FAZ-Gerücht widerlegt: Psychiatrie-Professor dementiert „Autismus-Erkrankung“ des Limburger Bischofs

„Angriffe, die seine menschliche Würde verletzen“

Der Bruder des Limburger Bischofs hat Medienberichte über eine angebliche Autismus-Erkrankung des Kirchenmannes zurückgewiesen. In einer Erklärung betonte der Freiburger Psychiatrie-Professor Dr. Ludger Tebartz-van Elst:

Foto: Hans Martin Schmidt

Foto: Hans Martin Schmidt

„Als Bruder des Bischofs von Limburg und als Arzt kann ich aufgrund meiner Fachkenntnis und meiner Kenntnis der Biografie meines Bruders klar erklären, dass er weder an einem Asperger-Syndrom noch an einer anderen Variante von Autismus leidet.“ 

Er wolle davor warnen, „medizinische Krankheitsbegriffe als Mittel der Auseinandersetzung in persönlichen oder institutionellen Konflikten und Machtkämpfen zu missbrauchen“, erklärte der Mediziner.

Mit Bestürzung habe er verfolgt, wie sein Bruder nicht nur heftig kritisiert, „sondern mit böswilligen Unterstellungen und persönlichen Verunglimpfungen in seiner menschlichen Existenz angegriffen wird“.

Als Bischof müsse sich sein Bruder vielfältiger Kritik stellen: „Angriffe, die seine menschliche Würde verletzen, sind damit gleichwohl nicht zu rechtfertigen“, betonte der Mediziner.

Zuvor hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) berichtet, der Bruder habe angeblich Vertrauten gesagt, der Bischof leide unter dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus.   

Quelle: http://www.n-tv.de/panorama/Bistum-bestaetigt-Audienz-bei-Franziskus-article11575666.html


Prof. Dr. med. Axel Bauer in der FAS: „Der lebende Mensch ist keine Sache“

Kritik an der Änderung des Transplantationsgesetzes, das am 1. November 2012 in Kraft tritt

Der Publizist und Medizin-Professor Dr. Axel Bauer hat sich am 28. Oktober 2012 in der renommierten FAS (Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) auf Seite 15 zur Diskussion um „Hirntod“-Definition und Organspende geäußert und dabei in einer erfreulichen Weise jenseits des Mainstreams Stellung bezogen.

Ausgangspunkt ist die am 25. Mai dieses Jahres im Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedete  Änderung des Transplantationsgesetzes, wodurch die bislang geltende „erweiterte Zustimmungslösung“ zur Organentnahme durch eine sog. „Entscheidungslösung“ ersetzt wurde.

Die Krankenkassen müssen nunmehr alle zwei Jahre (nach der Entwicklung einer speicherfähigen elektronischen Gesundheitskarte alle fünf Jahre) ihre Versicherten anschreiben und nach der Bereitschaft zur Organspende im Falle ihres Todes befragen.

Der „Hirntod“ ist als Kriterium für den Tod des Menschen unzureichend

Prof. Axel Bauer schreibt nun grundsätzlich hierzu:

„Als Kriterium für den „Tod des Menschen“ gilt der sogenannte Hirntod, dessen 1968 an der Harvard-Universitat entwickelte Definition schon 1997 auch im deutschen Transplantationsgesetz verankert wurde.

Dort heißt es in Paragraph 3, Absatz 2:

„Die Entnahme von Organen oder Geweben ist unzulässig, wenn nicht vor der Entnahme bei dem Organ- oder -Gewebespender der endgültige, nicht behebbare Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms nach Verfahrensregeln, die dem Stand der Erkenntnisse der medizinischen ‚Wissenschaft entsprechen, festgestellt ist.“

Die aus dieser Todesdefinition resultierende ethische und rechtliche Grundsatzfrage wird sowohl im jetzt geänderten Transplantationsgesetz als auch in der öffentlichen Debatte gerne ausgeblendet:

Handelt es sich beim „Hirntod“ lediglich um den kompletten Funktionsausfall eines wichtigen Organs  –  oder stirbt mit dem Gehirn auch die Seele des Menschen, sofern dieser  –  aus der religiösen Sphäre stammende Ausdruck  –  in einer säkularen Gesellschaft überhaupt  zulässig ist?

Beim Thema „Hirntod“ schreibt unsere Gesellschaft der naturwissenschaftlichen Medizin eine Entscheidungskompetenz  zu, die einem Defmitionsmonopol über das Ende des menschlichen Lebens gleichkommt. (…)

Der völlige Ausfall der Gehirnfunktionen sollte als der Todeszeitpunkt des Menschen vor allem deshalb im Gesetz festgeschrieben werden, damit die Ärzte im Fall einer Organentnahme nicht den Tod des Patienten verursachen müssen.“

Der Mensch darf nicht für eine „Fremdnutzung“ vereinnahmt werden

Der Medizinprofessor fährt fort, auf diese Weise werde jedoch einer „zweckgebundenen Indienstnahme des Hirntodkonzepts Vorschub geleistet.“

Das ist äußerst bedenklich, denn das menschliche Leben darf seiner Menschenwürde wegen grundsätzlich keiner „Fremdnutzung“ unterworfen werden.

Prof. Bauer schreibt sodann wörtlich: „Es entsteht der Eindruck, der Organspender solle dadurch, dass man ihn formal „für tot erklärt“, zu fremden Zwecken instrumentalisiert werden.“

Der Mediziner fügt kritisch hinzu: 

„In der politischen Diskussion werden wichtige Fakten gerne ignoriert, die dem Ziel widersprechen könnten, die Organspendebereitschaft zu erhöhen. In der Fachwelt gibt es inzwischen massive Zweifel sowohl an der eindeutigen Diagnostizierbarkeit des Hirntodes wie auch an der Gleichsetzung von Hirntod und Tod.“

Prof. Bauer erwähnt hierzu folgendes aktuelle Beispiel:

„Das hat zuletzt im März 2012 der amerikanische Neurologe und langjährige Verteidiger der Hirntoddefinition Alan Shewmon vor dem Deutschen Ethikrat sehr deutlich gemacht. Shewmon stellte fest, dass sogenannte Hirntote biologisch noch jahrelang leben können. So haben Frauen noch Monate nach dem „Hirntod“ Kinder geboren, Männer sind noch zeugungsfähig. Es steht also fest, dass ein sogenannter Hirntoter im konventionellen Sinne jedenfalls nicht tot ist.“

Was bedeutet nun ein sogenannter „Hirntod“ medizinisch tatsächlich?  In welchem Stadium befindet sich hierbei der Patient?

Hierzu stellt Dr. Axel Bauer in der FAS klar:

„Der Ausfall aller Gehirnfunktionen lässt nur die Annahme zu, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit nach kürzerer oder längerer Zeit sterben wird. Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit ist es aber nach derzeitigem medizinischem Wissensstand nicht möglich zu sagen, wann der Tod tatsächlich eintreten wird. Tot ist der Mensch erst dann, wenn die Herztätigkeit  –  und damit der Blutkreislauf  –  vollständig und medizinisch irreversibel erlischt.“

Den vollständigen Text gibt es jetzt online hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/organspende-der-lebende-mensch-ist-keine-sache-11940904.html

 


Die FAS beleuchtet „Hirntod“-Definition und Transplantationsgesetz in Deutschland

Die FAS, also die Sonntagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen (FAZ), befaßt sich heute in einem mehrseitigen Beitrag des jungen FAZ-Redakteurs Alard von Kittlitz kritisch mit Organspende, Transplantationsgesetz und der Organentnahme-Praxis in Deutschland.

Zugleich wird die umstrittene Definition „Hirntod“ unter die wissenschaftliche Lupe genommen. Hierzu heißt es wörtlich:

„Seit der Verabschiedung des Gesetzes 1997 haben auch zahlreiche Wissenschaftler gesagt, dass sie nicht glauben, dass ein Mensch nach dem Hirntod tot ist. Zieger, der 1996 im Gesundheitsausschuss als Experte zum Thema Hirntod gehört wurde, sagt, dass schon damals die Hälfte der Anwesenden angekündigt habe, dass das Hirntodkonzept durch die Neurowissenschaften binnen zehn Jahren hinfällig gemacht werden würde, weil das Gehirn nicht alle Körperprozesse integrierend steuert.

Es ging um die Frage,  ob ein Ausfall des Hirns die Lebensfähigkeit des gesamten Organismus beendet. Der Hirntodexperte Alan Shewmon verwies schon 1998 auf Fälle, in denen der Kreislauf von Hirntoten noch 14 Jahre nach der Diagnose selbstständig funktionierte.

Das ,President’s Council on Bioethics“, ein Beratergremium aus Philosophen und Wissenschaftlern, hielt 2oo8 fest: ,,Der Rat lehnt alle bis hierhin vorgeschlagenen Argumentationen fiir einen neurologisch definierten Tod ab.“  – Also eine Ablehnung des Begriffs ,Hirntod´.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/organspende-hirntod-11860677.html