Meine Beobachtungen in Medjugorje

„Ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie“

Dieser Brief stammt von einer langjährigen Leserin aus Süddeutschland, deren Name und Anschrift mir bekannt ist.

Aus meiner Erfahrung mit „Aussteigern“ – sei es aus der Esoterik, Charismatik oder Falschmystik  –  weiß ich, wie allergisch bis fanatisch ihr bisheriges Umfeld oftmals reagiert, wenn deutlich wird, daß sie auf einen nüchternen Glauben „umgestiegen“ sind, der keiner „Erscheinungen“ und sonstiger „wundersamer“ Ereignisse bedarf. 

Auch die Verfasserin dieses Schreibens kennt diese Problematik. Hier folgt ihr anschaulicher Bericht:

Sie sprechen mir vollkommen aus der Seele mit Ihren kritischen Beiträgen, Ihrer Aufklärung über „Botschaften“, Seher usw. Die Medjugorje-Hysterie ist auch eine Wundersucht.

Mir wurde schon oft gesagt, dass eine Wallfahrt dorthin alles im Leben zum Guten ändern würde, so daß wir Probleme überwinden, die uns zu schaffen machen.

Ich war 2009 im September eine Woche dort und habe vieles mitbekommen: Die hl. Messen, Rosenkranz und eucharistische Anbetungen sind soweit in Ordnung.

Aber ich erlebte eine gigantische Geldmaschinerie – und das hat mich abgestoßen. Jeden Tag werden die Pilgergruppen, die einen Pilgerführer zwangsweise mitnehmen müssen, mindestens zweimal zur „Tränke“ geführt. Das heißt, sie besuchen eine klösterliche Gemeinschaft, ein Kinderdorf, ein Zentrum für Drogensüchtige etc. Überall gibt es zuerst einen Vortrag und dann werden Spenden eingesammelt.

Mich stören die vielen Geschäfte hingegen nicht. Da kann man reingehen oder auch nicht.

Sodann gibt es in Medjugorje Veranstaltungen in einer größeren Halle, wobei die Seher anwesend sind und zu den Leuten sprechen. Alles wird in verschiedene Sprachen übersetzt. Ich mußte außerhalb der Halle im Freien mit meiner Gruppe zuhören. Aber ich war nicht aufmerksam, weil ich diese „Marienbotschaften“ überhaupt nicht als wahr ansehen kann. Diese banalen Aussagen sind sicher nicht  himmlischen Ursprungs. Davor muß man die Madonna in Schutz nehmen. Aber das darf man bei Medjugorje-Gläubigen nie erwähnen. Sie verhalten sich oft sofort aggressiv und feindselig. Darin erkenne ich dann eine Spur der „anderen Firma“…

Besonders empfindlich reagieren Medjugorje-Pilger, wenn man den Lebenswandel der Seher/innen anspricht. Die hl. Katharina Labouré, Bernadette von Lourdes und die Kinder von Fatima lebten zurückgezogen, hatten es teilweise sehr schwer im Leben, wurden keine bejubelten Stars und gingen ins Kloster. 

Besonnene Gläubige unter den Pilgern antworten mir dann immer, dass das spezielle Apostolat der Medjugorje-Seher eben die Familie wäre und sie darum geheiratet hätten. Andere reagieren richtig wütend, weil sie diesen Punkt als Zeichen einer Infragestellung erkennen.

Es soll dort angeblich Heilungen geben, aber warum werden diese nicht wie in Lourdes ärztlich genau untersucht? Diese „Wunder“ werden erzählt, ohne daß eine kirchliche Anerkennung erfolgte. 

An einem Nachmittag unter freiem Himmel konnte man in Medjugorje Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel sehen, die sich kreuzten. Diese Kreuze wurden dann wie wild fotografiert und ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht. Dabei gewann ich den Eindruck, dass man wirklich fieberhaft nach Zeichen und „Wundern“ sucht.

Das Publikum ist sonst nicht primitiv, ungebildet oder unkritisch. Aber bei Medjugorje sind sie verblendet. Ich kenne viele fromme Katholiken, denen die verschiedenen „Privatoffenbarungen“ wichtiger sind als das Wort Gottes.

In den vergangenen Tagen habe ich mich gefragt, hätte die „Gospa“ – wie man die Medjugorje-Madonna nennt –  nicht konkret diese Corona-Seuche vorhersagen müssen ? Man hörte nichts über eine weltumfassende Epidemie, die überall große wirtschaftliche Not verursacht. Das ist doch erstaunlich. Keine dieser „Botschaften“ warnte die Menschen. Das wäre doch die Gelegenheit gewesen, vom Himmel her die schon längst fällige Echtheits-Bestätigung zu liefern.

Solche Erscheinungen kommen aber auch ohne Medjugorje-Seher überall vor. Ich kenne allein drei Frauen, die mir berichteten, dass sie unsichtbare Stigmen tragen, also die Wundmale Jesu. Sie erwarteten dann von mir wohl eine ehrfürchtige Reaktion, weil sie mich in ihr „Geheimnis“ eingeweiht haben. Ich habe sie alle enttäuscht.

Viele „träumen“ auch Erscheinungen und fühlen sich dann auch aus der normalen Masse der Sterblichen etwas herausgehoben. Allen diese „Erwählten“ konnte ich einen gewissen Stolz nicht absprechen.

Ich habe vor ein paar Jahren in Schramberg den „preisgekrönten“ Film Mary‘s Land gesehen. Hinter mir waren hysterische  – oder wie Sie zu schreiben pflegen: schwarmgeistige – Damen, die den langweiligen Film immer wieder mit ihren Jubelausbrüchen garnierten, während ich vor Langeweile eingenickt bin. Jetzt wurde wieder so ein Film gedreht, zu dem ich trotz vieler Einladungen nicht gegangen bin. Zu Hause schläft es sich besser.

Das Problem Medjugorje ist groß. Millionen gehen jährlich dorthin. Der Vatikan und die Bischöfe getrauen sich nicht, ein Machtwort zu sprechen. Würde ein solches erfolgen und dem Spuk ein Ende bereiten, so würde eine riesige Geldmaschine trockengelegt werden.

An unserem letzten Tag sprach noch eine Seherin der sogenannten „zweiten Generation“ im Hotel. Sie erhalte, so hieß es, innere Einsprechungen von oben. Es ging dabei eigentlich wieder ums Spenden. Das ist der allgegenwärtige Mechanismus dort.

Mein Beichtvater empfiehlt mir immer, wie Sie richtig schreiben, dem Willen Gottes zu gehorchen. Aber Kreuztragen wollen viele nicht mehr; sie sehen das als Strafe Gottes an.
Ohne Kreuztragen gäbe es keine Heiligen, das sage ich immer. Dadurch geschehen wirkliche Wunder in der Seele.


Sievernich: Unsinnige „Kernbotschaft“ an Manuela Strack, die „kleine Blume“

Die Seherin sieht sich als „kleine Gebetsperle“

Der Förderverein der Gebetsstätte Sievernich – es handelt sich wohlgemerkt nicht um eine kirchlich anerkannte Erscheinungsstätte –  wirbt seit langem mit den „Botschaften“, die der Himmel angeblich an Manuela Strack übermittelt hat (siehe hier:  https://maria-die-makellose.de/botschaften_themen.html).

Frau Strack ist die „Seherin“ von Sievernich, einer kleinen Pfarrei im Bistum Aachen unweit der Grenze zum Bistum Köln.

In den letzten Jahren ist es stiller um die selbsternannte Visionärin geworden, die mit 33 Jahren reichlich Staub in frommen Kreisen aufwirbelte, als sie zu Beginn der Jahrtausendwende mit ihren angeblichen Privatoffenbarungen viele Pilger und Neugierige in die kleine Gemeinde zog.

Obwohl selber in Düren lebend, verkündete die Familienmutter seinerzeit jahrelang einer (leicht)gläubigen Schar zu Sievernich ihre jüngsten „Botschaften“ von oben.

Merkwürdigerweise ist die kirchliche Obrigkeit – sprich: die zuständige Bistumsleitung von Aaachen – nicht gegen den offensichtlichen Unfug dieser „Botschaften“ und Phänomene vorgegangen, sondern ließ den falschmystischen Geschehnissen ungehindert ihren Lauf.
Wie dieses Nicht-Eingreifen mit dem kirchlichen Wächteramt, Gläubige vor abergläubischen Gefahren zu schützen, vereinbart werden kann, ist wohl das Geheimnis des bischöflichen Ordinariats.

Wie theologisch unsinnig viele der „übernatürlichen“ Einsprechungen und Visionen von Frau Strack tatsächlich sind, haben wir bereits mehrfach aufgelistet und erläutert: https://charismatismus.wordpress.com/category/irrgeistige-erscheinungen/sievernich-manuela/

Interessanterweise veröffentlichte die erwähnte Sievernich-Werbeseite auch die „Kernbotschaft“, welche der Seherin Strack  – in ihrer Fangemeinde schlicht als „Manuela“ bezeichnt – am 19. Mai 2003 zuteil geworden sein soll.

Während die Erscheinungs-„Madonna“ Manuela bei Überreichung von drei „Schlüsselgeheimnissen“ (!) am 7.10.2002 bereits als „Kleine Gebetsperle“ würdigte, wurde sie von „Jesus“ gar als „meine kleine Blume“ angeschwärmt.

Als ob der wahre Gottessohn und Erlöser  mit solchem Kitsch jemals den Hochmut und Eigendünkel von Personen begünstigen würde, die sich ohnehin mit ihren „Botschaften“ bereits im Lampenlicht von Medien und Öffentlichkeit befinden (Sievernich wurde damals nicht nur zuhauf von neugierigen Pilgerscharen „heimgesucht“, sondern auch von Presseleuten usw.).

Die verfehlte „Kernbotschaft“ von Manuela Strack

Unter dem Titel „Die Kernbotschaft von Sievernich“ wird berichtet, Jesus sei für Manuela am 19. Mai 2003 in der Pfarrkirche von Sievernich direkt sichtbar geworden („Nun sah ich in der heiligen Hostie das Antlitz Jesu“).

Dann habe die Erscheinung („seine Stimme klang männlich, sanft, einfühlsam…“) sie mit den folgenden Worten begrüßt:

„Ich grüße und segne dich, meine kleine Blume. Erkennst du Mich?“

Danach habe jene Stimme sie aufgefordert, auf die Marienbotschaften zu hören, die sie bislang erhalten habe. Weiter heißt es, erneut der Eitelkeit der Visonärin schmeichelnd: „Durch dich dürfen die Menschen erfahren, dass Ich zu jedem von euch komme, wenn Ich nur eingeladen werde. Allen Menschen schenke Ich Heil und Segen.

Nun gibt es zwar den allgemeinen Heilswillen Gottes, aber das tatsächliche Heil wird keineswegs „allen Menschen“ zuteil, sondern hängt von ihrem Glauben und ihrer Nachfolge Christi ab. Gott wirkt grundsätzlich nicht gegen den freien Willen seiner Geschöpfe.

Diffamierung der katholischen Priesterschaft

Nachdem Frau Strack mit Lob und Preis überschüttet und ihr „Erwählungsbewußtsein“ massiv gestärkt wurde, zieht der irrgeistige „Jesus“ über die Priesterschaft her:

„Meine Priester, Meine Nachfolger, wo seid ihr? Seht Mich an, könnt ihr vor Mir bestehen? Liebt ihr Mich oder geht ihr den irdischen Genüssen des weltlichen Lebens nach? Meine Kleine, bevor Ich die Welt mit Meinen Füßen betrat, liebten die Pharisäer Meinen Vater nicht mehr… Meine Kleine, wie ist es heute?

Kurz vor Meiner Wiederkunft in Herrlichkeit schaue Ich auf Meine Nachfolger. Wer liebt Mich heute noch? Wer handelt nach Meinem Wort?“

Das sind freilich skeptische Fragen an die Geistlichkeit „kurz vor meiner Wiederkunft“. Das Jesus-Phantom beklagt sich weiter wortreich über den katholischen Klerus:

„Zu Meinen Lebzeiten auf der Erde wurde Ich geschunden und gemartert…Wie ist es heute? Werde Ich von Meinen Priestern geliebt und verkündet oder werde Ich von ihnen verleugnet um ihrer selbst willen?…. Wegen eurer Vergehen wird die Kirche, Mein Leib, in Deutschland geschunden, weil ihr nicht mehr wahrhaftig seid….“

Abschließend fordert der Erscheinungs-„Jesus“ dazu auf: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und Seiner Mutter treu und redlich.“

Hier wird Maria als die Mutter des Vaters im Himmel bezeichnet, was eindeutig verfehlt ist, denn die Madonna ist keine Muttergottheit, sondern als Geschöpf die menschliche Mutter des Gottessohnes. Es müßte also heißen: „Dient dem Vater im Himmel, Mir, dem Sohn, und meiner Mutter treu und redlich.“

Solange eine Botschaft noch nicht einmal zwischen Gott-Vater und Gott-Sohn unterscheiden kann – und das gilt erst recht für eine „Kernbotschaft“  –  kann auch der ganze „Rest“ nicht von oben stammen.

Zudem wird hier eine Art „neue Dreieinigkeit“ präsentiert, die aus Gott-Vater, Jesus und Maria besteht – der Heilige Geist wird einfach ignoriert!

Während die Priesterschaft also denkbar schlecht wegkommt, ist es mit dem Mitarbeiterteam von Manuela bestens bestellt:

„Deine Helfer dürfen sich in Mir geborgen fühlen gegen Anfeindungen und Versuchungen des Feindes…Sind sie Mir und Meiner Mutter treu, so bringen sie reiche Frucht.“

Es handelt sich eindeutig um eine pseudo-konservative, in Wirklichkeit häresieverdächtige und pauschale Herabsetzung von katholischen Geistlichen, verbunden mit einer Aufwertung erscheinungstüchtiger Laien, die sich um eine kirchlich nicht anerkannte „Seherin“ gruppieren.

Im Grunde geht es hier um die Aufrichtung einer schwarmgeistigen Laienherrschaft auf spiritueller Ebene.

Noch offensichtlicher kann sich Pseudomystik und Falschprophetie kaum präsentieren!

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

 


Anrufung mit absurden Verheißungen: Das Kreuz-Gebet vom Hl. Grab in Jerusalem

Von Felizitas Küble

Unter dem Titel „Gebet, welches am Hl. Grab in Jerusalem“ gefunden wurde, bringt ein User des erscheinungsbewegten Portals Gloria-TV eine besonders wirkkräftige und verheißungsstarke Anrufung, wie sie dem naiven Lager auf den Leib geschnitten ist: https://gloria.tv/article/yG6mpvjkRJwM4dcpLLgYkyEiP

Dazu wird uns ohne jeden Beweis folgende Legende wie eine Tatsache mitgeteilt:

„Dieses kräftige und für alle Menschen heilsame Gebet zum hl. Kreuz Christi wurde im Jahre 1505 auf dem Grabe unseres Herrn gefunden. Als Kaiser Karl zu Felde zog, erhielt er es vom Papst zum Geschenke und schickte es nach St. Michael in Frankreich, wo es auf einem Schilde in goldenen Buchstaben wunderschön ausgedruckt zu lesen ist.

Sodann heißt es geradezu abenteuerlich und geprägt vom wildesten Aberglauben: 

„Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, oder bei sich trägt, oder wer täglich 5 Vater unser und ebenso viele Ave Maria zu Ehren des bitteren Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesu Christi betet, wird nicht des jähen Todes sterben, in keinem Wasser ertrinken, in keinem Feuer verbrennen, in keiner Schlacht umkommen, und von keinem Gift Ungemach haben.

Eine Frau in Kindesnöten, wenn sie dieses Gebet betet oder beten hört, wird sogleich entbunden und eine fröhliche Mutter sein und das neugeborene Kind wird, wenn man ihm dieses Gebet in die rechte Seite legt, von vielen Unglücken befreit sein. Wer dieses Gebet bei sich trägt, wird von keiner fallenden Krankheit geplagt sein. Seht ihr einen mit St. Johannes- oder Cornelius-Krankheit behafteten Menschen auf der Straße fallen und legt ihm dieses Gebet in die rechte Seite, so wird er gleich aufstehen und sich seiner Genesung freuen.
Wer dieses Gebet von Haus zu Haus bringt, wird von mir gesegnet; wer aber darüber spottet, wird von mir verflucht. Das Haus, worin sich dieses Gebet befindet, wird von Blitz keinen Schaden leiden. Wer dieses Gebet täglich betet oder beten hört, wird 3 Tage vor seinem Tod ein Zeichen von Gott sehen, nämlich: Dieser ist mein Sterbetag.“

Typisch für die Falschmystik ist schon diese Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche: Für die Jasager gibt es zahlreiche Versprechungen, für Kritiker bzw. „Spötter“ wird gleich der Fluch Gottes bereitgestellt. Primitiver gehts nimmer!

Allein schon dieser Zug an dieser schein-frommen Geschichte ist gotteslästerlich, denn der Name des Höchsten wird für faulen Zauber bzw. magisches Denken mißbraucht.

Sodann folgt die „Anrufung zu Gott und dem heiligen Kreuz Christi“, wobei man Christus selbstverständlich anrufen kann, aber sein „heiliges Kreuz“ ist keine Person, sondern ein Gegenstand, wenngleich ein besonderer. Der göttliche Erlöser sollte bei Gebeten im Zentrum stehen, weniger das Kreuzesholz, an dem er starb.

Danach gibt es eine Art Litanei, z.B. „O hl. Kreuz Christi, wend‘ ab von mir alle feindlichen Waffen. O hl. Kreuz Christi, entferne von mir alle Übel….O hl. Kreuz Christi, bewahre mich vor aller körperlichen Not….“ usw.

Hier fällt die Betonung der eigenen Interessen auf (feindliche Waffen fernhalten, alle Übel entfernen, vor körperlicher Not bewahren…), wogegen die geistlichen Anliegen weniger stark im Vordergrund stehen.

Sodann heißt es in abergläubischer Manier u.a.:  „So wahr, wie die hl. 3 Könige am 13. Tag Geschenke gebracht“ –  dabei waren es keine „drei Könige“ (das ist nur Volksglaube), sondern – wie die Bibel bezeugt – drei Weisen aus dem Morgenland – und ob es der 13. Tag oder sonst einer war, spielt überhaupt keine Rolle.

Die Anrufung als solche ist theologisch nicht seriös – und die „Verheißungen“ sind erst recht hochgradig absurd und vermessen.

 


H. Lungenschmid – ein Prophet unserer Zeit?

Von Pater Michael Ramm

Schon mehrere Jahre macht ein gewisser Helmut Lungenschmid auf sich aufmerksam. In Büchern und Vorträgen spricht er über sein “Sterbeerlebnis”, welches er als 15-jähriger Junge beim Zahnarzt gehabt haben will. Es handelt sich um eine Nahtoderfahrung, die er wegen einer Überdosierung an Betäubungsmitteln hatte.

Seinen Visionen gibt Lungenschmid einen unfehlbaren Anspruch, indem er häufig Formulierungen benutzt wie z.B. “Die Gottesmutter sagte mir…” oder “Jesus erklärte mir im Jenseits…”.

Wenn man davon ausgeht, dass er seine Einsprechungen direkt von höchster Stelle bezieht, müssen sie natürlich fehlerfrei sein. Dieser Anspruch, den Herr Lungenschmid selber erhebt, macht es wiederum leicht, die Echtheit seiner Aussagen zu überprüfen.

Tatsächlich sind seine Schilderungen derart irrsinnig, dass man sich wundert, wie es Menschen geben kann, die ihm Glauben schenken.

Weil Lungenschmid in seinen Büchern die Petrusbruderschaft erwähnt und für die Feier der Hl. Messe im außerordentlichen Ritus wirbt, scheint mir eine klare Stellungnahme sinnvoll zu sein:

Sein Buch ist voll von Science-fictionartigen Verschwörungstheorien. Lungenschmid behauptet z.B. ernsthaft, dass die Automarke “Volkswagen” vom Teufel sei, weil der Buchstabe “V” angeblich den Zahlenwert “6″ ergebe und “W” aus zwei “V” bestehe, was zusammen die Zahlenkombination “666″ ergibt, wie ihm die „Gottesmutter“ im Jenseits genauestens erklärte. Daher würde es ihn auch nicht wundern, “wenn dieses Auto zusätzlich auch noch satanisch besprochen wäre.”

Lungenschmid glaubt an eine von oben gesteuerte Dezimierung der Weltbevölkerung, die bereits begonnen hat: “Die Gottesmutter erklärte mir im Jenseits, dass am Ende der Zeit … die Weltbevölkerung dezimiert wird.”

Unter anderem soll dies durch die Förderung von Abtreibung und Euthanasie und durch Vergiftung von Nahrungsmitteln sowie dem Einbau von radioaktivem Plutonium in den Tabak geschehen. Lungenschmid schreibt: “…ich kann mich noch an einige Marken erinnern, die mir von der Muttergottes gezeigt wurden, wie z.B. Marlboro, Memphis, etc.”

Auch das auf der ganzen Welt verkaufte Getränk Coca Cola sei durch chemische Zusatzstoffe vergiftet.

Im Kapitel “Parallel-Städte” behauptet Lungenschmid, dass ihm die Gottesmutter riesige unterirdische Höhlen zeigte, die in der Nähe von Großstädten angelegt seien. Hier würden Tausende und Abertausende von Unterkünften für Islamisten im Geheimen von unserer Regierung gebaut.

Als Erklärung dafür, wie die gigantischen Kosten für diese Mega-Projekte gedeckt werden sollen, schreibt er: “Die Gottesmutter zeigte mir, dass das Geld hierfür von Großprojekten abgezweigt wird, … – große Straßenbaustellen, an denen, wie man sieht, lange Zeit nichts weitergeht, … – Flughäfen, die eine halbe Ewigkeit nicht fertiggestellt werden können, … . Dieses Geld … wird in die Geldsäcke der Freimaurer umgelenkt, …”

Interessant, dass nun auch die Silvesternacht 2015/16 mit den “Parallel-Städten” eine Erklärung findet: Die Täter seien  –  so Lungenschmid –  im Untergrund beherbergt worden und konnten deshalb auch schnell wieder – wie vom Erdboden verschluckt – verschwinden. Damit dürfte die Silvesternacht wohl aufgeklärt sein, denn, so schreibt er: “[dies] hatte mir die Gottesmutter damals schon im Jenseits während des Sterbeerlebnisses gezeigt.”

Es ließen sich noch viele absurde Beispiele und auch theologische Irrtümer dieses intensiven Zahnarztbesuches anführen. Es wundert mich nicht, dass Lungenschmid Probleme hatte, einen Verlag für sein Buch zu finden.

Dagegen wundert es mich doch sehr, dieses Buch in den Händen mancher gläubiger Christen zu finden.

Weitere Artikel mit theologischen Erläuterungen zu Lungenschmid in unseren früheren Beiträgen: https://charismatismus.wordpress.com/category/visionen-und-charismatik-kritik/lungenschmid-helmut-nahtod/


Der Visionär Barnabas Nwoye aus Nigeria und seine kuriosen „Botschaften“

Von Felizitas Küble

Selbsternannte Seher und „begnadete Sühneseelen“ gibt es heutzutage in reichlicher Fülle und in allen Erdteilen, so auch auf dem afrikanischen Kontinent. Einer von ihnen, ein besonderer Verehrer des „Kostbaren Blutes“, kommt aus Nigeria und heißt Barnabas Nwoye.

Er erhält sein langem Einsprechungen von ganz oben, meistens von Christus oder bisweilen auch von Heiligen.

Gebetszettel und Botschaftsheftchen über seine Botschaften machen auch hierzulande die Runde und werden auf erscheinungsbewegten Webseiten beworben, z.B hier: https://www.jochen-roemer.de/Gottes%20Warnung/Hintergrund/Archiv/Beitraege/Botschaften%20Jesu%20an%20Barnabas%20(Nigeria)%20mit%20Nihil%20Obstat%20und%20Imprimatur.pdf

Wie so viele Visionäre hat auch er einen Extra-Rosenkranz „geoffenbart“ bekommen, in diesem Fall den „Rosenkranz vom Kostbaren Blut“ (Gebetszettel siehe Foto). Natürlich handelt es sich dabei um die „größte Andacht für unsere Zeit“ (das verkündet stolz der Untertitel).

Auch sonst fehlt es nicht an Merkwürdigkeiten. So berichtet Barnabas am 5. April 2000 von einer Botschaft „Christi“ über einen Vorgang im Alten Bund (2 Chr 26,16-21), als König Usija von Gott mit Aussatz bestraft wurde, weil er in seinem Hochmut auf dem Altar geräuchert hat, obwohl dies allein den Priestern vorbehalten war, die ihn vor seiner Tat vergeblich gewarnt hatten.

Nun vergleicht der Visions-Jesus von Barnabas die damalige Situation mit den heutigen Ehrfurchtslosigkeiten im Altarraum und gegenüber der hl. Eucharistie. Dann heißt es: „Meine Barmherzigkeit wird meinen arroganten Kindern gewährt, die beständig mein Heiligtum missbrauchen, nach all meinen Warnungen und Ratschlägen. So wird auch mein Vater Usija um Vergebung bitten, dass er ihn mit Hautausschlag geschlagen hat.“

Das wird Gott-Vater sicher nicht tun, denn Gott handelt immer gerecht und gut, daher muß er niemanden „um Vergebung bitten“.

Barnabas erzählt sodann von einer Erscheinung der heiligen Cäcilia (einer bekannten Blutzeugin aus frühchristlicher Zeit) am 14.7.2000, die ihn als „Sohn des Geliebten“ bezeichnet habe und ihm (!) ihre „Dankbarkeit“ aussprach „für die Liebe, die Jesus zu dir hat“. (Wenn schon, sollte dann ihre Dankbarkeit doch Christus selber gelten.)
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Damit nicht genug des Kuriosen, erklärt sie ihm weiter: „Jesus erleidet in mystischer Weise ein tägliches Martyrium wegen eurer Sünden…Der ganze himmlische Hof fürchtet das zitternde Licht der „Göttlichen Gegenwart“ am heiligen Altar.“
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Warum sollte es sich am Altar um ein „zitterndes“ Licht handeln? Weshalb sollte der „ganze himmlische Hof“ dieses Licht „fürchten“? Warum sollte der auferstandene und verklärte Christus in seiner ewigen Glückseligkeit noch „leiden“, gar ein mystisches „tägliches Martyrium“? – Im Himmel gibt es ohnehin keine Zeit im irdischen Sinne, alles ist dort immerwährende Gegenwart.
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Unter der Überschrift „Was ist ein Heiligtum?“ wird folgende Einsprechung zitiert: „Ich bin Jesus, das geopferte Lamm, das ihr verschmäht, den HERRN DER HERREN , den ihr nicht mehr fürchtet. So sei du ein kleiner Tropfen, der mich tröstet, durch die vielen bitteren Schwertern, die mein armes Herz durchstoßen, das euch so sehr liebt.“
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Warum sollte sich der göttliche Erlöser derart jammerselig und wehleidig äußern  – und weshalb von seinem „armen Herzen“ sprechen? Warum sollte er auf den „Trost“ von Barnabas angewiesen sein? – Übrigens kommt genau dieser Punkt in vielen „Botschaften“ vor: Der jeweilige Seher wird vom Erscheinungs-Jesus dafür gelobt, daß er ihn erfreut und „tröstet“.
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Erstens tut das dem Ego des „Begnadeten“ gut, zweitens entsteht der Eindruck, als sei der „HERR der Herren“ in Wirklichkeit gleichsam ein armer Tropf, der menschlichen Trost sucht.
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In Wahrheit ist der dreieinige GOTT in sich selber Gemeinschaft, die drei göttlichen Personen sind miteinander verbunden in gegenseitiger Liebe und Einheit. Dazu kommen die Engel und die Heiligen des Himmels, die den Höchsten verehren. Unser HERR benötigt gewiß keinen Barnabas oder sonstigen „Seher“, der ihn „tröstet“….

 


Wie das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“ in den Schio-Botschaften funktioniert

Von Felizitas Küble

Es gibt bestimmte Kennzeichen, die sich durch fast alle falschmystischen Erscheinungen ziehen, die gleichsam den „roten Faden“ jener irrgeistigen Phänomene darstellen. Dazu gehört das Prinzip „Zuckerbrot und Peitsche“.

Es bedeutet in diesem Zusammenhang, daß in den angeblichen Botschaften des Himmels die Erscheinungsgläubigen besonders gelobt und ihnen große Verheißungen in Aussicht gestellt werden, hingegen die Skeptiker quasi in den Boden gestampft und als Bösewichter herabgesetzt werden.

Auf diese Unart und Weise sichern sich die „Erscheinungsmacher“ (wer immer es sei) vor jedweder Kritik ab, denn diese ist ja sowieso des Teufels, sie selber hingegen stehen im Lichte….

Dieses Merkmal erkennen wir auch in den Botschaften der  – kirchlich nicht anerkannten  –  Marienerscheinungen von Schio.

Dem bereits verstorbenen italienische Seher Renato Baron hatte sich die „Madonna“ als „Königin der Welt und der Liebe“ vorgestellt. Die Schio-Welle ist längst nach Deutschland übergeschwappt, es gibt sogar eine regelmäßige Zeitschrift in deutscher Sprache mit dem Titel „Königin der Liebe“. (Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2018/08/03/warum-die-marienbotschaften-von-schio-nicht-vom-himmel-stammen-koennen/)

Auch in diesen Botschaften wird dem Visionär zu verstehen gegeben, was die fromme Schar hören will: Sie selber steht auf der „richtigen“ Seite, die Kritiker sind üble Gottesfeinde, zudem werden die Erscheinungsgläubigen vor dem künftigen Strafgericht verschont  – ja, was will man mehr?!

So schreibt Herausgeber André Castella in der Einleitung zum Buch „die Botschaften der Königin der Liebe“ (siehe Foto): „Maria will ihren Kindern die Schrecken der drohenden Reinigung ersparen.“

Hier wirken „Zuckerbrot und Peitsche“ in einem Wort: Dem Rest der Welt droht das Strafgericht, die Botschaftsgläubigen bleiben davor bewahrt.

Schon im ersten Jahr der Erscheinungen winkt die „Madonna“ mit besonderen Segnungen für ihre Anhänger, indem sie ihnen versichert, daß sie „allezeit die gewaltigen Wunder erleben und die Freude kosten werden, die der Vater euch allen bereitet hat“. (20.9.1985)

Weitere Beispiele verdeutlichen dieses Schema:

„Man bete, damit der Vater das, was einzufallen droht, aufhalte. Und euch sage ich: ich werde euch retten, weil ihr an der Rettung teilnehmt und Maria liebt euch.“ (8.12.85)

Kurz vor Weihnachten heißt es kryptisch (verborgen-untergründig): „Aber ihr, meine Lieblinge, müht euch damit ab, den Unrat zu stoppen, den Weihnachten in der Welt verbreitet. Es könnte eine der letzten Weihnachten sein, die der Vater euch zum Leben schenkt.“ (22.12.85) –  Man beachte das Wörtchen „könnte“, so daß sich der Text nicht wirklich festlegt, aber doch bedrohlich-spannend erscheint. Zudem hätte man gerne gewußt, welchen Unrat denn ausgerechnet „Weihnachten“ in der Welt verbreitet…

Ende des Jahres gibts weitere Zuckerstücke für den Seher und seinen Fanclub: „Deine Gebete und alle Gebete deiner Brüder und Schwestern sollen die Welt retten. Der Vater will euch sein Ohr leihen…Alle, die mit dir arbeiten, werden dafür belohnt werden.“ (29.12.85)

Das neue Jahr läßt die Erscheinungsbewegten wissen, daß sie es sind (das „Gottesvolk“), welche die Kirche (das „Volk Gottes“) überhaupt erst einmal bekehren: „Eure Zeit ist gekommen. Das Gottesvolk wird das Volk Gottes bekehren. Die Überheblichkeit des Menschen wird untergehen….Gottes Reich wird kommen, aber es kommt durch euch.“ (16.1.86)

Die Welt wird gerettet, so heißt es weiter, wenn die Botschaftsgläubigen von Maria erzählen: „In der Tat werdet ihr mit Maria den Großteil der Menschen für eure Sache gewinnen; gemeinsam werdet ihr der Welt von Maria erzählen und so die Welt retten.“ (5.2.86)

Dem Seher wird erklärt, daß die Seinen auf dem rechten Weg sind, die „Stolzen“ werden es noch bereuen:

„Die ein zartes Herz haben, sind dir gefolgt. Die harten Herzen, die stolzen, sie sehen zu, aber sie werden es bereuen. Gemeinsam mit deinen engsten Freunden werdet ihr die Heiligkeit suchen und finden“ (29.8.86). – Hier wird ebenfalls ein häufiges Kennzeichen falschprophetischer Kundgaben erkennbar, nämlich die sichere Zusage des ewigen Heils (was dem katholischen Dogma widerspricht), hier sogar einer Heiligkeits-Gewißheit für den Visionär und seine Getreuen. 

Ähnlich heißt es am 1.12.1986: „Selig seid ihr, meine Kinder, denn ihr seid demütig geworden und habt euch mit dem Guten erfüllt. Ihr werdet euren Platz im Licht finden, wo euch der Vater belohnen wird.“ – Auch das „reine Herz“ befindet sich natürlich in der Schar der Erscheinungsbewegten: „Hier an diesem Ort, der euch lieb ist, bringe ich den Heiligen Geist…Mit reinem Herzen werdet ihr das Licht des Vaters sehen.“ (31.1.87)

Neben reichlich Zuckerbrot kommt auch ab und zu die Peitsche, wobei die „Madonna“ meist von sich selbst in dritter Person spricht: „Arbeitet mit Maria, jetzt, um dem Bösen und seinen Werken Einhalt zu gebieten, denn er mäht einen großen Teil der Menschheit nieder.“ (28.2.87)  – Auch ein paar Monate später klingt die Botschaft wieder sehr dramatisch: „Reicher Segen in der Zeit dieser Gnade, die aber auch zugleich die schwerste Zeit seit der Gründung der Kirche ist. Hört meinen Aufschrei, Kinder!“ (29.6.87)

Schlimm steht es freilich mit der Kirche, da sie doch nicht auf die Marienerscheinungen zu Schio hört, wie die Erscheinung bitter beklagt. Wie gut, daß es noch die Treuen aus der Schio-Szene gibt: „Ihr sollt lebendige Kirche sein, wahre Kirche. Meine Kirche, die zu mir rief und mich als Mutter und Königin im Triumph trug, sie nimmt jetzt meine Rufe nicht an, hört nicht mehr auf meine Stimme….Meine Kinder, niemals habe ich so viele Tränen vergossen wie in diesen Zeiten…“ (6.7.87)

Erstens kann zwar Christus den Ausdruck „Meine Kirche“ verwenden, denn ER ist das Haupt der Kirche, sie ist sein Werk. Aber Maria kann nicht rechtmäßig von „ihrer“ Kirche reden; sie ist selbst ein Teil der Kirche (das edelste Glied des Gottesvolkes).

Zweitens befindet sich die wahre Gottesmutter in der himmlischen Vollendung, wo es bekanntlich keine Tränen und kein Leid gibt, sondern ewige Glückseligkeit. Von daher ist auch die Tränendrüse theologisch unsinnig, aber typisch für den mitleidserweckenden Sermon vieler Botschaften.

Bald darauf kommt freilich wieder die obligatorische Drohkeule dazu: „Rasch wird die Zeit der Bestrafung kommen, die auf die Stolzen und Gleichgültigen herabstürzen wird. Sie wird die Diener Satans treffen, die frechen Betrüger des Volkes Gottes.“ (26.7.87)

Kurz und (un)gut: In der ganzen Kette hunderter von Botschaften wird das Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“ sichtbar, Kitsch wechselt mit Panik, Sentimentales wird mit Dramatischem verknüpft, alles klingt ganz prima im Ohr der einfältigen bis sensationsgierigen Anhängerschar.

Damit kein „Mistverständnis“ entsteht: Natürlich gibt es auch ein berechtigtes Lohn- und Straf-Prinzip des Himmels, nämlich der biblisch bezeugte klarsichtige Grundsatz: Gott belohnt den Glauben und das Gute, er bestraft den Unglauben und das Böse. – Dies ist aber eine andere Ebene als  Aberglaube und Schwarmglaube, es hat nichts zu tun mit Süßholzraspeln einerseits, Panikmache und Drohkulissen andererseits. 

 


Das „Fest der Demut Mariens“ und die dazu ganz unpassenden Madonnenerscheinungen

Von Felizitas Küble

Das kirchliche Fest der Demut Mariens vom 17. Juli gehört zu den weniger bekannten Marientagen, ist es aber wert, mehr beachtet zu werden, erst recht in den erscheinungsbewegten Kreisen. Es wird seine Gründe haben, daß man dort in aller Regel nicht einmal um die Existenz dieses Feiertages weiß.

Kein Wunder, denn hier geht es um die wahre Bescheidenheit der gnadenvollen Gottesmutter, die zum Engel Gabriel sprach: „Siehe, ich bin die Magd des HERRN.“  

Auch das Magnificat   –  der biblisch bezeugte Lobgesang Marias beim Besuch ihrer Kusine Elisabeth –  bezeugt die Demut der Madonna, heißt es dort doch: „ER hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd.“

Das ist die Selbsteinschätzung der wirklichen Mutter des HERRN – und wie sieht im Vergleich dazu die Tituliersucht und das ständige Selbstlob vieler „Marienerscheinungen“ aus? Tatsächlich: ganz anders! – Es kann sich folglich nicht um ein und dieselbe Person handeln, denn auch als Königin der Engel und Heiligen im Himmel hat sie ihre Grundhaltung nicht verändert.

Hier seien aus der Fülle der Beispiele zwei Fälle herausgeholt, um diese Problematik streiflichtartig aufzuzeigen:

HEROLDSBACH: Keine Privatoffenbarung wurde in den zweitausend Jahren der Kirchengeschichte derart stark abgelehnt wie jene von Heroldsbach im Bistum Bamberg, wo die „Rosenkönigin“ Anfang der 50er Jahre einigen Landmädchen erschienen sein soll.

Nicht nur der zuständige Bischof ordnete Strafmaßnahmen gegen Heroldsbach-gläubige Priester an, auch Pius XII.  – gewiß ein marianisch geprägter Papst  – hat sich strikt gegen diese Phänomene ausgesprochen und Sanktionen gegen widerspenstige Geistliche verhängt. Dennoch zogen und fuhren weiterhin zehntausende Pilger an diese fränkische „Wunderstätte“.

Freilich verwundert es wenig, daß sich die selbsternannte „Rosenkönigin“ dort in einer  Weise in den Mittelpunkt rückte, daß es häretische, ja letztlich gotteslästerliche Formen annahm, denn sie stellte sich gleichsam als vierte Person neben die göttliche Dreieinigkeit. (Dies habe ich ausführlich in der Zeitschrift „Theologisches“ belegt – siehe hier:  https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/08/heroldsbach-und-die-%e2%80%9ehimmelsvisionen%e2%80%9c/)

SEHERIN VON DER DONAU: Auch ein erscheinungsbewegtes Buch mit dem Titel „Geheimnis Maria“ sprengt diesbezüglich alle theologischen Grenzen. Georg Schmertzing bringt es auf S. 30 sogar fertig, Maria als die „Miterlöserin ihres mit ihr so eng im Geiste verbundenen Sohnes“ zu bezeichnen.

Wie bitte? Die Madonna soll die „Miterlöserin“ ihres göttlichen Sohnes sein? Dann wäre sie die Erlöserin und ER der Erlöste?!

Wir wollen dem deutsch-ungarischen Autor zugutehalten, daß er hoffentlich „eigentlich“ schreiben wollte: Maria sei mit ihrem Sohn im Geiste so eng verbunden, daß sie deshalb eine Miterlöserin sei (wobei auch diese „Logik“ ins Leere führen würde, aber das steht auf einem anderen Blatt).

Die Krönung des Absurden liefert uns aber die S. 249, denn dort wird unter dem Titel „Die himmlische Zwiesprache“ aus einer angeblichen Botschaft zitiert, welche die „Mystikerin von der Donau“, Luise Wittmann, erhalten haben will.

Demzufolge habe Christus ihr am 4.2.1978 Folgendes über die Madonna erklärt:
„Sie hält Zepter und Reichsapfel in den Händen, denn so gebührt es ihr als Königin. Ihr Erlösungswerk ist Berufung…So strahlt sie als Herrscherin wahrlich so wie ich…Ich will das Knie vor ihr beugen und ihr Herrschertum anerkennen für uns…So ist ihr alles zugeignet von dem Vater, dem Sohne und dem Heiligen Geiste in Liebe. Meine Mutter, Köngin, wir lieben dich und beugen das Knie vor dir.“

Das sind unfaßbare Gotteslästerungen, die keines weiteren Kommentars bedürfen, aber einmal mehr aufzeigen, wohin der Erscheinungs(wahn)sinn führen kann.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Irrgeistige Botschaften „Die Vorbereitung“ wollen auf die „Warnung“ einstimmen

Von Felizitas Küble

Seit langem geistert durch die erscheinungsfromme Szene die Vorstellung von einer baldigen himmlisch bewirkten „Warnung“, einer weltweiten Seelenschau aller Menschen (wobei es teilweise heißt: ab dem 7. Lebensalter aufwärts), die zugleich eine zwischenzeitliche Wiederkunft Christi beinhaltet. Das würde bedeuten, daß Jesus sich  v o r seinem Wiederkommen in Herrlichkeit bereits mittels der „Warnung“ aller Welt offenbaren wird.

Diese nicht nur unsinnige, sondern unbiblische These geht vor allem auf Garabandal zurück, einem kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsort in Spanien. Anfang der 60er Jahre wurden dort – wie meist üblich – jungen Mädchen besondere Visionen und „Botschaften“ zuteil, darunter eben auch die Ankündigung jener „Warnung“.

Diese vermeintliche Strafaktion des Himmels wurde ab dem Jahre 2011 durch eine anonyme „irische Seherin“ in ähnlicher Version weiter verbreitet – und nach ihrer Entlarvung gab es weitere „Begnadete“, welche diese theologisch absurde Vorstellung jeweils auf ihre Weise weitergesponnen haben.

Kürzlich berichteten wir über die entsprechenden „Offenbarungen“ einer argentinischen Seherin Luz de Maria: https://charismatismus.wordpress.com/2018/07/13/argentinien-luz-de-maria-bietet-stigmatisationen-und-visionen-der-endzeit/

Ähnlichen Unsinn verbreiten die Bände mit dem Titel „Die Vorbereitung“ aus einem Lulu-Verlag, deren Titelbild passenderweise mit einem vermeintlichen Wunderbild illustriert ist. (Näheres dazu in unserem Artikel: https://charismatismus.wordpress.com/2016/01/08/von-den-merkwuerdigkeiten-eines-wunderbildes-der-heiligen-familie/)

Die Bücher enthalten vorwiegend „Marienbotschaften“ einer anonymen Maria zur Göttlichen Vorbereitung der Herzen. Angeblich wurde ihr vor fünf Jahren durch die Madonna geoffenbart:

„Wir schenken euch DIE VORBEREITUNG, damit Ihr alle gerettet werden könnt. Hier geben Wir euch die einzig wahre Anleitung, wie ihr euer Leben zu Gott Vater hin verändern könnt. Wir zeigen euch, wie einfach der Weg zu Meinem Sohn ist und führen euch durch die Zeit der Großen Veränderungen, die Endzeit, hindurch. Wir schenken euch diese Botschaften vom Himmel, damit ihr eine Anleitung habt, wie ihr auf einfachste Weise zu Jesus und ins Himmelreich findet. Wir sagen euch, wie es um eure Welt steht und was ihr ändern und tun müsst, damit ihr in Frieden und ohne Leid und Not leben könnt. Wir öffnen euch den Weg in die Herrlichkeit Gott Vaters.“ 

In einer Buchwerbung heißt es dazu: „Diese himmlischen Botschaften sind voll inniger Liebe, rütteln zugleich auf und verkünden die baldige Wiederkunft Jesu. Sie zeigen der Menschheit den einzig möglichen Weg der Rettung auf, um nicht auf ewig verloren zu gehen.“

Hierzu einige Anmerkungen:

  1. Diese Privatoffenbarung an eine anonym bleibende Seherin soll also die „einzig wahre Anleitung“ sein, um zu Jesus und ins Himmelreich zu finden. Laut dem neutestamentlichen Hebräerbrief hat Gott „zuletzt zu uns gesprochen durch seinen Sohn“. Deshalb lehrt die katholische Kirche, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist. Dies ist keine kirchliche Randnotiz, sondern ein Axiom, also gar eine Denkvoraussetzung für viele katholische Dogmen, gleichsam eine Ur-Basis ihrer Lehre. 
  2. Angeblich führen diese Vorbereitungs-Botschaften „durch die Zeit der Großen Veränderungen, die Endzeit, hindurch“. Abgesehen davon, daß die eigentliche Endzeit laut Neuem Testament nicht mit irgendeiner Seelenschau-Warnung beginnt (die in der Bibel völlig unbekannt ist), sondern mit dem Auftreten des Antichristen, wissen wir durch Gottes Selbstoffenbarung in Bibel und kirchl. Lehramt, wie wir uns mit Gottes Gnade in jeder Zeit – ob vor oder in der Endzeit – bewähren können. Wir kennen die Zehn Gebote und die Botschaft der Evangelien, die Sakramente und die Verkündigung der Kirche – und das genügt jedem vernünftigen Gläubigen.
  3. Sodann heißt es in jener vermeintlichen Marienbotschaft, die seltsamerweise in „Wir“-Form erfolgt:Wir sagen euch, wie es um eure Welt steht und was ihr ändern und tun müsst, damit ihr in Frieden und ohne Leid und Not leben könnt.“  Damit dürfte das eigentliche psychologische Motiv dieser Botschaften zutage treten: Man möchte „ohne Leid und Not“ leben können, also unbehelligt und ungeschoren aus den turbulenten Zeiten gerettet werden bzw.  vor „Leid und Not“ bewahrt bleiben – ein offensichtlich zwar menschlich verständlicher, aber allzu irdischer Beweggrund…
  4. In der Buchreklame wird behauptet, diese visionären Botschaften „verkünden die baldige Wiederkunft Christi“, gemeint ist die erwähnte „Warnung“. Tatsache ist aber, daß vor dem Kommen Christi in Herrlichkeit erst der Antichrist sein widergöttliches Reich aufrichten wird. Somit wird durch diese falschmystischen Offenbarungen eine wesentliche biblische Botschaft verdrängt. Damit werden die Gäubigen gerade nicht „vorbereitet“, sondern – wie so oft in irrgeistigen Botschaften –  in Ver(w)irrung geführt.

 

 

 


Zuckerbrot und Peitsche: Visionär Mario aus Brindisi bietet „heiliges Öl“ gegen Dämonen

Von Felizitas Küble

Die Falschmystik (bestehend aus außersinnlichen und irrgeistigen Vorgängen) gibt sich immer wieder durch bestimmte Merkmale zu erkennen, entlarvt sich gleichsam selber. (Näheres hierzu in unseren über hundert Artikeln über Kennzeichen der Falschprophetie: https://charismatismus.wordpress.com/category/kennzeichen-der-falschmystik/).

Eines dieser typischen Zeichen fehlgeleiteter oder betrügerischer Seher/innen ist das Lehr- und Anwendungs-Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“:

Einerseits wird viel Sentimentalität, unechte Gefühligkeit und Kitsch sowie scheinbare Glaubensinnigkeit in Wort und Bild verbreitet, werden liebliche Töne geschwungen und fromme bis verstiegene Anmutungen geboten.

Neben diesen Anwandlungen der Marke „rosa Wolke“ zeigt sich zugleich die entgegengesetzte, düstere Seite der Pseudo-Mystik:

Hinter jeder Ecke wird ein Dämon vermutet, die kirchliche Lehre von der Existenz unreiner Geister wird bis zur Panikmache überbetont. Der Glaube verliert seinen frohen, mutmachenden, erhellenden Charakter; er kippt ins Fanatische, gerät in eine bedenkliche Schieflage, was bei sensiblen Gemütern außerdem zu Psycho-Schäden führen kann, von seelsorglichen Problemen ganz zu schweigen.

Diese „Achterbahn der Gefühle“ wird durch eine (un)geistliche Sensationsgier bzw. gefährliche religiöse Neugier weiter gesteigert, so daß der Glaube zum Aberglauben entartet. Was dabei herauskommt, könnte zum Lachen animieren, allerdings ist dafür wiederum das Thema zu ernst und die Auswirkungen sind allzu verhängnisvoll.

Das Kennzeichen „Zuckerbrot und Peitsche“ beherrscht auch der selbsternannte „Seher“ Mario D´ Ignazio aus Brindisi in Süditalien sehr gekonnt  – vielleicht gar zynisch? Jedenfalls kennt er die Ansichten, Gefühlszustände und Enttäuschungen von konservativen Gläubigen über Mißstände in der Kirche bis zum letzten Komma. 

Entsprechend verkündet er seine „Himmelsbotschaften“ und Höllendrohungen, er hält seine Vorträge genau nach dem Muster dessen, was die frommen Gäste von ihm erwarten: Immer feste druff auf die böse Welt, die „Falsche Kirche“ (davon sprach Mario gleich mehrfach), die Freimaurer (mit oder ohne Schurz,  mit oder ohne Mitra….), Satanisten, Modernisten etc.

Um nicht mistverstanden zu werden: Solche Gegner des Evangeliums (und noch etliche weitere) existieren tatsächlich   – und natürlich gibt es faule Früchte und Früchtchen auch innerhalb der Kirche. Nur: Die getroffene Auswahl des „Sehers“ entspricht allzu genau gewissen Klischees seiner Zuhörerschaft  – kalkuliert er dies ganz kühl mit ein?

Zugleich bietet der „begnadete“, gar stigmatisierte (angeblich mit den „Wundmalen Christi“ gezeichnete) junge Wundermann eine direkt von „oben“ stammende und angeblich besonders wirksame Abhilfe und Lösung, er preist gleichsam ein „Amulett“ gegen das Böse  – und den Bösen an:

Nämlich sein „heiliges Öl“, bei dem es sich um nicht weniger als die „Öltränen“ der Madonna handelt, wie er seiner Fangemeinde versichert. Angeblich gewinnt er dieses Kampfmittel gegen die Hölle aus einer Fatima-Marienstatue, die in seinem „gesegneten Garten“ zu Brindisi aufgestellt ist.

Diese Story erzählte der junge Seher in Turnschuhen, Fünf-Tage-Bart und legerer Kleidung am vergangenen Samstag vor ca. zweihundert Gläubigen in Münster.

Wer meint, der Saal sei darob in schallendes Gelächter oder zumindest in schmunzelnde Ironie ausgebrochen, sieht sich enttäuscht:

Von drei oder vier Ausnahmen abgesehen gingen alle Anwesenden (es waren vorwiegend Frauen) nach vorne und ließen sich von einem Geistlichen in Soutane (schwarzes Priesterkleid) dieses „heilige Öl“ auf die Stirne zeichnen  – offenbar mit einem Kreuzzeichen verbunden   siehe hierzu das erste und zweite Bild. 

Diese „Salbung“ mit den Öltränen der „Himmelsmutter“ wurde von Visionär Mario von seinem Vortragstisch aus (siehe 2. Foto) wortreich unterstützt.

Vor allem bei dämonischen Anfechtungen und Störungen ab Mitternacht wirke dieses Wunder-Öl wie eine geistliche (oder doch wohl eher magische?) Siegeswaffe, ließ er die (aber)gläubige Schar wissen.

Auch sonst wurden dem Wunder(wahn)witz keine Grenzen gesetzt: immerhin bot Mario eine Live-Erscheinung gleich zu Beginn der Versammlung. (Näheres hierzu in unserer ersten Reportage: https://charismatismus.wordpress.com/2017/10/28/muenster-seher-mario-dignazio-aus-brindisi-praesentierte-eine-live-erscheinung/)

Der Info-Tisch quoll über von mirakulösen Bildern und „Wunder-Fotos“ am Himmel und auf Erden.

Unser drittes Foto zeigt, wie ein Mario-Fan dem Seher eines dieser Bilder überreicht  – und er es danach stolz der staunenden Gemeinde präsentiert.

Wer nun glaubt, dieser kaum noch zu übertreffende Unfug würde von der katholischen Kirche toleriert oder gar unterstützt, kann beruhigt werden:

Der für Mario D´ Ignazio zuständige Erzbischof von Brindisi-Ostuni weist die „Erscheinungen“ und „Botschaften“ dieses Sehers nicht nur zurück, sondern hat vor über zwei Jahren sogar strenge Kirchenstrafen über ihn und sein Team verhängt, vor allem das Interdikt: der „salbungsvolle“ Mann darf also keine Sakramente empfangen, auch nicht zum Tisch des HERRN gehen.

Dabei wird der katholische Oberhirte in seiner Haltung von der vatikanischen Glaubenskongretation ausdrücklich unterstützt. (Wir berichten darüber noch in einem eigenen Artikel.)

Alles kein Problem für Mario, den Begnadeten: Er erwähnte in seinen Ansprachen natürlich nichts von dieser kirchlichen Ablehnung, erzählte aber der anhänglichen Schar, die Gottesmutter selber (!) spende ihm die heilige Kommunion und lege ihm die Hostie in den Mund, denn sie wünsche die Mundkommunion.

Das mag sein (immerhin bin ich selber ebenfalls kein „Handkommunikant“), erklärt aber noch lange nicht, warum die Madonna bei Mario aus Brindisi höchstselbst den Leib des HERRN spendet. Doch daran schien die konservative Zuhörerschaft keinen Anstoß zu nehmen, obwohl doch gerade sie ansonsten (durchaus zu Recht) erklärt, daß geweihte PRIESTER für die Austeilung dieses Sakramentes zuständig sind.

Es gab also theologisch-spirituelle Widersprüche noch und nöcher, worauf es aber anscheinend gar nicht ankommt. Einmal mehr zeigt sich hier, daß die Wundersucht des Aberglaubens liebstes Kind ist.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Erscheinungsbewegte Taktik: Gehen die Argumente aus, beginnen die Drohungen

Von Felizitas Küble

Da ich mich seit Jahrzehnten kritisch sowohl über irrgeistige Erscheinungen wie auch über schwarmgeistige Bewegungen äußere, erlebe ich es immer wieder, daß mir von besonders eifriger Seite gleichsam der „Fluch der Madonna“ nachgeworfen oder diverse Strafen Gottes angekündigt werden, teils telefonisch, teils brieflich – oder auch gleich öffentlich.  

Rabiate Anhänger aus der Charismatiker-Szene arbeiten zum Teil ebenfalls mit Drohgebärden, nur in einem anderen Gewande: Dort wird immer wieder der Vorwurf laut, ich hätte durch bestimmte kritische Aussagen die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ begangen, die „nicht vergeben werden kann“, wie gerne hinzugefügt wird.

Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, daß die Kirche lehrt, mit jener im NT erwähnten Sünde gegen den Heiligen Geist sei die unbußfertige Verstocktheit gemeint, also das hartnäckige Verweigern jeder Umkehr bei Todsündern. – Mit einer kritischen Haltung zu diesem oder jenem Phänomen hat dies somit nichts zu tun.

Die Schnelligkeit und Heftigkeit, mit der manche „oberfrommen“ Zeitgenossen ihre Rundumschläge verteilen, läßt erahnen, daß es ihnen an  fundierten Argumenten mangelt – und daher der bequeme Griff zur Drohkeule erfolgt, der anscheinend psychologisch „entlastend“ wirkt nach der Devise: „Der haben wir es aber gezeigt.“

Allerdings geht der Schuß – nicht nur moralisch – nach hinten los. Tatsache ist nämlich, daß ich mich durch derart unfaire Entgegnungen keineswegs verunsichern oder zermürben lasse, sondern vielmehr in der Befürchtung bestätigt sehe, wie verhängnisvoll sich diese religiöse Geisterfahrerei auswirken kann. Das motiviert mich erst recht, vor solchen Irrwegen weiter entschieden zu warnen. 

Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Auf dem traditionalistisch ausgerichteten Leser-Portal „Gloria-TV“ hat ein Leser kürzlich unseren skeptischen Artikel über die Arme-Seelen-Erscheinungen von Maria Simma übernommen: https://gloria.tv/link/wK28ZCnL74Rq6rVkG6xTwoNYK/postings/

Manche Kommentare stimmen zu, andere halten dagegen  – das wäre nicht weiter erwähnenswert. Ein User namens „Boettro“ schreibt freilich heute Folgendes: 
„Frau Felizitas Küble spielt sich als Richterin über Begnadete und Privatoffenbarungen auf. Irgendwann wird sie sich dafür verantworten müssen. Sie hat die Gabe der Unterscheidung der Geister nicht!“
 .
Offenbar ist dem Verfasser nicht bekannt, daß die „Botschaften“, welche Maria Simma angeblich von Verstorbenen erhielt, kirchlich nicht anerkannt sind. (Aber selbst im Falle einer kirchlichen Genehmigung sind Privatoffenbarungen für Katholiken nicht verpflichtend  – der Glaube daran ist dann lediglich gestattet.)
In Wirklichkeit spielen sich jene Leute als Richter über die Kirche auf, die an „Begnadete“ und an Erscheinungen glauben, welche die Kirche nicht akzeptiert – diese Personen wissen vermeintlich alles besser. Genau umgekehrt wird also ein Schuh draus!
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Gestern schrieb „Regina-Maria“:
„…wer aber den Heiligen Geist lästert, der findet in Ewigkeit keine Vergebung, sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften. (Mk 3,29). Warum? Weil persönlicher Stolz und die Leugnung wahrer Mystiker und begnadeter Personen wie Maria Simma zahlreiche Seelen davon abhalten, sich durch katholische Mystik zu Gott zu bekehren. Der (Heilige) Geist (Gottes) wird durch Autoren wie Felizitas Küble ausgelöscht. Jemand, der keinen blassen Schimmer Ahnung von katholischer Tradition hat, sollte besser prüfen,schweigen und beten. Niemand muß an katholische Mystik glauben, aber kritisieren und verleumden – geht gar nicht.“
 .
Die Verfasserin verzichtet darauf, den Vorwurf der „Verleumdung“ zu belegen, sondern wirft mir stattdessen „Lästerung gegen den Hl. Geist“ vor, wie ich es schon oft bei Schwarmgeistigen erlebte. Die Krönung des Kuriosen ist zweifellos die Behauptung, durch Autoren wie mich würde der „Geist Gottes ausgelöscht“ – als ob das bei GOTT überhaupt möglich wäre.
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Jene Übereifrigen, die derart verbissen mit der Droh-Keule hantieren, glauben subjektiv sicherlich, sie seien im Recht, wähnen sich gar im Zustand besonderer Frömmigkeit. Aberglaube und Fanatismus, Anmaßung und Schwärmerei sind jedoch Zerrbilder des Glaubens.
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Für die Christenheit ist es gleichermaßen wichtig, weder links noch rechts in den Straßengraben zu fallen. Wundersucht ist genauso zu meiden wie Wunderflucht.
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Der Aberglaube ist in gewisser Hinsicht noch gefährlicher als der Unglaube, denn der Abergläubige hält sich oftmals für (recht)gläubig und täuscht sich damit selbst. Der Ungläubige hingegen steht in der Regel zu seinem Atheismus oder Agnostikertum  – das liegt in der Natur der Sache.
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Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.