„Sterbehilfe“: Ökumenische Erklärung zur Suizid-Beihilfe auf Abwegen

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Am 6. November 2015 hat der Bundestag die Suizidbeihilfe beschlossen. Zur Abstimmung standen vier Gesetzentwürfe. Der Erste wollte die bestehende Rechtsfrage weiter liberalisieren und dem Bürgerlichen Gesetzbuch eine Vorschrift einfügen, die Ärzten die Suizidbeihilfe unter bestimmten Voraussetzungen ausdrücklich erlaubt.

Der Zweite wollte nur die gewerbsmäßige, d.h. auf Wiederholung angelegte und mit Gewinnabsicht durchgeführte Suizidbeihilfe verbieten. Ein Dritter, der vom Zentralkomitee der Deutschen Katholiken und vom Familienbund der Katholiken unterstützt wurde, wollte nicht nur die gewerbsmäßige, sondern jede geschäftsmäßige, d.h. auf Wiederholung angelegte Suizidbeihilfe gesetzlich verbieten. 0000009699_3

Aber Suizidbeihilfe durch Angehörige, Ärzte und besonders nahe stehenden Personen soll straffrei bleiben. Dieser Gesetzentwurf setzte sich in der Abstimmung mit 360 Stimmen gegen 233 bei neun Enthaltungen durch.

Ein vierter Gesetzesantrag sah ein generelles strafrechtliches Verbot für Suizidbeihilfe vor.

BILD: Prof. Dr. Hubert Gindert leitet den  Dachverband „Forum Deutscher Katholiken“

In den Pressemitteilungen der Deutschen Bischofskonferenz erklärten der Vorsitzende der Dt. Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ZDK-Präsident Alois Glück, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, in einer gemeinsamen Erklärung u.a.:

„Mit der heutigen Entscheidung für ein Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ein starkes Zeichen für den Lebensschutz gesetzt… Das neue Gesetz schützt Schwerkranke und ältere Menschen vor einem zunehmenden sozialen Druck, vorzeitig aus dem Leben zu scheiden… Das… Gesetz begegnet diesen Gefahren wirksam und mit großer Sorgfalt. Es setzt klare rechtliche Rahmenbedingungen, achtet das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis und stärkt die Selbstbestimmung der durch Krankheit geschwächten Menschen, in dem diesen Menschen die solidarische Zuwendung bis zum letzten Atemzug garantiert wird… Wir danken allen, die in Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen- und Religionsgemeinschaften an dieser für unser Land guten Entscheidung mitgewirkt haben…“

In einer Gott fernen Gesellschaft, die sich von Gott, dem HERRN über Leben und Tod und seinen Geboten entfernt hat, mag dieses Abstimmungsergebnis ein „Fortschritt“ sein. Christen, die ihr Leben an den Geboten Gottes ausrichten, können sich damit nicht identifizieren. Nach der katholischen Lehre sind Selbsttötung und Beihilfe zum Selbstmord verboten. images

Johannes Paul II. hat in seiner Enzyklika „Evangelium vitae“ (Evangelium des Lebens) vom 25. März 1995 dazu ausgeführt (Ziff 66):

„Nun ist Selbstmord immer ebenso sittlich unannehmbar wie Mord. Die Tradition der Kirche hat ihn immer als schwerwiegend böse Entscheidung zurückgewiesen. Obwohl bestimmte psychologische, kulturelle und soziale Gegebenheiten einen Menschen dazu bringen können, eine Tat zu begehen, die der natürlichen Neigung eines jeden zum Leben so radikal widerspricht und dadurch die subjektive Verantwortung vermindert oder aufgehoben sein mag, ist der Selbstmord aus objektiver Sicht eine schwer unsittliche Tat…

In seinem tiefsten Kern stellt der Selbstmord eine Zurückweisung der absoluten Souveränität Gottes über Leben und Tod dar… Die Selbstmordabsicht eines Anderen zu teilen und ihm bei der Ausführung durch die sogenannte ‚Beihilfe zum Selbstmord‘ behilflich zu sein, heißt Mithelfer und manchmal höchstpersönlich Täter eines Unrechts zu werden, das niemals, auch nicht, wenn darum gebeten werden sollte, gerechtfertigt werden kann…

Die Tat der Euthanasie erscheint umso perverser, wenn sie von denen ausgeführt wird, die – wie die Angehörigen – ihrem Verwanden mit Geduld und Liebe beistehen sollten, oder von denen, die – wie die Ärzte – aufgrund ihres besonderen Berufes dem Kranken auch im leidvollsten Zustand seines zu Ende gehenden Lebens behandeln müssten“. 159481-3x2-teaser296

Die Gruppe von 37 Abgeordneten, die in der ersten Abstimmung des Deutschen Bundestags am 6. November 2015 gegen jede Form einer Suizidbeihilfe gestimmt haben, hat beachtet, was für Christen gilt. Ihnen wurde in der Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz mit keinem Wort gedankt.

Diese 37 Abgeordneten haben ihre Haltung durch ihr Abstimmungsverhalten deutlich gemacht. Wenn sie in der zweiten Abstimmung für das kleinere Übel, d.h. für die weniger liberale Gesetzesinitiative gestimmt haben, so kann ihnen deswegen (Evangelium vitae Ziff 73) kein Vorwurf gemacht werden.

Wenn aber Katholiken wie Kardinal Marx oder ZdK-Präsident Glück das Abstimmungsergebnis begrüßen und darin ein „starkes Zeichen für den Lebensschutz“ sehen und ihren Dank für eine „gute Entscheidung“ aussprechen, dann ist zu fragen, ob sie das Gebot Gottes und die Lehre der Kirche kennen. Die gemeinsame ökumenische Erklärung zeigt im Übrigen, dass Gemeinsamkeiten mit der evangelischen Kirche in Fragen des Lebensschutzes immer problematischer werden.

Unser Autor, Prof. Dr. Hubert Gindert, ist Herausgeber der kath. Monatszeitschrift DER FELS und Leiter des Kongresses „Freude am Glauben“


Papst Franziskus ermutigt Lebensrechtler in Rom: „Gott ist die Quelle des Lebens!“

Gestern und auch am heutigen Sonntag (16.6.) wurde im Vatikan vor allem an die päpstliche Enzyklika „Evangelium vitae“ (Geschenk des Lebens) von Johannes Paul II. erinnert. 

Bereits am Samstag war Rom von Lebensrechtlern aus aller Welt bevölkert. Am Abend gab es einen Fackelzug von der Engelsburg aus mit anschließender Andacht. papst_letzter_tag_01

Heute nahmen die Pilger an der hl.  Messe auf dem Petersplatz teil, die aus diesem Anlaß und zum „Jahr des Glaubens“ gefeiert wurde. Papst Franziskus erklärte in seiner Predigt:

„Die Bibel offenbart uns den lebendigen Gott, der selbst das Leben und Quelle des Lebens ist. Zweitens: Jesus Christus schenkt das Leben, und der Heilige Geist erhält uns im Leben. Drittens: Dem Weg Gottes zu folgen, führt zum Leben, den Götzen zu folgen, führt dagegen zum Tod.“

„Wer sich vom Hl. Geist leiten läßt, ist Realist“

 Christsein, so führte Franziskus weiter aus, bedeute keine Lebensfremdheit oder Verstiegenheit, sondern Realismus und Fruchtbarkeit:

„Der Christ ist ein geistlicher Mensch, und das bedeutet nicht etwa, dass er einer ist, der „in den Wolken“ lebt, außerhalb der Wirklichkeit, nein! Der Christ ist ein Mensch, der im täglichen Leben Gott gemäß denkt und handeltDas bedeutet Realismus und Fruchtbarkeit. Wer sich vom Heiligen Geist leiten lässt, ist ein Realist, versteht die Wirklichkeit zu beurteilen und ist fruchtbar: Sein Leben bringt rings um ihn herum Leben hervor.“

Franziskus schloß seine Ansprache mit dem Hinweis, daß es gerade das JA zu Gott und zu seinen Geboten ist, das Hinhören auf seine Botschaft, was uns frei mache:

„Sagen wir JA zur Liebe und NEIN zum Egoismus, sagen wir JA zum Leben und NEIN zum Tod, sagen wir JA zur Freiheit und NEIN zur Versklavung durch die vielen Götzen unserer Zeit; mit einem Wort: Sagen wir JA zu Gott, der Liebe, Leben und Freiheit ist und niemals enttäuscht. (…)

Allein der Glaube an den lebendigen Gott rettet uns  –  der Glaube an den Gott, der uns in Jesus Christus sein Leben geschenkt hat und uns durch die Gabe des Heiligen Geistes als wahre Kinder Gottes mit seiner Barmherzigkeit leben lässt. Dieser Glaube macht uns frei und glücklich.“

Quelle:  http://de.radiovaticana.va/news/2013/06/16/papst_franziskus:_%E2%80%9Echristsein_bedeutet_realist_sein%E2%80%9C/ted-702034

Vatikan: Zwei Tage für das Lebensrecht aller Menschen mit Papst Franziskus

An diesem Samstag und Sonntag werden im Vatikan zwei Tage des Lebensschutzes veranstaltet. Die Tage heißen Begegnung mit „Evangelium Vitae“, was an die Lebens-Enzyklika von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1995 erinnert.

Die Veranstaltungen gehören zum Programm für das aktuelle „Jahr des Glaubens“.

Für den Samstagabend ist ein Fackelzug von der Engelsburg über die Via della Conciliazione bis zum Petersplatz geplant.

Papst Franziskus feiert am morgigen Sonntag, den 16. Juni, um 10.30 Uhr mit dem „Volk des Lebens“ eine hl. Messe auf dem Petersplatz.

Radio Vatikan überträgt diese Messe live und mit deutschem Kommentar ab 10.20 Uhr.

Um die Live-Übertragung zu hören und zu sehen, klicken Sie einfach auf den Vatikanplayer auf der RV-Internetseite.
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