Kardinal Müller: Gläubige ecken an, denn Christus ist für sie Eckstein und Fels des Heils

In einem Interview der katholischen „Tagespost“ dieser Woche mit dem ehem. Glaubenspräfekten Gerhard L. Müller geht es um aktuelle und grundsätzliche Themen.

Nächsten Monat erscheint im Herder-Verlag das neueste Buch des Kardinals unter dem programmatischen Titel „Was ist katholisch?“

Der deutsche Würdenträger (siehe Foto) fordert in dem DT-Interview dazu auf, den geraden Weg der Nachfolge Christi zu gehen und nicht der „Gefallsucht“ oder Bequemlichkeit auf den Leim zu gehen – und er fügt hinzu:

„Nicht weil Christen diese oder jene politische Option oder wissenschaftliche Position vertreten, werden sie beargwöhnt, lächerlich gemacht und blutig verfolgt. Sie ecken an, weil Jesus der Eckstein und Fels ist, auf dem man das Haus des Lebens aufbaut, oder an dem man anstößt und zu Fall kommt.“

Zu den vieldiskutierten Segnungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften erklärt Müller:

„Die Frage Jesu: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer die Menschen männlich und weiblich geschaffen hat?“ können nur Schein-Christen mit einem dummdreisten Nein beantworten. Der Missbrauch des Segens, als eines

Gebetes der Kirche um Gottes Gnade für unser Leben und Wirken, wird deutlich, wenn es in der Genesis am Ursprung der Schöpfung des Menschen als Mann und Frau heißt: „Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch…“. Die Basis der katholischen Kirche übrigens ist das Wort Gottes und nicht die Zahl ihrer Anhänger, die sich zu ihr bekennen oder von ihr abwenden…“

Aus Sicht des ehem. Glaubenspräfekten solle man bei kirchlichen Mißständen – wie etwa der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – nicht gleich nach dem Vatikan rufen, denn die Oberhirten in Deutschland seien zuständig für die Einhaltung kirchlicher Weisungen, denn letzten Endes sei es „die ihm von Christus gestellte Aufgabe des Ortsbischofs, einer derartigen Provokation der Kirche und des Glaubens durch geweihte Priester klar und klug entgegenzutreten“.

Grundsätzlich hat der Kardinal damit ganz recht. Was geschieht aber dann, wenn Bischöfe dieser Aufgabe nicht nachkommen? – Wohin sollen sich Gläubige dann wenden – wenn nicht an den Vatikan als der einzigen übergeordneten Instanz?!

Fotos: Bistum Regensburg, Felizitas Küble


Der „gute Ruf“ von Kardinal Müller – und wie man ihn weiter beschädigt

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten freut sich das „konservative Lager“  – und hier vor allem das familienorienterte Spektrum  – darüber, daß es mit Kardinal Gerhard Müller einen hochrangigen Kirchenmann als Unterstützer vorweisen kann, der nicht „nur“ gelehrte Bücher schreibt, sondern auch wortstark und charakterfest auftritt.
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Zu diesen familienbewegten Persönlichkeiten, die sich zugleich kritisch mit der Gender-Ideologie befassen, gehört nicht zuletzt der Publizist und Journalist Jürgen Liminski, der selbst kinderreicher Familienvater ist (einer seiner Söhne leitet die NRW-Staatskanzlei).
Allerdings fragt man sich, was ihn dazu bewegt haben mag, am 12. Mai 2020 in einem Kommentar unter dem Titel „Der gute Ruf“ in der JF-Wochenzeitung dafür zu sorgen (sicherlich unbeabsichtigt, wie zu hoffen ist), daß der gute Ruf von Kardinal Müller noch weiter beeinträchtigt wird. (Quelle: https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2020/der-gute-ruf-2/)
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Zunächst lobt der Autor den derzeit von fast allen Seiten attackierten Würdenträger als „begnadeten Dogmatiker“ und gesteht ihm zu, als Präfekt der Glaubenskongregation eine „solide Arbeit geleistet“ zu haben: „solide“ –  das ist immerhin besser als nichts…
Sodann erzählt Liminski dem Leser, Müller habe sich nach seiner Quasi-Amtsenthebung zurückgezogen und „geschwiegen“, wobei dann in der „Stille“ sein Ansehen gewachsen sei. In Wirklichkeit hat der Kurienkardinal diverse Vortragsreisen  – auch durch Deutschland  –  unternommen, fleißig Bücher geschrieben und zahlreiche Interviews gegeben –  von Schweigen keine Spur.
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Vielleicht wollte der Autor mit seiner Bemerkung andeuten, es wäre besser gewesen, Müller hätte sich weiterhin auf diese (herbeigeschriebene) „Stille“ konzentriert…?
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BILD: Ein Titel aus der Auswahl guter familienbewegter Bücher von J. Liminski
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Nachdem danach bezüglich der kath. Kirche in Deutschland eingeräumt wird, „etwas mehr zur Selbstbehauptung“ in der Coronakrise wäre schon wünschenswert gewesen, kommt Liminski auf den Vigano-Aufruf zu sprechen, über den sich die veröffentlichte Meinung derzeit allenthalben empört – bis weit hinein ins kirchliche Lager.
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Dieses von Kardinal Müller mitunterschriebene Manifest warnt u.a. davor, die derzeitige Pandemie zu missbrauchen, um damit unverhältnismäßig Bürgerrechte einzuschränken und zudem eine künftige Weltregierung, „die sich jeder Kontrolle entzieht“, zu forcieren.
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Liminski kritisiert, der ehem. Glaubenspräfekt habe auf die Gegenstimmen reagiert, indem er die Kritiker in das „trübe Licht der Intoleranz gestellt“ habe.
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Zwar distanziert sich der Autor von „Kübeln von Häme und Hybris“ (gemeint sind damit wohl besonders scharfe Attacken gegen Müller), doch fragt man sich, warum er dem Kardinal zugleich vorhält, dieser habe darauf mit dem Intoleranz-Vorwurf reagiert – als ob dies nicht allzu berechtigt wäre! 
Damit nicht genug, schreibt Liminski weiter, Müller habe sich verrannt mit „in der Tat kruden Theorien von einer Weltregierung und Totalüberwachung“.
Wie angeblich „krude“ diese Besorgnis über einen womöglich künftigen Weltstaat  ist, kann hier gerne nachgelesen werden: https://charismatismus.wordpress.com/2020/05/13/weltregierung-eine-verschwoerungstheorie/
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Liminski belehrt den Kardinal sodann über das Einmaleins der Weltpolitik, denn Milliardäre wie Gates und Soros würden auf dem „Weg der Beeinflussung“ agieren, wofür man keine „Weltregierung“ benötige. – Na und? Als ob mit einer solch beiläufigen Einlassung das grundsätzliche Thema bereits erledigt wäre, schließlich geht es hierbei nicht in erster Linie um die Herren Gates und Soros.
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Doch Kardinal Müller scheint mit beiden Beinen fest auf der Leitung zu stehen, glaubt man Liminskis Lamento: „Solche simplen Zusammenhänge und Nicht-Zusammenhänge hätte auch ein Kardinal Müller schnell begriffen, wenn er denn politisch besser beraten wäre.“
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Ja, hätte der Ex-Glaubenspräfekt erst bei Herrn Liminski nachgefragt, bevor er ein Manifest unterzeichnet, dann wäre jetzt alles in Butter.
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Vergessen wir aber nicht den „springenden Punkt“, erläutert der Autor weiter: „Jede große Organisation hat automatische Filter. Die hatte der Kardinal auch, als er noch im Amt war.“
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Jetzt fehlt dem hochrangigen und gelehrten Kirchenmann wohl einfach das ihn umgebende und beratende Personal. Auf die Idee, daß der „begnadete Dogmatiker“ (Liminski über Müller) auch selber denken kann, scheint er nicht zu kommen.
In diesem arrogant-süffisanten Stil geht es fröhlich-ironisch bis zum Schluß weiter:
„Seit Müller nun ein Fürst mit Titel, aber ohne Land und konkrete Verantwortung ist, ist er offenbar Beratern ausgeliefert, die selbst niemandem Rechenschaft abzulegen haben.“
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Persönlichkeiten aus dem „Umkreis“ des Kardinals würden sich weder um ihren eigenen Ruf noch um den von Müller „scheren“.
Umso mehr aber wohl Jürgen Liminski mit seinem ebenso überflüssigen wie oberlehrerhaften Sermon über einen Würdenträger, der derzeit ohnehin schon von fast allen Seiten angegriffen wird.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.
 Müller-Fotos: Bistum Regensburg
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Kardinal Gerhard Müller wurde von Bochumer Pfarreigremien ausgeladen

Von Felizitas Küble

Für Mittwoch, den 6. November 2019, war in der St.-Elisabeth-Kirche in Bochum-Gerthe (Ruhrgebiet) eine Podiumsveranstaltung mit Kardinal Gerhard Müller  – dem ehem. Präfekten der vatikanischen Glaubenskongegation – und der Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vorgesehen.

Thema des Gesprächsabends: Die gegenwärtigen Herausforderungen der Weltkirche.

Daraus wird aber nichts, wie verschiedene Lokalmedien sowie das offiziöse kirchliche Portal „Katholisch.de“ heute berichten.

Kurienkardinal Müller (siehe Foto), der frühere Bischof von Regensburg, muß von der Kirche in eine Halle ausweichen, nämlich in die „Alte Lohnhalle“ in Bochum-Wattenscheid. (Beginn ist dort um 19 Uhr. Eintrittspreis 15 Euro; Abendkasse ab 18 Uhr geöffnet. – Adresse: Lyrenstraße 13 in 44866 Bochum.)

Zu verdanken haben die Interessenten diesen „Umzug“ den innerkirchlichen Protesten gegen den theologisch konservativen Würdenträger Müller  – genauer: Der Gegenwind kam zunächst aus den Gremien der Elisabeth-Gemeinde. Sowohl Kirchenvorstand wie Pfarrgemeinderat wandten sich gegen die geplante Podiumsveranstaltung, wobei es eher praktische Gründe gewesen sein sollen.

Als wäre es nicht schon merkwürdig genug, wenn ein vatikanischer Kardinal von einer katholischen Kirchengemeinde ausgeladen wird, hat sich der Katholikenrat von Bochum damit auch noch ausdrücklich solidarisiert – und damit wird die Sache ernster.

Der Vorsitzende Lothar Gräfingholt – ein Rechtsanwalt und kommunaler CDU-Politiker  –  erklärte sogar, der Katholikenrat habe zunächst erwogen, eine Protestmahnwache von „Maria 2.0“ gegen die Müller-Veranstaltung zu unterstützen. Nachdem dessen Tagung aber verlegt wurde, sei diese Überlegung  „hinfällig“ geworden.

Man fragt sich nicht nur, welch merkwürdiger Geist bzw. Ungeist bei diesem „Katholikenrat“ herrscht, sondern wartet darauf, was der zuständige Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zu diesen Äußerungen Gräfingholts zu sagen weiß.

Oder „solidarisiert“ er sich etwa auch mit dieser Aktion gegen Kardinal Müller?

Ausgerechnet jene „reformkatholischen“ Kreise, die so gerne von Toleranz und Dialog reden, lassen einen hochrangigen Theologen und Kirchenmann  – Müller ist nach wie vor Mitglied der Glaubenskongregation  –  nicht einmal zu Wort kommen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt