Das Weihwasser ist kein Abwehrzauber

Von Felizitas Küble

Rubén Darío Jaramillo Montoya ist Bischof von Buenaventura in Kolumbien; er wurde vor zwei Jahren von Papst Franziskus zum Oberhirten des Bistums ernannt.

Die Stadt mit ihren rd. 400.000 Einwohnern hatte jahrelang ein Riesenproblem vor allem mit ihrem Hafenviertel. Drogen, Korruption und Morde waren an der Tagesordnung, paramilitärische Banden erpressten und terrorisierten die Bürger.  

In den letzten fünf Jahren hat sich die Lage aber deutlich stabilisiert. Internationale Menschenrechtsvereine arbeiteten mit staatlichen Behörden, Soldaten und der Polizei zusammen, so daß eine „humanitäre Zone“ entstanden ist.

In den letzten zehn Jahren ist die Mordrate in Buenaventura von 121 Morden pro 100.000 Menschen auf 14 gesunken. Das ist immer noch zu hoch, aber die Stadt ist über dem Berg und kann allmählich aufatmen. (Näheres dazu auf Tekk-TV.)

Das charismatisch orientierte Infoportal „Kath.net“ meldet  –  natürlich völlig unkritisch – am 27. Juni, der bereits erwähnte Oberhirte Montoya plane für den 14. Juli, aus einem Hubschrauber massenhaft Weihwasser auf die Stadt zu sprühen, um die Dämonen auszutreiben, welche die Bewohner plagen:

„In Buenaventura müssen wir den Teufel loswerden, um zu sehen, ob wir die Ruhe wieder erlangen können, die die Stadt durch so viele Verbrechen, Korruptionsakte und so viel Böses und Drogenhandel verloren hat“, erklärte der Würdenträger weiter.

Seine Besorgnis und wohlmeinende Absicht in allen Ehren, aber gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

BILD: Erzbischof Johannes Dyba segnet die gläubige Menschenmenge mit Weihwasser (es handelt sich NICHT um einen Exorzismus)

Immerhin fragt man sich, warum Bischof Montoya die Teufel nicht früher von der Luft aus verjagt hat, als es der Stadt weitaus schlechter ging.

Aber noch grundsätzlicher ist die theologische Klarstellung, daß das Weihwasser ein Segensmittel und kein Abwehrzauber ist. 

Der priesterliche Segen mit dem Weihwasser  – wie er etwa in der überlieferten Messe zu Beginn mit dem „Asperges“ erteilt wurde  –  ist ein kirchliches Sakramentale und kann den Gläubigen helfende Gnaden vermitteln. Er ist aber ist kein Quasi-Exorzismus, kein Amulett-Ersatz  und auch keine Schutzmagie.

Der Bischof wäre gut beraten, die Katholiken zu mehr Kirchgang, guten Werken, Nächstenliebe und Gebet aufzufordern, er könnte auch eine bistumsweite Novene (9-Tage-Andacht) ausrufen oder eine Weihe der Stadt an Christus, den König, vornehmen. 

Sein Vorhaben jedoch, die Dämonen der Stadt mit Weihwasser zu „vertreiben“, ist mit einer nüchternen Besonnenheit nicht vereinbar und entspricht auch nicht der kirchlichen Tradition und dem Sinn des Weihwassers, der im Segnen besteht – und nicht in Teufelsaustreibung, schon gar nicht massenhaft auf eine ganze Großstadt bezogen.


Wölfe im frommen Schafspelz: Wie spiritueller Missbrauch funktioniert

Von Felizitas Küble

Über den großen deutschen Philosophen Immanuel Kant, der im ostpreußischen Königsberg lebte, schreibt der jüdische Religionspsychologe Karl Jaspers:

„An den Grenzen der Vernunft steht das Unbegreifliche und das Geheimnis. Das Unbegreifliche aber ist nicht das Unvernünftige, sondern das durch Vernunft als Grenze der Vernunft Erfahrene und in das Licht der Vernunft Aufgenommene“ (Karl Jaspers, Die großen Philosophen, S. 511).

Ja, das ist wahr: Der Glaube reicht zwar über den Grenzen der „bloßen Vernunft“ hinaus und hinauf, aber er steht nicht gegen sie. Immerhin ist GOTT selbst der Schöpfer des menschlichen Verstandes und seiner Einsichtsfähigkeit. Freilich benötigt die Vernunft, die infolge des Sündenfalls geschwächt ist, das Licht des Glaubens.

Es gibt aber auch religiöse Milieus, die keinen Wert auf eine Übereinstimmung von Glaube und Vernunft legen. Hierzu gehören nicht allein die vielkritisierten Sekten, sondern auch Gemeinschaften innerhalb der etablierten christlichen Kirchen, die sich gleichsam ihr eigenes Glaubensnest gebastelt haben und dieses für komplett unfehlbar halten.

Wenn dann auch noch eine umschwärmte Führerfigur  –  von „Gottes Gnaden hocherleuchet“ – vorgibt, den Willen des Allerhöchsten in allen Details zu kennen, sind die aus diesem System erwachsenden Sumpfblüten des geistlichen Missbrauchs nur eine Frage der Zeit.

Das raffinierte Problem bei seelsorglichen Übergriffen besteht darin, daß diese im Namen des Glaubens oder gar des Heiligen Geistes erfolgen und daher für die Betroffenen schwer durchschaubar sind, vor allem dann, wenn sie in diesem spirituellen Umfeld selber „bekehrt“ worden sind oder glauben, dort eine „Geisttaufe“ erhalten zu haben.

Besonders Menschen, die selber existentiell und/oder unsicher sind, die sich evtl. von den Ansprüchen und der „Unübersichtlichkeit“ des modernen Lebens überfordert fühlen, sind ein leichtes Opfer manipulativer Machenschaften.

Hierzu einige Beispiele aus den Erlebnisberichten von Betroffenen, die sich seit Jahrzehnten bei mir melden, da ich mich schon lange kritisch mit esoterischen und schwarmgeistigen Phänomenen befasse.

Natürlich anonymisiere ich die Schilderungen und lasse einige Umstände weg, damit keine Rückschlüsse auf die realen Personen möglich sind:

Missbrauch der SEELENSCHAU:

Eine Frau mittleren Alters ruft an und fragt mich, was ich von dem Wirken einer gewissen Nonne aus dem Bistum Fulda halte, die ein charismatisches Seminarhaus leitet. Ich erkläre ihr, daß ich die Vorgänge seit langem skeptisch sehe und sich etliche Geschädigte bei mir gemeldet hätten. Dadurch ermutigt, erzählt mir die Dame folgendes: Jene Ordensfrau gibt vor, die  „Herzensschau“ zu besitzen (das suggeriert sie tatsächlich auch in ihren beiden Büchern) – und zudem die Gabe der Heilung, das „Wort der Erkenntnis“ usw. – Nun war die Anruferin lange Zeit sehr eingenommen von jener Nonne, doch bei einem ihrer Gebetstage widersprach sie ihr in einer eher unwichtigen Sache in bester Absicht. Was folgte, habe sie aber total verstört: Die deutsch-indische Seminarleiterin gab ihr „im höheren Auftrag“ zu verstehen, die Gottesmutter Maria sei ganz weit von ihr entfernt, sehr enttäuscht und wolle nichts mit ihr zu tun haben.   – Dadurch sei ihre Gebetsverbindung zu Maria jahrelang gestört gewesen, denn sie habe nach wie vor an die „Geistesgaben“ jener Nonne geglaubt. Erst als sie meine kritischen Artikel darüber las, seien ihr ernste Zweifel gekommen. 

Ich sagte der erkennbar immer noch erschütterten Dame, sie möge kein einziges Wort von diesem Unsinn glaube, es handle sich hier um geistlichen Missbrauch bzw. darum, jeden – noch so harmlosen – Ansatz einer Kritik im Keime zu ersticken mit dem Verteufeln von jenen, die sich nicht mehr hundertprozentig auf ihrer Linie befinden. – Mir schien, die Anruferin war getröstet und darin bestärkt, sich von diesem spirituellen Übergriff, der an ihr geschehen war, zu lösen.

Missbrauch der AHNENSCHULD:

Es mag sein, daß unsere Vorfahren vielleicht in Aberglauben, Magie, Zauberei und Spiritismus verstrickt waren. Vielleicht findet der eine von uns ein altes Zauberbuch in Großvaters Hinterlassenschaft, der nächste ein Wahrsage-Pendel beim Großonkel, der dritte hört, daß sich die Uroma von einer „Hellseherin „beraten“ ließ usw. – Nun geht uns dies im Grunde nichts an und man sollte es tunlichst unterlassen, diesbezüglich eine unnötige „Ahnenforschung“ zu betreiben. Schließlich gibt es auch noch ein Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren“, das gilt auch für weitere Vorfahren etc.  – Überdies wissen wir nicht, ob unsere vielleicht schuldig gewordenen Ahnen ihre magischen Irrwege bereut haben, also überlassen wir diese Dinge der Barmherzigkeit Gottes und beten für unsere Verstorbenen (und fertig!).

Nicht so in charismatischen „Heilungs“-Seminaren, die sich der Vorfahrensschuld widmen und die Teilnehmer allen Ernstes auffordern, rituelle „Lossage-Gebete“ zu sprechen, um sich von vermeintlicher „Ahnenschuld“ und deren dämonischer Bindung zu „befreien“. –  In diesem Zusammenhang rief mich vor einigen Jahren ein verzweifelter Ehemann an. Seine Frau war in solch einem Kreis gelandet, seitdem psychisch sehr belastet und sie befand sich gleichsam jenseits der praktischen Vernunft. Ich erklärte dem geplagten Manne, er möge seiner Frau diesen Unfug ausreden, zumal die katholische Kirche die schräge Theorie von einer nötigen „Heilung der Ahnenschuld“ ablehnt. Bald darauf vermittelte ich ihn an einen bodenständigen katholischen Priester in seinem Umfeld, den er mit seiner Frau besuchen könne, wobei ich den  Geistlichen zuvor gefragt hatte. Einige Zeit später erklärte mir der Ehemann, das Treffen mit dem Pfarrer im Ruhestand habe seiner Frau wirksam geholfen und auch ihm selber eine gute Orientierung verschafft.

Missbrauch des EXORZISMUS:

Bevor es in der katholischen Kirche amtlich zu einer Teufelsaustreibung kommt, sind viele Voraussetzungen erforderlich: Die angeblich besessene Person muß erst bei ein Facharzt (Neurologe) und einem Psychiater/Psychologen gewesen sein. Nur dann, wenn diese Experten hinsichtlich einer Diagnose völlig ratlos sind, kommt überhaupt ein Exorzismus infrage. Diesen darf nur ein  erfahrener und besonnener Priester ausüben, der vom Bischof dafür die schriftliche Erlaubnis bekommen hat. – Ganz anders in der charismatischen Szene: Dort gibt es das wohlklingende Zauberwort „Heilung und Befreiung“. Der Quasi-Exorzismus wird – um die kirchlichen Vorgaben zu umgehen – einfach als „Befreiungsgebet“ umschrieben. Doch für die Betroffenen läuft es auf dasselbe hinaus, denn auch bei einer „Befreiung“ von dämonischer Besessenheit oder „Belastungen“ wähnen sie sich buchstäblich in einem verteufelten Zustand – also das schlimmste, was es für gläubige Menschen geben kann.

Eine Frau rief mich an, sie sei von einer charismatischen Gebetsgruppe, in welcher sich eine „Seherin“ befände, als besessen „durchschaut“ worden. Ein männlicher Teufel, dessen Name man ihr nannte, habe sie in ihrer Gewalt. Die verzweifelte Katholikin war völlig aufgelöst, litt unter zahlreichen psychosomatischen Beschwerden und hatte bereits alles (un)mögliche unternommen, um „befreit“ zu werden. Doch der Gang zu charismatischen „Befreiungsheilern“ machte  – natürlich! – alles noch viel schlimmer, denn dadurch wurde sie ja in der irrigen Auffassung bestärkt, sie sei in teuflischer Hand. Ich führte zahlreiche Gespräche mit der Betroffenen, um ihr diese Wahnvorstellung  auszureden, die man ihr regelrecht verbal eingeprügelt hatte. Dabei erklärte ich ihr auch, es gäbe gar keine „männlichen“ Dämonen, da die bösen Geister weder weiblich noch männlich, sondern  – wie die Engel –  eben Geistwesen seien (freilich gefallene Engel). Schon daran könne sie erkennen, daß jenes charismatische „Wort der Erkenntnis“ kompletter Humbug sei. Nach dutzenden Gesprächen  – verbunden mit der von ihr gewünschten Weitervermittlung an nüchterne und besonnene Seelsorger  –  konnte sich dieses Opfer eines fanatischen Gebetskreises wieder freier fühlen.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt


Wenn der Exorzismus die Beichte verdrängt und die nötige Umkehr blockiert

Von Felizitas Küble

Das Portal „Katholisch.de“ der Deutschen Bischofskonferenz ist  – wie man sich vorstellen kann – insgesamt eher liberal orientiert, manchmal kommen auch ausgesprochen progressive Standpunkte zu Wort.

Gast-Autoren sowie ich selber haben hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits mehreren Beiträgen dieser Webseite widersprochen.

Umso mehr darf man sich wundern, was diese amtliche kirchliche Plattform in aller „Naivität“ über das Thema Exorzismus zu berichten weiß. Am 20.1.2017 veröffentlichte „Katholisch.de“ diesen Artikel über den Ordensmann Francisco Lopez Sedano: https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/der-teufel-hat-angst-vor-mir

Der 80-jährige Pater soll in Mexiko bereits 6000 Teufelsaustreibungen vorgenommen haben. Auch bei einem Zeitraum von 40 Jahren ist das ungewöhnlich viel für einen einzigen Geistlichen.

„Katholisches.de“ zitiert völlig unkritisch  – ohne jede theologische Reflektion und Rückfrage –  etliche Aussagen des Priesters zu seiner Spezialseelsorge. So erzählt der Exorzist fröhlich drauflos, nicht etwa er habe Angst vor dem Teufel, sondern dieser habe vielmehr Angst vor ihm.

Was sagt die Heilige Schrift dazu?

Eine solche prahlerische Selbstgewißheit erscheint im Lichte der Bibel doch etwas gewagt, um nicht zu sagen vermessen.

Nicht einmal der hl. Erzengel Michael hat sich derlei erdreistet, heißt es doch im NT (Judasbrief 1,9 f):

Michael aber, der Erzengel, als er mit dem Teufel stritt und mit ihm über den Leichnam des Moses verhandelte, wagte kein lästerliches Urteil zu fällen, sondern sprach: Der HERR strafe dich!“

Und wie reagierte Christus selbst, als seine 72 Jünger ihm stolz berichteten, sogar die bösen Geister würden ihnen in seinem Namen gehorchen:

„Freut euch nicht darüber, dass euch die Geister untertan sind, sondern darüber, daß Eure Namen im Himmel aufgeschrieben sind“ (Lk 10,17 f).

Der HERR warnt hier vor der Gefahr eines (un)geistliches Hochmutes im frommen Gewande und ER erinnert die Seinen daran, daß ihre Erlösung  – das Heil im Himmel – doch viel wichtiger sei und der wahre Grund zur Freude.

Esoterik als Ursache für Besessenheit?

Auch ein weiterer Punkt von Pater Lopez Sedano ist typisch für viele Exorzisten und die mit ihnen geistesverwandten charismatischen „Befreiungsdienstler“:

Er erklärt nämlich, Besessenheit werde durch esoterische und okkulte Praktiken verursacht: „Deshalb verbietet die Kirche die Praktiken Magie, Aberglaube, Hexerei, Zauberei, Wahrsagerei, Herbeibeschwörung von Toten und Geistern sowie Astrologie“.

Das verbietet die Kirche durchaus nicht „deshalb“ (um Besessenheiten zu verhindern), sondern schlicht aus dem entscheidenden Grunde, weil es sich bei allen Formen von Aberglauben und Okkultismus um einen schweren Verstoß gegen das 1. Gebot handelt: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“

Wer gegen dieses Gebot sündigt, gehört daher in die Beichte – und nicht in die Hände eines Exorzisten!

