Ist der Westen träge und kraftlos geworden?

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 3. November 2019 fand in der katholischen Akademie Berlin eine Podiumsdiskussion über die Frage statt: „Ist Europa alt, müde und kraftlos geworden?“

In der Ankündigung dazu hieß es: „Für Millionen Menschen außerhalb Europas ist der Kontinent ein Sehnsuchtsort. Für viele Europäer aber scheint Europa keine Hoffnung mehr zu geben. Sind der Abbruch religiöser Überlieferungen und der Mangel an Visionen Zeichen von Altersschwäche? Nicht Wenige vermissen auch kraftvolle christliche Stimmen zu Europa“.

Geht Europa unter, weil Kulturen und Zivilisationen sich wie biologische Organismen verhalten, wie Oswald Spengler meinte – oder weil „schöpferische Minderheiten“ in ausreichendem Umfang fehlen (Arnold Toynbee)?

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Ein entscheidender Faktor bei diesen Reflexionen ist die geistige Situation. Wie ist diese für Europa zu charakterisieren?

Lassen wir jemand von außen sprechen: Robert Kardinal Sarah (siehe Foto). Er hat einen engagierten Blick auf den alten Kontinent, weil er europäischen Missionaren seinen Glauben und seine Bildung verdankt. Sarah stammt aus Afrika, dem „derzeit vitalsten und dynamischsten Teil der universalen Weltkirche“ (so Erzbischof Georg Gänswein).

In dem Buch mit dem Titel „Herr, bleibe bei uns – denn es will Abend werden“, das ein Interview des Journalisten Nikolaus Diat mit Kardinal Sarah wiedergibt, findet sich das Kapitel 4: „Die Krise der abendländischen Identität und die geistliche Trägheit“.

Diat fragt: „Wie würden Sie die geistige Lage des Westens charakterisieren?“ – hierauf antwortet Sarah: „Ich glaube, dass der Westen das erlebt, was die Wüstenväter Versuchung durch den Mittagsdämon nannten… Die Wüstenväter bezeichneten das Phänomen als Akedia“.

Der Begriff meint geistige Trägheit. Sarah erläutert diese Trägheit als „eine Art Depression, eine Ermattung, einen geistigen Überdruss… ein gewisses Schwinden der inneren Lebensfreude, eine Entmutigung, eine Erschlaffung der Seele“.

Nach Sarah zeigt sich diese „Trägheit“, welche die Freude „das Merkmal einer gottvertrauten Seele“ angreift… Diese Form von ‚Trägheit‘ nährt in der Seele den Abscheu gegen alles, was ihr Gott näher bringen könnte und ist ein allgemeiner Überdruss gegen alles, was das geistige Leben betrifft“… „Das Abendland weigert sich zu lieben und tötet den Antrieb jeder Spiritualität: Die Sehnsucht nach Gott“.

Die Abkehr von Gott ist der Endpunkt der Abwendung von der Kirche. – Benedikt XVI. sagte: Die spirituelle Krise sei „die gravierendste seit dem Untergang des römischen Reiches gegen Ende des fünften Jahrhunderts. Das Licht des Christentums ist überall im Westen am Verlöschen“.

Wir können überall den „Paradigmenwechsel“ im Menschenbild feststellen. Der Mensch bemisst sich in der säkularen Gesellschaft nach seinem biologischen, sozialen und ökonomischen Nutzwert. Wir erfahren das in der Embryonenforschung, der pränatalen Diagnostik, der Massenabtreibung, der aktiven Sterbehilfe, der Leihmutterschaft etc..

Sarah nennt in seinem Interview drei typische Folgen der „Trägheit“ in westlichen Gesellschaften: „Erstarrung, Bitterkeit und Flucht in den Aktivismus“.

  • Erstarrung in den drängenden, aber nicht gelösten Reformen wie die demographische Situation, den moralischen Verfall, die hohe Staatsverschuldung.
  • Flucht in Aktivismus, wenn Konferenzen, Sitzungen und Tagungen einander jagen, aber nur magere Ergebnisse liefern.

Der Vergleich mit dem Untergang des Römischen Reiches

Gehen wir davon aus, dass die Fähigkeit zum Überleben eine solide Bevölkerungsbasis, eine gemeinsame Kultur, wenn auch mit regionalen Unterschieden, ein gemeinsames Rechts- und Staatsbewusstsein benötigt, dann hatte das Römische Reich gute Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer.

Zwar gab es bereits seit Kaiser Augustus Versuche, den Geburtenrückgang in Rom zu stoppen, z.B. durch Gesetze, die Familien mit drei und mehr Kindern förderten und gegen kinderlose Paare, unverheiratete Frauen ab 20 und Männer ab 25 Jahren finanzielle Sanktionen richteten. Ähnliche Maßnahmen gab es bei späteren Cäsaren. Sie waren nicht sehr wirkungsvoll. Die Gesamtbevölkerung des Römischen Reiches wurde durch die unterworfene Bevölkerung im größer werdenden Imperium und gelungene Integration wettgemacht.

Das römische Imperium war eine offene Gesellschaft: Wer sich Sprache und römische Kultur aneignete, konnte bis in die höchsten Stellen aufsteigen. Bereits im zweiten Jahrhundert wurden die Legionen bis zu den Offiziersstellen durch Nichtrömer aufgefüllt. Nichtrömer übernahmen wichtige Verwaltungsfunktionen. Als Kaiser Caracalla 212 n. Chr. allen Freien im römischen Reich das Bürgerrecht (civitas romana) gewährte, sanktionierte er einen bestehenden Zustand.

Die Städte in Gallien oder Spanien wetteiferten mit ihren Foren, Tempeln, Bädern etc. mit Rom.

Auch die Götter der unterworfenen Völker hatten im römischen Pantheon Hausrecht. Sorgen bereiteten eher, dass dieser Götterglauben nur mehr formell war und keine Bindungskraft für die Gesellschaft mehr hatte. Der Kaiserkult sollte die geistige Klammer bilden. Die Aufteilung des Riesenreiches unter den Kaisern und Mitkaisern hatte Kämpfe um die Alleinherrschaft zur Folge.

Die Integration der Barbaren in das Imperium Romanum glückte, bis ausgelöst durch Attila und seine Hunnen eine Völkerwanderung und -Verschiebung nach Westen einsetzte. Das Imperium konnte diese Massen nicht mehr integrieren. Aber selbst im fünften Jahrhundert hatte dieses Reich noch herausragende Heerführer wie Stilicho, Aetius und Ricimer, die mit Legionen unter dem römischen Adler das Imperium verteidigten.

Es ist kennzeichnend für die Gleichgültigkeit der meisten Römer, dass der Nachruf auf 800 Jahre Rom und seine Größe von dem Gallier Rutilius Numantianus kam. Rutilius hatte Kariere in der Verwaltung gemacht. Er war Präfekt der Toskana und Umbriens. In seinem Nachruf in klassischem Latein schrieb er u.a.: „Du (Rom) hast aus verschiedenen Stämmen eine Heimat für alle gemacht… Wer ohne Gesetze lebte, ist dein Schuldner geworden, weil er aus Menschen Bürger gemacht hat.

Kultur und christliche Identität Europas

Die Zukunftsfähigkeit der kulturellen Identität hängt davon ab, ob die eigene Kultur und Geschichte wertgeschätzt und weiterentwickelt wird. Diese Wertschätzung ist eine wesentliche Voraussetzung Immigranten zu integrieren.

Auch in klassischen Einwanderstaaten wird verlangt, dass sich neu hinzugekommene die Verfassung und die Gesetze des Einwanderungslands zu eigen machen. Die christliche Identität Europas ist von innen her gefährdet, weil dieses Europa „die Überzeugung von seinen eigenen Prinzipien und der Glaube an die eigenen Werte, ohne die man keine wirkliche Verfassung erstellen kann“ (Marcella Pera) nicht mehr hat.

Pera stimmt im Dialog mit Ratzinger dessen Feststellung zu, dass der Westen „sich selbst nicht mehr mag“, dass Europa „von innen leer geworden, gleichsam gelähmt zu sein scheint“. Und dass es einen „nur pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes gibt“, der „nur noch das grausame und zerstörerische sieht“.

Diese Etikettierung wird stärker für die jüngeren Jahrgänge zutreffen. Sie ist zugleich eine Anfrage an die Schulbildung mit den Unterrichtsfächern, die Geschichte und Kultur.

Der demographische Wandel und seine Auswirkungen in Deutschland

Die demographische Situation in Deutschland ist weitgehend identisch mit den bevölkerungsreichen Ländern Westeuropas, nämlich Italien, Frankreich und Spanien. Wie in diesen Ländern schmilzt die Bevölkerungsbasis in Deutschland weg. Es gibt zu wenige Kinder. Der Titel eines Buches von Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“ ist zutreffend. Zahlen kann man anschreien, wie Franz-Josef Strauß einmal angemerkt hat, aber die Fakten ändern sich deswegen nicht.

Prof. Dr. Karl Michael Ortmann von der Hochschule Technik Berlin hat in einem Vortrag 2010 die Auswirkungen des demographischen Wandels dargestellt. Einige der wichtigsten Erkenntnisse von Prof. Ortmann lauten:

„Es ist weithin bekannt, dass sich die demographische Struktur in Deutschland verändert. Eine alternde Bevölkerung belastet im Umlageverfahren des deutschen Sozialversicherungssystems die Solidargemeinschaft im Verlauf der Zeit immer stärker. Die Bevölkerungsalterung stellt einen nicht unwesentlichen Kostensteigerungsfaktor für altersbedingte und gesundheitliche Versorgungsleistungen des deutschen Staates dar“.

Durch ausbleibende Geburten gab es in Deutschland immer weniger jüngere und immer mehr ältere Menschen. Die Fertilitätsrate fiel auf etwa 1,4 Kinder pro Frau im Verlauf ihres Lebens und stagniert seit einiger Zeit auf diesem Niveau. Das durchschnittliche Alter stieg von 1960 bis 2010 von 35,7 auf 49,9 Jahre.

Tatsächlich gab es somit einen doppelten Alterungseffekt der Bevölkerung zu beachten. Betrug die Lebenserwartung in Westdeutschland für Männer noch 66,5 Jahre, so war sie im Jahr 2010 auf 77,9 Jahre gestiegen… Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten demographischen Zeitbombe, die nicht nur die Rentenversicherung sondern auch die Krankenversicherung betrifft.

Ende 1960 fielen auf 1000 Erwerbsfähige 176 Rentner. Ende 1990 waren es schon 241 Rentner, Anfang 2011 kamen auf 1000 Erwerbsfähige 346 Rentner.

Die schrumpfende Zahl der Jüngeren ist wesentlich bedeutender für die demographische Alterung als die steigende Lebenserwartung. Die im Geburtenrückgang der in der Vergangenheit nicht geborener Kinder fehlen künftig als potentielle Eltern. Deshalb wird auch die absolute Anzahl der Geburten weiter abnehmen. Selbst wenn die Fertilität ab sofort, d.h. schon in 2012 auf sechs Kinder pro Frau anstiege, würde es bis etwa zum Jahr 2033 dauern, bis der Effekt für die Rentenversicherung erstmals wirksam würde.

Um im Jahr 2050 eine stabile Bevölkerungsstruktur vorzufinden, müssten dann etwas 125,6 Mio. neu hinzugezogene Immigranten in Deutschland leben. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die Anzahl der prognostizierten Bevölkerung von 62,7 Mio.

Um den Altersquotienten auf das Niveau von 2010 zu drücken, müsste – unter Berücksichtigung der beschlossenen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2028 – das Rentenniveau in etwa halbiert werden, oder aber die Anzahl der Bezugsberechtigten auf die Hälfte reduziert werden.

Die Situation verschärft sich durch die Politik, welche durch zu geringe Förderung der Mehrkindfamilie seit Jahrzehnten zu wenig Zukunftsvorsorge betreibt. Hinzu kommt die Massenabtreibung von jährlich 100.000 im Mutterleib getöteter Kinder. Änderungen sind möglich. Das Beispiel Ungarns beweist das.

Jürgen Liminski zeigt mit seinem Artikel „Ungarn setzt sich ab“ (Tagespost 8.11.2018) dass auch heute Mentalitätsänderungen möglich sind. Das ungarische Beispiel, das er anführt, ist daher ermutigend und sollte verbreitet werden. Die ungarische Orban-Regierung ist seit 2010 im Amt. Die Resultate ihrer Familienpolitik sind kurz zusammengefasst:

  • Die Geburtsrate stieg von 1,20 auf 1,50.
  • Die Zahl der Abtreibungen nahm um ein Drittel ab, in Zahlen von 40.449 auf 28.500.
  • Die Scheidungsrate ging um ein knappes Viertel zurück, nämlich von 23.873 auf 18.600.
  • Die Zahl der Eheschließungen stieg um 42%.

Diese Erfolge wurden durch materielle Hilfen für die Familien mit Kindern erreicht, z.B. u.a. durch Kreditsubventionen und Steuervorteile. Die Frist vom Antrag auf Abtreibung bis zum Vollzug wurde um drei Tage verlängert, um Zeit zum Nachdenken zu geben. Die Adoption für Kinder wurde erleichtert.

Um den Stand der Bevölkerung in Deutschland zu halten, ist Einwanderung notwendig. Sie verändert die Zusammensetzung der Bevölkerung in wesentlichen Bereichen. Sie brachte 2015 – man gibt je nach Zählung zwischen 900.000 bis 1,2 Mio. Flüchtlinge an – nicht die erwarteten Resultate für die Wirtschaft. Alle Neuankömmlinge fanden eine Unterkunft und eine angemessene Betreuung. Vertreter der deutschen Wirtschaft begrüßten die Masseneinwanderung. Sie begründeten das mit den benötigten Arbeitskräften.

Rund die Hälfte der Flüchtlinge hat eine Beschäftigung gefunden, allerdings nicht dort, wo das Problem besteht, nämlich bei den Fachkräften. Aufgrund mangelnder Sprachfähigkeit und mangelnder Ausbildung gehen 42% der neu Hinzugekommenen, die einen Job bekamen, einer Arbeit mit geringer Qualifikation nach. Eine wirtschaftliche Krise betrifft sie rasch. Ein hoher Anteil ist also langfristig auf Sozialleistungen angewiesen.

Zur Situation der katholischen Kirche in Deutschland:

Von der deutschen Bevölkerung bezeichnen sich 54% als Christen, davon 23 Mio. als Katholiken. Von diesen glauben 63% das, was Katholiken im Credo bekennen, Jesus ist der Sohn Gottes und er ist von den Toten auferstanden 61%.

Zwischen fünf und zehn Prozent würden von sich sagen, was Christen in der Verfolgung 305 n. Chr. unter Kaiser Decius äußerten: „Ohne die sonntägliche Eucharistiefeier können wir nicht leben“.

Die jährlichen Kirchenaustritte liegen seit Jahren zwischen 180.000 und 240.000. Würden die noch Bleibenden auf die Frage Jesu „Wollt auch ihr gehen?“ wie Petrus antworten: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!“ (Joh 6,69). Nach der Sündenvergebung (Beichte) sehnen sich nur rund 1% der Katholiken.

Die Wirkung der verdunstenden Gläubigkeit zeigt sich in der Gesellschaft:

Dass die katholische Kirche mit „ihren Festen und Ritualen das kulturelle Leben in Deutschland bereichert, meinen 45% der Katholiken, aber nur 28% der Deutschen.

Wenn das Grundrecht auf Leben in der Massenabtreibung jährlich 100.000 ungeborenen Kindern genommen wird, beunruhigt das nur 16% der Katholiken, d.h. nicht mehr als die Gesamtbevölkerung. Diese Einstellung bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Leben allgemein.

Das Grundrecht auf ungestörte Religionsausübung ist nicht mehr stark ausgeprägt. „Sorgen auf Grund der weltweit steigenden Angriffe z.B. auf Gotteshäuser, haben 45% der Katholiken, 30% aber nicht.

Die Demontage von Ehe und Familie in Politik und schulischer Erziehung trifft noch bei Weltchristen auf Widerstand. Dazu kommen einige bischöfliche Stimmen, z.B. gegen „Ehe für Alle“, die Genderideologie, die aber im ZdK bei BDKJ und katholischen Frauenverbänden immer stärker Fuß fasst.

Die neuen Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin werden nach dem Motto „Was technisch möglich ist, praktizieren wir auch“, umgesetzt.

Wir leben in einer nachchristlichen Welt. Die Laster, die der heilige Paulus im Brief an die Römer (1,22-26) beschreibt, sind Gegenwart.

Die Frage lautet, warum sind die Christen so wenig in der Gesellschaft präsent. Die Antwort heißt: Wir sind religiös unterernährt und es fehlt uns weithin der Mut, unsere Überzeugungen in der Öffentlichkeit präsent zu setzen: Wir sind religiös unterernährt, obwohl es noch nie so viele Möglichkeiten gab wie heute uns zu informieren in z.B. Radio Horeb, kephas-tv, EWTN, Kirche in Not usw.

Was uns fehlt und worauf uns das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich in der Dogmatischen Konstitution hingewiesen hat, ist die Bereitschaft, den Weltauftrag aufzugreifen. Und so stehen wir vor der Versuchung der Frustration und einem scheinbar ausweglosen Negativbild von Kirche und Gesellschaft, das der Widersacher Gottes mit ihrer Fehlerhaftigkeit und ihrem Versagen vor Augen stellt und so den Menschen Lebensfreude und ihre Identität wegzunehmen versucht.

Die Sprachlosigkeit der Kirche
auf die Corona-Pandemie

Die Sprachlosigkeit zeigt sich in der Unfähigkeit der meisten Bischöfe auf die Frage „Was will uns Gott mit der Corona-Pandemie sagen?“ Es ist eine Frage, um die sich die meisten Bischöfe herumdrücken bzw. eine Stellungnahme dazu ablehnen.

So sagt der Limburger Bischof und Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing: Die Verbreitung des Coronavirus sei „gewiss keine Strafe Gottes vor der wir Angst haben müssen und der wir nicht entkommen können. Gott liebt uns bedingungslos und er möchte, dass es uns gut geht“. Der Weltkirchenbischof Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg schrieb auf Twitter: „Coronavirus als Strafe Gottes zu bezeichnen, ist zynisch und mit Jesu Botschaft unvereinbar“.

Pfarrer Winfrid Abel von Stift Heiligenkreuz sagt hingegen:

„Christen müssen sich vor allem der Frage stellen: Was will Gott uns damit sagen?… Es geht als erster Stelle um Umkehr, wie Jesus es immer wieder verkündet hat. Die Welt hatte sich an eine ‚Normalität‘ gewöhnt, die längst nicht mehr der ‚Norm Gottes entspricht!‘ Der Tanz um das goldene Kalb hat Formen angenommen, die den Glauben an Gott und das ewige Leben diametral widersprechen, den Menschen krank machen und die Schöpfung Gottes zerstören. Die Kirche hat den Auftrag, den Menschen zu deuten, was Gott uns mit dieser Heimsuchung sagen will. Statt zum Gebrauch von Desinfektionsmittel zu raten, sollten die Verantwortlichen in der Kirche jetzt dazu aufrufen, dringend die ‚Desinfektionsräume‘ aufzusuchen, die in jeder Kirche stehen: Die Beichtstühle“!

Bischof Voderholzer hat in seiner Osterpredigt zurecht gefragt: „Kann es nach der Pandemie ein folgenloses weiter wie bisher“ geben? Er antwortete: „Das wird es nicht geben und darf es auch nicht geben. Zu gewaltig ist der Einschnitt, die Lektion, die der gesamten Menschheit erteilt wird“.

Warum? Wenn die Menschen ihren Lebensstil nicht ändern, dann ist eine neue Katastrophe vorprogrammiert, denn, so Voderholzer „Die Pandemie und ihre Auswirkungen sind die Folge einer Kette von Schuld und menschlichem Versagen, in der sich menschliche Hybris, Stolz, Leichtsinn und Profitgier zu einer unheilvollen Allianz verbinden“.

Die Frage, ob Gott die Menschen mit der Pandemie bestraft, beantwortet der Bischof mit der Gegenfrage: „Ist es nicht vielmehr so, dass wir uns selbst bestrafen, wenn wir uns nicht an den Lebensweisen Gottes orientieren? Wer sündigt, ist der Feind seines eigenen Lebens“… Die „Zeit der Corona-Pandemie muss auch zur Zeit der

Gewissensforschung werden!

Voderholzer wird konkret: „Das fängt an bei der Achtung der Positivität der Geschlechterdifferenz des Menschen, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde. Hierher gehören alle Themen des Lebensschutzes an seinem Beginn und in Alter und Hinfälligkeit.

Das hat Konsequenzen für einen ehrfurchtsvollen Umgang mit der Weitergabe des Lebens, Stichwort Fortpflanzungsmedizin. Mehr Achtung vor der Wirklichkeit von Vaterschaft und Mutterschaft“. Schließlich fordert der Bischof „eine neue zeitgemäße Formulierung einer Naturrechtslehre, die ausgeht von einer größeren Wahrnehmung und Wertschätzung des von der Schöpfung Vorgegebenen“ – eine Ökologie für den Menschen.

Der Synodale Weg – Aufbruch im Glauben
oder sich abzeichnende Katastrophe?

Lassen wir die Vorgeschichte, die der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 25. September 2019 über das Statut des „Synodalen Prozesses“ vorausgegangen ist, obwohl sie aufschlussreich für die Vorgehensweise wäre.

In der persönlichen Erklärung des Regensburger Bischofs Voderholzer zur Vollversammlung vom 25. September 2019 finden sich die Gründe aufgelistet, warum der synodale Weg, noch bevor er richtig begonnen hat, sein vorgebliches Ziel, die Reform der Kirche, verfehlen wird.

Um dem Prozess die Richtung auf wirkliche Reformen zu geben, hatten Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer einen Alternativentwurf für die Vollversammlung der Bischöfe mit den Themen Evangelisierung, Berufung der Laien, Katechese, Berufungspastoral erarbeitet. Dieser Alternativentwurf hätte dem vom Papst gewünschten Strukturprinzip „Primat der Evangelisierung“ Rechnung getragen.

Bischof Voderholzer (siehe Foto) stellt in seiner Stellungnahme fest, dass im Statut „Die wahren Probleme nicht angegangen werden“, dass „an der Wiege des Synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht. Voderholzer spricht den „Verdacht“ aus, „dass es sich angesichts dieser Weichenstellung um eine ‚Instrumentalisierung des Missbrauchs‘ handelt“…

Bischof Voderholzer kann nicht sehen „dass die Voraussetzungen für einen echten ‚Dialog‘ gegeben sind“. Weiter: „Ich habe darüber hinaus allein zweimal vor dem heutigen Vorsitzenden der DBK feierlich versprochen, den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen. Daran fühle ich mich gebunden und ich sehe dieses Versprechen gegenwärtig besonders herausgefordert“.

Bischof Voderholzer behält sich in seiner Stellungnahme vor „gegebenenfalls ganz auszusteigen“. Kriterium ist die Beachtung der von Papst Franziskus angemahnten und in der Präambel der Satzung festgehaltenen ‚Leitplanken‘: Primat der Evangelisierung, Sensus ecclesiae, Berücksichtigung der Einheit mit der Weltkirche (und damit Treue zur Lehre der Kirche)“

Vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 fand die erste Zusammenkunft der Mitglieder des „Synodalen Prozesses“ statt. Dort wurden mit der Geschäftsordnung die Weichen für den Ablauf des zweijährigen „Synodalen Weges“ gelegt. Auf ihm werden die vier Foren beraten und abgestimmt werden.

Bei dieser Weichenstellung wurde deutlich, dass die Mehrheit der synodalen Teilnehmer die Synode als Vehikel versteht, um ihre „Reformvorschläge“ durchzusetzen. Bei diesem Verständnis geht es dann nur mehr darum, wie in der Politik Mehrheiten zu organisieren. In der Vorbereitung zum ersten Treffen ist durch die Auswahl der Teilnehmer die Basis für die gewünschten Mehrheiten gelegt worden.

Die Bischöfe von Köln, Regensburg, Passau, Eichstätt und Görlitz, die sich an die Lehre der Kirche halten wollen, mussten eine erste Abstimmungsniederlage hinnehmen. Sie hatten vorgeschlagen, dass Vorlagen die einmütige Zustimmung der anwesenden Mitglieder des Synodalforums erfordern. Bei „Einmütigkeit“ dürfe es höchstens drei Gegenstimmen geben. Dieser Antrag wurde mit 26 gegen 181 Stimmen abgeschmettert. Das waren 87% (!) der stimmberechtigten Mitglieder.

Die Synodalversammlung legte fest, dass die absolute Mehrheit für die Beschlussfassung genüge. Die lehramtstreuen Bischöfe hatten auch vorgeschlagen, dass ein Beschluss nicht gültig werden kann, wenn „Widerspruch zwischen der Textvorlage und der Kirche vorliegt“. Auch dies wurde abgelehnt.

Ist Europa noch zu retten?

Wenn Europa seine christliche Identität bewahren, besser gesagt: zurückgewinnen will, dann geht es darum, wie die christlichen Wurzeln wieder belebt werden können. Kann das die Zivilgesellschaft sicherstellen? Nein! Das kann nur eine erneuerte Kirche!

Einer Kirche, die sich an die gängigen Trends anlehnt, gelingt das nicht: „Die Statistiker sagen uns, dass Kirchen im Maß ihrer Anpassung an die Standards der Säkularisierung, Anhänger verlieren und dass sie attraktiv werden, wenn sie einen festen Halt und klare Weisung versprechen“. (Joseph Ratzinger, „Ohne Wurzeln-2, S. 128/129)

Wer die christlichen Wurzeln wieder beleben will, kommt nicht an der Forderung Christi vorbei: „Denkt um, kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Es geht also um einen Prozess innerlicher Umwandlung. Joseph Ratzinger sagt: „Die Kirche soll mit einer neuen Offensive die Wahrheit des Glaubens verkünden. Wir müssen von einer heiligen Unruhe beseelt sein: Die Unruhe, allen das Geschenk des Glaubens, der Freundschaft mit Christus zu bringen“ (Peter Seewald)

Wenn die Christen in ihrer Mehrheit müde geworden sind und keine Strahlkraft mehr haben, gilt: „Lebendiges kann nur von lebendigem kommen“ (Joseph Ratzinger. „Ohne Wurzeln“, S. 129) Sie überwinden die von Sarah genannte geistliche Trägheit („Akedia“).

Ist Europa noch zu retten? Wir wissen es nicht! Aber die Aufgabe ist gestellt. Es kommt auf einen neuen Geist an. Hier liegt der Schlüssel.

Europa wurde nach der Katstrophe nach dem Zweiten Weltkrieg durch Robert Schumann, Konrad Adenauer und Alcide de Gaspari gerettet. Was hat diese drei im Innersten verbunden? Ihr christlicher Glaube. Alle drei waren praktizierende Katholiken.

Ihre Weltsicht hatte die Gemeinsamkeit, dass selbst tödlich verfeindete Nationen durch Vergebung ausgesöhnt werden können. Das Vehikel dafür war die Gemeinschaft einer wirtschaftlichen Union, basiert auf Kohle und Stahl. Alle drei waren Patrioten, aber mit einem Weitblick, der vor den nationalen Grenzen nicht Halt machte. Alle drei waren schon im Pensionsalter als sie ihre Aufgabe aufgriffen. Alle drei nahmen für ihr Ziel Missverständnisse, ja Beleidigungen auf sich:

BILD: Buchtitel „Kornad Adenauer – Der Katholik und sein Europa“

Bei de Gaspari murmelten selbst Parteifreunde „Il austriaco – der Österreicher“, in Erinnerung an die Zeit, wo er als Abgeordneter des Trentino vor dem ersten Weltkrieg im Wiener Parlament saß. Konrad Adenauer musste sich im Bundestag von Kurt Schumacher anhören: „Sie sind ein Bundeskanzler der Alliierten“, und Robert Schumann wurde nicht nur von den Kommunisten im französischen Parlament vorgehalten, er sei ein Freund der Deutschen. Es war der christliche Geist, der das ertragen half, um das Ziel zu erreichen.

Die Überwindung, der von Sarah geschilderten geistlichen Trägheit Europas wird die „Volkskirche“ nicht zurückbringen. Aber die „kleine Herde“ wird weiterleben. Sie wird eine Hoffnung für die Suchenden sein, die in einer „ganz und gar verplanten Welt unsagbar einsam sind und ihre volle schreckliche Armut erfahren, wenn ihnen Gott ganz entschwunden ist“ (Joseph Ratzinger).

Diese „kleine Herde“, wird das „christliche Lebensmodell“ als lebbare Alternative sichtbar machen und es in den immer leerer werdenden Vergnügungen der Freizeitgesellschaft verkörpern. Dieses christliche Lebensmodell wird als ein Leben der wirklichen Weite, die das Leben nicht einengt, sondern die Größe des Lebens erfahren lässt.

Unser Autor Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den Dachverband FORUM DEUTSCHER KATHOLIKEN und die Monatszeitschrift DER FELS


Israel: Präsident Rivlin kommt nach Europa

Auf Einladung der Staatspräsidenten von Deutschland, Frankreich und Österreich wird Präsident Reuven Rivlin nächste Woche zu einem kurzen Besuch anreisen, um Gespräche über die Gefahren der zunehmenden Macht der Hisbollah, die Intensivierung des iranischen Nuklearprojekts und den Internationalen Strafgerichtshof zu führen.

Präsident Rivlin wird Dienstagmorgen (16. März) Richtung Europa abreisen und eine Reihe von Treffen in Berlin, Wien und Paris mit den Präsidenten von Deutschland, Österreich und Frankreich haben.

Der Präsident wird begleitet von Generalstabschef Aviv Kochavi, der die europäischen Staatsoberhäupter über Sicherheitsbelange informieren wird.

Am Dienstag, den 16. März, wird das israelische Staatsoberhaupt Bundespräsident Steinmeier in Berlin treffen.

Quelle: https://embassies.gov.il/berlin/NewsAndEvents/Pages/Staatspr%C3%A4sident-Rivlin-fliegt-n%C3%A4chste-Woche-nach-Europa.aspx


Warum die „Jüdische Rundschau“ dem britischen Volk zum Brexit gratuliert

Von Felizitas Küble

Die Jüdische Rundschau ist eine nonkonforme, unangepaßte und zeitgeistkritische Monatszeitung, die aktuelle, politische und kulturelle Themen aus liberal-konservativer Sicht beleuchtet.

In der Januar-Ausgabe befaßt sich der Herausgeber Dr. Rafael Korenzecher in seinem Editorial mit dem Brexit. Er beglückwünscht die Briten für ihren Ausstieg aus der EU und sieht dies als „eindeutiges Zeichen für Europa“ an, denn die EU ist nicht identisch damit, zumal auch andere europäische Länder wie die Schweiz nicht zur EU gehören.

Der Verfasser schreibt: „Europa braucht keinen durch die Hintertür eingeführten Bundesstaat mit supranationaler de-facto-Regierung…Auch die Gründungsväter der ursprünglichen EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) haben das nicht gewünscht.“

Dr. Korenzecher stellt sodann fest: „Die Briten stimmten konservativ für ihre demokratischen Tugenden und gegen das gefährliche und instabile, vom linklsgelenkten Deutschland angeführte sozialistische Abenteuer einer vom religiösen Klimawahnsinn erfüllten und von einem suizidalen Islam-Wachstum bedrohten Westeuropa.“

Außerdem würdigt die Jüdische Rundschau den britischen Regierungschef Boris Johnson, denn dieser sei geprägt von einer „tiefen Verbundenheit zu Israel und den Juden“ – und zwar „im Gegensatz zur EU“.

Nicht nur hiergebliebene Juden, sondern auch die anderen Bürger Westeuropas werden, so der Autor weiter, „die Briten in nicht allzu ferner Zeit noch erheblich beneiden für ihren weisen und gerade noch rechtzeitigen Schritt, das sinkende Schiff EU zu verlassen.

Er fügt hinzu: „Zum Glück für Israel und das jüdische Volk hat die EU im Nahen Osten nicht viel zu sagen.“

Statt Verbundenheit mit Israel würden Merkel und Steinmeier lieber den „Panislamisten Erdogan bauchpinseln“ oder wie Steinmeier die „Mord-Mullahs aus Teheran zu jedem Jahrestag der Unterjochung Persiens beglückwünschen“.

Zur Kanzlerin schreibt Dr. Korenzecher außerdem in Anspielung an ihre kommunistische Vergangenheit als FDJ-Funktionärin für sozialistische Agitation und Propaganda: „Zu deutlich schlägt da wohl im Falle der Kanzlerin die privilegierte Sozialisierung in der durch und durch antisemitischen „DDR“ durch.“

Online-Portal der Jüdischen Rundschau: https://juedischerundschau.de/


Naturrecht: Richtschnur geistiger Erneuerung

RENOVATIO-Institut im Einsatz um die „Seele Europas“

Um Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit aus christlicher Perspektive zu entwickeln, hat sich auf Initiative des Politikwissenschaftlers Simon Wunder 2019 das „Renovatio-Institut für kulturelle Resilienz“ gegründet.

Gemeinsame Grundlage der Gruppe, die sich in der Tradition der Bekenntnis-Ökumene sieht, ist die Identifikation mit dem christlich-abendländischen Erbe Europas – und die geteilte Wahrnehmung, dass Europa vor einer Krise steht, auf die weder die Kirche noch die Gesellschaft vorbereitet sind.

Die Initiatoren sehen in wachsender Ungleichheit und Unsicherheit, Finanzkrisen und Massenmigration Symptome einer tieferliegenden Krise, die die herrschende linksliberale Ideologie infrage stellt, da sie innerhalb ihrer engen geistigen Grenzen die Gegenwart nicht begreifen könne…

„Die Auseinandersetzung um die Seele Europas und die Fortsetzung des abendländischen Erbes sind das große Abenteuer unserer Zeit“, sagt Renovatius-Gründer und Politikwissenschaftler Simon Wunder gegenüber der „Tagespost“.

Mit dem Jahr 2020 sei im gesamten europäischen Kulturraum ein verstärkter Generalangriff auf die politischen und kulturellen Grundlagen der europäischen Zivilisation sichtbar geworden, analysiert Wunder im Hinblick auf anarchistisch motivierte Gewalt in Nord- und Südamerika, Klimaproteste oder die Demonstrationen in Polen gegen das Verbot der Abtreibung.

Quelle und vollständiger Artikel hier: https://www.die-tagespost.de/politik/wirtschaft/es-geht-um-die-seele-europas;art314,215692

HIER geht es zum RENOVATIO-Institut: https://renovatio.org/


Europa am Totalzusammenbruch der Stromversorgung knapp vorbeigeschrammt

Alarmstufe Rot gab es am vergangenen Freitag im europäischen Hochspannungs-Stromnetz, denn es wäre beinahe zu einem kompletten Ausfall der Energieversorgung gekommen.

Um 14.05 Uhr trat eine massive Netzspannungsstörung auf, die eine Unterfrequenz mit einer kurzfristigen Frequenzabweichung von rund 260 mHz produziert haben soll. Detailanalysen sollen den exakten Störungshergang nachverfolgen. Dieser soll seinen Ausgangspunkt jedenfalls außerhalb Österreichs und seines Energierversorgungsnetzes gehabt haben.

Wie der österreichische Stromnetzbetreiber APG angab, soll der Normalbetrieb in der Versorgung binnen einer Stunde wiederhergestellt worden sein. Die soll dem „europaweit etablierten Schutzmechanismus“ und der „Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber“ geschuldet gewesen sein.

Der Krisenvorsorgeexperte Herbert Saurugg spricht von einer potenziellen “Blackout”-Gefahr, an der Europa und sein Stromnetz am Freitagnachmittag vorbeigeschrammt sei.

Quelle und Fortsetzung der Meldung aus Österreich hier: https://www.unzensuriert.at/content/120372-kam-es-fast-zu-einem-911-fuer-das-europa-stromnetz/


Einigung mit Großbritannien dank großer Geschlossenheit der EU

Nach elf Monaten zähen Ringens haben sich die EU und das Vereinigte Königreich in der Nacht zum Donnerstag auf ein Freihandelsabkommen geeinigt. Dazu erklärt die stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Katja Leikert:

„Die CDU/CSU-Fraktion begrüßt den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Die Einigung sehen wir mit großer Erleichterung, da ein Scheitern auf den letzten Metern nicht auszuschließen gewesen war.

Der Erfolg hat wie immer viele Väter. Der EU-Unterhändler Michel Barnier hat unermüdlich und pragmatisch für ein Abkommen gekämpft. Dabei hat er stets einen engen Draht zu den EU-Institutionen und den nationalen Regierungen gehalten und so die Einheit der EU in beeindruckender Art und Weise gewahrt. Auch die Kanzlerin hat als Vertreterin der deutschen Ratspräsidentschaft einen wichtigen Beitrag geleistet, um die Reihen der EU geschlossen zu halten. 

Die Gewinner der Einigung sind nun die Händler, Unternehmer und Arbeitnehmer auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Gewonnen haben auch diejenigen, die weiterhin an eine enge Partnerschaft der britischen Inseln mit dem europäischen Festland glauben.

Dass die Gespräche so lange dauerten, dass die Partner so hart miteinander gerungen haben, zeigt, wie stark die Symbiose nach Jahrzehnten der Mitgliedschaft in der EU auf so vielen Ebenen war – kulturell, wirtschaftlich, politisch, militärisch und auf Verwaltungsebene. Für uns ist daran auch der Mehrwert der EU eindrücklich abzulesen. 

Es ist die aufrichtige Hoffnung der CDU/CSU-Fraktion, dass mit der vorliegenden Lösung ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts verhindert werden kann. Premierminister Johnson muss dafür weiter alles in seiner Macht Stehende tun.

Die EU darf sich nicht auf dem Erfolg ausruhen: Sie muss ihr Möglichstes tun, um schnell eine umfassende Sicherheitspartnerschaft, die auch Bereiche wie Terrorabwehr und militärische Zusammenarbeit umfasst, auf die Beine zu stellen.“


Das Vermächtnis des Märtyrers Alfred Delp: „Weil ich an Deutschland glaubte“

Von Dr. Herbert Czaja (†)

Am 2. Februar 1945 – somit vor 75 Jahren – wurde Pater Alfred Delp SJ hingerichtet. Das Todesurteil war, anders als bei vorangegangenen Urteilen, nicht sofort vollstreckt worden.

Zeitweise gefesselt, konnte der Geistliche ab 11. Januar eine Reihe von Briefen und Meditationen aus dem Gefängnis herausschmuggeln (vgl. Gesammelte Schriften IV, S. 102 ff.), die sich auch mit der sittlichen und religiösen Pflicht für Deutschland befassten.

Zwischen aussichtslosem Hoffen auf Rettung und der Vorbereitung auf den Tod hat er sie teilweise „in großer innerer Ruhe“ auf dem Weg zur letzten Freiheit vor Gott und dem Erlöser geschrieben. Sie sind ebenso ehrlich wie erschütternd.

Das NS-Regime warf Delp „unerträgliche Ketzerei“ vor

Ohne direkten Kontakt mit dem 20. Juli 1944 zu haben, wurde der Jesuitenpater verurteilt wegen der für Freisler unerträglichen „Ketzerei gegen das Dogma: NSDAP – Drittes Reich – Deutsches Volk = leben gleich lang und sterben miteinander“ (IV, 106).

Wenige Monate vor der militärischen Kapitulation schrieb Delp:

„Mein Verbrechen ist, dass ich an Deutschland glaubte, auch über eine mögliche Not- und Nachtstunde hinaus. Dass ich an jene simple und anmaßende Dreieinigkeit des Stolzes und der Gewalt nicht glaubte. Dass ich dies tat als katholischer Christ und als Jesuit.

Das sind die Werte, für die ich hier stehe am äußersten Rande und auf den warten muss, der mich hinunterstößt: Deutschland über das Heute hinaus als immer neu sich gestaltende Wirklichkeit Christentum und Kirche als die geheime Sehnsucht und die stärkende, heilende Kraft dieses Landes und Volkes

Auch Delps frühere zahlreiche Aussagen zur geschichtlichen Bedeutung von Heimat, Volk und Deutschland sind heute noch und wieder von neuem gültig.

Der Geistliche war u.a. wegen der Besprechungen mit Helmuth J. Graf Moltke (ohne Teilnahme von Nationalsozialisten, aber in Anwesenheit eines Jesuiten) über eine mögliche Erhaltung der Einheit des Deutschen Reiches und die Mobilisierung der Unbelasteten zur politisch-geistigen Abwehr bei der Besetzung des Reichsgebietes verurteilt worden (IV, 113 und 357 ff.).

Dabei war gedacht an die Mobilisierung der Heimatverbundenen, „der wirtschaftlichen Gegebenheiten“ und der „Kirche als moralischer Hilfe“ (IV, 357), allerdings nach völliger Ablösung der NSDAP und ihrer Repräsentanten.

„In diesem Fall (der Besetzung) darf kein Friede geschlossen werden, sondern muss im ganzen Reich eine einheitliche Linie der Abwehr durchgehalten werden“ (IV, 357). Wenige Monate vor der Kapitulation forderte er die Sicherung des Arbeitsfriedens und den bundesstaatlichen Föderalismus und Abwehr gegen die Unterdrückung, vor allem in den Regionen und Ländern.

Am meisten hatte er Freisler erregt, als er und die anderen darauf hofften, nach einem verlorenen Krieg das Deutsche Reich politisch retten zu können „bei gewissen innerdeutschen Voraussetzungen“ (IV, 359). Als besondere Belastung galt auch, dass er mit Moltke, Mierendorff und katholischen Kreisen Möglichkeiten zur „Schaffung der Grundlage einer schwarz-roten Koalition“ erörterte (IV, 158).

Nach Freisler aber durfte und konnte es kein „Nachher“ für Deutschland bei einer Niederlage des Nationalsozialismus geben. Deutsches Volk, Christentum und katholische Kirche waren für ihn unvereinbar.

Pater Delp aber sah die Zukunft so:

„Man soll das wissen und festhalten, dass wir bereit sind, für Deutschland zu sterben, weil wir als Christen an Deutschland geglaubt haben“ (IV, 360).

„Durch die Art der Prozessführung hat unser Leben ein Thema bekommen, für das sich leben und sterben lässt. Entweder fallen wir als Samen für dieses kommende Deutschland, oder wir werden mit Gewalt und mit ungeheurer Intensität gebildet für den Dienst an diesem Deutschland …“ (IV, 360).

Für diesen Samen haben in anderer Weise auch gewirkt: Helmuth J. Graf Moltke, Graf Stauffenberg, Bolz, Julius Leber, Leuschner, Goerdeler und viele andere aus dem sozialdemokratischen, bürgerlichen, aber auch aus dem preußischen oder als konservativ oder sonstwie abgestempelten Widerstand.

Dienst an Deutschland als zeitlose Aufgabe

Einige konkrete Zielsetzungen mögen – und man muss das aus der Zeitgeschichte verstehen – überzogen gewesen sein. Die Anfänge der Konzeptionen lagen ja in einer Zeit des scheinbar großen NS-Erfolges in aller Welt und gewaltiger Kriegserfolge…Das Grundanliegen für Deutschland, für die Deutschen und für Europa bleibt.

Geraume Zeit hat man bei uns wenig über den „Dienst an Deutschland“ – sittlich gereinigt, eingefügt in den Dienst am Gemeinwohl der Völker – veranwortungsvoll diskutiert. Nun scheint dies wieder eine aktuelle, wenn auch politisch umstrittene Aufgabe zu werden.

Die kämpferische Linke verschweigt oft dieses von Delp und anderen Widerstandskräften angesprochene Ziel für unser Volk und für Deutschland. Für die Kommunisten bei uns und für die Medienpropaganda im Ostblock gab es diesen Widerstand nicht – oder er wird fälschlich als nationalstaatlicher Rettungsversuch preußischer Junker – unmittelbar vor der unausweichlichen Niederlage – entstellt.

BILD: Einer der Buchtitel von Dr. Czaja

Auf der anderen Seite ist für diejenigen, die mit dem Nationalsozialismus geistig verbunden waren, aber auch für einen Teil des deutschen Rechts-Konservativismus, dieser Widerstand extremes Unrecht gegen die – meist rechtspositivistisch verstandene – Unterwerfung unter jede Regierungsgewalt gewesen, also einfach Verrat.

Am schlimmsten aber sind in ihrem Verhältnis zu diesen Aussagen und Plänen die „Lauen“, die „Epigonen des Nationalsozialismus“. Darunter sind manche, die in der Jugend noch teils unbewusst, teils falsch begeistert, teils aber auch überzeugt „mitmachten“, oder deren Eltern mit der Zwangsherrschaft verwoben waren.

Viele von ihnen gestehen nur sehr ungern selbst erklärbare Irrtümer ein und scheuen sich, sie persönlich aufzuarbeiten; man beruft sich auf die Kollektivschuld oder die völlige Unbetroffenheit… Die „Lauen“ denken nicht mehr an das Vermächtnis des deutschen Widerstandes für unser Land, halten es für überholt, zeitbedingt, bestenfalls im Einfluss auf das nicht mehr voll ernstgenommene Grundgesetz für allgemeine europäische Zielsetzungen für konsumiert.

Aber plötzlich ist in vieler Munde die Frage nach dem deutschen Volk im allgemeinen – also ethnisch gemeint – und dem deutschen Volk im besonderen – also als Staatsvolk –, nach der deutschen Nation, nach dem, was Deutschland auch heute noch ist, welche Rolle es einmal in Europa haben könnte, die Frage danach, was europäische Einigung eigentlich bedeutet.

Helmuth J. Graf Moltke wirkte in Schlesien, wo sich der Kreisauer Kreis um die sittliche Selbstreinigung der Deutschen Gedanken machte. Man vergisst auch, dass 1930 Oberschlesien das zweitschlechteste Ergebnis für die NSDAP erbrachte, 1932 dort noch immerhin 36 Prozent das Zentrum und lediglich 26 Prozent die NSDAP wählten.

Der Same, von dem Delp sprach, war lange verborgen, manches fiel auf steinigen Grund und unter Disteln, aber auch einiges auf fruchtbares Erdreich.

Gehört zu den immer aktueller werdenden Entscheidungen zum „Dienst an Deutschland“ heute nicht wieder die dramatische Frage Theodor Haeckers vor mehr als 40 Jahren – nach Jesaias –: Custos, Quid de nocte – wie steht es um die Entscheidungsstunden?

Das Ringen um Delps Vermächtnis, seine zeitgemäße Verlebendigung ist im Gange. Der Weg der Geschichte bleibt immer auch ein Kreuzweg (IV, 307). „Es hat jede Zeit und jedes Geschlecht seinen Auftrag in der Geschichte“ (IV, 308).

Als bedeutend bezeichnete Politiker geben zum aktuellen „Dienst an Deutschland“ unterschiedliche Antworten. Viele Politiker und die meisten Schulbücher, ebenso das Fernsehen und unsere ausländischen Vertretungen wagen meist nicht zu sagen, was Deutschland auch heute noch ist; das ist für ein Staatsvolk ein wahrhaft sonderbarer Zustand; da könnten wir uns schon bei anderen Völkern in Ost und West etwas Mut holen.

Die Grünen reden vom natürlichen Leben: wenn es aber um Volk und Staat geht, ist häufig ein marxistisch-leninistisches Vokabular nicht ohne Einfluss; noch öfter herrscht wirklichkeitsferne Schreibtisch-Ideologie, ohne Bindung an die natürlichen Gemeinschaften in diesen Fragen.

Pater Delp meinte es bitter ernst

Unmittelbar nach dem Tode Delps wurde das Protokoll von Jalta formuliert. Die amerikanische Administration moniert, dass die zugesagten Freiheiten in Osteuropa fehlen, und erklärt, sie habe Osteuropa nicht preisgegeben.

Deutschland behält eine geistige, eine soziale, eine politische Aufgabe, sagte Delp: „Wir sind die einzigen, die es immer wieder wagen, ganz von vorne zu beginnen …“ (IV, 328) Dies gilt ihm zufolge auch für die deutsche Rolle in Europa. „Wehe, wenn das schöpferische deutsche Volk auch nur in einer geschichtlichen Stunde schwiege, aus Resignation und Ermüdung.

Der Jesuit verlangt eine Leidenschaft zu den geistig fundierten Ordnungen und die Sicherung einer sozialen Gesellschaft. Delp wäre heute auf dem Weg nach europäischen und humanistischen Werten, einer föderalen Ordnung der Staaten, Völker und Volksgruppen, in der die Heimatverbundenheit eine große Rolle spielt, einem Weg der entschiedenen Abwehr von Überschwang, unglaubwürdiger Unterwürfigkeit, Isolationismus und Neutralismus in den Fragen unseres Volkes, unserer Nation und Deutschlands.

Delp meinte es bitter ernst um sein Volk und um die Regionen Deutschlands.

Dieser Artikel von Dr. Czaja besteht aus Auszügen aus der Deutschen Tagespost vom 1./2.2.1985


Erzbischof Moussa warnt Europa vor weiterer islamischer Migration und „Destabilisierung“

Unter den Einwanderern, die versuchen, von Syrien über die Türkei nach Europa zu gelangen, seien tausende „Dschihadisten“ mit dabei, also radikal-islamische Kämpfer. Dies erklärte Najib Mikhael Moussa, seit 2018 Erzbischof der altorientalischen chaldäischen Kirche von Mossul (Irak).

Der katholische Oberhirte wurde im Oktober 2020 zur Preisverleihung ins Europäische Parlament eingeladen und sagte, er sei „besorgt“ über das, was in Europa und insbesondere in Frankreich geschieht. Migration sei wie der Terrorismus nicht nur ein islamisches Problem, sondern werde geopolitisch von jenen Kräften vereinnahmt, die Europa „destabilisieren“ wollen.

Der Erzbischof griff den Inhalt seiner Rede vor dem National Catholic Register auf und erklärte:

„Ich war viele Male in der Türkei und habe die Flüchtlingslager besucht. Die Türkei hält alle diese Menschen in dem Wissen, dass sie ihre Türen öffnen kann, wann immer sie will. Das Problem der Migranten ist nicht nur ein humanitäres, sondern auch ein politisches. Sie werden für politische Zwecke benutzt.

Natürlich gibt es religiös-islamische Motive hinter den Anschlägen, aber diese sind nur ein Teil des Problems. Viele Länder sind davon überzeugt, dass sich der Islam leichter ausbreiten kann, wenn der Westen in Bezug auf die Sicherheit destabilisiert ist.“

Quelle und vollständige Meldung hier: https://unser-mitteleuropa.com/erzbischof-warnt-dschihadisten-infiltrieren-europa/


Die Wurzel europäischer Identität ist christlich

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

„Sind die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich Angriffe auf Europas christliche Identität?“ lautet eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA, durchgeführt im Auftrag der Tagespost zwischen 6. bis 9. November bei 2030 Personen.

Nach dem Ergebnis der Befragung sind 56% der Deutschen der Meinung, dass die „islamistischen Anschläge auf Europas christliche Identität zielen“. Von den katholisch Befragten bejahen dies 61%, aber 13% teilen diese Meinung nicht, 17% wissen keine Antwort.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Die befragten Protestanten sind sogar zu 69% der Meinung, dass die islamistischen Anschläge auf die christliche Identität Europas abzielen. Nach der Partei-Affinität teilen diese Sicht 78% der AfD-Wähler, 71% der Unionswähler, 66% der FDP-Wähler, 57% der SPD-Wähler. Linke und Grüne teilen diese Ansicht mit der relativen Mehrheit von 49% und 46%.

Was lässt sich daraus schlussfolgern? Und was ergibt sich hieraus für das politische Handeln, die Kulturpolitik und auch für die Kirchen?

Interessant ist insgesamt die hohe Zustimmung, die in den Antworten zum Ausdruck kommt. Sie liegt bspw. über der Zahl der Deutschen, die sich als „Christen“ bezeichnen (54%) und weit höher als die der praktizierenden Christen, gemessen an der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst. Diese beträgt bei Katholiken rund 9%, bei Protestanten ca. 3%. Wer die Identität als bedroht empfindet, gibt damit zu verstehen, dass er sich geschützt haben will.

Was heißt Identität?

Wikipedia definiert Identität so: „Identität ist die Gesamtheit der Eigentümlichkeiten, die eine Entität, einen Gegenstand oder ein Objekt kennzeichnen und als Individuum von Anderen unterscheiden. In ähnlichem Sinn wird der Begriff auch zur Charakterisierung von Personen verwendet.“

Die Bedrohten sehen durch den aggressiven Islamismus ihre kulturelle Gesamtheit gefährdet, wie sie sich bspw. im Verfassungsverständnis mit der menschlichen Würde, den Grundfreiheiten und Rechten ausdrückt. Dazu gehört nach deutschem Verständnis die Trennung von staatlicher Gewalt und Religion. Im Islam bilden sie eine Einheit.

Nach der INSA-Umfrage ergeben sich interessante Unterschiede im Gefühl der Bedrohung zwischen den Altersstufen. Die 18-29-jährigen sehen die christliche Identität nur zu einem knappen Drittel (32%) bedroht, während das Empfinden der Bedrohung bei den über 60-jährigen auf über 71% ansteigt.

Woran mag das liegen?

Zweifellos wollen auch die Jüngeren die Vorteile genießen, die ihnen unsere verfassungsmäßigen Rechte einräumen. Diese haben ihren Ursprung in der christlichen Kultur. Vielleicht halten die Jüngeren diese Rechte für selbstverständlich, weil sie noch nie eine Einschränkung ihrer Rechte hinnehmen mussten, oder weil ihnen die vom Christentum herrührenden Rechte aufgrund der zunehmenden Säkularisierung unserer Gesellschaft nie bewusst gemacht wurden. Sie halten die bestehende kulturelle Identität auch ohne Christentum für gesichert.

Ist das wirklich so?

Der frühere Präsident des italienischen Senats, Marcello Pera, ein bekennender Atheist, und der Kurienkardinal Joseph Ratzinger sind in einem Dialog der Frage nachgegangen, ob der Relativismus und die moralische Beliebigkeit einen demokratischen Staat und eine freie Gesellschaft bedrohen (in dem Buch „Ohne Wurzeln – Der Relativismus und die Krise der europäischen Kultur“, St. Ulrich Verlag, 2005)

Kann eine freie und menschliche Kultur ohne Verankerung im Christentum gesichert werden?

Joseph Ratzinger konzediert in diesem Dialog: „Der Katholik darf nicht auf dem Weg über die Gesetzgebung Wertordnungen auferlegen, die allein in Glauben zu erkennen und zu vollziehen sind. Er darf nur das anmahnen, was zu den, der Vernunft zugänglichen Grundlagen der Humanität gehört und daher für den Aufbau einer guten Rechtsordnung wesentlich ist“.

Aber „was ist denn dieses der gemeinsamen Vernunft aller Menschen zugängliche minimum morale?!

„Deswegen“ so Ratzinger weiter, „ist es sehr wichtig, eine philosophische Ethik zu entwickeln, die zwar mit der Glaubensethik in Harmonie steht, aber doch ihren eigenen Bereich und ihre denkerische Stringenz haben muss. Die Vernünftigkeit des Arguments sollte den Graben… aufheben und eine Ethik der Vernunft begründen.“

Ratzinger exemplifiziert seine These am „Problem des Personseins vom Augenblick der Empfängnis an.“ Er erinnert daran, „dass nach den Erkenntnissen der modernen Genetik schon vom ersten Augenblick an, eine feste Struktur dieses Lebewesens vorliegt: ein Mensch nämlich und zwar dieses konkreten menschlichen Individuums, das schon mit all seinen genau umschriebenen charakteristischen Merkmalen ausgestattet ist… Ein menschliches Individuum ist gegeben… wie sollte ein menschliches Inidviduum nicht eine menschliche Person sein?“

Daraus ergibt sich die ethische Schlussfolgerung: „Jedes menschliche Wesen muss – als Person – vom ersten Augenblick seines Daseins an geachtet werden… dann bedeutet die Autorisierung zur Tötung des Embryo, dass der Staat die Gleichheit Aller vor dem Gesetz leugnet. Die Frage des Lebensrechts Aller, die Menschen sind, ist für uns nicht eine Frage der Glaubensethik, sondern der Ethik der Vernunft“, so Ratzinger.

Nun ist der Kurienkardinal ein Realist und fügt in seinem Dialog an:

„In letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, dass der Relativismus – je mehr er zu allgemein angenommenen Denkform wird – zur Intoleranz tendiert und in einen neuen Dogmatismus umschlägt. Die Political Correctness… will die Herrschaft des Denkens und des Sprechens aufrichten“.

Jeder, der schon an einer Demo für das Leben teilgenommen hat, kann bestätigen, dass solche Veranstaltungen nur mehr möglich sind, wenn sie von einem großen Polizeiaufgebot geschützt werden. Der Relativismus kann also zu einer Gefahr für eine humane Gesellschaft werden.

Unsere christliche Identität ist auch von innen her gefährdet, weil dieses Europa „die Überzeugung von seinen eigenen Prinzipien und der Glaube an die eigenen Werte, ohne die man keine wirkliche Verfassung erstellen kann“ (Marcello Pera) nicht mehr hat.

Pera stimmt im Dialog mit Ratzinger dessen Feststellung zu, dass der Westen „sich selbst nicht mehr mag“, dass Europa „von innen leer geworden, gleichsam gelähmt zu sein scheint“ und dass es einen „nur als pathologisch zu bezeichnenden Selbsthass des Abendlandes“ gibt, der „nur noch das Grausame und Zerstörerische sieht.“

Auch diese Etikettierung wird stärker für die jüngeren Jahrgänge zutreffen und sie ist zugleich eine Anfrage an die Unterrichtsfächer, die Geschichte und Kultur zum Inhalt haben. Sie ist gleichzeitig eine Aufgabe, das zu ändern.

Die christliche Identität ist nicht in erster Linie durch islamistische Terroristen gefährdet, sondern durch die Unwissenheit über die christliche Religion. Wie soll die christliche Identität für die Zukunft gesichert werden, wenn jene welche sie als bedroht empfinden, nicht mehr wissen, was der Inhalt des Christentums ist.

Wenn es durch Neuevangelisierung nicht gelingt, das christliche Lebensmodell als eine lebbare Alternative zu den immer leerer werdenden Vergnügungen, die die Freizeitgesellschaft bietet (Ratzinger) als faszinierend zu zeigen, dann hat die christliche Identität keine Zukunft.

Wir können aber nicht warten, bis der Staat das richtet. Mutige kreative Minderheiten sind gefragt, die das Evangelium Christi wie in der Zeit der ersten Jahrhunderte zu den Menschen bringen, auch zu den Moslems bei uns. Denn alle Menschen haben das Recht Jesus Christus kennenzulernen.


INSA: Mehrheit sieht Terroranschläge als Angriff auf Europas christliche Identität

56 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich auf Europas christliche Identität zielen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Erfurter Meinungsforschungsinstituts „INSA “, die im Auftrag der „Tagespost“ durchgeführt wurde.

16 Prozent sind gegenteiliger Ansicht; 18 Prozent  wissen nicht, wie sie dazu stehen.

Von den katholischen Befragten sind 61 Prozent der Meinung, die Anschläge nehmen Europas christliche Identität ins Visier. 13 Prozent sind gegenteiliger Ansicht, 17 Prozent der Katholiken wissen nicht, wie sie dazu stehen.

Größte Zustimmung von allen Konfessionsgruppen kommt mit 69 Prozent von den protestantischen Befragten. Nur zehn Prozent von ihnen sehen die Anschläge nicht als Angriffe auf Europas christliche Identität. Freikirchliche wie Konfessionslose stimmen ebenso mehrheitlich zu (50 und 57 Prozent).

Muslime sind jedoch nur zu acht Prozent dieser Meinung und sehen mit 51 Prozent mehrheitlich keine Anschläge auf Europas christliche Identität.

Während AfD-Wähler zu 78 Prozent die Ansicht teilen, dass die islamistischen Anschläge in Frankreich und Österreich auf Europas christliche Identität zielen, sind auch 71 Prozent der Union-Wähler und 66 Prozent der FDP-Wähler dieser Meinung. Mehrheitlich kommt auch von Wählern der SPD Zustimmung (57 Prozent). Linke- und Grünen-Wähler stimmen jeweils mit 49 bzw. 46 Prozent zu.

Quelle: Pressemeldung der DT: www.die-tagespost.de