Zwei Ergänzungsgebete zum Rosenkranz: Fatima-Zusatz oder das „Salve Regina“?

Von Felizitas Küble

In dem oberschwäbischen Bauerndorf, in dem ich aufgewachsen bin, war es am Sonntag nach dem Mittagessen üblich, daß wir um 13 Uhr zum Rosenkranzgebet in die Kapelle gingen, wo meist über ein dutzend Gläubige versammelt waren. 

Nach dem Rosenkranz beteten wir gemeinsam noch das Salve Regina (Sei gegrüßt, o Königin) als Abschluß.

Es hat mich trotz – oder wegen? – seiner etwas altertümelnden Sprache berührt, faszinierend und bewegt.

Dabei wußte ich damals nicht, daß es sich um ein ganz altehrwürdiges Marienlob handelt, das schon 1000 Jahre auf dem Buckel hat. Manche führen es sogar auf den berühmten und gelehrten Benediktiner-Mönch Hermann von Reichenau („Hermann, der Lahme“) zurück.

Es wurde jedenfalls schon im frühen Mittelalter gebetet – welch eine beeindruckende Überlieferung!

Hingegen ist der Fatima-Zusatz – der in manchen Kreisen auch zwischen den „Gesätzchen“ gebetet wird – gerade einmal 100 Jahre alt, also kein Vergleich mit dem Salve Regina.

Soll man nun sagen: Je älter, desto besser?

Nicht unbedingt von vornherein, obwohl ein höherer Alter natürlich das Traditionsargument auf seiner Seite hat.

Aber das ist es ja nicht alleine:

Das „Salve Regina“ ist nicht irgendein Privat-Gebet, sondern längst kirchenamtlich und liturgisch grundgelegt. In der Zeit nach Pfingsten bis zum 1. Advent ist es sogar die Schluß-Antiphon (= Hymnen-Gesang) im Stundengebet der Kirche.

Vielfach ist es üblich, das Salve Regina beim Begräbnis eines Priesters oder einer Ordensangehörigen zu singen.

Das kirchliche Bonifatiuswerk zählt es zu den „Grundgebeten“ der Kirche: https://beten-online.de/de/zentrale-gebete/grundgebete/gebet.5740.html

Somit hat das Salve Regina einen offiziellen Charakter –  der Fatima-Zusatz hingegen nicht, er gehört auch nicht zur kirchlichen Fassung des Rosenkranzes.

Papst Johannes Paul II. war gewiß ein Fatima-Anhänger (mehr als alle Päpste vor ihm), aber auch er hat  – wenn er jahrelang am 1. Samstag im Monat den Rosenkranz über Radio Vatikan vorbetete – nicht ein einziges Mal die Fatima-Anrufung hinzugefügt.

Hier folgt nun der amtliche Text des „Salve Regina“ (so lautet der Titel auf lateinisch):

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, unsere Wonne, unsere Hoffnung, sei gegrüßt!
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;

zu dir seufzen wir trauernd und weinend
in diesem
Tale der Tränen.
Wohlan denn, unsere Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elende zeige uns JESUS,

die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

Bei uns in meiner Heimatkapelle wurde am Schluß noch eine  – ebenfalls altbekannte  –  Anrufung hinzugefügt:

In aller Trübsal, Angst und Not komme uns zu Hilfe,
o du allerseligste Jungfrau Maria!

Der Einwand mancher moderner Theologen, das Salve Regina sei zu düster und pessimistisch („Tal der Tränen, Elend, verbannte Kinder Evas, trauernd und weinend“) ist oberflächlich und weltfremd.

Gerade die Tatsache, daß diese Anrufung unsere menschlichen Nöte und Ängste so offen anspricht, daß es nichts schönredet, sondern auf jeden Kitsch verzichtet, aber trotzdem hoffnungsvoll und zuversichtlich hinweist auf JESUS, die gebenedeite (=gesegnete) Frucht aus dem Schoß Mariens, ist doch tröstlich, stärkend und ermutigend, auch weil sie den Blick in die Ewigkeit öffnet.

Wie der ergänzte Schlußvers, den wir Dorfbewohner zusätzlich gebetet haben, aufzeigt, ist es genau dieses Aussprechen von „Trübsal, Angst und Not“, das die Menschen bewegt und aufzurichten vermag im Hinblick auf die Hilfe und Fürsprache der Madonna.

Ja, Maria ist die „Mutter der Barmherzigkeit“, denn Christus ist das menschgewordene Erbarmen Gottes – und Maria ist daher Gottesgebärerin.

Kurzum: Im Unterschied zum Fatima-Zusatz ist das Salve Regina ein altbewährtes, im Volke weit verbreitetes und kirchenamtliches Gebet.

Es gibt zudem weitere inhaltlich-theologische Gründe, warum sich der Fatima-Zusatz nicht für den Rosenkranz eignet.  (Siehe hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/warum-der-fatima-zusatz-nicht-zum-eigentlichen-rosenkranzgebet-gehort/)


Unklarheiten um den „Fatima-Zusatz“ aus der dritten Erscheinung vom 13.7.1917

Von Felizitas Küble

Wer verschiedene Bücher über den bekannten Marienwallfahrtsort Fatima liest, insbesondere solche Publikationen, die direkt aus dem Portugiesischen übersetzt wurden, wundert sich vielleicht darüber, daß hinsichtlich des Rosenkranz-Zusatzes verschiedene Versionen auftauchen.  vierge_pellevoisin

Es handelt sich um jene Anrufung, die laut der 3. Erscheinung vom 13. Juli 1917 jedem Gesätzchen des Rosenkranzes angefügt werden soll. Zunächst zu dem hierzulande üblichen Wortlaut:

„O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“

Nun scheint die zweite Bitte („bewahre uns…“) womöglich gar nicht niet- und nagelfest übersetzt zu sein, denn es ergeben sich einige Unklarheiten:

1. Die Publikation „Schwester Lucia spricht über Fatima“ (2. Auflage 1976) wurde von Pater Luis Kondor aus den portugiesischen Originalschriften übersetzt. Der Geistliche war Leiter der Seligsprechungsprozesse von Francisco und Jacinta (neben Lucia sind diesdie beiden anderen Visionäre von Fatima).

Wie er in seinem Vorwort erwähnt, wurde die Übersetzung ins Deutsche zusätzlich überprüft von Pater Dr. JoaProdukt-Informationchim Alonso CMF, der auch die Einführung für dieses Buch schrieb, in welchem die Äußerungen von Sr. Lucia zu Fatima ausführlich zitiert werden.

Dort heißt es auf Seite 153 betr. der Erscheinung des 13. Juli bzw. des Rosenkranz-Zusatzes zwar wie üblich „Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle“, doch ab S. 104 wird der Brief von Sr. Lucia an den Bischof von Leira dokumentiert, den sie ihm auf seine Aufforderung vom 26. Juli 1941 hin geschrieben hat. Darin berichtet sie Folgendes von ihrer Mit-Seherin Jacinta:

„Öfters pflückte sie Blumen auf dem Feld und sang dabei nach einer Melodie, die sie aus dem Stegreif erfand: „Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Unbeflecktes Herz Mariä, bekehre die Sünder, errette die Seelen aus der Hölle.“ (S. 104)

Natürlich ist ein solche Anrufung theologischer Unfug, weil die Seelen aus der Hölle nicht herausgerettet werden können, denn die Verdammnis ist ewig. Aber selbst dann, wenn die Hölle zeitlich begrenzt wäre: Eine Rettung aus der Hölle wäre allein durch GOTT möglich  – und nicht etwa durch das „Unbefleckte Herz Mariä“. Auch die Formel Jacintas „Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung“ klingt theologisch reichlich mißverständlich.

Zumindest unklar erscheint folgende Äußerung Lucias, womit sie die Worte der Marienerscheinung wiedergibt: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen in der Welt begründen.“ (S.153) 131223-stern-von-bethlehem_b87bfae72c

Abgesehen davon, daß die göttliche Offenbarung seit dem Tod des letztes Apostels vollständig und abgeschlossen ist und daher den „armen Sündern“ bereits alle Gnadenmittel offenstehen, um der ewigen Verwerfung zu entgehen, ist an diesem Zitat nicht eindeutig erkennbar, ob es sich um eine Rettung der Seelen „aus“ der Hölle handelt oder um eine Bewahrung derselben „vor“ der Hölle.

2. In dem 1978 erschienenen Buch „Fatima“, für das der Rektor der Wallfahrtskirche Fatima, Pater Luciano Guerra, ein Geleitwort schrieb, heißt es zweimal, nämlich auf den Seiten 26 und 78: „O mein Jesus, vergib uns, erlöse uns von dem Feuer der Hölle…“

Ich fragte vor einigen Jahren einen katholischen Missionar, der gut portugiesisch sprechen konnte, ob es im portugiesischen Text „Erlöse uns“ oder „Bewahre uns“ heiße, worauf er mir erklärte, eine direkte Übersetzung laute „erlöse“ oder „befreie“ uns, im weiteren Sinne könne man auch als „bewahre uns“ übertragen. 0022

Auf einer an Fatima orientierten Webseite wird der Rosenkranz-Zusatz beim Gebetsvorschlag für den Mittwoch folgendermaßen wiedergegeben: „O mein Jesus, vergib uns, rette uns von dem Höllenfeuer. Führe alle Seelen in den Himmel, besonders die, die es am nötigsten haben.“  (Dasselbe hier: http://www.internetgebetskreis.com/gebete/sonstige-gebete/)

Auch hier heißt es nicht „Bewahre uns vor“, sondern „rette uns von…“, was zumindest mißverständlich bis irreführend ist.

Die genaue Übersetzung aus dem portugiesischen Original ist offenbar eine bislang noch nicht voll geklärte Frage.

Fest steht freilich, daß das von Sr. Lucia erwähnte „Lied“ der Seherin Jacinta („errette die Seelen aus der Hölle“) theologisch unzutreffend ist.

Weitere Anfragen zum Rosenkranz-Zusatz lesen Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/06/warum-der-fatima-zusatz-nicht-zum-eigentlichen-rosenkranzgebet-gehort/

Lucia und die Warnungen von Pfarrer Ferreira

Diese Anrufung stammt  – wie bereits erwähnt  – aus der dritten Marienerscheinung vom 13. Juli 1917.

Die Hamedia-FZMqzvujo1V-2uptseherin Lucia wollte der himmlischen Kundgabe zunächst strikt fernbleiben, weil ihr Ortspfarrer Ferreira sehr skeptisch dachte und diese Phänomene als eine Art Trickkiste „von unten“ verdächtigte. Er dachte an die Warnung des hl. Paulus, daß der Satan auch als „Engel des Lichts“ erscheinen könne. (Der Priester blieb weiterhin bei seiner Ablehnung der Ereignisse und ließ sich später in eine andere Pfarrei versetzen.)

Dieser Vorgang wird in vielen Fatima-Büchern ausführlich geschildert; hier folgt eine relativ kurze Fassung aus der Schrift „Jacinta und Francisco“ (Verlag Maria, 1997):

„Der Pfarrer der Gemeinde, Dom Ferreira, meinte: Die Kinder könnten einer List des Teufels zum Opfer gefallen sein, vielleicht stecke dieser hinter den Erscheinungen. Deshalb entschloss sich Lucia, nicht mehr zur Cova da Iria zu gehen.

Jacinta jedoch hatte ein besseres Urteil, als sie erklärte: „Nein, das ist nicht der Teufel, er ist doch hässlich und unter der Erde in der Hölle. Und die Dame war so schön und wir haben sie ja in den Himmel aufsteigen sehen.“

Auch am Abend vor dem 13. Juli blieb Lucia bei ihrem Entschluss, am nächsten Tage nicht zur Cova da Iria zu gehen. Jacinta und Francisco aber wollten hin: „Wenn die Dame nach mir fragen sollte“, trug ihnen Lucia auf, „so sagt ihr nur, ich sei nicht gekommen, weil ich Angst habe, dass es der Teufel ist.“  – Am anderen Morgen jedoch verspürte Lucia eine unerklärliche Macht, die sie zur Cova da Iria trieb.“ (S. 24 f.)https://i1.wp.com/www.gottliebtuns.com/images/fatima_kinder_1.JPG

Dort waren mehrere tausend Menschen versammelt, Gläubige und Neugierige, während die Mutter Lucias auf den Rat des Pfarrers hin zuhause geblieben war.

FOTO: Das erste Bild der drei Fatima-Seherkinder, fotografiert am 13. Juli 1917 (dem Tag der 3. Erscheinung)

Laut dem bereits erwähnten Buch „Fatima“ ist die Erscheinung sogleich auf Lucias neuerliche Skepsis eingegangen, denn sie habe zu Beginn ihres Gespräches gesagt: „Ich bin es und ich komme vom Himmel. In der Hölle gibt es nicht diesen Glanz und soviel Licht.“ (S. 16) 

An diesem bedeutsamen Tag  – dem 13.7.1917 – wurden die sog. „drei Geheimnisse von Fatima“ geoffenbart, wobei vor allem das 3. Geheimnis jahrzehntelang für Spekulationen sorgte. Die beiden ersten Geheimnisse hat Sr. Lucia 1941 in einem Brief an ihren Bischof erstmalig enthüllt.

In dem erwähnten Büchlein heißt es auf S. 27, die Madonna habe den beiden Sehermädchen aufgetragen: „Dieses dürft ihr niemandem sagen; nur Francisco dürft ihr es sagen.“

Der neunjährige Knabe wird deshalb eigens erwähnt, weil er die Erscheinung zwar sehen konnte, aber bis zuletzt kein Wort von den Botschaften zu hören vermochte. Eine Begründung für diese Extrabehandlung des Jungen ist weder aus den Fatima-Botschaften noch aus der einschlägigen Literatur bekannt.

Felizitas Küble leitet ehrenamtlich das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.

Hier folgt ein Grundsatzartikel des kath. Dogmatikers Prof. Dr. Joseph Schumacher zum theologischen Stellenwert von Privatoffenbarungen in der Kirche: https://charismatismus.wordpress.com/2014/03/27/prof-joseph-schumacher-zur-kirchlichen-approbation-von-privatoffenbarungen/

 


Warum der FATIMA-Zusatz nicht zum eigentlichen Rosenkranz gehört

Von Felizitas Küble

Jeder Gläubige kann den kirchlich überlieferten Rosenkranz privat beten, wie er will: mit Zusätzen, Anrufungen und Anfügungen noch und nöcher, angereichert freilich am besten durch weitere biblische Betrachtungen, Impulse aus der Hl. Schrift, Psalmen-Verse etc.

Hierbei sind der katholischen Fantasie im Grunde keine Grenzen gesetzt, solange alles noch mit rechten bzw. rechtgläubigen Dingen zugeht.  3068

Allerdings dürfte es sich in frommen Kreisen allmählich herumsprechen, daß der öffentlich in Kirchen und Kapellen gebetete Rosenkranz vor „kreativen“ Zusätzen verschont bleiben sollte.

Anfügungen aus Botschaften kirchlich anerkannter Privatoffenbarungen mögen für manche Katholiken eine hilfreiche Anregung für ihr persönliches Gebetsleben sein, doch sie gehören nicht zum „amtlichen“, seit Jahrhunderten bewährten und überlieferten Rosenkranz der Kirche.

Das gilt erst recht für Anmutungen oder gar Zumutungen aus kirchlich nicht genehmigten „Erscheinungen“, diversen „Botschaften“ und sonstigen trüben Quellen.

Häufig wird nicht nur in der Familie, in Fatimakreisen und Gebetsgruppen, sondern auch beim öffentlichen Rosenkranz in Gotteshäusern der sogenannte „Fatima“-Zusatz gebetet. Dies ist bei Licht betrachtet allerdings nicht korrekt  – und auch die weit verbreitete Gewohnheit macht diese „Übung“ nicht besser.

Aus dem Psalmengebet entstanden

Der Rosenkranz hat sich seit dem 15. Jahrhundert aus den besten Quellen biblischer und monastischer (klösterlicher) Gebetstradition entwickelt und zu einem beliebten Volksgebet entfaltet.

Dabei ist er vor allem aus dem Psalmengebet der Mönche und Kleriker (Geistlichen) entstanden:2_atk2926-170x115

Da das einfache Kirchenvolk oft nicht lesen und schreiben konnte, waren ihnen die 150 Psalmen des Alten Testaments nicht ohne weiteres zugänglich. Dies empfanden viele Gläubige zu Recht als schmerzlichen Mangel.

So wurde der Rosenkranz mit seinen ebenfalls 150 Ave-Marias gewissermaßen der Ersatz, das „Psalterium“ des Kirchenvolkes. So entstand auch das Wort „Psalter“ für die drei Rosenkränze: den freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen.

Diese Herleitung ist deshalb so wichtig, weil dieses Gebet zutiefst vom biblischen Geist geprägt ist:

Es ist „durchwirkt“ von der Betrachtung der Heilsgeheimnisse, wie sie uns im Neuen Testament bezeugt (und vielfach im AT angekündigt) sind. Es ist entstanden aus der unerfüllten Sehnsucht des Volkes nach dem Psalmengebet der Heiligen Schrift!

Kurzformel biblischen Glaubens

So ist der einerseits erfreulich schlichte und zugleich theologisch so gehaltvolle Rosenkranz eine optimale „Kurzformel des Glaubens“, denn er verbindet uns in nachdenklich-meditativer und einprägsamer Weise mit dem Erlösungsgeschehen und dem Leben unseres HERRN Jesus Christus, Mensch geworden durch den Heiligen Geist und geboren aus Maria, der Jungfrau. 011_7A

Wir „wandern“ und wandeln gleichsam an der Hand der Madonna, begleitet vom Gruß des Engels, durch die Evangelien. Wir betrachten die Heilsgeschichte Gottes durch die „Brille“ Mariens  – womit wir uns die beste Sicht aneignen, denn die Gottesmutter ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, die „erste Christin“ und zugleich die Vor- und Erst-Erlöste des Neuen Bundes (Immaculata).

In diese vertiefende Betrachtung, die sich um die zentralen Glaubenswahrheiten „rankt“ und diese betend „umkreist“, paßt der Fatima-Zusatz nicht ohne weiteres  –  diese Anrufung fügt sich kaum in den vorgegebenen Rahmen, weder sprachlich noch der Sache nach. Zudem ist der Fatima-Zusatz noch nicht einmal 100 Jahre alt, der Rosenkranz aber entstand vor weit über 500 Jahren!

Der Rosenkranz ist „aus einem Guß“

Doch der springende Punkt ist das grundsätzliche Anliegen, den klassischen Rosenkranz, wie ihn die Kirche seit alters her überliefert, zumindest beim öffentlichen Beten nicht durch Zusätze zu verändern bzw. zu verlängern, welcher Art auch immer, denn dies führt unweigerlich zu einer „Verschlimmbesserung“.

Schließlich ist der Rosenkranz ein Gebet „aus einem Guß“, keine freie Vorlage für schöpferische Gestaltungen nach frommer Lust und kreativer Laune. pic_526a50cce0863 Zudem ist er ein betrachtendes Gebet, wobei Christus und die biblischen Heilsgeheimnisse im Mittelpunkt stehen.

Dazu kommt, daß der sog. Fatima-Zusatz durchaus erklärungsbedürftig ist teilweise bzw. theologisch mißverständlich bis irreführend wirkt.

Hier folgt zunächst sein Wortlaut (Linien zur Hervorhebung merkwürdig erscheinender Stellen):

„O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe  a l l e  Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“

Viele Katholiken stellten sich selbst und mir schon die Frage, warum eigentlich jene, welche die göttliche Barmherzigkeit am „meisten“ nötig haben, „besonders“ in den Himmel geführt werden sollen. Welchen logischen und theologischen Sinn hat diese „Bevorzugung“? Kann das Hinführen in den Himmel irgendwie noch „gesteigert“ werden? Läßt sich die ewige Seligkeit „optimieren“?

(Abgesehen davon ist nicht einmal sicher, ob es wirklich heißt „Bewahre uns  v o r  dem Feuer der Hölle“ –  oder sogar in ganz irriger Weise: „…rette die Seelen aus der Hölle“. – Näheres hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/)

Auf Bewahrung vor Todsünde kommt es an!

Zudem erscheint es seltsam, daß es in der Anrufung nicht heißt: „Bewahre uns, HERR, vor der schweren Sünde“, denn darauf  kommt es an. Die Hölle ist lediglich die jenseitige Auswirkung des unbußfertigen Verbleibens im „Stand“ der Todsünde.

Nun könnte man einwenden, in unserer heutigen Zeit, in welcher vielfach die Existenz der ewigen Verdammnis geleugnet wird, sei die Erwähnung der Hölle besonders wichtig.

Das mag insoweit richtig sein. Freilich stellt sich auch dann die Frage, warum es im Fatima-Gebet nicht heißt: „Bewahre uns vor der Hölle“, sondern: „…vor dem Feuer der Hölle“.

Warum diese Betonung eines Aspektes, der nicht der entscheidende ist?  –  Das eigentlich Entsetzliche an der Hölle ist aber die ewige Gottesferne, das ist die eigentliche Tragödie der Verlorenen – weniger die scheinbar „sinnlichen“ Strafen, wobei der Weltkatechismus das „Feuer“ ohnehin als Bild/Symbol auslegt.  kreuz1

Wird hier also die bloß menschliche (allzumenschliche) ANGST angesprochen, statt den Beter in die theologische Tiefe zu führen? Warum sollte dies denn pastoral sinnvoll sein?

Vielmehr gehört es zur göttlichen „Pädagogik“, die Menschen schrittweise zur Hochform der Gottesliebe zu führen.

Die menschliche Reue kennt im wesentlichen drei Qualitäts-Stufen:

1. Die emotionale, oberflächliche Angst-Reue aus bloßer Furcht vor den möglichen Folgen der Sünde, den damit verbundenen Peinlichkeiten, Strafen, Nachteilen etc. 
2. Die Furcht-Reue aus Ehrfurcht vor Gott und aus dem  – durchaus schon religiös geprägten  –  Vermeidenwollen der Hölle als einem Zustand ewiger Gottesferne.
3. Die Liebes-Reue: Abscheu vor der Sünde aus Liebe zu Gott und seinen Geboten, auch aus Liebe zum Nächsten als einem Gottesgeschöpf.

Welche Stufe wird nun mit der Betonung des „Feuers“ der Hölle angesprochen?  –  Nicht einmal ernsthaft die zweite, sondern eher die erste, die „primitivste“ also. Bei der zweiten Stufe würde der Satz immerhin lauten: „Bewahre uns vor der Hölle“, besser noch: „Bewahre uns vor der ewigen Gottesferne der Hölle“.

Gegen eine Kombination von Stufe 2 und 3 wäre übrigens durchaus nichts einzuwenden, etwa mit folgender Formel: „Bewahre uns vor Todsünde und Hölle.“

Insgesamt wirkt die Hervorhebung von Himmel und Hölle in einer solch kurzen Anrufung fast wie eine Art Zuckerbrot-und-Peitsche-Mentalität. Eine solche religiöse „Achterbahn der Gefühle“ findet sich aber weder im Vaterunser-Gebet, das Christus selbst uns lehrte, noch im Ave Maria, auch nicht im Glaubensbekenntnis.

Ähnlichkeiten mit Koran-Äußerungen

Auch deshalb paßt der Fatima-Zusatz weder der Sache noch der Sprache nach in den Rosenkranz-Kontext.

Er paßt aber durchaus zum Islam bzw. Koran. Dort ist in zahllosen Suren vom „Höllenfeuer“ die Rede (hingegen in der Heiligen Schrift meist von „Hölle“ oder „Verdammnis“, weitaus seltener vom Höllenfeuer).

Der Feuerhöllen-Satz aus dem Fatima-Zusatz findet sich zudem fast wörtlich im KORAN: in Sure 3, dort am Ende von Vers 191: „Bewahre uns vor der Strafe des Höllenfeuers!“ 

Die Lieblingstochter Mohammeds hieß übrigens „Fatima“ (es handelt sich hier um einen arabischen Begriff). Auch sie wird nebst anderen Verwandten von ihrem Vater gewarnt, wie in der Hadithe Nr. 303 überliefert ist, wonach Mohammed zu seiner versammelten Sippe sagte: 

„O ihr Söhne des `Abdel Mottalib, rettet eure Seelen vom Feuer! O Fatima, rette deine Seele vom Feuer! Denn ich kann euch vor Allah nicht retten. Ich werde aber immer meine verwandtschaftliche Beziehung zu euch bewahren und pflegen.“  (Quelle: http://islamische-datenbank.de/option,com_bayan/action,viewhadith/chapterno,2/min,100/show,10/

Was bedeutet „Führe alle Seelen in den Himmel?“

Überdies ist auch der Satz „Führe  al l e  Seelen in den Himmel“ im Grunde unlogisch, weil eine Erfüllung dieser „Aufforderung“ schlicht nicht möglich ist, denn es gibt auch verworfene „Seelen“ in der Hölle, die Gott nur zwangsweise in den Himmel führen könnte, denn die Hölle ist quasi von innen verschlossen: geistig und faktisch „zugeriegelt“ durch die absolute Verweigerungshaltung jener verdammten Seelen gegenüber Gott.

Der HERR wiederum respektiert die Freiheit des Menschen in Zeit und Ewigkeit  –   auch die Freiheit und Verantwortung des Gottlosen und verstockten Todsünders. Die Hölle ist die logische Folge dieser Achtung Gottes vor der von ihm selbst geschaffenen und gewollten FREIHEIT des Menschen.

Daher ergibt die Anrufung „Führe alle Seelen in den Himmel“ keinen Sinn, wenn man sie beim Wort nimmt  – und warum sollte man sie nicht beim Wort nehmen?

Es müßte also zumindest einschränkend heißen: „Führe alle Menschen in den Himmel“, wobei hier die Formulierung „Hilf allen Menschen in den Himmel“ theologischer klarer wäre, damit keinerlei Allerlösungs-Fantasien auftreten.

Denn genau genommen ist der Aufruf an Christus, alle (!) Seelen (!) in den Himmel zu führen (!), irreführend, denn Gott will zwar, daß alle Menschen gerettet werden, aber das erlaubt nicht die Aufforderung an ihn, auch  a l l e  in den Himmel zu   f ü h r e n , denn der Mensch selber muß auch zum ewigen Heil bereit sein  – das sind aber erwiesenermaßen eben nicht „alle“. Also können sie auch nicht alle in den Himmel „geführt“ werden!

Der Aufruf „Führe alle Seelen in den Himmel“ ist auch deshalb merkwürdig, weil sich die Seelen der Heiligen und Seligen doch ohnehin bereits im Himmel befinden.

Zudem stehen beide Gebets-Aussagen in einem unlogischen Zusammenhang: Denn wenn doch ohnehin „alle Seelen“ in den Himmel kommen sollen, wozu dann jene, die es am meisten „nötig“ haben, ganz „besonders“? Welchen Sinn soll dieser Nachsatz haben? Soll er die vorgehende Aussage etwas verschleiern, damit die Tendenz zur Allerlösungslehre im Empfinden des Beters verundeutlicht wird?

Dazu kommt, daß die kleine Fatima-Seherin Jacinta gerne ein Gebet sprach, das die Anrufung an Maria enthält, die Seelen „aus“ der Hölle zu „erretten“. Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2015/07/11/unklarheiten-um-den-fatima-zusatz-aus-der-dritten-erscheinung-vom-13-7-1917/

Wie man es auch dreht und wendet, eines steht fest:

Der Rosenkranz ist in seiner kirchlich überlieferten, biblisch geprägten Weise unschlagbar gut, er benötigt keine „Zusätze“ aus Privatoffenbarungen, Erscheinungen, Visionen, kreativen Erleuchtungen usw.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Jugendverlag und das Christoferuswerk in Münster

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir diesen ausgezeichneten Artikel der “Ankerperlenfrau”: http://rosenkranzbeten.info/rosenkranzbeten/falsche-anleitung-zum-rosenkranzbeten/

Fatima-Kritik des traditionsorientierten Theologen Prof. Dr. Wigand Siebel: http://www.monarchieliga.de/index.php?title=Fatima-Kritik_%28Siebel%29#Gebetssturm

Grundsätzliches zum Thema kirchlich approbierte („anerkannte“) Privatoffenbarungen HIER: https://charismatismus.wordpress.com/2013/10/29/was-bedeutet-die-kirchliche-approbation-einer-privatoffenbarung-genau/