Medien und Kirchenveränderer verärgert über Papst Franziskus: der Wind dreht sich

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Die Anfrage der sieben Bischöfe in Rom, ob der Mehrheitsbeschluss der Deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare mit dem Glauben und der Einheit der Kirche in Einklang steht, hat in Deutschland zu erheblichen Veränderungen geführt:

Die Eucharistie und ihr Zusammenhang mit den übrigen Sakramenten ist in den Mittelpunkt gerückt worden. Die bisherige wohlwollende Berichterstattung über Papst Franziskus hat sich geändert. Die Instrumentalisierung des Papstes für kirchenpolitische Zwecke geht sowohl innerkirchlich wie seitens der Medien dem Ende zu.

BILD: Hubert Gindert leitet den Kongreß „Freude am Glauben“ und das „Forum Deutscher Katholiken“

Hatten die bisherigen „Sympathisanten“ die deutlichen Worte des Papstes, z.B. gegen Abtreibung, Genderideologie und die Existenz des Teufels überhört, so werden nun seine Aussagen zu Ehe und Familie, zur Homosexualität etc. hervorgeholt, um aufzuzeigen, dass Reformen mit Franziskus schwierig sind.

Erzbischof Charles J. Chaput hat in seinem Beitrag „Warum ein deutscher Sonderweg gefährlich wäre“ (vgl. Tagespost vom 30.5.) den engen Zusammenhang von Eucharistie mit den anderen Sakramenten in sechs Punkten verdeutlicht: „Da ist zum einen die globale Bedeutung der Kontroverse und zum anderen der lehramtliche Inhalt der Debatte. Wer wann und wo die Eucharistie empfangen darf, sind keine rein deutschen Fragen“.

Regina Einig und Guido Horst lassen im Artikel „Die Stunde der Kirchenrechtler“ (Tagespost, 14.6.) den Kirchenrechtler Christoph Ohly zu Wort kommen. Der eigentliche Streitpunkt ist die Frage des „Notstandes“, der im Kirchenrecht (Can. 844) geregelt ist.

Johannes Paul II. habe damals „in seiner eucharistischen Enzyklika bewusst von einer geistigen Notlage im Hinblick auf das Heil der Christen gesprochen und damit die bisherige Interpretation der Kirche, dass dies in Zeiten der Verfolgung oder des Gefängnisses gegeben ist, bestätigt. Die konfessionsverschiedene Ehe… würde nicht darunter gezählt, da es sich bei ihr nicht um eine Notlage handelt und die fehlende Einheit in der kirchlichen Gemeinschaft eine regelmäßige gemeinsame Kommunion ausschließt“.

„Was den Unterschied zwischen Notlage und geistlichem Bedürfnis angehe“ – das von der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz aufgeführt wird – „so ist das Bedürfnis kein Rechtsgrund, erläutert man im Vatikan“.

Die Sicht der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz nach dem Schreiben aus Rom drückt Bischof Gerhard Feige so aus: „Die Enttäuschung ist bei vielen groß. Der Schaden noch nicht abzusehen… Verbitterung und Resignation machen sich breit“, erklärte er im „Nachruf auf eine unsägliche Entwicklung“.

Kardinal Walter Kasper ist „zornig“. Er sieht einen „Loyalitätsbruch in der Kurie“. „Kardinal Marx meldet weiteren Gesprächsbedarf an“ (Konradsblatt Nr. 25/2018, S. 3). Die immer wieder vorgebrachte Dreiviertel-Mehrheit, auf die gepocht wird, zeigt, dass nicht die Frage, ob der Beschluss der Bischöfe dem Glauben und der Einheit der Kirche entspricht, im Mittelpunkt steht, sondern wie weit „Demokratie in der Kirche“ und der Relativismus in das Kircheninnere eingedrungen sind.

Jetzt wird Papst Franziskus in der säkularen Presse, die ihn bisher für ihre kirchenpolitische Zwecke instrumentalisiert hat, angegriffen.

So schreibt die Süddeutsche Zeitung: „Der Brief aus Rom zeigt: Papst Franziskus mag radikal sein, wenn es um Flüchtlinge und die Globalisierungskritik geht – in innerkirchlichen Fragen ist er viel weniger ein Reformer, als viele erhofften… So hat er gerade erst bekräftigt, dass Frauen nicht die Priesterweihe empfangen können.“

Die Frankfurter Rundschau kritisiert: „Der Papst hat sein eigenes Reformprogramm schwer, wenn nicht irreparabel beschädigt. Der erste Testfall dezentraler, an regionalen Gegebenheiten angepasster Regeln ist krachend gescheitert, die Protagonisten – allen voran Kardinal Marx als Vorsitzender der Bischofskonferenz – wurden böse desavouiert.“

Die Augsburger Allgemeine Zeitung schreibt am 15. Juni: „Priester wenden sich gegen Vatikan – Geistliche aus dem Bistum für Kommunion auch für Protestanten“. 58 Mitglieder der Priesterinitiative der Diözese Augsburg erklären: „Es schmerzt uns, dass diese Chance durch unsägliche Querelen und durch ein völlig unvermitteltes Nein aus Rom zunichte gemacht wurde.“

In der gleichen Zeitung lautet am 18.6. eine Überschrift: „Familien nur mit Mann und Frau – der Papst schließt Homosexuelle aus“.

Jetzt, wo sich zeigt, dass Papst Franziskus auf die Wünsche der Kirchenveränderer nicht eingeht, wird er zum Gegenstand von Kritik. Der Wind dreht sich.

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Wichtige Gründe für die Mundkommunion

Von Dr. Markus Büning

Die Krise unserer Kirche ist zutiefst eine dreifache: Sie ist eine eucharistische, eine marianische und eine römische. Immer dann, wenn die großen „drei weißen Lieben“ (hl. Johannes Don Bosco) vernachlässigt werden, kommt es zu einer empfindlichen Störung des kirchlichen Lebens.

Das Altarsakrament, die Gottesmutter und das Papsttum sind nämlich die drei Merkmale des Katholizismus, die ihm sein originäres Gepräge geben. Wird eines dieser Dimensionen im Vollzug des kirchlichen Lebens vernachlässigt, wird das Katholischsein im Kern getroffen.

Schauen wir nochmals auf die Frage der eucharistischen Krise: Hierbei möchte ich besonders den Blick auf die Form der Kommunionausteilung richten.

Eines vorweg: Natürlich gibt es und gab es immer auch Katholiken, die mit vollem Glauben an die Gegenwart des HERRN und in großer Ehrfurcht mit der Hand die Kommunion empfangen. Das stelle ich nicht in Abrede.

Aber es ist inzwischen Fakt, dass in vielen Kirchengemeinden ein Zustand aufgekommen ist, der untragbar ist. Viele gehen zum Tisch des HERRN, die nicht richtig disponiert sind. Insbesondere bei den Anlässen einer Eheschließung und einer Beerdigung berichten  mir immer wieder Priester, wie ratlos sie gegenüber den Menschen sind, die offenkundig gar nicht mehr wissen, wen sie empfangen.

Dann gibt es das noch gravierendere Problem, dass die konsekrierte Hostie mit in die Bank genommen wird. Und immer und immer wieder musste ich mit ansehen, wie Hostien mangels Gebrauch der Patene, die übrigens nach wie vor auch bei der Austeilung der Handkommunion vorgeschrieben ist, auf die Erde fallen.

Alles in allem: Wir haben es durchweg mit dem Missstand einer unsäglichen Profanierung der Kommunionausteilung zu tun, die dazu führt, dass die Ehrfurcht vor dem Altarsakrament und der sorgsame Umgang mit den Partikeln  – den kleinsten Hostienteilchen  –  immer und immer mehr schwindet.

Der hl. Papst Johannes Paul II. hat am Ende seines Pontifikates mehrmals auf diese Missstände hingewiesen und klare liturgische Normen erlassen, die in der Rechtswirklichkeit unserer Diözesen offenbar bis heute nicht zur Kenntnis genommen werden.

Demnach ist es sogar so, dass im Falle der Profanierung wieder grundsätzlich  zur Praxis der Mundkommunion zurückzukehren ist. Hier der Text aus der Instruktion „Redemptionis Sacramentum“:

„92. Obwohl jeder Gläubige immer das Recht hat, nach seiner Wahl die heilige Kommunion mit dem Mund zu empfangen, soll in den Gebieten, wo es die Bischofskonferenz erlaubt und der Apostolische Stuhl rekognosziert hat, auch demjenigen die heilige Hostie ausgeteilt werden, der das Sakrament mit der Hand empfangen möchte. Man soll aber sorgfältig darauf achten, dass der Kommunikant die Hostie sofort vor dem Spender konsumiert, damit niemand mit den eucharistischen Gestalten in der Hand weggeht. Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion den Gläubigen nicht auf die Hand gegeben werden. 

  1. Es ist notwendig, die kleine Patene für die Kommunion der Gläubigen beizuhalten, um die Gefahr zu vermeiden, dass die heilige Hostie oder einzelne Fragmente auf den Boden fallen.[1]

Meines Erachtens haben wir es hier inzwischen mit einer generellen Profanierungstendenz zu tun. Dies war unter Papst Benedikt XVI. offenkundig auch der Grund, dass der damalige Papst in seiner römischen Diözese wieder generell zur Praxis der Mundkommunion zurückgekehrt ist.

Zumindest haben die Bischöfe endlich dafür Sorge zu tragen, dass wegen des permanenten Partikelverlustes die grundsätzlich vorgeschriebene Kommunionpatene benutzt wird. In welch einer deutschen Domkirche wird das noch angewandt? Ich denke: in keiner. Das ist ein Desaster und ein schlimmer Ungehorsam gegenüber dem Petrusamt.

Hier sehen wir wieder, wie eng die eingangs beschriebenen Krisen zusammenhängen. Die eucharistische Krise ist hierzulande auch zutiefst eine antirömische.

Erst jüngst forderte der oberste Liturgiewächter unserer Kirche, Kardinal Robert Sarah, die Gläubigen wieder zum Empfang der Mundkommunion auf, weil die Handkommunion einen Mangel an Ehrerbietung gegenüber den Zeichen Gottes darstellt.

Der vatikanische Würdenträger erinnert sich hier besonders an den heiligen Papst Johannes Paul II. (1920 – 2005): Dieser habe „es sich nie erlaubt, vor dem Allerheiligsten zu sitzen“. Selbst im hohen Alter und gezeichnet von schweren Krankheiten habe er „sich immer gezwungen, zu knien“.

Auch die heilige Mutter Teresa von Kalkutta (1910 – 1997) gebe ein Beispiel an Ehrerbietung vor der Eucharistie. Die Ordensfrau habe zwar „jeden Tag das ‚Fleisch‘ Christi in den geschundenen und leidenden Körpern der Ärmsten der Armen“ berührt. Zugleich habe sie es stets abgelehnt, den sakramentalen Leib Christi anzufassen, so Sarah.

Folgende Argumente führte der Kardinal zudem für die Mundkommunion an: So sei diese Praxis, die sich in der langen Tradition der Kirche herausgebildet habe, ein Zeichen „des kindlichen Respekts und der Anbetung“. Unter Verweis auf das Gebet Jesu im Garten Getsemani (vgl. Mt 26,39) schreibt Sarah, dass selbst der Sohn Gottes zum Gebet auf die Knie gegangen sei.

Außerdem dürfe die Eucharistie nicht gegessen werden wie gewöhnliches Brot, da sie „das Heilige par excellence“ enthalte. Laut dem Kardinal hatte schon Papst Pius X. (1903 – 1914) die Unterscheidung des eucharistischen vom gewöhnlichen Brot zur Mindestvoraussetzung des Kommunionempfangs erklärt. Diese sei demnach vor allem Kindern vor der Erstkommunion nahezubringen, erklärt Sarah: „Wenn ein Kind die Eucharistie empfängt wie es Süßigkeiten von seiner Mutter empfängt, welchen Sinn für das Heilige kann es dann haben?“ [2]

Erst wenn wir wieder demütiger gegenüber dem großen Geheimnis des HERRN im Sakrament werden, können wir hoffen, dass die Kirche gesundet. Denn eines liegt wirklich auf der Hand: Wenn alle Katholiken wieder mit großer Ehrfurcht den HERRN mit dem Mund und  –  wenn möglich  –  auf Knien empfangen, zeigen wir auch vor den Augen der Welt, was hier wirklich vor sich geht: ES IST DER HERR!

Mögen wir endlich wieder zu dieser bewährten Praxis des Kommunionempfangs zurückkehren.

Anmerkungen:
[1] Zit nach URL: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/ccdds/documents/rc_con_ccdds_doc_20040423_redemptionis-sacramentum_ge.html
[2] Vgl. hierzu URL http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kardinal-sarah-fordert-mundkommunion-auf-knien


Das Herz Jesu und die Eucharistie im Denken der seligen Maria Droste zu Vischering

Von Dr. Markus Büning

Heute feiert die Kirche ein Hochfest, welches leider in den meisten Pfarrgemeinden unserer Bistümer ein Schattendasein führt: Das Herz-Jesu-Hochfest.

Ein Grund dafür ist sicher auch die eucharistische Krise der Gegenwartskirche. Umso mehr sollten wir der Frage nachgehen, wie sehr die Herz-Jesu-Verehrung und die Eucharistie in einem Zusammenhang stehen.

Hierfür ist uns besonders die selige Maria Droste zu Vischering aus dem Münsterland ein wichtiger Impulsgeber. Es fügt sich in diesem Jahr gut, dass das Herz-Jesu-Hochfest und ihr Gedenktag auf den Tag genau zusammenfallen.

All dies sind Gründe genug, sich dieses Themas heute besonders anzunehmen.

Die selige Maria Droste betont immer und immer wieder unlösbare Einheit von Herz-Jesu-Verehrung und Eucharistie. Sie spricht hier zu Recht von einer „Untrennbarkeit“, da ja das Herz Jesu selbst als Teil des Herrenleibes in der Eucharistie gegenwärtig ist:

„Ich betete in der Kapelle am Morgen des Herz-Jesu-Festes vor jenem Bild, das ich schon als Kind so sehr liebte. (…) Das allerheiligste Sakrament war ausgesetzt. Das Herz-Jesu-Bild inmitten von Blumen und Kerzen stand so nahe am Altare an der Evangelienseite, daß ich, wenn ich vor diesem Bilde betete, mit demselben Blicke auch die heilige Hostie in der Monstranz sah. Ich sage dieses, weil ich ja schon anfangs erklärte, daß ich niemals das heiligste Herz Jesu von der heiligen Eucharistie trennen konnte; denn hier ist wahrhaftig jenes heiligste Herz gegenwärtig als Teil des kostbaren Leibes des Herrn. Das Bild stellte den leiblichen Augen dar, was der Glaube den Augen der Seele zeigte, und mein Herz war entzündet von den Flammen der göttlichen Liebe.“[1]

Hier steht sie ganz in der Tradition des Herz-Jesu Kultes der Kirche, der immer zugleich auch eucharistischer Kult ist. Papst Pius XII. förderte diese Frömmigkeitsform in der Enzyklika „Haurietis aquas“ vom 15. Mai 1956 mit folgenden Worten: „Es wird auch nicht leicht sein, die Kraft der Liebe zu erfassen, mit der Christus selbst sich uns zur geistigen Nahrung gab, wenn nicht in der besonderen Pflege der eucharistischen Herz-Jesu-Verehrung, (…).“[2]

Schon als Kind und Jugendliche schmückte die selige Maria in ihrer westfälischen Heimatgemeinde Darfeld den Altar für das vierzigstündige Gebet hat. Die eucharistische Anbetung war ein Kernstück der Spiritualität der Seligen.

Wie sieht es heute in den Kirchengemeinden mit der eucharistischen Anbetung aus? Ist bei den Gläubigen noch das Bewusstsein vorhanden, wie wesentlich die eucharistische Anbetung für das Leben der Kirche ist?

In der Nachkonzilszeit wurde nicht selten die eucharistische Anbetung zugunsten der Feier der Eucharistie in den Hintergrund gedrängt. Das Konzilsdokument über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ betont allerdings in Nr. 33 klar und deutlich, dass die heilige Liturgie „vor allem Anbetung der göttlichen Majestät ist“[3].

In vielen Kirchengemeinden gibt es bereits keinerlei Anbetungsstunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten mehr. Immer seltener findet sich in den Kirchengemeinden noch der Brauch, am Vorabend des Herz-Jesu-Freitags die Anbetungsstunde vor dem Sakrament zu halten. Selbst die althergebrachte Übung des vierzigstündigen Gebetes verschwindet zunehmend in der Glaubenspraxis unserer Kirchengemeinden.

Der innere Zusammenhang von Eucharistiefeier und Anbetung des Allerheiligsten wird nicht mehr genügend wahrgenommen. Wegen der zuvor festgehaltenen Untrennbarkeit von Herz-Jesu-Verehrung und eucharistischer Anbetung muss man leider sagen, dass eine Krise der eucharistischen Anbetung immer auch eine Krise des Herz-Jesu-Kultes ist und umgekehrt.

Papst Benedikt XVI. geht in seinem nachsynodalen apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ von 2007 auf diese Fehlentwicklung ein und betont ihr gegenüber wieder ausdrücklich den Wert der eucharistischen Anbetung außerhalb der Messfeier: 

„Ein damals verbreiteter Einwand ging zum Beispiel von der Bemerkung aus, das eucharistische Brot sei uns nicht zum Anschauen, sondern zum Essen gegeben. In Wirklichkeit erwies sich diese alternative Gegenüberstellung im Licht der Gebetserfahrung der Kirche als gänzlich unfundiert. (…) In der Eucharistie kommt uns ja der Sohn Gottes entgegen und möchte sich mit uns vereinigen; die eucharistische Anbetung ist nichts anderes als die natürliche Entfaltung der Eucharistiefeier, die in sich selbst der größte Anbetungsakt der Kirche ist. (…) Der Akt der Anbetung außerhalb der heiligen Messe verlängert und intensiviert, was in der liturgischen Feier selbst getan wurde.“[4]

Dementsprechend empfiehlt Papst Benedikt XVI. der gesamten Weltkirche, die eucharistische Anbetung außerhalb der Messfeier wieder aufzunehmen und intensiv zu pflegen:

„Gemeinsam mit der Synodenversammlung empfehle ich darum den Hirten der Kirche und dem Gottesvolk von Herzen die eucharistische Anbetung, sei es allein oder in Gemeinschaft. (…) Im Bereich des Möglichen sollten dann vor allem in den bevölkerungsreicheren Gebieten Kirchen oder Oratorien bestimmt und eigens für die ewige Anbetung bereitgestellt werden.“[5]

Schon der heilige Papst Johannes Paul II. hat den großen Wert der eucharistischen Anbetung festgestellt und ein bewegendes persönliches Zeugnis für sie abgelegt:

„Der Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche. Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten, die nach der Messe aufbewahrt werden – eine Gegenwart, die so lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben –, kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale und die geistliche Kommunion vor.

Es obliegt den Hirten, zur Pflege des eucharistischen Kultes zu ermutigen, auch durch ihr persönliches Zeugnis, insbesondere zur Aussetzung des Allerheiligsten sowie zum anbetenden Verweilen vor Christus, der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtig ist. Es ist schön, bei ihm zu verweilen und wie der Lieblingsjünger, der sich an seine Brust lehnte (vgl. Joh 13, 25), von der unendlichen Liebe seines Herzens berührt zu werden. Wenn sich das Christentum in unserer Zeit vor allem durch die »Kunst des Gebetes« auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch, in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist? Wie oft, meine lieben Brüder und Schwestern, habe ich diese Erfahrung gemacht, und daraus Kraft, Trost und Stärkung geschöpft!“[6]

Welch ein gewaltiges Glaubenszeugnis dieses heiligen Papstes. Auch dieser Mystiker stellt hier die Verbindung der eucharistischen Anbetung mit dem Herz-Jesu-Kult deutlich heraus. Bei der Anbetung geht es letztlich um das Berührtwerden von der unendlichen Liebe des Herzens Jesu, ja hier kann man seinen Herzschlag hören und so sich hineinnehmen lassen in die Frequenz dieses Herzschlages.

Suchen wir, wenn möglich noch heute, den Tabernakel auf und bitten vor dem Herrn im Sakrament mit der Seligen des Tages zusammen: „Heiligstes Herz Jesu, bilde unser Herz nach Deinem Herzen!“

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Herz-Jesu-Hochfest.

Anmerkungen:
[1] L. Chasle, Selige Schwester Maria vom Göttlichen Herzen Droste zu Vischering. Ordensfrau vom Guten Hirten, 9. Aufl., Freiburg im Breisgau 1929, hier im Nachdruck 1. Aufl., Wangen i. Allg. 1995, S. 40.
[2]Nr. 121, zit. nach ULR http://www.vatican.va/holy_father/pius_xii/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_15051956_haurietis-aquas_ge.html.
[3] Zit. nach K. Rahner, H. Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium, 18. Aufl., Freiburg 1985, S. 62.
[4]Nr. 66, zit. nach: ULR http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/apost_exhortations/documents/hf_ben-xvi_exh_20070222_sacramentum-caritatis_ge.html.
[5] Ebd., Nr. 67.
[6]Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ 2003, Nr. 25, zit. nach: ULR http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/encyclicals/documents/hf_jp-ii_enc_20030417_eccl-de-euch_ge.html.


Das Vatikanwort zur Interkommunion bietet keinen Grund zum Jubeln

Von Dr. Markus Büning

Die Nachricht ist kaum über den digitalen „Äther“ in alle Welt hinausgegangen und schon findet sich weitgehend ein großer Jubel über das vorläufige „Nein!“ Roms zur Interkommunion-Bestrebung des Marxschen Mehrheitsflügels der Deutschen Bischofskonferenz  –  wozu übrigens auch der Münsteraner Bischof Genn gehört –  in den Diskussionsforen.

Die Redaktion von kath.net titelt in nahezu euphorischer Stimmung: „Knalleffekt: Vatikan lehnt erneut DBK-Inter-kommunionshandreichung ab!“ (vgl. http://www.kath.net/news/64005).

Meines Erachtens besteht hier überhaupt kein Grund zum Jubel. Die im Schreiben Roms angeführten Gründe sind nämlich im Kern theologisch nahezu ohne klare Aussage, da in der Form vager Andeutungen abgefasst. Man zieht sich auf mehr formelle und rein kanonische Gründe zurück.

Zudem wird ja nun offenkundig auf weltkirchlicher Ebene versucht, entsprechende Regelungen auf den Weg zu bringen. Es bleibt demnach bei einer großen Unsicherheit!

Im Schreiben des Präfekten der Glaubenskongregation heißt es wie folgt:

„Der Heilige Vater ist daher zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht reif zur Veröffentlichung ist. Die wesentlichen Gründe für diese Entscheidung können wie folgt zusammengefasst werden: Die Frage der Zulassung von evangelischen Christen in interkonfessionellen Ehen ist ein Thema, das den Glauben der Kirche berührt und eine Bedeutung für die Universalkirche hat. Diese Frage hat auch Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die nicht zu unterschätzen sind.

Das Thema betrifft das Recht der Kirche, vor allem die Interpretation von Kanon 844. Weil es in manchen Teilen der Kirche offene Fragen über diesen Punkt gibt, sind die zuständigen Dikasterien des Heiligen Stuhls bereits beauftragt, eine baldige Klärung dieser Fragen auf universalkirchlicher Ebene herbeizuführen. Insbesondere erscheint es angebracht, dem Diözesanbischof das Urteil über die Existenz einer ‚drängenden schweren Notlage‘ zu überlassen.“  (Quelle: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/papst-gegen-veroffentlichung-von-handreichung).

Dabei ist die Sache doch ganz klar: Eucharistiegemeinschaft setzt Glaubensgemeinschaft voraus. Hinsichtlich der Konfessionen der Reformation besteht diese bezüglich des Altarsakramentes nicht, da dort die Notwendigkeit des apostolischen Amtes für die Gültigkeit der Eucharistie abgelehnt wird.

Das soll heißen: Ein Protestant, egal welcher Provenienz, kann nicht zu Eucharistie gehen. Es fehlt der gemeinsame Glaube an die Transsubstantiation – also an die Wesensverwandlung –  und die hierfür benötigte apostolische Sukzession des Amtsträgers.

Anders kann dies im Notfall, insbesondere bei Lebensgefahr, bei denjenigen Christen aussehen, die das priesterliche Amt anerkennen und an die wirkliche Gegenwart Christi im Altarsakrament glauben. Hier haben wir vor allem die Orthodoxen im Blick.

Will ein Protestant zur Eucharistie gehen, dann muss er zuvor katholisch werden. Er muss dann auch die Sichtbarkeit der Kirche, das Petrusamt und die Verehrung der Gottesmutter und aller Heiligen anerkennen. Alles andere wäre unaufrichtig und verlogen.

Rom hätte mit einem klar begründeten Bescheid dieser Verwirrung ein Ende setzen können, die seit Jahrzehnten die Kirche hier vor Ort erschüttert. Ja, wir haben eine eucharistische Krise! Und genau diese Krise ist es, die die Marxsche Front dazu verleitet hat, in diese Richtung einer unreflektierten Interkommunion mit Protestanten zu votieren.

Im Folgenden möchte ich einige Punkte hervorheben, die dafür gesorgt haben, dass die Würde des Altarsakramentes immer mehr verletzt wird. Rom, ja insbesondere der Papst, muss dafür Sorge tragen, dass diese Umstände wieder korrigiert, wenn nicht gar beseitigt werden:

Die Einführung der Handkommunion

Meines Erachtens ist die Einführung der Handkommunion die Hauptursache dafür gewesen, dass bei vielen Katholiken die Ehrfurcht vor dem Sakrament geschwunden ist. Es ist nun mal etwas grundlegend anderes, wenn man sich hinkniet und sich von dem in persona Christi handelnden Priester wie ein Kleinkind die konsekrierte Hostie auf die Zunge legen lässt oder ob man diese – wie jede andere profane Nahrung – stehend in die Hand nimmt und sich selbst zuführt.

Hinzu kommt die permanente Gefahr des Partikelverlustes. Zudem habe ich es selbst schon mehrmals gesehen, dass Menschen das Allerheiligste eben nicht empfingen, sondern mit in die Bank nahmen. Gott weiß, was dann mit dem Sakrament passierte? Die Tatsache, dass man konsekrierte Hostien im Internet ersteigern kann, zeigt überdeutlich an, wie weit der Greul hier geht.

Die eucharistische Dezentralisierung

Ein weiterer Punkt des Ehrfurchtsverlustes ist die eucharistische Dezentralisierung. Die Gestaltung der Gotteshäuser nach dem Konzil war eine Fehlentwicklung, die rückgängig gemacht werden muss. Wo ist denn der Tabernakel? Diese Frage muss man sich in vielen Kirchen inzwischen stellen. Der Tabernakel steht vielfach in irgendwelchen Seitenkapellen oder Krypten. Ja, man weiß gar oft nicht mehr, ob der HERR überhaupt noch zugegen ist. Das alles kann nicht so bleiben.

Wenn uns wirklich der HERR im Sakrament begegnet, dann müssen wir ihm auch in seinem Haus einen zentralen Ehrenplatz geben. Der HERR gehört ins Zentrum und eben nicht die Priestersitze oder Schautafeln mit den Fotos der Erstkommunionkinder. Wir müssen endlich wieder von unserer Anthropozentrik zur Christozentrik zurückfinden.

Das eucharistische Sprachproblem

Sodann haben wir ein Sprachproblem  – bis in die liturgischen Bücher hinein! Da ist dann die Rede vom „heiligen Brot“ oder von der „geweihten Hostie“. Nein, so dürfen wir über das Altarsakrament nicht reden. Die Sprache verrät uns, sagt alles über unsere Gesinnung. Wenn wir nicht wieder anfangen, hier die Worte richtig zu setzen, dann wird der Glaube an den HERRN im Sakrament noch mehr schwinden. Nein, wir haben es hier mit dem wahren Leib des HERRN zu tun. Es ist die konsekrierte, verwandelte Hostie. Es ist das Brot des Lebens, Christus selbst, der sich zur Nahrung gibt.

Völlig unzureichende Kommunionkatechese

Schon zu meiner Kommunionvorbereitungszeit (1974!) waren die Materialien zur Kommunionvorbereitung derart verflacht, dass es ein Wunder ist, dass ich überhaupt eine eucharistische Frömmigkeit entwickeln konnte. Schon damals war davon die Rede, dass wir zu einem Mahl eingeladen sind. Dieses sei allerdings ein besonderes, ähnlich wie das Festmahl bei einer Hochzeit. Vom Opfercharakter der Messe war in keiner einzigen Stunde die Rede. Mahl, Mahl und wieder mal das Mahl!

Hätte ich nicht meinen Großvater, der selber Religionslehrer und Katechet war, gehabt, hätte ich niemals etwas von der Wandlung und dem Opfer der Messe gehört. All dies ist heute noch viel schlimmer geworden. Vielfach unterweisen Katecheten unsere Kinder, die selber nicht mehr wissen, was es mit dem Sakrament auf sich hat. Wir brauchen eine neue Art der Katechese, die den Kindern wieder die Wahrheit vermittelt.

Mangelnde Vorbereitung durch fehlenden Beichtempfang

Was ist mit der Vorbereitung auf einen würdigen Kommunionempfang? Wissen die Menschen überhaupt noch, dass man im Stand der Gnade sein muss? Wissen die Katholiken noch, dass man vorher zur Beichte gehen muss, falls man eine Todsünde begangen hat? Ja, wo kann man denn bitte schön noch Samstagnachmittag in den Kirchengemeinden beichten? Fragen über Fragen, die alles sagen. Hier müssen vor allem die Bischöfe ran und den Priestern einschärfen, dass der Kommunionempfang und das Bußsakrament zusammenhängen. Vor allem müssen die Priester wieder dafür sorgen, dass man ohne große Mühe den Beichtstuhl aufsuchen kann.

Das Anbetungsdefizit

Wie sollen wir den Menschen deutlich machen, dass wir in der Eucharistie das Allerheiligste unter uns haben, wenn wir nicht regelmäßig in unseren Kirchengemeinden Stunden der Anbetung haben? Nur die Kirche, die vor ihrem eucharistischen HERRN auf den Knien liegt, die beim HERRN ist, kann wieder zu ihrer Mitte, zu Jesus Christus, finden. Statt vieler unnötiger Sitzungen unserer Gremien sollten wir lieber in unseren Kirchen anbeten. Und: Keine Gremiensitzung auf Leitungsebene sollte ohne eine kurze Gebetszeit in der Kirche vor dem Tabernakel beginnen. Nur aus dem Gebet heraus können wir wirklich die Kirche Jesu Christi sein.

Die „Laiifizierung“ der Eucharistie

Als letzen Punkt möchte ich den Umstand der Laiifizierung ansprechen. Wir haben hier große Fehler begangen und machen sie immer noch! Nach den einschlägigen liturgischen Normen dürfen Kommunionhelfer nur zum Einsatz kommen, wenn dies nötig ist. Erst recht darf es nicht sein, dass der Priester sich auf seinen Sitz zurückzieht und dann die Laien die Kommunion austeilen. Zudem muss dies alles in Würde geschehen.

Die Realität sieht vielfach anders aus, insbesondere dann, wenn  die Leute in Zivilkleidung zum Tabernakel gehen und das Ziborium zum Altar bringen. Auch dies ist ein visueller Würdeverlust. Wie sollen die Menschen glauben können, dass wir hier etwas grundlegend Anderes tun als bei einem profanen Mahl? So bestimmt nicht.

Man könnte sicher noch weitere Punkte nennen. Eines dürfte deutlich geworden sein: Wir leben in einer schlimmen eucharistischen Krise. Und diese Krise führt die Kirche in den Identitätsverlust. Und dieser wiederum führt dazu, dass es letztlich egal ist, wer dieses „Stück Brot“ empfängt.

Wir müssen alles daran setzen, dass diese Krise ein Ende findet. Dies können wir vor allem durch das Gebet tun. Gerade in der Anbetung des HERRN im Sakrament können wir unsere Sorge um die Kirche vor den tragen, der ganz unter uns ist und sein will, bis an das Ende der Zeit.


Der Regensburger Bischof wünscht sich vom Katholikentag „klare Signale“

Der Bischof von Regensburg, Dr. Rudolf Voderholzer (siehe Foto), erwartet vom Katholikentag in Münster klare politische Signale, „etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik, beim Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau, beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vieles mehr.“

Das sagte er in seiner Predigt anlässlich der Regensburger Bittprozession am Vorabend von Christi Himmelfahrt im Regensburger Dom.

Gleichzeitig weist er jeden Versuch zurück, den Katholikentag zu nutzen, um Druck aufzubauen in der aktuellen Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen. Laute Forderungen zu erheben in Fragen der Sakramentenlehre zähle nicht zu den Aufgaben des Katholikentages.

Papst Franziskus hatte die deutschen Bischöfe am 3. Mai informiert, dass die umstrittene Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zur Zulassung protestantischer Ehepartner zur Kommunion überarbeitet werden solle. Er beauftragte sie, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden.“

Bischof Voderholzer erklärte: „Diese Aufgabe wird nicht leicht zu erfüllen sein, weil die kirchliche Gemeinschaft die Grenzen der Kirche Deutschlands überschreitet. Es kann die möglichst einmütige Regelung nur geben in Gemeinschaft mit dem gesamten Weltepiskopat, mit der gesamten Weltkirche, mit der Bischofskonferenz von Canada genauso wie mit der von Indonesien.“

Bei dieser Aufgabe sei öffentlicher Druck, der den Tiefgang der Debatte gar nicht wahrnehme, wenig hilfreich.

Der Bischof würdigt Ministerpräsident Söder  

In der gleichen Predigt unterstützte der Regensburger Oberhirte den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und den Erlass der bayerischen Staatsregierung, dass in staatlichen Behörden öffentlich ein Kreuz angebracht werden solle.

Der Bischof sagte dazu:

„Der Ministerpräsident hat sich in einem guten Sinne weltchristlich verhalten (…). Da ist es nicht gut, wenn ihm ausgerechnet von kirchlicher Seite auch noch Kritik widerfährt. Dass ein Politiker immer auch auf die nächsten Wahlen schielen muss, darf man ihm nicht ankreiden. Aufgabe der Kirche muss in diesem Fall sein, eine Argumentation gegebenenfalls noch zu vertiefen. Das haben wir versucht.“

Bereits am 2. Mai hatte Bischof Voderholzer zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Regensburger Regionalbischof, Dr. Hans-Martin Weiss, eine ökumenische Erklärung zur Kreuzdebatte in Bayern veröffentlicht.

Der Regensburger Bischof wird am Freitag auf dem Katholikentag in Münster unter anderem an dem Forum teilnehmen, das dem im KZ Dachau geweihten Münsteraner Priester Karl Leisner gewidmet ist.

Die Predigt anlässlich der Regensburger Bittprozession lesen Sie hier im Wortlaut:

Liebe Mitbrüder im Bischofs-, Priester- und Diakonenamt,
liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Zur Stunde wird in Münster der 101. Katholikentag eröffnet. Bis zum Sonntag werden 50.000 Dauergäste erwartet und darüber hinaus viele Interessierte aus ganz Deutschland und darüber hinaus.

Auch ich werde am Freitag nach Münster fahren und an einem Forum teilnehmen, wo es um den im KZ Dachau geweihten Priester Karl Leisner gehen wird. Karl Leisner ist ein Münsteraner Priester und strahlender Zeuge des Glaubens im Kontext der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Katholikentag, Sie erinnern sich an meine steten Aussagen von vier Jahren, ist das Treffen der katholischen Laien, der Verbände und Vereine, die sich bei diesem Treffen ihrer Grundlagen vergewissern und sich stärken für das gesellschaftspolitische Engagement in den verschiedenen Ebenen von Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Sie wissen auch, dass ich in diesem Zusammenhang Vorbehalte habe gegenüber dem Begriff des „Laien“, der mir diskriminierend erscheint, weil er ein abgrenzender Begriff ist. Der Alternativbegriff „Weltchrist“ scheint mir immerhin positiv formuliert zu sein und die Aufgabe auf den Punkt zu bringen, nämlich durch Taufe und Firmung berufen und bestellt zu sein, in der Welt für das Reich Gottes zu wirken und das Evangelium im Alltagsgeschäft zu bezeugen.

Ein solches „weltchristliches“ Engagement hat vor ein paar Tagen der neue, übrigens evangelisch-lutherische, Bayerische Ministerpräsident an den Tag gelegt, wenn er mit der Bayerischen Staatsregierung den Erlass herausgegeben hat, dass in den staatlichen Behörden öffentlich ein Kreuz angebracht werden soll. Ich sehe darin den Auftrag an alle Christinnen und Christen verwirklicht, unsere Gesellschaft positiv aus dem Geist des Evangeliums mitzugestalten.

Es ist für mich eine große Freude, dass ich in ökumenischer Verbundenheit zusammen mit dem evangelisch-lutherischen Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss erklären konnte:

„Wir begrüßen und unterstützen, wenn das Kreuz im öffentlichen Raum präsent ist – auch und erst recht dort, wo politische und/oder administrative Verantwortung für unser Gemeinwesen wahrgenommen wird.“

Und unsere Begründung lautete unter anderem:

„Die Väter und Mütter der Bayerischen Verfassung haben nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und unter dem Eindruck der Selbstvergötzung des Staates mit den bekannten verheerenden Folgen für Europa und die ganze Welt dem Verfassungstext eine ‚Invocatio Dei‘ (Anrufung Gottes) vorangestellt und darüber hinaus die Ehrfurcht vor Gott als Bildungsziel formuliert. Dies geschah in der Überzeugung, dass eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft von Voraussetzungen lebt und auf Fundamenten aufbaut, die sie selbst nicht garantieren kann, um es mit Ernst-Wolfgang Böckenförde zu formulieren.

Historisch und sachlich betrachtet ist in unserer bayerischen Heimat die christliche Religion das Fundament der staatsbildenden Grundwerte. Das im christlichen Glauben gründende Wertesystem prägt und formt unsere Gesellschaft positiv, und zwar auch dort, wo ihr dies längst nicht mehr bewusst ist.

An die Botschaft des Kreuzes erinnert zu werden ist nicht nur zumutbar, sondern auch hilfreich, auch für jene, die diesen Glauben nicht teilen.

Das Kreuz steht stellvertretend und symbolisch für das vor-staatliche Fundament der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Das Kreuz bewahrt den Staat vor der Versuchung, sich totalitär des Menschen zu bemächtigen.“

Soweit die wichtigsten Passagen aus der gemeinsamen ökumenischen Stellungnahme. Der Ministerpräsident hat sich in einem guten Sinne weltchristlich verhalten und in eigener Verantwortung aus der in der Taufe gründenden Berufung gehandelt. Da ist es nicht gut, wenn ihm ausgerechnet von kirchlicher Seite auch noch Kritik widerfährt. Dass ein Politiker immer auch auf die nächsten Wahlen schielen muss, darf man ihm nicht ankreiden. Aufgabe der Kirche muss in diesem Fall sein, eine Argumentation gegebenenfalls noch zu vertiefen. Das haben wir versucht.

Zurück zum Katholikentag. Ich erwarte mir von diesem Forum klare Signale in den Bereichen, in denen Katholiken Einfluss nehmen können auf das gesellschaftliche Leben, etwa beim Lebensschutz, in der Familienpolitik, beim Verständnis von Ehe als Verbindung von Mann und Frau, beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und vieles mehr.

Was nicht Aufgabe des Katholikentages ist, sind laute Forderungen in Glaubensfragen, insbesondere in Fragen der Sakramentenlehre und der sie begründenden Theologie.

Es wäre ein seltsames, ja ein falsches Signal, wenn vom Katholikentag aus nur oder vor allem die altbekannten kirchenpolitischen Forderungen in die Öffentlichkeit getragen würden.

Insbesondere warne ich davor, jetzt aus aktuellem Anlass Druck aufzubauen in der Debatte um den Kommunionempfang für evangelische Ehepartner in konfessionsverschiedenen Ehen.

Wie Sie wissen, gibt es in der Deutschen Bischofskonferenz einen Dissens.

Ich gehöre zu den sieben Bischöfen, die unter Führung des Erzbischofs von Köln, Kardinal Rainer Maria Woelki, einen Brief nach Rom geschrieben haben, worin wir um Klärung von ein paar Fragen gebeten haben.

Wir sind erstens davon überzeugt, dass es sich bei der zur Debatte stehenden Frage um ein Thema handelt, dass die Glaubenslehre betrifft. Eine pastorale Frage wäre, wann das richtige Alter für die Erstkommunion ist, mit 7, mit 14 oder, wie es jetzt die Regel ist, mit 9 Jahren. Eine pastorale Frage ist, wie der Beichtspiegel und die Beichtvorbereitung aussehen sollten. Eine pastorale Frage im Zusammenhang mit der Eucharistie ist die äußere Form beim Kommunionempfang: Handkommunion und/oder Mundkommunion, kniend oder stehend.

Wo es aber um die Glaubensüberzeugung und die Kirchenzugehörigkeit des Empfängers geht, steht mehr auf dem Spiel, nämlich das Verständnis von Kirche und Bekenntnis insgesamt. Eine so weit reichende Änderung der bisherigen Lehre kann, so unsere Anfrage, doch nicht auf der Ebene nur einer Bischofskonferenz vorgenommen werden. Was bei uns gilt, muss auch in Chicago, Shanghai und Johannesburg gelten.

Zur Klärung dieser strittigen Fragen war ich vorige Woche zusammen mit den Kardinälen Marx und Woelki und weiteren Bischöfen in Rom zum Gespräch eingeladen. Der Papst hat unsere Fragen dahingehend beantwortet, dass er uns den infrage stehenden Text zurückgegeben und uns mitteilen hat lassen, dass wir als deutsche Bischöfe, wörtlich, „im Geist kirchlicher Gemeinschaft eine möglichst einmütige Regelung zu finden“ hätten.

Diese Aufgabe wird nicht leicht zu erfüllen sein, weil die kirchliche Gemeinschaft die Grenzen der Kirche Deutschlands überschreitet. Es kann die möglichst einmütige Regelung nur geben in Gemeinschaft mit dem gesamten Weltepiskopat, mit der gesamten Weltkirche, mit der Bischofskonferenz von Canada genauso wie mit der von Indonesien. Es geht um ein wirkliches theologisches Ringen, um eine Frage, die uns im Gewissen bindet.

Dabei ist der Druck einer Öffentlichkeit, die den Tiefgang der Debatte um unser „Allerheiligstes“, und um das handelt es sich bei dieser Frage, gar nicht wahrnimmt und die die Thematik nur auf der Ebene bürgerlicher Anständigkeit, persönlicher Animositäten oder politischer Strategien ansiedelt, nicht hilfreich. Es handelt sich nicht um eine Frage der Höflichkeit oder Nettigkeit, sondern um die Bedingungen und Voraussetzungen der Begegnung mit dem Allerheiligsten.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern Christi Himmelfahrt. Der Herr kehrt nach Vollendung seines Heilswerkes heim zu seinem und unserem Vater, nicht um uns zu verlassen, sondern um auf neue Weise bei uns zu sein bis ans Ende der Tage.

Er ist bei uns in seinem Wort; er ist bei uns in jedem Menschen, der uns und unsere Hilfe und Zuwendung braucht. Was ihr dem geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, habt ihr mir getan.

Er ist bei uns im Zeichen des Kreuzes, das uns so lieb geworden ist und in dem unser ganzer Glaube in so wunderbar einfacher Weise zusammengefasst ist.

In der dichtesten Form freilich ist und bleibt der Herr bei uns in der Feier der Eucharistie. In der Eucharistie baut er immer wieder aufs Neue die Kirche auf als seinen Leib in den vielen Gliedern.

Vom gekreuzigt-auferstandenen Herrn, gegenwärtig in der Eucharistie, geht Segen aus, und diesen Segen erbitten wir heute und am Fronleichnamsfest, wenn wir unseren Kirchenraum verlassen und singend und beten durch die Straßen unserer Stadt ziehen.

Ja, Herr segne unsere Stadt, segne alle ihre Bewohner, und schenke ihr und der Kirche Deinen Frieden, Amen.

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de/news/bischof-rudolf-voderholzer-kirchenpolitische-katholikentagsforderungen-waeren-ein-falsches-signal-6051/

Die ersten drei Fotos: Bistum Regensburg


Nach der Eucharistie-Predigt wurde Christus von vielen seiner Jünger verlassen

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Joh 6,60-69:

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?

Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben.

Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und ER sprach: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.

Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm: HERR, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

 


Wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Joh 6,52-59:

In jener Zeit stritten sich die Juden untereinander und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?

Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.

Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise, und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.

Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

Diese Worte sprach Jesus, als er in der Synagoge von Kafarnaum lehrte.