Linke Randale gegen Prozession für das Leben Farbanschlag auf den Dom in Münster

Von Felizitas Küble

Am Samstag, dem 23. Oktober 2021, wurde in Münster erneut der Gebetszug für das Leben mit weißen Holzkreuzen durchgeführt. Veranstalter ist seit Jahrzehnten der Verband „EuroProLife“ von Wolfgang Hering, der diese Gedenkaktion für die Ungeborenen auch in Erinnerung an Kardinal von Galen durchführt, den Bischof und „Löwen von Münster“, der mit seinen weltberühmten Predigten mutig gegen den Massenmord an behinderten Menschen in der NS-Diktatur aufstand.

Auch heute wollen sich Christen mit dem Unrecht der Massenabtreibung nicht abfinden. Gleichwohl betont Versammlungsleiter Hering, daß es sich bei dieser Prozession nicht um einen „politischen Marsch“ handelt, auch nicht um eine Diskussionsplattform, sondern um Gebete für die bedrohten Babys im Mutterleib und für alle Betroffenen, seien es Täter/innen oder Opfer. Es gehe nicht um Anklage, sondern um Fürbitte und darum, auch in der Öffentlichkeit ein Zeugnis zu geben für das Leben.

Die Initiative begann mit einer Kundgebung auf dem Kirchplatz von St. Aegidii in der Innenstadt von Münster. Wolfgang Hering erinnerte an die tödlichen Euthanasie-Maßnahmen in unseliger Zeit: 1938 habe der NS-Staat die Hebammen dazu verpflichtet, behinderte Frühgeborene dem Gesundheitsamt zu melden; sie wurden abgeholt und starben nach einigen Wochen an einer angeblichen „Lungenentzündung“ etc. So wurde die Vernichtung „unwerten“ Lebens gegenüber dem Volk vertuscht.

Heute wird gerne vom „Selbstbestimmungsrecht“ der Frau über ihren „Körper“ gesprochen. Hering erklärte, die Forderung sei zunächst völlig berechtigt – sofern es wirklich um den Körper der Schwangeren geht – und nicht um das Kind im Mutterleib, das über (s)einen eigenen (!) Körper verfügt.

Abtreibung ist nicht etwa Ausdruck von Selbstbestimmung, sondern Fremdbestimmung gegen das Lebensrecht der Ungeborenen. Das gilt auch für die Tötung behinderter Kinder im Mutterleib, die sogar über den 3. Monat hinaus straffrei möglich ist. Hering betonte: „Ungeborene sind Menschen wie Du und ich.“

Der Präsident von EuroProLife erwähnte sodann seine Eindrücke aus der Begleitung von Abtreibungsbetroffenen der letzten 25 Jahre. Viele Frauen seien verzweifelt, würden um ihr getötetes Kind weinen und ihre Tat zutiefst bereuen.

Seit Jahrzehnten gibt es linksradikale Randale gegen diese friedliche Prozession, die aus Gebeten, Liedern sowie Phasen stiller Besinnung besteht – und durch die Innenstadt von Münster führt, vorbei an mehreren Kirchen (z.B. Lamberti, Ludgeri, Liebfrauen) und auch an der Synagoge.

BILD: Ein Polizist in Hab-Acht-Stellung schützt unsere Prozession

Nur durch starken Polizeischutz von hunderten Beamten ist es den Lebensrechtlern überhaupt möglich, den Domplatz für ihre Abschlußkundgebung zu erreichen (dies wurde früher mehrfach von Chaoten blockiert).

Die Polizei reagierte sehr hurtig und aufmerksam; sie flankierte unseren Gebetszug auf beiden Seiten; zudem fuhren zwei große Polizeiwagen und Motorräder unserer Prozession vorneweg und weitere Mannschaftswagen folgten hinten.

Überdies waren Polizeiautos in mehreren Seitengassen quer abgestellt und zusätzlich Gitter aufgebaut, um die Abtreibungs-Aktivisten zurückzudrängen. Wie die „Westfälischen Nachrichten“ heute schrieben, haben die Sicherheitskräfte teils „rigoros durchgegriffen“, um unsere Prozession zu schützen.

Die Gegendemonstranten störten unseren Gebetszug mit lautstarkem Geschrei und Krach (Sirenen, Trillerpfeifen, auf Töpfe schlagen etc). Sie riefen ständig ihre üblichen Sprüche „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“ – „Ob Kinder oder keine entscheiden wir alleine“ – oder Frechheiten wie „Haltet die Fresse!“.

Besonders irrsinnig war die Parole: „Für die Freiheit, für das Leben, Selbstbestimmung muß es geben“ – Ausgerechnet die Forderung nach Abtreibung soll „für das Leben“ sein?!

Die Passanten in den Fußgängerzonen und Geschäftsstraßen schauten dem „aufregenden“ Treiben erstaunt zu, teils mit offenen Mund standen sie verblüfft da und konnten es wohl nicht fassen, daß diese harmlosen Beter unentwegt von Chaoten verbal attackiert wurden.

Graffiti-Anschlag an der Mauer des Doms in Münster

Am Schluß trafen sich die Lebensrechtler auf dem Domplatz von Münster am steinernen Denkmal des Kardinal von Galen, das seit Jahren von der Gegenseite übel beschmiert wird und auch jetzt massiv mit Farbe verunstaltet war.

Noch schlimmer traf es allerdings den Sankt-Paulus-Dom unweit des Galen-Denkmals: Dort hatten Chaoten ihre Parolen hinterlassen: „PATRIARCHAT ZERSCHLAGEN“ – und für totale Abtreibungsfreiheit: „§ 218 ABSCHAFFEN“ eine schwere Sachbeschädigung an einem Gotteshaus.Auch an der Aegidii-Kirche gab es wieder Farb-Attacken mit Abtreibungsparolen.

Als die Beter mit ihren weißen Holzkreuzen und Gesängen zum Domplatz zogen, erwartete sie bereits ein ohrenbetäubender Lärm von der „Antifa“ und sonstigen ultralinken Gruppen. Die Polizei schützte unsere Abschlußkundgebung durch ein Gitter und durch ihre massive Präsenz vor dem Näherrücken von Randalierern. Der Krach war trotz des Abstands noch so enorm, daß wir die Ansprache von Herrn Hering akustisch kaum verstehen konnten.

Die Parolen auf den Plakaten der Gegner (siehe Foto) waren z.T. äußerst primitiv: So z.B. „Christentum ist eine Sch…-Religion“ (dort natürlich keine Pünktchen) sowie „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ – oder im übelsten Gossenjargon: „Auch Maria hat gef….“ (im Original ausgeschrieben). Es geht hier anscheinend nur um aggressive Provokation.

Gleichwohl rief Herr Hering alle dazu auf, die meist jungen Leute nicht zu verurteilen, sondern zu beten, denn alle Menschen sind Gottes Geschöpfe, auch die irrenden.
Das Vaterunser fordert uns auf: „….wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ – So seien diese Störaktionen gleichsam ein „Trainingscamp“ für den christlichen Vergebungswillen, erläuterte der Versammlungsleiter.

Der HERR schaue auf unseren Einsatz und ER höre unsere Fürbitten, sagte Hering weiter: „Der Teufel haßt betende Christen.“ Für die „Höllenpost“ (wenn es eine solche Zeitschrift gäbe) seien die Gebete und das Zeugnisgeben der Gläubigen eine echte Katastrophenmeldung, meinte er in anschaulicher Bildersprache: „Erst recht, weil uns die Polizei auch noch wirksam beschützt.“

Am Schluß dankte Hering allen Teilnehmern und besonders den Beamten für ihren Einsatz, wobei – wie jedesmal am Kardinal-von-Galen-Denkmal üblich – zum Abschluß ein Vaterunser und Ave Maria für die Polizisten und ihre Familien gebetet wurde.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferusewrk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Erfolgreicher Marsch für das Leben in Wien

Mit mehr als 2500 Teilnehmern war der Marsch fürs Leben 2021 in Wien ein voller Erfolg und ein deutliches Zeichen für das Lebensrecht der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft – der Ungeborenen und der Alten und Kranken. 

Wie jedes Jahr gingen zahlreiche Familien und Menschen aller Altersgruppen gemeinsam auf die Straße, um ein Ende der Abtreibung, Unterstützung für schwangere Frauen in Notsituationen und – angesichts aktueller Entwicklungen – den Schutz der Alten und Kranken vor der Einführung der Euthanasie zu fordern. 

Vor Beginn der Kundgebung gab es dieses Jahr ein breites Angebot an Feierlichkeiten. einen Gottesdienst der Evangelischen Allianz, eine orthodoxe Liturgie und zwei katholische hl. Messen. Daran nahmen zahlreiche Teilnehmer des Marsches teil. Hauptzelebrant der Hl. Messe in der Peterskirche war Weihbischof Scharl. 

Um 13:30 Uhr begann die Kundgebung die wieder am Stephansplatz stattfinden konnte. Moderator Ludwig Brühl begrüßte die Teilnehmer, unter denen sich auch Weihbischof Scharl und Abgeordnete zum Nationalrat, Gudrun Kugler, und weitere Politiker befanden. 

Durch Erzpriester Alexander Lapin liess der orthodoxe Metropolit Arsenius eine Grußbotschaft zukommen: „Die grundsätzliche Heiligkeit des Lebens gehört zu den Fundamenten unseres Glaubens und ist nach unserer christlichen Überzeugung unantastbar und genießt Gültigkeit – bedingungslos.“

Der freikirchliche Pastor Raimund Harta betonte auch in Bezug auf Euthanasie, die durch ein Urteil des VfGh bald legalisiert werden könnte:

„Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die Menschen nahelegt, von ihrer „Autonomie“ Gebrauch zu machen, indem sie sich selber mit Hilfe anderer umbringen, sondern in einer Gesellschaft, die ihnen Mut macht, Nähe und Zuwendung schenkt. Alte und kranke Menschen sollen nicht das Gefühl haben, eine Last und überflüssig zu sein!“ 

Zu unserer großen Freude ist Anna Bonetti speziell aus Italien zu unserem Marsch nach Wien angereist, um über ihre Geschichte zu sprechen. Sie selbst wurde aufgrund eines genetischen Defekts gehörlos geboren. Vor 4 Jahren entdeckte sie den Lebensschutz für sich und kritisiert:

„Abtreibungsbefürworter verkünden, dass wir eine Schwangerschaft abbrechen können und später versuchen können, Kinder zu bekommen. Aber eine Schwangerschaft ist nicht etwas, was wir einfach unterbrechen können. Ein durch Abtreibung verlorenes Kind ist für immer weg! Jeden Tag verlieren wir tausende Kinder, die nie die Chance bekommen, unsere Freunde, Partner oder Schulkameraden unserer Kinder zu sein.“ 

Danach wollten die Teilnehmer vom Stephansplatz über den Ring zurück zum Stephanplatz ziehen, wurden aber von aggressiven Gegendemonstranten grob blockiert und belästigt. Dennoch waren Stimmung und Atmosphäre ungebrochen gut und die Teilnehmer bedankten sich mit fröhlichem Applaus bei der Polizei. 

Bei der Schlusskundgebung forderte Theresa Habsburg noch einmal den österreichischen Gesetzgeber dazu auf, alles zu unternehmen, um die Einführung der sogenannten Sterbehilfe in Österreich zu verhindern und endlich für einen wirksamen Schutz ungeborener Kinder und ihrer Mütter zu sorgen. 

Der nächste Marsch für Leben findet am 15. Oktober 2022 statt.


Die Vernichtung „unwerten“ Lebens und Menschenzucht: Erfahrungen aus der NS-Zeit

Von Lucia Tentrop

Eine „Reproduktionmedizin“ für Frauen, von der man immer öfter liest, war mir bislang fremd. Eine Freundin, die Agrarwissenschaft studiert hat, erklärte mir, dass das Wort aus der Tierzucht kommt: Man züchtet die Kühe und Schweine dem Markt entsprechend, so dass sie mehr Milch und mageres Fleisch liefern.

Wenn wir das auf uns selbst übertragen, werden wir Menschen züchten, die unserem am Markt orientierten Bildungssystem entsprechen und intellektuell, technisch und sprachlich kommunikativ sind  – während die unsere Geisteswelt tragenden Kräfte der Innerlichkeit, der Seele, der musisch-religiösen Tiefe, verflachen und nicht mehr die Kraft haben, uns in der zunehmend destruktiven Sucht nach dem äußeren „Mehr“ innerlich tief genug im Lot zu halten.      

Ich kann es Peter Schallenberg nachfühlen, wenn ihn gezielte „Produktion“  und Abtreibung von Menschen an die Nazis erinnert, die Hunderttausende von psychisch kranken Menschen als nutzlos umgebracht haben.

Meine Großmutter war auch dabei. Weil die jungen Männer im Krieg waren und sie den Hof mit den Kindern und ihrem Großvater allein bearbeiten und dabei noch eine äußerst anspruchsvolle Tante pflegen musste, war sie so überfordert, dass sie wegen einer Depression in die Raphaels-Klinik nach Münster gebracht wurde. Von dort kam dann bald die schriftliche Nachricht, dass sie in der Klinik plötzlich verstorben war.

Meine Eltern sprachen lebenslang nie darüber. Sie hatten verinnerlicht, dass „unwertes Leben“ für eine Familie eine Schande und vielleicht sogar eine Gefahr war. Ich erfuhr es später von meinem älteren Bruder und meiner Patentante.

Als Kind in der  Nachkriegszeit habe ich sogar eine Nierenkrankheit unterdrückt, weil ich nicht krank sein wollte. Erst als jemand bemerkte, dass ich mich auf der Treppe vor unserer Haustür vor Schmerzen wand,  haben meine Eltern „geschaltet“ und den Arzt gerufen. Krieg und Wiederaufbau belasteten alles. 

Eine Frau aus unserm Dorf, die der Staat wegen der zerstörten Häuser mit ihrem Mann in unser Einfamilienhaus einquartiert hatte, erzählte uns Jahre später bei ihren Besuchen, wie Menschen von den Nazis gezüchtet wurden:

Weil sie blond war, kam sie nach der Realschule zur praktischen Ausbildung in eine Einrichtung, in der es auch eine Abteilung für blonde junge Männer gab, die nach bestimmten körperlichen Vorzügen ausgesucht und als Hitlers Elite für die Erhaltung der germanischen Rasse sorgten.  

Diese Mädchen waren ständig unter strenger Aufsicht, mussten hart arbeiten und jeden Morgen mit  nacktem Oberkörper auf dem Hof Lauf-Übungen machen, damit – wie Frau B. immer betonte –   die Brüste wackelten, während die jungen Männer aus den Fenstern zuschauten.

Von Zeit zu Zeit fragte die Aufseherin dann immer mal wieder: „Ist jemand von euch bereit, dem Führer ein Kind zu schenken?“

Wenn sich dann ein Mädchen bereit erklärte, wurde sie offiziell bevorzugt und von der harten Arbeit in ein  besseres Leben erlöst. – Soweit der Erlebnisbericht. Was mit den Babies passierte, ob und wie lange sie bei der Mutter blieben, weiß ich nicht. Unsere ehemalige Mieterin hatte dieses  Zuchtverfahren nicht mitgemacht und so die Folgen nicht miterlebt.

Heute wird man fast mit den Tätern in einen Topf geworden, wenn man darüber im Klartext spricht.   In dieser Erinnerung erlaube ich mir den Vorschlag, als Christen nicht nur das „Produkt“, sondern auch die „Reproduktion“ in Anwendung auf Menschen mit Gänsefüßchen zu schreiben oder von  „sogenannter  Reproduktionsmedizin“ zu sprechen, um uns davon zu distanzieren. Für uns ist der  Mensch ist kein verfügbares „Produkt“, sondern im tiefsten Sinne des Wortes Person (vgl. Gal 2,20). 

Unsere Autorin Lucia Tentrop ist katholische Theologin, Musikerin, Malerin und Pädagogin; hier ihre Homepage: www.lucia-tentrop.de                                  


Kolumbien: Kath. Bischöfe protestieren gegen Euthanasie auf Verlangen

Die Kirche Kolumbiens hat sich besorgt über die weitere Legalisierung der Euthansie in ihrem Land geäußert. Dies stelle einen „schweren Verstoß gegen die Würde der menschlichen Person“ dar und leiste „der Zersetzung der Grundwerte der sozialen Ordnung Vorschub“, schrieb der Vorsitzende derBischofskonferenz, Luis Jose Rueda Aparicio.

In Kolumbien hat das Verfassungsgericht vorige Woche über eine Ausweitung des Rechts auf „Sterbehilfe“ entschieden. Der „Straftatbestand der Tötung aus Gnade“ treffe nicht auf Euthanasie an einem Patienten zu, der „infolge einer Körperverletzung oder einer schweren und unheilbaren Krankheit schwere körperliche oder seelische Leiden erleidet“, hieß es im Urteilsspruch. Der Eingriff müsse von einem Arzt und mit der „freien und informierten Zustimmung“ des Patienten durchgeführt werden.

Die Bischöfe schreiben, die Entscheidung des Gerichtshofs stelle „eine große Gefahr für die schwächsten und verletzlichsten Mitglieder unserer Gesellschaft“ dar. Werde Druck auf ihr Leben ausgeübt, beschränke dies ihre Freiheit deutlich. Als Gegenmaßnahme sei dringend eine „solidarische Haltung gegenüber der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit des Menschen“ nötig.

Quelle und vollständige Nachricht hier: https://www.vaticannews.va/de/welt/news/2021-07/kolumbien-kirche-kritik-sterbehilfe-verstoss-menschenwuerde-not.html?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=NewsletterVN-DE


Der moderne Mensch und sein Problem, die eigene Endlichkeit zu ertragen

Im Alten Testament finden wir eine wunderbare Erzählung, die uns Orientierung gibt, wie wir mit dem Leid eines anderen umgehen sollen:  

Hiob findet keine Erklärung für sein Leiden und auch seine Freunde nicht, aber letzten Endes  erkennt er den Sinn seines Leidens in der Ergebung in den göttlichen Willen und findet damit in die höchste Form des Gebets des Geschöpfes zu seinem Schöpfer.

Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis unterstützen ihn seine Freunde durch ihre stumme Anwesenheit: sieben Tage und Nächte lang harren sie schweigend bei ihm aus. Kein Wort wird gesprochen, alle sind erstarrt ob des furchtbaren Leidens des Freundes, aber sie bleiben bei ihm und halten seine Schmerzen und seine Trauer aus.

Genau das ist es, was ein Schwerkranker, ein Sterbender braucht: die Anwesenheit eines Menschen, an dessen Hand er sein Leben beenden kann und der keine Angst davor hat, sich mit dem Tod zu konfrontieren, der an seiner Seite ist in den schwersten Stunden seines Lebens und das Sterben des anderen erträgt und mitträgt.

Die beste Medizin und das modernste Spital können diesen Menschen nicht ersetzen!  

Unsere Familienstrukturen sind zerbrochen, die Großfamilie existiert längst nicht mehr, welches Kind erlebt noch den Tod eines Familienangehörigen direkt mit und lernt so den Umgang mit den Grenzen des Lebens?

Aus diesem Mangel heraus sieht sich der heutige Mensch kaum mehr in der Lage, diesen so notwendigen Dienst an einem Sterbenden zu leisten, denn dann wäre er mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert, aber die möchte er lieber verdrängen, weil er sie nicht aushält.

Da ihm ein tragendes Fundament fehlt, eine Autorität, die ihm Halt gibt, so wie es durch viele Jahrhunderte hindurch der Glaube für den Menschen war, kommt er auf die zutiefst unmenschliche Lösung, dieses Unvermögen mit einem Gesetz zur Freigabe des assistierten Selbstmordes, der aktiven Sterbehilfe zu kompensieren.

„Verkündige das Wort, tritt dafür ein…“ (2 Tim 4, 2)

Seit vielen Jahrzehnten schon sägt die europäische Gesellschaft an ihren Wurzeln, löst sich von ihrer Verankerung in der abendländischen Zivilisation, von ihrem christlichen Erbe. Die Einführung der Euthanasie in vielen europäischen Ländern ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Kann es denn verwundern, dass die Menschen, losgelöst von der Bindung an ihren Schöpfer, orientierungslos sind und bis zum Letzten verwirrt? Muss ihnen nicht der Sinn in diesem Leben verschlossen bleiben? Und: wie könnten sie überhaupt noch die Grenzen erkennen, die dem Menschen gesetzt sind?

Seit Jahrzehnten verkündet die katholische Kirche den Menschen nicht mehr, was sie ihnen jedoch sagen müsste:  Die volle Wahrheit der christlichen Lehre! Katechesen finden nicht mehr statt, Predigten sind inhaltslos und gefällig geworden.

Selbst die Gläubigen wissen nichts mehr von ihrem Glauben, wie kann er ihnen dann Halt geben im Umgang mit Krankheit und Tod? Wenn die Kirche nicht wieder ihr prophetisches Amt aufnimmt und den Menschen die Zeichen der Zeit deutet (sei es gelegen oder ungelegen, wie der Völkerapostel Paulus schreibt), ist unsere Gesellschaft verloren! 

Europa eilt dem Abgrund entgegen

Wir Katholiken sind davon überzeugt, dass der dreifaltige Gott allein der HERR über unser aller Leben ist, Er gibt uns das Leben und Er allein bestimmt, wann dieses Leben beginnt und wann es auf dieser Erde sein Ende findet.

Niemals dürfen wir dem Mainstream nachgeben, der die Abtreibung und nun vielleicht schon bald auch die aktive Sterbehilfe banalisiert und fördert! Als Christen müssen wir hier Widerstand leisten!

Das menschliche Leben ist geheiligt von seinem Schöpfer, von der Befruchtung an bis zum natürlichen Tod, es ist und bleibt unantastbar und keinem Geschöpf auf dieser Erde ist das Recht gegeben, daran zu rühren – unabhängig davon, was uns irdische Autoritäten sagen.  

Der hl. Apostel Paulus wusste es schon vor fast 2000 Jahren: „Von der Wahrheit wird man das Ohr abwenden und sich den Fabeleien zukehren“ (2 Tim 4,4)

Quelle: https://fsspx.de/de/news-events/news/gott-allein-bestimmt-den-zeitpunkt-wann-das-leben-auf-erden-sein-ende-findet-62605


„Sterbehilfe“-Studie: erschreckende Fakten

Pressemeldung der Ärzte für das Leben:

Eine Mitte Oktober 2020 veröffentlichte Studie von Prof. Dr. Karl H. Beine (em. Lehrstuhlinhaber für Psychiatrie der Universität Witten/Herdecke) liefert Einblicke zu Haltung und Praxis bei medizinischem Personal in Deutschland bezüglich Sterbehilfe.

Demnach haben 84 Ärzte und 65 Pflegende in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren mindestens einmal Patienten auf deren ausdrückliches Verlangen hin oder sogar ohne diesen Wunsch getötet.

Für die Dauer ihrer Tätigkeit als Arzt bzw. Pflegenden gaben 278 Ärzte und 117 Pflegende an, mindestens einmal das Leben eines Patienten auf diese Weise beendet zu haben. In etwa der Hälfte der Fälle seien die Patienten nicht mehr in der Lage gewesen, sich zu äußern.

Die Angaben zu Sterbehilfe wurden mit deskriptiven Begriffen und zugeordneten Definitionen in einer anonymen Online-Befragung unter 2507 ärztlich tätigen Personen und unter 2683 Pflegenden erhoben. Die Studie ist in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift DOI: 10.1055/a-1235-6550 erschienen und kostenlos online abrufbar.

Quelle: https://aerzte-fuer-das-leben.de/neues/aktuell-2020/

Weitere Infos:

Sterbehilfe: Befragung beleuchtet Haltung und Praxis bei medizinischem Personal in Deutschland
Pressemitteilung Universität Witten/Herdecke 10.11.20

PDF

Praxis der Sterbehilfe durch Ärzte und Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern
Dtsch Med Wochenschr 2020; 145: e123–e129 vom 13.10.20 (7 Seiten, PDF-Format)


Niederlande: Jetzt Straffreiheit bei Euthanasie gegen den Willen des Patienten

In den Niederlanden ist es Ärzten nun erlaubt, Patienten ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung vor der Euthanasie zu betäuben, wenn die Möglichkeit besteht, dass der Patient „unruhig“ wird, während der Arzt sich anschickt, ihr Leben durch „Sterbehilfe“ zu beenden. 

Die aktualisierte Richtlinie gilt für Patienten, die an Demenz oder einer ähnlichen Erkrankung leiden, wie die Catholic News Agency (CNA) berichtet.

Die überarbeiteten Bestimmungen besagen, dass es für Demenzpatienten „nicht notwendig ist, dass der Arzt mit dem Patienten den Zeitpunkt oder die Art und Weise der Euthanasie vereinbart“.

Das geänderte Verfahren folgt einem Freispruch des Obersten Gerichtshofs vom April 2020 zu folgender Causa:

Dr. Marinou Arends war zunächst wegen Mordes verurteilt worden, nachdem sie 2016 eine Patientin mit fortgeschrittener Alzheimer-Krankheit „euthanasiert“ hatte. Die Frau hatte zuvor angegeben, dass sie Sterbehilfe wünsche, wenn sie in ein Pflegeheim verlegt werde, änderte aber später ihre Ansicht. Trotz ihres Sinneswandels wurde sie getötet und die Ärztin freigesprochen.

Quelle und vollständige Meldung hier: https://de.catholicnewsagency.com/story/niederlandische-arzte-durfen-aufgeregte-patienten-vor-euthanasie-ruhigstellen-7340


ARD strahlt „Gott“ aus: Auf Leben und Tod

Von Felizitas Küble

Am heutigen 12. November sendet die ARD den Spielfilm „Gott“, der auf einem Theaterstück des bekannten Schriftstellers und Juristen Ferdinand von Schirach beruht.

Dort geht es um den – wie es in der Fachsprache heißt – ärztlich assistierten Suizid, also um Selbstmord mit Hilfe von Medizinern bzw einem von ihnen bereitgestellten Todescocktail. Abschließend können die Zuschauer „abstimmen“, wie sie selber darüber denken.

Am Ende des Films argumentiert zwar ein Bischof gegen den Suizid, womit er immerhin das Schlußwort spricht, doch der erwähnte Autor von Schirach hat das verhängnisvolle Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 öffentlich gewürdigt, obwohl die Karlsruher Richter sogar die geschäftsmäßige „Sterbehilfe“ erlaubten, die bis dahin gesetzlich verboten war, so daß entsprechende Vereine von Kusch und Co. höchst erfreut auf diese überraschende Entscheidung reagierten.

Das vom Bundestag verabschiedete, durchaus nicht niet- und nagelfeste Schutzgesetz von 2015 wurde somit von den Richtern kassiert und für ungültig erklärt, was die juristische Situation noch weiter verschlimmert hat.

Das Verfassungsgericht setzte das sogenannte Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen letztlich absolut, indem es soweit ging, eine medizinische Suizid-Beihilfe nicht nur Sterbenden und Schwerkranken zu ermöglichen, sondern allen „Lebensmüden“ unabhängig von Alter und Gesundheitszustand.

Zwar gibt es bei uns gottlob noch keine legale „Tötung auf Verlangen“ wie in den Niederlanden, wobei der Unterschied darin besteht, daß dort der Arzt dem Sterbewilligen eine Giftspritze geben kann, was hierzulande verboten ist, weil der Selbstmörder nur selber handeln darf, also den vom Arzt angebotenen Giftbecher eigenhändig zum Mund zu führen hat usw.

Bei der Debatte über das vermeintliche „Selbstbestimmungsrecht“ wird aber nicht „nur“ der christliche Grundgedanke verdrängt, wonach GOTT allein der HERR über Leben und Tod ist, sondern es werden auch die Anliegen und Rechte des nächsten Umfelds „übersehen“:

Oder hinterläßt nicht jeder Selbstmörder meistens Angehörige, Verwandte und Freunde, die seelisch unter diesem Geschehen leiden? Darf Freiheit grenzenlos und beliebig rücksichtslos sein?! Gibt es kein Sittengesetz mehr, das die Willkür des Einzelnen regelt und beschränkt?!

Immerhin heißt es in Art. 2,1 des GG: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Somit bildet das SITTENGESETZ laut unserer Verfassung eine elementare Schranke der „Persönlichkeitsentfaltung“. Der große Philosoph Immanuel Kant nannte es das allgemeingültige „moralische Gesetz“ – somit darf das „Selbstbestimmungsrecht“ keineswegs absolut gesetzt werden.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts war ein fataler Schritt in die falsche Richtung einer uferlosen Freiheit und damit Willkür, die in der Selbstvernichtung endet.


Euthanasie: „Gott“-Film in ARD am 23.11.

Am Montag, den 23. November, wird die ARD die TV-Verfilmung des Theaterstücks „Gott“ des deutschen Schriftstellers Ferdinand von Schirach ausstrahlen.

Verhandelt wird in dem Stück die Frage, ob es moralisch in Ordnung ist, sich selbst das Leben zu nehmen und ob Ärzte dazu beitragen sollen.

Als Rahmen dafür wählt der Autor eine Sitzung des Deutschen Ethikrates. In ihr lässt von Schirach das Gremium den Sterbewunsch des körperlich gesunden 78-jährigen Architekten Richard Gärtner debattieren, dessen Frau vor drei Jahren gestorben ist und für den das Leben ohne sie nach 48 gemeinsamen Ehejahren allen Reiz verloren hat.

Am Ende sollen die Zuschauer abstimmen können. Die ARD hat dem Thema eine Sonderseite gewidmet (www.daserste.de/unterhaltung/film/gott-von-ferdinand-von-schirach/index.html).

Nach Verkündigung der Voting-Ergebnisse wird TV-Moderator Frank Plasberg die Entscheidung mit Experten in seiner Sendung „hart aber fair“ diskutieren.

Quelle: ALFA-Newsletter


Prominente über den Euthanasiefall Julius S.: „Keiner darf den lieben Gott spielen“

Die BILD-Zeitung bringt in ihrer Printausgabe vom 13. November auf Seite 3 eine Rundfrage unter bekannten Persönlichkeiten: „Darf man seinen todkranken Partner erlösen?“ – Eigentlich hätte es statt dem schönfärberischen Wort „erlösen“ (fehlt nur noch der NS-„Gnadentod„) eindeutig „töten“ heißen müssen.

Die meisten der befragten Promis (Prominenten) reagieren erfreulicherweise negativ.

Auslöser des Artikels war der Fall des 91-jährigen Rentners S., der seine 90-jährige demente Frau – die sich nicht einmal im Sterbeprozeß befand – mit einem Kissen erstickt hatte. Danach wollte er sich selber töten, was ihm aber mißlang. Er wurde sehr milde (anscheinend auch seines hohen Alters wegen) zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Sängerin Marianne lehnt klar ab: „Man darf niemanden töten,auch nicht aus Liebe. Das ist ein grausamer Mord,der nicht geht.“

Ähnlich äußert sich Schlagerstar Heino: „Natürlich darf man das nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Menschen, den man am meisten liebt, umbringt – auch wenn das angeblich aus Liebe geschieht.
Wenn meine Hannelore so krank wäre, würde ich sie pflegen bis ans Ende meiner Kräfte.“

Fußballtrainer-Legende Christoph Daum erklärt: „Jeder Mensch hat ein Selbstbestimmungsrecht. Aber keiner darf den lieben Gott spielen, über Leben und Tod anderer entscheiden.“ – Er schränkt seine Ablehnung dann aber ein: „Nur mit ärztlicher und psychologischer Betreuung sollte Sterbehilfe geleistet werden.“