Amsterdam und die erste „Erscheinung“ der Frau aller Völker am 25. März 1945

Von Felizitas Küble

Wenn es um die Beurteilung von Privatoffenbarungen geht, ist vor allem der Beginn derselben von Bedeutung, besonders die erste der „Erscheinungen“. Dies gilt auch für die angeblichen Marienbotschaften von Amsterdam, die ab 1945 jahrelang an die niederländische „Seherin“ Ida Peerdemann ergingen. 

Zudem erscheint es sinnvoll, möglichst ältere Druckwerke zu verwenden, weil sich beim Abschreiben von Buch zu Buch sonst allzu leicht Änderungen einschleichen können  – sei es absichtlich oder eher leichtfertig.

Die 48-seitige Broschüre „Die Botschaft der Frau aller Völker“ von Pater Herrmann Brouwer (siehe Abbildung) erschien bereits 1967, als Adresse wird im Impressum die holländische Anschrift eines Komitees „Frau aller Völker“ (Vrouwe van alle Volkeren“) angegeben.

In dieser  –  den Amsterdamer Erscheinungen sehr gewogenen  –  Publikation findet der Leser ab Seite 11 eine Beschreibung der ersten „Botschaft“ jener sogenannten „Frau aller Völker“, wobei es sich hier um einen Marientitel handelt, den es bislang in der Kirche amtlich weder gab noch gibt.

In der Schilderung ist auch Pater J. Frehe erwähnt, der damalige „Seelenführer“ von Ida Peerdemann; er war bei jener ersten Erscheinung am 25. März 1945  – also am Fest der Verkündigung des HERRN und inmitten des 2. Weltkriegs  –  direkt anwesend, ebenso eine Schwester der Visionärin.

Pater Brouwer, der Autor, zitiert nun wörtlich aus dem Bericht der „Seherin“ über ihr damaliges Erlebnis in ihrer Wohnung in Amsterdam; darin heißt es:

„Wir unterhielten uns eifrig, als ich plötzlich…ins andere Zimmer hingezogen wurde. Ich schaute und sah dort plötzlich ein Licht ausstrahlen….Ich stand auf und mußte darauf zugehen….Es war ein Meer von Licht und eine leere Tiefe. Es war kein Sonnenlicht und auch kein elektrisches Licht…Aber es war eine leere Tiefe.“

Zunächst fällt die zweimalige Erwähnung einer „leeren Tiefe“ auf. Zudem „mußte“ Frau Peerdemann dem Licht näherkommen. Offenbar war es nicht ihre freie Entscheidung, sondern sie wurde gleichsam wie magnetisch dorthingezogen.

Derlei Phänomene sind grundsätzlich problematisch, da der wahre Gott die Willensfreiheit des Menschen respektiert, die ER ihm selber verliehen hat.

Zurück zur „leeren Tiefe“; der Fortgang des Berichts lautet: „Und aus dieser Tiefe sah ich plötzlich eine Gestalt hervortreten…, eine weibliche Figur…Sie stand da mit gesenkten Armen und die Handflächen mir zugekehrt.“

Die vermeintliche Madonna kam also wohlgemerkt aus der „Tiefe“ (!) – sicherlich aufschlußreich. Sie hielt die Hände überdies nicht zum Gebet gefaltet, sondern hatte „die Handflächen“ der Seherin „zugekehrt“. In der Schilderung heißt es weiter: „Ich dachte, das muß doch die Heilige Jungfrau sein, etwas anderes ist nicht möglich.“

Damit wurde schon der erste Schritt falsch gesetzt, denn  „etwas anderes“ ist sehr wohl möglich   – zum Beispiel innerseelische Ursachen, Halluzinationen, Wunschbilder, intensive Wachträume, aber auch die Gefahr einer dämonischen Täuschung. Immerhin warnte schon Paulus die Urchristen davor, daß der Satan auch als „Engel des Lichtes“ erscheinen könne.

Das erste Wort der „Figur“ lautet: „Sprich mir nach.“  – Tatsächlich begann Peerdemann, ihr Wort für Wort alles nachzusprechen. Pater Frehe, ihr Beichtvater, und ihre Schwester hatten sich um sie geschart, wie der Bericht schildert: „Ich hörte Pater Frehe sagen: „Was tut sie nun, jetzt wird sie auch noch heilig.“

Das klingt eher ironisch, kann aber auch eine ratlose-überraschte Spontanbemerkung sein.

Danach habe er die Schwester aufgefordert, alle Worte Peerdemanns aufzuschreiben. Sodann habe der Geistliche sie aufgefordert, die Erscheinung zu befragen, wer sie sei:

„Und dann fragte ich:  „Bist du Maria?“ – Die Gestalt antwortete: Sie werden Mich die Frau nennen, Mutter.“ – Und während sie das sagte, lächelte Sie….Da hörte ich Pater Frehe sagen: „Die Frau? Davon habe ich noch nichts gehört, die Frau?“ – Und er und meine Schwester, die alles aufschrieb, begann darauf, laut zu lachen.“

Als die Vision zu Ende war, habe der Priester gefragt: „Wie war das nun eigentlich?“  – Sie habe geantwortet, sie wisse es auch nicht, denke aber, „daß es Maria war“: „Ach“, sagte er, doch weiter gab er keinen Kommentar.“

Der Pater war mit Recht erstaunt und wohl etwas ratlos, weil sich die angebliche Marienerscheinung schlichtweg als „die Frau“ vorstellte (später ergänzt durch den  – in der Kirche ebenfalls neuen – Titel „Frau aller Völker“). Interessant auch, daß die beiden Augenzeugen, der Priester und die Schwester, bei dieser ersten Erscheinung „laut lachten“.

Doch das reicht nicht; der Geistliche hätte die „Seherin“ sofort auf die Gefahr von Täuschungen (sei es von „innen“ oder von „unten“) aufmerksam machen sollen, statt sich mit einem „Ach“ und Gelächter zu begnügen.

Wenn die Sache schon derart fragwürdig anfängt, braucht man sich über den „Rest“ der „Botschaften“ nicht weiter zu wundern.

HIER finden interessierte Leser weiter zwölf kritische Artikel über den Mythos um die „Frau aller Völker“, die angeblich „einst Maria war“: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/amsterdam-frau-aller-volker/

2. Foto: http://www.de-vrouwe.info/

 

 

 


Warum die Kirche seit jeher mit Erscheinungen und Visionen vorsichtig ist

Alle großen Heiligen warnen vor Erscheinungen. Sie wissen, dass die gefallenen Geister dem Menschen um ein Vielfaches überlegen sind, und ihnen ohne jede Schwierigkeit etwas vorgaukeln können.

Eine gewichtige Stelle findet sich im 2. Korintherbrief des hl. Apostels Paulus: „Denn diese Leute sind Lügenapostel, hinterlistige Arbeiter, die sich als Apostel Christi ausgeben. Und das ist kein Wunder  –   selbst der Satan erscheint als Engel des Lichtes.“ slider3-640x360

Auf diese Stelle nimmt der hl. Ignatius Bezug, wenn er vom Teufel in der Lichtgestalt spricht:

„Dem bösen Engel, der sich in einen Engel des Lichtes umwandelt, ist es eigen, mit der frommen Seele einzutreten und mit sich selbst wieder auszutreten, das heißt, er pflegt erst gute und heilige Gedanken, die einer solchen gerechten Seele entsprechen, einzuflößen, und dann versucht er langsam beim Weggehen, die Seele in seine versteckten Trügereien und schlechten Absichten hineinzuziehen.“ (Zweite Woche, Regel 4).

Hier ist die ganze Diabolität des teuflischen Wirkens noch einmal zusammengefasst:

Der Teufel tritt mit der frommen Seele ein, das heißt er sagt und bekennt das, was auch der frommen Seele zusagt und sie anzunehmen bereit ist, er tritt aber mit sich selbst wieder aus. Wenn er geht, hat er das Augenmerk der Seele ganz auf sich gerichtet und zwar so, dass es der Mensch in der ganzen Zeit nicht gemerkt hat.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Zur Frage, ob es sich nur um Phantasie oder um dämonisches Einwirken handelt, soll M. E. Grialou zur Sprache kommen:

„Meistens handelt es sich (…) nur um ein gewisses Einwirken des Satans auf die überreizte Phantasie, auf die durch Krankheit geschwächten Sinne oder auf Personen mit Veranlagung zur Schwermut. In diesen Fällen bemüht sich der Satan, Phantasiegebilde vorzugaukeln.

Anfangs nutzt er die körperliche Schwäche der betreffenden Personen oder ihr Verlangen nach außerordentlichen Gnaden aus und verleitet sie zu Abtötungen, die sie total erschöpfen.

Durch zunehmende physische Schwäche findet er in den Sinneskräften eine größere Empfänglichkeit für die von ihm bewirkten Vorspiegelungen und Sinneseindrücke. Der Teufel kann seine Macht umso besser ausüben, je weniger sich diese Menschen von der Vernunft leiten lassen.“

Theresia von Avila äußert sich in derselben Weise:

„Manchmal, ja oft kann es Einbildung sein, besonders bei Leuten mit kranker Phantasie oder bei Melancholikern – ich meine solche, die an besonders starker Schwermut leiden. Bei Menschen dieser beiden Gruppen darf man dem meiner Meinung nach kein Gewicht beimessen, auch wenn sie sagen, dass sie es sehen und hören und verstehen.

Man sollte sie aber nicht dadurch beunruhigen, dass man sagt, es sei der Satan; sondern sie anhören, wie man Kranke anhört. (…) Es ist freilich unumgänglich, die Sache insofern zu beachten, als man der betreffenden Person das innere Gebet untersagt und mit allen Kräften darauf hinwirkt, dass sie dem ganzen kein Gewicht beimisst; denn der Satan pflegt kranke Seelen dieser Art zu seinem Vorteil zu gebrauchen  –  wenn nicht zu ihrem eigenen Schaden, so doch zu dem von anderen.“ media-375643-2

Es stellt sich die Frage, wie weit der Teufel himmlische Erscheinungen nachäffen darf. Grialou gibt hier klare Antwort:

„Die übernatürlichen Gnadenerweise Gottes nachzuahmen, ist ein schwierigeres Kunststück. Doch auch daran wagt sich der Satan. Es gibt nicht viele außerordentliche Gnaden, die nicht ihr trügerisches Gegenbild fänden. Sobald sie der Satan beobachtet, scheut er keine Mühe, deren fühlbare Wirkungen zu reproduzieren.

Selbst wenn der Betrug sofort entdeckt wird, hinterlässt er bei seinem Opfer das Gefühl des Unbehagens. (…) Wird der Trug nicht bemerkt, kann er den Menschen in Irrtümer stürzen, die für ihn und seine ganze Umgebung gravierende Auswirkungen haben!“

Dies bestätigt auch Johannes vom Kreuz, der die Meinung vertritt, dass es keine außerordentliche Gnade gibt, die der Satan nicht nachahmen dürfte:

Wenn (die Seele) etwa durch einen guten Engel echte Visionen erhält (…), so gibt Gott doch auch dem bösen Geist Erlaubnis, ihr entsprechende falsche Visionen vorzuspiegeln, die, wie es häufig geschieht, eine unvorsichtige Seele zu täuschen vermögen.“ (Nacht, II 23,7)

Wer immer also von irgendwelchen Erscheinungen hört, muss um dieses Wirken des Satans Bescheid wissen, sonst wird er Opfer der größten Leichtgläubigkeit. (…)

Man muss man immer wieder an die Worte Christi denken: „Es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und Scheinwunder wirken!“

Auszüge aus einem Beitrag von Pater Andreas Steiner FSSPX im „Mitteilungsblatt“ der Piusbruderschaft vom April 2008  – Pius-Webseite: http://pius.info/

 


Mit der „Wahrheit“ lügen: Die charismatische Versuchung Christi in der Wüste

Wenn sich die Finsternis als Licht präsentiert

Der Bericht von der Versuchung unseres HERRN in der Wüste findet sich sowohl im Lukas- wie im Matthäus-Evangelium. Am heutigen 1. Fastensonntag wird diese Begebenheit sowohl in der überlieferten Meßform wie auch in der üblichen „neuen Messe“ vorgelesen.

Daß Christus diese Anfechtungen durch den Satan gerade in der Wüste erlebt, ist kein Zufall. Die Wüste ist einerseits ein Ort des Rückzugs und der Besinnung, des Gebets und der Verinnerlichung. Jesus geht erst in die Wüste, bevor er sein öffentliches Wirken beginnt.  Duccio

Zugleich ist die Wüste aber auch ein Ort des Ringens, der Anfechtung, Läuterung und Reifung. Die 40 Tage des Fastens Christi erinnern an die 40 Jahre Wüstenwanderung des Volkes Israel: dort empfingen sie durch Moses die Zehn Gebote, dort erlag das Volk der Versuchung durch das „Goldene Kalb“, dort standen die Hebräer immer wieder vor der Frage, sich für oder gegen Gott, für oder gegen seine Gebote zu entscheiden.

Auch für unseren HERRN in seiner menschlichen Natur erwies sich die Wüste als Ort der Entscheidung, Prüfung und Bewährung. Christus widerstand dem satanischen Versucher, war ER doch in die Welt gekommen, „um die Werke des Teufels zu zerstören“, wie es in der Hl. Schrift heißt.

Der Satan hat allerdings viele Gesichter  –  nicht nur ein „weltliches“ oder „fleischliches“ Gesicht, auch ein „geistliches“.

Wenn der Widersacher es nicht mit Ungläubigen oder Abständigen zu tun hat, sondern mit der frommen Schar, zieht er sich ein entsprechend „rechtgläubiges“ Gewand an. Würde er seine höllische „Visitenkarte“ vorzeigen, könnte er gleich einpacken. 

Satan verkleidet sich als „Engel des Lichts“

Wenn der Versucher sich als „Engel des Lichtes“ verkleidet, besonders „geistlich“ und überfromm gebärdet, ist besondere Vorsicht angesagt. Mit anderen Worten: der Diabolus ist „nomen est omen“ ein Durcheinanderbringer, er kann auch mit der „Wahrheit“ lügen und siegen!

Jesus Christus und damit Gott selbst ist gegen solch raffinierte Lügengespinste natürlich gefeit. Gleichwohl hat der Allmächtige es „zugelassen“, daß der Erlöser in der Wüste vom Teufel versucht wurde, war dies doch zugleich eine Demonstration des göttlichen Sieges über die Hölle   –  und zwar durch Jesus in seiner menschlichen Natur.

Es ist schon aufschlußreich, auf welche Weise sich der Widersacher in der Wüste präsentierte, um Christus von seinem messianischen Auftrag als „Leidensknecht“ abzubringen und ihm eine Art „Siegermentalität“ einzureden, die von Triumph zu Triumph schreitet, begleitet von sensationellen Großtaten und Schauwundern. kleines-rituale

Der natürliche, erbsündenbelastete Mensch schreckt vor dem Leiden zurück, er schleicht sich am Kreuz vorbei und wünscht eine „Halleluja“-Religion, die ohne Opfer zur Herrlichkeit führt. Die Annahme des Kreuzes ist dem Menschen nicht möglich ohne die Gnade Gottes, ohne übernatürliche Kraft von oben.

Interessanterweise wird Christus vom Teufel ausgerechnet in der Wüste versucht, wo er sich zum strengen Fasten zurückzog  – und zwar am Ende dieser Fastentage, als Christus unter Hunger litt.

Glaubt man den Vorstellungen manch frommer Kreise, dann ist man nach langer Askese (Abtötung, Verzicht) besonders gefeit vor dem Satan, befindet man sich doch angeblich in einem überlegenen geistlichen Zustand.

Listige Verführung zum Hochmut

Aber kann nicht gerade diese „Überlegenheit“ in Verbindung mit (un)geistlichem Hochmut zum Sturz führen?  – Ist nicht die scheinbar „geisterfüllte“, die charismatische Versuchung eine besonders raffinierte Trickkiste des Diabolus? Gibt es nicht bestimmte Sünden, die allein auf dem Boden der Frömmigkeit sprießen können und zur kaum erkennbaren Gefahr werden?

Freilich nicht bei Christus selbst, ist ER doch Gott und Mensch in einer Person, weshalb er diese besonders „religiöse“ Anfechtung aus eigener göttlicher Kraft siegreich besteht. Wenn Menschen solche listigen Versuchungen überwinden, dann allein durch die Gnadenhilfe des Erlösers, nie allein aus eigener Kraft.

Das Lukas-Evangelium berichtet von der Versuchung Jesu in der Wüste, auch von der ersten Provokation des Satans: „Wenn Du Gottes Sohn bist, so spricht zu diesem Stein, daß er Brot werde.“  –  Christus wird hier von der Hölle herausgefordert, seine Gottheit durch ein schnelles und sichtbares Wunder zu „beweisen“, das sich zudem angesichts seines menschlichen Hungers als nützlich erweisen würde.

Doch unser Erlöser läßt sich auf diese „wundersüchtige“ Herausforderung nicht ein. ER kann „Zeichen und Wunder“ wirken, keine Frage  –  aber ER will dies nicht im falschen Gehorsam gegenüber dem Versucher. Christus  kontert mit dem Wort Gottes aus dem Alten Testament: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch“ (Dtn 8,3).media-358103-2

Der Teufel startet einen zweiten Versuch, der sich auf allzu menschliche und triumphalistische Wunschvorstellungen bezieht, wie sie auch im Judentum der damaligen Zeit weitverbreitet waren:

Der Messias nicht als „Leidensknecht“, sondern als König der Herrlichkeit, der auch auf Erden ein triumphales Reich errichtet. Deshalb zeigt ihm der Widersacher alle Königreiche der Erde und verspricht dem Heiland, daß ihm all diese Macht und Herrlichkeit zufällt, wenn er vor ihm niederfällt und ihn anbetet.

Erneut reagiert Christus mit der Heiligen Schrift: „Es steht geschrieben: „Den HERRN, Deinen Gott, sollst Du anbeten und IHM allein dienen“ (Dtn 6,13).

Der DIABOLUS mißbraucht die HEILIGE SCHRIFT

Der Teufel ist durchaus lernfähig, er ändert jetzt seine Strategie, er will Christus mit dessen eigenen Waffen schlagen: mit Bibelworten also. Er schlüpft gewissermaßen ins Gewand der „Rechtgläubigkeit“ und verwendet das Wort Gottes als listige Taktik.

Diesmal will er IHN zu einem Schauwunder animieren: Christus solle sich von der Zinne des Tempels zu Jerusalem herunterstürzen. Damit könnte sich Jesus nämlich auf einfachste Art viele Mühen und Anstrengungen seiner späteren Verkündigung ersparen. Solch ein aufsehenerregendes Ereignis vor staunender Menge würde IHN auf einen Schlag sofort zum Volkshelden und bewunderten „Genie“ und Wundertäter machen.

Satan gibt Christus zu verstehen, daß solch ein auffälliges Mirakel angeblich durchaus ein „gottgefälliges“ Verhalten sei und zitiert wörtlich zwei Schriftstellen aus dem Alten Testament über den himmlischen Schutz der Engel für die Gerechten.

Christus geht auch dieser hinterlistigen Variante nicht auf den Leim, ER hält dieser falschen Vereinnahmung der Bibel stand  – und ER hält dem „Vater der Lüge“ ein anderes Bibelwort entgegen:  „Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen.“ (Dtn 6,16) PAX

Was können wir aus dieser Begebenheit lernen?  –  Vor allem Folgendes:

  1. Die „geistlichen“  Versuchungen sind besonders raffiniert, weil weniger leicht erkennbar als die „weltlichen“ Versuchungen der Hölle. Der Teufel will die Gläubigen mit „charismatischer“ Raffinesse vom Weg des nüchternen Glaubens abbringen, er versuchte dies sogar bei Christus und damit bei GOTT selbst  – eine Dreistigkeit sondergleichen!
  2. Dauerhaftes bzw strenges Fasten und ähnliche asketische „Übungen“, die den Rahmen des normal-kirchlichen Bereichs überschreiten, bergen durchaus Gefahren in sich. Die größte innere Bedrohung ist die des selbstgefälligen Hochmuts, der für das ewige Heil weitaus gefährlicher ist als allzu „weltliche“ Wunschbefriedigung oder Versacken in der Oberflächlichkeit des Alltags.  –  Anders gesagt: Die Sünden des Geistes sind oft schlimmer als die Sünden des Fleisches, eben weil sie nicht auffallen, weil sie nicht so leicht ans Licht kommen, im Fall der Verblendung nicht einmal ans Licht des eigenen Gewissens.
  3. Der Teufel ist der „Affe Gottes“, er kann durchaus übersinnliche Schauwunder bewirken, soweit der Allmächtige dies zuläßt. Daher wollte der Widersacher auch Christus auf diese Schiene zerren, zumal dies der Sensationslust des Volkes entgegenkäme.

Die Wundersucht: des Aberglaubens liebstes Kind!

Demgegenüber kommt der wahre Glaube nicht aus der Sehnsucht nach „Zeichen und Wundern“,  sondern aus dem Hören des Gottes-wortes (vgl. Röm 10,17: „Der Glaube kommt vom Hören“)   – und die Vollmacht von oben ist eine Kraft des Geistes, nicht der Sinnlichkeit. 

Wir leben auf Erden im Glauben und nicht im Schauen, wie der Völkerapostel bekräftigt (2 Kor 5,7).

Die charismatische Versuchung besteht darin, den Himmel quasi vorwegzunehmen, ihn auf die Erde zu zerren, wobei aber nicht der Himmel, sondern die Hölle in Aktion tritt.

Der Teufel kann auch mit der „Wahrheit“ lügen und siegen, indem er sich beispielsweise der Heiligen Schrift „bedient“. Bei Christus konnte ihm dieser raffinierte Trick nicht gelingen, doch im irrgläubigen, schwarmgeistigen, charismatischen und sektiererischen Spektrum feiert er damit fröhliche Urständ, ebenso in „erscheinungsmarianischen“ Kreisen, wenn man dort an falschen Visionen festhält, weil der Inhalt jener „Botschaften“ gar so fromm in den Ohren klingt.

Es war immer schon ein Kennzeichen schwarm- und irrgeistiger Bewegungen, einzelne Bibelworte aus dem Zusammenhang zu reißen und ihnen eine falsche Deutung unterzuschieben, wie es auch der Widersacher bei unserem Erlöser in der Wüste versucht hat.

Nur wenn wir unbeirrbar und nüchtern in der Nachfolge Christi stehen und auf seine Hilfe bauen, können wir diese Anfechtungen von unten wachsam durchschauen, nur so können wir diese charismatische Verführung überwinden.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster


Die e i n e Offenbarung in Christus – und die vielen „Privatoffenbarungen“

Von Pfarrer Josef Stocker

Sei zufrieden mit “Gottes Wort”  –  und dem überlieferten Glauben der Christen. Damit ist Dir alles gesagt, was zum Heil nützlich und notwendig ist! Die Offenbarung in Jesus genügt.

Misstraue heutzutage den Visionen und „Privatoffenbarungen“ grundsätzlich. Gegen Ende der Zeiten wird der Antichrist und seine Anhänger mit Satans Kraft äußerlich die gleichen Zeichen und Wunder vollziehen wie seinerzeit die Apostel (im griechischen Urtext des NT werden göttliche wie auch dämonisch bewirkte „Wunder“ mit denselben Worten bezeichnet!). media-444757-2

Zu Jesus sagte man: “Meister, wir möchten von Dir ein Zeichen sehen.“  –  ER antwortete: „Diese treulose Generation fordert ein Zeichen, aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona” (Mt 12,39; Mk 8,12; Lk 11,30).

Christi Auferstehung ist das Zeichen  –  und das muss uns genügen.

“Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!” (Joh 20,29).
“Selig, die das Wort Gottes hören und befolgen” (Luk 11,28; 16,31).

Es ist dir durch Jesus schon alles gesagt, was du tun sollst. Das genügt, um zur Seligkeit zu gelangen, zum ewigen Leben. In Christus findest du den Willen Gottes!

Privatoffenbarungen, Visionen, Erscheinungen usw. sind für das Heil nicht notwendig, insgesamt gesehen sogar eher schädlich, weil sie den Glauben letzten Endes schwächen.

Glauben “ohne zu sehen” macht stark im Vertrauen auf Gott.  –  Schauungen, „Erfahrungen“ können wohl am Beginn des Glaubensweges eine Anregung sein, aber sie sind nie sicher von Gott. Bei Privatoffenbarungen, Visionen, Erscheinungen ist immer ein Irrtum möglich! 

Satan erscheint als „Engel des Lichts“

Deshalb meide sie,  denn sie sind trügerisch und führen schnell auf Irrwege. Das sagte auch der große Mystiker und Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz (vgl. Gesamtausgabe, Herder-TB, 1999).

Wer durch Mystik direkt zu Gott will, wird meistens vom Satan betrogen:  Der Teufel erscheint als „Engel des Lichtes!“ (2 Kor 11,14), er verkleidet sich auch als Jesus oder Maria…

Besonders in den letzten Zeiten hat Satan wegen der sich häufenden Sünden und Gottlosigkeiten die Möglichkeit, viele Menschen mit schönen Visionen zu betrügen; Satan sagt viel Wahres und mischt etwas Lüge hinzu, das genügt für eine Vergiftung.

Satan ist ein Wolf im Schafspelz. Durch falsche Neugier und Stolz öffnen wir ihm die Türe. Seitdem Jesus gekommen ist, hat der Mensch nicht mehr das Recht, direkt von Gott eine Unterweisung zu verlangen!

Wir wissen aus der Überlieferung des Christentums und aus der Heiligen Schrift, was wir tun oder lassen sollen. Das ist der sichere Weg zum ewigen Heil.

Das Lügennetz falscher Lichtgeister

Jene, die wundersüchtig sind  und fragwürdigen Offenbarungen nachlaufen (z.B. auch in der Charismatik), lässt Gott oft auf die Nase fallen. Sie geraten langsam und unmerklich in das Lügennetz falscher Lichtgeister (d.h. des Teufels).

Jesus spricht zu ihnen sehr deutlich: “Was sagt ihr zu mir: HERR, HERR!  – und tut nicht, was ich sage?” (Mt 7,21; Lk 6,46).

Was betet ihr: “Vaterunser, Vaterunser…”  – und ignoriert die Gebote!   – Was macht ihr euch selber eure Regeln, Gebote und Opferverpflichtungen: Damit streut ihr euch Sand in die Augen und betrügt euch, denn wichtiger ist, zuerst das tun, was Christus von euch will!

Sucht die Erleuchtung nicht in Privatoffenbarungen, auch wenn diese noch so schön vom Fasten und Beten reden. Jede Sekte vertritt einige wahre Grundaussagen  –  und lehrt dazu aber auch falsche Ansichten.

Der Versucher lockt mit dem Richtigen

Der Versucher lockt zuerst mit richtigen Aussagen, um Menschen vom guten Wege abzuziehen  – sei es durch Übertreibung oder Untertreibung. 

Auch wenn du mit guter Absicht auf falsche Wege abirrst: Gott warnt dich nicht extra. Über eine Milliarde Menschen sind im Irrtum des Hinduismus, des Buddhismus, des Islam etc. gefangen  –  und das trotz ihrem ständigen Beten:  Herr, Herr... und großer persönlicher Opfer.  Und sie finden Jesus, die Wahrheit, dennoch nicht. 0018

Auch wenn du viele Frömmigkeitsübungen und Gebete verrichtest und zu Gott rufst:  Herr, Herr!,  gibt er dir nicht eigens eine besondere Warnung, denn du kannst auf natürlichem Weg in der Heiligen Schrift erfahren, was ER will und was du tun oder lassen sollst.

ER gibt Dir volle Freiheit und erwartet deine Liebe. Du darfst den Verstand nie ausschalten, sondern musst ihn gebrauchen!

Wir brauchen beides: Glaube und Vernunft

Beachte die päpstliche Enzyklika „Fides et Ratio“ – Glaube und Vernunft.  –  Diese beiden Faktoren sind wie zwei Flügel eines Vogels und beide zugleich notwendig. Ein Vogel mit nur einem Flügel (mag dieser noch so gut sein) stürzt ab!

Die Geschichte im Lukasevangelium, wo der reiche Prasser in der Unterwelt bittet: Schick doch eine Erscheinung, um meine fünf Brüder zu warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen (Luk 16,19-31), besagt dasselbe:

Es wird dem reichen Prasser deutlich gemacht, dass seinen Brüdern in der Welt keine “Privatoffenbarungen” helfen und dass sie auch keine nötig haben, denn was sie tun sollen, wissen sie doch längst: “Sie haben Moses und die Propheten!“ (das heißt also: die Heilige Schrift) „auf die sollen sie hören!” (Lk 16,31; Mt 5,17; 7,12; 22,40).

Sei vorsichtig bei Offenbarungen und Visionen, denn es wird in der Endzeit zahlreiche falsche Offenbarungen und viele durch den Teufel gewirkte Heilungen und Wunder geben (Mk 13,22; Mt 24,24; 2Kor 11,14; 2Thess 2,9; Offb 16,14 ). Mystik und Erfahrung sind also trügerisch!

„Liebe möchte eilen und helfen – aber ohne die Augen der Vernunft stolpert sie!“   –  Du sollst die Vernunft nie ausschalten!

Ein Dokument aus Rom heißt eben deshalb:  „Fides et Ratio“ –  Glaube und Vernunft.

Quelle mit zahlreichen Literaturtips: http://www.theologisches.info/welt4.htm

Das Lazarus-Gleichnis Christi und die Warnungen des hl. Johannes vor der Sucht nach „Offenbarungen“

„Sie haben Moses und die Propheten: darauf sollen sie hören!“

Die heutige liturgische Lesung der katholische Kirche befaßt sich mit Christi Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus, das uns in Lukas 16,19-31 berichtet wird. media-80458-2

Der reiche Mann war ein rücksichtsloser Egoist, daher verscherzte er sich das ewige Heil. Lazarus hingegen wurde „von den Engeln in Abrahams Schoß getragen“, wie es in der Bibel heißt.

Der reiche Prasser ruft Abraham in der Unterwelt zu, er möge Lazarus zu seinen fünf Brüdern senden, damit diese gewarnt werden und „nicht an diesen Ort der Qual kommen“.  

Doch Abraham lehnt dieses Ansinnen rundweg ab: „Er aber sagte: Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.“

Ahnen wir, wie zeitlos gültig diese Antwort ist?

Wie oft erfahren wir auch in diesem CHRISTLICHEN FORUM  zornigen Widerspruch von erscheinungsbewegter Seite, wenn wir den kirchlichen Standpunkt erklären:

Wir brauchen keine Visionen und Neu-Offenbarungen, keine „himmlischen“ Botschaften, keine Jenseits-Auskünfte vermeintlich „begnadeter Seelen“ usw., denn wir haben durch Bibel und Tradition, Sakramente und Lehramt der Kirche bereits alles, was wir für unser ewiges Heil benötigen.

Abraham, der „Vater des Glaubens“, erklärt in Christi Gleichnis kurzerhand: Auch diese Männer  – die Brüder des reichen Prassers  –  „haben Moses und die Propheten“   –   vergleichbar dem, was wir heute „Bibel und Lehramt“ nennen  –  und eben darauf sollen wir hören!

Eindringliche Mahnungen des hl. Johannes vom Kreuz

Das betonte auch der hl. Kirchenlehrer und Mystiker (!) Johannes vom Kreuz immer und immer wieder. Auch damals waren Wundersucht und vorwitzige Neugier nach besonderen „Offenbarungen“ weit verbreitet.

In seinem Klassiker „Aufstieg zum Berge Karmel“ (2. Buch, Kap. 21) warnt der Heilige im 7. Absatz strikt vor diesen raffinierten Gefahren für das Seelenheil:

Ich sage nur, dass es eine äußerst gefährliche Sache ist, auf solchen Wegen mit Gott umgehen zu wollen  –  und dass derjenige, der zu solchen Methoden hinneigen sollte, nicht umhin kommen wird, sich gewaltig zu irren und oftmals in Verwirrung zu geraten.“media-377708-2

Johannes vom Kreuz erwähnt sodann die „Schwierigkeit“, die darin bestehe, „bei inneren Ansprachen und Visionen keinem Irrtum zu verfallen“, da diese vielfach „vom Bösen stammen“, der sich als Engel des Lichtes tarnt bzw. wie der hl. Johannes wörtlich schreibt: der Erzfeind „schleicht sich auf Umwegen ein, wie der Wolf im Schafspelz in die Herde, so dass man es kaum erkennen kann.“

Einer der satanischen Tricks bestehe darin, daß „er nämlich viele wahre und vernunftgemäße Dinge sagt  –  und Dinge ankündigt, die sich bewahrheiten“  – und daher könne man  sich „leicht täuschen lassen“.  

Johannes empfiehlt: „Vor allen Erscheinungen  f l i e h e n !“

In Absatz 11 heißt es, daß „der Böse äußerst spitzfindig ist beim Einflüstern von Lügen. Von ihm kann man sich nicht befreien, außer man flieht vor allen übernatürlichen Offenbarungen, Visionen und inneren Ansprachen.“

Der Heilige erklärt also, daß man sich „übernatürliche Offenbarungen“ nicht nur keineswegs wünschen soll; er empfiehlt seinen Lesern aus großer Vorsicht sogar die Flucht vor „allen“ Erscheinungen,  falls diese jemals ungewollt in ihr Leben treten. Er weiß um die Schwierigkeit, in diesem heiklen Bereich den häufigen Spreu vom seltenen Weizen zu trennen – und daher seine Empfehlung, besser gleich alles zu meiden.

Den deutlichen Warnungen des Kirchenlehrers könnte man theoretisch entgegenhalten, daß es doch auch wenige Erscheinungen himmlischen Ursprungs geben kann, die zu „fliehen“ dann nicht sinnvoll sei.

Doch der hl. Johannes vom Kreuz will offenbar auf „Nummer Sicher“ gehen, zumal der katholische Glaube grundsätzlich sowieso keine Privatoffenbarungen benötigt   –  auch keine „echten“.  Dies ist nun freilich nicht die Privatmeinung des hl. Johannes, sondern verbindliche Lehre der Kirche seit jeher.

Im 11. Absatz des Buches „Aufstieg zum Berge Karmel“ heißt es weiter:

„Darum ist Gott zu Recht über den verärgert, der sie zulässt, weil er sieht, dass es Waghalsigkeit ist von dem, der sich derart in große Gefahr begibt  –   und weil Anmaßung, Neugier und Auswüche der Überheblichkeit die Wurzel für Prahlerei und Geringschätzung der Dinge Gottes sind –  und der Anfang zahlreicher Übel, in die viele Menschen hineingeraten sind.“

In Absatz 12 schreibt der hl. Johannes vom Kreuz, dem Teufel sei es möglich, „viele mit Blindheit und Täuschungen zu schlagen, weil ihre Sünden und Waghalsigkeiten es verdienen. Das vermag und erreicht der Böse, sofern sie ihm glauben und ihn für einen guten Geist halten  –  und zwar so sehr, dass es keine Abhilfe gibt, aus den Täuschungen herauszukommen“.

Wer in diesem gefährlichen Netz bereits verstrickt ist, wer durch seinen Hochmut oder durch vermessene Leichtgläubigkeit  in der Trickkiste Satans gefangen ist und ihn für einen „Engel des Lichts“ hält, der kommt nur selten  –  und dann oft erst sehr spät  –  aus diesem buchstäblichen „Teufelskreis“ wieder heraus.

Daher setzt der hl. Kirchenlehrer hier klar auf  das Prinzip „Vorbeugung“ durch seine mahnende Stimme  –  ähnlich wie Christus  mit dem Gleichnis von Lazarus, der keineswegs auf Erden erscheinen durfte, um gefährdete Menschen zu warnen: „Sie haben Moses und die Propheten  –  darauf sollen sie hören!“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster