Der Mensch als Ersatzteillager? – Kirchen gegen Widerspruchsregelung bei Organspende

In einem Schreiben an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben die katholische und die evangelische Kirche vor einer Einführung der Widerspruchsregelung bei der Organspende gewarnt. Das berichtet die evangelische Nachrichtenagentur epd.

Unterzeichnet ist das Schreiben von dem Berliner Bevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Matin Dutzmann, und dem Leiter des Katholischen Büros in der Hauptstadt, Prälat Karl Jüsten.

Nach Ansicht der Kirchen würde der Staat mit der Einführung einer Widerspruchregelung bei der Organspende „tief in den Kernbereich der menschlichen Existenz eingreifen“. Dagegen gäbe es „erhebliche, rechtliche, ethische und seelsorgerische Bedenken“.

Wie epd weiter berichtet, wurde dem Schreiben an alle 709 Bundestagsabgeordneten auch die achtseitige gemeinsame Stellungnahme beigefügt, welche die Kirchen für Öffentliche Anhörung im Bundestag im vergangenen September verfasst hatten.

Darin hatten die Kirchen sich klar gegen die Widerspruchregelung ausgesprochen.

Der Deutsche Bundestag wird am 16. Januar abschließend über die Neuregelung der Organspende entscheiden. Zur Wahl stehen zwei Gesetzentwürfe.

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach vorgeschlagene Widerspruchsregelung würde jeden Bürger zu einem potentiellen Organspender machen, der einer Organentnahme zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat.

Eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die ehemaligen Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Ulla Schmidt (SPD) wollen dagegen an dem bisherigen Prinzip der freiwilligen Zustimmung festhalten. Ihr Gesetzentwurf wird von den Kirchen unterstützt.

Quelle: ALFA- Newsletter


Mutiger evangelischer Bischof Abromeit predigt beim „Marsch für das Leben“

Wie die Internetpräsenz der Evangelischen Kirche von Mecklenburg-Vorpommern berichtet, nimmt erstmals seit Jahren ein landeskirchlicher evangelischer Bischof am „Marsch für das Leben“ in Berlin teil (der heute stattfindet), nämlich Hans-Jürgen Abromeit: http://www.kirche-mv.de/Marsch-fuer-das-Leben-mit-Bischof-Abromeit.10125.0.html

Dies ist umso erstaunlicher, als sich amtliche Vertreter der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) bislang fast immer distanziert bis ablehnend gegenüber diesem Lebensrechtler-Schweigemarsch geäußert haben, diesmal z.B. erneut Bischof Markus Dröge von Berlin-Brandenburg, der dieser Aktion eine „Polarisierung“ vorwarf.

Zweifellos scheiden sich die Geister, wenn es um das Lebensrecht der ungeborenen Kinder geht – allerdings bleibt unklar, warum Dröge das zu einem Vorwurf an die Abtreibungsgegner ummünzt.

Anders reagiert der Greifswalder evangelische Bischof Abromeit, der nicht nur „mitmarschiert“, sondern sogar die Predigt beim ökumenischen Abschlußgottesdienst auf dem Washington-Platz in Berlin halten wird.

Gegenüber dem epd-Pressedienst erklärte Abromeit: „Neues Leben beginnt nach medizinischer Expertise und gemeinsamer christlicher Überzeugung mit der Zeugung. Das so entstandene Kind hat ein Recht auf Leben – das soll geschützt werden.“ – Er sagte weiter, Gott sei „ein Freund des Lebens, das Leben ist absolut und heilig“. Deshalb sei es in seiner Theologie „konsequent, für das Leben einzutreten“.

Zudem nehmen diesmal erneut  – wie bereits in den Vorjahren  –  katholische Würdenträger an der Kundgebung für das Leben teil, darunter der Oberhirte von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer, sowie der Berliner Weihbischof Mathias Heinrich.


BILD-Zeitung und Presseagenturen fälschen Zahlenangaben vom „Marsch für das Leben“

Pressemitteilung des BVL (Bundesverband Lebensrecht):

Nach der (üblicherweise zurückhaltenden) polizeilichen Schätzung haben mehr als 4500 Menschen am Marsch für das Leben am Samstag in Berlin teilgenommen.

Diese Zahl übersteigt damit deutlich die bereits hohe Zahl der Teilnehmer im vergangenen Jahr (3000 Teilnehmer). PICT0129

Der BVL-Vorsitzende Martin Lohmann konnte diese Zahl noch während der Veranstaltung verkünden und freute sich mit allen Teilnehmern über diesen unübersehbaren Aufbruch der Lebensrechtsbewegung in Deutschland:

„Jedes Jahr werden wir mehr. Die Jüngeren unter uns beweisen: Gerade unter jungen Menschen wächst die Sensibilität für das Leben. Das macht Mut!“

Den Teilnehmern aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland rief er zu: „Bringt im nächsten Jahr alle noch jemanden mit nach Berlin!  –  Wir sehen uns am 20. September 2014!“

Erstaunt registrierte man beim BVL auch in diesem Jahr, daß manche Medien beim Thema Lebensschutz offenbar gerne weitaus niedrigere Zahlen melden.

Zu den Medien, die offensichtliche Fehlmeldungen brachten, die nicht mit den polizeilichen Schätzungen übereinstimmen, gehören u.a.:

Katholische Nachrichtenagentur KNA (Meldung von 15.45 Uhr): 1000 Teilnehmer
Evangelischer Pressedienst epd (Meldung vom 21.9.2013): 1000 Teilnehmer
Deutsche Presse-Agentur dpa (Meldung vom 21.9.2013): 2000 Teilnehmer
BILD Berlin (Meldung von 16.45 Uhr): 1800 Teilnehmer
Katholische Presse-Agentur KAP (Meldung vom 21.9.2013): 1000 Teilnehmer

„Man fragt sich, ob dies Absicht ist oder journalistische Inkompetenz“, meinte Martin Lohmann. „In manchen Fällen wiederholt sich dieser ‚Fehler’ gegen die Lebensschützer jährlich. Wenn es um das Leben geht, scheinen manche Kollegen jede Sorgfalt reflexartig zu verlieren. Warum eigentlich?“

Foto: Felizitas Küble