Kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung bedeutet: „Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von Felizitas Küble

Von über zweitausend Erscheinungen, Visionen und ähnlichen „übernatürlichen“ Kundgaben hat die katholische Kirche im Laufe der Jahrtausende ganze 16 Stück gebilligt, das sind weniger als 0,1 Prozent – und auch diese „anerkannten“ Privatoffenbarungen sind für Katholiken nicht verbindlich, geschweige verpflichtend. 

Der Ausdruck „Anerkennung“ kann zwa richtig verstanden werden, aber unter Umständen mißverständlich klingen. Manche meinen nämlich, eine Anerkennung sei wie eine Art Amtsstempel, der die übernatürliche Herkunft einer bestimmten Erscheinung sicher verbürgt oder lehramtlich bestätigt.

In Wirklichkeit lautet der offzielle kirchliche Ausdruck für diesen Vorgang aber „Approbation“ – und dieser lateinische Begriff heißt übersetzt: Erlaubnis, Genehmigung oder Billigung  –  nicht aber Bestätigung.

Wenn also eine Erscheinung approbiert wird, ist es dem Kirchenvolk gestattet, daran zu glauben.

Papst em. Benedikt XVI. hat dazu in seinem Apostolischen Schreiben ‪„Verbum Domini“ Stellung bezogen:

„Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Hier die amtliche Übersetzung der vatikanischen Kleruskongregation (siehe Kapitel 14): http://www.clerus.org/bibliaclerusonline/de/h35.htm

Wortwörtlich derselbe Abschnitt („...erlaubt….gestattet...“) findet sich auch in einer Verlautbarung der Glaubenskongregation mit dem Titel Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen“ (3. Kapitel) von Kardinal Levada aus dem Jahre 2011: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html  

Diesen bewährten kirchlichen Standpunkt erwähnte bereits Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Foto), in seinem 1738 erschienenen Standardwerk über Selig- und Heiligsprechungen: 

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.‪“

Den Ausdruck „gestattet“ wählte auch der Bischof von Fatima, Dom José, als er die Erscheinungen von Fatima 1930 genehmigte.

In bewährter Tradition bestätigte er in seiner Approbations-Formel keine „übernatürliche“ Herkunft, sondern bezeichnete die Marienerscheinungen zurückhaltend-sachlich als „glaubwürdig“  – gemeint ist damit eine menschliche Glaubwürdigkeit, keine dogmatische Sicherheit. Der Oberhirte erwähnte sodann, die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell gestattet.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Der katholische Dogmatiker Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) erläutert ebenfalls, daß Privatoffenbarungen von der Kirche ‪„niemals als Gegenstand allgemeiner Glaubenspflicht‪“ vorgelegt werden.

Ihre kirchliche Billigung besage nur, dass in den Botschaften nichts zu finden ist, was dem Glauben und der Sitte widerspreche, daß sie daher veröffentlicht und geglaubt werden dürfen.

Er fährt fort: ‪„Die Approbation gehört nicht in den Bereich des Lehramtes, sondern des Hirtenamtes. Daher sind auch approbierte Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verpflichtend.

Die Kirche könnte sie gar nicht verpflichtend machen, selbst wenn sie es wollte, denn die kirchliche Unfehlbarkeit bezieht sich nur auf die Bewahrung und Interpretation der öffentlichen Offenbarung.“

Aus diesem Grunde ist es den Gläubigen selbstverständlich gestattet, kirchlich ‪„anerkannte“  bzw. approbierte Erscheinungen auf sachbezogene Weise kritisch zu bewerten.
Prof. Schumacher dazu: ‪„Maßvolle Kritik an den Privatoffenbarungen und ihre begründete Ablehnung sind möglich und durchaus mit dem Glauben zu vereinbaren, wenn sie nur mit der gebotenen Bescheidenheit, vernünftig und ohne Mißachtung vorgetragen werden.“


Bestätigt die kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung ihre „Übernatürlichkeit“?

Von Felizitas Küble

In erscheinungsbewegten Kreisen wird immer wieder die Meinung geäußert, wenn die Kirche eine Privatoffenbarung anerkenne, bestätige sie damit gleichsam amtlich, daß es sich bei diesem Phänomen um einen übernatürlichen Vorgang handelt, also um ein vom Himmel bewirktes Ereignis. 

Diese – übrigens irrige – Ansicht wird nicht allein von Privatleuten vertreten, sondern wurde z.B. auch von der theologisch relativ anspruchsvollen, traditionell orientierten Internetseite „Katholisches.info“ geäußert.

So heißt es dort in einem Artikel  vom 10. April 2014 (der sich kritisch mit einem Text aus unserem CHRISTLICHEN FORUM befaßt), die Kirche habe die „Offenbarungen an die Seherkinder von Fatima anerkannt“ (was ohnehin unstrittig ist); sie seien aber „keineswegs etwas Privates“.

Weiter heißt es an die Adresse der Kirche gerichtet: „Wer eine solche Botschaft als übernatürlich anerkennt, kann, sofern er nicht schizophren denkt, unmöglich zugleich behaupten, es müsse sich aber keiner dran halten.“

Sodann schreibt ein anderer Autor am 21.3.2014 auf demselben Portal, Fatima sei „vom portugiesischen Episkopat 1930 als übernatürlich anerkannt worden“.

In Wirklichkeit wurde diese Privatoffenbarung vom Bischof von Fatima, Dom José (nicht vom dortigen „Episkopat“), in einem Pastoralschreiben lediglich gebilligt; das Wort „übernatürlich“ kommt in der Approbations-Formel nicht vor.

Vielmehr heißt es in bewährter kirchlicher Ausdrucksweise, die Visionen der Hirtenkinder seien „glaubwürdig“ und die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell „gestattet„.

Drei Jahre später  –  am 3. Mai 2017 – klingt es in einem weiteren Artikel auf derselben Webseite „Katholisches.info“ schon etwas zurückhaltender und damit richtiger:

„Die Kirche reagiert vorsichtig, zurückhaltend und behutsam. Sie hat keine Eile, weil die göttliche Offenbarung mit Christus abgeschlossen ist und „Sonderoffenbarungen“ ihr nichts mehr hinzufügen können, was nicht schon gesagt ist.

Es handelt sich dabei, ob anerkannt oder nicht, bei allen Phänomen seither um Privatoffenbarungen, denen kein offizieller Charakter zukommt und die – selbst bei kirchlicher Anerkennung – von keinem Gläubigen geglaubt und anerkannt werden müssen.“

Also schön – immerhin etwas dazugelernt!

Und nun zur Sache selbst, wobei vorweg die Frage zu klären ist:  Was bedeutet eine kirchliche „Anerkennung“?

Der Ausdruck ist ungenau, denn der amtliche kirchliche Fachbegriff „Approbation“ beinhaltet keineswegs eine Anerkennung im Sinne einer Bestätigung, sondern bedeutet sowohl inhaltlich wie sprachlich vielmehr: Erlaubnis, Billigung, Genehmigung.

Wenn die Kirche also eine Privat- bzw. Sonderoffenbarung billigt, gestattet sie es den Katholiken, an diese Erscheinung zu glauben, verpflichtet sie aber nicht dazu.

Manche Apparationisten (Erscheinungsbewegten) wollen diesen schlichten Sachverhalt nicht gerne wahrhaben, sondern deuten eine Approbation als vermeintliche Bestätigung der „Übernatürlichkeit“.

In Wirklichkeit „bestätigt“ die Kirche aber lediglich, daß es erlaubt ist, an die betreffende Privatoffenbarung zu glauben – punktum.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 wörtlich hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte noch hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“


Dankeswort der Piusbruderschaft für die päpstliche Erlaubnis zur Ehe-Assistenz

Wie bei den von Papst Franziskus veranlassten Bestimmungen, kraft welche er den Priestern der Bruderschaft die Erlaubnis zum Beichthören für das Heilige Jahr der logofsspxBarmherzigkeit erteilte (1. September 2015) und sie über das Heilige Jahr hinausdehnte (20. November 2016), erfährt nun das Generalhaus, dass der Heilige Vater entschieden hat, „die Ortsordinarien zu bevollmächtigen, auch die Erlaubnis zur Feier der Eheschließung der Gläubigen, die den pastoralen Aktivitäten der Bruderschaft folgen, […] erteilen zu können.“ (Brief der Kongregation für die Glaubenslehre vom 27. März 2017, veröffentlicht am 4. April)

Diese Entscheidung des Papstes sieht vor: „Wann immer möglich, soll die Vollmacht zur Eheassistenz seitens des Ordinarius einem Diözesanpriester (oder jedenfalls einem regulären Priester) erteilt werden, um die Konsenserklärung der Partner bei der Feier des Sakraments entgegenzunehmen, die nach der Liturgie des Vetus ordo zu Beginn der heiligen Messe erfolgt. Daran schließt sich die Feier der Votivmesse durch einen Priester der Bruderschaft an.“

Gleichzeitig verfügt sie aber: „Sollte das nicht möglich oder sollte kein Diözesanpriester anwesend sein, der den Konsens der Partner entgegennimmt, kann der Ordinarius erlauben, die erforderlichen Vollmachten unmittelbar dem Priester der Bruderschaft, der auch die heilige Messe feiert, zu erteilen. Dieser ist zu ermahnen, pflichtgemäß der Diözesankurie alsbald die Trauungsdokumente zukommen zu lassen.“

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. dankt dem Heiligen Vater innig für seine oberhirtliche Fürsorge, wie sie im Brief der Kommission Ecclesia Dei zum Ausdruck kommt, mit dem Ziel, die „Unsicherheiten in Bezug auf die Gültigkeit des Ehesakramentes“ zu beseitigen.

Papst Franziskus will offensichtlich, wie es bereits für die Beichte der Fall ist, dass alle Gläubigen, die sich in Anwesenheit eines Priesters der Bruderschaft St. Pius X. trauen lassen möchten, es ohne Besorgnis über die Gültigkeit des Sakramentes tun können. Es ist wünschenswert, dass alle Bischöfe die gleiche pastorale Fürsorge mit ihm teilen.

Die Priester der Bruderschaft St. Pius X. werden treu darauf achten – wie sie es schon seit ihrer Priesterweihe zu tun pflegen – die zukünftigen Eheleute gemäß der unveränderlichen Lehre Christi über die Einheit und Unauflöslichkeit dieser Verbindung (vgl. Mt 19,6) auf die Trauung vorzubereiten, bevor sie die Konsenserklärung im traditionellen Ritus der heiligen Kirche entgegennehmen.

Menzingen, am 4. April 2017

Quelle: http://www.dici.org/en/documents/kommunique-des-generalhauses-der-priesterbruderschaft-st-pius-x-zum-brief-der-papstlichen-kommission-ecclesia-dei-uber-die-eheschliesung-der-glaubigen-der-priesterbruderschaft-st-pius-x-4-april/


Was bedeutet die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung genau?

„Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von den tausenden „Privatoffenbarungen“ (Erscheinungen, Visionen, „Botschaften“ etc) hat die katholische Kirche sehr wenige (unter 1%) kirchlich „anerkannt„, wie es im deutschen Sprachgebrauch meist formuliert wird. kleines-rituale

Der deutsche Ausdruck „Anerkennung“ klingt allerdings mißverständlich bis irreführend:

Der kirchenamtliche lateinische Begriff heißt „Approbation„, wofür die sprachlich und inhaltlich zutreffendste Übersetzung „Genehmigung“ oder „Billigung“, „Erlaubnis“ wäre. (Anerkennung heißt „Aestimation“, das Verb „anerkennen“ im Lateinischen „laudare“ oder „agnoscere“. Bestätigen heißt „confirmere“.)

Wenn die Kirche also eine Privatoffenbarung „approbiert“, dann „anerkennt“ sie diese nicht etwa in dem Sinne, als ob sie dafür eine lehramtliche „Bestätigung“ bieten könne oder wolle; sie lehrt damit auch keineswegs verbindlich die übernatürliche Herkunft einer „Erscheinung“; es geht vielmehr darum, daß sie dem Kirchenvolk den Glauben daran gestattet, daß sie ihn „billigt“.

Es handelt sich also keineswegs um eine Verpflichtung („Du mußt!“), nicht einmal um eine lehramtliche Empfehlung („Du sollst!“), sondern lediglich um eine Genehmigung („Du darfst!“).

Es geht  – um einem Mißverständnis zu wehren  –   bei der Approbation einer Privatoffenbarung nicht um eine Anerkennung in der Weise, wie manche Gläubige dies auslegen, als hier ob das unfehlbare Lehramt der Kirche sprechen würde und verbindlich entschieden hätte.

Für die Approbation einer Erscheinung ist laut Kirchenrecht ohnehin nicht der Papst zuständig, sondern der Ortsbischof – und gegebenenfalls die Glaubenskongregation, falls der betreffende Bischof die Angelegenheit nach Rom weiterreicht bzw. jene Privatoffenbarung eine weit überregionale Bedeutung erlangt.

Bei der Beurteilung einer Erscheinung ist zudem nicht so sehr das „Lehramt“ des Bischofs gefragt, sondern vor allem sein „Hirtenamt“, denn der Inhalt von Privatoffenbarungen gehört nicht zum Glaubensgut der Kirche, auch nicht im Falle einer Approbation, also einer sogenannten „Anerkennung“. (Dies bekräftigt auch der katholische Weltkatechismus ausdrücklich.

Das sog. „depositum fidei“ (das hinterlegte, überlieferte Glaubensgut) beruht auf der göttlichen Offenbarung (die mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist) und auf der lehramtlichen Verkündigung der Kirche.

Zu dieser „öffentlichen“, amtlichen Verkündigung gehören aber grundsätzlich keine „Botschaften“ aus Privatoffenbarungen (auch nicht aus „anerkannten“).

Die Approbation von Erscheinungen ist im wesentlichenvergleichbar mit einer kirchlichen Druckerlaubnis (Imprimatur): auch diese verpflichtet niemanden, das betreffende Buch zu lesen, sondern gestattet dies lediglich.023_20A

Diese Auslegung bestätigt Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Grafik); er schrieb in seinem 1734 erschienenen Klassiker über die Selig- und Heiligsprechungen:

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Privatoffenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis…, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.“  

(Quelle: Prosper Lambertini, De Servorum Dei Beatificatione et Beatorum Canonizatione II, 32, 11; III, cap. ult., 15)

Papst Benedikt in VERBUM DOMINI

Papst Benedikt XVI. hat sich in seinem „Apostolischen Schreiben“ VERBUM DOMINI vom 30. September 2010 im 14. Kap. (b) ausdrücklich mit dem Thema göttliche Offenbarung und – im Unterschied dazu –  den sog. Privatoffenbarungen befaßt: 

In diesem „nachsynodalen“ (nach einer Bischofssynode in Rom herausgegebenen) päpstlichen Dokument heißt es (Linien von uns markiert):

„Folglich hat die Synode empfohlen, „den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden“. Diese „sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben“. 1_0_668126

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns.

Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt.

Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist. 

Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken. Foto: Kloster Ettal

Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl. 1Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss. Auf jeden Fall muss es darum gehen, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind.“

Damit wird erstens bestätigt,

A. daß die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung lediglich eine „Erlaubnis“ beinhaltet, die den Gläubigen die Zustimmung dazu „gestattet“

B. daß jene freiwillige Zustimmung der Gläubigen, falls sie erfolgt, zudem in einer „klugen Weise“ geschehen soll.

Unklug wäre es nämlich, wenn man einer Privatoffenbarung in einer übereifrigen Weise zustimmen würde, etwa so, als ob sie zum Glaubensgut der Kirche gehöre oder gar ein Dogma sei  –  oder als ob sie etwa der „Maßstab des Katholischen“ sei, als ob man damit gar das „Katholischsein“ anderer Menschen bemessen könnte.

Auch kirchlich genehmigte Erscheinungen sind kein „fünftes Evangelium“  –  geschweige gar das erste.

Sie sind vielmehr ein Angebot der Kirche für jene, denen eine solche Privatoffenbarung helfen kann, ihren Glauben zu vertiefen. An kirchlich nicht genehmigten Erscheinungen soll man hingegen nicht hängen, erst recht nicht an jenen, die eindeutig abgelehnt wurden (zB. Heroldsbach).

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster