Erdbestattung: Zeugnis des Glaubens für die Würde des menschlichen Leibes

Von Felizitas Küble

Am 25. Oktober 2016 veröffentlichte der Vatikan die Instruktion der Glaubenskongregation „Ad resurgendum cum Christo“ (= Zur Auferstehung mit Christus) über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung.

Die römische Anweisung wurde am 15. August 2016 von Kurienkardinal Gerhard Müller unterzeichnet. Der Präfekt der Glaubenskongregation wählte für diese Instruktion, welche die Erdbestattung mit Nachdruck empfiehlt und theologisch begründet, sicher nicht ohne tieferen Sinn als Datum das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele.

Geht es doch hier wie da  –  beim Assumpta-Dogma sowie bei der Bevorzugung der Erdbestattung  –   um die Hochschätzung des menschlichen Leibes über den Tod hinaus.

Eingangs verweist das vatikanische Dokument auf die frühere Instruktion „Piam et constantem“ vom 5. Juli 1963. Darin findet sich der Aufruf, dass „die Gewohnheit, den Leichnam der verstorbenen Gläubigen zu beerdigen, heilig gehalten werde“.

Die Feuerbestattung wurde jedoch zugleich erstmalig unter bestimmten Bedingungen erlaubt, sofern sie nämlich nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ praktiziert werde. Zuvor war folgender Passus des Kirchenrechts gültig: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen.“

Der Anlass für die jetzige Instruktion ist wohl vor allem die Tatsache, dass sich – so heißt es dort eingangs – „die Feuerbestattung in nicht wenigen Ländern stark ausgebreitet“ habe. Auch in Deutschland steigt die Einäscherung kontinuierlich an. Waren es in Westdeutschland vor der Wiedervereinigung lediglich 7,5% aller Verstorbenen, die verbrannt wurden, so stieg dieser Anteil bereits 1999 auf 31,8% mit weiter wachsender Tendenz nach oben. In den neuen Bundesländern werden schon seit langem 70 – 75% der Toten eingeäschert. Auch auf kirchlichen Friedhöfen fällt die wachsende Anzahl der Urnen-„Gräber“ und Kolumbarien auf.

 Die Instruktion der Glaubenskongregation sieht diese Entwicklung zweifellos mit „brennender“ Sorge  – und sie begründet ihren Warnruf damit, dass sie die „lehrmäßigen und pastoralen Gründe“ darlegen wolle, welche „für die Bevorzugung der Beerdigung“ (also die Erdbestattung) sprechen. Zugleich gehe es darum, so Kardinal Müller weiter, „Normen für die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung zu erlassen“.

Nach einigen grundsätzlichen Ausführungen über Tod und Auferstehung Christi sowie die Bedeutung der Taufe heißt es weiter: „Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint.“

Warum dem Leib auch nach dem Tod Hochachtung gebührt

Auf dieser Grundlage schärft die Instruktion ein („empfiehlt die Kirche nachdrücklich“), den Leichnam des Verstorbenen „gemäß ältester christlicher Tradition auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen“.

Die Kirche senke „voll Hoffnung auf die Auferstehung in Herrlichkeit“ die „sterblichen Überreste“ der Gläubigen in die Erde. Der „Glaube an die Auferstehung des Fleisches“ solle auch auf diese Weise „bekräftigt“ werden. Zugleich wolle die Kirche dadurch „die hohe Würde des menschlichen Leibes“ ins Licht stellen, dem „Ehrfurcht und Achtung“ gebühre, denn durch die Taufe sei der menschliche Körper „Tempel des Heiligen Geistes geworden“.

Außerdem fördert die traditionelle christliche Erdbestattung, so heißt es weiter, „das Andenken und das Gebet für die Verstorbenen durch die Angehörigen und die ganze christliche Gemeinschaft, wie auch die Verehrung der Märtyrer und der Heiligen.“

Eben deshalb könne die Kirche keine Feuerbestattung erlauben, wenn derselben eine irrgeistige Motivation zugrunde liege:

„Sie kann deshalb nicht Haltungen oder Riten erlauben, die falsche Auffassungen über den Tod beinhalten, etwa wenn er als endgültige Vernichtung der Person, als Moment ihrer Verschmelzung mit der Mutter Natur oder dem Universum, als Etappe im Prozess der Reinkarnation oder als endgültige Befreiung aus dem „Gefängnis“ des Leibes verstanden wird.“

Freilich berührt die Einäscherung des Leichnams nicht die menschliche Seele, wie die Instruktion klarstellt  –   und sie „hindert die Allmacht Gottes nicht daran, den Leib aufzuerwecken“.  –  Gleichwohl gilt: „Die Kirche bevorzugt weiterhin die Beerdigung des Leichnams, die eine größere Wertschätzung für die Verstorbenen zeigt.“

Da es in den letzten Jahrzehnten verstärkt zu befremdlichen Bestattungs-Praktiken gekommen ist, erklärt die Instruktion, dass „die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum nicht gestattet“ ist  – davon kann nur bei „schwerwiegenden Umständen“ abgesehen werden, die im Einvernehmen mit dem Ortbischof zu klären sind.

Zudem wird auch die See- oder Luftbestattung untersagt:

„Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren.“

Fest steht jedenfalls, so heißt es abschließend:

„Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis nach Maßgabe des Rechts zu verweigern.“

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Glaubenskongregation mit dieser überfälligen Instruktion einige Stühle geraderückt und den Vorzug der herkömmlichen Beerdigung betont und begründet.

„Staub bist Du und zum Staub kehrst Du zurück“

Bisweilen hört man auch in katholischen Kreisen den Einwand, die Bibel selbst   – aber auch die Aschermittwochsliturgie  – spreche doch davon, dass der Mensch „Staub“ sei und dass er „zum Staub zurückkehrt“. 

Sicher trifft dies grundsätzlich zu, doch der wesentliche Unterschied besteht darin, dass der Leichnam  –  in der Erde vergraben –  durch den natürlichen Lauf der Dinge „zu Staub wird“, im Falle der Leichenverbrennung aber aktiv eingegriffen und der menschliche Körper absichtlich vernichtet wird. Hier geschieht also das „zu Staub werden“ willkürlich durch des Menschen eigene Hand  –  und dies meist „befeuert“ von Gründen der Kostenersparnis. Der Trend zum „Billig-Begräbnis“ (also Urne statt Sarg) scheint daher kaum aufzuhalten.

Nicht allein die Leichenverbrennung als solche ist deutlich preiswerter als die traditionelle Beerdigung, auch die Grabpflege gestaltet sich einfacher (sofern die Asche sich überhaupt noch in einem Urnen-„Grab“ befindet und nicht in einem Kolumbarium an der Friedhofswand, was den „Aufwand“ noch weiter verringert). Überdies ist bei der Einäscherung auch eine sog. „anonyme Bestattung“ möglich. Dabei wird die Urne in einem Massengrab beigesetzt, so dass überhaupt keine Grabpflegekosten für die Angehörigen entstehen.

In einer Wegwerf-Gesellschaft (die ungeborene Kinder bereits millionenfach tödlich „entsorgt“ hat) verschwindet zunehmend auch der Respekt vor dem Leichnam der  Verstorbenen. So wie es eine christlich-humane „Kultur des Lebens“ gibt, die das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützt und damit Abtreibung und Euthanasie verbietet, so gibt es auch eine „Kultur des Todes“, die den menschlichen Leibes bewusst hochschätzt, zumal er einst zur Auferstehung berufen ist.

Was ist uns die christliche Trauerkultur wert?

Hier stellt sich die jedoch die prinzipielle Frage: Was sind uns die Verstorbenen „wert“? Sind sie uns zwar noch „lieb“, dürfen aber auf keinen Fall „teuer“ werden? Welche Bedeutung hat hier noch eine wirklich christliche und humane Trauerkultur? Ist der Grundsatz vergessen, dass die Würde des menschlichen Leibes den Tod überlebt?

Im Judentum (und übrigens auch im Islam) ist die Leichenverbrennung nach wie vor strikt untersagt. Das Alte Testament kennt durchgehend eine strenge Pflicht zur Erdbestattung (vgl. 5 Mo 21,23) und betrachtet es als große Tugend, die Verstorbenen zu begraben (vgl. Buch Tobit). Die Verbrennung eines Leichnams wurde im Alten Bund als drastische Verschärfung der Todesstrafe angesehen und kam nur selten zur Anwendung (Gen 28,24; Jos 7,15).  –  Auch das Neue Testament geht von der Selbstverständlichkeit der Erdbestattung aus. Beim Begräbnis Christi betont Johannes ausdrücklich, dass es nach jüdischer Sitte ablief (Joh 19,39 f).

Die jüdisch-christliche Erdbestattung war in jener Zeit keineswegs selbstverständlich, denn im Heidentum praktizierte man vielfach die Einäscherung der Leichen. Dies wurde teils mit der Angst begründet, die Seele des Toten könne andernfalls in den Leichnam zurückkehren, teils auch mit der Abwertung des Leibes als „Gefängnis der Seele“ (gnostischer Dualismus). Auch die römischen Kaiser wurden nach ihrem Tod öffentlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt, wobei man von der mythologischen Vorstellung ausging, dass die kultisch verehrten Herrscher dabei gleichsam „wie ein Phönix aus der Asche steigen“ und ihrer Himmelfahrt und Vergöttlichung entgegenstreben.

Derartige teils leibfeindliche, teils abergläubische Ideologien hat das Christentum stets abgelehnt. Die Sitte der Erdbestattung wurde infolge der etappenweisen Christianisierung der Germanen im frühen Mittelalter allmählich auch staatliches Recht. Im Edikt von Paderborn verbot Karl der Große im Jahre 785 n. Chr. jede Feuerbestattung, um dieser alten Unsitte bei manchen Neuchristen ein Ende zu bereiten.

Katakomben: Erschütterndes Zeugnis der frühen Christen

Immerhin würdigt die Heilige Schrift den Leib des Gläubigen als Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und versteht die Auferweckung am Jüngsten Tag ausdrücklich als eine Auferstehung des Leibes bzw. – noch deutlicher formuliert  – des „Fleisches“, wobei der Körper in seiner verklärten Daseinsweise nicht mehr an die irdischen Naturgesetze gebunden sein wird (vgl. 1 Kor 15,35). Durch die Verwandlung des sterblichen Leibes in die Unsterblichkeit des ewigen Lebens steigert sich die Glückseligkeit der Menschenseele im Himmel, denn sie wird wieder mit ihrem eigenen Leib vereinigt und so zur „Ganzheit“ des Menschseins vollendet.

Sollten nicht gerade wir Christen ein klares Signal für eine wahrhaft menschenwürdige „Trauerkultur“ setzen, auch und gerade inmitten einer wachsenden neuheidnischen Umgebung?

Bedenken wir auch das Zeugnis der frühen Kirche in der damaligen heidnischen Umgebung:

Während der römischen Verfolgung scheuten die Christen keine Mühe, um ihre Verstorbenen in selbstgebauten, unterirdischen Katakomben würdevoll zu bestatten, was durchaus auch ein gefährliches Unterfangen war. Eine Einäscherung wäre für sie gerade in dieser bedrängten Lage viel einfacher gewesen. Damals war die Leichenverbrennung  – zumal in der römischen Hauptstadt –  gang und gäbe, weshalb keine Friedhöfe existierten. Es gab lediglich Grabmäler, die sich sehr vermögende,  hochstehende Personen leisten konnten.

Die Katakomben sind der steinernde, die Zeiten überdauernde Beweis dafür, wie wichtig den damaligen Gläubigen die Erbestattung war, unter welchem Aufwand, unglaublichen Mühen und Opfern sie inmitten von Bedrängnis und Verfolgung unter der Erde würdige Grabstätten für ihre Verstorbenen errichtet haben. Diese Einsatzbereitschaft war heldenhaft und ist vorbildlich auch für unsere Zeit – gerade für sie!

Gewiss beruht unsere Auferstehungshoffnung nicht auf einer bestimmten Weise der Bestattung, sondern auf den Verheißungen Gottes. Doch der christliche Jenseitsglaube stärkt sehr wohl unseren Sinn für die besondere Würde des menschlichen Leibes; eine Würde, die uns etwas wert sein sollte –  über den Tod hinaus!

Dieser Artikel unserer Autorin Felizitas Küble (Mail: felizitas.kueble@web.de, Tel. 0251-616768) wurde in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 11 – 12/2016) veröffentlicht und hier um ein paar Zeilen ergänzt.

 


Vatikan: Kirche bekräftigt Bevorzugung der Erdbestattung gegenüber der Einäscherung

Instruktion der Glaubenskongregation „Ad resurgendum cum Christo“ über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung

Wir dokumentieren hier den vollständigen Wortlaut der Instruktion (die Zwischentitel stammen von uns):

1. Um mit Christus aufzuerstehen, muss man mit Christus sterben; dazu ist es notwendig, „aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu Müllersein“ (2 Kor 5,8).

Mit der Instruktion Piam et constantem vom 5. Juli 1963 bestimmte das ehemalige Heilige Offizium, dafür Sorge zu tragen, dass „die Gewohnheit, den Leichnam der verstorbenen Gläubigen zu beerdigen, heilig gehalten werde“.

Es fügte aber hinzu, dass die Feuerbestattung der christlichen Religion nicht „an sich“ widerspricht und jenen, die sich dafür entschieden haben, die Sakramente und das Begräbnis nicht mehr verweigert werden dürfen. Voraussetzung dafür ist, dass sie die Einäscherung nicht „aus Ablehnung der christlichen Dogmen, aus sektiererischer Gesinnung oder aus Hass gegen die katholische Religion und Kirche“ gewählt haben. 

Diese Änderung der kirchlichen Ordnung wurde später in den Kodex des kanonischen Rechtes (1983) und in den Kodex der Kanones der katholischen Ostkirchen (1990) aufgenommen.

Mittlerweile hat sich die Feuerbestattung in nicht wenigen Ländern stark ausgebreitet. Aber zugleich haben sich auch neue Ideen verbreitet, die dem Glauben der Kirche widersprechen.

Kirche bevorzugt die Erdbestattung

Nach Anhören der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und zahlreicher Bischofskonferenzen und Bischofssynoden der katholischen Ostkirchen hat die Kongregation für die Glaubenslehre es für angebracht gehalten, eine neue Instruktion zu veröffentlichen, um die lehrmäßigen und pastoralen Gründe für die Bevorzugung der Beerdigung der Verstorbenen darzulegen und Normen für die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung zu erlassen.P1020947

2. Die Auferstehung Jesu, in der die christliche Glaubenswahrheit ihren Höhepunkt findet, wurde von den Anfängen des Christentums an als wesentlicher Teil des Pascha-Mysteriums verkündet: „Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (1 Kor 15,3-5).

Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat uns Christus von der Sünde befreit und den Zugang zu einem neuen Leben eröffnet: “Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben” (Röm 6,4).

Darüber hinaus ist der auferstandene Christus Ursache und Urgrund unserer künftigen Auferstehung: „Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen… Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1 Kor 15,20-22).

Christus wird uns am Letzten Tag auferwecken; andererseits sind wir aber schon in gewisser Weise mit Christus auferstanden. Denn durch die Taufe sind wir in den Tod und die Auferstehung Christi eingetaucht und sakramental ihm gleichgestaltet worden: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch DSC06228den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat“ (Kol 2,12).

Durch die Taufe sind wir mit Christus vereint und haben deshalb schon jetzt wirklich Anteil am Leben Christi (vgl. Eph 2,6).

Durch Christus hat der christliche Tod einen positiven Sinn. Die Liturgie der Kirche betet: „Deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen. Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt, ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet“. 

Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint. Auch in unseren Tagen ist die Kirche gerufen, den Glauben an die Auferstehung zu verkünden: „Die Auferstehung der Toten ist die Zuversicht der Christen; im Glauben an sie existieren wir“.

Beerdigung „gemäß ältester christlicher Tradition“ wird nachdrücklich empfohlen

3. Gemäß ältester christlicher Tradition empfiehlt die Kirche nachdrücklich, den Leichnam der Verstorbenen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort zu beerdigen. Radio Vatikan

Im Gedenken an den Tod, das Begräbnis und die Auferstehung des Herrn  –  ein Geheimnis des Lichtes, in dem der christliche Sinn des Sterbens offenbar wird   –  ist die Beerdigung die angemessenste Form, um den Glauben und die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung zum Ausdruck zu bringen.

Die Kirche, die den Christen während seiner Pilgerschaft auf Erden als Mutter begleitet hat, bietet in Christus dem Vater das Kind seiner Gnade an und senkt voll Hoffnung auf die Auferstehung in Herrlichkeit dessen sterbliche Überreste in die Erde.

Hohe Würde des menschlichen Leibes respektieren

Indem die Kirche den Leichnam der Verstorbenen beerdigt, bekräftigt sie den Glauben an die Auferstehung des Fleisches. Zugleich möchte sie so die hohe Würde des menschlichen Leibes als wesentlicher Teil der Person, dessen Geschichte der Leib teilt, ins Licht stellen. imm016_17

Sie kann deshalb nicht Haltungen oder Riten erlauben, die falsche Auffassungen über den Tod beinhalten, etwa wenn er als endgültige Vernichtung der Person, als Moment ihrer Verschmelzung mit der Mutter Natur oder dem Universum, als Etappe im Prozess der Reinkarnation oder als endgültige Befreiung aus dem „Gefängnis“ des Leibes verstanden wird.

Zudem entspricht die Beerdigung auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort in angemessener Weise der Ehrfurcht und Achtung, die den Leibern der Verstorbenen gebührt, welche durch die Taufe Tempel des Heiligen Geistes geworden sind und derer sich „der Geist wie eines Werkzeuges oder einer Vase bedient hat, um viele gute Werke zu vollbringen“.

Beerdigung ist ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit

Der gerechte Tobit wird wegen seiner Verdienste gelobt, die er sich vor Gott aufgrund der Beerdigung der Toten erworben hat. Die Kirche sieht in der Bestattung der Verstorbenen ein Werk der leiblichen Barmherzigkeit.

Schließlich fördert die Beerdigung der heimgerufenen Gläubigen auf dem Friedhof oder an einem anderen heiligen Ort das Andenken und das Gebet für die Verstorbenen durch die Angehörigen und die ganze christliche Gemeinschaft, wie auch die Verehrung der Märtyrer und der Heiligen.

Durch die Beerdigung des Leichnams auf Friedhöfen, in Kirchen oder in der Nähe der Kirchen hat die christliche Tradition die Gemeinschaft zwischen den Lebenden und den Toten bewahrt und sich der Tendenz entgegengestellt, das Sterben und dessen Bedeutung für die Christen zu verschleiern oder zu privatisieren.

Erdbestattung zeigt „größere Wertschätzung für den Verstorbenen“

4. Wo Gründe hygienischer, ökonomischer oder sozialer Natur dazu führen, sich für die Feuerbestattung zu entscheiden – eine Wahl, die nicht dem ausdrücklichen oder vernünftigerweise angenommenen Willen des verstorbenen Gläubigen entgegenstehen darf –, sieht die Kirche keine lehrmäßigen Gründe, um diese Praxis zu verbieten. Denn die Einäscherung des Leichnams berührt nicht die Seele und hindert die Allmacht Gottes nicht daran, den Leib aufzuerwecken. Sie beinhaltet deshalb an sich nicht die Leugnung der christlichen Lehre über die Unsterblichkeit der Seele und die Auferstehung des Leibes. 1548

Die Kirche bevorzugt weiterhin die Beerdigung des Leichnams, die eine größere Wertschätzung für die Verstorbenen zeigt. Aber die Feuerbestattung ist nicht verboten, „es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen“.

Wenn keine Gründe vorliegen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, begleitet die Kirche – nach der Begräbnisfeier – die Wahl der Feuerbestattung durch entsprechende liturgische und pastorale Hinweise und sorgt sich besonders auch darum, jede Form des Ärgernisses oder der religiösen Gleichgültigkeit zu vermeiden.

5. Wenn aus legitimen Gründen die Wahl der Feuerbestattung getroffen wird, ist die Asche des Verstorbenen in der Regel an einem heiligen Ort aufzubewahren, also auf einem Friedhof oder, wenn es angebracht ist, in einer Kirche oder an einem für diesen Zweck von der zuständigen kirchlichen Autorität bestimmten Ort.

Gebet und Gedenken für die Verstorbenen

Von Anfang an haben die Christen danach verlangt, dass die christliche Gemeinschaft für ihre Verstorbenen betet und ihrer gedenkt. Ihre Gräber wurden Orte des Gebetes, des Andenkens und der Besinnung. Die verstorbenen Gläubigen gehören zur Kirche; denn sie glaubt an die Gemeinschaft „derer, die hier auf Erden pilgern; derer, die nach Abschluss des Erdenlebens geläutert werden; und derer, die die himmlische Seligkeit genießen; sie alle bilden zusammen die eine Kirche“.

Die Aufbewahrung der Asche an einem heiligen Ort kann dazu beitragen, dass die Gefahr verringert wird, die Verstorbenen dem Gebet und dem Gedenken der Verwandten und der christlichen Gemeinschaft zu entziehen. Auf diese Weise wird auch vermieden, dass man sie möglicherweise vergisst oder es an Ehrfurcht fehlen lässt, vor allem, wenn die erste Generation nicht mehr lebt, oder dass es zu unangemessenen oder abergläubischen Praktiken kommt.

Keine Aufbewahrung der Asche zuhause  – keine Seebestattung

6. Aus den oben angeführten Gründen ist die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum nicht gestattet. Nur im Fall von schwerwiegenden und außergewöhnlichen Umständen, die von kulturellen Bedingungen lokaler Natur abhängen, kann der Ordinarius im Einvernehmen mit der Bischofskonferenz oder der Bischofssynode der katholischen Ostkirchen die Erlaubnis für die Aufbewahrung der Asche im Wohnraum gewähren. Die Asche darf aber nicht unter verschiedenen Familien aufgeteilt werden, und in jedem Fall müssen Ehrfurcht und angemessene Bedingungen der Aufbewahrung gewährleistet sein.  ???????

7. Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren. Denn für diese Vorgangsweisen können nicht die hygienischen, sozialen oder ökonomischen Gründe angeführt werden, die der Wahl der Feuerbestattung zugrunde liegen können.

8. Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis nach Maßgabe des Rechts zu verweigern.

Papst Franziskus hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekt am 18. März 2016 gewährten Audienz die vorliegende Instruktion, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation am 2. März 2016 beschlossen worden war, approbiert und ihre Veröffentlichung angeordnet.

Rom, am Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre, am 15. August 2016, Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel.

Gerhard Kardinal Müller, Präfekt
Erzbischof Luis F. Ladaria, S.J, Sekretär

Quelle: rv 25.10.2016 mg

HINWEIS: In der vergangenen Woche haben wir diesen Artikel pro Erdbestattung veröffentlicht: https://charismatismus.wordpress.com/2016/10/21/evangelisches-plaedoyer-fuer-die-erdbestattung-und-die-wuerde-unseres-leibes/


Evangelisches Plädoyer für die Erdbestattung und die Würde unseres Leibes

Von Dennis Riehle

Wir hören in der Diskussion über Erd- oder Feuerbestattung immer wieder von der Abwandlung des biblischen Verses: „Asche zu Asche, Staub zu Staub“. Und wir entnehmen daraus nicht nur die Rechtfertigung, sondern gar eine Bestärkung in unserem Denken, das Verbrennen des Leibes sei die Form des Beerdigens, die wir als Christen guten Gewissens befolgen können. Riehle, Dennis_5

Die Heilige Schrift kennt unterschiedliche Bezeichnungen für den „Staub“. Nicht jeder ist so zu verstehen, wie wir es mit unserem einzigen Begriff tun. Viel eher zeigt uns ein Blick auf die zentrale Stelle, aus der das oben genannte Sprichwort immer wieder abgeleitet wird, wie vielseitig die Bibel in ihrer so bildlichen Darstellung ist:

In Prediger 12,7 verweist die Schrift uns auf Kapitel 3,20 des gleichen Buches, wo wir lesen, dass dieser „Staub“ wieder dorthin zurück muss, wo Gott ihn hergeholt hat. Aber eben nicht durch unsere Hand, das macht auch die Bedeutung von דכא an dieser Stelle deutlich. Sie bezieht sich nämlich mit diesem Verb auf Genesis 2,17, wo es der HERR ist, der die Asche aus dem Lehmboden formt und ihm den Odem einhaucht.

Zu Staub werden – aber nicht durch unsere Hand

Nicht wir sind die Aktiven, sondern Gott selbst lässt uns aus dem Staub des Ackerbodens zum Menschen werden. Mit seiner Hilfe erwachsen wir – und allein mit seinem Zutun kehren wir wieder in diesen Zustand der Asche zurück.

Für mich spricht die Bibel eine eindeutige Sprache: Es liegt nicht an uns, der Rückkehr in Gottes Hand durch unser Werk hinein zu pfuschen. ER holt uns zu sich, so wir ER uns schuf.

Das funktioniert auf ganz natürliche Weise, unser Eingreifen ist dabei nur ein modisches Phänomen, das von Kostendruck, Ängsten und sozialer Isolation wahrhaftig und nicht nur sprichwörtlich „befeuert“ wird.

Trauerkultur statt Fixierung auf „Kostenzwänge“

Statt sich diesen Zwängen zu unterwerfen, brauchen wir mutige und besonnene Stimmen, die eine Lösung der zugrunde liegenden Ursachen mahnen. Hätten wir mehr Vertrauen, würden wir uns nicht vor dem Tod sorgen.014_11

Die Schrecken machenden Bilder, die uns mit unserem Ableben von allen Seiten genannt werden, sind zweifelsfrei Grund, sich ein schnelles Ende zu wünschen: verbrannt, vergessen, aus dem Sinn. Was für eine traurige Botschaft entnehmen wir solchen Vorstellungen!

Wo ist die Zuversicht auf unser Geborgensein? Wenn das Begräbnis zu teuer wird und eine Urne dem Sarg vorgezogen wird, weil das Geld für nicht mehr reicht, müssen wir uns fragen, wie wichtig uns unsere Trauerkultur denn wirklich ist!

 Das Sterben ist nichts, was man möglichst kostengünstig hinter sich bringen kann. Bewusstsein für diesen Prozess, der ein Leben beschließt, so umfangreich, wie es beginnt, findet auch Ausdruck darin, wie ernst wir unser letztes Geleit nehmen.

Wir können der Ewigkeit nicht entrinnen

Bloß weg von dieser Welt – viele von uns möchten davonrennen, obwohl wir wissen, dass wir der Ewigkeit nicht entrinnen können, egal, wie wir sie verstehen. Spuren bleiben, Erinnerungen können nicht gelöscht werden, auch nicht durch das Feuer im Krematorium.

Und das Menschenrecht jedes Einzelnen muss es erlauben, dass wir eine Bestattung erhalten, die dem Leben würdig ist. Ob wir am Ende alleine waren – oder viele von uns Abschied nehmen möchten.

Wohin geht unsere Gesellschaft, wenn wir aus Einsamkeit die Verbrennung dieses einen Körpers, mit dessen Gabe uns Gott eine Verantwortung übertragen hat, ob in 1. Mose 2,15 oder in Kapitel 3,22, der Rückgabe in seine Hand, in die Erde, bevorzugen?

Nicht ohne Grund schreibt auch Martin Luther in seinem Text „Nun legen wir den Leib ins Grab“ davon. Nein, wir verbrennen ihn nicht, weil wir stattdessen die Hoffnung haben: „… durch Gottes Gab wird, was wir hier verweslich sä’n, einst unverweslich auferstehn“ (EG 520,1).

Dennis Riehle, Martin-Schleyer-Str. 27 in 78465 Konstanz
Webpräsenz: www.Dennis-Riehle.de

Ergänzender Artikel dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/17/5-punkte-fur-eine-kultur-des-todes-warum-die-erdbestattung-empfehlenswert-bleibt/

 


Merkwürdiges vom „Kölner Domradio“ zum Dauerbrenner Feuerbestattung

Am gestrigen 5. Juli 2013 veröffentlichte das bischöfliche „Kölner Domradio“ einen Artikel des KNA-Redakteurs Joachim Heinz zum Thema Leichenverbrennung unter dem Titel: „Vor 50 Jahren erlaubte die katholische Kirche Feuerbestattung: Eine Kulturrevolution.“

Zunächst wird darauf verweisen, daß der Vatikan am 5.7.1963 das bis dahin geltende kirchliche Verbot der Leichenverbrennung aufgehoben hat. Danach heißt es:Was unter Papst Paul VI. endete, begann mit Karl dem Großen“, was aber blühender Unsinn ist, denn die katholische Kirche hatte ohnehin   –  ebenso wie das Judentum  –  stets strikt an der Erdbestattung festgehalten: Karl der Große hat diesen Standpunkt lediglich noch in staatliche Gesetzesform gegossen; von einem „Beginn“ kann also keine Rede sein. 0018

Sodann heißt es weiter im Domradio-Beitrag, die frühere kirchliche Haltung sei „schwer nachvollziehbar angesichts der Tatsache, dass in der frühen Geschichte der Menschheit Erd- und Feuerbestattung nebeneinander her existierten.“ 

Was soll „schwer nachvollziehbar“ daran sein, daß die katholische Kirche sich nicht am frühgeschichtlichen Heidentum, das tatsächlich vielfach die Leichenverbrennung kannte, orientiert hat, sondern am jüdischen Vorbild und dem Zeugnis der Heiligen Schrift?

Sodann heißt es allen Ernstes: „Die Kehrtwende kam im frühen Mittelalter. Im Edikt von Paderborn verbot Karl der Große 785 bei Todesstrafe die Durchführung von Feuerbestattungen.“ 

Von einer „Kehrtwende“ keine Spur, zumal auch bei den „alten Germanen“ in vorchristlicher Zeit die Erdbestattung der Regelfall war, das Christentum hier also nichts Revolutionäres einführte  –  und somit Karl der Große sich sowohl auf kirchliches Recht wie auf landesübliche Gepflogenheiten berufen konnte.

Sodann schreibt der Autor teils merkwürdig ironisch: „Stützen konnten sich Karl und die Häupter der Christenheit auf biblische Überlieferungen. Im Alten Testament wurde die Feuerbestattung als schwere Schande angesehen. Positives Vorbild war die Grablegung Jesu. Bis in die Neuzeit hinein hatte die liebe Seele ihre Ruh‘. Daran konnten auch aufmüpfige Freigeister nicht rütteln.“

Abgesehen davon, daß es beim Leichnam nicht um die „liebe Seele“ geht, sondern um die Würde des menschlichen Leibes, die auch nach dem Tod größtmöglichen Respekt erfahren sollte, ist die „biblische Überlieferung“ schließlich keine Nebensache, sondern zentrales Argument für die Erdbestattung.

Außerdem wurde die Leichenverbrennung im 18. und 19. Jahrhundert vor allem von antikirchlichen „Freigeistern“ und diversen Freimaurervereinigungen propagiert, um damit eine Leugnung des Auferstehungsglaubens zu betonen. Also bestand die katholische Kirche erst recht auf ihrer traditionell bewährten Haltung.

Sodann wird in dem erwähnten Artikel das katholische Kirchenrecht von 1917 zitiert, dessen folgender Passus bis 1963 Gültigkeit besaß: „Einem Gläubigen, der die Verbrennung seines Leichnams anordnet, wird das kirchliche Begräbnis zur Strafe entzogen.“

Die Kirche hätte aus meiner Sicht gut daran getan, an ihrem eindeutigen JA zur Erdbestattung festzuhalten, wie es dem biblischen Zeugnis und der christlichen Tradition seit Jahrtausenden entspricht.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Unsere positiven Argumente pro Erdbestattung siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2013/05/17/5-punkte-fur-eine-kultur-des-todes-warum-die-erdbestattung-empfehlenswert-bleibt/


Fünf Punkte für eine „Kultur des Todes“: Warum die Erdbestattung sinnvoll bleibt

Die Würde des menschlichen Leibes überlebt den Tod!

Auch unter Christen wächst in den letzten Jahren deutlich die Bereitschaft zur Feuerbestattung. Schon aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen neigen immer mehr Menschen zur Leichenverbrennung, ist dieser Weg doch erheblich preiswerter und die Grabpflege einfacher.

Im Rahmen einer Wegwerf-Gesellschaft verschwindet offenbar zunehmend auch der Respekt vor dem Leib des Verstorbenen.

Der Trend zum „Billig-Begräbnis“ scheint daher kaum aufzuhalten  –  und damit auch die Inanspruchnahme der Krematorien. Überdies ist bei der Leichenverbrennung auch eine sog. „anonyme Bestattung“ möglich. Dabei wird die Urne in einem Massengrab beigesetzt, so daß keine Grabpflegekosten für die Angehörigen entstehen. 035_31A

Obwohl die katholische Kirche das frühere Verbot der Feuerbestattung aufgehoben hat und die Leichenverbrennung nunmehr toleriert, betrachtet sie nach wie vor die Erdbestattung als den besseren Weg im Sinne einer „Kultur des Todes“.  

Im Judentum ist die Leichenverbrennung nach wie vor strikt untersagt.

Das frühere kirchliche Nein zur Leichenverbrennung kam nicht von ungefähr. Immerhin erwies sich das antikirchliche Lager (vor allem die Freimaurerei) als entschiedener Gegner der Erdbestattung. Mit dieser Haltung wollten die Drei-Punkte-Brüder den Glauben an die Auferstehung des menschlichen Leibes leugnen.

Zuweilen spielte aber auch die Angst vor einem Scheintod den Feuerbestattern in die Hände. Die damals geforderte Leichenschau ist freilich längst gesetzliche Vorschrift (Totenschein).  Überdies ist die moderne Diagnostik heute so verfeinert, daß man die Angst vor einem Scheintod als unbegründet ansehen kann.

So wie es eine „Kultur des Lebens“ gibt, die das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützt und damit Abtreibung und Euthanasie verbietet, so gibt es auch eine „Kultur des Todes“, die sich der Würde des menschlichen Leibes bewußt ist, der zur einstigen „Auferstehung des Fleisches“ berufen ist.

Kindergrab in Münster

Kindergrab in Münster

In Diskussionen hierüber ist oft eine erschreckende Unkenntnis über die theologischen und kulturellen Hintergründe dieses Themas erkennbar, so daß es sinnvoll erscheint, beispielhaft fünf Punkte aufzuzeigen, welche die Bedeutung der Erdbestattung erläutern:

  1. Das Alte Testament kennt durchgehend eine strenge Pflicht zur Erdbestattung (vgl. 5 Mo 21,23) und betrachtet es als große Tugend, die Verstorbenen zu begraben (vgl. Buch Tobit). Die Verbrennung eines Leichnams wurde im Alten Bund als drastische Verschärfung der Todesstrafe angesehen und kam nur selten zur Anwendung (1 Mo 28,24; Jos 7,15).  –  Auch das Neue Testament geht von der Selbstverständlichkeit der Erdbestattung aus. Beim Begräbnis Christi betont Johannes ausdrücklich, daß es nach jüdischer Sitte ablief (Joh 19,39 f).
  2. Die jüdisch-christliche Erdbestattung war damals keineswegs selbstverständlich, denn im Heidentum praktizierte man vielfach  die Einäscherung der Leichen. Dies wurde teils mit der Angst begründet, die Seele des Toten könne andernfalls in den Leichnam zurückkehren, teils auch mit der Abwertung des Leibes als „Gefängnis der Seele“ (gnostischer Dualismus).
  3. Demgegenüber würdigt die Heilige Schrift den Körper des Christen als Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und versteht die Auferweckung am Jüngsten Tag als eine Auferstehung des Leibes (siehe 1 Kor 15,35), der in seiner verklärten Daseinsweise dann nicht mehr an die Naturgesetze gebunden ist.  Durch die Verwandlung des sterblichen Leibes in die Unsterblichkeit des ewigen Lebens steigert sich die Glückseligkeit der Menschenseelen im Himmel, denn sie  werden wieder mit ihrem eigenen Leib vereinigt und so zur „Ganzheit“  des Menschseins vollendet.
  4. Zur Ehrfurcht vor dem Leben gehört auch die Achtung vor dem menschlichen Leib. Die Würde des Menschen gilt über seinen Tod hinaus. Die Frage stellt sich, wieweit Menschenwürde und Verbrennung im Krematorium wirklich vereinbar sind, handelt es sich doch hierbei um eine willentliche, absichtliche und aktive Zerstörung des Leibes.
  5. Sollten wir Christen wirklich an der „falschen Stelle“ sparen? Sollten wir nicht vielmehr ein klares Signal für eine umfassende „Kultur des Todes“ setzen, auch und gerade inmitten einer neuheidnischen Umgebung?   –  Bedenken wir das Zeugnis der ersten Christen in der damaligen altheidnischen Umgebung: Während der römischen Christenverfolgung scheuten sie keine Mühe, um ihre Verstorbenen in selbstgebauten, unterirdischen Katakomben  zu bestatten. Eine Einäscherung wäre gerade in dieser bedrängen Lage viel einfacher gewesen.  –  Gewiß beruht unsere Auferstehungshoffnung nicht auf einer bestimmten Art der Bestattung, sondern auf den Verheißungen Gottes. Doch der christliche Jenseitsglaube stärkt sehr wohl unseren Sinn für die besondere Würde des menschlichen Leibes; eine Würde, die uns etwas wert sein sollte  –  über den Tod hinaus!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster