Steyler Zeitschrift sorgt für Verwirrung beim Thema Interkommunion

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Das Magazin der Steyler Missionare („stadt gottes“) bringt in der Ausgabe Nr. 2/Februar 2019 auf Seite drei und vier unter „Leserforum“ – „Hier kommen Sie zur Wort – Fragen, Meinungen, Anregungen“ den Artikel „Evangelisch – und bei der Erstkommunion dabei?“

Zu Wort kommt Pater Fabian Conrad SVD. Er wird als „Experte für Seelsorge“ und als „Bibelwissenschaftler, Seelsorger, Schulrektor des Arnold-Janssen-Gymnasiums in St. Wendel“ vorgestellt.

BILD: Prof. Gindert leitet den Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

Pater Conrad stellt zunächst das katholische Eucharistieverständnis korrekt dar:

„Es gibt derzeit offiziell von katholischer Seite keine Mahl- und Opfergemeinschaft zwischen der katholischen und evangelischen Kirche… Fakt ist jedoch, dass das Eucharistieverständnis beider Kirchen sich unterscheidet. Der Hauptunterschied ist: Die katholische Kirche glaubt an eine bleibende Wandlung des Brotes in den Leib des Herrn. Einmal konsekriert bleibt das Brot, die Hostie, der Leib des Herrn.

Im evangelischen Verständnis ist es die Gemeinschaft, die die Präsenz des Herrn garantiert. Die versammelte Gemeinde macht den Herrn präsent im Brot. Hat sich die Gemeinschaft aufgelöst, ist das geweihte Brot nichts weiter als Brot. …

Spätestens seit den Trauerfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II. muss der ganzen Welt klar sein, dass auch ein gläubiger evangelischer Christ die katholische heilige Kommunion empfangen kann. Während dieser Feier sahen Millionen Menschen den späteren Papst Benedikt XVI. auf Frère Roger Schütz (Taizé) zugehen und ihm die Kommunion reichen… Diese Geste setzte er willentlich, als wollte er sagen: ‚Wer an unseren gemeinsamen Herrn glaubt…der gehört auch an den gemeinsamen Tisch‘“.

Die „große Selbstverständlichkeit und die Geste“, die der spätere Papst Benedikt XVI. „willentlich gesetzt“ haben soll, ist eine falsche Behauptung von Pater Fabian Conrad.

Dem Zeitbeobachter fällt dabei ein, dass in den kontroversen Debatten in Deutschland über den Kommunionempfang konfessionsverschiedener Ehepaare dieses „Argument“ nicht auftaucht. Das konnte auch nicht sein, wie der Fundamentaltheologe Prof. Dr. Dr. Anton Ziegenaus auf Anfrage verdeutlicht hat.

Dem damaligen Kardinal Ratzinger unterlief, als er Frère Roger Schütz die Kommunion reichte, ein Irrtum, den er auch danach aufgeklärt hat, nämlich, Frère Roger Schütz sei zur katholischen Kirche konvertiert.

Kardinal Ratzinger hat den gültigen Katechismus der katholischen Kirche (KKK) hauptverantwortlich im Auftrag von Papst Johannes Paul II. redigiert.

Dort heißt es in Ziff. 1400: „Die aus der Reformation hervorgegangenen, von der katholischen Kirche getrennten Gemeinschaften haben ‚vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt‘ (UR 22). Aus diesem Grund ist für die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nicht möglich…“.

Pater Fabian Conrad SVD sollte sich erkundigen, was Lehre der Kirche ist und was der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger in der Frage der Kommunion an Frère Roger Schütz klar gestellt hat, bevor er unnötige Verwirrung stiftet.


Die Kirche als Abbruchunternehmen? – Zum fatalen Kommunionbeschluß der Bischöfe

Mathias von Gersdorff

Unmittelbar vor Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz erstaunte Kardinal Reinhard Marx die Öffentlichkeit mit seiner Aussage, er spreche sich keineswegs für kirchliche Segnungen homosexueller Paare aus. 

Einige Wochen davor hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz in einem Interview beim Bayerischen Rundfunk sehr wohl für Segnungen „im Einzelfall“ plädiert, was eine weltweite Welle der Empörung auslöste. Kurz vor der Vollversammlung äußerten sich auch die deutschen Bischöfe Gebhardt Fürst (Stuttgart-Rottenburg) und Stephan Burger (Freiburg) ablehnend gegenüber diesem Vorstoß.

Nun könnte eventuell geklärt sein, wieso der Kardinal diesen Rückzieher vornahm: Die Deutsche Bischofskonferenz hat beschlossen, dass evangelische Personen, die mit einem Katholiken verheiratet sind, unter bestimmten Umständen die Kommunion empfangen dürfen.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass diese  –  völlig unerwartete  –  Ankündigung viele Gläubige in einen Schockzustand versetzen wird.

Die Begründung der Oberhirten scheint wie ein Trick bzw. wie eine Zurechtbiegung des Kirchenrechtes: In extremen Notlagen sollen evangelische Ehepartner zu Kommunion zugelassen werden. Eine Notlage sieht die Bischofskonferenz dann als gegeben an, wenn die Ehe unter einem Ausschluss zur Kommunion erheblichen Schaden nehmen könnte. Das Kirchenrecht sähe diese Sonderfall vor.

BILD: Unser Autor Mathias von Gersdorff wird auf der Leipziger Buchmesse interviewt

Theologen und Kirchenrechtler müssen diesen schwerwiegenden Beschluss analysieren und beurteilen. Die deutschen Bischöfe haben eine eigentlich sakrilegische Kommunion unter bestimmten Umständen zugelassen.

Dies könnte weitreichende Konsequenzen für die Verortung der deutschen Bistümer in der Weltkirche und für das Verhältnis der Gläubigen zu ihren Oberhirten haben. Im Extremfall könnten sich die deutschen Bischöfe, die diesen Beschluss in ihren Bistümern einführen, im Schisma befinden.

Was aber schon festgestellt werden kann: Dass die Bischofskonferenz der Dekonstruktions-Strategie von Kardinal Marx folgt.

Die Instanz, die gegebenenfalls den evangelischen Ehepartner zur Kommunion zulassen soll, ist der Seelsorger, also normalerweise der Pfarrer vor Ort. Entsprechend seinem „Geist der Unterscheidung“ soll er prüfen, ob eine Erlaubnis gestattet werden kann.

Interessanterweise folgt diese dezentrale „Lösung vor Ort“ dem Muster, das sich Kardinal Marx für die Segnungen homosexueller Partnerschaften ausgedacht hatte: Keine allgemeinen Regeln, kein universelle Formel, sondern Einzelfall-Lösungen. Dies ist freilich unfair gegenüber den Pfarrern, denen damit der „Schwarze Peter“ zugeschoben wird.

Diese Einzellfall-Lösungen würden aber verbindlichen lehramtlichen Aussagen widersprechen. Die hl. Kommunion darf nämlich nur jemand empfangen, der bekennt, katholisch zu sein. Ansonsten ist er nicht in der katholischen Kirche.

Der Tisch des HERRN ist auch das sichtbare Zeichen der Verbundenheit mit der kirchlichen Gemeinschaft, der „Communio“.  Die Kommunion ist also kein reiner privater Akt, sondern hat etwas durchaus Gemeinschaftliches an sich. Die oft vorgebrachte Forderung aus der evangelischen Welt, auch Protestanten zur katholischen Kommunion zuzulassen, ignoriert systematisch diesen Sachverhalt.

Wie Kardinal Joseph Ratzinger in der Erklärung „Dominus Iesu“ ausführt, ist das katholische und das evangelische Verständnis grundlegend unterschiedlich.

Schon in der Frage der Zulassung von wiederverheirateten Personen zur Kommunion in Folge der Veröffentlichung des Apostolischen Schreiben Amoris Laetitia wählte man zum Teil den Weg der Einzelfallprüfung auf lokaler Eben.

Wie bereits mehrmals erläutert, führt diese Vorgehensweise zur Auflösung eines universal geltenden Lehramtes und einer allgemein geltenden Sittenlehre.

Dass sich auf diese Weise ein Sammelsurium von theologischen Ansichten und Praktiken bilden wird, ist offensichtlich. Was verbindet dann noch die Katholiken untereinander?

Dies umso mehr, weil es keinen vernünftigen Grund gibt, Ausnahmen allein für wiederverheiratete Geschiedene und protestantische Ehepartner zu erlauben. Die nun angewandte „Logik“ könnte man auf viele Konstellationen ausdehnen: Es gäbe dann  – so gesehen  – weitere Lebenssituationen, die scheinbar eine „Einzelfall-Lösung“ ermöglichen.

Mit der Frage nach der Verbindlichkeit eines universellen Lehramtes und einer universellen Sittenlehre stellt sich auch immer drängender die Frage, welche Autorität die deutschen Bischöfe in moraltheologischen Fragen noch in Anspruch nehmen wollen.

Was können die Oberhirten überhaupt noch vom Kirchenvolk hinsichtlich Glaube und Moral fordern? Kirchensteuer zahlen und nicht die AfD wählen?

So gesehen ist die nun getroffene Entscheidung auch eine Selbstdemontage des Bischofsamtes.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt ist katholischer Publizist und leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“; aktuelle Kommentare veröffentlicht er u.a. hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


Die Segensaktion auf der MEHR-Konferenz und das charismatische Umkehrungsprinzip

Von Felizitas Küble

Die katholische Wochenzeitung „Tagespost“ vom 11. Januar 2018 berichtet unter dem Titel „Missionarische Ökumene“ völlig unkritisch über die schwärmerische MEHR-Konferenz, die von dem katholischen Theologen Dr. Johannes Hartl geleitet und von seinem „Gebetshaus Augsburg“ organisiert wird.

Unter den 11.000 Besuchern befanden sich  – wie der Autor berichtet – auch tausende Protestanten. Hartls Aufruf „Betet für uns, damit der Aufbruch in dieser großen alten Kirche gelingt“ erscheint mir typisch für enthusiastische Bewegungen und zeugt zudem von einem ausgeprägten Sendungsbewußtsein, zumal er ausdrücklich eine „Erweckung“ des „Riesen katholische Kirche“ herbeiwünscht. Aber damit nicht genug, ruft eine protestantische Vertreterin auf der Bühne den Katholiken zu „Wir segnen euch“, wonach diese artig „in der Halle das Haupt neigen und sich segnen lassen“.

Nun setze ich mich seit Jahrzehnten für eine theologisch konservative Ökumene ein und bin mit vielen evangelischen Christen befreundet, wobei gegenseitige Segenswünsche selbstverständlich sind.

Was jedoch gezielt als tausendfache, quasi-rituelle Segenshandlung auf der MEHR-Konferenz stattfand, ist von anderem Kaliber. Hier wird nach meinem Eindruck das typisch charismatische Umkehrungsprinzip sichtbar, das die biblisch und kirchlich bewährte Ordnung auf den Kopf stellt.

Im Hebräerbrief wird der geheimnisvolle Priester-Königs Melchisedech erwähnt, der einst den Patriarchen Abraham segnete, wobei es dann heißt, daß der Höhergestellte den Segen erteilt (Hebr 7,7). Dieser Grundsatz ist auch (theo)logisch klar; er orientiert sich weniger an der persönlichen Frömmigkeit bzw. Heiligkeit der einzelnen Personen, sondern vor allem an der geistlich-amtlichen Stellung dessen, der segnet. Letztlich ist es immer Gott und damit der Höchste selbst, der den Segen spendet.

In der charismatischen Bewegung wird das biblische Prinzip, dass der Höhergestellte den Segen erteilt, fast unmerklich verdrängt und nicht selten geradezu umgedreht. Der Höhergestellte spendet dann nicht den Segen, sondern er empfängt ihn, beispielsweise Priester durch Laien bzw. Nicht-Kleriker.

Hierzu zwei Beispiele:

  1. Die irische Nonne Briege McKenna gibt seit langem ihre Exerzitien für „innere Heilung“ und dergleichen, an denen vor allem Priester teilnehmen. Auf Großveranstaltungen  – etwa bei den Priestertagen in Ars –  nahm sie über tausenden von Geistlichen eine Art „Geistausgießung“ vor.
  2. Die aus Indien stammende Ordensfrau Sr. Margaritha Valappila erteilt bei Gebetstagen in ihrem –  kirchlich nicht anerkannten  – „Haus Raphael“ auch dem jeweiligen Hausgeistlichen ihren speziellen Einzelsegen per Handauflegung. Daß diese Priester dabei bisweilen wie in Trance nach hinten umkippen, läßt den Vorgang aus meiner Sicht noch problematischer erscheinen.

Wenngleich bei der MEHR-Konferenz keine allgemeine „Geistausgießung“ über Priestern stattfand, wurde auch dort das charismatische Umkehrungsprinzip sichtbar: Protestanten segneten tausende Katholiken, die „ihr Haupt neigten“. Hier wurde zwischen den Konfessionen nicht einmal auf gleicher Augenhöhe gesegnet, es fand offenbar kein gegenseitiger Segen statt, sondern evangelische Christen spendeten katholischen Christen ihrerseits den Segen. 

Das erscheint mir objektiv sehr fragwürdig, wenngleich die wohlmeinenden Absichten der protestanischen Besucher unbestritten sind, zumal der katholische Leiter Dr. Hartl sie ausdrücklich um Gebetshilfe für einen „Aufbruch“ und eine „Erweckung“ der katholischen Kirche gebeten hatte.

„Aufbrüche“ sind natürlich immer wünschenswert, doch bei nüchterner Analyse bleibt festzuhalten, daß sich die geistliche und kirchliche Situation im evangelischen Bereich insgesamt noch unerfreulicher darstellt als katholischerseits, ob es um Austrittsdaten, Kirchgängerzahlen oder die öffentlichen Zeitgeist-Erklärungen ihrer amtlichen Vertreter und Gremien geht – siehe etwa die Zustimmung der EKD zugunsten einer „Ehe für alle“.

Diese Situation dürfte auch Dr. Hartl bekannt sein; ihm geht es aber offenbar um spezielle Erweckungs-Impulse aus dem pfingstlerisch-protestantischen Spektrum. Tatsächlich ist hier die Pfingstbewegung sozusagen die „Mutter“ (nämlich über sechzig Jahre älter), während die erst 1967 entstandene katholische „Charismatische Erneuerung“ quasi einen Ableger, eine „Tochter“ darstellt. So gesehen ergibt der Wunsch des Katholiken Hartl, von evangelischer Seite eine Gebets- und Segenshilfe für (s)einen „Aufbruch“ zu erhalten, wiederum doch einen Sinn – einen speziell charismatischen allerdings.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Geldhahn zugedreht: Peter Hahne kritisiert EKD-Entscheidung gegen IDEA

ZDF-Moderator spendet 50.000 € für Existenzsicherung

Der bekannte ZDF-Moderator Peter Hahne äußert sich mit deutlicher Kritik zur Synoden-Entscheidung der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland), der evangelikal orientierten Nachichtenagentur IDEA den jährlichen Zuschuß von 132.000 Euro zu streichen.41USf3v0XrL._SX348_BO1,204,203,200_ Die bisherige Unterstützung soll bis Ende 2019 auf Null zurückgefahren werden.

Für den theologisch konservativen Bestseller-Autor Hahne ist dieser Beschluß eine feige Attacke gegen die Meinungsfreiheit, zumal „noch nicht einmal eine wirkliche Begründung geliefert“ worden sei. Zudem habe es auf der Synode keine Gegenstimme, sondern nur ein einzige Enthaltung gegeben.

BILD: Das Buch „Niemals aufgeben“ ist eine der zahlreichen Publikationen von Peter Hahne

Damit zeige die EKD ihr „wahres Gesicht“, so Hahne, der dabei aus seinem Erfahrungsschatz berichtet: 

Über 20-mal habe ich erlebt, wie es beim Thema „idea-Zuschuss“ auf den Synoden knallte. Immer wieder gab es Stimmen, die das Geld streichen wollten. Immer wieder gelang es besonnenen Leuten wie dem (sozialdemokratischen) Präses Jürgen Schmude, das abzuwenden: „Die Vielfalt in der Publizistik muss gerade eine Volks-Kirche aushalten.“  – Damit ist es jetzt vorbei!“

Der ZDF-Moderator kritisiert, daß IDEA wohl schon länger „an die Kandare genommen und auf Linie gebracht werden“ sollte  –  „oder der Geldhahn geht zu.“

Hahne erinnert daran, wie es im weltlichen Bereich zugeht, nämlich besser:

„Als die linke Tageszeitung „taz“ 2009 in finanzielle Turbulenzen kam, hat deren Erzfeind, der damalige BILD-Chef Kai Diekmann, spontan Geschäftsanteile gekauft, „um die Pluralität im Journalismus zu fördern“…Das fromme Gegenstück fand am kohlrabenschwarzen Mittwoch in Bonn statt….Ich hätte nach 24 Synodenjahren nie gedacht, dass eine EKD, die sich auch noch „Kirche der Freiheit“ nennt, so tief sinken könnte.“

Er will mit gutem Beispiel vorangehen und IDEA tatkräftig mit 50.000 Euro unterstützen: Ein Beitrag für Meinungsfreiheit ist mir lieber als für eine Organisation, die sie per Geldhahn abwürgen will.“

Quelle für die Zitate: http://www.idea.de/frei-kirchen/detail/peter-hahne-ein-anschlag-auf-die-pressefreiheit-103251.html


Erzbischof Dyba hatte viele Gegner, doch seine Anhänger waren und sind viel zahlreicher

Buchbesprechung von Doris de Boer

„Ich werde in mehr oder weniger kurzer Zeit vor Gott in der Ewigkeit stehen. Da werde ich doch jetzt keine Zeit mehr dazu verwenden, faulen Kompromissen nachzujagen oder um Mehrheiten, in welchen Gremien auch immer, besorgt zu sein. Die Stunde ist da, um Gottes Botschaft – und dazu gehören auch seine Gebote – in Klarheit und Wahrheit zu verkünden.“ Fürs CF verwenden

Erzbischof Johannes Dyba (1929 – 2000) war ein Bischof, wie man ihn sich heute wünschen würde, denn er trat mutig für die Wahrheit und das Leben auf und ging für Gott und die Kirche keine Kompromisse ein. Das trieb ihm zu Lebzeiten viele Gegner ein, aber noch zahlreicher waren und sind bis heute seine Bewunderer.

Unter Federführung der Publizistin und Verlagsleiterin Felizitas Küble ist im Münsteraner KOMM-MIT-Verlag anlässlich des 15. Todestages von Erzbischof Johannes Dyba am 23. Juli 2015 ein Erinnerungsband erschienen. Der Titel der gut 200 Seiten umfassenden Gedenkschrift lautet: „Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten.“

Darin berichten 33 namhafte katholische und evangelische Persönlichkeiten aus Kirche, Kultur, Theologie, Kunst, Wissenschaft und Publizistik über ihre persönlichen Erinnerungen an den Fuldaer Erzbischof. Sie schildern seinen Witz, Charme und Humor, seine offene, herzliche Art und seine Schlagfertigkeit, die ihn zu einem Stammgast bei öffentlichen Talkshows machten.

Sie würdigen seinen unerschrockener Einsatz für das Leben. So machte er sich besonders auch zum Anwalt der ungeborenen Kinder. Am 28. Dezember 1988, dem Tag der Unschuldigen Kinder, ließ er im ganzen Bistum Fulda die Kirchenglocken läuten als Trauerglocken für die vielen abgetriebenen Kinder.

Sein eigenes Bistum Fulda nahm er aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung heraus, denn so lautete seine Begründung: „Wir haben keine Lizenz zum Töten!“Foto von Elstrud Consoir

Vehement warnte er davor, dass die Freigabe der Abtreibung zwangsläufig auch zur Freigabe der Euthanasie führen würde, denn: „Wer Gott nicht mehr als HERRN des Lebens anerkennt, das ER uns schenkt und das ER uns nimmt, wenn ER uns in seiner Güte rufen will, der überlässt sich den Finsternissen menschlicher Willkür.“

Einige Tage vor seinem Tod musste er Attacken homosexueller Gruppen über sich ergehen lassen, da er sich ebenso vehement gegen das geplante Gesetz zur homosexuellen Lebenspartnerschaft wandte.

Viele seiner katholischen Mitbischöfe hielten ihn mehrheitlich für zu radikal, andererseits sahen viele evangelische Christen in ihm „ihren“ Bischof, der die Lehre Jesu in einer glaubensarm und glaubenslos gewordenen Zeit unbeirrt und standhaft vertrat.

In diesem sehr lesenswerten vierfarbigen Erinnerungsband mit vielen Fotos dieses großen Kirchenmannes schildern bedeutende zeitgenössische Christen aller Konfessionen diesen Bischof, der nie nur zeitgemäß sein wollte, sondern ewigkeitsgemäß und der gerade deshalb auch heute noch in den Herzen vieler Christen unvergessen ist.

Buchdaten: Der Löwe von Fulda. Ökumenische Würdigung eines guten Hirten. 33 Autoren schreiben über Erzbischof Johannes Dyba. Feliztias Küble (Hg). KOMM-MIT-Verlag, 208 Seiten. ISBN: 978-3-921090-98-5  –  Preis: 14,80 Euro (Mengenrabatt ab 4 Expl.)

Unsere Autorin Doris de Boer aus Kevelaer am Niederrhein ist Dipl.-Theologin, Journalistin und Familienmutter

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der österreichischen Monatszeitschrift „Der 13. – Glaube und Kirche“ (Februar-Ausgabe 2016)


Evangelikaler ABC-Kreis in Bayern feiert mit dem Landesbischof sein 25-jähriges Bestehen

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (siehe Foto) hat dem evangelischen Dachverband ABC (Arbeitskreis Bekennender Christen) für sein Engagement in der evangelischen Landeskirche gedankt. 25 Jahre_ABC_Landesbischof im Gespru00E4ch

Der ABC sei eine wichtige Stimme in der Kirche, die gehört werden müsse, so der Landesbischof vor rund 150 Besuchern der 25-Jahr-Feier des ABC Bayern im Heilig-Geist-Spital in Nürnberg.

Der ABC nehme die Grundlagen des Christseins sehr ernst und könne der Kirche dabei helfen, dass bei allem öffentlichen Reden immer wieder deutlich werde, welche geistlichen Grundlagen dahinter stünden. Wörtlich sagte er: „Da können Sie uns Beine machen.“

Probleme mit einzelnen Positionen innerhalb des ABC hätte er nur dann, wenn dem Gegenüber der rechte Glaube abgesprochen würde. Alle Strömungen in der Kirche müssten sich immer wieder neu demütig an Christus selbst ausrichten.

Kritik an Auswirkungen vorgeburtlicher Diagnostik

Ethische Fragen seien nicht immer leicht zu beantworten. So sei auch er für den Schutz des ungeborenen Lebens, aber die Frage, wie Abtreibungen wirksam verhindert werden könnten, sei nicht einfach zu beantworten.

Es mache ihm allerdings große Sorge, dass in der Öffentlichkeit immer weniger Menschen mit Down-Syndrom zu sehen seien; offenbar wirkten sich die Möglichkeiten der vorgeburtlichen Diagnostik so aus, dass diese Kinder gar nicht mehr geboren würden. DSC_0048

Ähnlich wie der Landesbischof wandte sich auch der Vizepräsident der Landessynode, der Ansbacher Dekan Hans Stiegler, gegen ein Auseinanderdividieren verschiedener Strömungen in der Kirche. Er habe den ABC bereits in seiner Entstehungszeit kennengelernt und dabei gespürt, wie schnell Menschen, die sich im ABC engagierten, in Schubladen einsortiert worden seien.

Zur Kirche gehöre aber immer das gemeinsame Hören auf die Heilige Schrift und das gegenseitige Hören darauf, wie der jeweils andere die Bibel auslegt.

Neues Grundvertrauen in die Heilige Schrift

Der Vorsitzende des ABC, Pfarrer Till Roth, dankte Landesbischof Bedford-Strohm für seinen Aufruf zu einer „neuen Erweckungsbewegung“ in der Kirche und bat ihn zugleich, deutlich zu machen, welche Rolle dabei ein erneuertes Grundvertrauen in die Heilige Schrift spiele. P1020947

Die Kirchenleitung sollte Initiativen entwickeln, mit denen ein geistlicher Umgang mit der Bibel gefördert werde. Aber auch in den Gemeinden vor Ort solle der Umgang mit der Heiligen Schrift neu eingeübt werden, z.B. durch Bibelgespräche und Bibelwochen.

Ehem. ABC-Sprecher kritisiert EKD-Familienpapier

Der frühere ABC-Sprecher und Synodale Dr. Wolfhart Schlichting beklagte, dass sich die evangelische Kirche in vielen Stellungnahmen und Beschlüssen der jüngeren Zeit von den Grundlagen von Schrift und Bekenntnis verabschiedet habe – als Beispiel nannte er das EKD-Familienpapier.

Positionen hingegen, die lange Zeit einhellige Überzeugung gewesen seien, könnten für Theologen heute ein Anstellungshindernis sein. Dr. Schlichting rief dazu auf, den Aussagen der Bibel zu trauen, auch der Aussage, dass in keinem anderen das Heil sei als in Jesus Christus.

Daraus folge, dass die Kirche allen Menschen das Zeugnis des Evangeliums schuldig sei, auch Muslimen: Wenn das römische Reich christlich werden konnte, könne ihm niemand erzählen, dass es unmöglich sei, dass auch die muslimische Welt christlich werde, so Schlichting.

Das kulturelle Ghetto überwinden

In seinem Festvortrag forderte der Theologische Referent im EKD-Zentrum für Mission in der Region, Heinzpeter Hempelmann, ein völliges Umdenken, wenn die Kirche Zukunft haben solle. DSC06228

Die Kirche sei heute viel zu sehr in ihren Strukturen gefangen und müsse neue Wege gehen, um Menschen für das Evangelium zu begeistern. Dabei habe sie sich immer wieder neu an Jesus Christus zu orientieren, der sich aus Liebe selbst aufgegeben habe, um den Menschen nahe zu kommen.

Konkret folge daraus auch eine Überwindung von Milieugrenzen, die in der Kirche heute noch dominierten – seien es konservativ-bürgerliche Milieus, seien es ökologisch-soziale Milieus.

Grüße zur 25-Jahr-Feier überbrachten unter anderem Magister Wilfried Kerling vom Arbeitskreis Bekennender Christen in Österreich, Matthias Schmidt von der Sächsischen Bekenntnisinitiative sowie Stadträtin Christine Kayser (SPD) im Namen von Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.

Schriftliche Grußworte hatten u.a. der Vizepräses der EKD-Synode, der frühere bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein, und der Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CSU, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt, übersandt.

Im ABC haben sich Verantwortliche aus rund 20 kirchlichen Gemeinschaften, Verbänden und Werken zusammengeschlossen, so die landeskirchlichen Gemeinschaftsverbände, die Geistliche Gemeindeerneuerung und der CVJM. Sie vertreten damit bekenntnislutherische, bruderschaftlich-kommunitäre, charismatische, hochkirchliche und pietistische Prägungen innerhalb der evangelischen Landeskirche. Vorsitzender ist der Gemeindepfarrer Till Roth aus dem oberfränkischen Redwitz a.d. Rodach (Dekanat Michelau).


Evangelischer Theologe empfiehlt eine Rückbesinnung auf die Beichte

Meldung der evangelikalen Nachrichtenagentur IDEA:

Zur Wiederentdeckung der Beichte hat der Theologieprofessor Peter Zimmerling (Leipzig) aufgerufen. Wer regelmäßig seine Sünden bekenne, erfahre Heilung und erhalte geistliche Vollmacht und Frische zurück, sagte er in einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Ihm zufolge ist das Beichtgespräch in den evangelischen Kirchen weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Hauptursache sei die Überzeugung vieler Menschen, dass sie gut seien und keine Beichte nötig hätten. bild-jesus-oben

Zudem rechne die Mehrheit nicht damit, dass sie ihr Handeln vor Gott verantworten müsse. Wer nicht beichte, suche sich einen Sündenbock, beschönige sein Handeln oder betäube sein Gewissen. Dagegen bedeute beichten, dass man nicht mehr auf seine Schuld festgelegt sei, sondern Befreiung erfahre.

Prof. Zimmerling betont, daß die Beichte nicht nur etwas für Katholiken sei. Auch Martin Luther habe dazu aufgerufen und sie selbst wöchentlich vollzogen. Menschen, die nicht beichteten, seien nach Luthers Einschätzung keine Christen.

Psychotherapie als Ersatz für die Beichte?

Nach Zimmerlings Beobachtung ersetzt die Psychotherapie häufig das Beichtgespräch. Die Mehrheit der Kirchenmitglieder habe kein inneres Verhältnis zu ihrer Kirche und kein Vertrauensverhältnis zu ihrem Pfarrer. Deshalb liege der Gang zum Therapeuten dann oft näher.

Zudem hätten viele Menschen den Eindruck, dass sie sich bei ihm eher aussprechen können, ohne moralisch verurteilt zu werden. Zur Frage, was Beichte und Psychotherapie unterscheide, erläuterte Zimmerling: imageCATKHONR

„Die Beichte lebt von der Vergebung der Sünden durch Gott, die ein befreites Weiterleben ermöglicht. Dagegen besteht bei der Psychotherapie die Gefahr, dass man sich zu sehr mit der Archäologie der Seele beschäftigt: Man sucht zu sehr in der Vergangenheit und vergisst den Blick nach vorn.“

Zimmerling forderte dazu auf, sich in der Beichte an den Zehn Geboten auszurichten. Sie deckten nicht allein sexuelle Sünden wie den Ehebruch ab, sondern ein viel weiteres Spektrum. Wahrscheinlich sei bei Frommen z.B. die Habgier heute viel weiter verbreitet.

Zimmerling: „Mit einem geschärften Gewissen entdeckt man, dass man nicht so ist, wie man eigentlich gerne sein möchte. Deshalb ist die Beichte ein ausgezeichnetes Mittel, sich der Gnade Gottes zu vergewissern.“

Im Normalfall sollte das Bekennen der Sünden laut Zimmerling fünf bis zehn Minuten dauern und nicht bis ins letzte Detail gehen, aber auch nicht so allgemein bleiben, dass die Beichte keine Überwindung mehr koste.

Praktiziert werde die Beichte evangelischerseits zum Beispiel bei der ökumenischen Bruderschaft Taizé. Dort gebe es nach dem Abendgebet lange Schlangen junger Menschen, die das Gespräch suchen. Häufig werde auch auf Kirchentagen vom Angebot der Beichte Gebrauch gemacht. Dort könne man mit Menschen sprechen, die man danach im Leben nie wiedersieht.

Prof. Zimmerling ist Autor des Buches „Beichte. Gottes vergessenes Angebot“ (Evangelische Verlagsanstalt Leipzig).

Quelle: http://www.idea.de