München: Kardinal Reinhard Marx strebt weiter nach einer liberalen Zeitgeistkirche

Mathias von Gersdorff0653a-bildungsplan-demo-1-2-1448b12b252812529

Auf ihrer Internetseite hat die „Deutsche Bischofskonferenz“ die wichtigsten Auszüge aus der Pfingstpredigt von Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München-Freising, veröffentlicht.

Als programmatische Aussage stellte Kardinal Marx seine Vision von Kirche vor. Er will eine Willkommenskultur für alle: „...die zugezogenen Norddeutschen und die Bayern, die Mittelschicht und die Hartz-IV-Empfänger, die Arbeitslosen und die Direktoren der Banken, die Grünen und die Schwarzen, die Homosexuellen und die Heterosexuellen, die Geschiedenen und die Ehejubilare, die Flüchtlinge und die Gebirgsschützen“.

Marx´ Forderung: Jeder Mensch soll den Anderen die Frohe Botschaft verkünden: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“.

Dass alle Menschen berufen sind, an das Evangelium zu glauben, ist Allgemeinplatz. Wie soll man also Marx´ Worte verstehen? IMG_20140601_122952

Kardinal Marx hat ausdrücklich eine Reihe Reizwörter verwendet: Grüne und Schwarze (also CSU/CDU-Mitglieder), Homosexuelle und Heterosexuelle, Geschiedene.

Er hätte sich auch anders ausdrücken können: Parteimitglieder und Parteilose, Männer und Frauen, Verheiratete und Ledige. Eine solche Wortwahl hätte auch eher der katholischen Gedankenwelt entsprochen. Wenn Marx „Homosexuelle und Heterosexuelle“ nennt, so meint er die jüngst in Mode gekommene Unterscheidung von Menschen nach ihrer „sexuellen Orientierung“.

Diesen umstrittenen Begriff gibt es aber nicht in der christlichen Anthropologie. Es gibt Männer und Frauen und es gibt Männer und Frauen mit homosexuellen Neigungen.

Auch Geschiedene gibt es im strengen Sinne des Wortes nicht, denn nach katholischer Auffassung ist die Ehe unauflöslich. Man bleibt also verheiratet bis zum Tod. Es gibt nur zivilrechtlich Geschiedene, doch die Zivilehe hat für die katholische Kirche keine wirkliche Bedeutung.

Wie ist die Aussage von Kardinal Marx also zu werten?  Radio Vatikan

Entscheidend ist seine Forderung: „Nicht die Unterschiede zählen, sondern das, was uns verbindet“. Was bedeutet das konkret im heutigen gesellschaftlichen Kontext?

Grüne: Diese Partei ist zwar nicht die einzige, aber doch jene, welche sich am intensivsten für die Durchsetzung der Gender-ideologie in den Schulen und in der Gesellschaft generell einsetzt. Die Gender-Ideologie, dies haben Päpste und diverse Bischofskonferenzen in Hirtenbriefe ausführlich erläutert, ist ein Angriff auf das Herz des christlichen Menschenbildes.

Homosexuelle: Wie die Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ausführlich erklärt haben, wird unter dem Schlagwort „Rechte für Homosexuelle“ die sogenannte „Homo-Ehe“ oder die „gleichgeschlechtliche Partnerschaft“ gefordert und so die katholische Lehre über Ehe und Familie frontal angegriffen. Die sog. „Homosexuellen-Agenda“ dient also der Relativierung wichtiger und verbindlicher katholischer Lehraussagen.

Geschiedene (eigentlich geschiedene Wiederverheiratete): Die Lage der geschieden Wiederverheirateten dient zurzeit als Vorwand, die katholische Lehre über die Familie, vor allem die Unauflöslichkeit der Ehe, zu schleifen. Mit der Abschaffung der Unauflöslichkeit würde die katholische Lehre über die Ehe und auch die Sexualmoral in sich zusammenfallen. Deshalb werden oft die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zur Kommunion, die Erlaubnis von künstlichen Verhütungsmitteln und die Akzeptanz außerehelichen Geschlechtsverkehrs zusammen gefordert. Dieser ist einer der schärfsten Angriffe zurzeit aus dem innerkirchlichen Bereich.

Fazit: Kardinal Marx fordert im Grunde eine Kirche, die sich gegen die schärfsten Angriffe auf sie gegenwärtig nicht verteidigt. Seine Aussagen sind geeignet, antikirchlichen Strömungen Tür und Tor zu öffnen.

Das wäre in etwa, als wenn Bischöfe in den 1970er Jahren in Vietnam, Kambodscha oder Angola gesagt hätten, man solle nicht das Trennende bezüglich der Kommunisten beachten, sondern das, was verbindet.

Unser Autor Mathias von Gersdorff leitet die Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht aktuelle Kommentare hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/
Fotos: M.v.G., Cordula Mohr, Radio Vatikan

Die reformkatholische Los-von-Rom-Bewegung des Kardinal Marx

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„Wir sind keine Filiale von Rom.“  –  Dieser Spruch kam bekanntlich nicht von Reichskanzler Otto von Bismarck während des Kulturkampfes, sondern laut kath.net aus dem Mund von Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München-Freising, ausgesprochen vor kurzem auf einer Pressekonferenz.

Kardinal Marx hat in letzter Zeit so manches Bedenkliche von sich gegeben, doch auf der besagten Pressekonferenz machte er sich definitiv zur treuen Kopie der Karikatur, die man weltweit vom deutschen Katholizismus hat: antirömisch, stur, die eigene Meinung stets für die beste haltend.

Kardinal Marx: „Wir können nicht warten, bis eine Synode sagt, wie wir hier Ehe- und Familienpastoral zu gestalten haben“.   –   „… die Synode (kann) nicht im Detail vorschreiben, was wir in Deutschland zu tun haben.“b (8) - Kopie

Was er damit bezwecken will, ist unklar. Kurz davor wurden während der Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Hildesheim die drei Delegierten für die wichtige Familiensynode im Herbst 2015 im Vatikan gewählt.

Mit von der Partie ist Kardinal Marx, der schon lange den Ruf eines ausgesprochen liberalen Kirchenmannes hat, zumindest was Ehe- und Sexualmoral angeht. Er will nicht nur wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zulassen, sondern auch eine neue Bewertung von homosexuellen Partnerschaften durch die katholische Kirche erreichen. 

Begleiten wird ihn Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück. Auch er gehört eindeutig zum liberalen Flügel und vertritt praktisch dieselben Ansichten wie Kardinal Marx.

Bischof Koch positioniert sich nicht eindeutig

Der dritte ist der Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch. Was er vertritt, ist noch nicht ganz bekannt. Jedenfalls ist er nicht zu klaren und eindeutigen Positionen geneigt. Und so antwortete er in einem Interview mit der Nordwest-Zeitung aus Oldenburg auf die Frage, ob praktizierte Homosexualität Sünde sei:  026_23A

„Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend. Die Kirche braucht eine andere Sprache, wenn es um Homosexuelle geht. Wichtig ist vor allem ein gutes Miteinander, vor Ort in den Pfarreien.“

Auf die Frage, wie er zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene steht, sagte er:

„Die Frage ist, ob wir Gläubige, die geschieden und wiederverheiratet sind und über eine tiefe Frömmigkeit verfügen, unter bestimmten Bedingungen zur Eucharistie zulassen können. Das könnte zum Beispiel nach einem langen Gespräch mit dem Beichtvater erfolgen. Über solche Wege sollten wir nachdenken.“

Er will sich also auf keinen Fall der Kritik der Linkskatholiken aussetzen. Aber eine echte Konfrontation mit dem katholischen Lehramt, wie das Kardinal Marx betreibt, will er auch nicht.

Anti-römischer Affekt gegen die Einheit des Glaubens

Wohl keine Delegation für die Familiensynode ist so eindeutig linksliberal eingestellt wie die deutsche. Selbst der Delegierte aus den Niederlanden, also eigentlich aus einem ultra-liberalen Land, was die katholische Kirche angeht, ist mit Kardinal Wim Eijk, Erzbischof von Utrecht, ein klarer Konservativer. Buchcover

In den größeren Delegationen halten sich konservative und liberale Delegierte die Waage. Es ist also keineswegs ausgemacht, wie die Familiensynode verlaufen wird.

Vielerorts ist man über Deutschland inzwischen entsetzt. Der emeritierte Kardinal Paul Josef Cordes (siehe Foto: seine Biographie) schrieb einen langen Kommentar zu den Aussagen von Kardinal Marx (hier eine Kurzfassung), in welchem er u. a. in scharfem Ton erklärte:

„Der tragende Gemeinschaftssinn, ein die Weltkirche stützendes zentrales theologisch-geistliches Fundament, erscheint in seinen [Kardinal Marx’ – Anm. d. Red.] Aussagen aus Hildesheim allerdings als wenig relevant – obschon die Bischöfe solche ‘Einheit mit dem Bischofskollegium unter dem Nachfolger des Petrus’ bei ihrer eigenen Bischofsweihe ausdrücklich versprochen haben.

Der Satz: ‘Wir können nicht warten, bis eine Synode sagt, wie wir hier Ehe- und Familienpastoral zu gestalten haben’, ist jedenfalls nicht von kirchlichem Geist der ‘Communio’ eingegeben. Radio Vatikan

Nun ist der ‘antirömische Affekt’ ja keine Schreibtischerfindung, sondern in nördlichen Breiten eine Realität mit zentrifugaler Kraft. Für die Einheit des Glaubens ist sie allerdings höchst zerstörerisch.“

Kardinal Cordes weiß, wovon er spricht. Er war lange Leiter des Päpstlichen Werkes Cor Unum (der internationalen Caritas), kennt sich also bestens aus mit der Weltkirche und wie die Stimmung in Afrika oder Asien ist. Er weiß aus eigener Erfahrung, daß der Ruf der katholischen Kirche in Deutschland weltweit nicht gerade glänzend ist.

Inzwischen gibt es mehrere wichtige katholische Würdenträger, die ihren Unmut über die liberal-katholischen Umtriebe kundgetan haben. Der wichtigste ist Kurienkardinal Robert Sarah, Kardinalpräfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung.

Es ist noch zu früh, genauere Prognosen über den weiteren Verlauf der öffentlichen Diskussion jener Themen, die in der Synode besprochen werden sollen, vorzulegen. Sollte aber der konservative Flügel die Stimmung vor der Synode zu seinen Gunsten beeinflussen, stünde die deutsche Delegation ziemlich allein da.

Unser Autor Mathias von Gersdorff ist Leiter der Frankfurter Aktion „Kinder in Gefahr“ und des Webmagazins „Kultur und Medien online“

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“