Theologin Müllner zur Causa Wucherpfenning: Der Streit um Bibel und Homosexualität

Von Felizitas Küble

Seit Wochen hält die Debatte um Jesuitenpater Ansgar Wucherpfenning an. Dem Neutestamentler wurde durch den Vatikan das Rektorenamt für die Hochschule St. Georgen verwehrt, weil er sich nicht im Sinne der kirchlichen Lehre zur Homosexualität äußerte, sondern gleichgeschlechtliche Beziehungen billigte.

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Ausgerechnet auf der Webseite „Katholisch.de“ der Deutschen Bischofskonferenz verteidigt die katholische Theologin Ilse Müllner aus Kassel nun die Positionen von Professor Wucherpfennig in einem Interview, das Madeleine Spendier mit ihr führte: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/an-keiner-stelle-verurteilt-die-bibel-homosexualitat
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Unter dem Titel „An keiner Stelle verurteilt die Bibel Homosexualität!“ wurde dieses Plädoyer für den Frankfurter Jesuiten am 16. Oktober veröffentlicht. 
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Frau Prof. Müllner startet gleich mit der Behauptung, aus der Bibel lasse sich „überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss“.
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Bekanntlich hat sowohl das AT wie das NT homosexuelle Handlungen deutlich verurteilt, z.B. Levitikus 18,22 und Römer 1,26-27.
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Doch das ficht die Theologin nicht an. In typischer Manier modernistischer Exegese erklärt sie, jene biblischen Aussagen müsse man in ihrem kulturellen und „sozio-historischen“ Zusammenhang verstehen und auslegen.
Bei der damaligen Verurteilung gleichgeschlechtlicher Praktiken sei es allein um das Machtgefälle gegangen, nämlich um Abhängigkeitsverhältnisse, so etwa von älteren zu jüngeren Männern usw.; sie fügt hinzu: „Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.“

Einmal abgesehen von dieser überraschenden Auskunft widerspricht sich die Theologin selbst, wenn sie am Ende des Interviews nahelegt, zwischen David und Jonathan habe es eine homosexuelle Liebesbeziehung gegeben.

Auf die Frage „Gibt es Bespiele für eine homosexuelle Beziehung in der Bibel?“ erwähnt sie außerdem Rut und Noomi; in beiden Fällen seien die „Lebensbeziehungen von großer Tiefe und Verbindlichkeit“. Um diesen Gedanken zu untermauern, fügt sie hinzu: 

„Interessant ist, dass Zitate aus der Rut-Erzählung gerne in der Hochzeitsliturgie verwendet werden: „Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott.“ Das verspricht eine Frau einer anderen, das sagt die Schwiegertochter zu ihrer Schwiegermutter, die wenigsten wissen um diesen Zusammenhang.“

Die Exegetin läßt erstens den Zusammenhang unerwähnt, daß die nichtjüdische Schwiegertochter mit ihrer hebräischen Schwiegermutter ins Heilige Land zog, daß sie zweitens bald danach geheiratet hat, daß diese Geschichte ingesamt nicht den geringsten Anhaltspunkt für das Thema „gleichgeschlechtliche Lebensbeziehungen“ liefert.

Die biblisch-christliche Botschaft ist klar und aus sich heraus logisch: Sexualität gehört allein in die Ehe zwischen Mann und Frau. Diese Schöpfungsordnung Gottes, bereits im Paradiese gestiftet, hat einen doppelten Sinngehalt, nämlich Leben und Liebe, Fruchtbarkeit und gegenseitige Hilfestellung.

Selbst wenn nun homosexuelle Handlungen nicht allein zur Lustbefriedigung erfolgen, sondern im sogenannten „Kontext einer Lebensbeziehung“ (was hierbei ohnehin die Ausnahme darstellt), so kann diese „Partnerschaft“ nicht der Fortpflanzung dienen; zudem geht es dabei nicht um den göttlichen Schöpfungsplan einer gegenseitigen Ergänzung von Mann und Frau.

An diesem schlichten Sachverhalt ändern auch die pseudo-exegetischen Sprünge und Ausflüchte der Theologin Müllner nichts, die sie auf dem Portal der Bischofskonferenz (!) widerspruchslos ausbreiten kann.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Laut Koran gehört das Heilige Land den Juden

Von Wilfried Puhl-Schmidt

Um es klar zu sagen: von Palästina steht im Koran nichts. Und doch verbreiten Muslime weltweit die religiöse Gewissheit, dass Allah das Land zwischen Mittelmeer und Jerusalem ihnen bzw. den Palästinenser gegeben habe. Letztlich beugt sich der Westen dieser Befindlichkeit.

Und jetzt das: Der amerikanische Präsident übergeht Gefühle und vermeintliche Argumente, indem er die amerikanische Botschaft nach Jerusalem zu legen gedenkt.

Donald Trump ist sicher weder ein vertiefter Koran-Kenner noch Islamwissenschaftler. Vielmehr haben seine Entschlüsse rein politischen Charakter. Seine Entscheidung wirft jedoch letztlich die Frage nach dem rechtmäßigen Besitzer der umstrittenen Gebiete auf.

Damit kommt eine grundlegende religiöse Dimension ins Spiel. Für Moslems ist jedes Wort aus dem Koran Allahs ewiges Gesetz.

Aber laut Koran gehört das Heilige Land den Juden! Allah hat das Heilige Land weder Mohammed noch den Muslimen in naher oder ferner Zukunft zugesprochen.

Der ehem. Professor für Koran-Exegese und Islamgeschichte an der Al-Aqsa-Universität in Kairo, der nach seiner Bekehrung zum Christentum den Namen Marc A. Gabriel trägt, machte mich in einem seiner Bücher darauf aufmerksam.

Ich habe mich auch mit Hilfe des bekannten Islamkritikers Barino Barsoum vor Jahren dieses Themas angenommen.

Im September 2014 veröffentlichte die Zeitschrift TOPIC einen Artikel von mir, in dem ich mich der Frage nach dem religiös-rechtmäßigen Besitzer des Hl. Landes widme. Das ist in diesen Tagen wieder brandaktuell geworden.

Zum besseren Lesen habe ich den Text nun in kleinere Absätze gegliedert:

Koran sichert Israel eigenes Heiliges Land zu.

Seit Menschengedenken ist der Nahe Osten mit seinen Ländern zwischen Nil, Euphrat und Jordan ein Schauplatz von Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts beginnt der sog. Palästina-Konflikt eine zentrale Rolle zu spielen.

Muslime in der ganzen Welt beanspruchen Palästina als islamisches heiliges Land, während die Juden bereits 2000 Jahre vor Mohammed (570 bis 632 n. Chr.) dort ihre gottverheißene Heimat sehen. Große Propheten und Könige prägten dort die jüdische Kultur, Religion und Geschichte.

Wem gehört nun Palästina?

Trotz jahrelanger intensiver Koranlektüre habe ich die Brisanz jener Koranverse übersehen, in welchen Allah den Juden das Heilige Land bestimmt hat. Von Muslimen ist hier nicht die Rede.

In allen 14 Koran-Ausgaben, die in meinem Bücherregal stehen, lese ich in Sure 5,20 f. wörtlich oder inhaltlich:

„Dann sprach Moses zu seinem Volk: O mein Volk, besinnt euch auf Allahs Huld gegen euch, als er aus eurer Mitte Propheten erweckte und auch zu Königen machte und euch gab, was er keinem anderen der Welt gegeben hat. O mein Volk; betretet das Heilige Land, das Allah für euch bestimmt hat und kehret (ihm) nicht den Rücken zu; denn dann werdet ihr als Verlorene umkehren“.

Muslime sind logischerweise aufgefordert, das Land Israel als Heimstätte der Juden anzuerkennen. Trotz unzähliger Zerstreuungen und Verfolgungen sowie trotz mehrfacher Zerstörung Jerusalems haben gemäß Allah die Juden ihr Besitz- und Wohnrecht im Heiligen Land niemals verloren…

Auch in Sure 17 Vers 103 offenbart Allah, dass das Heilige Land bis zum Tag der Auferstehung bzw. (je nach Übersetzung) bis zur Verheissung des Jenseits den Juden gehört.

Es würde Seiten füllen, wenn ich die Ausführungen muslimischer Korangelehrter vom 9. Jahrhundert bis heute zitieren wollte. Manche Koran-Exegeten sehen im „Heiligen Land“ der Juden nicht nur Palästina, sondern auch Syrien, Jordanien und Ägypten.

Wieso wird dieser Befund nicht in die politische Diskussion um Palästina einbezogen? Nehmen muslimische Politiker den Koran erst dann ernst, wenn er ihren irdischen Machtinteressen dient und dem politisch korrekten Zeitgeist entspricht? Wer hat in Gaza die Deutungshoheit darüber, ob man Allahs Worte ernst nehmen darf oder nicht?

Quelle und vollständiger Text hier: https://www.schalom44.de/2017/12/08/israel-palaestina-und-der-koran/

 


Regensburg: Tagung und Ausstellung zum 800-jährigen Bestehen des Dominikanerordens

Bericht zur Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“:

Regensburg als unerschöpflicher Ort des Miteinanders von Glaube und Kultur war – einmal mehr! – besonders während der Tagung „Mehr als Schwarz & Weiß“ zu erfahren, die am 18. Juni dort in der Minoritenkirche stattgefunden hat. GT2B5417

Die Tagung war eingebettet in die zentrale Ausstellung anlässlich des 800-jährigen Bestehens des Dominikanerordens, die derzeit in der Dominikanerkirche St. Blasius zu besuchen ist. Die Ausstellung ist deutschlandweit zentral.

BILD: Teilnehmer der Tagung zur Dominikanergeschichte

Veranstalter der Tagung waren das Akademische Forum Albertus magnus in Regensburg sowie die Katholische Akademie in Bayern.

Prof. Dr. Sigmund Bonk, Direktor der Akademischen Forums, nannte die Kooperation mit der Katholischen Akademie in München „Freude und Auszeichnung zugleich“. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer fungierte als Schirmherr der Tagung, wie er auch Schirmherr der Ausstellung ist.

Vom Sinn der „Biblia pauperum“ 

Außerdem hielt er den ersten Vortrag der auch in ihrer Zusammenstellung einmaligen Tagung.

„Biblia pauperum – Bibel der armen Bettelmönche?“   – so lautete dazu das Thema, wobei der Regensburger Oberhirte über die typologische Schriftauslegung als Predigtgrundlage im Ringen mit den Katharern sprach. Dabei wies er die Vorstellung von der Biblia pauperum („Bibel der Armen“) als gemalte Bibel zurück, die für Menschen gemacht wäre, die nicht lesen können. Vielmehr stellte der Bischof Auszüge aus einer bebilderten Heiligen Schrift vor, die das Alte Testament und das Neue Testament miteinander verknüpfen. polskaweb

Gnostisch inspirierte bzw. sektiererische Bewegungen des Hochmittelalters in Südfrankreich, gegen welche die Dominikaner Seelsorge betrieben und predigten, hatten die Schriften des Alten Bundes hingegen ausgeschlossen, vor allem die Katharer.

Ob nun die „Biblia pauperum“ die Bibel der (armen) Bettelmönche – darunter insbesondere Dominikaner und Franziskaner – meinte, wäre nun wohl nicht uneingeschränkt zu bejahen. Allerdings sei die These Alfred Weckwerths nicht auszuschließen, der annimmt, dass die Biblia pauperum ihre Entstehung der Bekämpfung der Katharer sowie weiterer sektiererischer Gruppen verdankt.

Bedeutung der SchöpfungstheologieborMedia1847901

Dabei sei man schließlich, so Bischof Dr. Voderholzer, auf der richtigen Fährte, um die Inhalte zu bezeichnen, die die ersten Predigten des Dominikus bzw. der Dominikaner prägten. Von hier aus spannte der Bischof den theologisch einsichtigen Bogen zur Bedeutung der Schöpfung sowie der Schöpfungstheologie, wie im Anfang des Buches Genesis grundgelegt, bei den Dominikanern.v

Deren Albertus magnus, von 1260 bis 1262 Bischof von Regensburg, hatte sich der Beschreibung der Schöpfung durch die Naturbetrachtung verschrieben. Thomas von Aquin mit einem Epitheton zu versehen hätte nahegelegt, ihn „Thomas vom Schöpfer“ – Thomas a Creatore – zu nennen.

Prof. Dr. Hans-Christoph Dittscheid vermittelte in der Folge zentrale Einsichten zur Bettelordens-Architektur der Gotik in Regensburg – anhand der Minoritenkirche St. Salvator (wo das Symposium tagte) und anhand der Dominikanerkirche St. Blasius, deren beide Westfassaden, miteinander verglichen, die Bauten als „geschwisterlich“ erschienen ließen.

Zur Architektur der Bettelorden: „Gebaute Armut“

Diese Bauwerke seien nicht dazu angetan, um am Wetteifern um den höchsten Turm in Regensburg teilzunehmen. Bemerkenswert in beiden Bauten außerdem die Zitate aus der französischen Kathedral-Architektur, die demnach aus Reims und Chartres „abgerufen“ worden sind. Prof. Dittscheid sprach beeindruckend von „gebauter Armut“, um Regensburgs Bettelordensarchitektur zu charakterisieren.

Weitere Themen waren das „Ketzerproblem“ in der frühen Geschichte des Dominikanerordens (Prof. Dr. Jörg Oberste, Regensburg), die Dominikaner in Auseinandersetzung mit Judentum, Islam und anderen Kulturen (P. Elias H. Füllenbach OP, Köln), die Auseinandersetzung der Dominikaner mit der Reformation („Vom Theologenstreit zum Überlebenskampf“, Prof. Dr. Klaus Unterburger, Regensburg), der Auftrag des Dominikanerordens heute (P. Thomas G. Brogl OP, Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich, Wien) sowie der liturgische Gesang bei den Dominikanern (Prof. Dr. David Hiley, Regensburg). jesus in der synagoge von nazareth

Prof. Bonk bemerkte über die Tagung in trefflicher Weise, sie sei eine „wunderbare Einheit von Ort und Wort“.

Am Ende ging man – so ein Wort Bischof Voderholzers – „vom Wort zur Tat“ und feierte die Vesper in St. Kassian Regensburg. Die Gregorianik sangen Studenten der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg unter der Leitung von Rudolf Fischer.

In seiner Predigt spann Dr. Voderholzer erneut kunstvoll die theologischen Fäden von der Ordensgemeinschaft der Predigerbrüder über die marianische Spiritualität sowie überhaupt mariologische Zusammenhänge hin nach St. Kassian, wo an der Nord- und an der Südinnenwand ein „einzigartiges mariologisches Programm“ zu betrachten ist, und zwar im Rückgriff auf typologische Zusammenhänge Mariens im Alten und im Neuen Testament.

Immerhin eignet dem Predigerorden selbst ein „starkes mariologisches Moment“, wusste der Bischof, der auf Rosenkranz, Schutzmantelmotiv und die tiefe Verehrung des Ave Maria sowie des Salve Regina verwies. Außerdem hatte Papst Pius V. (1566 – 72), der ursprünglich ein Dominikaner war, den Angelus (Engel-des-HERRN-Gebet) eingeführt.

Bei diesen Ausführungen in der Predigt ging es leitmotivisch um Schönheit und Wahrheit. So drückte der Regensburger Oberhirte abschließend den Teilnehmern der Tagung gegenüber den Wunsch aus: „Mögen Sie von diesem Tag eine Resonanz in Sachen Heiligkeit und Schönheit mitnehmen.“

Text sowie Foto 1 und 3: Bistum Regensburg