„Rachemadonna“: Merkmal der Falschmystik

Von Felizitas Küble

Das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche“ ist ein häufiges Kennzeichen irrgeistiger „Offenbarungen“. In den entsprechenden Botschaften werden die Seher (meist sind des freilich Seherinnen) von himmlischen Gestalten – oft Jesus oder Maria – über den grünen Klee gelobt, ihre Vorzüglichkeit gepriesen, ihre besondere Sendung und Einzigartikeit verkündet und vielfach bedankt sich die Erscheinung auch bei den „Begnaden“ für ihren eifrigen Einsatz bei der Verbreitung der angeblichen Aufrufe „von oben“.

Auch in Medjugorje bedankt sich die „Madonna“ ständig bei den Visionären, daß sie „ihrem Ruf gefolgt“ seien etc.

Dieses (un)geistliche Zuckerbrot ist nichts Neues in der Kirchengeschichte. Die hl. Teresa von Avila, die selber als große Mystikerin gilt, warnte vor dieser religiösen Sentimentalität:

„Schwer täuschen sich jene, die meinen, die Vereinigung mit Gott bestehe in Ekstasen, Verzückungen und geistlichen Tröstungen. Sie besteht allein in der vollkommenen Übergabe unseres Willens an Gott.“

Das zweite typische Kennzeichen der Pseudo-Mystik ist die „Peitsche“ – natürlich an jene gerichtet, welche die „Botschaften“ nicht annehmen. Ob Sievernich oder Eisenberg (Rasenkreuz), ob Amsterdam oder Garabandal, ob Medjugorje oder die Visionen der Antonie Rädler von Wigratzbad: Stets gibt es eine „Rachemadonna“, die den Skeptikern den Marsch bläst, auch wenn es sich dabei um die kirchliche Obrigkeit handelt, die ja bekanntermaßen mit derartigen Phänomenen sehr vorsichtig ist – immerhin beruht diese Haltung aus einer Erfahrung von 2000 Jahren.

Ganz typisch sind also Drohbotschaften für jene, die nicht spuren, die Zweifel an der Echtheit äußern oder sich sogar dagegen aussprechen.

Fall-Beispiel SIEVERNICH

So erklärte die Erscheinungs-Maria von Siervernich am 4. Juni 2005, derjenige werde sich „vor ihrem Sohn verantworten müssen“, der in das Rohr zum Brunnen „etwas hineinwirft“. (Es ging um eine erfolgte Bohrung für ein angebliches „Heilungswasser“.)

Einen Tag später wiederholt das Phantom ihre Drohung: „Mein Kind, bete und tue alles, was ich Dir sage. Wer auf mein Wort nicht hört, wird dies vor meinem Sohn verantworten müssen.“

Bereits zwei Jahre zuvor, am 14. Juli 2003, wurden jene Geistlichen, die nicht an die Visionen von Manuela Strack glauben, ebenfalls in ein schiefes Licht gerückt:

„Viele Priester glauben nicht an mein Kommen und verleugnen meinen Sohn. Sie sind gegen dich, weil sie auch wider meinen Sohn sind. Sie verwunden täglich mein Herz.“ 

Am 1. März 2004 sandte die angebliche Gottesmutter folgende Kundgabe an Manuelas Verehrerschar: „So wird alles, was sich euch entgegenstellt, wie ein Windhauch vergehen.“

Da kann es manchem Erscheinungsbewegten warm ums Herz werden!

Fall-Beispiel RÄDLER in WIGRATZBAD

Das bischöfliche Ordinariat Augsburg wirft dem Buch „Sieg der Sühne“ von Alfons Sarrach vor, daß es Kritikern der Wigratzbader Privatoffenbarungen von Antonie Rädler mit Unheil und Tod drohe.

Tatsächlich äußert sich der Verfasser – ein allseits bekannter Propagandist von Medjugorje – teilweise eher makaber – vor allem ab Seite 107:

Dort wird ausführlich geschildert, wie es dem Bürgermeister von Hergatz ergangen sei (der als Widersacher der „Seherin“ Rädler vorgestellt wird): Dieser NS-hörige Bürgermeister sei – politisch bedingt – durch Befehl eines SS-Kommandanten aufgehängt und dann „verscharrt“ worden.

Danach heißt es auf S. 108 weiter:
„Übrigens haben die größten Feinde Antonies einen tragischen Tod gefunden. Zu ihnen gehörte auch der Kreisleiter der Partei aus Lindenberg. Er wurde von befreiten Polen aus dem Auto geholt, zu Tode getrampelt und unter die Erde gebracht.“

Auf S.67 wird von einer Marienvision berichtet, die eine Bekannte von Antonie Rädler erlebt haben will. Dabei soll die „Erscheinung“ gesagt haben: „Ich kann die zerschmettern, die gegen diese Sache sind.“ (Gemeint ist der Kapellenbau in Wigratz.)

Ähnlich heißt es auf S. 89 aus dem Munde der „Seherin“ Antonie selbst: „Maria kann alle zerschmettern, die ihr widerstehen.“ – Ob das Geist und Ausdrucksweise der wirklichen Gottesmutter ist? – Gewiß nicht, denn die Mutter des HERRN ist keine „Rache-Madonna“.

Derartige Ausführungen erwecken den Eindruck einer irrgeistigen „Frömmigkeit“, die sich mit dem christlichem Glauben und einer bodenständigen, biblisch orientieren Marienverehrung nicht vereinbaren läßt.

Dabei kann die Ablehnung von Erscheinungen ohnehin kein Anlaß für eine „Strafe Gottes“ sein, zumal Privatoffenbarungen für die Gläubigen grundsätzlich nicht verbindlich sind – noch viel weniger, wo es sich in all dieen Fällen nicht einmal um kirchlich anerkannte Botschaften handelt.

Fall-Beispiel HIGGINSON:

Einige Hinweise aus der „Haupt-Christi“-Verehrung der englischen Visionärin Teresa Higginson (die auch in traditionalistischen Kreisen verbreitet ist):

Zum Zuckerbrot der Heilsgewißheit für Fans ihrer Haupt-Christi-Spezialandacht gehört auch die Peitsche der Verwünschungen für „Übeltäter“, die diese offenbar heilsnotwendige Sonderverehrung nicht pflegen oder sie gar  „behindern“, was wie eine Freveltat bewertet wird.

Derart blutrünstige Bannflüche gegen Skeptiker wie hier liest man freilich recht selten in irrgeistigen „Botschaften“.

Hier folgen ein paar handfeste Drohungen gegen Kritiker:

„Was jene anbelangt, die durch Wort oder Werk versuchen, diese Andacht zu verhindern oder zu verwerfen, werden sie wie zu Boden geworfenes Glas sein oder wie ein gegen eine Mauer geschleudertes Ei, d.h. sie werden in Stücke geschlagen und vernichtet; sie werden verdorren und verwelken wie das Gras auf den Dächern.“ 

„Andererseits läßt Er mich erschaudern vor Schrecken angesichts der furchtbaren Strafgerichte, die das Los jener sein werden, die den Fortschritt dieser himmlischen Andacht hindern oder zu verhindern suchen werden… Sie werden gebrochen und vernichtet  werden.“

Sodann folgt ein „Gebet“, das der „Herr“ seiner „Leidensbraut“ Higginson offenbart haben soll:  „O Heiligstes Haupt, möge Deine Weisheit uns immer lenken… Mögen wir niemals die Verwünschungen vernehmen, die gegen jene ausgesprochen wurden, welche diese Andacht behindern oder verachten werden.“  – 

Sogar im Gebet hat der „Andächtige“ also die Angst im Nacken. Soll so etwa die freiwillige Gottesliebe geweckt werden?  Stattdessen ein System von Fluch und Angst, wie man es sonst nur aus dem finstersten Heidentum kennt.


Pseudomystik: Kritik an Enochs Botschaften ist „die Sünde gegen den Hl. Geist“

Von Felizitas Küble

Auf Gloria-TV hat ein User mit Nicknamen „Nicky41“ kürzlich einen kritischen Artikel von mir über den Seher Enoch aus Kolumbien verlinkt, der zu einer regen Leserdebatte mit bislang fast 60 Kommentaren führte: https://gloria.tv/post/BzrBrNqWz4rn1zPvtPvvnWmXf/replies

Der erwähnte Visionär Enoch verkündet – wie in diesem Genre üblich – seit Jahren Panikbotschaften und Untergangsprognosen, vermischt dabei Esoterisches mit Katholischem und Falsches mit Richtigem in einer irrigen Kombination.

Er hält sich für einen Herold der Endzeit, behauptet sodann, der Antichrist sei schon unter uns und er selber einer der biblisch angekündigten „Zeugen“ gegen denselben usw.

Die dortige Leserdebatte ist insofern bemerkenswert, weil sie in ihrem Verlauf typisch ist für Diskussionen, wie sie in erscheinungsfrommen Kreisen gang und gäbe sind.

Immerhin gibt es diesmal etliche kritische Stimmen, die sich fast mit Händen und Füßen gegen die Zumutungen wehren, die ihnen von Botschaftsgläubigen angedreht werden.

So schreibt „Wilgefortis“ kurz und knapp: „Ich erinnere mich noch gut an die Weltuntergang der Zeugen – jetzt haben diese das wohl aufgegeben und jetzt fangen die Christen damit an.“

Skeptisch äußert sich auchMission2020″: „Wenn man Schweres mitgemacht hat so wird man immer mehr offen für Gott und will seine Weisungen folgen. Wie unwichtig erscheinen das Prophezeihungen und wie bedeutsam der sakramentale Herr Jesus Christus.“

Kritik an „Blödel-Botschaften

LeserDr.MartinBachmaier“ kommentiert: „Wir wissen doch alle schon aufgrund der Milliarden abgetriebener Kinder, dass ein großes Strafgericht auf uns zurollt.“ – Er kritisiert aber, wenn Christen den Ernst der Lage mit Blödel-Botschaften (etwa, das Kreuz am Himmel entstehe durch das Aufeinanderprallen zweier Asteroide) oder der Voraussage von Ereignissen, die nicht eintreffen oder deren Eintreffen immer wieder verschoben werden muss, untermauern“.

Andere winken gleich ab: „Nur ein Lügenprophet mehr“ – oder: „Dieser Enoch hat mit katholisch null zu tun“.

Voll erscheinungsfixiert meldet sich „Heilwasser“ zu Wort mit einer in diesem Lager üblichen Drohung:

„Es steht in der Bibel, dass die Sünde gegen den Heiligen Geist nicht vergeben wird (gemeint ist ohne aufrichtige Beichte), weil man den Herrn direkt angegriffen hat…. Jede Verleumdung von Sehern ist Sünde gegen den Heiligen Geist und diese Sünde wird (ohne tiefe Reue in einer gültigen Beichte) weder in dieser, noch in der jenseitigen Welt vergeben werden.

„Viatorem“ widerspricht: „Falsche Botschaften und Erscheinungen , die nicht vom Himmel kommen, es aber so aussehen lassen, sind sehr gefährlich für das Seelenheil.“

Nicky41″ stimmt ihm bei: „Dann gibt es die fanatischen Anhänger solcher Botschaften, die mit Drohungen und Hass denen gegenübertreten, die nicht an eben diese Botschaften glauben.“

Heilwasser gibt nicht auf: „Enoch ist echt, basta! Das ist die Wahrheit. Das Gequatsche von den wahren und falschen Propheten kann doch keiner mehr hören.“

Immaculata90 entgegnet: „Warnungen dieser Art werden seit Jahrzehnten von diversen „Begnadeten“, SeherInnen etc. für das jeweils nächste Halbjahr angekündigt. Ich kann den Käse nicht mehr hören!“

Katholik 25 stellt fest: „Ich muss keiner Botschaft glauben. Das ist kein Glaubenssatz. Und dass jemand in die Hölle kommt, nur weil er nicht einer Botschaft glaubt, das ist geisteskrank.“

Heilwasser“ verkündet ihrer Fangemeinde, wegen der angeblich bevorstehenden Straf-„Warnung“ des Himmels habe sie „schon lange Heilwasser im Keller eingelagert“, was immer das sein mag, denn sie bezeichnet es nicht als „Weihwasser“. Sodann fährt sie fort:

„Ich werde mich niemals zu den spöttelnden Verleumdungsartikeln auf der Küble-Webseite herablassen….Begreifen Sie einfach, dass Küble eine intensive Abneigung gegenüber Privatoffenbarungen hat. Schauen Sie mal, wie viele wahre mystische Orte dort an den Pranger gestellt werden? Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken und habe die Küble auch schon oft angeschrieben, aber sie hat mehr Lust am Spötteln als an der Wahrheit der Botschaften.“

Mir ist übrigens nicht bekannt, welche Person mich „oft angeschrieben“ hat, da der echte Nachname sicher nicht „Heilwasser“ lautet, mag sie es auch in ihrem Keller eingelagert haben.


Luz de Maria: Jesus als „spiritueller Führer“?

Von Felizitas Küble

Bereits vor ca. drei Jahren haben wir uns im CHRISTLICHEN FORUM kritisch mit den „Botschaften“ der argentinischen Seherin Luz de Maria befaßt, die sich der erscheinungsseligen Szene als „Stigmatisierte“ präsentiert und angeblich seelisch und körperlich den Kreuzesschmerz Christi miterlebt: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/luz-de-maria-argentinien/

Die in Costa Rica geborene Familienmutter lebt in Argentinien und reist durch die lateinamerikanischen Lande, um ihre besonderen „Aufrufe“ zu verbreiten.

Dabei gehört zu diesen „Botschaften des Himmels“ auch die in diesen Kreisen handelsübliche Drohung mit der „Warnung“ gehört, also jenem angeblichen endzeitlichen Vorgang einer wohl meist schrecklichen „Seelenschau“, der uns – diesen Visonären zufolge – in Bälde überraschen wird, den allerdings weder Bibel noch Kirche kennen.

Wie man der Fan-Webseite entnehmen darf, bezeichnet sich Christus gegenüber der „Begnadeten“ in typisch esoterischer Manier als ihr „spiritueller Führer„: https://www.revelacionesmarianas.com/de/luzaleman.html

Auch sonst klingt manches merkwürdig: So habe Luz schon in ihrer Jugend „himmlische Bekundungen“ durch Maria und die Engel erlebt, die ihre voraussagten, „was sich Jahre später allmählich materialisieren würde„.

Ein in der Szene sehr häufiges Phänomen ist z.B. das Heraustreten von „Tränen“ oder gar Blutspuren aus religiösen Bildern (oft wie hier aus Medjugorje-Madonnenstatuen) – und sodann der „unerklärliche Duft“, meist angenehmer Rosenduft.

Typisch für das erscheinungsbewegte Spektrum ist es auch, jedwede Kritik am Inhalt der Sonderoffenbarungen als böswillige Verleumdung zu verteufeln, obwohl diese Botschaften kirchlich nicht einmal anerkannt sind. So heißt es diesbezüglich bei Luz de Maria in zudem anmaßender Gleichsetzung mit Christi Leiden:

„Christus warnt sie über die Verfolgung, die Ungerechtigkeit, die Verleumdung und die üble Nachrede von denen, die diese Aufrufe nicht akzeptieren. Sie werden nie müde sie zu verfolgen, um ihre Arbeit beenden zu versuchen, aber sie nimmt das an, wissend, dass als Werkzeug Christi den gleichen Weg, den Christus auf der Erde ging, gehen muss.“

Sodann wird als „Referenz“ folgendes aufgeführt:

„Bevor Christus Luz de María Teilnehmerin seiner Passion macht, fängt sie an, in einen besonderen Zustand zu fallen, der sie die Wunder erkennen lässt und nachdem sie in einer Ekstase niederfällt.“

Offenbar geht es bei diesem ekstatischen „Niederfallen“ um ein ähnliches Phänomen wie das charismatische „Ruhen im Geist“, bei dem die Betreffenden in einer Art Trance nach rückwärts fallen.

Die Ekstase der Maria de Luz ist jedesmal „dramatisch für alle Anwesenden“ – und zwar deshalb:

„Wunden erscheinen in ihren Händen, Füssen, an der Seite und auf dem Kopf. Manchmal weint sie Tränen aus Blut, die sehr intensiv duften, so sehr, dass der Duft den ganzen Raum erfüllt. Nach dem Ekstase, der eine oder mehrere Stunden dauern kann, heilen die Wunden aus, die Haut regereniert sich und nur das Blut bleibt sichtbar.“

Hierzu erübrigt sich jeder weitere Kommentar.


Allgäu: Gebetsstätte Wigratzbad bald mit neuer Leitung durch die „Familie Mariens“

Von Felizitas Küble

Die erscheinungsbewegte Gemeinschaft „Familie Mariens“ wird ab 1. September 2021 die Leitung und Pilger-Seelsorge an der Gebetsstätte Wigratzbad (siehe Foto) im Allgäu übernehmen, wie das Bistum Augsburg sowie die charismatische Nachrichtenseite „Kath.net“ vor fünf Tagen berichter hat: https://www.kath.net/news/74939

Für „Kath.net“ ist diese Meldung zweifellos höchst erfreulich, was sich auch in den Leserkommentaren zeigt, die sich fast alle in Begeisterung wiegen und diese bischöfliche Entscheidung großartig bis „überfällig“ finden.

Der Hintergrund ist hierbei folgender:

Vor zehn Jahren wollte der damalige Augsburger Bischof Konrad Zdarsa den zunehmenden schwarmgeistigen Umtrieben in Wigratzbad Einhalt gebieten.

Einige der dortigen Seminare und Veranstaltungen mit selbsternannten Sehern, Stigmatisierten, „Sühneseelen“, Heilungspriestern, indischen Wanderpredigern und sonstigen „Begnadeten“ uferten immer mehr aus. Dabei wurde fleißig der charismatische „Hammersegen“ verteilt, also das „Ruhen im Geist“ (Rückwärtsfallen in Trance). Die psychischen Folgen dieses Phänomens erfahre ich seit langem durch Kontakte mit Aussteigern und Geschädigten.

Das bischöfliche Ordinariat kritisierte zudem, etliche Referenten kämen ohne Anerkennung ihres Herkunftsbistums als Exerzitienleiter nach Wigratzbad.

In jener schwarmgeistigen Phase erhielt ich teils erschütternde Erlebnisberichte von Gläubigen, die in Wigratzbad Opfer geistlicher Übergriffe wurden.

Betroffen war davon z.B. unsere CF-Autorin Cordula Mohr, eine Familienmutter aus Rheine, die im Herbst 2005 dort in einer Beichte bei einem indischen Pater sogar sexuelle Belästigungen erfuhr und die diesen Vorfall später der Mißbrauchsstelle des Bistums Münster anzeigte. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/31/missbrauch-der-beichte-was-ich-einst-im-zimmer-eines-indischen-paters-erlebte/)

Zudem gab es ein diözesanes Verbot des Buches „Sieg der Sühne“. In diesem Werk des erscheinungsbegeisterten Publizisten Alfons Sarrach wurde manches aus der Wigratzbader Entstehungsgeschichte sehr dick aufgetragen oder verstiegen interpretiert.

(Siehe zu den damaligen Vorgängen unsere Stellungnahmen: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/alfons-sarrach-und-wigratzbad/ und hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/05/neues-uber-wigratzbad/)

Um die wundersüchtigen Spektakel in dieser diözesanen Gebetsstätte einzugrenzen, wurde der damalige Direktor Thomas Maria Rimmel im Frühjahr 2011 abgelöst. An seine Stelle berief Bischof Zdarsa einen bodenständigen Pfarrer namens Nikolaus Maier.

Der neue Leiter sorgte für eine gediegene Pilger-Pastoral, würdige Meßfeiern und solide Exerzitien, Andachten, Wallfahrten, Seminare usw.

Auch der überlieferten Liturgie steht der 52-jährige Geistliche wohlwollend gegenüber. Direkt neben der Wallfahrtsstätte befindet sich das traditionsorientierte Priesterseminar St. Petrus, das die „alte Messe“ zelebriert. Organisatorisch sind beide Werke aber jeweils selbständig – sie befinden sich lediglich auf einem benachbartem Gelände.

Inzwischen waltet im südbayerischen Bistum Augsburg ein neuer Bischof seines Amtes, nämlich Bertram Meier, der bislang auch durch reformfreudige Vorschläge (etwa zur Einführung von „Diakoninnen“) aufgefallen ist.

Umso erstaunlicher wirkt nun seine jetzige Personalentscheidung in Wigratzbad, denn liberale Oberhirten haben mit Erscheinungen, Visionen und Charismatik normalerweise nichts am Hut dies ist eher eine typische Gefährdung für das konservative bis traditionalistische Spektrum.

Als wäre es nicht schon merkwürdig genug, der seriösen Arbeit von Direktor Maier in der Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ ein Ende zu setzen, erscheint der Führungswechsel noch rätselhafter angesichts der Tatsache, daß ausgerechnet die kuriose Gemeinschaft „Familie Mariens“ mit der künftigen Leitung betraut wird.

Die 1968 gegründete Vereinigung, die aus Priestern und Nonnen besteht, wurde zwar im Jahre 2008 von der römischen Kleruskongregation anerkannt, allerdings unter der Voraussetzung, daß sie ihren Namen ändert: So wurde aus der „Familie Mariens, der Miterlöserin“ die Kurzform „Familie Mariens“.

Den früheren Namen hat der leitende Pater Paul M. Sigl in einem seiner älteren Bücher verwendet: „Die Frau aller Völker – Miterlöserin, Mittlerin, Fürsprecherinherausgegeben von der Familie Mariens der Miterlöserin – Der wohl ziemlich leichtgläubige Geistliche war einst dem straffällig gewordenen Sektierer Seidnitzer auf den Leim gegangen (Näheres dazu hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gebhard_Paul_Maria_Sigl).

Der usprüngliche Titel dieser Kommunität kommt nicht von ungefähr, sondern von den Amsterdamer Erscheinungen, in welchen die angebliche Madonna bereits in den 50er Jahren vom Papst verlangte, ein neues Dogma zu verkünden, wonach sie Fürsprecherin, Mittlerin und Miterlöserin sei.

Diesem verstiegenen Ansinnen ist seitdem kein Papst nachgekommen (woran sich aus theologischen Gründen auch in Zukunft nichts ändern wird), was mit dem kirchlich umstrittenen Titel „Miterlöserin“ zusammenhängt. Hingegen würde „Fürsprecherin“ dogmatisch keinerlei Probleme aufwerfen; der Ausdruck „Mittlerin“ wäre – je nach Auslegung – zumindest erklärungsbedürftig. (Einer unserer Artikel zur „Miterlöserin“ hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/11/papst-titel-miterloserin-fur-maria-verdunkelt-den-wesentlichen-vorrang-christi/)

Auf dem Amsterdamer „Gnadenbild“ sieht man die sog. „Frau aller Völker“, wie sie sich direkt vor das Kreuz stellt und damit Christus buchstäblich verdeckt; bekanntlich stand die echte Gottesmutter tapfer und treu u n t e r dem Kreuz unseres Erlösers.

Allerdings existierte in Wigratzbad seit Jahrzehnten eine seltsame Neigung zu eben jenen Erscheinungen der „Frau aller Völker“ (FaV). Schon in den 70er und 80er Jahren wurde unter Anleitung von Pater Johannes Schmid – der auch selber Visionen bzw. Privatoffenbarungen gehabt haben will – gerne eben jene Anrufung nach Rosenkränzen und Andachten gebetet, in welcher von der „Frau aller Völker, die einst Maria war“ die Rede ist.

Bekanntlich hat die Glaubenskongregation jenen Text korrigiert, so daß seitdem statt zur FaV zur „seligen Jungfrau Maria“ gebetet werden soll – doch manche hartnäckigen Anhänger von Amsterdam halten sich nicht an diese kirchliche Vorgabe. Bisweilen werden die gedruckten Gebetszettel sogar handschriftlich verschlimmbessert, was man auch hier im hohen Norden bei diversen Gebetsgruppen erleben kann. Abgesehen davon hat der Vatikan die Amsterdamer Privatoffenbarungen sowieso nie gebilligt.

Der internationale Leiter jener „Familie Mariens“, die demnächst in Wigratzbad das Sagen hat, ist nach wie vor Pater Paul Maria Sigl. Neuer Direktor der Gebetsstätte wird sein Mitbruder Pater Florian M. Kerschbaumer, der dabei von Ordensschwestern – ebenfalls aus der „Familie Mariens“ – unterstützt werden soll.

Besagte Gemeinschaft konzentriert sich zwar auf die Amsterdamer Erscheinungen, steht aber auch Medjugorje sehr nahe – und überdies dem charismatischen Seminarhaus St. Ulrich in Hochaltinge ebenfalls; dort haben die Patres Sigl und Kerschbaumer von der „Familie Mariens“ seit Jahren ihre Exerzitien durchgeführt.

Zudem gehört P. Kerschbaumer zur Anhängerschar der skurrilen „Liebesflammen“-Visionen aus Ungarn. Die italienische „Mystikerin“ Luisa Piccarreta mit ihren Privatoffenbarungen in 36 Bänden (!) steht bei der „Familie Mariens“ ebenfalls in hohen Ehren.

Dazu kommen die Auftritte Kerschbaumers im charismatischen Umfeld von Haus „Maria Trost“, wobei sich die Frage stellt, ob die Leitung dort noch bei Trost ist angesichts etlicher Enthusiasten wie z.B. Mija Barada unter den Referenten – oder auch die kirchlich nicht anerkannte Exerzitienleiterin Sr. Margarita Valappila (Bistum Fulda): https://www.gg-immanuel.de/events-mehr/

Damit schließt sich der Kreis bzw. die Umarmung zwischen Pseudo-Mystik einerseits und katholisch gestricktem Schwärmertum andererseits, eine kirchengeschichtlich neue Kombination, die vor allem durch Medjugorje und charismatische Heilungsprediger – die häufig aus Südindien (Kerala) stammen – immer weitere Kreise gezogen hat.

Als wäre all dies nicht schon bedenklich genug, stützt sich die vom Bischof künftig mit der Pilgerleitung beauftragte „Familie Mariens“ mit ihrem Kult um die Frau aller Völker ausgerechnet auf jene Erscheinungen, zu denen der Vatikan noch unlängst erneut seine eindeutige Distanz betont hat:



Turbulenzen um „Marienvisionen“ im Walde

Buchbesprechung von Cordula Mohr

Der satirische Roman des US-amerikanischen Schriftstellers David Guterson erschien in Deutschland unter dem Titel „Unsere Liebe Frau vom Wald“. Ironischerweise gibt es in Südtirol ein kleines Dorf bei St. Felix mit genau diesem Namen, aber ganz ohne Marienerscheinung.

Zum Inhalt des Buches: Ein Mädchen namens Ann Holmes durchsucht ziellos den dichten Wald in der Nähe des Campingplatzes von North Fork nach Pfifferlingen, die es später verkaufen will, um ein bisschen Geld für ihr Überleben zu bekommen.

Sie benötigt Antihistamin gegen ihre vielen Allergien. Ebenso mag sie die „Zauberpilze“, von denen sie ins Träumen gerät und mit denen sie die leidvolle Zeit, als sie noch zuhause gelebt hat, scheinbar vergessen kann. Auch andere  Drogen wie Marihuana standen auf dem Campingplatz  zur Verfügung.

Sie las manchmal eifrig im Katechismus und machte sich mit bekannten Gebeten vertraut.

Unter diesen Vorzeichen hatte Ann eine Halluzination, die sie später ihrem Ortspfarrer Collins als Erscheinung der Gottesmutter schildert, weil es ihr so echt vorkam. Sie fühlte sich dieser hellen Gestalt verpflichtet und anheimgestellt.

Die 14-Jährige lebte seit ihrem Ausriss von zuhause auf einem Campingplatz und fand dort Menschen, die sie nett aufnahmen und umsorgten. Besonders kümmerte sich Carolyn Geer, ebenfalls eine Pilzsammlerin, um das Mädchen.

Sie übernahm gleichsam die Mutterrolle und wurde eine treue Freundin für Ann, die durch ihre Erlebnisse zur „Seherin“ wurde. Vorher war sie eine Einzelgängerin, die ihr Gesicht oft unter einer Sweatshirt-Kapuze verbarg.

Noch am selben Abend erzählte Ann ihrer Carolyn von dieser hellen Lichtkugel und dass es sicherlich die Muttergottes gewesen sei. Danach erfuhren weitere Frauen von diesem Ereignis.

Darunter befand sich eine Katholikin, die ihr kleines Kind in den Wäldern seit Jahren vermisste. Die Erscheinung erweckte in ihr die Hoffnung, die Madonna würde Ann mitteilen, wo ihre Tochter abgeblieben ist. Die Frau hatte die Hoffnung, dass das Kind noch lebt, nicht aufgegeben, obwohl damals lange vergeblich nach dem Mädchen gesucht worden war.

Diese drei Frauen – Carolyn, die Mutter des verschwundenen Mädchens und eine ehemalige Barfrau – gingen nun mit Ann zu jener Stelle im Wald, an der sich die Erscheinung nochmal zeigen wollte. Wieder wurde unterwegs von diesen aphrodisierenden Pilzen genommen.

Diese Lichtkugel war auch wieder für Ann sichtbar.

Das Buch ist vom Autor mit einer ordentliche Prise Humor gespickt worden und  der Leser muss viel schmunzeln, bisweilen geradezu lachen – wie bei diesem Dialog:

Ann sagte zu Carolyn nach dem Waldbesuch: Ich muss in die Stadt zu einem Priester.
Carolyn: Geh lieber zum Psychiater.

Carolyn glaubte der Visionärin nicht, weil sie wusste, dass sie Drogen und Medikamente nahm.

Trotzdem fuhren die beiden in die Stadt zu Pfarrer Collins, der echte Probleme mit dem Zölibat und auch mit dem Tragen einer Priesterkleidung hatte, so das man ihn nicht als Geistlichen erkennen konnte. Seine Schwäche lebte er aus, indem er gerne erotische Bücher zum Einschlafen las.

Die beiden Mädchen treffen auf den Pfarrer, der zivil herumläuft und sie dürfen zu ihm nach Hause, wo Ann ihm die Geschichte aus dem Wald erzählt. Carolyn ist auch mit dabei. Der Priester fragt vorsichtig nach, wie die Stimme wahrzunehmen sei – innerlich oder wie von aussen.

Ann sagt: In meinem Kopf ist der Klang ihrer Stimme. Auf diese Weise spricht sie mit mir.

Der Priester ist skeptisch und glaubt Ann nicht so recht. Jedoch bei seinen Nachfragen will er eine Echtheit nicht ausschließen. Ann gibt zu, nicht zu den Sakramenten der Kirche zu gehen. Er ist beeindruckt von der zarten, anmutigen Persönlichkeit von Ann und fängt an, sich ein wenig in sie zu verlieben.

Danach beschreibt der Autor einen Mann namens Tom Cross, der als Holzfäller in den Wälder von North Fork arbeitet. Er lebt seit einem Jahr von seiner Frau getrennt und darf laut Gerichtsbeschluss sein Haus und Grundstück nicht mehr betreten, weil er immer wieder ausfallend gegenüber seiner Frau geworden war.

Er und seine Frau haben ein schweres innerliches Leid zu tragen, denn Tom hat seinen Junior, wie er ihn nennt, durch grobe Fahrlässigkeit beim Baumfällen querschnittsgelähmt in den Rollstuhl befördert.

Tom hielt nicht viel seinem Sohn, der so ganz anders war, als wie er sich einen Sohn wünschte.

Seine Frau allerdings hat sich nach der Trennung und dem Schicksalsschlag an die Kirchengemeinde gewandt und von dort  Trost und Hilfe erfahren. Pfarrer Collin kümmerte sich seelsorgerisch ebenfalls um die getrennte Familie.

Tom arbeitet seitdem nebenbei auf dem Campingplatz, auf dem Ann und Carolyn sich aufhalten und bekommt unweigerlich diese Erscheinungsereignisse mit. Er selbst führt seit dem „Unfall“ ein sinnloses Leben zwischen Arbeit und der Suche nach einem Abenteuer, was ihm manchmal von der ehemaligen Barfrau erfüllt wird. Ganz hat er den Bezug zur Kirche jedoch nicht verloren.

Die Holzfäller im Wald können es kaum glauben, das sich eine echte Himmelserscheinung zugetragen hat und sie deuten die Ereignisse als Erlebnisse von streunenden Drogenabhängigen.

Anns Kindheit mit Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch durch den Stiefvater wird ausführlich geschildert.

Als Teenager erlebte sie eine Schwangerschaft durch ihren Stiefvater und eine Abtreibung. Auch Drogen waren schon in der Herkunftsfamilie im Gebrauch.

Schon ein paar Tage später ist der Campingplatz voll mit Pilgern aus allen Bundesstaaaten Amerikas. Es ist zu einer Massenbewegung gekommen.

Carolyn spricht durch das Megaphon und versucht, den Pilgern zu erläutern, das Ann mehr Ruhe braucht.

Es sind 2000 Schaulustige bei der ersten groß geführten „Wallfahrt“ zugegen und Ann, Carolyn und Pfarrer Collins führen die Pilger zu der Erscheinungsstelle in den Wald.

Der Autor beschreibt die teils sehr frommen Pilger mitunter beeindruckend, teils eher lächerlich wirkend – und jeder, der schon einmal an einem Erscheinungsort wie Medjugorje war, hat solche Szenen bildlich vor Augen, wobei der Verfasser gerade das kirchlich umstrittene Medjugorje mehrfach erwähnt.

Überall in den Wäldern gibt es nun Bittzettel, Kerzen, Metallkreuze, Rosenkränze, Blumen, Heiligenbilder und Kitschmadonnen, die dort abgestellt oder an Bäume angeheftet wurden, nicht selten durch überschwengliche religiöse Fanatiker, die wundersüchtig hinter der kindlichen Seherin her sind.

Und dann geschehen etliche „Heilungen“ an einigen Pilgern. Das spricht sich ohne Prüfung von Medizinern ganz schnell herum und wird als Wunderheilung ausgerufen, was die Visionärin Ann gerne bestätigt.

„Bescheiden“ erklärt Ann, die Gottesmutter bewirke die Heilungen und sie selber sei nur die Bittstellerin.

Himmlische Botschaften hat Ann auch parat. Daran ist Carolyn beteiligt, indem sie Ann immer wieder sagt, was diese den Leuten „verkünden“ soll – und wenn Ann wieder kränklich ist, denkt Carolyn sich einfach welche aus. Die Pilger bekommen Ann immer weniger zu sehen und Carolyn übernimmt quasi die PR-Arbeit (Public relation, Werbung).

Sie kümmert sich um die Spenden, die in Wischeimern gereicht werden. Carolyn zweigt für sich selbst etwas davon ab, um irgendwann mal ein schöneres Leben führen zu können als in ihrem Campingbus.

Das Ganze wird dann von Pfarrer Collins dem Ortsbischof zugetragen und dieser sendet einen Pfarrer Butler aus, der schon viele angebliche Erscheinungen überprüft hat.

Für ihn ist im Vorfeld schon klar: diese Geschichte ist nicht stimmig. Doch Pfarrer Collins möchte ein ausgewogendes Gespräch und die Möglichkeit für Ann, die mittlerweile auch schon auf seinem Faltsofa übernachtete und knapp bekleidet auf seiner Bettkante gesessen hat und ihm erzählte, dass sie eine  sündige Person und zudem nicht einmal getauft sei.

Immer wieder spricht Ann davon, dass die Madonna eine Kirche im Wald erbaut haben möchte.

Nach den Gesprächen von Pfarrer Butler an den folgenden Tagen ist für ihn schnell klar: Die Story stimmt nicht. Er fragt nach Medikamenten und als Ann Phenathol erwähnt, weiß der Abgesandte des Bischofs  aus früheren Befragungen von Visionären, dass die Nebenwirkungen dieses Medikamentes Halluzinationen bewirken können. Ebenfalls erzählt sie von ihren „Zauberpilzen“ – und dass sie noch kein einziges Sakrament empfangen habe.

Pfarrer Collins stimmt Pfarrer Butlers Skepsis weitgehend zu. Aber die Seherin gefällt ihm trotzdem und er kümmert sich um die kränkliche Ann.

Dann wird wieder ein großes Pilgeraufkommen beschrieben. Nun sind es 4000 Leute, die sich versammelt haben. Weil die Erscheinung auf dem Privatgelände einer Company stattfand, soll das Geschehen von dem Eigentümer unterbunden werden.  Jedoch wird ein Abkommen mit dem Sheriff des Orts vereinbart und Ann darf noch einmal mit der Menschenmasse zu der Erscheinungsstätte. Wieder wird anschaulich beschrieben, wie naiv viele Pilger sich verhalten, aber auch ernstgemeinte Bitten und Anliegen werden vorgetragen.

Viele Facetten der Menschen, die auf Pilgerschaft sind, werden beschrieben:

Tom Cross bekommt deutlich mit, dass sogar Heilungen abgelaufen sind und drängt sich, als Ann in der Kirche ist, zu ihr vor.

Wieder wird er ausfällig und verlangt erpressend von Ann, die schon seit Wochen immer wieder an Fieber und Zittern leidet, die Heilung seines Sohnes.

Sie erwidert, das könne sie nicht bewirken, das müsse man dem Himmel überlassen.

Carolyn eilt zu Ann und sprüht Tom mit Pfefferspray Tom ins Gesicht, damit er die Visionärin in Ruhe läßt.

Das Fieber steigt immer mehr an und Ann verstirbt kurz nach dem Vorfall in der Kirche.

Das Buch endet völlig überaschend für den Leser nach einem Jahr später: Durch ein riesiges Spendenaufkommen wird nach Anns Tod die gewünschte Kirche im Wald erbaut und das Patronatsfest steht bevor. Reliquien von Ann liegen in der Kirche.

Der Ortsbischof ist unter diesen Umständen nicht anwesend, aber er hatte seinen wohlüberlegten Segen gegeben. Er möchte sich nicht persönlich einmischen, um sich nicht festzulegen, ist aber erfreut über die wachsende Gemeinde. Pfarrer Butler, der neuerdings Generalvikar des Bischofs ist, wurde zur Zeromonie gesandt. Er sagte zu Pfarrer Collins bei dieser seiner zweiten Ankunft: Wir müssen uns demütig fügen.

Zum Schluss taucht Carolyn auf, die sich mit den Spendengeldern ein schönes Leben in der Welt geleistet hat.

Sie spricht mit Pfarrer Collins über ihr schlechtes Gewissen und ihrem Wissen um die Drogen und Medikamente, die Ann genommen hat. Sie hat wegen des Pfeffersprayeinsatzes sogar eine Anzeige bekommen.

Mein Fazit: Dieses Buch ist sozusagen filmreif. Es ist spannend, teilweise humvorvoll und durchaus auch tiefsinnig geschrieben.

Die vielen Facetten um die Menschen, die in dem Buch vorkommen, sind herzerfrischend geschildert.

Ich würde das Buch jedoch erst Lesern ab 18 Jahren empfehlen, weil manchmal eine sehr derbe Sprache verwendet wird. Daran kann der reifere  Leser vor allem die menschlichen Abgründe erkennen, die sich bei jedem – auch bei frommen Leuten und Priestern – auftun können.

Der Roman schildert auf teils ernste, teils satirische Weise viele Erlebniswelten und auch einige typischen Phänome, wie man sie in wundersüchtigen Kreisen und bei etlichen Erscheinungsstätten in ähnlicher Weise vorfinden kann.

Unsere Autorin Cordula Mohr ist Familienmutter und lebt in Rheine (Westfalen); sie leitet die „Aktion Lebensrecht für alle“ (ALfA) im Münsterland.


Sievernich: Seherin bietet neues Mirakel

Auch Sievernich gehört zu den deutschen „Erscheinungsstätten“ der jüngeren Zeit, die zum Dauerbrenner werden (wenn sie auch keine 40 Jahre wie Medjugorje vorweisen können), die zugleich kirchlich nicht anerkannt sind, was aber die Fangemeinde wenig zu stören scheint.

Manuela Strack heißt die „Seherin“ von Sievernich, einer kleinen Pfarrei im Bistum Aachen unweit der Grenze zum Bistum Köln.

Glaubt man der Visionärin, so sind ihr ab der Jahrtausendwende fünf Jahre lang Erscheinungen des Himmels gewährt worden, vor allem die „Madonna“ gab sich gerne ein Stelldichein bei ihr.

Ab dem Ende der Serie im Jahre 2005 wurde es stiller um den vielbesuchten Pilgerort, doch Frau Strack will weiterhin viele „Zeichen und Wunder“ erlebt haben, die auf der Homepage des Verehrerkreises „dokumentiert“ werden.

Am 3. Februar 2021 gab es wieder ein frisches Ereignis, allerdings nicht hinsichtlich des Blasius-Segens (das wäre vielleicht für eine große Seherin nicht aufregend genug), denn sie geht gerne aufs Ganze – diesmal schildert sie ein Mirakel nach ihrem Kommunionempfang, das sie in einer neuen „Botschaft“ verbreitet: https://maria-die-makellose.de/botschaften/2021/2021_02_03.html

So bemerkte Manuela, dass die Hostie nicht wie sonst auf ihrer Zunge zerging (eigentlich schluckt man sie). Sie nahm diese unübliche Abweichung zum Anlass, so schreibt sie, den HERRN in aller Stille weiter anzubeten.

Irgendwann im weiteren Verlauf stellte Manuela fest, dass die Hostie einfach nicht zergehen wollte. Den Kommunionempfang muss sie zeitlich festgehalten haben, denn zu ihrem Erstaunen erkannte sie, dass seitdem bereits zehn Minuten vergangen waren.

Mit Blick auf die Uhr stellten sich weitere Phänomene ein, die Manuela auf ihrer Zunge wahrnehmen konnte. Fassungslos spürte sie, wie sich die Hostie wölbte, gegen ihren Gaumen schlug und sie ein Pochen verspürte, welches sie als Herzschlag deutete. Obwohl sich die Seherin noch in stiller Anbetung befand, konnte sie acht Herzschläge zählen.

Selbstverständlich und wie es sich für ein braves Schäfchen gehört, ist Manuela bereit, das Urteil über diese „Botschaft“ der römisch-katholischen Kirche zu unterwerfen. Die Visionärin scheint zu hoffen, dass sich die Kirche irgendwann mit ihrem Unsinn und seltsamen Wahrnehmungen beschäftigt.

In der Sache ist der „Botschaft“ nicht viel zu entnehmen. Dass Manuela bis acht zählen kann, ist jedoch nicht gering zu schätzen und hoffentlich noch entwicklungsfähig, denn bis zehn ist es nicht mehr weit. Eine weitere Gabe, die durchaus als Empfehlung für die Szene taugt: Konzentriert sich Manuela, so hält sie den Mund geschlossen.

Dieser Beitrag stammt von einem bewährten Leser und Familienvater aus dem Bistum Köln mit dem Nicknamen „GsJC“, der sich seit rund 10 Jahren kritisch mit abergläubischen Geschehnissen und Privatoffenbarungen befaßt.


Hollands Sturmflut und die „Frau aller Völker“

Von Felizitas Küble

Es geschah vor genau 68 Jahren: Eine katastrophale Überschwemmung der Nordsee erroß sich vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 über die Niederlande, Belgien (Flandern) und die britische Küste.

Vor allem die Niederlande waren betroffen, weshalb man vielfach von der „Holland-Sturmflut“ sprach.

Dort starben 1835 Menschen, insgesamt waren es über 2400 Personen. Der Schaden belief sich in unserem Nachbarland auf 5,4 Milliarden Euro.

Angesichts dieser Naturkatastrophe fragt man sich, warum denn die angebliche Erscheinung der „Frau aller Völker“ in Amsterdam dazu nichts zu sagen wußte (weder vorher noch nachher), obwohl sie sonst gegenüber der Seherin Ida Peerdemann dauerhaft so redselig war! (Immerhin liefen die Privatoffenbarungen 15 Jahre lang bis 1959 mit 56 „Botschaften“.)

Warum wurde die Sturmflut nicht prophetisch vorhergesagt? Hätte dies nicht viele Menschenleben durch Vorsichtsmaßnahmen und schnelle Evakuierungen retten können?

Doch die Botschaften der Erscheinungsdame kümmerten sich um ganz andere Themen, um die eigene Spezialverehrung als „Frau aller Völker“ nämlich – somit um einen neuen Marientitel, der weder damals noch heute kirchlich anerkannt istund um jenes theologisch sehr merkwürdige Bild der „Madonna“ (siehe Foto), in welchem sie sich direkt vor das Kreuz stellt und somit unseren Erlöser buchstäblich in den Schatten stellt, ihn sogar völlig verdeckt.

In den damaligen Kundgaben vom 8.12.1952 und vom  20.3.1953 heißt es u.a.:

“Ihr Bild muss über die ganze Welt gehen….Das Bild soll auf einen Altar kommen an der  Evangelienseite…Das Bild soll ‘53 nach Amsterdam kommen….in eine neue Kirche, die Kirche der Frau aller Völker, die so schnell wie möglich gebaut werden muss.“

Tja, schon seltsam, von welchen „Sorgen“ jene Erscheinung damals umgetrieben war.

Übrigens sind die Amsterdamer Phänomene nach wie vor kirchlich nicht anerkannt – was unlängst seitens des Vatikan und des zuständigen Bischofs noch einmal bekräftigt wurde: https://charismatismus.wordpress.com/2021/01/02/niederlande-kirche-bekraftigt-ihre-ablehnung-der-amsterdam-erscheinungen/


Warnung an Privatoffenbarungsgläubige

Von Stefan Vucina

Erscheinungsfixiertheit ist sehr gefährlich – also eine Haltung, die Privatoffenbarungen über alles stellt und von ihnen her alles betrachtet und bewertet. Das bedeutet ein Abrücken von der katholischen Kirche, ihrer Lehre und von Christus gestifteten Ordnung.

Nach katholischer Lehre steht nämlich jede Privatoffenbarung – welchen Ursprungs auch immer – unter kirchlicher Aufsicht und Beurteilung.

Das bezeugt schon Gal 2,2, wonach Paulus, der 14 Jahre lang im Alleingang gepredigt hatte, in einer persönlichen Offenbarung von Gott aufgefordert wurde, seine Verkündigung den Aposteln, insbesondere den „Säulen“ der Urgemeinde (Petrus, Jakobus und Johannes) zur Überprüfung vorzulegen.

Daher wird der Himmel niemandem eine Botschaft zukommen lassen, die gegen die kirchliche Lehre, Ordnung oder den Papst gerichtet ist. Dennoch sind Erscheinungsgläubige bereit, solch irrige Lehren anzunehmen, da sie meinen, diese stammen von Gott.

Ein mir persönlich bekannter Katholik, der es nun leider nicht mehr ist, empfängt seit 2009 Privatoffenbarungen, wobei er vollkommen überzeugt ist, dass sie von Gott seien.

Doch diese Botschaften hatten schon in der ersten Zeit einen Haken: Sie bestätigten zwar einzelne katholische Lehren und Dogmen als richtig, ebenso den Ortsbischof als gültig geweiht und erklärten, dass in unserer Kirche Christus in der Hostie real präsent sei.

Aber damit fing es schon an: Als ob wir Katholiken Privatoffenbarungen benötigen, die uns mitteilen, dass unsere Glaubensinhalte richtig, unsere Bischöfe gültig geweiht sind usw.

Diese „Botschaften“ haben meinen Bekannten dann zu der Ansicht geführt, dass Gott nicht durch unsere Kirche lehre, sondern durch ihn und seine Sonderlehren.

Danach kam eins nach dem anderen: Einzelne katholische Dogmen wurden in den Einsprechungen plötzlich als falsch präsentiert, die Priester der Piusbruderschaft seien Verbrecher und ich ein Judenhasser, hieß es, wovon ich jedoch nicht einmal alpträumen würde.

Ähnliches geschah vor Jahrzehnten in aller Öffentlichkeit: Ein Katholik namens Clemente Dominguez y Gomez erhielt angeblich an Händen, Füßen, an der Seite und an der Stirn Stigmata und erhielt Auditionen und Erscheinungen, die sich ihm als Jesus und Maria vorstellten, und von denen er apokalyptische Prophetien mit Aufrufen zu Gebet und Buße empfing.

Gleichzeitig richteten sich seine Botschaften gegen diverse Irrlehren, den Progressismus und andere verderbliche Sitten mancher Katholiken, wodurch die Kirche zerstört worden sei. Nachdem Clemente 1976 zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht worden war, wurde er 1978 von „Jesus“ persönlich zum „Papst“ gekrönt, der von nun an als „Papst Gregor XVII.“ die Palmarianische Kirche als Ersatz zur angeblich zerstörten römisch-katholischen Kirche regieren sollte.

Aufgrund seiner Erscheinungsfixiertheit übernahm er diese „Aufgabe“ und leitete seither die Palmarianische Kirche als Gegenorganisation zur katholischen Kirche. Heute wird die Palmarianische „Kirche“ von einem „Papst Petrus III.“ regiert.
(Weitere Hinweise zur Palmarianischen Sekte siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2020/07/17/warum-die-verheissungen-des-bussrosenkranzes-theologisch-irrefuehrend-bis-magisch-sind/)

In unseren Tagen läuft etwas Ähnliches mit dem sog. „Buch der Wahrheit“. Diese Botschaften werden von vielen Privatoffenbarungsgläubigen über die Kirche und ihre von Christus gestiftete Ordnung gestellt. In ihnen wird behauptet, Papst Franziskus sei der Antipapst, der „falsche Prophet“ der Endzeit, der dem Antichristen den Weg bahne. Damit ist auch hier ein Schisma vollzogen!

Wir sehen anhand dieser Beispiele, wie wichtig es ist, auf die Lehre unserer Kirche zu hören, jede Privatoffenbarung unter ihre Ordnung zu stellen und alle Erscheinungen und Visionen abzulehnen, die diese kirchliche Ordnung stören oder ihr sonstwie entgegenwirken.

Mit solchen Privatoffenbarungen wollen Betrüger bzw. der Satan so viele gläubige Katholiken wie möglich gegen die Kirche positionieren und sie damit zu Fall bringen. Selbst ein frommes Glaubensleben mit regelmäßiger Beichte nützt diesen Contra-Katholiken dann letztlich nichts mehr; denn sie befinden sich bereits außerhalb der Ordnung Gottes.

Deshalb müssen wir vorsichtig und wachsam sein!


Vatikan/Niederlande: Kirche bekräftigt ihre Ablehnung der Amsterdam-Erscheinungen

Von Felizitas Küble

Im Vatikan ist in den letzten Jahren verstärkt versucht worden, das kirchliche NEIN zu den Privatoffenbarungen der sogenannten „Frau aller Völker“ wieder in Erinnerung zu rufen.

Diese „Amsterdamer Erscheinungen“, die auf eine holländische Seherin namens Ida Peerdemann zurückgehen, wurden allerdings durch den ehem. Bischof Josef M. Punt „anerkannt“, obwohl dieser eigenwillige Oberhirte von Haarlem-Amsterdam sich damit gegen die ablehnenden Stellungnahmen der Glaubenskongregation stellte.

Es ist bekannt, daß die Mutter des Bischofs eine große Anhängerin dieser umstrittenen Erscheinungen war und ihren Sohn der „Frau aller Völker“ geweiht haben soll.

Kardinal Joseph Ratzinger zog als Glaubenspräfekt sozusagen die Notbremse:

Da er den vorpreschenden Bischof Punt offensichtlich nicht amtsentheben wollte, begnügte er sich damit, das Gebet an die „Frau aller Völker“ (FaV) zu korrigieren:

Die Schlußformel von der FaV, „die einst Maria war„, mußte gestrichen werden und durch die Anrufung „die selige Jungfrau Maria“ ersetzt werden.

Zudem hat der Vatikan seine eigene Position in puncto Amsterdam-Phänomene selbst nie geändert, sondern das Vorgehen von Bischof Punt lediglich hingenommen bzw. darauf verzichtet, ihn kirchenrechtlich zu bestrafen.

(Den genauen Ablauf der Geschehnisse um die kirchliche „Aberkennung“ lesen Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2017/09/02/der-vatikan-und-die-anhaenger-der-frau-aller-voelker-die-einst-maria-war/)

Nun veröffentlichte der neue Bischof Johannes Hendriks am 30. Dezember 2020 eine „Klarstellung bezüglich der Frau aller Völker“, worin er im ausdrücklichen Einvernehmen mit der römischen Glaubenskongegration die eigenmächtige Anerkennung seines Vorgängers gleichsam annulliert (für ungültig erklärt). Schon zuvor hatte es im September 2020 eine kritische Stellungnahme des Apostolischen Nuntius im Libanon zur FaV gegeben.

Der Bischof schreibt an entscheidender Stelle:

„Die Kongregation für die Glaubenslehre betont die Gültigkeit des negativen Urteils über den übernatürlichen Charakter der angeblichen ‚Erscheinungen und Offenbarungen‘ an Frau Ida Peerdeman, ein Urteil, das der hl. Papst Paul VI. am 5.4.1974 genehmigte…Dieses Urteil beinhaltet, daß alle aufgefordert werden, die Verbreitung der angeblichen Erscheinungen und Botschaften der „Frau aller Völker“ einzustellen.“

Bereits im Vorfeld dieser deutlichen Klarstellung zeigten vatikanische Entscheidungen die Richtung an. Bischof Punt wurde nämlich am 1. Juni 2020 von Papst Franziskus vorzeitig in den Ruhestand versetzt, obwohl er das hierfür übliche Alter von 75 Jahren noch nicht erreicht hatte. Zudem wurde ihm schon zu Amtszeiten der jetzige Diözesan-Bischof Hendricks als Bischof-Koadjutor mit Nachfolgerecht zur Seite gestellt und er bereits damals teilweise „entmachtet“.

Nach der schwachen „Notbremse“ unter Glaubenspräfekt Ratzinger ist damit der Vatikan wieder mit aller Klarheit zu seinem NEIN zurückgekehrt, wobei er freilich seine Ablehnung dieser Erscheinungen formal-amtlich nie zurückgenommen hatte. Allerdings entstand natürlich eine gewisse Verwirrung unter den Gläubigen, nachdem Bischof Punt seine „Anerkennung“ aussprach und damit sowohl seinen bischöflichen Vorgängern wie auch der Glaubenskongregation widersprach.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Medjugorje zwischen Zuckerbrot und Peitsche

Von Felizitas Küble

In der Erscheinungsszene gibt es einige typische Merkmale, die mit leichten Veränderungen immer wieder zu beobachten sind:

So sind fast alle „Botschaften“ von Zuckerbrot und Peitsche geprägt: Einerseits süßliche Worte und Verheißungen für die Erscheinungsfrommen, andererseits Drohungen bis hin zu Strafgerichten für die Skeptiker bzw. jene, die dieser oder jener Privatoffenbarung nicht nachlaufen – oder auch allgemein hinsichtlich des Laufs der Welt.

Dabei sind die Schwerpunkte verschieden gesetzt: Während etwa in Medjugorje reichlich Zuckerbrot (in Form gefühlsseliger Anmutungen) verteilt wird, setzen andere Erscheinungen (etwa früher in Heroldsbach oder San Damiano, Garabandal etc) stärker auf Panikmache und/oder Weltuntergangsankündigungen.

Neuerdings ist die Situation in Medjugorje gemischter, vielleicht stimmungsmäßig bedingt durch die Corona-Krise. In den jüngeren Botschaften rückt neben dem unvermeidlichen Zuckerbrot die „Peitsche“ stärker ins Zentrum der angeblichen Himmelsoffenbarungen seitens der Madonna.

In der sog. „Monatsbotschaft“ vom 25. März hieß es: „Meine lieben Kinder, lasst zu, dass Gott zu eurem Herzen spricht, denn Satan herrscht und will eurer Leben und die Erde zerstören.“

Es ist lange her, nämlich am 25. Januar 1991 (zu Beginn des 2. Golfkriegs), als die Erscheinugsmaria ähnlich sprach: „Satan ist stark und möchte nicht nur Menschenleben zerstören, sondern auch die Natur und den Planeten, auf dem ihr lebt.“

Das klingt nicht schön in den Ohren, ist aber trotzdem theologischer Unsinn, denn Satan hat überhaupt keine Möglichkeit, die Erde zu „zerstören“, da er nicht ihr Schöpfer und zudem nicht allmächtig ist. Vielmehr sorgt GOTT selber dafür, daß die „Gestalt dieser Welt vergehen“ wird, wie die Heilige Schrift mehrfach betont. Das scheint sich noch nicht bis nach Medjugorje herumgesprochen zu haben.

Passenderweise gibt es aber auch Tröstliches in der jüngsten Monats-Botschaft vom 25. September 2020 zu erfahren: „Alles, was ihr tut, soll zur Ehre Gottes sein und dann wird der Himmel euer Herz mit Freude erfüllen und ihr werdet fühlen, dass Gott euch liebt und mich sendet, um euch und die Erde, auf der ihr lebt, zu retten.

Das ist derselbe Unsinn wie vorhin, nur spiegelverkehrt: Weder kann Satan die Welt zerstören (selbst wenn er es wollte), noch ist uns angekündigt worden, daß Gott die Welt, auf der wir leben, „retten“ will – vielmehr wird sie einst zu Ende sein, doch Gottes Reich bleibt bestehen. Christus selbst sagte, daß das Firmament („Himmel“) und unser Planet nicht ewig existieren werden, aber sehr wohl sein Wort: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“

Zudem kommt es nicht darauf an, ob wir den Frieden Gottes in unserem Herzen „fühlen„, sondern daß wir daran glauben. Echter Glaube ist aber mehr als ein Gefühl, er geht vor allem vom Verstand und von unserem freien Willen aus, das Emotionale kann gerne dazukommen, ist aber nicht das Fundament.

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Natürlich sind die Medjugorje-Jünger von den jüngsten Friedensschalmeien überaus angetan. In der neuesten Medjugorje-Zeitschrift „Oase des Friedens“ wird die erwähnte Weltrettungsbotschaft vor lauter Begeisterung gleich dreimal hintereinander zitiert (S. 3,4 und 5).

Ganz auf dieser Wellenlänge befindet sich auch die Grußbotschaft des Medjugorje-Sehers Ivan anläßlich der entsprechenden Veranstaltung im Wiener Stephansdom mit Kardinal Schönborn. Ivan Dragicevic ermutigt die Versammelten mit folgenden Worten, die er aus einer Medju-Botschaft zitiert: „Durch euch wird der Friede in die Welt kommen und fließen.“ (S. 8)

Der Visionär äußert also nicht etwa nur einen solchen Wunsch, sondern kündigt den Weltfrieden an („er wird kommen…“).

Mit solch einer klaren Ansage widerspricht Ivan bzw. seine Erscheinungs-„Maria“ allerdings der Heiligen Schrift, die von einem Friedensreich auf Erden nichts weiß, sondern im Gegenteil einen zunehmenden Glaubensabfall ankündigt, der dem Kommen des Antichristen vorausgehen werde.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.