die Großveranstaltungen wurden meist von Georg Meyer Melnhof (GMM) moderiert, einem Sproß der bekannten österreichischen Großgrundbesitzerfamilie Meyer Melnhof. GMM ist ein katholischer Familienvater und Religionslehrer, der einst Priester werden wollte, das Seminar verließ, heiratete und später die Loretto-Gemeinschaft gründete, die sich auf den italienischen Marienwallfahrtsort Loreto bezieht.

Die von GMM initiierten Loretto-Gebetsgruppen verstehen sich als „marianisch – eucharistisch – charismatisch“ und sind in ganz Österreich verstreut.

Pfingstprotestantische Gebetsbewegung 24/7

Die früheren „Pfingst-Kongresse“ dieser Gemeinschaft werden heute als „Fest der Jugend“ bezeichnet. Das diesjährige Festival wurde vom erscheinungsbewegten „Radio Maria“ größtenteils live übertragen. Dieser große Andrang der Jugend zu einem christlichen Festival mag zunächst positiv erscheinen.

Manches jedoch, was dort inhaltlich präsentiert wurde, zumal von Vertretern der protestantisch-pfingstkirchlichen “Gebetsbewegung 24/7″, erweist sich als fragwürdig bis irrgeistig. (Die Zahlenfolge “24/7“ bezieht sich auf das 24-stündige Gebet in einer 7-Tage-Woche; in der Loretto-Gemeinschaft konkret auf die eucharistische Anbetung.)

Gründer und nach wie vor führender Vertreter der charismatischen Gebetsbewegung „24/7“ ist Pete Greig; seine endzeitschwärmerische “Vision” spielte beim Salzburger Jugendfest eine große Rolle. Dieser Greigschen 24/7-Bewegung hat sich auch die erwähnte katholische Loretto-Gemeinschaft angeschlossen, die das „Fest der Jugend“ in Salzburg organisierte.

“Der HERR rüstet weltweit sein Volk”…

Wie zu erwarten war, veröffentlichte die Nachrichtenseite „Kath.net“ einen begeisterten Jubelbericht über dieses österreichische Festival. Unter dem Zwischentitel “Der HERR rüstet weltweit sein Volk” schreibt das Internetportal Folgendes: PAX

“Die Bibel in Joel 3 beschreibt die Folgen von Gebet, mittlerweile nicht nur bei 24/7 oder Loretto, sondern weltweit neu entflammt zu beobachten:

“Danach aber wird es geschehen, / dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, / eure Alten werden Träume haben / und eure jungen Männer haben Visionen.”

Unsere Gebete mobilisieren den Himmel, erneuern die Kirche und verändern die Welt. Durch Gebet erfahren wir Gott, seine Gegenwart, seine Kraft, seine Herrlichkeit, seine Barmherzigkeit.“

Dieses Zukunftsbild einer weltweiten “Erweckung” ist typisch für die Charismatische Bewegung, die sich hierbei gerne auf “Joel 3″ im Alten Testament beruft.

Ist diese verheißungsvolle Bibelstelle angesichts zahlreicher Visionäre unserer Zeit, “begnadeter” Seher, so vieler “Heiler” und “Propheten” nicht wunderbare Wirklichkeit geworden?

“Joel 3″ ging bereits in Erfüllung

Der Schein trügt, weil diese Ankündigung zu Pfingsten bereits in Erfüllung ging, wie das NT bestätigt:

Der hl. Apostel Petrus verweist auf diese alttestamentliche Verheißung (vgl. Apg 1,16 f), um damit die Ausgießung des Heiligen Geistes in der Jerusalemer Urgemeinde zu erklären. Das Pfingstereignis ist somit die “Lösung” dieser Prophetie. Das will man in Schwärmerkreisen ungern wahrhaben, weil dies eigenen Träumen einer heutigen (!) Verwirklichung von Joel 3 widerspricht. polskaweb

Im Festival-Heft der Loretto-Gemeinschaft wird passend dazu eine “Vision” von Pete Greig präsentiert, die aus dessen Buch “Red Moon Rising” stammt.

Greig, der in einer protestantischen Freikirche hochkam und heute in der anglikanischen “Church of England” aktiv ist, gilt gleichsam als Urvater der neuen 24/7-Aufbrüche; er ist mittlerweile deren “Gebets-Direktor.“

Der Charismatiker lebt im englischen Guildford mit seiner Frau und zwei Kindern. Seine 24/7-Bewegung praktiziert eine stark von Rockrhythmen geprägte „Lobpreismusik“ und beeinflußt zunehmend auch die katholisch-charismatische „Erneuerung“, z.B. die dort angesiedelte Jugendbewegung FCKW; das Kürzel dieser stark von „24/7“ geprägten Initiative bedeutet: „Fröhlich  – Charismatisch Katholisch (sind) wir“.

Pete Greigs “prophetischer Traum”

Die Webseite der Lorettogemeinschaft (Loretto.at) schreibt Folgendes zu Pete Greigs besonderer „Vision“:

“Seine „VISION“ haut mich jedesmal wieder vom Hocker, wenn ich sie lese – du findest sie gleich im Anhang…Frag dich, was du schon erkennen kannst von diesem prophetischen Traum. Mir kommt vor, es wird immer klarer, immer spannender, immer verrückter.

Pete Greig betete mit vielen Leute letzte Woche bei einem Kongress in Frankfurt über unsere kleine Gemeinschaft und die Prophetischen Worte, die geschenkt wurden, waren phantastisch…Komm und sei dabei  –  der HERR sammelt und salbt sein Volk in diesen Tagen und viele bemerken es schon: Der Riese ERWACHT!”

Unreife Schwärmerei, mag man zunächst denken, doch dahinter steckt mehr als nur Naivität oder pubertärer Überschwang.

Das hier gefeierte Traumbild ist typisch für die charismatische Vorstellung einer anbrechenden “globalen Erweckung”; die Vision hat also durchaus “System”, sie ist Teil eines festgefügten Gedankenkonzeptes, das freilich in immer neuen und verschiedenartigen Facetten präsentiert wird.

Diesmal ist die enthusiastische Ankündigung in einer sehr dramatisch klingenden, wohl unbedingt “modern” sein wollenden Sprache formuliert, was sich aus der Eigenart des Greigschen Stils ergibt.

Hier folgen einige wesentliche Abschnitte daraus:

“Die Vision ist JESUS  –  der gefährliche, unverwechselbare Jesus. Der Jesus, der dich total in Beschlag nimmt. Die Vision ist eine Armee von jungen Leuten. Du siehst Totengebeine? Ich sehe eine Armee. Und sie sind FREI vom Materialismus…

Sie können Kaviar am Montag essen und Brotrinde am Dienstag. Sie würden noch nicht mal den Unterschied merken. Sie sind mobil wie der Wind und gehören den Nationen. Sie brauchen keinen Pass. Die Leute schreiben ihre Adressen nur noch mit dem Bleistift auf und fragen sich, was für merkwürdige Typen sind das bloß? Sie sind frei, und doch Sklaven der Verwundeten, Dreckigen, Sterbenden.

„Für sie ist das Gute nicht gut genug“

Was ist die Vision?  –  Die Vision ist Heiligkeit, Heiligkeit, die den Augen weh tut. Sie bringt Kinder zum Lachen und ärgert die Erwachsenen. Es geht um Leute, die das Spiel aufgegeben haben, nach außen hin eine weiße Weste zu haben, um Eindruck zu schinden. Es geht um Leute, die nach den Sternen greifen. Für sie ist das Gute nicht gut genug, sie strecken sich nur nach dem Besten aus.

Geradezu gefährlich reine Leute. Sie brauchen ihre geheimen Motive nicht zu verstecken, und auch nicht ihre privaten Gespräche. Es sind Leute, die andere von ihren selbstmörderischen Abenteuern weglieben, weg von ihren satanischen Spielen. Es geht um eine Armee, die ihr Leben für die große Sache lassen wird. Eine Million mal pro Tag sind ihre Soldaten bereit, eine Niederlage einzustecken, um eines großen Tages den entscheidenden Sieg zu erringen und zu hören: „Gut gemacht, ihr treuen Söhne und Töchter“.

Dabei geht es bei diesen „Abenteurern“ aber keineswegs nur um ein kleines Häuflein von Idealisten und Anhängern  –  nein, die „Vision“ spricht euphorisch von einer „großen Masse“:

„Diese Helden sind am Montagmorgen genauso radikal wie am Sonntagabend. Sie haben es nicht nötig, sich einen großen Namen zu machen, ihre eigene Ehre zu suchen. Darüber können sie nur müde lächeln. Es geht nicht um einzelne Stars, sondern um die große Masse, die immer wieder denselben Kriegsschrei auf den Lippen hat: „Vorwärts, COME ON!“  – Und sie sind diszipliniert. Jünger, junge Leute, die ihren Körper zum Gehorsam zwingen.

Jeder Soldat bereit, für seinen Kriegskamaraden eine Kugel abzufangen. Das Tattoo auf ihrem Rücken sagt: „Christus ist mein Leben, Sterben ist mein Gewinn.“   –  Opferbereitschaft lässt das Feuer des Sieges in ihren Augen brennen. Sie schauen nicht nach unten, sondern nach oben. Sieger, Märtyrer. Wer kann sie aufhalten? Können Hormone sie zurückhalten? Können Niederlagen sie entmutigen? Kann Furcht ihnen Angst einjagen, kann der Tod sie umbringen?

Mit Blut, Schweiß und Tränen…“

Würden sie ihr Image oder ihre Beliebtheit aufgeben? Sie sind bereit, selbst ihr eigenes Leben niederzulegen, mit den Todeskandidaten – schuldig wie die Hölle selbst – den Platz zu tauschen. Den elektrischen Stuhl statt eines Thrones. Mit Blut, Schweiß und Tränen, in vielen schlaflosen Nächten und an fruchtlosen Tagen beten sie, als ob alles von Gott abhängt, und sie leben, als ob alles von ihnen abhängt.

