Historiker Wolffsohn übt scharfe Kritik an Griechenlands linker Regierung

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Das „Handelsblatt“ veröffentlichte am 9.2.2014 online eine Kolumne des deutschjüdischen Schriftstellers und Historikers Dr. Michael Wolffsohn in der Rubrik „Professor Tacheles“.
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„Wer H wie Hitler sagt“, heißt es dort im Titel, der müsse  – so das Wirtschaftsblatt weiter  –  „auch die eigene Geschichte berücksichtigen“:
„Doch Griechenland schwingt die Moralkeule gegen Deutschland. Und dabei nimmt es Finanzminister Yanis Varoufakis mit der Wahrheit nicht immer genau.“  foto2019-leh
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Prof. Wolffsohn (siehe Foto) erklärt eingangs, dem griechischen Ministerpräsidenten und vielen Griechen passe das EU-Finanzsystem nicht, genauer: „Es passt ihnen nur, solange sie etwas bekommen.“
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Der Historiker aus München kritisiert besonders den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis; dieser bediene derzeit die „(Pseudo-)Moralkeule“ gegen Deutschland, verweise auf den Versailler Vertrag, der sich nicht bewährt habe  – und schlußfolgere hieraus, daß man denselben Fehler in der Griechenlandpolitik nicht wiederholen solle.

Prof. Wolffsohn stellt dazu den wesentlichen Unterschied klar: „Der Versailler Vertrag sollte Deutschland schwächen. Die Griechenlandpolitik der EU und Deutschlands will Griechenland helfen.“

Entschädigungs-Forderungen Griechenlands bislang gescheitert

Zur Forderung der griechischen Regierung nach  „Entschädigungen für Nazi-Kriegsverbrechen“ schreibt der Geschichtswissenschaftler:

„Schon frühere griechische Regierungen haben seit Jahrzehnten mehrfach diese Forderungen gestellt. Auch vor internationalen Gerichtshöfen. Stets waren sie gescheitert, denn, anders als im Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg, sollte (West-)Deutschland nicht zusätzlich geschwächt, sondern in seiner Erneuerung gestärkt werden. Wie wir wissen, war diese Entscheidung für alle segensreich.“

Diesen guten Geist habe die EU und Deutschland bislang auch gegenüber Griechenland angewandt, wie Prof. Wolffsohn betont: „Sie taten das, obwohl sich seinerzeit die ebenfalls schamlose Linksregierung von Andreas Papandreou den Eintritt in die Eurozone durch gefälschte Zahlen verschafft hatte.“

Der Historiker erwähnt zudem in seinem Beitrag, daß „im Zuge der deutschen Wiedervereinigung“ zwischen Europa, USA und Sowjetunion darüber Einigkeit erzielt worden sei, auf ein „Schuld- und Schuldenabkommen“ zu verzichten  – und dies nicht zuletzt deshalb, weil „die Alt-BRD auch ohne Reparationen oder ähnliche Strafen anderen Staaten von 1949 bis 1989/90 enorm großzügige und großherzige Finanz- sowie andere Hilfen hatte zukommen lassen“.

Außerdem weist Dr. Wolffsohn abschließend darauf hin, bei einer Debatte über die deutsch-griechische Geschichte im Kontext der NS-Diktatur müsse auch über die „Kollaboration von Griechen mit Nazis, SS und Wehrmacht“ gesprochen werden: „So klein war diese Mitarbeit nicht. Und gar nicht groß war das Mitleid mit den jüdischen Opfern.“

Foto: http://www.wolffsohn.de