Visionärer Endzeit-Rosenkranz zu teils unbekannten „Engeln“ mit 21 Verheißungen

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten wird das fromme katholische Volk mit einer wahren Flut von Sonder-Rosenkränzen „beglückt“ bzw. verführt, die den überlieferten und bewährten Rosenkranz verdrängen, in dem die Heilsgeheimnisse des Evangeliums im Mittelpunkt stehen.  rosa-mystica6

Hingegen bieten jene kuriosen Extra-Rosenkränze, die fast alle auf Erscheinungen, Visionen oder angeblich himmlische Einsprechungen zurückgehen, im besten Falle weitgehend überflüssige Banalitäten, ansonsten viel Sonderbares  –  und im schlimmsten Fall eine Ansammlung von Irrlehren und magischen Vorstellungen, oft verbunden mit „Verheißungen“ von oben.

Ob jene Rosenkränze nun von „unten“ oder von „innen“ sind, ob sie dämonisch inspiriert oder einfach nur psycho-bedingte „fromme“ Einbildungen sind, in jedem Falle haben sie den Nachteil, daß sie dem kirchlichen Rosenkranz Konkurrenz machen und ihn tendenziell verdrängen – dies umso mehr, wenn mit den Extra-Rosenkränzen auch noch bestimmte Heilszusagen verknüpft sind, die quasi als Köder auf naive Gläubige wirken.

Ein solch irrgeistiges Beispiel ist auch der hier auf Gloria-TV empfohlene und vorgestellte „Endzeit-Rosenkranz“ mit seinen 21 durchgeknallten „Verheißungen“: https://gloria.tv/article/yWKeccrXwM8t49nSQPRTXAqfS

Natürlich geht auch diese Sonder-Andacht auf eine „begnadete“ Person zurück. (Allein schon der für erscheinungsbewegte Kreise typische Ausdruck „begnadet“ läßt außer Acht, daß jeder Gläubige begnadet ist  –  durch Christus bzw. die Taufe und andere Sakramente nämlich!).

Silvano Marini wurde der Engels-Rosenkranz geoffenbart…

Diesmal geht es um Silvano Marini, seines Zeichens also „mystisch begnadet“ und aus Cascia in Italien stammend. Angeblich ist ihm am 1. Dezember 2009 die Madonna als „Rosa Mystica“ (siehe Foto oben) erschienen.  Der Kult um die Rosa Mystica ( = geheimnisvolle Rose) geht auf Erscheinungen in Montichiari zurück, die kirchlich nicht gebilligt sind.

Dem erwähnten Seher wurde demnach Folgendes vom Himmel mitgeteilt:  vision

,,Die ,,Rosa Mystica“ fleht unter Tränen, diesen Endzeit-Rosenkranz zu beten, um die schlimme Zeit abzukürzen und den Triumph der Vereinten Herzen und Ihres Unbefleckten Herzens zu beschleunigen!“

Schon dieser einzige Satz ist eine mehrfache Zumutung: Die echte Madonna ist im Himmel hundertprozentig glückselig und kommt nicht tränenreich auf die Erde – schon gar nicht, um einen irrgeistigen Rosenkranz einzufordern mit dem Zweck, „die schlimme Zeit abzukürzen“. (Welche Zeit denn genau?! Waren nicht alle Zeiten irgendwie „schlimm?!).

Der Rosenkranz hat in Wirklichkeit den Sinn, sich gleichsam „an der Hand Mariens“ in die christlichen Heilsgeheimnisse zu vertiefen und die Kernpunkte des Evangeliums zu betrachten  – aber hier geht es stattdessen panisch um das „Abkürzen schlimmer Zeiten“….

Sodann ist es völlig unlogisch, wenn von der vermeintlichen Madonna weiter gesagt wird, man solle damit „den Triumph der Vereinten Herzen und ihres Unbefleckten Herzens beschleunigen“. Bei den „Vereinten Herzen“ (Jesu und Mariens) ist sie schon dabei  –  warum also eine weitere Extra-Erwähnung ihres unbeflekten Herzens?! – Und worin soll deren „Triumph“ denn bestehen?

Auf den Perlen des Bluttränen-Rosenkranzes….

Dann wird dieser Endzeit-Rosenkranz zu den „Perlen des Bluttränen-Rosenkranzes“ (!) von Montichiari gebetet, also zwei falschgeistige Rosenkränze (und damit zwei kirchlich nicht anerkannte Erscheinungen) werden miteinander verbunden, was den Unfug noch steigert.

Foto: Paul BaddeDanach kommen statt der üblichen Rosenkranz-Gebete (Vater-Unser, Ave Maria) sieben „Anrufungen“ zu sieben Engeln, wobei die ersten drei von der Kirche zwar namentlich verehrt werden (Michael, Gabriel, Raphael), weil sie biblisch bezeugt sind, die weiteren in diesem Extra-Rosenkranz genannten „Engel“ aber nicht, nämlich Uriel, Jehudiel, Sealtiel und Barachiel.

Offenbar sind diese vier Namen den kirchlich abgelehnten Botschaften von Gabriele Bitterlich aus dem sog. „Engelwerk“ entnommen, womit dieser Endzeit-Rosenkranz nunmehr Elemente von d r e i  falschmystischen Erscheinungen (Marini, Montichiari, Engelwerk) beinhaltet.
Typisch für dieses Spektrum ist es, daß nun jedesmal schwere Sünden oder Wurzelsünden mit einem Dämon verbunden werden, zB. bei der Anrufung des Erzengels Michael: „Führe uns zur Bescheidenheit, um den Dämon des Hochmuts zu bekämpfen….“

Damit wird dem in solchen Kreisen weitverbreiteten Besessenheitswahn Vorschub geleistet. (Damit soll nicht in Abrede gestellt werden, daß es Besessene geben kann und gibt, aber eben nicht in Hülle und Fülle!)

„Göttliche Verheißungen“ bieten Zahlenmagie und Apokalypse-Schutz

Entsprechend unsinnig sind auch die 21 „göttlichen Verheißungen“, welche an das Beten dieses Sonder-Rosenkranzes geknüpft sind.

Ob die Zahl 21 wohl durch zahlenmystische Denkspiele zustandegekommen ist? – Nach der Devise: Multiplizieren wir die heilige Zahl 7 mit der heiligen Zahl 3, dann ist die Summe hiervon ganz besonders heilig….

Die erste Verheißung läßt die geplagte Menschheit schon schwer hoffen: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird beim Strafgericht bewahrt werden und vermeidet den ersten Tod während der Zeit der ,,Sieben Siegel“ der Apokalypse.“

Damit nicht genug, gibt es bei Zusage Nr. 4 von den Sieben Erzengeln für dergestalt fromme Seelen eine Sonderschutzzulage: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird von den Sieben Erzengeln einen speziellen Schutz erhalten. Sei es vor oder während der Zeit der Apokalypse.“

Dämonenvertreibung auf der Erde, über der Erde, unter der Erde…

2422858308_09948afd14Weil es in der Endzeit rund geht mit dem Kampf gegen die Teufel, erhalten die Spezial-Rosenkranz-Beter laut fünfter Verheißung wirksame übernatürliche Vollmachten: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird dazu beitragen, jede Art von Dämonen (der Erde, unter der Erde, des Wassers, des Feuers, der Luft) zu vertreiben.“

Freilich weiß man nicht so recht, ob es um ein irdisches oder himmlisches Jerusalem geht, denkt man an die nächste Verheißung: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird zu den Bewohnern des Himmlischen Jerusalems gehören, das auf Dozule‘ hinabsteigt.“  –  Im französischen Dozule‘ soll die Seherin Madeleine Amontin endzeitliche Jesus-Botschaften empfangen haben  – natürlich ebenfalls kirchlich abgelehnt.

Damit wären wir schon bei der vierten Falsch-Erscheinung, die in diesen Endzeit-Rosenkranz hineinverwoben wird.

Besonders drollig wirkt die 7. Ankündigung: „Derjenige, der den Engel-Rosenkranz beten wird, wird nie den Glauben an Christus und an die kath. Kirche verlieren.“  – Bedauerlicherweise hat er diesen Glauben im Grunde schon verloren und durch offensichtlichen Aberglauben ersetzt, weil er einen irrgeistigen Rosenkranz betet, der ein absonderliches Sammelsurium von Irrlehren und Falschmystik in sich vereinigt.

Daß es hier darum geht, den Hochmut jener erscheinungsfixierten „Frommen“ zu züchten, geht aus der letzten, der 21. Verheißung klar hervor:
„Derjenige, der den Engel-Rosenkranz verbreitet, wird bei anderen Nationen unter den Auserwählten und unter den neuen König der erneuerten Welt einen speziellen Platz im neuen Jerusalem erhalten.“

Weiterer Kommentar überflüssig….

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Erhielt Prof. Albert Drexel einst wirklich „Botschaften“ von Christus?

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten werden in traditionsbewegten Kreisen die Bücher von Prof. Dr. Albert Drexel (1889 – 1977) verbreitet.

Der katholische Priester, Völkerkundler und Theologe aus Hohenems im österreichischen Vorarlberg hat nicht nur Sachbücher veröffentlicht, sondern erhielt Anfang der 70er Jahre  –  eigenen Angaben zufolge  –  auch direkte übernatürliche Einsprechungen von Christus selbst.  christus

Angeblich erklärte der HERR dem Professor in den Jahren 1970 bis 1972 in nächtlichen Freitags-Visionen, wie es in Kirche und Welt zugeht und wo der Schlüssel zur Lösung der Probleme liegt.

Die erscheinungsbeflissene Zeitschrift „Mystik“ (Nr. 1/2009), die der Lippstädter Journalist Claus P. Clausen herausbrachte, war wie so oft des Lobes voll: „Drexel war ein glaubenstreuer Priester und Prophet.“ 

Das theologisch unterbelichtete Blatt bevorzugte „himmlische“ Panik-Botschaften über den bevorstehenden Weltuntergang und setzte sich besonders stark für das seinerzeit kirchlich gemaßregelte „Engelwerk“ und die vom Vatikan abgelehnten „Marienerscheinungen“ von Heroldsbach ein.

Im Rahmen seines Artikels über Drexels Visionen schreibt Clausen: „Das Werk der hl. Engel geht auf Gott zurück.“ –  Wenn das so einfach ist, erübrigen sich freilich alle innerkirchlichen Debatten von selbst…

Das Engelwerk „rettet“ die Kirche…

Sodann zitiert die Zeitschrift eine Vision Drexels vom 7.8.1970 mit angeblichen folgenden „Worten des Heilands“: Marienstatt-DSC_0111-3

„Ich habe zu dir von den heiligen Engeln gesprochen und sage dir, dieses Werk ist ein Werk der Vorsehung Meines himmlischen Vaters und ein Werk für die Rettung der Kirche Roms in der gegenwärtigen und kommenden schweren Verwüstung, Unruhe und Zerstörung.

Von Priestern, den geweihten Dienern und Hirten der Kirche, ist das Unheil in der Kirche ausgegangen, durch Priester, die diesem Werke ausdrücklich oder innerlich angehören, wird die Kirche gerettet.“

Zweifellos eine eindeutige Ansage, schwarz und weiß sind klar getrennt, Schafe und Böcke geschieden: Von Geistlichen ist „das Unheil“ ausgegangen, durch Engelwerkspriester wird „die Kirche gerettet“.

Obwohl die Kirche sich ablehnend über die Privatoffenbarungen der Engelwerks-Gründerin M. Bitterlich äußerte, erfahren wir nun, daß es sich hierbei um ein Werk des Himmels handelt.

Auch Maria von Agredas Visionen sind „von oben“…

Aber auch die kirchlich ebenfalls nicht anerkannten Marienvisionen der spanischen Nonne Maria von Agreda sind ein Werk der „Vorsehung“, wie wir der „Botschaft des Heilands“ vom 4.12.1970 entnehmen dürfen:
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 „Darum war die Vorsehung des himmlischen Vaters am Werke, als sie die Bücher der Offenbarungen an Meine heilige Tochter Maria zu Agreda zur Verherrlichung der heiligsten Jungfrau neu erstehen ließ und dazu Menschen als Helfer wählte.“

Zugleich bieten die „Botschaften“ an Drexel die in diesem Spektrum übliche Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche“, Panik-Offenbarungen wechseln sich mit Endzeitschwärmereien, so zB. bei der im „Mystik“-Heft zitierten Vision vom 1.1.1970:

„Es wird eine Zeit der Finsternis und zugleich eine Zeit der Leuchtens sein. Während die Saat der Bösen und der Gottlosen in Verderbnis enden wird, wird die Saat der Gläubigen zu einer reineren und schöneren Kirche erblühen.“

Kirche steckte in „schwerster Prüfung aller Zeiten“

Clausens zweite Publikation, der wöchentlich erschienene „Schwarze Brief“, brachte mit seiner Nr. 2/2009 ein „Sonderblatt“ heraus. Dort werden die angeblich himmlischen „Botschaften“ an Prof. Drexel weiter dokumentiert.

So heißt es zB. bei den „Worten des Heilands“ vom 5.5.1972, der Visionär erhalte „besondere Gnaden“ um seiner „Aufgabe“ willen vom allwissenden Gott für diese Zeit, „in der Meine heilige Kirche der schwersten Heimsuchung und Prüfung aller Zeiten ausgesetzt“ sei.
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Warum, so fragt man sich, soll jene Phase Anfang der 70er Jahre für die Kirche die schlimmste „aller Zeiten“ gewesen sein?!

Aber je dunkler die Zeit, desto heller leuchtet des Sehers Werk, klar doch: „Für diese böseste, gefährlichste und verworrenste Zeit war dein Leben und deine Aufgabe vorgesehen.“   –  Auch das vom Visionär zu schreibende Glaubensbuch ist natürlich das, so wörtlich, „notwendigste Buch für jetzt und die Zukunft“, wie es in der „Botschaft“ vom 7. Juli 1972 heißt.

Die Drexel-Visionen erfreuen sich im traditionellen Lager großer Zustimmung, obwohl dort z.B. unter dem vorhin erwähnten Datum davon die Rede ist, die „eigenen Söhne der Kirche“ seien unter „Satans Eingebung“ darauf erpicht, „den Geist des großen Konzils zu verfälschen“.   – Das 2. Vatikanum und sein „Geist“ wird sonst in diesen Kreisen mitnichten als „groß“ eingeschätzt.

Falschbehauptung: „Priester verlassen ihre Weihe“

Theologisch völlig falsch ist das vermeintliche Jesuswort an Prof. Drexel vom 4.8.1972:DSC_0722-2-3

„Während mein Sohn Paulus“ (gemeint ist Papt Paul VI.) in Tränen und in Schweiß um die Rettung der Kirche ringt und in unsagbarem Schmerz täglich Kenntnis von den Priestern bekommt, die ihre Herde, ihre Weihe und ihr Amt verlassen…“

Kein Priester, selbst wenn er komplett vom Glauben abfallen oder gar zu einer Satanssekte überwechseln würde, kann seine WEIHE verlassen, weil das Sakrament der Priesterweihe dem Empfänger bekanntlich ein unauslöschliches Merkmal einprägt. Gerade weil Drexel selber Priester war, hätte er dies genau wissen müssen.

Daher kann ein Priester zwar sein „Amt“, aber nicht seine Weihe verlassen. Allein schon wegen dieser theologisch offensichtlich falschen Aussage können die Drexel-Botschaften nicht von Christus stammen, da ER die Wahrheit selber ist!


Eine „Fern-Taufe“ abgetriebener Kinder ist nicht möglich

Wiederholte Vorstöße aus der Pseudo-Mystik sind haltlos

In der jüngsten Ausgabe der österreichischen katholischen Monatszeitschrift „Der 13.“ (März 2012) wurde eine kritische Stellungnahme von mir (Felizitas Küble) veröffentlicht, die sich mit den immer wiederkehrenden Vorstellungen befaßt, wonach man ungeborene (abgetriebene) Kinder oder auch Fehlgeburten gewissermaßen im nachhinein „taufen“ könne.

Entsprechende „Gebetszettel“ und Anleitungen werden seit Jahrzehnten in erscheinungsseligen Kreisen sowie besonders in der Anhängerschaft des „Engelwerks“ verbreitet.

Oft berufen sich diese Schriften und Traktate auf angebliche „Visionen“ von „begnadeten“ Personen  – so auch im jüngsten Falle, wovon in der folgenden Stellungnahme die Rede ist:

„In der Februar-Ausgabe des „13.“ ist auf Seite 26 ein Artikel mit dem Titel „Schreiben einer Opferseele und Reaktion eines Lesers“ von Mag. M. Schobesberger veröffentlicht.

Dort ist von einer „schlichten Frau unserer Tage“ die Rede, die „hoher mystischer Gnaden gewürdigt“ worden sei. Diese „Opferseele“ habe in der Straßenbahn eine Vision von Christus erlebt, der sie zur Taufe der abgetriebenen bzw. totgeborenen Kinder aufforderte.

Diese kirchlich nicht anerkannte „Übung“ ist aber nicht neu, auf entsprechenden Gebetszetteln und Broschüren findet man sie seit Jahrzehnten, doch sie wird immer wieder in leicht veränderter Version aufgewärmt – diesmal eben durch eine angebliche Christuserscheinung.

Doch die Taufe von getöteten Ungeborenen oder Totgeburten ist sakramententheologisch gesehen unsinnig, wenngleich sicherlich gut gemeint  – aber gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Die Spendung von Sakramenten an Verstorbene ist nicht möglich. Im Falle der Krankensalbung bzw. letzten Ölung geht dies in Zweifelsfällen lediglich bedingungshalber für den Fall, daß der Betreffende noch lebt.

Selbst wenn dem nicht so wäre, ist der ordentliche Spender der Taufe immer noch der Priester, der Laie nur im Notfall. Doch in dieser „Vision“ werden alle Laien zur ständigen „Taufe der Ungeborenen“ aufgefordert, statt dies dem Priester zu übertragen  – doch wie gesagt: die Kirche kennt ohnehin keine Sakramentenspendung an Verstorbene

Zudem wird in dieser Vision dazu aufgefordert: „Dann nimm Weihwasser, sprenge es nach allen Richtungen und sprich diese Worte: „Euch alle, die ihr am Tag und in der Nacht tot geboren wurdet und noch tot geboren werdet, euch alle, die ihr im Leib eurer Mutter getötet wurden und noch getötet werdet…taufe ich im Namen des Vaters…“

Hier sind zwei weitere theologische Denkfehler enthalten: Man kann ein Sakrament weder nach dem Tod noch vor dem Lebensbeginn eines Menschen spenden („euch alle, die ihr noch tot geboren werdet…und noch getötet werdet….).

Zudem kann man nicht in einem Akt „alle“ Betreffenden taufen. Die vorgeschlagene „Taufe“  ist schon deshalb unlogisch, weil einerseits dazu aufgerufen wird, diese Handlung ständig zu wiederholen, andererseits dem Wortlaut nach doch in einem Akt „alle“ getauft werden, die tot geboren oder im Mutterleib ermordet wurden (und noch werden).

Die ganze Vision ist folglich in mehrfacher Hinsicht in sich selbst widersprüchlich. Zudem entspricht bereits das Grundanliegen einer Taufe von Verstorbenen nicht der kirchlichen Lehre. Es ist daher als theologischer Irrweg abzulehnen.

Überlassen wir die abgetriebenen Kinder doch der Weisheit und Gnade Gottes und vertrauen wir darauf, daß der Ewige weiß, wie er das Problem der fehlenden Taufe am besten regelt.

Eine große Wahrscheinlichkeit spricht für die altvertraute kirchliche Vorstellung vom „Limbus“, also jenem jenseitigen Zustand natürlicher Zufriedenheit, dem jedoch die Anschauung Gottes fehlt, die uns durch die Taufe ermöglicht wird. Diese Lehre vertrat auch der hl. Thomas von Aquin und mit ihm die meisten bewährten Theologen der Kirche.“

Felizitas Küble, D-48167 Münster