Ich empfehle das kritische Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfr. Rudo Franken

Von Cordula Mohr

Ich habe seit geraumer Zei feststellen müssen, dass Medjugorje-Freunde sich in Gemeinden und Ordenshäusern immer mehr Gehör verschaffen und Räume bekommen für ihre charismatischen Gebetsabende. 

Traurig auch, dass selbst bodenständige Gläubige  – vielleicht teils aus Neugier oder Effekthascherrei  – diesen angeblichen Erscheinungsort in Bosnien-Herzegowina besuchen.

Somit dachte ich mir, dass es wieder an der Zeit sei, selber noch einmal zu lesen und zu bedenken, was mich vor über zehn Jahren so eindeutig von meiner Hinneigung zu Medjugorje abgebracht hat und wodurch mein nüchterner Glaube eingeläutet wurde.

Viele vermeintlichen Besonderheiten von Medjugorje finden wir ähnlich auch an anderen „Erscheinungsstätten“, die kirchlich nicht anerkannt sind.

Ich las also erneut in dem interessant geschriebenen Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ von Pfarrer Rudo Franken, einem holländischen Priester, das in mehreren Auflagen und Verlagen erschien, die erweiterte Auflage im gediegenen Augsburger Dominus-Verlag, den der katholische Theologe Dr. Peter Düren leitet.

Auffällig an den angeblichen Erscheinungen ist, dass anfangs zwei Seher/innen wieder abgesprungen sind und stattdessen andere Visionäre dazukamen, was ich recht seltsam finde. Zusätzlich gibt es dann noch die sog. Seher der „zweiten Generation“, die später folgten.

Und anscheinend hat diese „Madonna“ keinen bestimmten Ort, an dem sie erscheint, wie das etwa in Lourdes der Fall war, sondern sie folgt den Jungen und Mädchen „hinterher“, je nachdem, wo diese sich gerade befinden; so ist sie z.B. der Vicka auf einer Zugreise erschienen. Passenderweise spricht Vicka gern von einem „Plaudern“ mit der (angeblichen) Gottesmutter.

Aus der Beweisführung dieses Buches geht klar hervor: Von Anfang an wurde nicht die volle Wahrheit gesagt. Die visionären Mädchen und Jungen, die vom Kaplan der Pfarrei bei den ersten Befragungen unter Eid gesetzt wurden, haben sich mehrfach durchgeschwindelt.

So gingen sie vor der ersten Erscheinung eben nicht zu den Schafen, um diese zu suchen, sondern sie wollen Zigaretten rauchen – und dies gegen das ausdrückliche Wort der Eltern. Das stellte sich später nach Aussage einer Seherin heraus; auch beim amtlichen Gespräch mit Bischof Zanic konnten die Gruppe das nicht mehr leugnen.

In dem Buch sind viele Tonbandaufnahmen nachzulesen und man merkt deutlich, wie gründlich sich Pfarrer Franken (siehe Foto) mit Medjugorje und den Ereignissen befasst hat. Dabei werden einige „Botschaften“ auch theologisch in Frage gestellt. Mittlerweile wird es nach bald 40 Jahren immer absurder mit diesen „Offenbarungen“.

Für mich aufschlussreich ist auch der Test, der bei einer „Erscheinung“ vorgenommen wurde. Vicka und die anderen Seher/innen behaupteten nämlich, immer in einen Trancezustand zu geraten, wenn sie „Maria“ sehen.

Bei einer dieser Erscheinungen wurde ein Fingertest durchgeführt: Vicka zuckte erkennbar zurück, als ihr die beiden Finger vors Auge kamen. Nachher sah man sie mit Pater Vego gestikulierend im Gespräch, wohl um sich „abzusprechen“, wie man die peinliche Situation erklären soll. Danach gab sie bekannt, dass der Madonna das Jesuskind aus den Armen gefallen sei; sie habe es auffangen wollen. Bei dieser faulen Ausrede vergaß sie aber, daß sie sich bei einem solchen (ohnehin unsinnigen) Auffangen nach vorne und nicht nach hinten bewegt hätte.

Ein weiterer Punkt unter zahlreichen Ungereimtheiten: 

Etliche Seher/innen hatten vor dem Bischof mehrmals in Briefen sowie persönlich ausgesagt, die ungehorsamen Franziskaner Vego und Prusina nicht zu kennen.
Dabei waren ihnen diese Patres sehr wohl bekannt. Angeblich hat sich die Erscheinungsdame für die zwei Priester ausgesprochen, obwohl sie kirchliche Strafen erhielten, teils wegen unsittlichem Lebenswandel. Der für Medjugorje damals zuständige Bischof Zanic hatte nicht zuletzt durch diese Lügen sein anfängliches Vertrauen in die Medjugorje-Seher gänzlich verloren.

Es lässt tief blicken, wenn eine der Visionärinnen berichtet, einmal sei ihr nicht die angekündigte Madonna erschienen, sondern eine als „Maria“ verkleidete Gestalt, die sich plötzlich zum Teufel veränderte, worüber sie natürlich sehr erschrak.

Auffällig ist, wie sich die katholisch-charismatische Bewegung von Anfang an positiv über Medjugorje äußerte und sich vielfach dort sogar niederließ, teils bis heute (z.B. die „Gemeinschaft der Seligpreisungen“).

Diese Beispiele aus dem fundierten Buch, die sich beliebig vermehren ließen, haben mir erneut deutlich gemacht, dass man bestimmt nicht nach Medjugorje zu reisen braucht, um seinen Glauben zu stärken und zu beleben. Wir haben in Deutschland genügend bewährte und kirchlich anerkannte Wallfahrtsorte von Kevelaer am Niederrhein bis Altötting in Südbayern.

BUCH-Daten: Rudo Franken. Eine Reise nach Medjugorje. Bedenken hinsichtlich der Erscheinungen. Mit Beiträgen von Mark Waterinckx und Manfred Hauke. – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2011. 320 Seiten. Paperback. ISBN 978-3-940879-15-8. Preis 19,80 €.

Bestellungen bei uns oder direkt hier beim Dominus-Verlag: https://shop.strato.de/epages/61306125.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/61306125/Products/%22061%20Eine%20Reise%20nach%20Medjugorje%22


Kritik an Valtortas Visionen ist „Teufelswerk“…

Von Felizitas Küble

Auf einem christlichen Partnersuche-Forum postete ein Leser mit Nicknamen „Honesty12“ einen langen Text aus dem umfangreichen Werk der italienischen „Mystikerin“ Maria Valtorta“: https://www.christ-sucht-christ.de/weblog/Honesty12/59351/

Es handelt sich um einen Auszug aus ihrem 12. Band „Der Gottmensch“, in dem auch die Himmelfahrt Christi aufgrund ihrer Visionen geschildert wird. Valtortas „himmlische“ Einsprechungen wirken unerträglich sentimental, schwülstig, selbstverliebt (sie schreibt seitenlang über sich selbst und ihre frommen Befindlichkeiten als „Veilchen am Kreuz“ etc), sie sind zudem teils antijüdisch und theologisch unsinnig.

Als ein anderer Leser im Diskussionteil auf einen kritischen Artikel des CHRISTLICHEN FORUM (CF) über Maria Valtorta verlinkt, schreibt jener Blogger „Honesty12“ über das „Christliche Forum“, diese Homepage sei „total gegen die Katholiken“ und derjenige (es müßte eigentlich heißen „diejenige“), der sie betreibe, sei „ein Lügner“. Die Begründung des aufgebrachten Valtorta-Fans lautet:

„PATER IVO PAVIC WIRD AUF DIESER SEITE ZERSTÖRT…..SR. MARGARITHA VALAPPILA (HAUS RAPHAEL) WIRD ZERSTÖRT….MEDJUGORJ WIRD ALS LÜGE BEZEICHNET UND ZERSTÖRET…..ICH KENNE DIESE LÜGNERISCHE HOMEPAGE SCHON LANGE …..SO ARBEITET DER TEUFEL !!!“

Diese Art der „Argumentation“ ist typisch für fanatische, schwarmgeistige und erscheinungsfixierte Kreise  – ich kenne dieses „Muster“ seit Jahrzehnten:

Skeptische Artikel gegenüber bestimmten Sehern, Privatoffenbarungen, Erscheinungen usw. werden kurzerhand als „lügnisch“ diffamiert, ohne sich inhaltlich mit der Sachkritik auseinanderzusetzen, von einer Widerlegung ganz zu schweigen.

Stattdessen wird der Teufel an die Wand gemalt bzw. dem Kritiker dessen Ungeist unterstellt.

Bezeichnend für dieses Umfeld ist auch die übertriebene Hysterie: „Pater Pavic wird zerstört…..Sr. Margaritha Valappila wird zerstört….Medjugorje wird zerstört“ usw.

Solche Schwarz-Weiß-Malereien kennzeichnen ein sektiererisches Denken, das mit einem gediegenen, nüchternen katholischen Glauben nicht vereinbar ist.

Übrigens handelt es sich bei keinem der vom Autor so massiv verteidigten Phänomene (Maria Valtorta, Ivo Pavic, Sr. Valappila, Medjugorje) um kirchlich anerkannte Visionäre oder Erscheinungen.

Aber auch diese kirchliche Vorsicht und Distanz ist vielen Anhängern von Sonderoffenbarungen und „Himmelsbotschaften“ gleichgültig, weil sie sich ihren Glauben bzw. Aberglauben letzlich selber basteln, wenngleich sie sich gerne als „superkatholisch“ präsentieren.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Holland: Seherin Hille Kok aus Volendam propagiert die „Maria vom Wasser“

Von Felizitas Küble

Bereits seit 1990 erhält die niederländische Visionärin Hille Kok  – eigenen Angaben zufolge  – höhere Einsprechungen und Erscheinungen von Jesus und Maria.

Die himmlische Mutter hat sich angeblich einen neuen Ehrentitel ausgedacht und möchte jetzt als „Maria vom Wasser“ angerufen werden. Ihr Outfit ist dem der Medjugorje-Madonna zum Verwechseln ähnlich (siehe 2. Bild).

Dazu gibt es ein über die Maßen sinniges Gebet, das der Seherin – einer inzwischen älteren Dame –  geoffenbart wurde, will man ihrer Homepage glauben.

Wir zitieren es zur allgemeinen Heiterkeit Information hier gerne vollständig: 

Oh reine süße Maria,
Maria vom Wasser.
In Dich bitte ich um Gnade
und bringe das Opfer das gefragt wird.
Lass mich in meinem Leid,
Dich bringen über das Wasser.
Beschütze uns vor dem Wasser,
Das sich durchdringt von Freude
aber auch von Schmerz.

Lieber JESUS :
bring uns das Wasser des Lebens
In Überfluss.
Aber… beschütze uns vor der Höhe
und der Zerstörung vom Wasser.
Amen.

Nebenstehende kleine Statuette verkauft Seherin Kok in ihrem Online-Laden nebst einer Unzahl weiterer „Andachtsgegenstände“ aus ihrem Erscheinungs-Sortiment. Dazu gehört auch obige Postkarte mit einer ihrer Jesus-Visionen.

Nun wissen Kenner der Szene, daß das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ in solchen Fällen fast so sicher ist wie das Amen in der Kirche. Mit anderen Worten: Neben viel Kitsch und Schmuse-Madonnen werden zugleich Panik-Botschaften und göttliche Strafgerichte präsentiert.

Warum sollte es in Volendam anders sein?!

Unter dem Titel „Die finstere Welt – der Krieg ist nah“ werden wir entsprechend ins Bild gesetzt: http://www.volendam-hillekok.nl/messages/de/185.pdf

Doch wo die Gefahr lauert, ist das Rettende auch – ganz nahe nämlich, denn abschließend heißt es, daß der himmlische Vater die „stillen Tränen“ der Anhänger sieht, die vor seinem Thron zu „Perlen“ werden.

Na dann – bleibt uns vielleicht die Apokalypse doch noch erspart….

 

 


Rom: Bischof und Exorzist Gemma bezeichnete Medjugorje als Lug und Trug

Am Montag, den 2. September, starb in Rom der 88-jährige Bischof Andrea Gemma, der sich seit über 10 Jahren mehrfach kritisch über die umstrittenen Erscheinungen von Medjugorje geäußert hat. Der emeritierte Oberhirte von Isernia-Venafro wirkte gleichzeitig als Exorzist – eine Kombination, die in der Weltkirche selten vorkommt. 

Der Medjugorie-freundliche Journalist David Murgia veröffentlichte gestern auf IlSegnoDiGiona.it Bischof Gemmas letztes Interview, das in Rom aufgenommen wurde. Auf Medjugorie angesprochen, reagierte Gemma eindeutig und bezeichnete das Phänomen als „nicht wahr“ und als „große Lüge“.

BILD: Das 570 Seiten starke Buch „Der Medjugorje-Betrug“ ist bei uns zum Sonderpreis von nur 14,80 € statt 19,80 € erhältlich

Bereits vor 11 Jahren hatte er sich ähnlich  – sogar noch kategorischer – geäußert, worüber sogar das Medjugorje-schwärmerische Nachrichtenportal „Kath.net“ berichtete:

„Der 77-jährige Andrea Gemma, Bischof und ehemaliger italienischer Exorzist, hat in einem italienischen Magazin schwere Angriffe gegen den Marienwallfahrtsort Medjugorje gestartet und behauptet, dass die Erscheinungen „vom Teufel“ seien.

Gemma meinte: „In Medjugorje geschieht alles im Bereich des Geldes: Pilgerreisen, Übernachtungsstätten und billiger  Schmuck. Diese ganze Schande ist das Werk des Teufels. Es ist ein Skandal.“ 


Wenn Askese den Hochmut begünstigt: Man kann auch „nach unten“ fasten

Fastendünkel bei Pharisäern, Sekten und Erscheinungen

In der überlieferten, traditionellen Messe wurde am heutigen Sonntag das Evangelium vom selbstverliebten Pharisäer und dem reumütigen Zöllner im Tempel vorgelesen.

Der von sich selbst überzeugte Gesetzeslehrer listet beim Gebet seine religiösen Leistungen und Werke auf und dankt dem Allmächtigen, daß er nicht so sei wie „die anderen“. Zu den guten Taten des Pharisäers gehörte es auch, „zweimal pro Woche zu fasten“, wie das Lukasevangelium erzählt.

Das war im damaligen Volk Israel durchaus eine „stramme Leistung“, eine besondere Askese (Verzichtsübung, „Abtötung“), denn die Juden sind nur verpflichtet, anläßlich einiger hoher Festtage zu fasten, vor allem am Versöhnungstag, dem höchsten Feiertag.

Folglich haben die Pharisäer weitaus mehr gefastet, als es „das Gesetz verlangt“ – und genau dies erfüllte den frommen Schriftgelehrten im Tempel mit Stolz.

Dieses Beispiel hat Christus seinen damaligen Zuhörern nicht ohne Grund warnend vor Augen gestellt.

Dabei geht es gewiß nicht um eine grundsätzliche Kritik an einem freiwilligen Fasten, das über die „geforderte Norm“ hinausgeht. Vielmehr werden wir ermahnt, uns nicht in einen religiösen Leistungswahn zu versteigen, der zu einer unterschwelligen Verbitterung führen kann – und dazu, daß unsere asketischen Bemühungen im Hochmut enden.

Damit würde man letztlich nicht „nach oben“ fasten, sondern gleichsam „nach unten“…

Die katholische Kirche hat durch ihre gemäßigte Haltung zum Fasten stets jedem Fanatismus und aller Verstiegenheit vorbeugen wollen. Es gibt nur zwei „gebotene“ (verpflichtende) Fasttage im ganzen Jahr, nämlich Aschermittwoch und Karfreitag (aber nicht bei „Wasser und Brot“).

Das kirchliche Freitagsgebot (lediglich kein Fleisch essen bzw. sonst ein Opfer bringen) ist kein eigentliches Fasten im strengen Sinn.

Es fällt auf, daß verschiedene häretische Gruppen und Sekten sowie Schwarmgeister im Laufe der Kirchengeschichte häufig besonders striktes Fasten und sonstige asketische Übungen verlangten, man denke z.B. an die Montanisten, Donatisten, Katharer, Geißler, „Inspirierte“, Skopzen (in Rußland) etc.

Wichtiger als eine ausgeprägte Askese sind aber gute Werke, Einhaltung der göttlichen Gebote, Taten der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, wie der Prophet Jesaja im Alten Testament betont: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts lösen, die Stricke des Jochs entfernen, die Versklavten freilassen, jedes Joch zerbrechen.“ (Jes. 58,6)

MEDJUGORJE und das Fasten bei Wasser und Brot

Einen seltsam asketischen Schwerpunkt setzen auch manche Erscheinungen wie etwa Medjugorje. Dort wurde von Anfang an eine merkwürdige Überbetonung des Fastens proklamiert.

Hierbei fordert die „Marienerscheinung“ am Mittwoch und Freitag zu einem „strengen Fasten“ bei Wasser und Brot auf (vgl. z.B. die „Botschaft“ vom 14.8.1984) – also auch zweimal pro Woche (wie einst die Pharisäer).

Dieser Punkt gehört zu den „fünf Steinen“ bzw. Hauptbotschaften von Medjugorje. So heißt es z.B. bei „Totus tuus“ (einer Medjugorje-Jugendbewegung) wörtlich unter dem Titel „Die Botschaften“:

In ihren Botschaften ruft sie uns auf,…mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. (Quelle: http://www.totus-tuus.de/site/medjugorje/die-botschaften-von-medjugorje/)

Einer Medjugorje-Seherin der „2. Generation“ namens Helena sagte die vermeintliche Madonna: „Ich will, daß ihr zweimal in der Woche bei Wasser und Brot fastet.“  (Quelle: Pater Vlasic in „Téqui“, S. 25).

Selbst eingefleischte Fans bringt diese Anforderung bisweilen um ihre Arbeitsfähigkeit und gute Laune.

So weiß Pfarrer Dirk Grothues zu berichten: „Ich selber habe vor einigen Jahren versucht, mittwochs und freitags bei Brot und Wasser zu fasten. Es ist mir erbärmlich bekommen. Mir wurde schlecht und ich konnte meine Arbeit nicht mehr tun.“ (Aus dem Buch Der Himmel fängt schon an, Oros-Verlag, S. 104)

Ähnlich schreibt Pater Andreas Hönisch, Gründer der „Kath. Pfadfinderschaft Europas“ (er war erst Anhänger, später ein Kritiker von Medjugorje):

„Es war in dieser Anfangszeit von Medjugorje, dass ich auch begann, zweimal in der Woche bei Wasser und Brot zu fasten. Ich mußte diese Praxis nach einiger Zeit aufgeben, weil ich es gesundheitlich nicht mehr schaffte.“  (Quelle: https://charismatismus.wordpress.com/2011/07/07/medjugorje-mein-eigener-weg/)

In unserem Christoferuswerk hatten wir in den 90er Jahren eine Medjugorje-Neubekehrte als Praktikantin. Die fromme Frau klebte nicht nur gerne die neuesten „Botschaften des Himmels“ an alle möglichen Wände, Schränke und sonstigen Ecken unseres Hauses, sondern hielt sich auch strikt an ihr Fasten am Mittwoch und Freitag bei Wasser und Brot. Allerdings war ihre Stimmung an diesen Tagen verständlicherweise nicht die beste.

Mehrfach erlebte ich zudem am nächsten Tag, wie sie mir vormittags den halben Kühlschrank leergegessen hatte, so daß ich – als ich gerade mit dem Kochen beginnen wollte – erst einmal einkaufen mußte, weil die Fleischportionen „verschwunden“ waren.

Ob das wohl ein sinnvolles Fasten ist?

Wenigstens hat die Praktikantin aber die anderen Mitarbeiter mit ihrem Fasten-Spleen in Ruhe gelassen.

Das kann auch anders ausgehen, wie mir eine Leserin des CHRISTLICHEN FORUM vor einiger Zeit anschaulich geschildert hat:

Sie durfte bei einer Freundin eine an sich recht schöne Ferienzeit auf dem Lande verbringen – soweit prima. Allerdings handelte es sich bei der Gastgeberin um eine überzeugte Medjugorje-Anhängerin. Die Folge: Am Mittwoch und Freitag war Schmalhans Küchenmeister und unserer Leserin wurde der Urlaub dadurch schon ein bißchen versalzen.

Noch ganz anders wurde ihr zumute, als die Freundin an einem Fastentag ihre Autofahrt abrupt beenden und an den Straßenrand ausweichen mußte, weil sie vor Schwäche nicht mehr weiterkam.

Wer also mehr fastet, als die Kirche verlangt, kann dies gerne tun, doch sollte er andere Gläubige damit nicht behelligen oder ungebeten „mitfasten“ lassen. Zudem muß sich jeder Asket vor (un)geistlichem Hochmut hüten: er darf sich nicht einbilden, deshalb „besser“ zu sein als die anderen Katholiken.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Erzbischof Marcel Lefebvre warnte vor einer Fixierung auf „Erscheinungen“

Von Felizitas Küble

Es ist für geistig wachsame und bodenständige Katholiken äußerst wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen – mit anderen Worten: Es gibt nicht nur die Gefahr des Modernismus und Skeptizismus, sondern auch die genau entgegengesetzte Bedrohung jedes soliden Glaubens, nämlich Wundersucht, Sensationsgier und eine Fixierung auf angebliche „Erscheinungen“, Visionen und Botschaften des „Himmels“ etc.

Für konservative und erst recht für traditionelle Gläubige, die für den Progressismus (falschen Fortschrittsglauben) ihrem Wesen nach sowieso nicht anfällig sind, ist das andere Extrem hingegen eine echte Versuchung – nämlich sich in der Verunsicherung unserer Zeit in den Bereich der „Privatoffenbarungen“ zu begeben, sich dort eine geistliche Fluchtburg einzurichten und so vor den Ungereimtheiten in Kirche und Welt zu „wappnen“.

Auch im traditionellen Spektrum, in dem – zu Recht – die überlieferte hl. Messe hochgeschätzt wird, ist die Neigung zu „Erscheinungen“ leider ausgeprägter, als es einem nüchternen Glauben entspricht, der nämlich auf ganz anderen Fundamenten beruht: auf der Heiligen Schrift, der apostolischen Überlieferung sowie auf dem kirchlichen Lehramt.

Dabei geht die (Sehn-)Sucht nach Privatoffenbarungen bisweilen deutlich über das hinaus, was die Kirche gutheißt  – beschränkt sich also nicht auf die approbierten (erlaubten, gebilligten) Erscheinungen, sondern bezieht auch kirchlich abgelehnte „Botschaften“ mit ein – so z.B. Heroldsbach, Montichiari, Garabandal oder San Damiano.

Dabei hatte Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der traditionsorientierten und altrituellen Priesterbruderschaft St. Pius, grundsätzlich eine insgesamt nüchterne Haltung zu diesen Fragen eingenommen.

Zwar zeigte er sich vor entsprechenden Tendenzen nicht ganz frei, bedenkt man etwa, daß er anfangs den „Marienerscheinungen“ von San Damiano in Norditalien zuneigte, später aber immerhin kritischer wurde. Die entsprechenden „Himmelsbotschaften“ an die vermeintliche Seherin „Mama Rosa“ sind seinerzeit kirchlich strikt abgelehnt worden, was bis heute gilt.

Die Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlichte am 27.11.2014 unter dem Titel „Ablenkung von den Grundlagen des Glaubens“ zu diesem Themenkreis einige Klarstellungen von Erzbischof Lefebvre, die ihr Gründer im Jahre 1989 anläßlich von Exerzitien geäußert hat: https://fsspx.de/de/news-events/news/ablenkung-von-den-grundlagen-des-glaubens-5645

In der Lefebvre-Stellungnahme heißt es u.a.:

„Einige fühlen sich verpflichtet, alle Erscheinungen zu beachten, selbst solche, die von der Kirche nicht offiziell anerkannt sind, ständig nehmen sie in ihrer Verkündigung darauf Bezug…Das ist schade, weil es den Geist der Gläubigen ein wenig in die Irre leiten kann. Erscheinungen sind nur Ergänzungen…, aber sie sollen nicht die Grundlage unserer Spiritualität sein, sie sollten nicht die Grundlage unseres Glaubens sein; auch ohne Erscheinungen wäre unser Glaube immer noch derselbe… Es ist also ein wenig gefährlich, wenn man den Eindruck erweckt, ohne die Erscheinungen könne man bei den aktuellen Schwierigkeiten im spirituellen Leben nicht bestehen. Das ist schade! Das ist gefährlich.

Und Sie wissen ja auch, bei den Erscheinungen … gibt es eine Menge, eine Fülle von Botschaften, Nachrichten, unwahrscheinlichen Botschaften, unwahrscheinlichen Nachrichten, eine extravaganter als die andere. Ich möchte fast sagen: je extravaganter, desto eher wird daran geglaubt. Das ist sehr gefährlich, sehr gefährlich…
Jedenfalls ist das ein Mittel für den Dämon, die Seelen fast von den Grundlagen des Glaubens abzulenken, sie so in einen Sentimentalismus hineinzuziehen, in eine Frömmigkeit, die nicht wirklich auf den Glauben gegründet ist, auf unseren HERRN.“
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Danach stellt der Erzbischof klar, daß man zwar in Erscheinungsorten beten könne, aber darauf nicht die eigene Frömmigkeit stützen soll, geschweige gar in einen Fanatismus geraten:„Durch Dinge dieser Art kann man sich nicht leiten lassen, das ist unmöglich! Man muss also sehr, sehr, sehr, sehr klug sein, und unglücklicherweise muss man sagen, dass diese Krankheit, wenn man es so sagen kann, sich in den traditionalistischen Kreisen ganz enorm ausbreitet.
In Deutschland und in der deutschsprachigen Schweiz sogar vielleicht noch mehr. Ich weiß nicht, warum, ich weiß nicht, woran das liegt, ich weiß es nicht. In diesen Kreisen gibt es aber sicherlich eine verhältnismäßig größere Zahl von Menschen, welche alle diese Botschaften und alle diese anderen außergewöhnlichen Dinge annehmen.“Somit zeigte sich der Gründer der Piusbruderschaft damals sehr besorgt und geradezu ratlos angesichts der starken Anhänglichkeit an Privatoffenbarungen in den „traditionalistischen Kreisen“. 

Stattdessen verweist er auf die „traditionellen Grundsätze der Kirche“, wonach nämlich „die Erneuerung der Gesellschaft, der einzelnen Menschen, der Familien nur durch unseren Herrn Jesus Christus kommt….Das ist klar! Da muss man gar nicht anderswo suchen.“

Mein Verwandter Dr. Philipp Küble, Leiter von „Vox fidei“ (Stimme des Glaubens), führte in den 80er Jahren ein Interview mit Marcel Lefebvre. Wie mir der Theologe berichtete, hat der Erzbischof ihm nach dem Interview sein Leid geklagt über die Absonderlichkeiten im eigenen Lager, vermutlich ging es auch um die Erscheinungssucht. Jedenfalls habe ihm Lefebvre halbironisch gesagt: „Bei uns sind zwar nicht alle verrückt, aber alle Verrückten sind bei uns.“

 

 


Pichincha: Mutter Marianas „Erscheinungen“ eines gekreuzigten Jesuskindes

Von Felizitas Küble

Im erscheinungsbewegten Bereich schafft die fromme Phantasie des öfteren einen theologischen Salto mortale.

Dazu gehört auch die Nonne „Mutter Mariana von Jesus Torres“, der die Madonna und ein gekreuzigtes Jesuskind auf dem Berg Pichincha in Ecuador erschienen sein soll. Die aus Spanien stammende Visionärin lebte von 1563 bis 1635, war also zwei Generationen früher geboren als die weitaus bekanntere Mystikerin Maria von Agreda (1602).

Die angebliche Gottesmutter bezeichnete sich bei Mutter Mariana als „Unsere liebe Frau vom guten Erfolg“, wieder ein neuer Ehrentitel in der Erscheinungslandschaft.

Mit „Nachrichten“ dieser (Aber-)Glaubensart ist das Portal Gloria-TV gut bestückt: https://gloria.tv/photo/ZTUFAP1ihwFE4RFdo73pr3z1C

Die Erscheinung des göttlichen Kindes auf dem Pichincha-Berg soll sich 1628 ereignet haben:
„Mutter Mariana sah die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael das göttliche Kind zum Berg Pichincha tragen, der die Stadt Quito überblickt. Hier nahm das Jesuskind die Gestalt eines Jungen im Alter von 12 bis 15 Jahren an, sein Ausdruck war süß und majestätisch. Er warf sich mit ausgestreckten Armen wie am Kreuz auf den Boden und betete zu seinem ewigen Vater, er möge Ecuador mit Gunst betrachten.
Ein himmlisches Licht hüllte den ganzen Berg ein, und das Christkind erhob sich und stand vor einem Kreuz mit der Inschrift INRI an der Spitze. An seinem linken Arm hing eine Dornenkrone; rechts davon eine weiße Stola.  

Das Jesuskind bekleidete sich mit der weißen Tunika und legte über sie einen prächtigen Mantel. Dann näherte er sich dem Kreuz, nahm die Dornenkrone und legte sie auf sein Haupt. Er streckte seine Arme aus und blieb gekreuzigt, aber ohne dass Nägel an seinen Händen oder Füßen auftauchten.

Große Tränen liefen seine Wangen hinunter, die von den Erzengeln gesammelt und in der neuen Nation verteilt wurden.“

Die ganze Vision ist theologisch unausgegoren. Erst erscheint das kleine Jesuskind, das sich plötzlich in einen Jungen verwandelt; der Knabe nimmt eine gekreuzigte Haltung ein, seine Tränen werden von Erzengel gesammelt.

Welchen heilsgeschichtlichen Sinn sollen diese Verwandlungszenen haben?

Damit nicht genug, geht es mit dem kuriosen Darstellungen munter weiter:

„Dann befahl Jesus dem heiligen Gabriel, die Hostie hinter seinen Kopf zu setzen, wo sie zu einer Art Heiligenschein wurde…Als Blutstropfen von den Wunden an seinen Händen, Füßen und seiner Stirn fielen, richtete er seinen Blick auf das Land und sagte die folgenden Worte:

„Ich kann nicht mehr tun, um Meine Liebe zu dir zu zeigen. Undankbare Seelen, die die große Liebe und Aufmerksamkeit Meines Herzens mit Verachtung, Sakrilegien und Lästerungen zurückzahlen. Zumindest du …bist mein Trost in meiner eucharistischen Einsamkeit.“

Was hat der Jesusknabe mit der Eucharistie zu tun, die Christus einen Tag vor seinem Tod gestiftet hat? Was soll der Unfug, die Hostie „hinter seinen Kopf zu setzen, wo sie zu einem Heiligenschein wurde“?

In Wirklichkeit ist ER doch im Altarsakrament gegenwärtig, so daß es geradezu sinnwidrig wäre, sie als „Heiligenschein“ einzusetzen, als ob der göttliche Erlöser solch alberne Spielereien nötig hätte.

Typisch für Erscheinungsbotschaften ist die angebliche Heilands-Klage über die böse Welt, ihre „Lästerungen und Sakrilegien“ – aber wie gut, daß es die auserwählten Sühneseelen und Sühneopferseelen gibt, die den Herrn „trösten“ in seiner „Einsamkeit“, die es in Wirklichkeit bei GOTT nicht geben kann, denn die drei göttlichen Personen sind zueinander in vollkommener Liebe vereint, so daß keine von ihnen menschlichen „Trost“ benötigt, um nicht „einsam“ zu sein.

Was das „gekreuzigte Jesuskind“ betrifft, so gab es diese Vorstellung in Lateinamerika schon vor diesen Botschaften an Mutter Mariana.

Die Darstellung Jesu als Kleinkind  – nicht selten mit einer Dornenkrone oder in Ketten gelegt –  spielte in der Kunst dieses Kontinents eine viel größere Rolle als in Europa. Es ist unklar, ob es sich dabei vielleicht um eine Spätfolge früherer heidnischer Vorstellungen von „Kindgottheiten“ handelt.

„Gekreuzigte Kinder“ gibt es im Abendland sonst nur im Zusammenhang mit Ritualmord-Legenden, die von mehreren Päpsten als judenfeindliche Verleumdung zurückgewiesen wurden. Trotz dieser Warnungen von höchster Warte hörten die Ritualmord-Lügen nicht auf, was zur Ermordung und Hinrichtung vieler Juden führte, vor allem in Spanien und Italien.