Christus hat sich kraft ewigen Geistes GOTT als makelloses Opfer für uns dargebracht

Heutige liturgische Festlesung der kath. Kirche: Hebr 9,11-15.

Christus ist gekommen als Hoherpriester der künftigen Güter; und durch das erhabenere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Welt ist, ist ER ein für allemal in das Heiligtum hineingegangen, nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut, und so hat ER eine ewige Erlösung bewirkt.

Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden, wieviel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst kraft ewigen Geistes Gott als makelloses Opfer dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.

Und darum ist ER der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

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Klartext von Kardinal Müller zum Homo-Segen und zur Kirchenkrise in Deutschland

Aus einem Artikel des ehem. Glaubenspräfekten Gerhard L. Müller:

Der kirchliche Segen für die Brautleute ist eng mit der Ehe als schöpferische Einrichtung und als ein von Christus eingeführtes Sakrament gebunden.

Der Ehe-Segen ist das machtvolle Gebet der Kirche, daß Mann und Frau an der Erlösung teilhaben mögen: daß ihre Ehe die Kirche aufbaue und das Gute für die Eheleute, ihre Kinder und die Gesellschaft fördern.

Der kirchliche Ehesegen kann nicht von seiner spezifischen Verbindung an das Ehe-Sakrament getrennt und unverheirateten Partnerschaften oder noch schlimmer zur Rechtfertigung sündiger Verbindungen gewährt und mißbraucht werden.

Das Statement der Glaubenskongregation vom 22. Februar hat einfach ausgedrückt, was jeder katholische Christ, der die Grundlagen unserer Glaubens kennt, weiß: Die Kirche hat nicht die Macht, Partnerschaften von Menschen des gleichen Geschlechts zu segnen. 

Es erstaunt, daß Bischöfe und Theologen plötzlich auf der pastoralen Dringlichkeit, homosexuelle Paare zu segnen, bestehen – und das in Gebieten, wo die Gläubigen viele Monate lang von der Tröstung und der Gnadenwirkung der Sakramente während der Coronapandemie abgeschnitten waren.

Dies beweist, wie tief der dogmatische, moralische und liturgische Pegel inzwischen gesunken ist.

Wenn Bischöfe, die Präsenz-Messen, priesterliche Besuche bei den Kranken und kirchliche Trauungen wegen des Infektionsrisikos verboten haben, dann ist ihre Behauptung, es gäbe eine dringende Notwendigkeit, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, nicht einmal entfernt plausibel. 

Der Skandal in Deutschland dreht sich deshalb nicht um Individuen und ihr Gewissen. Auch signalisiert er nicht Sorge um ihre zeitliche und ewige Erlösung.

Was wir stattdessen erleben, ist die häretische Verleugnung des katholischen Glaubens an das Sakrament der Ehe und die Leugnung der anthropologischen Wahrheit, daß der Unterschied zwischen Mann und Frau den Schöpfungswillen Gottes ausdrückt. 

In den frühen 1930-er Jahren waren Millionen nicht nur durch den Widerstand gegen die Katholische Kirche verdorben, sondern auch durch den Widerstand gegen die „Orthodoxie“ der Protestantischen Bekennenden Kirche.

Der Nazi-Propagandist Alfred Rosenberg verleumdetet die Bekennende Kirche als von der „römischen Macht besessen“ und daß sie „Gesetz, Offenbarung, Kirche und Glaubensbekenntnis heute als höher schätzt als die Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes, das um innere und äußere Freiheit kämpft.“  

Die pro-homosexuellen Gesetze – unterstützt durch eine milliardenschwere schwule Lobby – können die Wahrheit über die menschliche Natur nicht zertören. Gottes Segen kann nur durch seine Kirche gespendet werden. 

Das Spektakel der Homosexuellen-Segnung stellt nicht nur den Primat des geoffenbarten päpstlichen Lehramts in Frage, sondern auch die Autorität von Gottes Selbstoffenbarung.

Was in dieser Theologie neu ist, die zum Heidentum zurückkehrt, ist ihr impertinentes Bestehen darauf, sich selbst katholisch zu nennen, als ob man das Wort Gottes in der Hl. Schrift und die Apostolische Tradition zurückweisen könne als rein fromme Meinung und zeitgebundenen Ausdruck religiöser Gefühle und Ideale, die sich entwickeln müssen – in Übereinstimmung mit neuen Erfahrungen, Notwendigkeiten und Mentalitäten.

Vollständig übersetzter Artikel von Kardinal Müller hier: http://beiboot-petri.blogspot.com/2021/05/kardinal-muller-kommentiert.html


Der Heilige Geist in Schöpfung und Erlösung

Von Pater Eugen Mederlet OFM

Wir singen und beten so oft am Schluss der Orationen „in der Einheit des Heiligen Geistes“ und im Hochgebet der Messe flehen wir, dass wir „ein Leib und ein Geist“ werden mögen. Was bedeutet das?

Bedeutet es nur, dass wir gesinnungsmäßig übereinstimmen? Wie man so sagt: „ein Herz und eine Seele“, in einem Zusammenklang unserer Seelen? Ist das schon genug?

Jesus fleht zum Vater und gibt es an als Frucht seines Kreuzesopfers, dass wir so eins seien, wie er mit dem Vater eins ist. Die Einheit kann ja nicht nur unter jenen sein, die enger zusammenleben – und die anderen gehen mich nichts an. Das wäre nicht die ganzen Schöpfung.

Dann wären auch im Himmel lauter Einzeleinheiten, so wie man im großen Speisesaal um kleine Tische herum zu Sechsen sitzt, man hat gute Gespräche untereinander, aber mit den anderen ist keine Verbindung vorhanden.

Selbst wenn wir mit allen Menschen, die jetzt leben, in einer inneren Gemeinschaft stehen würden, dann wären wir es noch nicht mit allen vergangenen Generationen und mit den kommenden.

Es ist auf alle Fälle eine Einheit, die alles Psychische übersteigt, denn alle sollen miteinander eins werden, auch die Engel mit den Menschen; denn sonst wären ja wieder zwei Kammern im Himmel, so wie in einer Regierung zwei Kammern sind: Das Oberhaus und das Unterhaus. Da wären die Engel für sich eine Gesellschaft und die Menschen wieder für sich eine Gesellschaft.

Die Schöpfung ist eine. Was bedeutet dies? Wie können wir es vielleicht ein wenig erahnen?

Die gesamte Schöpfung ist eins und ist von Anfang an von Gott so erschaffen, dass sie ein unvorstellbares Kunstwerk der Harmonie darstellt. Beginnen wir einmal mit den Engeln im Himmel, den Ersterschaffenen. Wenn in einem Engel ein Gedanke aufsteigt, ist dieser Gedanke einklingend in alle. Die Gedanken und die Liebesglut eines jeden klingt zusammen in eine einzige, unendliche Fülle, ein nicht mehr vorstellbares Kunstwerk der Harmonie.

Wenn wir uns die herrlichste Symphonie, die je auf Erden komponiert worden ist, von den schönsten und vollendetsten Künstlern gespielt, vorstellen würden, wo dann die eine Geige eine Melodie spielt, aber nicht für sich. Der Geiger wird auch nicht sich selbst wie ein Solo hören. Er spielt sich hinein ins Ganze und klingt zusammen mit der Trommel, mit der Klarinette, mit der Oboe, mit der Bratsche, mit dem Cello, mit der Bassgeige, alles klingt in eine einzige, unerhörte Harmonie, eben das wunderbare Kunstwerk.

Wenn ich eine einzelne Melodie hören würde, wäre das vielleicht schon ganz schön, besonders wenn es die von ersten Geiger wäre, aber ich würde nicht herausspüren, was es eigentlich ist. Der erste Geiger wäre trostlos, wenn er das als Einzelner vorspielen müsste. Er erkennt sich selbst und den Wert seines Spielens in dem, was es im Ganzen wird.

Dieses Zusammenspiel der Musik auf Erden müssen wir als winzig kleines Ahnungsfünklein hineinübersetzen, hineinahnen in die Engel, wo jeder Spieler ja selbst seine Melodie spielt und jeder persönlich denkt, empfängt aus Gott, anbetet, strahlt Ihn wider in allen Variationen herrlichster Kunstwerke des Singens, immer neuer Dichtung höchster Lyrik und höchster Anbetung und Musik, Licht, Farbe.

Alles, was wir hier unten ahnen können, ist in einem unerhörten Zusammenklang, wo nichts allein ist, sondern alles eins, ein einziges Leben, und das zuströmend aus Gott, zuströmend aus der unendlichen Zeugung, in der der Vater seinen Sohn ausspricht.

ER ist ja der Urheber aller Kunstwerke in Seinem Wort, das ER spricht. Dieses eine WORT strömt im Heiligen Geist in die Engel und wird dort zu diesem unendlichen Kunstwerk, wo jeder berufen ist, seine Partie zu spielen, zu singen und zu leben, ein unerhörtes Leben, ein Drama. Die Engel leben ja! Wir sehen doch, in welche Prüfung sie gestellt werden. Die einen stürzen in den Abgrund und vom Abgrund aus durchqueren sie mit Getöse, mit dem Lärm die Harmonie. In der Hölle gibt es keinen Klang mehr, nur noch Lärm. Lärm kommt aus der Unterwelt.

Bei Hildegard von Bingen haben die Teufel immer nur ein Geplärr, sie können nicht singen. Eine Störungsfunktion üben sie aus gegen diese unaussprechliche Harmonie.

Und nun ist in den Engeln gleichsam die ganze Schöpfung schon vorgespielt. Das ganze Schöpfungsdrama, auch das ganze Werden der Schöpfung, jeden Geschöpfes, jeder Blüte, jeder Form der Kristallisation, jedes Windhauchs, der durch die Jahrmillionen und Milliarden geht, und jede Formung der Sterne und ihre Bewegungen, und ihre Gluten, und das Werden der Menschen und ihre Geschichte, alles ist schon vorgeformt in den Engeln und wird nun hineingespiegelt, dass es Erde wird, dass es Mensch wird.

Und der Mensch bekommt nun selbst seine Partie mitzuspielen mit den Engeln zusammen als Mensch, nun noch eine viel größere Herrlichkeit dieses Gesamtgesanges, des gesamten Dramas, des gesamten herrlichen Spieles Gottes. Er spielt auf dem Erdenrund noch herrlicher, es zu gestalten durch das menschliche Einklingen in das Klingen der Engel.

So war es im Paradies bis zum Menschen in der Zeit, da er noch in der Einheit Gottes ist, ist alles ein einziges unendliches Werden eines gesungenen, herrlichen Dramas, einer Oper, eines Welttheaters im tiefsten, herrlichsten Sinn, von Gott erfunden und gespielt durch seine Diener, die Knechte.

Nichts hat gestört, nichts konnte irgendeinen Misston geben, und der Mensch hat, solange er auf Gott so einging, wie die Engel eingehen, in der freien Zustimmung der Liebe auch jeden Gedanken, jede Regung ganz aus Gott empfangen und singend, klingend, handelnd, sprechend, denkend hineinklingen lassen in die immer voranschreitende Symphonie. Die Symphonie wird erst vollendet sein und dann erst eigentlich klingen, wenn die Schöpfung bei der Wiederkunft Christi vollendet ist.

Aber im Paradies begannen die ersten Takte der Ouvertüre, und die waren schon unerhört herrlich und ohne jeden Fehler, makellos gespielt von jeder Regung des Herzens, und deshalb war eben die Liebe zwischen Adam und Eva reinste Gottesliebe. Das Leibhaftige war nur Ausdruck des Brautgeheimnisses, der Leib des Menschen offenbart das Geheimnis der göttlichen Liebe, die als Mann und Frau sich gegenseitig schenkt. So hätte es eingeklungen mit den Kindern, so wäre alles immer weiter eingeklungen.

Natur Mensch Umwelt

Und nun kommt der unheimliche Misston, dass nicht nur irgend einer, sondern der Mensch, der alle Symphonie in sich trägt, aus dem alles hervorgehen soll, sich von Gott, vom Komponisten und vom Dirigenten, von der gesamten Einheit des Kunstwerkes losreißt und es an sich reißt und querdurch falsch hineintönt, und so das ganze Orchester durcheinanderbringt, so dass nichts mehr tönen kann, dass alles Missklang ist, so dass die Engel allein noch im Himmel singen und die Erde verloren außerhalb des Kunstwerkes gefallen ist ins Draußensein. Das ist das Werk Adams. Unheimlich! Wir können uns das nicht vorstellen. Das heißt, wir könnten es ja, wir leben es doch.

Und nun – wie geht es weiter?

Ich möchte zuerst noch einmal zurückkehren zur Einheit des Paradieses und des Himmels. Dieses Einssein ist eben das eine Leben aus Gott. Da ja alle am göttlichen Leben teilnehmen, sind alle inwendig in einem Leben, das aus sich selbst zusammenklingt, wie in einem Leib von selbst alles ein Leben ist. Die Einheit ist real, das eine Leben des Dreieinen Gottes.

Dass die gesamte Schöpfung so in dieser Gnade, der Paradiesesgnade und der himmlischen Gnade der Engel, so von Gott, aus Gott ein Leben hat, dass wir hineingenommen sind in die Heiligste Dreifaltigkeit. Wir haben das Leben des einen Gottes und deshalb ist es ein Leben. Wie Vater und Sohn eines Wesens sind und ein Leben haben, alles gemeinsam in einer Fülle, so besitzen wir alle gemeinsam in einer Fülle den Anteil am göttlichen Leben.

Und das ist zerstört. Das Leben ist ausgelöscht. Das ist der Tod, das ist das Reich der Sünde, das Reich der Finsternis, das der beherrscht, der es herbeigeführt hat mit seinem Missklang, in den er den Menschen hineingerissen hat. Der Mensch hat es aber gewollt.

Und nun – wie geht es weiter?

Nun kommt Gott selbst in diese zerstörte Schöpfung. Wir können nun denken, jetzt macht ER alles wieder gut. ER erlöst uns, und jetzt klingt alles wieder schön. So geht es nicht.

Gott selbst geht den umgekehrten Weg: Weil der Sohn Gottes in dieses Leben hineinsteigt, geht nun die gesamte Zerstörung, der herzzerreißende Missklang und Tod, alles geht auf Jesus, das Lamm, das nun das Sündenlamm wird, beladen mit der ganzen Weltsünde. Dieses Zerrissensein der ganzen Symphonie geht auf Jesus. ER nimmt unsere Last an – und in dieser Zerrissenheit nun stimmt ER ein neues Lied an, das noch viel herrlicher ist als alles, was bisher, als die Welt noch in der Unschuld war, erklungen ist.

Weil jetzt aus diesem Zerstörtsein, aus diesem Tragen von aller Krankheit, von aller Weggeworfenheit, von aller Verdemütigung und Verspottung, das unendlich herrlichere Lied der Liebe erklingt. Darin sagt Jesus: Ja, das soll jetzt mein Loblied des Vaters sein, dass ich von dieser zerstörten, rebellischen, verlorenen Erde aus Ihm das Lob darbringe in all diesen Schmerzen.

Es ist das neue Lied der gekreuzigten Liebe, das viel herrlicher ist, schwerer, aber herrlicher als das Lied der Engel. Sie beneiden uns, dass wir dieses viel herrlichere Lied singen dürfen als sie.

Dieses Lied des Sohnes Gottes am Kreuz, das erfüllt nun auch die Engel, dass sie das gleiche Lied, dieses schmerzvolle Lied der Liebe singen können, weil sie hinabgestiegen sind zu uns Menschen, unsere Schutzengel und alle Engel, in diese zerrissene Welt dienend herabgestiegen sind. So lernen sie ebenfalls das herrliche Lied des Gottesknechtes, der alle Schuld der Welt und alle Krankheit trägt, den Gott zerschlagen hat um unserer Missetaten willen.

Seht, in diese Einheit sind wir hineingestellt.

Wir müssen heute drum beten und auch, wie es uns gegeben ist, darum ringen im Herzen, aus der Isolierung herauszukommen, um uns nicht mehr als Einzelne zu sehen: Ich und Gott – und dann sind andere auch noch da, mit denen ich halt schauen muss, wie ich fertig werde, sondern wir, die gesamte Schöpfung.

Der verborgenste Gedanke, das verborgenste Beten, Opfern oder ein Lied, das in mir erklingt, das ich so gern in Worte fassen und singen möchte, dass es die Welt höre, das ist schon längst gehört. Sobald es aufsteigt, vom Heiligen Geist angeweht, ist es bereits in der ganzen Schöpfung, ist es Einklang in die Symphonie – und einmal wird es als herrlicher Gesang offenbar sein bei der Wiederkunft Christi, wenn die erlöste Schöpfung ins Lied der Liebe einstimmen wird.

Deshalb dürfen wir in unseren Gebeten ganz still verborgen sein, brauchen unsere Opfer von keinem Menschen gesehen werden. Darum sagt Jesus, die linke Hand soll es nicht einmal wissen. Und in dein Kämmerchen schaut der Vater hinein.

Wenn wir die heilige Eucharistie feiern, strömt das in die gesamte Schöpfung. Es ist ja das Opfer für alle, das Jesus hier darbringt in unserem Herzen, und wir es als unser Opfer im Schoß der Kirche darbringen.

Wir meinen immer, wir müssen Solo spielen, wir wollen eine Solo-Geige. Und dann meinen wir: Ich muss wichtig sein, damit meines ebenso gut ist wie das andere. Das muss doch neben dem konkurrieren können. Der spielt ja nur Bratsche, ich will Geige spielen, die erste Geige!

Du bist aufgeblasen, wie es in der Fabel heißt, wie der Frosch, der so groß sein wollte wie der Ochse. Er hat sich aufgeblasen, bis er geplatzt ist. Das ist genau unser Stolz. Wir alle blasen uns auf, und dann ist nichts da als ein missklingendes Quaken. Damit ist die ganze Symphonie zerstört.

Wenn ich aber aufgeben würde, Solo zu spielen, sondern nur meinen schlichten Klang, was jetzt eben in meinem Leben als Beten, als Opfern, als Tun, als Werk gegeben ist, Füße waschen oder eine Krankheit tragen, ja: die ganze Mühe des Belastetseins, weil ständig in mir alles nach unten zieht und ich in jedem Gebet nur Zerstreuungen habe – und zu all dem Ja sage, ist dies mein wahrer Einklang in die herrlichste Harmonie. Sie kommt aus dem Kreuzesopfer Jesu, aus dem Lobgesang des Sohnes, eine Melodie, die ins Ganze hineingehört und die nun im Ganzen zum Glanz gelangt.

Das ist, was der Heilige Geist in uns wirkt, dass ER uns entfacht zu dieser Glut der Liebe, dass ER uns entzündet zu dieser Bereitschaft, das mühevolle, verletzte Leben des Lammes Gottes zu tragen und deshalb jetzt verborgen ein Liebeslied vorzubereiten, das Lied des Lammes, wie es heißt in der Geheimen Offenbarung, dass sie das Lied des Lammes singen werden, das Lied, das Jesus bereitet hat für die ganze Schöpfung.

Wie würden wir dann so vieles leichter tragen, alles, was mich so belastet und wo ich schließlich nur noch Scherben in der Hand habe. Und aus diesen Scherben, die mich so erniedrigen und gering machen, ertönt in meinem Herzen das Loblied, das Anbetungslied, das Lied des Lammes, das die gesamte Schöpfung in eine noch herrlichere Symphonie hineinführt, als es je im Stand der Unschuld hätte sein können.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Pfingt-Predigt von Pater Eugen Mederlet OFM. Der Franziskaner und Schriftsteller lebte vom 18.1.1912 bis 5.7.1992. Dieser Beitrag wurde uns von unserem Leser Gerhard Kumerics freundlicherweise zur Verfügung gestellt – er ist stellv. Leiter der von Pater Mederlet gegründeten Stifung St. Bonaventura. (Der hl. Bonaventura war ein großer Theologe des Franziskanerordens.)


GOTT hat seinem Volk die Erlösung bereitet

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Lk 1,68-69.70-75.

Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels!
Denn ER hat heimgesucht sein Volk und ihm Erlösung bereitet;
ER hat uns einen starken Retter erweckt
im Hause seines Knechtes David.

So hat ER verheißen von alters her
durch den Mund seiner heiligen Propheten.
ER hat uns errettet vor unseren Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen;

ER hat sein Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und an seinen heiligen Bund gedacht.
ER hat sich des Eides erinnert,
den ER unserem Vater Abraham geschworen hat.

ER hat uns gewährt, dass wir
aus Feindeshand befreit ihm furchtlos dienen
in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.

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Weihnachten: Dornröschen und der Prinz

Von Felizitas Küble

Heute hörte ich in der Aegidii-Kirche in Münsters Innenstadt eine nachdenkenswerte Predigt. Der junge Pater interpretierte das bekannte Märchen „Dornröschen“ als Symbolgeschichte und wandte sie geschickt auf das Weihnachtsfest an, das vor der Tür steht.

Einige Gedanken daraus habe ich noch halbwegs in Erinnerung:

Der Stich mit der Spindel führt bei Dornröschen zu einem hundertjährigen Schlaf – aber nicht nur die Königstochter ist betroffen, sondern das ganze Schloß, auch die Tiere, die Natur dort.

Hat nicht auch der „Stich“ durch den Sündenfall bzw. die Erbsünde zur Folge gehabt, daß die Freundschaft des Menschen mit Gott „brachliegt“, daß das Gnadenleben der Seele nicht mehr lebendig ist? Ist zudem nicht auch die ganze Schöpfung – wie Paulus schreibt – in Mitleidenschaft gezogen?

Der Mensch ist ohne spezielle Hilfe Gottes, ohne sein Eingreifen zwar nicht ganz tot, er führt ja sein alltägliches Dasein fort, aber so vieles von dem Guten, wozu er potentiell (möglicherweise, rein theoretisch) imstande wäre, kann er wegen der Schwäche seiner erbsündlichen Natur nicht ausführen. Es fehlt ihm manchmal weniger die rechte Absicht, aber die seelisch-charakterliche Kraft und innere Ausdauer, um Gottes Gebote und Ideale zu erfüllen.

Nun kommt auch hier ein „Prinz“ zu Hilfe, der die Dornenhecken und alle weiteren Hindernisse überwindet und Dornröschen wachküßt, damit das Mädchen aus seinem langen Schlaf erwacht.

Auch wir sind „Kinder des Königs“, des großen Schöpfergottes – und Christus, der „Prinz“, der Sohn des Ewigen räumt das Geröll von Irrtum, Sünde, Tod und Schwäche hinweg, denn ER will, daß „alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4). Allein sein Heilswirken von Weihnachten über das Kreuz bis Ostern kann uns befreien, uns zum wahren Leben und zur Freundschaft mit Gott führen.

Durch Glaube und Taufe erwachen wir also aus unserem „Seelenschlaf“.

Wir heißen nicht nur Kinder Gottes, wir sind es“ (vgl. 1 Joh 3) – ja, wir sind gleichsam Königskinder, Söhne und Töchter des Ewigen selbst.

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Trost des Glaubens in Wunden des Lebens

Von Pfarrer Felix Evers

Das Stephanusfest verbindet das Weihnachtsfest mit der Karwoche.

Wer an der Krippe kniet, steht unter dem Kreuz. „Warum?“ schreien viele in diesem Coronajahr gen Himmel, auch weil sie vor den Scherben ihrer Existenz stehen, finanziell nicht weiter wissen oder ihr altehrwürdiges Gewerbe aufgeben mussten.

Die Zahl der Suizide wird sehr hoch sein, Gott sei es geklagt. Die Leidfrage hat deshalb am 26. Dezember ihren richtigen Platz.

Wie viele Menschen verlieren ihren Glauben, weil sie nicht verstehen können, weshalb uns ein Gott der Liebe leiden lässt.

Maria bietet uns die Antwort als Pietá: Sie trägt den Gekreuzigten in ihrem Schoß. Dadurch stellt die Frage nach dem „Warum“ nicht länger Gott infrage, sondern wir stellen mit Maria diese Leidfrage Gott – und Gott schenkt uns seinen Sohn, der mit uns leidet und unser Trost wird.

BILD: Schmerzhafte Mutter im westfälischen Wallfahrtsort Telgte

Mit Dietrich Bonhoeffer können wir deshalb zur Jahresneige singen: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“

Die Antwort auf die so bittere Theodizeefrage wird uns also nicht theoretisch gegeben – Hiob verzweifelte schier an den theoretisch möglichen Antwortversuchen auf die Frage nach dem letzten Grund für all seine Lebenswunden – , sondern personal: Wir finden Gottes Antwort auf alle Ölbergschreie dieser Welt, weshalb uns Gott verlassen habe, in der Krippe liegen und am Kreuz hängen.

So sehr liebt Gott seine Schöpfung, dass er zu unserem Trost persönlich in unser Leben tritt, sich all seiner Gewalt entäußert (wie aktuell in Zeiten aufzuarbeitenden Machtmissbrauchs kirchlicher Würdenträger) und uns bettelarme Geschöpfe in heiligem Tausch zu einer Königshochzeit einlädt, in der die Dornenkrone Jesu gewandelt wird in einen Lorbeerkranz bzw. eine Krone persönlichen Mitleidens Gottes, die er dem verwundeten Geschöpf behutsam aufsetzt; das Kirchenlied „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ deutet Weihnachten ja genau auf diese mystisch-innige Weise.

Im evangelischen Schweden hat sich bis heute der Brauch erhalten, am 13. Dezember das Fest der „Lichtbraut“ (Lucia bedeutet „die Leuchtende“) zu feiern. Weiß gekleidete Mädchen tragen einen Kranz mit brennenden Kerzen auf dem Kopf, einen zweiten in den Händen.

Zu Epiphanie, dem Höhepunkt der Weihnachtszeit, ziehen die Kinder als Sternsinger, in Königsgewänder gekleidet und mit Kronen auf dem Haupt, von Haus zu Haus und offenbaren – den Luciamädchen gleich – jedem Zeitgenossen, worum es in der Taufe geht: Wir ohnmächtige Kreaturen sind alle Könige, Priester und Propheten, weil der himmelreiche Gott zu unseren Gunsten auf seine Königswürde verzichtet. Jeder Kinderwagen wird so zu einer Krippe, und Erlösung geschieht durch hautnahe Zuwendung, Umarmung und Liebkosung.

Die steinernen Krüge für die Unmengen an Wasser, die Jesus auf der Hochzeit zu Kana in Wein wandelt, können aus gutem Grund als Lakrimarien gedeutet werden, in denen alle Tränen auch dieses „Jahres der Wunden 2020“ vom „sympathischen“, also „mit uns leidenden“ Gott behutsam gesammelt werden, ohne dass ein Tropfen verlorengeht.


Gedicht: GOTTES PLAN von Lothar Gassmann

Gottes Plan muss sich erfüllen.

HERR, Du nimmst den Tod in Kauf. 

Du ziehst nach des Vaters Willen

nach Jerusalem hinauf.

 

Freunde werden Dich verlassen.

Einer gibt sich Satan hin.

Dich, den Retter, wird man hassen

und vor die Gerichte zieh‘ n.

 

Quälen, jagen, geißeln, plagen

und verspotten wird man Dich.

An das Kreuz wird man Dich schlagen,

dass Dein Wort erfülle sich.

 

Doch der Tod kann Dich nicht halten.

Du wirst herrlich aufersteh`n,

und die teuflischen Gewalten

müssen in die Hölle geh‘ n.

 

Jesus, Dir sei Lob gesungen,

dass Du diesen Weg nicht scheust

und mich aus den Dämmerungen

meiner Sündennot befreist.

Dr. Lothar Gassmann

Aus dem Andachtsbuch: JESUS CHRISTUS ALLEIN: https://www.amazon.de/gp/product/1701763923/ref=dbs_a_def_rwt_bibl_vppi_i66

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz


GOTT richtet jene auf, die zerknirscht sind

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:
Psalm 34,17 ff
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Das Antlitz des HERRN richtet sich gegen die Bösen,
um ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
Schreien die Gerechten, so hört sie der HERR;
ER entreißt sie all ihren Ängsten.
Nahe ist GOTT den zerbrochenen Herzen,
ER hilft denen auf, die zerknirscht sind.
Der Gerechte muss viel leiden,
doch allem wird der HERR ihn entreißen.
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ER behütet all seine Glieder,
nicht eines von ihnen wird zerbrochen.
Der HERR erlöst seine Knechte;
straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet.
Gemälde: Evita Gründler

Die HOFFNUNG läßt nicht zugrunde gehen!

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Heutige liturgische Sonntagslesung der kath. Kirche: Röm 5,1-2 ff:
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Gerecht gemacht durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren HERRN.
Durch IHN haben wir Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
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Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird selbst für einen Gerechten kaum jemand sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen.
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Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Münster: Pfarrei Hl. Kreuz stellt den Hl. Josef ins Eck und eine „Maria 2.0“ aufs Podest

Von Felizitas Küble

Von der katholischen Pfarrgemeinde Heilig-Kreuz in Münster ist man seit Jahrzehnten Kummer gewohnt, Experimente sind im Gotteshaus dieses vornehmen Stadteils an der Tagesordnung, ob man z.B. Kniebänke durch Stühle ersetzte, Kunstwerke direkt in der Kirche verkaufte oder ob wie jetzt merkwürdige Gemälde ausgestellt werden.

Genau in dieser Pfarrei ist passenderweise die „reformkatholische“ Initiative Maria 2.0 entstanden, die mit ihrer Forderung nach einer „zeitgemäßen“ Sexualmoral, Abschaffung des Zölibats und Einführung des Frauenpriestertum im Vorjahr viel von sich reden machte und sogar von einigen progressiven Bischöfen unterstützt wurde.

Somit verwundert es wenig, daß die Statue des Heiligen Josef in der Pfarrkirche offenbar nur störte und der Nährvater Jesu daher kurzerhand seinen Abstieg vom Podest antreten mußte, um sich mit einem hinteren Eck in der Kirche zu begnügen, wo er regelrecht „abgestellt“ wurde (siehe 1. Foto).

Schließlich brauchte man wieder einmal Platz für „Kreatives“, nämlich eine gewöhnungsbedürftige Gemäldeausstellung (darunter ein naseputzender Bubi), wobei das Bild, das an Josefs Stelle gesetzt wurde, besonders merkwürdig anmutet.

Offensichtlich handelt es sich um eine modern sein wollende und sollende Darstellung der Madonna, die unbändig lacht und grinst, was eher abschreckend als anziehend wirkt.

Daß es sich wohl um eine „Marienbild“ handelt soll, ergibt sich erstens aus der mehrfach eingearbeiteten Schriftzeile „Magnificat“, zweitens aus einer daneben aufgehängten Erklärung, die von einer der fünf Gründerinnen von „Maria 2.0“ verfaßt und unterzeichnet ist.

Die Künstlerin Lisa Kötter nennt dabei zugleich ihre Gründe, weshalb sie gemeinsam mit gleichgesinnten Frauen die Aktion „Maria 2.0“ ins Leben rief.

Theologisch ist der Text ebenfalls reichlich durchwachsen, etwa wenn es dort heißt: „Jesus wollte keine neue Religion gründen. Jesus war ein frommer Jude. Er wollte den Menschen eine neue Gottesbeziehung schenken…“

Ja, Christus war ein frommer Jude – und eben deshalb hat er eine neue Religion gegründet, das Christentum nämlich, das seine Wurzel freilich im Alten Testament hat. Auf dem Fundament der Erwählung Israels gründete ER einen neuen Bund, der sich nicht auf das „Haus Israel“  beschränkt, sondern Juden und andere Völker umfaßt, die an IHN glauben.

ER wollte den Menschen nicht nur eine „neue Gottesbeziehung schenken“, sondern sie vor allem erlösen und ihnen durch sein Heilswerk und seinen Opfertod das Tor des Himmels öffnen. Aber diese „alte“ biblische Theologie paßt vermutlich nicht so ganz ins Konzept von „Maria 2.0“.

Fotos: Felizitas Küble