Ihr genetischer Code ist JESUS. Er atmet aus – sie atmen’s ein. Bei ihnen singt selbst das Unterbewusstsein. Sie hatten eine Bluttransfusion von Jesus. Ihre Worte bringen die Dämonen in den Einkaufszentren zum Schreien. Hörst du diese Armee kommen? Blast die Posaune für die Verrückten! Ruft sie zusammen, die Verlierer und Freaks.

Hier kommen sie, die Ängstlichen und Abgelehnten mit Feuer in ihren Augen. Sie laufen aufrecht, und die Bäume klatschen Beifall, die Hochhäuser verbeugen sich, die Berge erscheinen klein, verglichen mit diesen Kindern einer anderen Dimension.

Ihre Gebete mobilisieren den Himmel und wecken den alten Traum von Eden wieder auf. Und diese Vision wird wahr werden, sie wird erfüllt werden. Sie wird mit Leichtigkeit geschehen, und zwar bald. Woher ich das weiß? Weil es das Sehnen der ganzen Schöpfung ist, das Stöhnen des Geistes, der Urtraum Gottes.“

Theologisch gefährlich: Post-Millenarismus

Soweit „Urvater“ Pete Greigs enthusiastische „Vision“, die eine solch positive Aufnahme ins katholische Salzburger Festivalheft fand. Der Herr Prophet war auch selber auf dem Jugendkongreß anwesend und hielt dort Referate und Katechesen.  

Allerdings handelt es sich bei Greigs Vision nicht nur um eine schwärmerische Schreiberei; sie gehört vielmehr zum problematischen Post-Millenarismus, der weder von der Hl. Schrift noch vom kirchlichen Lehramt her legitimiert ist.

Dieser chiliastische Standpunkt geht davon aus, daß durch wirkmächtige  Verkündigung und eine phänomenale Geist-Aussendung ein weltweites christliches Friedensreich entstehen wird. Christus erscheint danach als Weltenrichter: also zunächst kommt das “Millennium”, dann erst die Wiederkunft Christi.

Diese These, die konfessionsübergreifend in Charismatikerkreisen verbreitet ist, wird von der kath. Kirche abgelehnt, zumal sie der Heiligen Schrift widerspricht, vor allem den klaren Paulusworten in 2 Thess 2,2 ff.

Glaubenskongregation lehnt Vassulas Visionen ab

Kardinal Joseph Ratzinger erließ als Präfekt der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur griechisch-orthodoxen “Seherin” und angeblichen “Stigmatisierten” Vassula Ryden. 75743_14122011

Darin werden einige Irrtümer der “Visionärin” aufgelistet, darunter auch ihre post-millenaristischen bzw. chiliastischen Vorstellungen; so heißt es z.B. wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas “Botschaften”.

“In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.”

Nicht erst heute, schon durch die Jahrtausende hindurch hat das kirchliche Lehramt mit seiner nüchternen Haltung endzeitschwärmerische „Botschaften“ abgelehnt, so bereits im 2. Jahrhundert entsprechende Visionen des selbsternannten Propheten Montanus und seiner beiden „begnadeten“ Gefährtinnen, die zusammen mit dem Wanderprediger viele enthusiastischen Anhänger sammelten und sektiererische Gemeinden gründeten.

Im Hochmittelalter erteilte die Kirche ähnlich gearteten Spekulationen des Joachim von Fiore ebenfalls eine klare Absage: Der italienische Abt kündigte ein Heilig-Geist-Friedensreich an, das vor der Wiederkunft Christi eintreten werde; er bezeichnete diese ersehnte Phase übrigens als „Drittes Reich“, denn nach dem Reich des Vaters im Alten Bund und dem Reich des Sohnes  im Neuen Bund sei dies als drittes heilsgeschichtliches Zeitalter auf Erden anzusehen.

Das katholische Lehramt lehnte Fiores Vorstellungen eindeutig ab: sowohl wegen der postmillenaristischen Verirrung wie auch wegen seiner ecclesiologischer Ideen über jenes kommende Heilig-Geist-Reich, das die Menschen direkt “von oben her” geisterleuchte, so daß sich die Kirche als Instanz der Glaubensvermittlung weitgehend zu erübrigen schien.

Nicht angeblich prophetische „Visionen“ oder spekulative Traumwelten sind für die Kirche wegweisend, sondern die Ausführungen des hl. Paulus, der im 2. Brief an die Thessalonicher bereits vor „Naherwartungen“ und Endzeitschwärmerei warnte. nikolaus

Der Völkerapostel verdeutlicht, daß die Zeit unmittelbar vor der Wiederkunft Christi keineswegs durch ein universales christliches Reich geprägt ist, sondern vielmehr durch Glaubensabfall, (un)sittlichen Niedergang und das verführerische Auftreten des Antichristen (2 Thess 2,2-9):

„Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der „Tag des Herrn“ sei schon da.

Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt. (…)

Dann wird der gesetzwidrige Mensch allen sichtbar werden. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten.

Der Gesetzwidrige aber wird, wenn er kommt, die Kraft des Satans besitzen. Er wird mit großer Macht auftreten und trügerische Zeichen und Wunder vollbringen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

DIESER ARTIKEL erschien auch in der Zeitschrift THEOLOGISCHES (Nr. 7 – 8/2013)