Die „Familie des Vaters“ von Dr. Prenner und das Verdrängen unseres Erlösers

Von Felizitas Küble

Im Christentum und vor allem in der katholischen Kirche gibt es eine große Vielfalt von Frömmigkeitsformen, Vorlieben und Schwerpunkten. 

So betonen die einen stärker Gott-Vater als den Schöpfer, viele andere – etwa bibelgläubige Evangelikale – stellen Christus in das Zentrum ihres Glaubens – und manche Gläubige wenden sich besonders gerne an den Heiligen Geist, was nicht nur für Charismatiker gilt, sondern z.B. auch der orthodox-ostkirchlichen Mentalität recht nahekommt.

So weit – so gut, denn im Hause Gottes gibt es viele Wohnungen – und auch die verschiedensten Ausrichtungen.

Das ist alles in Ordnung, solange die theologischen Gewichte nicht allzu bedenklich verschoben werden.

Dieser „schräge“ Eindruck entsteht aber bei der Initiative „Familie des Vaters“, die der österreiche Techniker Dr. Gottfried Prenner gemeinsam mit Aloisia Grabner 2016 in Pinkafeld gegründet hat. Diese geistliche Gemeinschaft aus dem Burgenland vereint Männern und Frauen,Priester, Familien und Alleinstehende unter ihrem Dach.

Der Laienmissionar Dr. Prenner ist ein Medjugorje-Bekehrter seit Jahrzehnten (er sprach mehrfach auf Medju-Jugendfestivals), studierte Theologie und reist vielfach mit Vorträgen durch die Lande – auch über Europa hinaus, vorwiegend in charismatischen Gruppen. 

Hier wird eine Selbstdarstellung seines Werkes präsentiert: http://www.pfarrepinkafeld.at/pfarre/1123/pfarrlebengruppen/geistlichegemeinschaften/article/2600.html

Das MottoGott ist unser Vater. Wir sind seine Familie“ ist zunächst nicht zu beanstanden. Etwas merkwürdiger klingt dann allerdings die vereinseigene Begründung hierfür: Aus dieser Vision heraus leben die Mitglieder in einer vertrauten Beziehung zum Vater, der uns alle liebt und für uns alle sorgt.“

Warum wird hier allein Gott-Vater erwähnt – und der Sohn „vergessen“ (der Hl. Geist sowieso auch noch)?

Unter dem Motto „Unsere Aufgaben“ heißt es weiter: „Durch Vorträge und Seminare bringen wir die Liebe des Vaters zu den Menschen. In der Anbetung beten wir mit Jesus zum Vater für die Rettung der Welt.“

Christen beten für die „Rettung der Welt“ nicht allein „zum Vater“, sondern auch zu Christus selbst – mindestens aber „durch Christus“ zum Vater.

Hier wird Jesus aber auf unsere geschöpfliche Ebene heruntergeholt, wenn es heißt, daß wir „mit Jesus“ zum Vater beten. Das könnte man so wohl hinsichtlich Maria sagen, denn die selige Jungfrau ist mit uns als Geschöpf in der Anbetung Gottes vereint – wohlgemerkt: angebetet werden alle drei göttlichen Personen der heiligen Dreieinigkeit!

Bei der Werbung für ein „Glaubensseminar“ für Dr. Prenner (siehe hier: https://www.arche-barmherzigkeit.at/die-arche-feiert-geburtstag) lesen wir Folgendes:

„Wenn du dich einlässt, findest du in Gott Vater das Glück und die Freude….Beim Vater findest du Erfüllung, Sicherheit, Freude und Geborgenheit.

Erneut auch hier kein Wort von Christus!

Abschließend heißt es: „Ein Seminar als Angebot, über Gott Vater mehr zu erfahren, über seine Liebe zu mir. Er hat einen Plan mit mir, er weiß, wohin mein Leben geht.“

Auch GOTT-SOHN hat einen Plan (genau denselben!) und weiß, wohin unser Leben geht, ebenso der Heilige Geist.

Im Grunde konzentriert sich in dieser „Familie des Vaters“ – wie schon der Name anzeigt – alles auf den Schöpfergott und das in einem Ausmaß, daß Christus eindeutig zu kurz kommt.

Durch die ständige Medjugorje-Werbung samt Hinweisen auf die Botschaften der angeblichen „Erscheinungen“ steht auch Maria erheblich zu stark im Zentrum dieser Frömmigkeit.

Gott-Vater und die Madonna – und das war es dann eigentlich im wesentlichen?!

In dieser geistlichen Gemeinschaft scheint theologisch einiges aus dem Ruder gelaufen zu sein!

Ja, Medjugorje-Bekehrung schützt vor Torheit nicht – dafür ist Dr. Prenner wahrlich nicht das einzige Beispiel – einmal abgesehen davon, daß unser Glaube sowieso nicht auf Privatoffenbarungen gründet, sondern auf der Heiligen Schrift und der apostolischen Tradition, also auf der göttlichen Offenbarung, wie sie die Kirche uns verkündet.


GEBET: Lehr mich glauben, lehr mich lieben!

            .                                  
                                             Altbewährtes GEBET nach der hl. Kommunion
                                 (Es kann auch bei der „geistigen Kommunion“ angewandt werden):

Du mein Heiland, großer König, bist nun bei mir eingekehrt,
freudig trag‘ ich Dich im Herzen, dem die ganze Welt gehört.

Liebster HERR, Du kamst vom Himmel auf die Erde einst herab,
lebtest für uns, Deine Kinder, starbst am Kreuz und lagst im Grab.

Glorreich bist Du auferstanden, fuhrst empor zum Firmament;
doch als Denkmal Deiner Liebe gabst Du uns dies Sakrament.

Sieh, nun sollst Du alles haben, was in meinem Herzen ist;
alles leg‘ ich Dir zu Füßen, weil Du mein Erlöser bist.

Lehr mich glauben, lehr‘ mich lieben, lehr‘ mich kämpfen für Dein Reich,
daß ich Deiner würdig werde, Deinem Leben werde gleich.

Deine Wahrheit sei die Rüstung, Deine Reinheit sei die Kraft,
Deine Liebe sei mein Leben, treu in Deiner Ritterschaft!

Christus, König aller Länder, aller Völker, aller Zeit,
froh soll alle Welt Dir singen: Hochgelobt in Ewigkeit.

Amen.


PREDIGT von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer zum Hochamt am Weihnachtsfest 2019

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wenn wir nachher das große Glaubensbekenntnis singend beten, im Wechsel und begleitet von unserem Domchor, dann werden wir uns, das ist eines der besonderen Zeichen in der Weihnachtsmesse, an einer Stelle des Credo hinknien, und zwar wenn wir bekennen:

„… et incarnatus est de Spiritu sancto ex Maria virgine, et homo factus est. – und er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Dieser Bekenntnissatz, der heute aus Anlass des Hochfestes der Geburt Christi im Unterschied zum übrigen  –  einstimmig choraliter gesungenen Credo  –  mehrstimmig auskomponiert sein wird, ist das Festgeheimnis von Weihnachten.

Weihnachten ist das Fest der Inkarnation Gottes, der Fleischwerdung Gottes. Gott überbietet alle Weisen der Mitteilung in Schöpfung, Berufung der Propheten, Übermittlung der 10 Gebote usw., er überbietet sie dadurch, dass er selbst in die Geschichte eingeht.

Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott zu uns gesprochen durch die Propheten. In dieser Endzeit nun aber hat er uns gesprochen durch den Sohn. So sagt es der Hebräerbrief, und so haben wir es in der 2. Lesung wieder gehört. Gott und seine Botschaft werden in Jesus Christus eins.

Das Zeichen der Kniebeuge zum Inkarnationsbekenntnis ist nicht nur ein regionaler Brauch, sondern ist ausdrücklich in den Rubriken des Messbuchs vorgesehen und somit Bestandteil der heiligen Liturgie.

Es bringt zum Ausdruck, welch zentrale Bedeutung der Glaube an die Inkarnation, an die Menschwerdung, an die Fleischwerdung Gottes für den christlichen Glauben hat.

Papst Franziskus hat in seinem Schreiben an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland vom Juni des zurückliegenden Jahres und im Blick auf den geplanten Synodalen Weg in Deutschland von einer elementaren Krise des Glaubens in unserem Land gesprochen.

Diese Krise ist vermutlich zuallererst eine Krise des Christusglaubens, eine Krise des Glaubens in Bezug auf die Inkarnation, also in Bezug darauf, wer Jesus Christus wirklich ist.

Es besteht die begründete Sorge, dass selbst für viele Christen in unserem Land dieser Jesus von Nazaret zwar ein besonders religiöser und auf seine Weise genialer Mensch war. Dass man aber seine Botschaft letztlich doch von seiner Person trennen kann, sie mit anderen Botschaften kombinieren kann, so dass immer noch ein gewisser Sinn gewahrt bleibt.

Aber „der historische Jesus ist dann nicht mehr die Offenbarkeit Gottes selbst in Raum in Zeit; nicht mehr der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ (Joh 14,6), sondern bestenfalls einer unter anderen Wegweisern und Weisheitslehrern.

Doch: Wenn der historische Jesus nicht die Gemeinschaft mit Gott ist; wenn sich der Sinn von Welt und Geschichte nicht an ihm ablesen lässt, dann ist das zentrale Dogma des christlichen Glaubensbekenntnisses von der Fleischwerdung des göttlichen Logos nur noch Mythos oder Chiffre – kompatibel mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen“ (Karl-Heinz Menke).

Die Unsicherheit und Unbestimmtheit in Bezug auf das zentrale Bekenntnis von Weihnachten, das Schwachwerden des Inkarnationsglaubens hat enorme Folgen für die übrigen Glaubensinhalte, gerade auch für die, über die jetzt beim so genannten Synodalen Weg gesprochen werden soll.

Kurt Kardinal Koch hat einmal eindrucksvoll gezeigt (vgl. Kurt Koch, Sakramentales Zeichen für den Geschenkcharakter des kirchlichen Lebens. Der heutige Priester auf der Suche nach seiner kirchlichen Identität, in: Klerusblatt 83 (2003) 170–178. Hier 170f.), wie geradezu in einem Domino-Effekt alle weiteren Glaubensinhalte fallen, wenn das zentrale Geheimnis der Inkarnation nicht mehr erfasst wird.

Denn wenn Jesus letztlich nur ein Mensch gewesen ist wie jeder andere, dann kann schon einmal auch die Kirche nicht mehr als ein sakramentaler Organismus, nämlich als Leib Christi, wahrgenommen werden. Kirche wird zu einer soziologischen Organisation wie viele andere gesellschaftliche Institutionen auch.

Dabei besteht die große Gefahr, dass die Kirche nur noch als ein Verwaltungsapparat erscheint, wie ein Skelett ohne Fleisch daherkommt und verständlicherweise statt Hoffnung und Zuversicht zu wecken eher Angst auslöst.

Unser christliche Glaube aber steht und fällt mit der Überzeugung, dass der menschgewordene, für uns am Kreuz gestorbene und auferstandene Christus der Herr seiner Kirche ist, dass er in der Kraft seines Geistes in ihr gegenwärtig bleibt und sie zu seinem sakramentalen Leib macht.

Wenn Jesus nur ein Mensch und die Kirche demzufolge auch nur eine rein menschliche Institution ist, dann folgt zweitens, dass auch die Eucharistie eine bloße Veranstaltung der Kirche ist, genauerhin  –  um es mit Kurt Koch überspitzt zu formulieren  – „ein permanentes Requiem für den toten Jesus oder gar eine liturgische Heldenfeier, nämlich ‚Totenkult‘ und damit ein weiterer Ausdruck „unserer Trauer über die Allmacht des Todes“ in der heutigen Welt (Joseph Ratzinger).

Unser Glaube aber lebt von der Gewissheit, dass der in der Liturgie eigentlich Handelnde Christus selbst ist, der für uns Mensch geworden ist, der durch Kreuz und Tod hindurchgegangen und als der Erhöhte in der Kraft seines Geistes bei seiner Kirche und ihrer Feier der Eucharistie gegenwärtig ist.

Wenn Jesus nur ein Mensch gewesen, die Kirche eine rein menschliche Institution und die Eucharistie Kult eines Toten ist, dann folgt ganz konsequent, dass es drittens auch keinen Priester braucht, der der Eucharistie vorsteht, um den auferstandenen Christus sakramental, realsymbolisch in und gegenüber der Kirche zu repräsentieren und in seinem Auftrag und in seiner Person  –  in persona Christi capitis ecclesiae – zu handeln.

Es würde genügen, wenn jemand Theologie studiert hat. Aber eine Weihe bräuchte es nicht, der Auftrag der Gemeinde würde genügen, um dieses Geschehen zu vollziehen.

Nach katholischer Überzeugung aber ist die Feier der Eucharistie gerade Höhepunkt und Quelle kirchlichen Lebens und so auch im tiefsten der Lebensort, an dem uns  geschenkt wird, was uns übersteigt und was wir nicht aus uns selbst hervorbringen können. Weil Kirche-Sein nicht eine „natürliche Möglichkeit menschlicher Gemeinschaft“ ist, darum gibt es in ihr das geweihte Amt, „das nicht eine Sache der Delegation ist, sondern der sakramentalen Sendung“ (Eva-Maria Faber).

Die notwendige Weihe erinnert daran, ja sie schützt und bewahrt die Tatsache, dass wir Offenbarung und Erlösung nicht selbst hervorbringen, sondern aus Gottes Gnade von außen her geschenkt bekommen und annehmen dürfen; in der Annahme freilich auch mitwirken dürfen am Heilsgeschehen. Das führt uns zu einer weiteren Konsequenz:

Denn viertens hängt ohne den Glauben an die Menschwerdung Gottes und nach Auflösung der sakramentalen Struktur der Kirche auch die Berufung zum priesterlichen Dienst oder zum Ordensleben mit seiner spezifischen Lebensform in der Luft.

Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen und auferstandenen Christus wird die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen zu einem kuriosen Unterfangen. Allenfalls, etwa im Blick auf den Dalai Lama, kann etwas dergleichen noch als exotische Askese-Form hingenommen werden. Aber die eigentliche Bedeutung, nämlich ein eschatologisches Zeichen der Hoffnung zu sein, fällt aus.

Was sollte es auch für einen Sinn haben, auf etwas menschlich so Großes und Wertvolles wie Ehe und Familie zu verzichten, wenn es kein Leben nach dem Tod gibt?

Wer in der Nachfolge Jesu um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichtet, der verzichtet gerade nicht aus Mangel an Liebe, sondern weil er auf eine Vollendung der Liebe setzt, die über jede menschliche Erfüllung hinaus geht; und weil er in einer ganz persönlichen Beziehung zu Jesus, dem Sohn Gottes, lebt und darauf hofft, dass selbst der Tod diese Liebesbeziehung nicht beenden kann.

Wenn Jesus, und auch das ist eine Konsequenz, wenn Jesus nicht, wie wir an Weihnachten mit neuer Freude bekennen, Gottes ewiger Sohn ist, der in der Zeit Mensch geworden ist, dann ist seine Botschaft von seiner konkreten Existenz zu trennen, dann ist Maria auch nicht die Gottesmutter – und dann werden auch die Schöpfungsgegebenheiten wie die Geschlechterdifferenz, die je spezifische Berufung und Sendung von Mann und Frau beliebig und austauschbar. 

Weihnachten besagt ja nicht zuletzt, und in der Oration haben wir es gebetet: Gott hat den Menschen wunderbar geschaffen und in der Sendung seines Sohnes noch wunderbarer erneuert.

Die Offenbarung Gottes schreibt sich ein in die natürliche Zeichenhaftigkeit des Gegenübers von Mann und Frau, als die Gott den Menschen geschaffen hat. Erst im Licht der Inkarnation kann auch die eheliche Verbindung von Mann und Frau zur gegenseitigen Ergänzung und zur Eröffnung von Zukunft zum Sakrament, zur sakramentalen Vergegenwärtigung von Gottes Liebe erhoben werden.

Ohne den Inkarnationsglauben wird die Welt ein seelenloses Getriebe austauschbarer Funktionen, eingeschlossen in die bloße Immanenz, und, ihrer natürlichen Zeichenhaftigkeit über sich hinaus beraubt, letztlich auch zur Materie beliebiger menschlicher Manipulation.

Bedenken wir all dies, wenn wir jetzt dann beim Credo bekennen und dazu unser Knie beugen:

„Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel herabgekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.“

Und bitten wir den Herrn, dass er alle Verantwortlichen in der Kirche Deutschlands mit der Kraft seines Geistes stärke, dass wir neue Wege finden, um den Glauben an die Menschwerdung Gottes mit all seinen heilsamen und heilbringenden Konsequenzen neu zur Sprache bringen zu können. Amen.

Wir danken dem Regensburger Oberhirten Dr. Rudolf Voderholzer für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung seiner Weihnachtspredigt

Fotos: Bistum Regensburg, Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


Gottes Gnade will alle Menschen erretten!

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Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Tit 2,11-14:
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Denn die Gnade Gottes ist erschienen, um alle Menschen zu retten.
Sie erzieht uns dazu, uns von der Gottlosigkeit und den irdischen Begierden loszusagen und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben, während wir auf die selige Erfüllung unserer Hoffnung warten: auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus.
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ER hat sich für uns hingegeben, um uns von aller Schuld zu erlösen und sich ein reines Volk zu schaffen, das ihm als sein besonderes Eigentum gehört und voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Mein Aufruf zu einem „stillen Advent“ mit geschichtlicher Besinnung

Von Almut Rosebrock

1789 – 1914 – 1939 – 1949 – 1989 – 2019

Vor 105 bzw. 80 Jahren tobten schlimme Kämpfe auf den Kriegs-Schlachtfeldern in Frankreich und Belgien. Der Bonner Maler August Macke war im Herbst 1914 bereits gefallen – neben vielen anderen hoffnungsfrohen jungen Männern, die voller Elan in den Krieg gezogen waren: https://de.wikipedia.org/wiki/August_Macke

Wieviel LEBEN wurde dadurch für immer verhindert? Auf allen Seiten –  man darf in dem Gedenken niemanden ausschließen.

Wieviele jung Verlobte oder schnell Verheiratete blieben im Krieg – konnten gar nicht erst eine Familie gründen? Wieviele Mütter verloren ihre Söhne, Kinder ihre Väter und Großväter, ihre Geschwister – ein Bruder sowohl meiner Schwiegermutter als auch des Schwiegervaters blieb im KRIEG! Unsere Verwandtschaft könnte ganz anders aussehen … !

Und die NS-Verfolgung der Regime-Gegner, -Kritiker, „Ungewollten“ oder „Gehassten“ – sie wurden in Lager verschleppt und nicht selten grausam umgebracht.

In der kath. Hofkirche bzw. Kathedrale in Dresden wird einiger junger katholischer Geistlicher gedacht, die sich der Diktatur entgegenstellten – und das mit dem Leben bezahlten!

Im Totensonntaggedenken bei uns wurde dieses Jahr der Name „Renate Bethge, 93 Jahre, Viliprott“ verlesen. Sie war die Frau von Eberhard Bethge, des Schülers und theologischem Weggefährten von Dietrich Bonhoeffer, der es sich zur LEBENSAUFGABE gemacht hat, dessen Werke zu sichten und zu veröffentlichen.

Ohne ihn wäre Bonhoeffer ganz sicher nicht so bekannt, wie er es heute ist – er gehörte, nach seiner kritischen Arbeit auch schon zuvor, mit zum Kreis der Attentäter um Stauffenberg und wurde noch am 9. April 1945 von den Nazis hingerichtet.

Aus dem Gefängnis schrieb er zahlreiche Briefe an seine Verlobte Maria von Wedemeyer, die im Buch „Brautbriefe Zelle 92“ – Vorwort E. Bethge  – veröffentlicht sind: https://www.amazon.de/Brautbriefe-Zelle-Bonhoe…/…/3406608914

Das Leiden, Sterben, Verlorensein aufgrund der Diktaturen und Kriege – die aus „entarteter Macht“ heraus entstanden und sich entfachten – ist unermesslich.

Ich nehme in meine Betrachtung bewusst die Napoleon-Feldzüge mit hinein, die auf die Französische Revolution von 1789 – die auch viele Menschenleben kostete – folgten und die französischen Heerführer bis nach Rußland und Skandinavien auf „Eroberungsfeldzüge“ brachte!

Große Teile Deutschlands wurden in den Jahren französisch. Von 1803 – 1806 erfolgte unter Napoleons Ägide die „Säkularisation“, die Enteignung der Kirchen und Klöster – die die weitere Geschichte mit „prägte“.

Erst im Oktober 1813 gelang es, unter Zusammenschluss der Heere aus Russland, Österreich, Schweden, Polen, Preußen, usw., also wirklich einer „europäischen Gemeinschaftsaktion“, Napoleon mit seinen Heeren – denen sich teils auch deutsche Soldaten (gezwungenermaßen) angeschlossen hatten – in der Völkerschlacht bei Leipzig zurückzuschlagen.

Im Oktober 1913 wurde das Denkmal dieser Völkerschlacht ebendort eingeweiht: https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=v%C3%B6lkerschlachtdenkmal

Es stellt einen großen Turm dar – und das „Meer der Tränen“ im davorliegenden Bassin, das den Turm spiegelt.
Ob sich die Planer und Erbauer 1913 träumen ließen, wie bald Deutschland wieder in einen heftigen Krieg verwickelt sein würde?

DEMUT – BUßE – UMKEHR – GEDENKEN – INFORMATION zur GESCHICHTE – BESINNUNG – INNEHALTEN – KONSUMVERZICHT.

Das wären für mich Punkte, die der STILLE ADVENT 2019 beinhaltet. Ich werde ihn so leben und rufe Multiplikatoren dazu auf, ebenso zu gedenken. 

In dieser Vorbereitungszeit für Weihnachten, die GEBURT des Erlösers JESUS CHRISTUS, dessen wir gedenken, sich selbst etwas zurückstellen – und der MENSCHLICHKEIT, der FEHLBARKEIT, des LEIDENS, der VERSTORBENEN gedenken.

Das alles jedoch nicht rückwärtsgewandt – es gibt auch Grund zu DANKBARKEIT!
Aber geschichtsvergessen sollten wir darüber nicht werden. Darum dieser Aufruf, denn der ADVENT ist traditionell eine BUß- und FASTENZEIT!

Am 13.2.1945 erfolgte der verheerende Bombenangriff – in 3 Wellen bis zum Vormittag des 14.2. – auf DRESDEN, das ich gerade besuchte.

In der kath. Hofkirche (liegt neben dem aktuell bestohlenen Grünen Gewölbe!) findet sich eine Gedenkkapelle mit einer „Meißner Madonna“ von 1974, es ist also Gedenken aus der DDR-Zeit.

An der Rückseite dieser Kapelle stehen Texte, die der Bischof von Dresden-Meißen am 12.2.1945 – also am Tag vor der Zerstörung der Stadt – gebetet hat.

Dieser Text beinhaltet Buße und ein Schuldbekenntnis für die „schlimme aktuelle Lage des Landes“.
Er endet mit einem ÜBERGABEGEBET des Lebens an GOTT, den SCHÖPFER und ERHALTER des Lebens!

Mich hat dieser Text, als ich letztens zum Gedenken an 30 Jahre Friedliche Revolution in Dresden war, sehr angesprochen. Ich war dankbar dafür.
In der wieder aufgebauten Frauenkirche jedoch fehlt mir das Gedenken und die Demut – was mich traurig macht(e)!

SELBSTÜBERHEBUNG und ÜBERMUT sowie GESCHICHTSVERGESSENHEIT sind nicht gut.

Der Altar der (evangelischen) Frauen-Kirche, 1726 auf dem Grund einer Vorgängerkirche gebaut, der den in Gethsemane im Gebet ringenden Jesus zeigt, der Stärkung durch einen Engel empfängt, sprach mich dagegen an.
In der Kreuzkirche (evang., 1897 durch einen Brand bereits zerstört gewesen) ist das Altarbild der gekreuzigte JESUS. 
In der Hofkirche ist es der zum Himmel auffahrende Christus – nach seiner Auferstehung!

Auch das macht mir meinen bzw. unseren Glauben kostbar und wertvoll.

Das Menschenleben und -Tun ist zerbrechlich. Es hat seinen Anfang – und sein Ende. Dazwischen liegt unser LEBEN – das SO oder SO verlaufen kann…

EHRE und DANK sei GOTT, dem HERRN!


Kardinal Newman und die Marienverehrung

Von Felizitas Küble

Am Sonntag, dem 13. Oktober, wird Kardinal John Henry Newman im Vatikan zur Ehre der Altäre erhoben. Auch Prinz Charles  – seine Mutter ist formal das Oberhaupt der Anglikaner, der britischen „Staatskirche“  –  wird an der Heiligsprechung teilnehmen.

Am 19. September 2010 wurde Newmann von Benedikt XVI.  – der ihn schon vor seiner Papstzeit als Theologe sehr geschätzt hat  – seliggesprochen.

Der künftige Heilige  – geboren am 21. Februar 1801 in London  – ist einst als Schriftsteller und anglikanischer Pfarrer in die katholische Kirche übergetreten, was in den gebildeten Kreisen Englands für großes Aufsehen sorgte – und dies umso mehr, als Newman sich zuvor sehr kritisch über Lehren und Frömmigkeitsformen der Katholiken äußerte, die sich in seinem Land ohnehin in einer benachteiligten Minderheitenposition befanden.

Newman neigte zunächst zu einer biblizistisch-evangelikalen Frömmigkeit. Später wurde ihm die Wichtigkeit der Sakramente und der Tradition stärker bewußt und er fühlte sich der hochkirchlich-anglikanischen Oxford-Bewegung verbunden, die teilweise das spirituell-theologische Erbe des katholischen Glaubens weiterführt, vor allem hinsichtlich der Marien- und Heiligenverehrung.

Gleichwohl behielt Newman seine Distanz zur katholischen Kirche bei. Aber vor allem durch das intensive Studium der Kirchenväter änderte sich seine Meinung grundlegend.

Zunächst hatte er geglaubt, katholische Dogmen mit Hilfe der Patristik (Kirchenväterlehre) widerlegen zu können.

Doch der gelehrte Theologe der „Church of England“ (Staatskirche von England) erkannte immer klarer, daß schon die Kirchenväter der ersten christlichen Jahrhunderte durch und durch katholisch waren. Besonders deutlich wurde dies beim heiligen Augustinus von Hippo, dem größten Kirchenlehrer der Antike (Altertum), dessen Mutter Monika ebenfalls als Heilige verehrt wird.

Hinsichtlich der Marienverehrung stand er einem biblisch geprägten Marienlob bereits in seiner anglikanischen Zeit durchaus positiv gegenüber; er ermutigte seine Glaubensgenossen, die Ankündigung der Madonna aus ihrem Magnificat ernst zu nehmen: „Siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Geschlechter“ (Lk 1,48).

Somit entspricht eine fehlende Wertschätzung Mariens nicht dem Geist und Buchstaben des Neuen Testaments.

Bereits in seiner ersten Predigt als anglikanischer Vikar würdigte er im Jahr 1826 die „makellose Reinheit“ der Gottesmutter. Auf dem biblisch geprägten Rosenkranzgebet stand er wohlwollend gegenüber.

Newman vertiefte sodann seine mariologischen Ansichten durch seine Beschäftigung mit den frühchristlichen Lehrern der Kirche. Seine wachsende Verehrung für die Mutter des HERRN war ein wesentliches Motiv für seine Konversion.

Ihm wurde nun aber gerade in dieser Hinsicht entgegengehalten, es gäbe übertriebene Formen des Marienkultes bei den Katholiken.

Der Konvertit hat dieses Problem keineswegs bestritten (wie sollte er dies auch?! –  Er, der aufrichtige Kämpfer für die Wahrheit!), aber darauf hingewiesen, daß der Mißbrauch nicht gegen die Sache selbst spricht. Volkstümliche Auswüchse sind bedauerlich, aber kein Argument gegen die amtliche kirchliche Lehre, die solche Entgleisungen nicht abdeckt.

Er schrieb hierzu: „Sollen wir etwa, weil ein Teil der Christen in der Andacht übertreibt, die Ehrfurcht vor ihr  verlieren?“  –  Es sei doch der Heilige Geist selbst, so Newmann, der Maria durch Elisabeth als die „Gesegnete unter den Frauen“ gepriesen habe und sie zuvor als „Gnadenvolle“ durch den Engel Gabriel begrüßte.

Für Kardinal Newman war die Marienverehrung keine Konkurrenz, sondern eine angemessene Begleitmusik zur Gottesliebe.

Sein Marienlob war christozentrisch  – und er erkärte gegenüber anglikanischen Kritikern, daß sich die mariologischen Dogmen der Kirche ebenfalls auf Christus beziehen.

Vor allem der Titel „Gottesgebärerin“ (Theotokos) verdeutlicht dies, denn damit bekennen die Gläubigen die göttliche Natur ihres Erlösers, der GOTT und Mensch zugleich ist. Es geht hier um das Glaubensgeheimnis der Inkarnation (Menschwerdung) der zweiten Person der göttlichen Dreieinigkeit.

Alle Vorzüge Mariens sind gnadenhaft, von GOTT in seiner Huld verliehen und ihr im Hinblick auf Christus geschenkt.

Wenn dies in privaten Andachten oder überzogenen Formen des „Volksglaubens“  – auch hinsichtlich der weitverbreiteten Sucht nach „Erscheinungen“ und „Botschaften“   – aus dem Blick gerät, muß dies korrigiert werden, doch stellen solche Auswüchse nicht die Berechtigung der kirchlichen Marienverehrung infrage.

Zu gewissen Fehlformen im Volksglauben erklärte Johannes Paul II., gewiß ein „marianischer“ Papst, in einer Ansprache vom 21.9.2001 an die vatikanische Gottedienstkongretation u.a. folgendes:

„Zuweilen scheinen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit durch Elemente verunreinigt zu sein, die mit dem katholischen Glauben unvereinbar sind. In solchen Fällen müssen sie mit Besonnenheit und Geduld gereinigt werden, und zwar durch Kontakte zu den Verantwortlichen sowie eine aufmerksame und respektvolle Katechese, sofern grundsätzliche Unstimmigkeiten nicht sofort klare und direkte Maßnahmen nötig machen.“

Fehlentwicklungen gibt es vor allem dort, wo Christus fast nur als der „strenge Herrscher“ erscheint, der am Jüngsten Tage als Richter der Lebenden und Toten wiederkommt. Dabei wird zu wenig erkannt, daß Jesus uns vor allem den Zuspruch Gottes verkündigt hat – nicht allein seinen Anspruch. ER als Erlöser ist unser eigentlicher  Beistand und Mittler beim Vater, seine menschliche Mutter ist unser Vorbild und unsere Fürsprecherin.

Im Jahre 1849 stellte Newman klar, daß Mariens Stellung eine dienende ist – und daß sie ihre Gnadenvorzüge „um Jesu willen“ erhalten hat:

„Maria ist erhöht um Jesu willen. Es war geziemend, dass sie als Geschöpf, wenngleich das erste unter den Geschöpfen, eine dienende Aufgabe haben sollte. Gleich anderen ist auch sie in die Welt gekommen, ein Werk zu tun; sie hatte eine Mission zu erfüllen; ihre Gnade und ihre Herrlichkeit sind ihr nicht für sie selbst gegeben, sondern um ihres Schöpfers willen.“

Auch beim Rosenkranz erkannte er, wie christozentrisch und biblisch geprägt dieses betrachtende Gebet ist. Er erläuterte, seine „große Kraft“ liege darin, „dass er das Glaubensbekenntnis zu einem Gebet macht; natürlich ist das Credo als solches schon Gebet und eine große Ehrbezeugung Gott gegenüber.

Aber der Rosenkranz stellt uns die großen Wahrheiten des Lebens und Sterbens Christi vor Augen und bringt sie unserem Herzen näher. Wir betrachten so all die großen Geheimnisse seines Lebens: von seiner Geburt in der Krippe bis zu seinem Leiden und zu seinem Leben in Herrlichkeit.“

Kardinal Newman hat seine Marienverehrung in der Autobiographie „Geschichte meiner religiösen Überzeugungen“ (Apologia pro vita sua) dargelegt, worin er 20 Jahre nach der Konversion seine Standpunkte begründet hat – und vor allem in seiner Schrift „Die heilige Maria. Eine Apologie und historische Begründung des Marienkults“.

WEITERE INFOS:
Päpstliche Klarstellungen zur Volksfrömmigkeit: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/verlautbarungen/VE_160.pdf
Studien zu Newmans Mariologie von Prof. Dr. Joseph Schumacher: http://www.theologie-heute.de/NewmanMaria.pdf
Seine theologische Laufbahn vor der Konversion: https://www.grin.com/document/171169
Kardinal Newman, Maria und der Rosenkranz: https://de.zenit.org/articles/kardinal-newman-ein-grosser-rosenkranzbeter-und-lehrer-des-gebetes/

 


Warum der Rosenkranz ein biblisches Gebet ist

Von Felizitas Küble

Der Oktober gilt in der katholischen Kirche als „Rosenkranz-Monat“, der 7. Oktober wird schon seit Jahrhunderten als Rosenkranz-Fest begangen. 

Aus diesem Anlaß wird der Rosenkranz heute weltweit von den Gläubigen um 15 Uhr gebetet, wobei direkt aus Rom eine Andacht aus der Kirche „Santa Maria Maggiore“ mit Kardinal Fernando Filoni übertragen wird. (Livesendung dieses Rosenkranzes hier: https://www.ewtn.de/liveuebertragungen_und_sondersendungen)

Viele Protestanten, aber auch katholische Christen fragen nach dem Sinn des Rosenkranzes: Stellt dieses Gebet nicht zu sehr die selige Jungfrau in den Vordergrund? Wird Christus hierdurch nicht gleichsam an den Rand gedrängt?

Wer so fragt, scheint den Rosenkranz kaum zu kennen, denn gerade dieses Gebet ist ganz aus den „Fäden“ des Neuen Testamentes gewoben: Mehr als 3/4 der Sätze des Rosenkranzes stammen wortwörtlich aus der Heiligen Schrift.

Der Rosenkranz besteht hauptsächlich aus dem Vaterunser und dem Ave Maria (Gegrüßet seist Du, Maria). Diese Anrufung wiederum enthält zunächst den Gruß des Engels Gabriels an Maria, danach folgen die Worte der hl. Elisabeth, die sie – „vom Heiligen Geist erfüllt“ (so das Lukasevangelium)  – einst zu ihrer Verwandten sprach. 

Nach diesen beiden biblischen Abschnitten folgt das zu betrachtende Geheimnis („Gesätz“), das sich auf die Heilsgeschichte Gottes bezieht, größtenteils auf das Leben unseres Erlösers:

Beim freudenreichen Rosenkranz steht die Verkündigung und Geburt Christi im Mittelpunkt, beim schmerzhaften Rosenkranz sein Leiden und Sterben, beim glorreichen Rosenkranz seine Auferstehung und Himmelfahrt.

Diese innere Konzentration auf das Heilswerk Gottes wird sodann ergänzt durch die Anrufung: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“

Daß Maria heilig und die „Mutter Gottes“ ist, ergibt sich sowohl aus der Botschaft des Engels Gabriel wie auch aus dem erstaunten Ruf Elisabeths bei der Begegnung mit Maria: „Wie wird mir die Gnade zuteil, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?“  – Der Titel „HERR“ bezieht sich sowohl im AT wie im NT stets auf Gott selbst. Um den „geschützten“ Jahwe-Namen zu vermeiden, haben Juden ihn durch andere Titel wie „der Ewige“, „der Allmächtige“ oder „der HERR“ ersetzt.

Zudem ergibt sich die Gottesmutterschaft Mariens allein schon aus dem Bekenntnis zur Gottheit Christi, denn Jesus ist Gott und Mensch zugleich – und Maria hat IHN als Gottmenschen geboren.

Es ist zudem nur gut, daß uns jedes Ave Maria daran erinnert, daß wir Sünder sind und daß uns der Tod bevorsteht. Genau diese  beiden Grundbefindlichkeiten unseres Daseins werden leicht verdrängt, da sie dem Menschen unangenehm erscheinen und ihn ständig an die nötige Umkehr zu Gott erinnern.

So weist uns der Rosenkranz auf die Heilsgeschichte hin, die gleichsam „an der Hand Mariens“ betrachtet wird. Im Zentrum steht das Erlöserwirken Christi und die vom Heiligen Geist inspirierten Worte des Gabriels und Elisabeths an Maria.

Somit wird deutlich, wie stark dieses Gebet aus dem Geiste und Buchstaben des Neuen Testaments geprägt ist.


Überlieferte hl. Messe in der Gnadenkapelle von Telgte für Pilger aus Münster

Von Felizitas Küble

Am Samstag, dem 28. September, führten Gläubige aus der altrituellen St.-Aegidii-Gemeinde ihre jährliche Wallfahrt nach Telgte durch.

Pater Dr. Chrysostomus Ripplinger OSB zelebrierte in der Gnadenkapelle die heilige Messe in der traditionellen Liturgie, begleitet vom gregorianischen Choral der Männerschola.

In seiner Predigt erläuterte der Benediktiner den tieferen Sinn der Worte, die Jesus am Kreuz zu seiner Mutter Maria und dem Apostel Johannes sprach: „Siehe, dein Sohn!“ – „Siehe, deine Mutter!“ 

Hier ging es nicht allein um die menschliche Fürsorge Christi, sondern um die besondere Bedeutung der seligen Jungfrau für die Kirche; ist sie doch die geistliche Mutter der Christgläubigen.

Der Mittelpunkt dieser Wallfahrtskapelle ist nicht nur räumlich, sondern auch spirituell die Statue der trauernden Madonna mit ihrem göttlichen Sohn auf dem Schoß.

Solche Bilder der „Schmerzhaften Mutter“ werden vielfach als „Pieta“ (siehe das berühmte Bildnis von Michelangelo im Ptersdom) oder als „Vesperbild“ bezeichnet. So gibt es z.B. im Bistum Augsburg den Wallfahrsort „Maria Vesperbild“ mit einer Pieta.

Die Gottesmutter hat ihre Treue und Glaubensstärke auch mit ihrem Ausharren unter dem Kreuz gezeigt, als alle Apostel – außer Johannes – das Weite gesucht hatten.

In der Volksfrömmigkeit spielt die Verehrung der Schmerzhaften Gottesmutter bereits seit dem Hochmittelalter eine große Rolle. Die Menschen können vor diesen „Vesperbildern“ ihre Ängste, Bedrängnisse und Nöte der Fürsprache Mariens anvertrauen, deren Lebensweg selber nicht von Sorgen und Leiden verschont blieb.

Zugleich weist der Blick auf den verstorbenen Christus, den Maria liebreich auf ihrem Schoße trägt, hin auf sein Heilswerk am Kreuz, durch das wir Erlösung erfahren. Das Opfer des HERRN wird in der heiligen Messe auf sakramentale Weise zur Gegenwart und seine Gnadenhilfe uns zuteil.

Der altehrwürdige Wallfahrtsort Telgte befindet sich im Münsterland in einem idyllischen Städtchen. Seit dem späten Mittelalter pilgerten bereits Millionen von Menschen zur Gnadenkapelle; sie finden neue Glaubenskraft und inneren Trost im Blick auf unseren Erlöser und seine Mutter.

 


Landesrabbiner Navon im Dom zu Münster: Das Vaterunser verbindet Juden und Christen

Von Felizitas Küble

Es ist das wichtigste Gebet der Christenheit und angesichts von weltweit zwei Milliarden Getauften das bedeutsamste Gebet der Weltgeschichte: Das Vaterunser.

Dabei wurden die jüdischen Wurzeln dieses Gebets von kirchlicher Seite lange zu wenig beachtet.

Jesus Christus war (und ist) der Sohn der jüdischen Jungfrau-Mutter Miriam (Maria) und ER war – wie er eindeutig erklärte – „nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel“.

Erst nach seiner Auferstehung weitete ER seine Mission auf alle Völker aus und sandte seine Apostel in alle Welt: „Gehet hin und lehret alle Völker!“

BILD: Landesrabbiner Navon und Dompfarrer Köppen im Altarraum der Bischofskathedrale in Münster

Dieser universale Auftrag ändert aber nichts daran, dass unser Erlöser mit Leib und Seele seinem jüdischen Volke angehörte.

Von daher erstaunt es nicht, dass auch das Vaterunser ganz vom Geist und Glaubensleben der Israeliten geprägt ist, erwachsen aus den Geboten des Ewigen und den Gebeten der Synagoge.

Das Vaterunser enthält keine einzige Bitte, für die es nicht zugleich Entsprechungen in der hebräischen Liturgie, den Psalmen, Prophetenworten und der mündlichen Überlieferung gäbe.

Über die jüdischen Wurzeln des Vaterunsers haben wir im CHRISTLICHEN FORUM bereits im Jahr 2016 informiert: https://charismatismus.wordpress.com/2016/11/09/die-juedischen-wurzeln-des-vaterunser-gebets/

Am Mittwoch, den 3. April 2019, sprach der jüdische Gelehrte Dr. Moshe Navon – 1954 geboren in Sibirien – im Paulus-Dom von Münster, um dort eine Abendandacht zu halten und das Vaterunser aus jüdischer Sicht zu erläutern, vor allem die Anrufung: „Geheiligt werde Dein Name!“

Dr. Navon (siehe Fotos) ist Landesrabbiner der Liberalen jüdischen Gemeinde in Hamburg. Er arbeitete in vielen internationalen Bildungsprojekten und dozierte an Universitäten in Israel, Russland und den GUS-Staaten.

Der hohe Gast wurde von Dompfarrer Hans-Bernd Köppen um 19,30 Uhr begrüßt und damit dieser geistliche Themenabend über das Vaterunser eröffnet (siehe 3. Foto).

Der katholische Geistliche erläuterte dabei, wie sehr gerade dieses Gebet bei tieferer Betrachtung viele Gemeinsamkeiten von Juden und Christen aufzeigt – dies gilt zumal für die Heiligung des Namens Gottes, die bereits im dritten Gebot Gottes erwähnt wird: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!“ – Positiv formuliert bedeutet dies: „Du sollst den Namen Gottes heilig halten.“ 

Der jüdische Gelehrte verdeutlichte sodann, dass diese Heiligung nicht nur in Worten   – etwa durch Gebete und Hymnen  –  geschehen, sondern auch durch Taten vollzogen werden soll. Unser ganzes Glaubensleben im Alltag diene der Ehre Gottes, der Heiligung seines Namens, denn Gottes Name JAHWE ist zugleich Ausdruck seines Wesens: Ich bin der ICH BIN. Der Ewige ist der Schöpfer des Alls und zugleich unser „Vater im Himmel“.

Die Vorstellung mancher Christen, die Anrede „Vater“ sei den damaligen Juden zur Zeit Jesu ganz fremd gewesen, es handle sich dabei um eine völlige Neuheit, trifft durchaus nicht zu. Schließlich ist unser Erlöser nicht isoliert zu sehen, sondern im Kontext seines jüdisches Volkes und Landes. Die Anrufung des himmlischen „Vaters“ findet sich sowohl im Alten Testament (Hebräische Bibel) wie auch im Gebetsleben der Synagoge.

Freilich hat Christus dieser Anrede durch das aramäische Wort „Abba“ (Väterchen, Papa) einen besonders vertrauten Klang verliehen und hierbei das Vatersein des Schöpfers stärker (als bei Juden damals üblich) ins Zentrum gerückt, indem er das Paternoster (Vaterunser) damit eingeleitet hat.

Dompfarrer Köppen und der Landesrabbiner sprachen abwechselnd nacheinander  – wie in einem Dialog  – Betrachtungen und Gebete, die zum Vaterunser passen: entsprechende Psalmen über die Heiligung des göttlichen Namens, Abschnitte aus der Tora (Fünf Büchern Moses), den Propheten und der jüdischen Gebetstradition, besonders der Amida (zentrales Gebet der Synagoge)

BILD: Spruch am Eingang der Synagoge in Münster: „Mein Haus ist ein Bethaus für alle Völker!“

Mehrfach sang der Rabbi zwischen diesen Betrachtungen hebräische Hymnen und Lobpreisungen Gottes.

Zudem wurden Worte Christi aus dem Neuen Testament vorgelesen, so zitierte Dr. Navon etwa folgende Aussage: „Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11,30).

Der katholisch-jüdische Abend im Dom, der mit dem priesterlichen Segen Köppens beendet wurde, hat einmal mehr das reiche Fundament theologischer und spiritueller Gemeinsamkeiten zwischen Christen und Juden verdeutlicht, ohne dass die allgemein bekannten Unterschiede geleugnet worden wären.

Erfreulich war zudem, dass die Besucher der Andacht eine Broschüre mitnehmen konnten, die sich eingehend mit Inhalt und Ablauf des geistlichen Themenabends befaßt. Schade aber, dass darin das Buch nicht erwähnt wird, das Dr. Navon gemeinsam mit dem kath. Theologen Prof. Dr. Thomas  Söding schrieb:  „Gemeinsam zu  Gott beten  –  Eine jüdisch-christliche Auslegung des Vaterunsers.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Der Trost des Propheten Jesaja: Wir haben gesündigt, dennoch bist du HERR unser Vater

Heutige liturgische Advents-Lesung der kath. Kirche: 63,16b-17.19b.64,3-7:

Du, Herr, bist unser Vater, „Unser Erlöser von jeher“ wirst du genannt.

Warum lässt du uns, HERR, von deinen Wegen abirren und machst unser Herz hart, so dass wir dich nicht mehr fürchten? Kehr zurück um deiner Knechte willen, um der Stämme willen, die dein Eigentum sind.

Reiß doch den Himmel auf und komm herab, so dass die Berge zittern vor dir.

Seit Menschengedenken hat man noch nie vernommen, kein Ohr hat gehört, kein Auge gesehen, dass es einen Gott gibt außer dir, der denen Gutes tut, die auf ihn hoffen.

Ach, kämst du doch denen entgegen, die tun, was recht ist, und nachdenken über deine Wege. Ja, du warst zornig; denn wir haben gegen dich gesündigt, von Urzeit an sind wir treulos geworden. Wie unreine Menschen sind wir alle geworden, unsere ganze Gerechtigkeit ist wie ein schmutziges Kleid. Wie Laub sind wir alle verwelkt, unsere Schuld trägt uns fort wie der Wind. Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich dazu auf, fest zu halten an dir.

Denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und hast uns der Gewalt unserer Schuld überlassen.
Und doch bist du, HERR, unser Vater. Wir sind der Ton und du bist unser Töpfer, wir alle sind das Werk deiner Hände.