Eine „Teufelsaustreibung“ ist in solchen Fällen auch seelsorglich völlig verkehrt, weil sie nämlich den Betroffenen den Weg zur wirklichen Sinnesänderung, zu Umkehr und Buße geradezu versperren kann, denn diese Menschen meinen dann, nicht sie selber seien für ihre magischen Frevel verantwortlich, sondern die bösen Geister, von denen sie „besessen“ sind.

Folglich geht es nur noch darum, die Dämonen „loszuwerden“ – und nicht mehr so sehr um eine  e i g e n e  Umkehr und Rückkehr zu Gott.

Genau eine solche Falle und Blockade könnte allerdings dem Teufel sehr gefallen!

Näheres zum (Nicht-)Zusammenhang von Okkultismus und Besessenheit hier: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/17/warum-auch-nach-okkulten-suenden-ein-exorzismus-verfehlt-ist/

Krankheiten als Folge satanischen Einflusses?

Typisch für charismatische Vorstellungen ist auch die Äußerung des Exorzisten Lopez, zu den „spezifischen Verhaltensweisen“ von Besessenen gehörten „große Schmerzen oder Krankheiten, die entweder erst gar nicht bestimmt oder nicht behandelt werden könnten.“

So zitiert ihn „Katholisch.de“  – aber auf dem amerikanischen kath. CNA-Portal wurde er noch deutlicher:

„Die Verletzungen von Satan liegen außerhalb der Kontrolle der klinischen Medizin. Menschen, die mit dauerhaftem Durchfall leben und nichts führt dazu, dass sie verschwinden; Menschen, die Augenschmerzen und Augenärzte haben, die nichts finden…. Andere Leute haben furchtbare Rückenschmerzen, aber die Ärzte sagen, dass es ihnen völlig gut geht….Das sind Beschädigungen, die die Wissenschaft nicht erkennt.“

Nur weil jemand z.B. an „dauerhaften Durchfall“ oder Rückenschmerzen leidet, ohne daß eine organische Ursache feststeht, ist er/sie noch lange nicht besessen. Es gibt schließlich auch psychisch bedingte Krankheiten – manche Störungen sind quasi moralisch verursacht (z.B. Depressionen  nach Abtreibungen, wobei seelische Verletzungen sich psychosomatisch auswirken können).

Der unsinnigen Ansicht, Krankheiten seien vom Teufel verursacht, hat schon Christus seinerzeit widersprochen, weshalb in den Evangelien eindeutig zwischen Krankenheilungen und Teufelsaustreibungen unterschieden wird.

Diese Wundertaten Christi sollten vor allem seine göttliche Vollmacht bezeugen und verdeutlichen, daß das Reich Gottes mit ihm bereits angebrochen ist.

Die Apostel haben den exorzistischen Dienst anfangs noch fortgesetzt (vgl. Apg.), doch bereits in den Briefen der Apostel von Paulus über Petrus bis zu Johannes findet sich keine einzige Aufforderung an die Gemeinden (auch nicht in den späteren Pastoralbriefen des NT) zur Ausübung von Teufelsaustreibungen – und zwar wohlgemerkt auch nicht im Zusammenhang mit Zaubereisünden, die mehrfach erwähnt werden.  In all diesen Fällen werden die Gläubigen zur Umkehr aufgerufen, nicht etwa zum Exorzismus.

Phänome der Besessenheit – oder der Charismatik?

Apropos Pater Lopez, der das Benehmen von „Besessenen“ laut CNA folgendermaßen beschreibt: „Sie haben angefangen zu schreien, wie ein Hund zu bellen oder sich auf dem Boden zu wälzen und wie eine Schlange zu winden.“

Foto: Pattayablatt

Das sind haargenau die Phänomene, die man auf pfingstlerischen Versammlungen zuhauf beobachten kann – und zwar gleich massenhaft. Nur nennt sich das dort nicht „Besessenheit“, sondern „Ruhen im Geist“, „Weinen im Geist“, „Bellen im Geist“ usw.

BILD: Sogar baumstarke Männer „ruhen im Geist“ (Rückwärtskippen in Trance) während einer charismatischen Veranstaltung nach der Handauflegung eines „Heilungspredigers“

Diese Vorgänge werden in schwärmerischen Kreisen seit Jahrzehnten als „Toronto-Segen“ bezeichnet und gewürdigt (!), nachdem diese vermeintlichen Manifestationen des „Heiligen Geistes“ in den 90er Jahren im Rahmen der „Erweckung“ in Toronto an der Tagesordnung waren – sie sind aber in der Pfingstbewegung von Anfang an bekannt; sie geschahen bereits bei den „Kasseler Versammlungen“ Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der damals aufkommenden Charismatik.

Was also?

Wer noch bei Verstand und nicht schwarmgeistig vernebelt ist, der weiß, daß solche absonderlichen Verhaltensweisen nicht vom Heiligen Geist gewirkt sind.

Aber auch ich, die ich mich seit über dreißig Jahren denkbar kritisch mit genau diesen Vorfällen befasse, habe noch nie pauschal behauptet, es handle sich hierbei um ein Symptom von Besessenheit.

Zwar sind es zweifellos ungeistige und irrgeistige Vorkommnisse, doch der größte Teil dürfte seelisch-psychisch erklärbar sein, nicht zuletzt angesichts der aufgepeitschten Stimmung in solchen Massenversammlungen und der gegenseitigen Suggestion (unterschwelligen Beeinflussung) dieser Enthusiasten; dazu kommen quasi-hypnotische Psycho-Techniken und gruppendynamische Kraftwirkungen angeblich geistbegnadeter „Heilungsprediger“, die von ihrer Anhängerschar wie Gurus angehimmelt werden.

Daß es in besonders schlimmen Fällen extrem-charismatischer Verführung auch zu einem direkten Einwirken satanischer Mächte auf labile Menschen kommen kann, ist freilich nicht auszuschließen, aber in der Regel handelt es sich wohl um indirekte (psychische) Folge der Irrgeisterei.

Fest steht jedenfalls, daß schwarmgeistige Verirrungen dem geistlichen Leben der Betroffenen schweren Schaden zufügen. Die zum Teil jahrelangen seelischen Auswirkungen erlebe ich bei Ratsuchenden und Geschädigten, die sich bei mir melden, schon seit Jahrzehnten – und die entsprechenden Schicksale mehren sich.

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Warum auch nach „okkulten Sünden“ ein Exorzismus verfehlt ist

Geistlicher Missbrauch durch Panikmache und „Befreiungsdienst“

Seit Jahrzehnten erhalte ich Anfragen von Gläubigen, die in eigener „Sache“ oder hinsichtlich ihres Bekanntenkreises von dem Gedanken umgetrieben werden, eine Teufelsaustreibung sei vonnötigen und die mich daher nach einem „kirchlich anerkannten“ Exorzisten fragen. 

Es ist zwar schon einmal grundsätzlich gut, wenn man sich nicht dem nächstbesten selbsternannten „Exorzisten“ oder gar einem charismatischen „Befreiungsdienstler“ von eigenen Gnaden zuwendet, sondern seriös nach einem amtlichen kirchlichen Vertreter fragt.

Aber einmal abgesehen davon, daß es hiervon in Deutschland nur sehr wenige gibt, ist es nicht Aufgabe dieser Priester, Menschen zu „exorzieren“, die überhaupt nicht besessen sind, sondern sich dies lediglich selber einreden oder durch Panikredner aufschwatzen ließen. Beispiele hierfür kenne ich in Hülle und Fülle.

Der Hintergrund ist fast immer der folgende:

Die Ratsuchenden haben sich  – teils vor längerer Zeit, teils noch unlängst – mit esoterischen Praktiken eingelassen, waren in Zaubereisünden oder sonstige okkulte Handlungen verstrickt etc.

Das ist dann natürlich die „Stunde der Charismatiker“: Kaum lernen sie solch einen Betroffenen kennen, reden sie ihm ein, er sei aufgrund seiner magischen Vergangenheit „besessen„, mindestens aber „okkult belastet“. 

Folglich ist ein Exorzismus, mindestens aber eine „Befreiungs-Seelsorge“ nötig, um den Geschädigten zu „heilen“. Daß dessen Probleme aber durch solch eine Falschdiagnose erstens verstärkt und zweitens alles andere als gelöst werden, wird nicht wahrgenommen.

Warum „Falschdiagnose“?

Weil auch schwerwiegende Magie-Sünden noch lange nicht zur Besessenheit führen, auch nicht ohne weiteres in eine sonstige Form von „satantischer Gebundenheit“.

Das hat die katholische Kirche auch nie (!) behauptet, vielmehr handelt es sich um Panik-Vorstellungen von sektiererischer und schwarmgeistiger Seite.

Es gibt auch in anderen Bereichen schwere Sünden, man denke nur an massive Verstöße gegen die Zehn Gebote  – etwa Mord, Ehebruch, schwerer Diebstahl, Verleumdung oder gar Glaubensabfall etc.

Was tun Katholiken, wenn sie umkehren wollen und Gottes Vergebung suchen? – Genau: sie bereuen ihre Laster und gehen zur Beichte. –  Keiner, der bei Verstand ist, kommt auf die Idee, einen Exorzisten aufzusuchen!

Warum nun sollte es denn bei Zauberei-Sünden anders sein? Sind sie etwa schlimmer als Mord und Totschlag? – Es gibt keine Sünde, die Christus im Sakrament der Buße nicht auslöschen könnte – vorausgesetzt, die Reue des Umkehrwilligen ist aufrichtig.

Auch der hl. Paulus hat sich in seinen Briefen an die urchristlichen Gemeinden – vor allem an die Korinther – intensiv immer wieder mit schlimmen Lastern befaßt, die „vom Reiche Gottes ausschließen“, sofern keine Buße erfolgt. 

Nicht ein einziges Mal – auch nicht im Zusammenhang mit ausdrücklich erwähnten Zaubereisünden – hat der Völkerapostel seine Gemeinden bzw. deren Vorsteher zum Exorzismus aufgerufen.

Damit soll wohlgemerkt nicht gesagt sein, es gäbe keine wirkliche Besessenheit  – aber die in charismatischen Kreisen ständige Fixiertheit auf einen sogenannten „Befreiungsdienst“ ist ein Irrweg sowohl der theologischen Sache nach wie auch zu Lasten der seelischen Gesundheit der Betroffenen, wie ich aus zahlreichen Gespräche mit Geschädigten weiß.

Es handelt sich objektiv eindeutig um seelsorglichen Missbrauch, um eine (un)geistliche Manipulation. (Ob diese Problematik den Fehlgeleiteten subjektiv bewußt ist oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.)

Statt daß diese reumütigen Menschen ermutigt werden, die sakramentale Seelsorge der Kirche in Anspruch zu nehmen, werden sie völlig abwegig in Panik versetzt, als teuflisch besessen hingestellt und dem fragwürdigen Treiben eines selbsternannten „Befreiungsdienstlers“ unterworfen.

Dabei wird dies sogar praktiziert, wenn die Betroffenen nicht einmal selber in Zauberei-Sünden verstrickt waren, sondern lediglich  – angeblich  –  ihre „Ahnen“ bis zurück in die dritte oder vierte Generation (Urgroßeltern).

Dieses absurde Konstrukt nennt sich „Vorfahrensschuld“  – und ist dann immer noch ein willkommener Anlaß zur „Spezialseelsorge“, wobei die Gläubigen sich von den „Sünden ihrer Ahnen“ rituell lossagen sollen usw. Dazu gibt es auch noch Seminare und Einkehrtage, welche diesen Unfug lehren und betreiben.

Dazu kommt, daß das Einreden von „Besessenheit“ der Hölle sehr entgegenkommt. Warum? Weil die Betreffenden dann logischerweise meinen, ihre Sünden seien vom Teufel bewirkt, der durch sie gehandelt habe – also geht es dann nicht oder jedenfalls weniger um die eigene Verantwortung. Die Einsicht in eigene Schuld ist aber die wichtigste Voraussetzung für Reue und Sinnesänderung, also für eine Umkehr zu Gott. 

Nehmen wir als Anhaltspunkt für diesen ganzen Problembereich ein Beispiel aus dem Alten Testament, das uns zeigt, wie mit okkulten Lastern zu verfahren ist.

Es geht um den abgefallenen jüdischen König Manasse, der 55 Jahre lang in Jerusalem regierte. Er hatte zwar einen guten, gläubigen Vater (Hiskia), aber der Junior war ganz dem Götzendienst verfallen, wie wir in 2 Chronik 33 (1-20) nachlesen können. Er trieb es mit diesen „Greueln“ sogar noch schlimmer als die heidnischen Völker, die vor der Landnahme in Israel lebten (vgl. 2 Chr 33,2).

Er errichtete sogar Altäre für den Götzen Baal und die heidnische Göttin Aschera – und das nicht nur „auf den Höhen“ (auf Bergesgipfeln), sondern im Tempel des HERRN zu Jerusalem. Also schlimmer gings nimmer!

Auch in puncto Zaubereisünden war er unschlagbar:

„Er ließ seine Söhne durchs Feuer gehen im Tal Ben-Hinnom, und er trieb Zauberei, Beschwörung und Magie und ließ sich mit Totengeistern und Wahrsagegeistern ein. Er tat viel, was böse war in den Augen des HERRN, um ihn zum Zorn zu reizen.“

Gott warnte diesen gottlosen Herrscher und „redete zu Manasse und zu seinem Volk; aber sie achteten nicht darauf“.

Also zog der Ewige stärkere Register, um den König zur Umkehr zu bewegen. Er ließ den heidnischen Herrscher von Assyrien über Jerusalem kommen, die Heeresobersten nahmen Manasse gefangen und führten ihn ab nach Babel.

Da saß der König nun in seinem Elend – und ging endlich in sich: Und als er so bedrängt war, flehte er den HERRN, seinen Gott, an und demütigte sich sehr vor dem Gott seiner Väter und betete zu ihm.“

Und was tat der HERR? Ließ er dem König erst einmal durch einen Propheten oder Priester den Teufel austreiben? – Mitnichten!

Hier folgt die Antwort: „Und der HERR ließ sich von ihm erbitten und erhörte sein Flehen und brachte ihn nach Jerusalem in seine Königsherrschaft zurück. Da erkannte Manasse, dass der HERR der wahre Gott ist.“

Die Reue des „gefallenen Königs“ war echt, denn seiner Umkehr folgten handfeste Taten: 

„Und er tat die fremden Götter weg und das Götzenbild aus dem Haus des HERRN und alle Altäre, die er auf dem Zionsberg und in Jerusalem gebaut hatte; und er warf sie vor die Stadt hinaus. Und er baute den Altar des HERRN wieder auf und opferte auf ihm Heilsopfer und Dankopfer. Und er befahl dem Volk von Juda, dass sie dem HERRN, dem Gott Israels, dienen sollten.“

Was dieser Manasse sich an Abfall, Götzendienst und schlimmstem Aberglauben „geleistet“ hat – noch dazu als verantwortlicher Herrscher  – war schon von anderem Kaliber, als wenn sich in charismatischen Gebetskreisen  herausstellt, daß Frau M. vor zwanzig Jahren Zeitungs-Horoskope gelesen hat – oder ihr Urgroßvater einen Hellseher aufsuchte usw.

Bleiben wir also auf dem kirchlichen Teppich, auf dem Boden der Heiligen Schrift nämlich – und der Vernunft!

Ergänzender Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2019/02/18/wenn-der-exorzismus-die-beichte-verdraengt-und-die-noetige-umkehr-blockiert/

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 

 


VORSICHT vor (un)geistlichem MISSBRAUCH

Von Felizitas Küble

Nachdem das Thema „sexueller Missbrauch“ in aller Munde ist, sowohl in wie außerhalb der Kirche, sieht es mit dem Problem des geistlichen Missbrauchs ganz anders aus. Hier ist weiterhin Totschweigen, Wegschauen und viel Nebel an der Tagesordnung.

Dabei wächst diese Giftpflanze immer stärker gerade in den „frommen“ Milieus  –  und das nicht zuletzt wegen der starken Ausbreitung sogenannter „neuer geistlicher Gemeinschaften“, die von kirchlichen Kreisen oft in allzu naiver Weise pauschal gelobt und gepriesen werden, ohne die zahlreiche Spreu vom sparsam vorhandenen Weizen zu trennen.

Der Zusammenhang ist offenkundig:

Viele dieser Gruppierungen sind teilweise sektiererisch oder charismatisch geprägt – oder beides zugleich. Häufig sind sie von einer angeblich besonders „begnadeten“ Person gegründet worden, die bisweilen durch Visionen oder „himmlische“ Einsprechungen von sich reden macht und dadurch ein besonders Maß und Ausmaß von religiöser Autorität beansprucht.

Auf solchen Sumpfblüten im religiösen Gewande blüht dann neben dem (un)geistlichen nicht selten auch der sexuelle Missbrauch – wir erinnern z.B. an die charismatisch-erscheinungsbewegte Vereinigung „Gemeinschaft der Seligpreisungen“, deren führende Gestalten sich für vorzüglich geistbegabt hielten – und zugleich sexuell an ihren Schutzbefohlenen versündigten: https://charismatismus.wordpress.com/2019/01/05/philipp-madre-und-seine-charismatische-fixierung-auf-das-wort-der-erkenntnis/

Aber auch ohne derartige Übergriffe ist der geistliche Missbrauch als solcher schon eine verheerende Gefahr für das seelisch-geistige Leben der Geschädigten.

Seit Jahrzehnten melden sich bei mir  – nicht zuletzt aufgrund meiner kritischen Berichterstattung über Charismatik und Esoterik  –  die Opfer irrgeistiger bzw. fanatischer Gruppierungen bzw. schwarmgeistiger „Heilungsprediger“.

Manche Menschen begleite ich jahrelang durch Zuspruch, Trost und Rat, weil es immer wieder neuer Ermutigungen bedarf, damit sich diese „Aussteiger“ psychisch völlig freischwimmen und auch theologisch eine klare Sicht erhalten. Wenn es gewünscht wird, verbinde ich diese gebeutelten Menschen mit nüchternen und bodenständigen (!) Seelsorgern.

In der Regel handelt es sich bei den Geschädigten um Gläubige, die sich in schwärmerische Bewegungen verstrickt haben und einen Ausweg suchen.

Gerade in extrem-charismatischen Kreisen gibt es nicht selten Personen, die von sich behaupten, eine angebliche „Seelenschau“ zu besitzen oder durch übernatürliche Einsprechungen einen direkten „Draht nach oben“ zu besitzen.

Wenn diese vermeintlich „Begnadeten“ dann jemanden aus den eigenen Reihen für besessen erklären, den sie aus verschiedenen Gründen ablehnen oder einfach infolge ihrer wahnhaften Verblendung mißdeuten, dann ist der nächste Schritt fast immer ein Quasi-Exorzismus, der gerne als „Befreiungsgebet“ bezeichnet wird.

Das ist aber keine Hilfe für die Betroffenen, sondern das genaue Gegenteil, denn dadurch wird doch die (verfehlte!) „Diagnose“ der Besessenheit zusätzlich bestätigt.

Es gibt freilich auch weniger grobschlächtige, eher subtilere, feiner wirkende Formen von spiritueller Abhängigmachung und Vereinnahmung unter den Deckmantel der „Seelsorge“ oder geistlicher Leitung.

Eine frühere Mitarbeiterin trat z.B. vor längerer Zeit in die Gemeinschaft „Das Werk“ ein, die 1938 von der „visionär“ begabten Julia Verhaege gegründet wurde.

Wir schickten unserer Ex-Praktikantin einige Monate nach ihrem Eintritt auf den Rat eines befreundeten Priesters hin einen kritischen Zeitungsartikel über diese merkwürdige katholische Vereinigung, damit sie „beide Seiten“ erfährt, eben auch die skeptische, um sich ein objektiveres Urteil bilden zu können.

Schon wenige  Tage später wurden wir zuerst von einem uns wohlbekannten Priester, der zugleich Theologie-Professor war, danach von einem katholischen Kardinal (!) angerufen und scharf kritisiert, was uns einfalle, über dieses ausgezeichnete „Werk“ herzufallen.

Wir wußten überhaupt nicht, wie uns geschah, da wir doch unserer Freundin einfach nur persönlich einen freundlichen Brief mit dem Zeitungsbericht zur Info geschickt hatten – noch dazu auf Empfehlung eines ebenso konservativen wie bodenständigen Jesuitenpaters. Offensichtlich ist ihre Post also vom „Werk“ kontrolliert worden!

Als es einige Zeit später zu einem Telefonat mit unserer ehem. Praktikantin kam, bemerkten wir an dem zurückhallenden Ton, daß das Gespräch auf Lautstärke gestellt wurde, unsere Freundin also gar nicht alleine mit uns reden konnte. Unter diesen Umständen war es im Grunde zwecklos, eine vernünftige Unterredung zu führen. 

Grundsätzlich gilt für jeden von uns das Prinzip:

Größte Vorsicht vor allen Personen, die sich als besonders „geistbegnadet“ präsentieren, die aufgrund vermeintlicher Visionen vorgeben, direkte Anweisungen „von oben“ zu empfangen oder die in sonst einer Weise versuchen, andere Gläubige in (un)spiritueller Weise von sich abhängig zu machen.

BETROFFENE von geistlichem Missbrauch können sich weiterhin gerne an mich wenden: felizitas.kueble@web.de  – oder per Tel. 0251-616768


Endstation Mord: Wohin falsche Visionen und ein irrer Teufelswahn führen kann

Von Felizitas Küble

Seit Jahrzehnten erhalte ich Anrufe von Opfern extrem-charismatischer Gruppen, die von selbsternannten „Sehern“ oder sonstwie „Begnadeten“ als besessen erklärt und daher mit exorzistischen Anwendungen behelligt worden sind.

Gottlob hat das fanatische Treiben in keinem Falle zum Tod der Betroffenen geführt, allerdings sind die seelischen und auch psychosomatischen Schäden enorm und halten oft jahrelang an.

In jedem dieser Fälle erweckten jene, die den verhängnisvollen Besessenheits-Stempel verkündet hatten, in ihren Kreisen den Eindruck, als ob sie vom Heiligen Geist die „Gabe der Seelenschau“ erhalten und überdies mit übernatürlichen Offenbarungen gesegnet seien.

Auch Ende des Vorjahres sind mir von einer Betroffenen erschreckende Vorgänge aus diesem schwarmgeistigen Milieu mitgeteilt worden.

So verheerend die psychischen Folgen für die Opfer solchen Treibens auch sind, es gibt noch schlimmere Fälle, die mit Mord und Totschlag enden.

Noch vor zwei Jahren wurden vier Angeklagte in einem Frankfurter Prozeß verurteilt, wobei die Haupt-Täterin sechs Jahre Haft erhielt. Die südkoreanischen Pfingstler hatten einen Exorzismus an einer 41-jährigen Verwandten vorgenommen, der tödlich endete.

Ein weiteres schauriges Beispiel ist eine in den 60er Jahren vieldiskutierte Tragödie in Ringwil (Schweiz). Dort war die 16-jährige Bernadette Hasler am 15. Mai 1966 von einigen Fanatikern zu Tode geprügelt worden. 

Man hielt das Mädchen für besessen und betrachtete die Mißhandlungen als eine Art Exorzismus. Die Sekte trug auch noch den schönen Namen „Internationale Familiengemeinschaft zur Förderung des Friedens“.

Einer der Haupttäter war schon vor dem Totschlag als Sektierer von der katholischen Kirche exkommuniziert worden. Dieser Pater Josef Stocker hat allerdings später vor Gericht seinen Irrweg eingestanden.

Weitaus hartgesottener als er war seine „Seherin“, an derem Tropf er jahrelang hing: Magdalena Maria Kohler aus Singen. – Als Dritte im Bunde agierte eine Ordensfrau namens „Stella“, die ebenfalls himmlische Offenbarungen und Anweisungen für die „Endzeit“ erhielt, wie man in diesem Milieu glaubte.

Das besonders Tragische an dem verbrecherischen Treiben bestand darin, daß das Mädchen Bernadette selber im Wahn der Sekte gefangen war. Mehrere Chancen zur Flucht hat sie nicht genutzt. Diesen Leichtsinn mußte sie mit ihrem Tod bezahlen.

Der irregeleitete Geistliche und die verblendete Frau Kohler erhielten zehn Jahre Haft. Während der Pater „in sich ging“, machte die hartnäckige Kohler unbeirrt weiter, zumal sie von ihren Kreisen weiterhin als „heilige Mutter“ verehrt wurde.

Zu ihrem Fanclub gehörte auch Anna Wertmuthäuser. Die ältere Dame bezahlte ihre Naivität ebenfalls mit dem Tod. Sie starb mit 66 Jahren infolge der als „Teufelsaustreibung“ getarnten Mißhandlungen an inneren Blutungen in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 1988.  

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den kath. KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 

 


Christus verwehrt dem unreinen Geist die Offenbarung seines Wesens

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Mk 1,21-28:

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn ER lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: Der Heilige Gottes.

Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!

Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle, und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

HINWEISE auf das Schweige-Gebot des HERRN:

Diese Episode aus dem Markus-Evangelium ist sehr vielsagend und bedeutsam – und dies vor allem aus drei Gründen:

  1. Christus befiehlt einem unreinen Geist, der sich beim Exorzismus zu Wort meldete, energisch, er solle schweigen. Unser HERR läßt sich auf keinen „Dialog“ mit der Unterwelt ein – auch dann nicht, wenn der Teufel durchaus  – formal gesehen – die „Wahrheit“ spricht, also gleichsam theologische Richtigkeiten verkündet. 
  2.  Natürlich ist Christus gekommen, um die Werke des Teufels zu zerstören – das hat der unreine Geist zutreffend erkannt. Zudem ist Jesus der „Heilige Gottes“, der Allheilige des Höchsten. Aber unser göttlicher Erlöser bedarf keiner „Bestätigung“ von unten – und ER möchte auch nicht, daß die Umstehenden einer Art „Teufelspredigt“ zuhören, selbst wenn der Erzfeind sich rein äußerlich als besserer „Schriftgelehrter“ erweist als die Pharisäer. Die Unterwelt hat eben ein übernatürliches Wissen; aber man kann richtig wissen – und trotzdem hassen.
  3. Die hier zum Ausdruck kommenden Prinzipien sind für alle Exorzismen zu beachten (werden aber nicht selten dreist übergangen – übrigens auch im Fall der Anneliese Michel): Keine Gespräche mit dem Kellergeist, keine Debatten bzw. Frage-Antwort-Spiele, geschweige Verbreiten von „Protokollen“ solcher Dialoge, einmal abgesehen davon, daß derartige Vorgänge dem Seelsorgsgeheimnis widersprechen. (Auch wenn eine Teufelsaustreibung keine Beichte ist, so gilt hier sehr wohl ein allgemeines Seelsorgsgeheimnis!)