Andreas Englisch beim Kaffeesatzlesen in Rom

Von Felizitas Küble

Unter dem enthüllungsschwangeren Titel „Wer die wahren Feinde von Papst Franziskus sind“ berichtet NEWS-online über die neuesten Mutmaßungen von Andreas Englisch: https://www.news.at/a/papst-franziskus-feinde-11967823

Das Interview der österreichischen Illustrierten mit dem Vatikanreporter und BILD-Journalisten erschien zwar am 1. April, ist aber ernst gemeint, obwohl manches daraus sich eher als Aprilscherz eignen würde.

Englisch hat schon früher gerne den Eindruck erweckt, als habe er einen besonderen Einblick hinter die Kulissen des Vatikan und einen optimalen Durchblick bei der Einschätzung von Päpsten und ihrer Persönlichkeit.

So ergab es sich, daß er Papst Johannes Paul II. gerne in den Himmel lobte, wogegen er Papst Benedikt vor allem moraltheologisch sehr skeptisch kommentierte und bereits zu dessen Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation als erzkonservativen und lebensfremden Gelehrten ins Eck stellte.

Natürlich fühlt sich der Buchautor jetzt dazu berufen, Papst Franziskus gegen seine vermeintlichen „Feinde“ im Vatikan zu beschützen. So schreibt News im Vorspann zum Englisch-Interview wörtlich: „Die komplette Kurie arbeitet gegen Papst Franziskus.“

Ganz in diesem Sinne bzw. Unsinne hat der fliegende Vatikan-Korrespondent nun ein Buch namens „Der Pakt gegen den Papst“ herausgebracht. Aufregende Titel versprechen Verlag und Autor eine erfolgreiche Auflage und vielleicht wochenlange Mediendiskussionen über diese Neuerscheinung.

NEWS erklärt, Andreas Englisch enthülle in seinem Interview, „was wirklich hinter dem Verbot der Segnung homosexueller Paare steht“, denn der Vatikan sei derzeit nichts weniger als der „Schauplatz eines kalten Krieges“, von Osterfrieden demnach keine Spur.

Gleich eingangs sagt der Rom-Reporter der Zeitung: „In diesen Wochen erleben wir einen sensationellen Kampf zwischen dem Papst und seinen Gegnern.“

Es geht also rund hinter den dicken Mauern des Vatikan.

Stellt sich nur die Frage, warum das Responsum mit dem Verbot der Segnungen von Homo-Partnerschaften mit ausdrücklicher Zustimmung des Pontifex erschienen ist.

Aber Englisch scheint Papst Franziskus für ein ausgekochtes Schlitzohr zu halten, das um zehn Ecken herum denkt. Nicht weit von Verschwörungstheorien entfernt, läßt uns der umtriebige Enthüllungsjournalist nämlich wissen:

„Was ist, wenn die Konservativen zu ihm gekommen waren und sagten: Wir wollen draufhauen. Keine Segnungen mehr gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Was ist, wenn der Papst gedacht hat:

Lass sie doch, ich unterschreibe das nicht, aber ich stoppe sie auch nicht, denn das wird zu der größten Solidaritätsbekundung von Priestern mit Homosexuellen auf der ganzen Welt führen? Die Konservativen werden mit diesem Verbot eine sensationelle Niederlage einfahren, und genau so ist es gekommen.“

Der bekannte Kaffeesatzleser vergißt bei seiner steilen These aber eine „Kleinigkeit“:

Papst Franziskus hat die Glaubenskongregation mit ihrem Responsum nicht etwa nur gewähren lassen, er hat sie keineswegs nur nicht gestoppt, sondern er hat der Veröffentlichung des Segnungs-Verbots ausdrücklich zugestimmt.

Zweitens konnte der Papst wohl nicht im vorhinein wissen, daß es in großen Teilen der katholischen Welt zu einer derartigen Protestwelle gegen das vatikanische Dokument kommen wird, woran sich in Deutschland sogar die Mehrheit der katholischen Oberhirten mehr oder weniger deutlich mitbeteiligt hat, wobei Bischof Bätzing als Vorsitzender der Bischofskonferenz besonders antirömisch und dreist hervortrat.

Im übrigen kam das Responsum aus Rom nicht überraschend, vielmehr wurde lediglich die bisherige Linie bekräftigt. Das gilt auch für „Amoris laetitia“. Darin schrieb Papst Franziskus: „Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“ (AL 251).

Wohlgemerkt: „…auch nicht in einem weiteren Sinne„, was einen Segen für Homo-Partnerschaften ausschließt.

Andreas Englisch ist außerdem selber ein Mensch mit seinen (scheinbaren) Widersprüchen:

Während er in dogmatischer und sexualethischer Hinsicht sehr progressiv unterwegs ist und die Konservativen in und außerhalb des Vatikan gerne als vorgestrige Dunkelmänner kennzeichnet, ist er bei Themen wie „Mystik“ (was er darunter versteht) und Wundern aller Art ausgesprochen leichtgläubig zugange.

So hat er es Papst Benedikt schwer übel genommen, daß dieser in puncto „Privatoffenbarungen“ sehr nüchtern und zurückhaltend dachte und des öfteren betonte, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist, was freilich nicht seine Privatmeinung war, sondern amtliche kirchliche Lehre seit jeher. Doch Englisch fühlte sich mit seiner überquellenden Neigung zur Wundergläubigkeit von dieser päpstlichen Besonnenheit nicht sonderlich angesprochen.

Diese kuriose Haltung fiel uns schon vor 9 Jahren auf – siehe hierzu unser Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2012/04/17/andreas-englisch-uber-papst-benedikt-und-seinen-vorganger-den-%e2%80%9ejahrtausendpapst/