Die CSU auf Abwegen: Wo bleibt das „C“?

Von Peter Hahne

„Da vom ,C‘ ja nicht mehr viel übrig ist, gehts jetzt anders himmelwärts!“, mailte mir eine Kollegin nach der traditionellen Klausur der CSU. Einer der Beschlüsse grenzt an Gaga oder Größenwahn: ein Weltraumbahnhof für Satelliten in der Nordsee.

Nein, es war nicht der 1. April oder „Fastnacht in Franken“, als das „zukunftsweisende Projekt“ der staunenden Weltöffentlichkeit präsentiert wurde.

Ich weiß nicht, was Corona mit Hirnen macht, aber ich habe eine Ahnung davon, was – biblisch gesagt – „zur Zeit oder zur Unzeit“ stattfindet.

Während rings herum das normale Leben zum Erliegen kommt, eine Pleite-Lawine rollt, Impfstoff-LKW heiße Luft statt tiefgekühltes Serum transportieren, Alte ungeschützt und ungetröstet sterben müssen und Kinder in die Verhaltensstörung getrieben werden, befasst sich die Christlich(!)-Soziale(!)-Union mit einem Weltraumbahnhof.

Eine Partei, die noch vor Jahren als letztes Bollwerk gegen all das stand, was „die da in Berlin“ dem wehrlosen Bürger überstülpen wollen, beispielsweise „Asyltourismus.“ Auf München war immer Verlass, sei es gegen Gender, Islamisierung oder „Ehe für alle“. Ging es um das Kreuz oder das Leben ungeborener Kinder: die CSU war zur Stelle.

Meine Eltern wählten die westfälische CDU, weil es den bayerischen „Franz Josef“ gab. Und als der Markus das Ruder übernahm, startete er mit dem „Kreuzerlass“ und widerstand zunächst allen Anfeindungen, selbst denen der klerikalen Kreuzleugner vom Tempelberg. Auch als Herr Marx zu meinen glaubte, „der Begriff Abendland hat etwas Ausgrenzendes“, gab es noch ein Mucken und Zucken in der CSU-Spitze.

Doch dann ging es im Affenzahn auf die Rutschbahn Richtung Nordsee mit Zwischenstopp Berlin: Das mit dem Kreuz in den Amtsstuben sei ein Fehler gewesen, die „Ehe für alle“ etwas ganz Tolles, die Grünen echt sympathisch. Und Klima-Greta wurde zur Göttin in einer Partei, die Gott offenbar verloren hat.

Der einstige Anwalt der Pendler hat sich in CO2-freier Luft aufgelöst. Die Benzinpreise explodieren. Man könnte noch unzählige Themen nennen. Und das alles in rasendem Tempo.

Im Schatten von „Corona“ wird die Abrissbirne gegen die Fundamente von Ethik und Werten geschwungen — wie drohende Drohnen vom parteieigenen Nordsee-Bahnhof. Wissen die Christen in der Union nicht mehr, was auf dem Spiel steht? Wird dem schnellen (Umfrage-)Erfolg auch der letzte Markenkern für das Linsengericht einer Grünen-Koalition geopfert?

Selbst Wirtschafts-Laien wissen: Das führt langfristig in die Pleite. Und jeder Christ weiß: Darauf ruht kein Segen. Aber die Kollegin oben hat ja recht: Wenn das „C“ unter den Wanderdünen des Zeitgeistes
verschwunden ist, braucht man Ersatzdrogen, um Polit-Karrieren zu sichern.

Unvergessen: Ich lud einen der prominentesten CSU-Politiker in meine Sonntagssendung. Antwort: „An dem Tag haben wir im Wahlkreis die Segnung der Felder. Wenn ich da nicht dabei bin, brauche ich erst gar nicht wieder zu kandidieren…..“
Das war erst vor knapp zehn Jahren. Da blickte man noch himmelwärts.

Wir danken Peter Hahne für die freundliche Abdruckerlaubnis dieses Beitrags, der zuerst in der katholischen Wochenzeitung „Tagespost“ vom 21. Januar erschienen ist. Hahne ist evangelischer Theologe, ehem. ZDF-Moderatur und Bestsellerautor – u.a. mit dem Buch „Seid ihr noch ganz bei Trost! Schluß mit Sprachpolizei und Behördenterror“ (Lübbe-Verlag).


CDL begrüßt die Ethikbeschlüsse der CSU

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Die CSU hat auf ihrer Klausurtagung am 5. Januar 2019 in einem Grundsatzpapier ein klares Bekenntnis zum Lebensrecht abgegeben und zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt.
Hierzu erklärt die Landesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) in Bayern, Christiane Lambrecht:

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Die CSU möchte die hohen Abtreibungszahlen verringern und ethische Pflöcke einschlagen. Die klaren Aussagen der CSU anläßlich ihrer Klausurtagung zum Lebensrecht begrüßen wir sehr.
Selektion, ja eine geradezu perfide Auslese von ungeborenen Menschen durch vorgeburtliche Untersuchungen, wobei regelrecht nach Kindern mit Down-Syndrom gefahndet wird, macht unsere Gesellschaft ärmer, unmenschlicher und unsolidarisch.
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Ebenso hat jede Abtreibung eine mehrfach dramatische nachhaltige Wirkung: Das ungeborene Kind ist tot, die Mutter muß ein Leben lang damit zurechtkommen. Zudem hat jede Abtreibung erhebliche Auswirkungen – auch auf die Geschwister, Familie und Gesellschaft.
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Das Lebensrecht gehört in die Mitte von Politik und Gesellschaft. Deshalb unterstützen wir die aktuellen Beschlüsse der CSU hinsichtlich Abtreibungen, zu Ethik und den Menschenrechten in vollem Umfang.
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Die von der CSU angestrebte Evaluation zu Motiven und Lebenssituationen von Frauen im Schwangerschaftskonflikt sowie über die psychischen, physischen und sozialen Folgen von Abtreibung ist längst überfällig.
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Zudem ist die aktuelle Beratungssituation bei den staatlich anerkannten Beratungsstellen teilweise mehr als mangelhaft. Die CDL wird die CSU bei der Konkretisierung der Vorhaben gerne aktiv unterstützen.“

Internetpräsenz: www.cdl-online.de


Kardinal Marx folgt dem Vorschlag von Bischof Bode für eine Segnung von Homo-Paaren

Mathias von Gersdorff

In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk hat sich nun Kardinal Reinhard Marx offen für die Segnung von homosexuellen Paare ausgesprochen: „Da muss man auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben. Ich sehe da eigentlich keine Probleme.“

Als erster deutscher Bischof brachte Franz-Josef Bode von Osnabrück das Thema an die Öffentlichkeit.

In der Bischofskonferenz ist Bode wohl der liberalste Bischof, der stets Vorschläge unterbreitet, die der katholischen Sexualmoral widersprechen:

Die Kirche kann keinen Segen für eine Partnerschaft erteilen, deren Grundlage eine sündhafte Handlung ist. Dazu gehören sog. wilde Ehen, Partnerschaften wiederverheirateter Geschiedener, polygame Beziehungen und eben auch homosexuelle Partnerschaften.

Wäre Bischof Bode konsequent gewesen, hätte er Segnungen für alle möglichen Konstellationen von Paaren fordern können, doch dann wäre es zu offensichtlich gewesen, dass sein Ansinnen antikatholisch ist.

Nun macht sich auch Kardinal Marx, immerhin Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, für Segnungen homosexueller Paare stark. Kardinal Marx ist auch Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (ComECE) und Mitglied des von Papst Franziskus gebildeten Kardinalrates, der eine Reform der vatikanischen Kurie einleiten soll.

Jener, der diesen heterodoxen Vorschlag gemacht hat, ist also kein Leichtgewicht in der katholischen Kirche  – oder anders ausgedrückt: Wenn die katholische Kirche solche Prälaten hat, braucht sie keine Feinde mehr.

Kardinal Marx wollte nicht so weit wie Bischof Bode gehen, und sprach sich zugunsten von Segnungen im „Einzelfall“ aus. Doch das ist nichts anderes als ein Feigenblatt: Wenn Segnungen  bei homosexuellen Paaren im Einzelfall in Ordnung sind, so ist die (praktizierte) Homosexualität kein Hinderungsgrund mehr. Es müsste ein anderes bzw. weiteres Merkmal hinzukommen, um den Segen zu verweigern.

Dass gerade Kardinal Marx und Bischof Bode vorschlagen, homosexuelle Paare zu segnen (und damit Homosexualität de facto als moralisch unbedenklich anzusehen), kommt nicht unerwartet.

Im Vorfeld der Familiensynode im Herbst 2015 waren diese beiden (würdigen?) Würdenträger die wichtigsten Verbündeten von Kardinal Kasper im deutschen Episkopat.

Kardinal Kasper forderte in einem viel beachteten Vortrag an die Kardinäle Anfang 2014 die Öffnung der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene. Das würde im Grunde bedeuten, dass die Kirche sexuelle Akte außerhalb der Ehe als nicht mehr so gravierend ansieht – jedenfalls als nicht derart gravierend, dass sie den Empfang der Kommunion verhindern.

Falls aber wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion nun empfangen dürfen, wieso dann nicht alle Personen, die in irgendeiner Art und Weise schwer gegen das sechste Gebot verstoßen?

Kein Wunder, dass kurz nach Kaspers Ansprache an die Kardinäle schon manche eine umfassende Reform bis hin zu einer Abschaffung der katholischen Sexualmoral forderten, als ob sich die göttlichen Gebote reformieren ließen. Mal wieder waren die deutschen Amtsträger an erster Stelle. Auch verlangte man eine moralische Neubewertung der Homosexualität, was aber die afrikanischen und viele osteuropäischen Bischöfe auf die Barrikaden brachte.

Speziell in Deutschland veröffentlichte das unselige „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ im Mai 2015 ein Positionspapier, in welchem eine radikale Abkehr von der katholischen Sexualmoral verlangt wird. Auch sollte praktizierte Homosexualität als unbedenklich eingestuft werden und gleichgeschlechtliche Paare den kirchlichen Segen erhalten dürfen.

Damals erkannte Kardinal Marx, dass diese Forderungen zu weit gingen und den Widerstand gegen jegliche Lockerung der Sexualmoral und der Lehre über die Ehe (wie eben die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zu Kommunion) verstärkte. Kardinal Marx lehnte damals Segnungen für homosexuelle Paare noch scharf ab.

Nach den neuesten Stellungnahmen wird sonnenklar, dass die damalige Positionierung bloße Taktik war. Nun sieht offensichtlich Kardinal Marx die Zeit für weitere „Neuerungen“ gekommen.

Was streben Kardinal Marx und Bischof Bode überhaupt an?

Im Vorgehen dieser beiden Prälaten lassen sich gewisse Grundlinien erkennen:

1. Die Sexualmoral der katholischen Kirche scheint für sie nicht etwas, das sich aus der Bibel ableiten lässt, sondern ein menschliches Werk zu sein, das man auch nach menschlichem Ermessen ändern kann.

2. Damit verbunden ist wohl die Auffassung, dass die Schöpfungsordnung bzw. das Naturrecht (zumindest) für die Sexualität (und für die Ehe) nicht gilt. Wenn das so ist, dann gibt es auch keine überzeitlichen und universellen Normen, die immer und für jeden gelten. Die Sexualethik wird bestenfalls zu einer Art Gewohnheitsrecht heruntergestuft.

Wenn die Sexualmoral aber nicht für immer und ewig definiert und unveränderbar ist, wonach richtet sie sich denn?

Für Kardinal Marx und für Bischof Bode steht fest: Die katholische Sexualmoral muss sich der sexuellen Revolution anpassen.

Die erwähnten Vorschläge dieser beiden Prälaten und jene aus dem deutschen Progressismus lassen sich so zusammenfassen: Die katholische Sexualmoral muss durch die Maximen der sexuellen Revolution ersetzt werden. Konkret bedeutet das: Es gibt keine in sich moralisch falsche sexuelle Handlungen, Wünsche, Vorstellungen. Alles ist erlaubt (solange keine Gewalt gegenüber Dritten angewendet wird).

Sie sagen das natürlich nicht so direkt, aber anders kann man die Auslassungen des deutschen Progressismus nicht interpretieren. Wann hat man zuletzt einen Vorschlag gehört, der mehr Disziplin, Abstinenz, Keuschheit, Anstand in den Moden etc. etc. verlangt?

Das Leitbild von Bischof Bode, von Kardinal Marx und generell des deutschen Progressismus ist die sexuelle Revolution nach den Maximen der 1968er-Revolution.

Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiss. Vor allem stellt sich die Frage, wie stark der Widerstand im Kirchenvolk gegen dieses Zerstörungswerk sein wird.

Auf eines muss man sich aber sicher vorbereiten: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht seine aktuellen Beiträge u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/

Info-HINWEIS: Noch im Mai 2o15 erklärte Kardinal Marx wörtlich laut Kölner Domradio: „Die Deutsche Bischofskonferenz hat Forderungen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken nach einer Segnung homosexueller Paare gerügt. Diese sei mit der Lehre der Kirche nicht vereinbar, erklärte der Münchner Kardinal Marx.“ (Quelle: https://www.domradio.de/themen/bischofskonferenz/2015-05-15/streit-um-segnung-homosexueller-paare)

Der Glaube begünstigt die Gesundheit – Ordensfrauen: mehr Vertrauen, weniger Streß

Ein religiöser Lebensstil hat positive Auswirkungen auf die Gesundheit. Diese Meinung vertritt der christliche Mediziner Dr. René Hefti im evangelikalen Magazin „ChrisCare“, das von der Organisation „Christen im Gesundheitswesen“ herausgegeben wird.

Insbesondere drei Faktoren hätten Studien zufolge einen direkten Einfluss auf das körperliche Wohlbefinden:

Zum einen fördere der Glaube positive Emotionen wie Zufriedenheit, Dankbarkeit und Freude. Im Zusammenspiel mit einem gesunden Selbstwertgefühl seien schwierige Lebenssituationen so besser zu bewältigen.

Er stärke die Beziehungen zu den Menschen. Wer anderen und sich vergeben könne, lebe in Frieden. Das sei gut für das Herzkreislaufsystem, das stark auf negative Gefühle reagiere, z.B. durch höheren Blutdruck und mehr Cholesterin.     

Drittens fördere der Glaube gesunde Verhaltensweisen. Studien hätten gezeigt, dass Schüler mit stärkerer Glaubensorientierung weniger Alkohol und Zigaretten konsumieren, sich mehr bewegen und gesünder essen.

Der Arzt geht auch auf eine Studie mit 144 Ordensfrauen aus einem Benediktinerkloster in Italien ein. An ihrem Lebenskonzept würden die gesundheitlichen Vorzüge des Glaubens deutlich: Die Nonnen wurden über 20 Jahre hinweg auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Ihr Blutdruck sei im Gegensatz zur Normalbevölkerung praktisch unverändert geblieben.

Den Grund sieht Hefti in den regelmäßigen Gebetszeiten: „Dies entlastet, es ,entstresst‘ und fördert eine vertrauensvolle Lebenshaltung, die die Nonnen dann auch in den Alltag mitnehmen.“

Quelle und vollständiger Text hier: http://www.idea.de/glaube/detail/mediziner-der-glaube-staerkt-die-gesundheit-103572.html


Leo Baeck, Europas großer Rabbiner, über Jesus, den „jüdischen Bruder“

Von Felizitas Küble

Das monumentale Werk von Leo Baeck mit dem Titel „Das Wesen des Judentums“ ist zwar über hundert Jahre alt, aber in seiner klassisch-großartigen Zusammenschau jüdischen Glaubens und Betens, Lebens und Fühlens, Wirkens und Hoffens von herausragender Höhe des Denkens und Tiefe des Empfindens.  cover

Bei der Lektüre entsteht mitunter den Eindruck, als ob dieses Buch  – bei aller Urtümlichkeit des jüdischen Glaubenszeugnisses – zugleich auch geistige Perlen aus dem deutschen Idealismus und der deutschen Romantik aufgreift und passend in das Gesamtwerk einfügt.

Seine moralische Grundhaltung ist  –  typisch jüdisch  –  geprägt von einer „Ethik der Gebote“, einer tiefen Freude, ja geradezu Begeisterung über die Gebote Gottes, über seine Wegweisung für uns Menschen, die zu Dankbarkeit und Ehrfurcht gegenüber dem Schöpfer gemahnen, der zugleich unser „Gesetzgeber“ ist.

In dieser Hinsicht steht der Autor dem Katholizismus natürlich deutlich näher als dem Protestantismus, weil die kath. Kirche ebenso wie das Judentum lehrt, daß der Glaube allein keineswegs selig mache, daß auch die „fromme Tat“, das „gute Werk“  notwendig sei, auf daß der Glaube sich als glaubwürdig und lebendig erweise.

Andächtig schwärmen ist leichter als gut handeln

Baeck sieht im lutherischen Glauben die Tendenz einer „Wortreligion“ und damit verbunden die „Herrschaft der gottesfürchtigen Redensart“ durch „Wortkünstler der Frömmigkeit“, welche es bereits als religiöses „Zeugnisablegen“ verstehen würden, mit einem „gefahrlosen Brustton der Überzeugung“ vom sicheren Platze aus „satzreiche Erklärungen hinauszusenden“.

Eine solche „Glaubenszeugenschaft“ könne freilich „gern und leicht geübt werden“. Bei der religiösen „Tat“ sehe das aber anders aus; hier liege ein Ideal vor Augen, das den Menschen und sein sittliches Streben ernsthaft herausfordere, weil es „nie völlig verwirklicht sein kann“ (S. 51).

Außerdem übt der Verfasser Kritik an einer Überbewertung religiöser Gefühle und Stimmungen anstelle der Beobachtung göttlicher Gebote und guter Taten  –  und er sieht gerade darin die wirkliche Gefahr eines „Pharisäertums“ (!), einer „religiösen Gefallsucht“ und „Koketterie der Frömmigkeit“. baeck

Das „inwendige Gefühl“, auf das der Protestantismus „so großen Wert legt“, könne leicht   –  neben einem wahrhaftigen Gottvertrauen und aufrichtiger Gläubigkeit  –  zur „Selbstbespiegelung“, zu einem „Prunken mit Empfindungen“ führen:  „Der Mensch lebt nicht für Stimmungen und nicht von Stimmungen.“ –  Er fügt hinzu: „Andächtig schwärmen ist leichter als gut handeln.“ (S. 52)

Kategorischer Idealismus

Aus dieser „Ethik der Gebote“, der Betonung des Willens Gottes, der Aufforderung zum guten Handeln als sittliche Pflicht, ergibt sich gleichsam ein „kategorischer Idealismus“, der sich gegenüber dem „kategorischen Imperativ“ von Kant insgesamt als überlegen erweist, aber freilich eine andere Ebene umfaßt (der Philosoph Kant spricht auf der Basis der natürlichen Vernunft, der Glaube ruht auf dem Übernatürlichen).

Wer das Judentum, das aus den Urtiefen seiner Geschichte und aus der Erwählung des Ewigen stammt und das – allen Verfolgungen zum Trotz  – die Jahrtausende überdauerte, in seinem inneren Selbstverständnis kennenlernen und wahrnehmen möchte, sollte zu diesem Klassiker greifen, den der damals bedeutendste Rabbiner nicht nur Deutschlands, sondern Europas verfaßte:briefm

Leo Baeck, als Sohn eines deutschen Rabbis 1873 in Lissa (Posen) geboren, wirkte später in West- und Mitteldeutschland (Oppeln, Düsseldorf, Berlin), war unter der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt (KZ Theresienstadt), ist dann als Überlebender nach London ausgewandert, wobei er weiterhin nach Deutschland reiste, Vorträge hielt und für die jüdisch-christliche Verständigung eintrat.

Durch die Lektüre des Buches „Das Wesen des Judentums“  –  das er übrigens seiner „lieben Frau“ gewidmet hat  –   können auch Christen in mancherlei Hinsicht ihren eigenen Glauben besser verstehen, denn dieser beruht auf dem jüdischen „Mutterboden“, dem Glauben des Volkes Israel.

Das Christentum ist ein  –  gleichsam selbständig gewordenes  –  Kind des Alten Bundes, das bei all seiner Unabhängigkeit jedoch seine Wurzeln weder vergessen noch verleugnen sollte.

Zurück zu Leo Baeck, dem großen jüdischen Vordenker der Zwischenkriegszeit (Weimarer Republik)  – im Grunde sogar schon früher, denn einige seiner Werke entstanden bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. 

Für Christen ist nun vor allem die Frage von Interesse: Wie steht diese bedeutende Koryphäe des Judentums zu Jesus aus Nazareth? 

„Jesus war ein Jude unter Juden“kleines-rituale

Natürlich teilt ein Jude nicht den Glauben an die Gottheit Christi oder die Dreieinigkeit Gottes, sonst wäre er ja Christ  –  das ist wohl logisch. Aber wie beurteilt Leo Baeck die Persönlichkeit dessen, der als Jude zugleich der Begründer des Christentums, der Stifter seiner Kirche war und ist?

Um dies zu verdeutlichen, wählen wir einige Zitate aus den Werken des jüdischen Gelehrten, der immer wieder betonte, daß Jesus ganz und gar ein Jude gewesen sei. Baeck, der an der Kirchengeschichte verständlicherweise einiges zu kritisieren weiß, läßt auf IHN nichts kommen, bezeichnet IHN als „gottgesandte Persönlichkeit“.

Jesus sei, so schreibt er, „in jedem seiner Züge durchaus ein echt jüdischer Charakter“ gewesen, ein Mann, „wie er nur auf dem Boden des Judentums – nur dort und nirgends anders  – erwachsen konnte.

Jesus ist eine echt jüdische Persönlichkeit, all sein Streben und Tun, sein Tragen und  Fühlen, sein Sprechen und Schweigen: es trägt den  Stempel jüdischer Art, das Gepräge des jüdischen Idealismus, des Besten, was es im Judentum gab und gibt, aber nur im Judentum damals gab. Er war ein Jude unter Juden.“ (1)

„Er hat das Reine und Gute des Judentums offenbart“

Später schreibt der Rabbiner, daß Jesus vor seinem geistigen Auge stehe „mit edlen Zügen“, ein Mann „aus dem jüdischen Volke, auf jüdischen Wegen, im jüdischen Glauben und Hoffen“. 013_10a

Jesus war aus Baecks Sicht ein Mann, „der in allen Linien und Zeichen seines Wesens das jüdische Gepräge aufzeigt, in ihnen so eigen und so klar das Reine und Gute des Judentums offenbart“.  

Der „große Bruder“ aus Nazareth sei einer gewesen, der „in der jüdischen Zuversicht und Sehnsucht, durch sein Leben und in seinen Tod gehen konnte – ein Juden unter Juden.“ (2)

BILD: Die katholische Kirche St. Bernhard (Münster) zeigt den Gekreuzigten mit einem jüdischen Gebetsschal

Natürlich beschränkt sich auch dieser Gelehrte (wie viele andere Juden, die sich ähnlich geäußert haben) auf eine Wertschätzung Jesu als Mensch, als Jude und als edle religiöse Persönlichkeit.

Zugleich bedeutet diese Hinwendung zum Stifter des Christentums aber auch eine Art „Heimholung“ Jesu in die jüdische Welt hinein, die Erkenntnis seines wahrhaft israelitischen Charakters, wie er aus den Worten und Taten Christi hervorleuchtet  – und auch aus seinem Leiden und Sterben!

  • Quellenangaben:
  • 1.) MGWJ (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums), 45. Jahrgang, 1901, S. 118
  • 2.) Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte, Leo Baeck, 1938, S. 69

Wie der Koran zwischen einer Ethik für Juden und seiner eigenen unterscheidet….

Den folgenden Leserbrief richtete Dr. Christoph Heger am 15.1.2015 an die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung); leider wurde er nicht veröffentlicht. Da wir den Inhalt sehr aufschlußreich finden, stellen wir ihn hiermit online:

Nicht nur Rainer Hermann in seinem Beitrag „Eine Tötungslizenz?“ in FAZ vom 9.1.2015, auch Imame islamischer Verbände zitierten jüngst auf der „Mahnwache“ vor dem Brandenburger Tor in Berlin verfälschend Vers 32 von Sure 5: „Wenn jemand einen Menschen tötet, der keinen anderen getötet, auch sonst kein Unheil auf Erden gestiftet hat, so ist’s, als töte er die Menschen insgesamt“ (so Rainer Hermann). Köln-MoscheeDSC_0596_ShiftN

Wie schön wäre es, wenn sich die Muslime den Inhalt dieser Maxime zu eigen machen könnten!

BILD: Große Moschee mit Minarett in Köln-Ehrenfeld

Tatsächlich führt die Unvollständigkeit des Zitats in die Irre, heißt doch der Vers vervollständigt: „Aus diesem Grunde haben Wir [nämlich Allah] den Kindern Israels vorgeschrieben: Wenn jemand einen Menschen tötet, der keinen anderen getötet, …“

Nach dem koranischen Wortlaut ist also nicht den Muslimen, sondern den Juden eine solche Ethik von Gott auferlegt!

Die Aufgabe der Muslime ist dagegen in dem folgenden Vers 5:33 beschrieben, der an den Vers zuvor mit einem anknüpfenden „innamā / jedoch, vielmehr, indessen“ anschließt:

„Der Lohn derjenigen, die Krieg führen gegen Allah und Seinen Gesandten … ist indessen der, dass sie allesamt getötet oder gekreuzigt werden, oder dass ihnen Hände und Füße wechselseitig abgehackt werden, oder dass sie aus dem Land verbannt werden. Das ist für sie eine Schande im Diesseits, und im Jenseits gibt es für sie eine gewaltige Strafe …“

Die Verknüpfung der Auflage, die Allah den Juden gemacht hat, mit dem ganz anderen, brutalen Gesetz für Muslime im unmittelbar folgenden Vers kann keinem Koranleser entgehen.

Man muss leider mit Sorge feststellen, dass solcher Art Täuschung der gutgläubigen Öffentlichkeit durchaus verbreitet ist. Um eine politisch kommode Unterscheidung von Islam und „Islamismus“ aufrecht zu erhalten, wird allgemein verschleiert, dass die „Islamisten“ sich sehr wohl auf die praktisch von allen Muslimen angenommenen Fundamente des Islams berufen können: auf den Koran und den „Brauch des Propheten“.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


„Sturheit“ in puncto Moral ist realistisch…

Von Prof. Dr. Hans Schieser

Eine Bitte an den Heiligen Geist in der bekannten Pfingstsequenz lautet: „Flecte quod est rigidum…“  – „Biege, was erstarret ist…“

Ja, das wäre doch notwendig, die Erstarrung („Sturheit“) in der Katholischen Kirche bei Themen wie z.B. der Ehemo131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72cral endlich „flexibel“ zu machen  –  das fordern heute viele Leute.

Auch wenn es Viele meinen und sogar glauben, lässt es doch eher auf eine Erstarrung der Intelligenz dieser „Vielen“ als auf  Sturheit der Kirche in Sachen der Moral schliessen.

Wie oft soll man noch erklären, was der Begriff „Moral“ bedeutet?  –  Die lateinische Sprache bezeichnet „mores“ als etwas, das „üblich ist“.  –  im Griechischen heisst es „Ethos“  =  So ist es einfach („realistisch“).

Ja, so ist das einfach, auch in der Moral: Dass es Dinge gibt, die „selbst-verständlich“ sind. Wie die Amerikaner in ihrer Unabhängigkeitserklärung sagen: „We hold these truths to be self-evident…“  –  Das heisst: es gibt Dinge, die keiner Erklärung bedürfen, sondern „einfach so sind“. Zum Beispiel, dass zweimal zwei vier ist, und alle Menschen gleich sind als Geschöpfe Gottes. image001

Es ist neu in der Menschheitsgeschichte, dass auch das „hinterfragt“ wird: „Wer sagt das überhaupt, dass zweimal zwei gleich vier ist?“

Wenn etwas selbstverständlich ist, bedarf es keiner Erklärung, aber man kann zeigen, welche Folgen eintreten, wenn die Wirklichkeit nicht angenommen, sondern falsch interpretiert oder gar ignoriert (= nicht zur Kenntnis genommen) wird.

Bei Gesetzen, die von Menschen gemacht wurden (zB. dass man bei uns auf den Straßen rechts fährt), kann man von Fall zu Fall „Ausnahmen“ zulassen, wenn es notwendig erscheint und man dadurch Schaden vermeiden kann. In der Moral enden jedoch die „Ausnahmen“ immer in der Sackgasse: „No exit!“ – Da gibt es keinen „Ausweg“!  – Also doch starr und stur?

Wer von der (katholischen) Kirche verlangt, die Moral „zu lockern“ oder vielleicht sogar eines der Gebote Gottes (zB das sechste) abzuschaffen, leidet vermutlich unter einer (unheilbaren) „Geisteskrankheit“ (→lateinisch „Stupor“ = Erstarrung / → „Stupiditas“ = Dummheit); es wäre genauso unsinnig, vom Papst zu verlangen, das Einmaleins zu ändern.

Unser Autor Prof. Dr. Hans Schieser lehrte die Grundlagen der Humanwissenschaften an der DePaul-University in Chicago (USA)


Offener Brief an den Bundespräsidenten

Von Almut Rosebrock

Sie, Herr Gauck, „warnten“ am Jahrestag der Schüsse von Sarajewo, dem Auslöser des 1. Weltkriegs, vor neuer „Nationalstaaterei“.   

Almut Rosebrock

Ich bin der Auffassung und Überzeugung, dass jeder Mensch seine Nationalität und auch Nationalstolz braucht; dazu gehört die Zugehörigkeit zu einer Volksgemeinschaft mit ihrer Sprache, Geschichte und Kultur (Musik, Tanz, Bildende Kunst, Diskussionskultur), ihrem (spezifischen) Glauben / Religiösität, ihrer Naturverbundenheit, ihrem Umgang der Menschen miteinander, mit und unter selbst gewählten Politikern, die für das Wohl der Volksgemeinschaft verantwortlich zeichnen.

Ich finde diese Verantwortlichkeit in Brüssel nicht!

Die „Verantwortungswege“ sind viel zu lang – von Portugal, bis Litauen, bis Bulgarien, bis Nordschweden als dass sie nicht Millionen und Milliarden Steuergelder versickern lassen würden!

Die „neunmalklugen Politiker“ in Brüssel, welche die Staaten sehr viel Geld kosten, zusammen mit dem riesigen Bürokratieapparat, wollen zentral die Zugreifbarkeit auf Geld und Eigentum der Bewohner der Mitgliedsstaaten für die großen Firmen und „Weltmächte“ erleichtern und erreichen!

Dazu dient die Währungsvereinheitlichung, die „Computerisierung“ der Menschen, die „Bankenkontrolle“ durch die EZB  –  die politischste alle Banken (die „mal eben“ die Grundlagen des Geldsystems außer Kraft gesetzt hat und so Bürger und Betriebe sowie Stiftungen kalt enteignet), die „Lenkung“ des moralischen Denkens durch Abschaffung desselben hin zu „Antidiskriminierungs – Denklenkungs – Denkverbots – Einheitsbrei“, das Verjubeln der Steuergelder in „subventionierte Projekte“ wie Stuttgart 21, World Conference Zentren, Flughäfen, wo die selbst erstellten Sicherheitsvorschriften nicht (mehr) einzuhalten sind.reichstag_flaggen_368s

Zudem die Gängelung der Bürger (und Industrie) ohne Ende durch Energiespar- und sonstige Verordnungen, Zwangsverpflichtung zu „Sexualaufklärung“ von jüngsten Kindesbeinen an, der nicht erfolgende Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum (natürlichen) Tod,  die Missachtung und eindeutig parteiliche Behandlung von BÜRGERBEGEHREN (EU-Bürgerbewegung „ONE of US“ in Brüssel, der „Bildungsplan“ in Baden-Württemberg, die Verherrlichung von Ideologien wie GENDER-Mainstreaming, der globale Markt (der alles richten wird…),  „Entnationalisierung“ und „Entheimatung“ der Menschen und vieles mehr.

Und wo ist Gott in dem Ganzen?   –  Unser Deutschland wird von einem Pastor und von eine Pastorentochter (beide evangelisch wie ich) regiert.
Man merkt da wenig von.

Freiheit sollte im Zentrum der Politik stehen. Freiheit braucht eine grundsätzliche Ethik und Moral und auch Vertrauen!
(Vgl. die Rede von Papst Benedikt im Bundestag vom September 2011)

Ich bin für ein Europa der Vaterländer!
Vater- und Mutterländer, die in gegenseitiger Wertschätzung und Respekt – und im Bewusstsein, dass sie aufeinander angewiesen sind – in enger Verbindung stehen.

Die aber – in Asyl-, in Wirtschafts-, in Landwirtschafts-Subventionsfragen, in Familienpolitik-, in Werte-, in Weltpolitik-Fragen durchaus auch eigene Standpunkte beziehen können.

Ich bin der Überzeugung, dass die derzeitige Macht und Power-Politik der EU zum Scheitern verurteilt ist.

Mit freundlichen Grüßen
Almut Rosebrock, kritische Bürgerin, Mutter, Apothekerin
Aktionsbündnis „Gerne leben mit Kindern“, www.glmk.de


Wie sieht echter Qualitätsjournalismus aus – und warum fehlt er so oft in den Medien?

Von Martin Lohmann

VORTRAG vom 1. Mai 2014 im Bonner Hotel Bristol
beim Institut für Gesellschaftswissenschaften (Walberberg):
„Erwartungen an den Qualitätsjournalismus in Zeiten der Skandalisierung“

Bekenntnisse zum Qualitätsjournalismus gibt es viele. Aber der sogenannte Qualitätsjournalismus hat es heute schwer. Auch weil gar nicht klar zu sein scheint, was eigentlich Qualität im Journalismus ausmacht, worauf man achten sollte und was man zu meiden hat oder hätte. PICT0101

Und als Mitglied der Zunft weiß ich sehr wohl: Wer nach der Qualität im Journalismus fragt, betritt ein Minenfeld. Es wird berichtet, dass selbst in kirchlichen Pressestellen Mitarbeiter immer wieder ängstlich gewarnt werden: Bloß keine Medienkritik! Bloß keine Medienschelte!

BILD: Martin Lohmann spricht beim „Marsch für das Leben“ in Berlin (September 2013)

Und wer dann noch in der Themengebung gar Kritisches andeutet, indem er von Erwartungen an  –  sagen wir es konkret  –  die Journalisten spricht und Zeiten der Skandalisierung markiert, provoziert und stört. Denn dann ist Unerhörtes schon programmiert.

Denn dann wagt man sich  –  so scheint es  –  in heilige Räume neuer Unfehlbarkeit, reitet eine unerlaubte Attacke gegen eine Zunft, in der manche Vertreter sich selbst die Aura der Unantastbarkeit zu genehmigen scheinen. Doch das kann nicht wirklich abschrecken.

Und weil es so vieles von so vielen zu sagen gäbe, weil ja jeder mitzureden können glaubt, bitte ich Sie um Nachsicht: Meine Anmerkungen sind lediglich der Versuch, einige wenige Skizzen zu zeichnen. Vollständigkeit ausgeschlossen und unmöglich! Diskussion hingegen erwünscht. Und: Widerspruch gerne ebenfalls. Also:

– Was ist Qualitätsjournalismus?
– Was passiert bei einer Skandalisierung?
– Was bedeuten Wort und Bild für uns alle?
– Was können und müssen wir erwarten dürfen?

Einen Hinweis möchte ich voranstellen: Medien haben eigentlich die Aufgabe, die Primärwirklichkeit zu transportieren, abzubilden als Sekundärwirklichkeit für die Rezipienten. Und zwar so, dass sich die Empfänger ein möglichst maßstabsgetreues Bild von der abgebildeten Ertstwirklichkeit machen können.  

Und weil vielfach gilt, dass nicht im Denken und überhaupt im Bewusstsein vorkommt, was nicht in den Medien zugegen ist, sei die Frage hier nur gestellt: Was prägt heute mehr  –  die Primärwirklichkeit die Sekundärwirklichkeit oder längst umgekehrt?

Nachdem die Grenzen zwischen Boulevard und sogenannten Kopfmedien sich mehr und mehr auflösen und eine kooperative Masse im mentalen Spielfeld verkaufsträchtiger Skandalsehnsüchte zu entstehen scheint, werden die Grenzen der Definitionsversuche immer schwieriger.

By the way: Würde es nicht durch Kaufen honoriert, sähe manches anders aus. Qualität im Journalismus hat auch etwas mit den Nutzern der Medien zu tun. Auch hier gibt es so etwas wie Verantwortung.

Hehre Worte – und die Wirklichkeit?

Es ist nicht kühn zu behaupten, dass jedes Medium je nach Genre und Publikationsrhythmus sowie im Blick auf die Zielgruppen seine eigenen Qualitätsansprüche hat. Logisch. Und vermutlich wird jeder gute Verleger und erst recht jeder gute und verantwortliche Chefredakteur bei der Beschreibung „seines“ Qualitätsjournalismus von Mut und Unabhängigkeit reden.

Originalität, Verständlichkeit, Transparenz, Objektivität, handwerkliche Sauberkeit, Informationssicherheit  –  all das sind Begriffe, die man dann hören oder lesen kann. Und gelegentlich wird hier dann auch das Wort „Medienethik“ strapaziert, und wenn es ganz feierlich werden soll, fällt auch schon mal so etwas wie „Moral“ der Journalisten.

Nicht zu vergessen der Begriff der Freiheit, den manche  –  wenigstens theoretisch  –  noch mit dem Begriff der Verantwortung zu verbinden wissen. Und selbstverständlich verweist man gelegentlich darauf, dass guter Journalismus beides kann: möglichst objektiv zu informieren und möglichst subjektiv zu kommentieren. Aber eben sauber getrennt.

Ob Verleger, Politiker, Theologieprofessor, Bischof oder Publizist: Immer wieder wird die Notwendigkeit und auch die Wichtigkeit der aufklärenden Funktion der Medien betont.

Wenn ich jetzt, nachdem wir die Fälle Mixa, Limburg und Wulff hinter uns haben, eher zufällig das Wort Fairness vergessen habe, dann ist das vielleicht ein beabsichtigter Zufall.

Die Schnelligkeit des Internet und seine Tücken

Es ist halt alles etwas komplizierter geworden, wenn durch das Internet in einer nie dagewesenen Schnelligkeit jeder gleichsam journalistisch tätig werden kann und dank dieses Mediums innerhalb von Minuten falsche Informationen um die Welt sausen  –  ohne dass jemand Zeit oder Neigung hatte, die Richtigkeit zu prüfen.

Die Badewanne eines Bischofs erhält dann einen Wahrheitswert jenseits aller Recherche bis auf die andere Seite des Globus. Aber: So eine „Nachricht“ passt dann wunderbar in vorbereitete und verbreitete Klischees  –  und erst recht in die Regieanweisungen des Skandalstückes für einen „Protzbischof“, den man vor allem wegen seiner theologischen Ausrichtung loswerden wollte.

Foto: PdV

Foto: PdV

Die Monopolstellung des Agenda-Settings haben die Leitmedien durch das Internet und die immer aktiver werden Blogs verloren. Skandale entstehen auch durch den Auftritt des einzelnen, die neue Macht des reizbaren Amateurs, des empörten Journalismus-Laien.

Und auf den greifen dann Journalisten unter Zeit- und Gelddruck  –  ein nicht zu unterschätzender Aspekt  –  mehr und mehr unkritisch zurück. Eine wahrlich bedenkliche Entwicklung. Es kommt also  –  wie auch früher, jetzt aber umso wirksamer   –  darauf an, ob der einzelne ein Koordinatensystem der Freiheit in Verantwortung und der Verantwortung in Freiheit beherrscht, ob er noch weiß, dass es neben richtig und falsch auch gut und böse gibt.

Es kommt darauf an, ob er noch ein Menschenbild kennt und umsetzt in seiner Arbeit, das von Respekt und Fairness gekennzeichnet ist. Es kommt darauf an, ob die Würde des einzelnen noch eine Chance hat – oder nicht, weil sie als störend empfunden wird im vielfach ausschließlich BWL-gesteuerten Weltbild heutiger Manager.

Fakten zur Causa „Kölner Klinik-Skandal“

Da macht es jetzt Freude oder Kummer, auf einige Beispiele hinzuweisen, um zu sehen, wie eine Skandalisierung erreicht wird und was journalistisch dabei passiert. Beginnen wir bei dem Kölner Klinik-Skandal, der als Medienkampagne längst dokumentiert ist und bis weit über den Auftritt eines heutigen Referenten zur Pille danach in einer ARD-Talksendung reicht. Nachzulesen ist übrigens die komplette Doku auf kath.net vom 14. Januar 2014. Die Fakten, dort entnommen, im Schnelldurchgang: images

Am 16. Dezember 2012 wurde eine vermutlich vergewaltigte Frau in einer Kölner Notfallambulanz erstbetreut. Die diensthabende Ärztin stellte ihr nach Notfall-Erstversorgung und Beratung ein Rezept für die ‚Pille danach’ aus. Anschließend suchte sie telefonisch nach einem Krankenhaus, wo eine gerichtsverwertbare Spuren-Sicherung vorgenommen werden könnte.

Es gibt seit Sommer 2012 in Köln fünf Kliniken, in denen die heute übliche forensische Untersuchungen zur sogenannten „Anonyme Spuren-Sicherung“ (ASS) vorgenommen werden. Bei solchen gynäkologischen ASS-Untersuchungen werden alle medizinisch-kriminologisch relevanten Daten dokumentiert und archiviert, ohne dass das Opfer sofort Anzeige erstatten muss.

Da der Betreiber des ASS-Netzwerkes, der Verein „Frauen gegen Gewalt“, verlangt, dass die entsprechenden Krankenhäuser auch die Abtreibungspille danach verschreiben, mussten die beiden kirchlichen Häuser Vinzenz-Hospital und Hl. Geist im Sommer 2012 die Spurensicherungs-Praxis aufgeben. Die ASS-Untersuchungssets wurden aus den beiden Krankenhäusern abgeholt.

Die beiden kirchlichen Kliniken haben am 7. November 2012 eine Richtlinie verabschiedet, nach der alle Präparate mit abtreibender Wirkung, zu der auch die ‚Pille danach’ gerechnet wird, nicht verabreicht werden dürfen, da der Mensch von Anfang an ein Recht auf Lebensschutz habe. Alle anderen Heilbehandlungen und medizinischen Untersuchungen werden gewährleistet. Unter dem Prinzip der „Autonomie“ sollen Patientinnen nach Wunsch auch zur ‚Pille danach’ beraten werden, aber sie wird eben nicht verschrieben.

Kampagne zugunsten der „Pille danach“

Was dann passierte, war ein Gemisch aus Halbwahrheiten und antikirchlichen Vermutungen, die nachzulesen ich Ihnen sehr ans Herz lege. Zunächst traten „besorgte“ Beobachter in einem Lokalfenster des öffentlich-rechtlichen Fernsehens auf. Das Thema begann, sich zu entwickeln. Denn obwohl oder gerade weil sich die Verantwortlichen in den katholischen Kliniken korrekt verhalten hatten, fehlte ja lange der Skandal. Man brauchte also eine Dynamisierung. Jetzt begann genau diese. Wasser-008-2-4-2

Nebenbei: Könnte es einen Zusammenhang mit der Tatsache geben, dass jetzt, nachdem man die Kirche vorführte und diese sich auch vorführen ließ, ein Mordsgeschäft mit der seither viel mehr verkauften ,Pille danach’ entstanden ist  –  worauf Hildegard Stausberg in der „Welt“ am 22. Januar 2014 hinwies?

Zitat: „Die Pille danach kommt so leicht wie ein Smartie daher.“  – Dieses Ziel wurde mit der Medienkampagne und unter Missbrauch der Kirche und ihrer Hirten genial erreicht.

Der Kölner Stadtanzeiger löste dann, weil die gewollte Empörung sich ja zunächst nicht einstellen wollte, eine erste Medienwelle im Blätterwald aus und publizierte am 16. Januar 2013 einen skandalisierenden Artikel. Der Beitrag stützte sich allein auf die subjektive Sicht und Bewertung der behandelnden Notfallärztin.

Recherche? Gegenchecken? Überprüfen? Vermeintlich Beschuldigte befragen? Fehlanzeige. Das hätte ja den ganzen Skandal verunmöglicht.

Dabei war aber schon die  –  faktisch schlichtweg falsche  –  Überschrift hilfreich: „Kirche setzt Ärzte unter Druck“.

Es wurde dann überall fleißig abgeschrieben  –  weil es so schön passte. Und allein schon in den Überschriften weiter skandalisiert im angeblichen Hilfe-Verweigerungsdrama:
„Katholische Krankenhäuser lehnen Vergewaltigungsopfer ab“ (Tagesspiegel’ am 17. 1.);
„Katholische Ärzte weisen Vergewaltigte ab“  (Mitteldeutsche Zeitung)

Fehlte nur noch das Qualitätsmedium SPIEGEL mit einer weiteren Drama-Drehung nach oben: „Abweisung in Gottes Namen“.


Jetzt war der Skandal wirklich da. Sekundiert wurden all diese Skandalisierungsstufen von erwiesenen Nichtwissern, die sich ohne Kenntnis kenntnisreich zu Wort meldeten  –  und ungeprüft und unergänzt durch journalistische Helfershelfer veröffentlicht wurden.

Kesseltreiben gegen die kath. Kirche

Auf das gnadenlose TV-Tribunal gegen die Kirche in der Sendung ‚Günther Jauch’ will ich nur kurz eingehen, weil ich mittendrin war und live und persönlich erlebte, dass das Urteil für den alles andere als fairen und unparteiischen Moderator bereits feststand und meine Faktenbeiträge nichts als störten. Vor allem aber meine logischen Fragen, ob es denn tatsächlich eine ,Pille danach’ gebe, die nur die Befruchtung verhindere, auf keinen Fall aber abtreibe. baby

Doch eine echte Diskussion, eine wirkliche Suche nach Klarheit war ja nicht gewollt  –  weil man das Urteil längst gesprochen hatte. Mit Qualitätsjournalismus hatte das nichts mehr zu tun. Es verstieß auch gegen die ARD-Richtlinien, in denen Journalisten zu einer „unabhängigen Berichterstattung in Ausgewogenheit und Unparteilichkeit verpflichtet“ werden.

Fairness und Anstand aber erwiesen sich als geradezu störend in dieser Sendung, in der alle die Kirche „entlastenden“ Fakten, die inzwischen hinlänglich bekannt waren, verschwiegen wurden und unter Strafe  –  siehe Gast Lohmann  –  nicht gesagt werden sollten, während alle Klischees und Falschheiten perpetuiert wurden.

Papst Franziskus klagt Desinformation an

Papst Franziskus scheint das nicht zu passen. Er warnte jetzt vor Werteverfall und Qualitätsverlust in den Medien. Desinformation, Verleumdung und Rufmord seien ihre „drei größten Sünden“.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Die größte Gefahr gehe hierbei von der Desinformation aus.

Verleumdung und Rufmord seien zwar „Todsünden“, so Franziskus. Grundsätzlich könnten sie jedoch von Mediennutzern als unsachgemäße Information erkannt werden.

Desinformation heiße hingegen, nur die halbe Wahrheit zu sagen. Dadurch sei es für Fernsehzuschauer und Radiohörer unmöglich, sich ein ausgewogenes Urteil zu bilden. Vor allem die großen Sender behandelten wichtige Themen oft ohne „den gebotenen Respekt für die betreffenden Personen und Werte“.

Franziskus beschrieb das „mediale Ökosystem“ als bedroht durch eine Art von „Umweltverschmutzung“: „Leider haben sich die Leute daran gewöhnt, durch das Radio und das Fernsehen verschmutzte Luft einzuatmen, die nicht gut tut“, so der Papst. Katholische Medien müssten hingegen erste recht anders sein und den Menschen „Sauerstoff für Geist und Seele“ geben. Dafür sei neben handwerklicher Professionalität auch eine Haltung nötig, die im anderen den Nächsten sehe.

Attacken gegen die Bischöfe Mixa und TvE

Wurde das bei Walter Mixa eingehalten? Wohl kaum. Haben wir irgendwo gelesen, und zwar in selber Schlagzeilengröße, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und rufschädigenden Vermutungen sich als haltlos erwiesen haben?

Aber: Warum sollte man das auch noch lesen müssen, nachdem der unbequeme Bischof, der zum Beispiel so konsequent an der kirchlichen Ehelehre festhielt und die Wahrheit von der Unantastbarkeit des Lebens von seiner Zeugung bis zum natürlichen Tod verkündete, „erfolgreich“ entsorgt hatte? bildma1

Oder der frühere Bischof von Limburg  –   hatte er noch eine wenigstens kleine Chance, als Mensch und Person wahrgenommen zu werden, nachdem er doch so praktisch mit dem allein bestimmenden Schimpfwort des „Protzbischofs“ überzogen worden war?

Moderne mediale Scheiterhaufen unterscheiden sich da in keiner Weise von den mittelalterlichen, deren Flammen eben auch keinen Unterschied machten und nichts auswählten. Der ganze Mensch musste verbrannt werden. Das ist heute wohl nicht anders. Nur perfider.

Damit Sie mich richtig verstehen: TvE hat viele Fehler gemacht und zu verantworten. Aber diese Fehler allein machten und machen ihn doch nicht aus. Und dass viele seiner Fehler falsch waren und falsch veröffentlicht wurden, konnte man im Faktencheck-Limburg nachlesen. Doch: Wen interessiert das noch?!

Ein Kollege vom Deutschlandfunk kann berichten, was passiert, wenn man im Interview zu differenzieren versuchte in Sachen TvE. Der Hinweis darauf, dass es eben AUCH ein Fehlverhalten der Medien gab, führte prompt zu der Schlagzeile, man sehe TvE ausschließlich als Opfer einer Medienkampagne.

Das war zwar nicht behauptet worden, aber es passte so schön, weil der Gesprächspartner und Journalistenkollege sich halt stets geweigert hatte, ins plumpe Prügelteam einzusteigen. Da gilt wohl, was jemand in Facebook kommentierte:

„Es ist ein Phänomen in dieser Zunft, dass man eine Mission erfüllen will und dabei die Objektivität aus dem Auge verliert. Das nennt sich dann „kreativer Journalismus“. Der Pressekodex hängt da nur noch kleingeschnitten neben dem WC.“

Causa Limburg: „Gezielte Medienkampagne“

Der Kommunikationsforscher Mathias Kepplinger sprach gar von einer „gezielten Medienkampagne“ und einer „nicht geringen Mitverantwortung“ in der Medienberichterstattung.

„Ein Teil der Medien hat zunächst versucht, die Differenzen zu Tebartz-van Elst in Glaubensfragen, etwa bei der Homo-Ehe, öffentlich gegen ihn zu thematisieren“, erklärt er gegenüber dem Medien-Magazin PRO. „Weil das missglückt ist, haben sie dann das Thema herausgepickt, auf das die Deutschen besonders sensibel reagieren: Geld.“ 1_0_745851

Ich mache mir schon Sorgen  –  wenn wir, die freiheitsliebenden und aufgeklärten Bürger nicht bald wachwerden und uns nicht einmischen. Erlauben Sie mir, dazu Josef Pieper, den großen Philosophen und Thomas-Kenner, zu zitieren.

Wort und Sprache seien das Medium, „in welchem die gemeinsame geistige Existenz insgesamt sich abspielt. Im Wort vor allem trägt mitmenschliches Dasein sich zu und demnach kann, wenn das Wort verdirbt“, so Pieper, „das Menschsein selber nicht unberührt und unversehrt bleiben. Im Wort wird Realität deutlich“, man redet, um in der Benennung etwas Wirkliches kenntlich zu machen, kenntlich für jemanden natürlich   –  und darin liegt der Mitteilungscharakter der Sprache.

Es stimmt schon, wird aber von uns Medienleuten allzu rasch übersehen oder gar vergessen: Die Würde des Menschen hat auch etwas mit der Würde des Wortes zu tun. Und schon Platon wusste, dass die Entartung der politischen Herrschaft untergründig zusammen hänge mit dem sophistischen Missbrauch des Wortes.

Die „latente Virulenz des totalitären Giftstoffes“ könne geradezu abgelesen werden am Symptom des publizistischen Missbrauchs der Sprache. Erstaunlich, was da aus alten Zeiten an Erkenntnis zu uns herüberschwappt, oder?

Missbrauch findet auch statt, wenn Zitate erfunden, zusammengeschnitten oder zerstückelt werden – und selbst in Qualitätsmedien als Zitate gekennzeichnet werden.

Das hat dann einen Wahrheitsgehalt wie es jenes zusammengestellte Zitat aus der Heiligen Schrift hätte, wobei beide Teile aus der Bibel stammen, bloß nicht an derselben Stelle: „Judas ging hin und erhängte sich. Und Jesus sprach: Geh hin und tue desgleichen.“  –  Sauberer Journalismus, so genannter Qualitätsjournalismus sieht anders aus.

Fairness  –  Sorgfalt  – Wahrheitsliebe

Fazit: Wir haben klare Erwartungen an die Journalisten. Zu ihren Herausforderungen gehören:

– Respekt vor der Menschenwürde eines jeden
– handwerkliche Sauberkeit, Sorgfalt, Recherchekompetenz a (23)
– Nonkonformismus
– Fairness
– Anstand
– Charakter
– Ethische Sensibilität
– Unabhängigkeit
– Gewissensbildung.

Journalisten, mit denen man das Wort Qualität verbinden kann, sind solche, die keine Angst haben vor
– aggressiven Lobbys c (46)
– der Gender-Ideologie
– perfiden Einschüchtungen der Mächtigen
– Unabhängigkeit in Kopf und Herz
– dem Mainstream
– Differenzierungen
– Kritik
– der Wahrheit.

Wo sind eigentlich die katholischen Journalistenschulen, an denen das alles eingeübt werden kann? Wo sind deren Absolventen, die auffallen dadurch, dass sie eben keine Mitläufer im medialen Zirkus der Zerstörung, der Respektlosigkeit und des Relativismus sind?

Wenn es früher einmal hieß, man dürfe sich als Journalist nie gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, so muss man heute laut fordern, dass sich Journalisten nie gemein machen dürfen mit einer bösen Sache oder mit bösem Vorgehen.

Wer die Würde des Menschen inklusive seines Lebensrechtes von Anfang bis Ende nicht respektiert in seinem Handeln, kann kein Journalist sein, erst recht kein guter. Und schon gar keiner mit vorgetäuschtem Anspruch auf Qualität.

Mein Lieblingszitat aus der Heiligen Schrift ist Veritas Liberabit Vos  –  die Wahrheit wird euch befreien, frei machen (Joh 8,32). Dazu passt, was Papst Franziskus am 22. März 2014 italienischen Medienvertretern sagte:

„Wahrheit, Güte und Schönheit, die drei Dinge zusammen. Eure Arbeit muss auf diesen drei Wegen stattfinden: auf dem Weg der Wahrheit, dem Weg der Güte und dem Weg der Schönheit. Aber Wahrheit, Güte und Schönheit, die beständig sind (…) Die Wahrheit, die Güte und die Schönheit, wie sie von Gott kommen und im Menschen sind. Und das ist die Aufgabe der Medien, eure Aufgabe.“

Die Wahrheit als Maßstab  –  welch ein Anspruch. Aber drunter geht es nicht. Weil es im medialen Geschäft letztlich immer um den Menschen geht, um ihn gehen sollte  –  der genau darauf einen Anspruch hat.

Unser Autor Martin Lohmann ist katholischer Publizist und Chefredakteur von K-TV sowie Vorsitzender des BVL (Bundesverband Lebenrrecht)

 


Ökumene für Lebensrecht und Ethik: Vatikan lud führende Evangelikale nach Rom ein

Evangelischer Thomaner-Chor wirkte an der Papstmesse mit

ERKLÄRUNG des evangelikalen BUCER-Instituts:

Der Vorsitzende der Theologischen Kommission der weltweiten Evangelischen Allianz, Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, sprach als einziger evangelischer Redner bei einer hochrangigen Begegnung im Vatikan zwischen Kirchenführern, Politikern und Experten auf Einladung des Dignitatis Humanae Institute (DHI).

Thema war der zunehmende Druck in westlichen Staaten auf die christliche Ethik beim Anfang und Ende menschlichen Lebens sowie in Fragen der Sexualethik. Foto1

Dr. Schirrmacher wurde begleitet von Professor Thomas K. Johnson, der die Theologische Kommission in Fragen der Menschenrechte berät.

Die Tagung fand in den Räumen der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften in den Vatikanischen Gärten statt. Teilnahmer waren u.a. 6 Kardinäle, 5 Verantwortliche von Päpstlichen Räten, 15 Minister und Parlamentsabgeordnete sowie 10 Wissenschaftler und Experten, die insgesamt aus 18 Ländern kamen.

Lebensschutz ab der Empfängnis

Schirrmacher und Johnson (siehe Foto) waren die einzigen evangelischen Experten. In seiner Eröffnungsansprache betonte der Ehrenpräsident des DHI, Kardinal Renato Raffaele Martino, der zuvor 16 Jahre Botschafter des Vatikan bei der UN gewesen war, dass überzeugte Christen aller Konfessionen dafür kämpfen müssten, dass Menschenwürde und Menschenrechte keine beliebigen Allerweltsbegriffe würden, die heute dies und morgen das bedeuteten, sondern gemäß des christlichen Ursprungs der Menschenwürde auch den Lebensschutz von der Zeugung bis zum Sterben beinhalteten. Foto4

In der Abschluss-Ansprache dankte Kardinal Raymond Leo Burke (siehe Foto), Präfekt des höchsten vatikanischen Gerichts („Apostolische Signatur“), allen Politikern, Menschenrechtsaktiven und Wissenschaftlern, die das Lebensrecht und die göttliche Stiftung von Ehe und Familie verteidigen und hochhallten.

Gebote Gottes stehen unter Beschuß

Schirrmacher betonte in seinem Beitrag, dass in der Offenbarung des Johannes Christen verfolgt würden, „weil sie Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu Christi haben“. Die ungewöhnliche Reihenfolge zeige, dass nicht zuerst das Christsein an sich, sondern die Ethik der Christen unter Beschuss stehe.

So sei in Europa und der westlichen Welt die Freiheit der Ausübung gottesdienstlicher Veranstaltungen praktisch überall gewährleistet. Wenn aber Christen das ethisch ausleben und umsetzen wollten, was sie für gut und nützlich hielten, würden sie zunehmend unter medialen, gesellschaftsdiskriminierenden und dann auch juristischen Druck kommen.

Religionsfreiheit umfasse aber nie nur den Gottesdienst in eigenen Räumen, sondern immer auch das öffentliche Eintreten für die eigenen Überzeugungen und das Leben nach den eigenen Überzeugungen aufgrund der Gewissensfreiheit.

DHI-Präsident für Ökumene mit Evangelikalen

Der Präsident des DHI, der Italiener Luca Volonté, zugleich Fraktionsvorsitzender der European People Parties in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, kündigte eine engere Zusammenarbeit mit evangelikalen Experten an. Es gäbe zu viel Gemeinsamkeiten in Fragen des Lebensrechtes und des Einsatzes gegen Christenverfolgung, als dass man aneinander vorbei arbeiten dürfe. Foto3

Abschluss der Tagung (siehe Foto) war die samstägliche Papstmesse „Petrus und Paulus“ mit ökumenischem Akzent durch eine starke Delegation des Ökumenischen Patriarchats der Orthodoxen Kirche und der erstmaligen Teilnahme eines evangelischen Chores an der Liturgie im Petersdom:

Der Leipziger Thomanerchor sang Teile von Johann Sebastian Bachs Kantate „“Jesus, meine Freude““ und wirkte zusammen mit dem katholischen ältesten Chor der Welt an der Liturgie mit.

Der Präsident des sog. Einheitssekretariats des Vatikan, Kardinal Kurt Koch, begrüßte u.a. den evangelikalen Theologen Dr. Werner Neuer, der für das Zustandekommen dieses einmaligen Ereignisses mitverantwortlich war.

Prof. Schirrmacher: „Das gab es noch nie!“

Schirrmacher kommentierte: „Es war wirklich erhebend und einmalig, die mir von klein auf vertraute Lieblingsmusik meiner Mutter, ‚“Jesus, meine Freude“‘, im Petersdom zu hören. Ein protestantischer Chor als Teil einer Papstmesse, dazu sehr freundliche Worte des Papstes zur Begrüßung, das gab es noch nie.

Es war ein gelungener Abschluss zur Tagung in der Päpstlichen Akademie mit ökumenischer Beteiligung.“

Info-Links:
Thomaner-Chor: http://www.lvz-online.de/kultur/news/leipziger-thomanerchor-singt-bei-messe-im-vatikan-papst-franziskus-bedankt-sich/r-news-a-195295.html
Tagungs-Programm: http://www.bucer.de/fileadmin/dateien/Dokumente/BQs/zu_BQ200-299/zu_BQ262/Conference_and_Irish_College_Information_Packet.pdf
Detaillierte Rednerliste: http://www.bucer.de/fileadmin/dateien/Dokumente/BQs/zu_BQ200-299/zu_BQ262/Confirmed_Speakers-1.pdf

Quelle für Text und Fotos:  http://www.bucer.org/bq.html