Warum akzeptierte Kardinal Woelki eine unwürdige „Modenschau“ in der Kirche?

Dass unter dem Nachfolger des jüngst verstorbenen Kardinal Meisner ein anderer Wind im Erzbistum Köln weht, dürfte auch der letzte am kirchlichen Leben der Diözese interessierte Gläubige erkannt haben. 

Dieser „andere Wind“ in Gestalt von Kardinal Woelki zeigte sich z.B. in medienwirksam bekannten Ereignissen eines von ihm initiierten „bistumsweiten Geläutes“, einer politisch motivierten „Lichter-Aus-Aktion“, eines durch halb Europa transportierten und zur Verehrung vor dem „Kölner Dom“ ausgestellten Holzbootes an Fronleichnam und eines Roboters, der sich im altehrwürdigen Kölner Dom parallel zur Computerspielmesse „Gamescom“ im Laserlicht zum Rhythmus elektronischer Musik bewegen durfte.

Dazu kommt ein besonderes Event in der Kölner Kirche „St.Michael“: http://www.stgereon.de/st-michael-73.html

Wie in kirchlichen Hierarchien hoffentlich noch üblich (?), sollte vor wichtigen Entscheidungen der rechte Geist erbetet werden, damit sich der intensiv betriebene Aufwand nicht als geistige Eintagsfliege bzw. schlichte Huldigung an den Zeitgeist entpuppt.

So entschied man sich in Köln unter Einbindung erzbischöflicher Personalressourcen und der Akzeptanz seiner Eminenz, den Antrag des zuständigen Pfarrers Andreas Brocke von der Pfarrei St. Michael zu prüfen, der in seiner Kirche eine „Modenschau“ veranstalten wollte.

Nach Auskunft der „Abteilung Information und Öffentlichkeit“ vom Juli 2017 hatte Pfarrer Brocke sein Konzept zur geplanten Veranstaltung „umfassend“ zur Genehmigung vorgestellt.

Nachdem die privaten und öffentlich-rechtlichen Sender auf dem „Feld der figurbetonten Mode“ bereits mächtig um Quote buhlend konkurrieren, entschied sich das Erzbistum Köln, an diesem Wettlauf teilzunehmen und stimmte der „Modenschau“ für Mai 2017 zu.

Die Quelle zu der unwürdigen Klamottenshow im Gotteshaus (Beginn ab der 2. Minute) ist mit nachfolgenden Stichworten in einem bekannten Videoportal zu finden: „le bloc 2017 (Langfassung in 4K)“

Die Modenschau fand unter Begleitung eines „experimentellen Chores“ statt. Damit die zwischen den Kirchenbänken präsentierenden „Models“ nicht aus dem Takt kamen, spielte die zweckentfremdete Orgel u.a. „Das Model“ der Gruppe „Kraftwerk“. (Quelle: https://www.lebloc.de/le-bloc/modenschau/)

Da derartige Veranstaltungen bei Gläubigen zu Irritationen führen, entgegnet das Erzbistum Köln folgendes in einer Stellungnahme vom Juli 2017:

„Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich, ja vielleicht sogar irritierend erscheinen, schließlich handelt es sich bei einer Kirche ja um ein Gotteshaus. Doch es ist durchaus nicht unüblich Kirchen nicht nur für Gottesdienste, sondern gelegentlich auch für kulturelle Veranstaltungen – wie etwa Kunstausstellungen oder Konzerte – zu nutzen. In diesem Kontext  ist auch die Modenschau einzuordnen. Durch die Modenschau sollte deutlich werden, dass jeder Mensch von Gott anerkannt und geliebt ist, egal ob groß, klein, dünn oder kurvig und diese Botschaft wurde sehr gut deutlich. Zahlreiche Rückmeldungen  von Besucherinnen und Besucher haben dies unterstrichen.“

Hinter solchen Formulierungen, die wie scheinfrommes verbales Yoga wirken, fehlt nur noch ein abschließendes „Amen“ und die weltliche Bitte, dass der Letzte das Licht ausmachen möge.

So wird es zwangsläufig enden, wenn die Verantwortlichen auf diesem Weg weiter machen und sich derart verbiegen (lassen), dass sie ihren Kopf bald zwischen den Füssen tragen können, wenn sie nicht willens sind, solchem Unsinn die Stirn zu bieten, der sich hüftschwingend, bauchnabelfrei (Videoquelle 3:40 Min.) und ohne Ehrfurcht im geweihten Raum breit macht.

Wenn es sich weiterhin um ein „Gotteshaus“ handelt, steht die Frage im Raum, ob sich der „liebe Gott“ das Kleiderspektakel mit elektronischer Untermalung nebst Lasershow ebenfalls angesehen hätte. Im Evangelium ist eine andere Reaktionsweise Christi auf eine Zweckentfremdung des Tempels überliefert.

Diese Klamottenshow erscheint als weiterer fataler Schritt in Richtung nachkonziliare „Experimentierkirche“.

Somit muss auch ein Kardinal mit Widerspruch und erheblichen Bedenken leben. Da nützt es nichts, wenn er sich öffentlich darüber beschwert, dass ihm die „die ewigen Besserwisser und Bedenkenträger zum Hals raus hängen“. (Quelle: https://www.domradio.de/radio/sendungen/wort-des-bischofs/wort-des-bischofs-97)

Meine Freude am „Erlösungswerk des HERRN“ kann jedenfalls kein Bischof trüben, egal wie unverständlich seine Entscheidungen sein mögen   –  und widersprüchlich noch hinzu; siehe diese Klarstellungen aus dem Amtsblatt des Erzbistums Köln vom 1. Juni 2016:

Kirchengebäude sind Räume der Gottesbegegnung. Deshalb sind musikalische Veranstaltungen, die keinen geistlichen Charakter oder gottesdienstlichen Bezug haben, aus ihnen grundsätzlich fernzuhalten.

Musikalische Aufführungen können nur dann in einem Kirchengebäude stattfinden, wenn der Charakter der Werke die Aufführung in einer Kirche ratsam erscheinen lässt. Bei Unklarheiten kann das Erzbischöfliche Generalvikariat beratend unterstützen. Im Übrigen wird auf die Arbeitshilfe 194 der Deutschen Bischofskonferenz zur „Musik im Kirchenraum außerhalb der Liturgie“ und ggf. diözesane Richtlinien verwiesen.“ (Quelle: https://www.erzbistum-koeln.de/erzbistum/generalvikariat/amtsblatt/2016/2016-06-01-amtsblatt-erzbistum-koeln.pdf)

Der Autor dieses Artikels ist katholischer Familienvater aus dem Erzbistum Köln und unserer Redaktion persönlich bekannt

Fotos: Dr. Bernd F. Pelz, Archiv


2. Teil des Verwirrspiels: Kardinal Meisners „Pillen-Erklärung“ war keineswegs mit dem Papst abgesprochen

Nachdem die Erklärung des Kölner Erzbischofs zur „Pille danach“ und zur Frühabtreibung bereits für erhebliches Aufsehen in den Medien und für massive innerkirchliche Verwirrung sorgte (wir berichteten darüber)versuchte Joachim Kardinal Meisner nun offenbar in tatsachenwidriger Weise, sogar Papst Benedikt für die eigene Stellungnahme zu vereinnahmen.

Damit hat Meisner allerdings ein schweres Eigentor geschossen, denn inzwischen ist klar: die ohnehin merkwüdig erscheinende Aussage, wonach der Papst seine Pillen-Erklärung vorweg gekannt und gebilligt habe, trifft nicht zu.

Hier folgen die einzelnen „Stationen“ dieses zweiten Kölner Verwirrspiels zum Thema Abtreibung und „Pille danach“:

Wir schildern es anhand der Berichterstattung der privaten kath. Webseite „Gloria-TV“, zumal hier alle drei Etappen enthalten sind:

ERSTE STATION:   imagesCA2YAIGF

Bereits am 4. Februar 2013 titelte Gloria-TV: „Fatale Meisner Erklärung zur Pille-danach mit Vatikan abgesprochen.“

Sodann heißt es wörtlich hinsichtlich der erwähnten Kardinalserklärung:

„Meisner machte damit vom eigenständigen Lehramt des Ortsbischofs Gebrauch, das innerhalb des vom römischen Lehramt vorgegebenen Rahmens gewisse Spielräume hat. Die Frage, ob er diesen Schritt mit dem Vatikan abgestimmt habe, bejahte sein Sprecher Christoph Heckeley im «Focus». Mit wem er dies getan habe, habe Meisner ihm allerdings nicht gesagt. «Und er würde es auch nicht sagen», so Heckeley.

Man fragt sich zunächst, warum „Gloria-TV“ diese KNA-Meldung überhaupt veröffentlicht hat:

Welchen Informationswert hat wohl eine Nachricht, in der weder Roß noch Reiter genannt sind?  – Was heißt denn „mit dem Vatikan“ abgestimmt? –   Der „Vatikan“ ist bekanntlich groß und besteht aus hunderten von Personen! 

Jedenfalls war diese Art der Berichterstattung geeignet,  Zweifel an einer klaren Position Roms in puncto Abtreibung bzw. „Pille danach“ zu wecken.

Dies gilt erst recht angesichts der Gloria-TV-Überschrift, in der eine Äußerung des Kölner Bistumssprechers sogleich als Tatsache präsentiert wurde: „Fatale Meisner Erklärung zur Pille-danach mit Vatikan abgesprochen“

ZWEITE STATION:

Am gestrigen Dienstag (12.2.)  –   also einen Tag nach dem angekündigten Papst-Rücktritt  –  veröffentlichte das traditionalistisch orientierte Portal Gloria-TV eine eigenständige Meldung, wobei Papst Benedikt selber in den Titel gelangte:

„Meisner: Papst war über Erklärung zu „Pille danach“ informiert“

Der kurze Text   –  der erst recht geeignet sein konnte, im konservativen Spektrum Mißtrauen gegenüber Rom bzw. dem Papst zu schüren  –  lautet:

„Die zu schweren Missverständnissen führende Erklärung von Kardinal Meisner zur Pille danach war „mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt“. Das sagte der Kardinal dem Kölner „Stadtanzeiger“. Der Kardinal hat auch mit dem Sekretär des Papstes, Erzbischof Gänswein, darüber gesprochen. Er habe gesagt: „Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung.“

DRITTE STATION:

Noch am selben Tag sah sich Gloria-TV veranlaßt, die eigene Meldung zu korrigieren; diesmal hieß die Überschrift:

„Papst wusste doch nichts über Vorstoß zur Pille danach“

Hier folgt der Wortlaut dieser dritten Nachricht:

„Die Pressestelle des Erzbistums Köln hat heute ein Interview dementiert, das Kardinal Joachim Meisner erst gestern gegeben hat. (…)  Heute dementierte die Pressestelle das wörtliche Zitat, wie die Agentur ‚KNA‘ berichtet. Papst Benedikt XVI. sei doch nicht über die Erklärung informiert gewesen. Der Papst habe die Stellungnahme des Erzbischofs vor Veröffentlichung nicht gesehen und gebilligt, so das Erzbistum Köln am Dienstag. Es sei im ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ ein „missverständlicher Eindruck“ entstanden.“

RESULTAT:

Wenn die Kölner erzbischöfliche Pressestelle sich veranlaßt sieht, den eigenen Dienstherrn in einem entscheidenden Punkt zu dementieren, kann dies logischerweise  wohl nur dadurch verursacht sein, daß der Papst selber bzw. sein Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein, eine Korrektur verlangt hat.

Zudem fragt man sich, wie Kardinal Meisner dazu kommt, eine derart unzutreffende Aussage auch noch ausgerechnet kurz nach der Rücktrittsankündigung des Papstes in die Welt zu setzen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster