Die Diktatur im Iran hält viele Mütter aus politischen Gründen gefangen

Der Muttertag sollte weltweit ein glückliches Datum sein – für Mütter, die aus politischer Willkür gefangen gehalten werden, ist er es nicht.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weist darauf hin, dass die Islamische Republik Iran gezielt Eltern den Kontakt zu ihren Kindern unmöglich macht, um die Eltern zu bestrafen und gefügig zu machen.

Das iranische Diktatur missachtet dabei nicht nur das Wohl der Kinder und völkerrechtliche Mindeststandards, sondern sogar das eigene iranische Recht.

Im Iran sind viele politische Gefangene gleichzeitig auch Mütter. Darunter sind international geachtete Menschenrechtsverteidigerinnen wie die Anwältin Nasrin Sotoudeh.

Das Europäische Parlament zeichnete sie mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit aus. Sie war neben der Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi Mitgründerin des vom Regime verbotenen iranischen Zentrums für Menschenrechtsverteidiger und sie ist Mitglied im Kuratorium der IGFM.

Ein Islamisches Revolutionsgericht hat sie für ihren Einsatz für Frauenrechte zu 33 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt.

Schon bei früheren Haftstrafen musste sie durch lange Hungerstreiks hart dafür kämpfen, dass ihre beiden Kinder sie besuchen durften. Sie bezahlte dafür mit ihrer Gesundheit. Ihr Ehemann Reza Khandan ist wie sie Menschenrechtsverteidiger und ebenfalls im Gefängnis, erläutert die IGFM.

Als weiteres Beispiel verweist die IGFM auf die Frauenrechtlerin Narges Mohammadi, die mit dem Weimarer Menschenrechtspreis 2016 ausgezeichnet wurde. Sie leidet nicht nur unter der Trennung von ihrem Sohn – durch die katastrophalen Haftbedingungen ist ihr Gesundheitszustand besorgniserregend.

„Frauen wie Nasrin Sotoudeh und Narges Mohammadi sind im Gefängnis, weil sie für die Freiheit aller Iraner gekämpft haben – für eine bessere Zukunft für sich, ihre Mitmenschen, ihre Kinder. Die Regierung der Islamischen Republik missbraucht die Kinder dieser politischen Gefangenen als Waffe, um ihre Mütter zu quälen und zum Schweigen zu bringen. Es ist eine stille, aber dauerhafte Grausamkeit, die auch die Bundesregierung wahrnehmen und offen kritisieren muss“, fordert IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin (siehe Foto).

Anders als in Deutschland und vielen Ländern der Welt wird im Iran der Muttertag nicht am zweiten Sonntag im Mai gefeiert, sondern am Geburtstag von Fatima Zahra bint Muhammad, der Tochter des islamischen Propheten Mohammed. Nach dem islamischen Mondkalender ist dieser Tag im Jahr 2019 daher bereits am 25. Februar begangen worden.

„Das Problem ist damit leider nicht verschwunden: Der Schmerz über die willkürliche Trennung von ihren Kindern hält an. Daran wird sich nichts ändern, bis der Druck auf die iranische Führung groß genug wird“, erklärt die IGFM.

Der Link „Mütter im Gefängnis“ führt Sie zu zahlreichen Opfern des iranischen Regimes, die als Mütter von ihren Kindern getrennt sind. www.menschenrechte.de/muetter-im-gefaengnis/

Weitere Infos:
www.menschenrechte.de/nasrin-sotoudeh/
www.menschenrechte.de/iran/


Papst Benedikt über die Bedeutung und die Grenzen der Privatoffenbarungen

Von Felizitas Küble

Im Apostolischen Schreiben „Verbum Domini“ (Wort des HERRN) aus dem Jahre 2000 äußert sich Papst Benedikt XVI. im Anschluß an eine römische Bischofssynode im 14. Kapitel auch zur Bedeutung und den Grenzen von „Privatoffenbarungen“. 

Dabei handelt es sich hierbei natürlich ausdrücklich nur um kirchlich approbierte (gebilligten, genehmigten) Erscheinungen, zumal ohnehin klar sein dürfte und sollte, dass Katholiken an kirchlich abgelehnte „Erscheinungen“ gar nicht glauben sollen.

Der in deutschen Landen geläufige Ausdruck „anerkannte“ Privatoffenbarungen ist ungenau und etwa mißverständlich, da er den irreführenden Eindruck erweckt, als verbürge sich die Kirche mit ihrer Approbation (=Genehmigung) lehramtlich für die übernatürlich-himmlische Herkunft einer Erscheinung, was sie aber gerade nicht tut – sie gestattet es lediglich den Gläubigen, den betreffenden Botschaften zuzustimmen.

Wir bringen hier zunächst nacheinander im blauen Druck die Abschnitte aus dem Kapitel 14 von VERBUM DOMINI und danach Quellenhinweise auf Zitate und unsere Erläuterungen:

„Mit all dem bringt die Kirche das Bewußtsein zum Ausdruck, daß sie in Jesus Christus dem endgültigen Wort Gottes gegenübersteht; er ist »der Erste und der Letzte« (Offb 1,17).

ER hat der Schöpfung und der Geschichte ihren endgültigen Sinn gegeben; deshalb sind wir berufen, in diesem eschatologischen Rhythmus des Wortes die Zeit zu leben, die Schöpfung Gottes zu bewohnen; »daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1Tim 6,14 und Tit 2,13)«.“

Das letzte Zitat, wonach „keine neue öffentliche Offenbarung“ vor der Wiederkunft Christi mehr zu erwarten sei, stammt aus der „Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung“ (Dei Verbum, 4. Kapitel) des  Zweiten Vatikanisches Konzils.

Es geht darum, daß Gott sich im Alten Testament durch Moses und die Propheten in Worten und Zeichen selbst mitgeteilt hat. Dies nennt man die „Offenbarung“ Gottes. Diese wurde im neuen Bund weiter entfaltet und endgültig (!) vollendet durch Christus, dem Höhepunkt und Endpunkt der öffentlichen Selbstmitteilung Gottes.

Zwar kann und will Gott sich einzelnen Menschen auch weiterhin „offenbaren“, doch dies ist keine „öffentliche“ oder „allgemeine“ Selbstmitteilung des Ewigen, sondern wird von der Kirche als „Privatoffenbarung“ bezeichnet, da solche Kundgaben für die Kirche und ihre Gläubigen nicht verbindlich sind.

Im protestantischen Bereich bezeichnet man solche nachbiblischen Botschaften und Phänomene als „Neuoffenbarung“, um sie von der Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift abzugrenzen.

Im nächsten Abschnitt wird dieser Grundgedanke von der endgültigen Selbstoffenbarung Gottes in Christus erneut eingeschärft:

„Wie die Väter während der Synode in Erinnerung gerufen haben, »zeigt sich das Besondere des Christentums im Ereignis Jesu Christi, Höhepunkt der Offenbarung, Erfüllung der Verheißungen Gottes und Mittler der Begegnung zwischen dem Menschen und Gott. ER, „der von Gott Kunde gebracht hat“ (vgl. Joh 1,18), ist das einzige und endgültige Wort, das der Menschheit gegeben wurde«.

Der hl. Johannes vom Kreuz hat diese Wahrheit wunderbar ausgedrückt:

»Da Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat er uns in diesem einzigen Wort alles auf einmal gesagt und nichts mehr hinzuzufügen … Denn was ER ehedem den Propheten nur teilweise kundgetan hat, das hat ER in seinem Sohn vollständig mitgeteilt, indem ER uns dieses Ganze gab, seinen Sohn.

Wer darum den HERRN jetzt noch befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richtet, sondern Anderes und Neues sucht«“

Das Zitat des Mystikers (!) und Kirchenlehrers Johannes vom Kreuz stammt aus seinem Buch „Aufstieg auf den Berg Karmel“ (II,22). Der Heilige hat sich darin scharf gegen die Sehnsucht nach „Visionen oder Botschaften“ gewandt, die er als Beleidigung Gottes verurteilte, da uns in Christus bereits „das Ganze“ gegeben wurde. Das päpstliche Schreiben stellt sich uneingeschränkt hinter diese Sichtweise, indem es dort heißt, Johannes vom Kreuz habe diese „Wahrheit wunderbar ausgedrückt“.

Was ergibt sich daraus als Schlußfolgerung?

Die schlichte Tatsache, daß zwischen der Selbstoffenbarung Gottes in Christus und den späteren „Privatoffenbarungen“ nicht etwa nur ein gradueller, sondern einen wesentlicher Unterschied besteht. Dies wird nunmehr ausdrücklich verdeutlicht:

„Folglich hat die Synode empfohlen, »den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden«. Diese »sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben«.

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns.“

Hier wird zunächst der Weltkatechismus bzw. „Katechismus der Katholischen Kirche“ in Nr. 67 zitiert und klargemacht, dass Botschaften aus Erscheinungen und Visionen die „endgültige“ göttliche Offenbarung nicht „vervollständigen“, sondern lediglich einen Impuls geben können, aus den bereits vorhandenen Glaubenswahrheiten „tiefer“ zu leben.

Die göttliche Offenbarung ist eine „Forderung“, als Gläubige sind wir an Gottes Wort gebunden und ihm verpflichtet, denn wer an Gott glaubt, der stimmt auch seinem Wort zu und insbesondere seiner endgültigen Selbstmitteilung in Christus, die in der Bibel und der verbindlichen kirchlichen Verkündigung (den Dogmen) bezeugt wird.

Daher ist die göttliche Offenbarung der „Maßstab“ für Privatoffenbarungen (und nicht etwa umgekehrt):

„Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt. Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, daß sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist.“

Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, daß die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Gerade der zweite Abschnitt ist ganz wichtig und vielen Katholiken leider nicht ausreichend bekannt:

Die kirchliche „Approbation“ (Genehmigung, Billigung, Erlaubnis) einer Erscheinung bedeutet lediglich, daß die Inhalte derselben dem „Glauben und den guten Sitten nicht entgegenstehen“. Damit wird also keineswegs ihre übernatürliche Herkunft bestätigt, geschweige wird das Kirchenvolk zum Glauben daran aufgefordert. Den Katholiken ist es nur „gestattet“ (!), solchen Privatoffenbarungen zuzustimmen – und zwar soll dies wohlgemerkt „in kluger Weise“ geschehen.

Was heißt in diesem Zusammenhang „in kluger Weise“? – Aus dem Kontext ergibt sich klar die Lösung: Auch eine kirchlich genehmigte Erscheinung ist kein „fünftes Evangelium“. Auch beispielsweise die Botschaft von Fatima steht nicht nur graduell, sondern  w e s e n t  l i c h   unter dem, was die katholische Kirche als „Offenbarung Gottes“ zu glauben lehrt. Das gilt für alle kirchlich approbierten Privatoffenbarungen.

Nachdem nun die Grundsätze festgelegt und die entscheidenden Maßstäbe betont worden sind, würdigt das päpstliche Schreiben den spirituellen Sinn, den Botschaften aus Erscheinungen für die private Frömmigkeit des einzelnen Christgläubigen haben können (aber nicht müssen):

„Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl.1Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muß. Auf jeden Fall muß es darum gehen, daß sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind.“

Hierbei zitiert „Dei Verbum“ das Dokument der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre über die Die Botschaft von Fatima (26. Juni 2000) Damals hat Kardinal Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt, sich bereits zur Stellung der Privatoffenbarungen im Gesamtgefüge der kirchlichen Lehre geäußert und bereits die in diesem Schreiben erwähnten Prinzipien verkündet.

Quelle für die Zitate: http://w2.vatican.va/content/benedict-xvi/de/apost_exhortations/documents/hf_ben-xvi_exh_20100930_verbum-domini.html


Kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung bedeutet: „Es ist gestattet, daran zu glauben“

Von Felizitas Küble

Von über zweitausend Erscheinungen, Visionen und ähnlichen „übernatürlichen“ Kundgaben hat die katholische Kirche im Laufe der Jahrtausende ganze 16 Stück gebilligt, das sind weniger als 0,1 Prozent – und auch diese „anerkannten“ Privatoffenbarungen sind für Katholiken nicht verbindlich, geschweige verpflichtend. 

Der Ausdruck „Anerkennung“ kann zwa richtig verstanden werden, aber unter Umständen mißverständlich klingen. Manche meinen nämlich, eine Anerkennung sei wie eine Art Amtsstempel, der die übernatürliche Herkunft einer bestimmten Erscheinung sicher verbürgt oder lehramtlich bestätigt.

In Wirklichkeit lautet der offzielle kirchliche Ausdruck für diesen Vorgang aber „Approbation“ – und dieser lateinische Begriff heißt übersetzt: Erlaubnis, Genehmigung oder Billigung  –  nicht aber Bestätigung.

Wenn also eine Erscheinung approbiert wird, ist es dem Kirchenvolk gestattet, daran zu glauben.

Papst em. Benedikt XVI. hat dazu in seinem Apostolischen Schreiben ‪„Verbum Domini“ Stellung bezogen:

„Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.“

Hier die amtliche Übersetzung der vatikanischen Kleruskongregation (siehe Kapitel 14): http://www.clerus.org/bibliaclerusonline/de/h35.htm

Wortwörtlich derselbe Abschnitt („...erlaubt….gestattet...“) findet sich auch in einer Verlautbarung der Glaubenskongregation mit dem Titel Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen“ (3. Kapitel) von Kardinal Levada aus dem Jahre 2011: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html  

Diesen bewährten kirchlichen Standpunkt erwähnte bereits Kardinal Prosper Lambertini, der spätere Papst Benedikt XIV. (siehe Foto), in seinem 1738 erschienenen Standardwerk über Selig- und Heiligsprechungen: 

„Man muss wissen, dass diese Billigung (von Visionen und Offenbarungen) nichts anderes ist als eine Erlaubnis …, sie nach reiflicher Überprüfung zu Belehrung und Nutzen der Gläubigen zu veröffentlichen.‪“

Den Ausdruck „gestattet“ wählte auch der Bischof von Fatima, Dom José, als er die Erscheinungen von Fatima 1930 genehmigte.

In bewährter Tradition bestätigte er in seiner Approbations-Formel keine „übernatürliche“ Herkunft, sondern bezeichnete die Marienerscheinungen zurückhaltend-sachlich als „glaubwürdig“  – gemeint ist damit eine menschliche Glaubwürdigkeit, keine dogmatische Sicherheit. Der Oberhirte erwähnte sodann, die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell gestattet.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“

Der katholische Dogmatiker Prof. Dr. Joseph Schumacher aus Freiburg (siehe Foto) erläutert ebenfalls, daß Privatoffenbarungen von der Kirche ‪„niemals als Gegenstand allgemeiner Glaubenspflicht‪“ vorgelegt werden.

Ihre kirchliche Billigung besage nur, dass in den Botschaften nichts zu finden ist, was dem Glauben und der Sitte widerspreche, daß sie daher veröffentlicht und geglaubt werden dürfen.

Er fährt fort: ‪„Die Approbation gehört nicht in den Bereich des Lehramtes, sondern des Hirtenamtes. Daher sind auch approbierte Privatoffenbarungen für die Gläubigen nicht verpflichtend.

Die Kirche könnte sie gar nicht verpflichtend machen, selbst wenn sie es wollte, denn die kirchliche Unfehlbarkeit bezieht sich nur auf die Bewahrung und Interpretation der öffentlichen Offenbarung.“

Aus diesem Grunde ist es den Gläubigen selbstverständlich gestattet, kirchlich ‪„anerkannte“  bzw. approbierte Erscheinungen auf sachbezogene Weise kritisch zu bewerten.
Prof. Schumacher dazu: ‪„Maßvolle Kritik an den Privatoffenbarungen und ihre begründete Ablehnung sind möglich und durchaus mit dem Glauben zu vereinbaren, wenn sie nur mit der gebotenen Bescheidenheit, vernünftig und ohne Mißachtung vorgetragen werden.“


Bestätigt die kirchliche „Anerkennung“ einer Erscheinung ihre „Übernatürlichkeit“?

Von Felizitas Küble

In erscheinungsbewegten Kreisen wird immer wieder die Meinung geäußert, wenn die Kirche eine Privatoffenbarung anerkenne, bestätige sie damit gleichsam amtlich, daß es sich bei diesem Phänomen um einen übernatürlichen Vorgang handelt, also um ein vom Himmel bewirktes Ereignis. 

Diese – übrigens irrige – Ansicht wird nicht allein von Privatleuten vertreten, sondern wurde z.B. auch von der theologisch relativ anspruchsvollen, traditionell orientierten Internetseite „Katholisches.info“ geäußert.

So heißt es dort in einem Artikel  vom 10. April 2014 (der sich kritisch mit einem Text aus unserem CHRISTLICHEN FORUM befaßt), die Kirche habe die „Offenbarungen an die Seherkinder von Fatima anerkannt“ (was ohnehin unstrittig ist); sie seien aber „keineswegs etwas Privates“.

Weiter heißt es an die Adresse der Kirche gerichtet: „Wer eine solche Botschaft als übernatürlich anerkennt, kann, sofern er nicht schizophren denkt, unmöglich zugleich behaupten, es müsse sich aber keiner dran halten.“

Sodann schreibt ein anderer Autor am 21.3.2014 auf demselben Portal, Fatima sei „vom portugiesischen Episkopat 1930 als übernatürlich anerkannt worden“.

In Wirklichkeit wurde diese Privatoffenbarung vom Bischof von Fatima, Dom José (nicht vom dortigen „Episkopat“), in einem Pastoralschreiben lediglich gebilligt; das Wort „übernatürlich“ kommt in der Approbations-Formel nicht vor.

Vielmehr heißt es in bewährter kirchlicher Ausdrucksweise, die Visionen der Hirtenkinder seien „glaubwürdig“ und die  Verehrung Mariens als „Unsere liebe Frau von Fatima“ sei damit offiziell „gestattet„.

Drei Jahre später  –  am 3. Mai 2017 – klingt es in einem weiteren Artikel auf derselben Webseite „Katholisches.info“ schon etwas zurückhaltender und damit richtiger:

„Die Kirche reagiert vorsichtig, zurückhaltend und behutsam. Sie hat keine Eile, weil die göttliche Offenbarung mit Christus abgeschlossen ist und „Sonderoffenbarungen“ ihr nichts mehr hinzufügen können, was nicht schon gesagt ist.

Es handelt sich dabei, ob anerkannt oder nicht, bei allen Phänomen seither um Privatoffenbarungen, denen kein offizieller Charakter zukommt und die – selbst bei kirchlicher Anerkennung – von keinem Gläubigen geglaubt und anerkannt werden müssen.“

Also schön – immerhin etwas dazugelernt!

Und nun zur Sache selbst, wobei vorweg die Frage zu klären ist:  Was bedeutet eine kirchliche „Anerkennung“?

Der Ausdruck ist ungenau, denn der amtliche kirchliche Fachbegriff „Approbation“ beinhaltet keineswegs eine Anerkennung im Sinne einer Bestätigung, sondern bedeutet sowohl inhaltlich wie sprachlich vielmehr: Erlaubnis, Billigung, Genehmigung.

Wenn die Kirche also eine Privat- bzw. Sonderoffenbarung billigt, gestattet sie es den Katholiken, an diese Erscheinung zu glauben, verpflichtet sie aber nicht dazu.

Manche Apparationisten (Erscheinungsbewegten) wollen diesen schlichten Sachverhalt nicht gerne wahrhaben, sondern deuten eine Approbation als vermeintliche Bestätigung der „Übernatürlichkeit“.

In Wirklichkeit „bestätigt“ die Kirche aber lediglich, daß es erlaubt ist, an die betreffende Privatoffenbarung zu glauben – punktum.

Kardinal Gerhard Müller erklärte am 3. März 2017 wörtlich hinsichtlich einer kirchlichen Approbation: „Selbst wenn sich die Kirche für ein solches Phänomen ausgesprochen hat, ist kein Katholik verpflichtet, dorthin zu gehen oder daran zu glauben.“

Er fügte noch hinzu: „Es gibt vielleicht einige Privatoffenbarungen, aber sie ersetzen nicht die einzige Offenbarung Gottes durch Jesus Christus.“


Medjugorje will sich an Fatima dranhängen

Nachdem derzeit in einigen deutschen Städten der Film „Fatima – das letzte Geheimnis“ in den Kinos läuft, ruft die deutschsprachige Medjugorje-Webseite nunmehr eine alte „Botschaft“ in Erinnerung, welche die Gottesmutter Maria am 25. August 1991 an die „Seherin“ Marija überbracht haben soll:

…Ich rufe euch zur Entsagung für neun Tage auf, so daß mit eurer Hilfe alles verwirklicht werde, was ich durch die Geheimnisse, die ich in Fatima begonnen habe, verwirklichen möchte….“

Offenbar soll mit diesem Hinweis versucht werden, sich an eine kirchlich approbierte (genehmigte, gebilligte) Erscheinung wie Fatima dranzuhängen, um die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen und sodann den Eindruck zu erwecken, Fatima sei nur der Anfang gewesen, Medjugorje bringe aber die eigentlichen Knüller – und sorge für die „Verwirklichung“ der sogenannten Geheimnisse von Fatima.

Allerdings bleibt in der erwähnten Medju-Botschaft offen, auf welches der drei Fatima-Geheimnisse sie sich bezieht. Vermutlich geht es um die Bekehrung Rußlands, denn die anderen Aspekte (Ausbreitung der kommunistischen Irrlehren, Kriege, Kirchenverfolgungen) sind bereits seit langem Geschichte.

Was jedoch viele Fatima-Anhänger (und erst recht die Medjugorje-Fans) nicht wissen:

Fatima-Hauptseherin Lucia erklärte am Ende ihres Lebens schriftlich, Rußland sei bereits bekehrt, weil dort der Kommunismus überwunden wurde.

Das mag manche überraschen, denn mit Bekehrung verbinden gläubige Katholiken weitaus mehr als eine politische Wende, mehr als nur das Ende des sowjetischen Systems.

Näheres dazu hier: https://charismatismus.wordpress.com/2016/08/20/sind-die-verheissungen-von-fatima-erfuellt-hat-sich-russland-bereits-bekehrt/

 

 


Von links bis rechts: Endzeitschwärmerische Träume von einem goldenen Zeitalter

Von Felizitas Küble

Die Hoffnung stirbt zuletzt – das ist bekannt, verständlich und oftmals auch gut so, vor allem im persönlichen Leben.

Nun gibt es in der Welt des Glaubens und der „Spiritualität“ allerdings Träume, die Schäume sind, weil sie weder der Realität noch der Heiligen Schrift entsprechen. Trotzdem ist die Kraft und Faszination visionärer Zukunftsbilder seit Jahrtausenden ungebrochen.

Dazu gehört auch die uralte und immer wieder neue Vorstellung von einem „goldenen Zeitalter“ am Ende der Geschichte, gleichsam der krönende Abschluß, das positive Finale für die Menschheit.

Wer sehnt das nicht gerne herbei?

Die Sache hat nur einen Haken: Der Wunsch ist hier Vater des Gedankens. Das wird im Neuen Testament deutlich herausgestellt.

In politischer Hinsicht gibt es diese Visionen von der gelungenen „Vollendung“ der Geschichte ebenfalls: Im Marxismus ist es das klassenreine „Arbeiterparadies“, im Nationalsozialismus war es die rassenreine „Volksgemeinschaft“ der Arier….

Doch bleiben wir im „spirituellen“ Bereich:

Die New-Age-Bewegung, die in den 80er Jahren ihren Höhepunkt erlebte, aber auch heute noch ihre geistigen Ausläufer in der Esoterik-Szene aufweist, hat ihren Traum direkt im Namen preisgegeben, denn New Age heißt „Neues Zeitalter“ – gemeint ist ein kommender Äon des „Wassermannes“, womit Friede, Harmonie und Glück verbunden seien. Damit werde das christliche, angeblich so intolerante „Zeitalter des Fisches“ endlich abgelöst.

Um New Age ist es mittlerweile ruhiger geworden, doch umso mehr Lärm, Halleluja-Jubel und Zustimmung gibt es im Kontext charismatischer „Aufbrüche“ und Bewegungen. Auch hier stehen positive Zukunftsbilder im Mittelpunkt, oftmals „geoffenbart“ durch himmlische Eingebungen, einem geistgewirkten „Wort der Erkenntnis“ oder prophetische Einsprechungen:

In der Pfingstbewegung und sonstigen schwarmgeistigen Gruppen – auch im katholischen Bereich – wird eine „weltweite Erweckung“, ein „zweites Pfingsten“ erwartet, eine Bekehrungswelle, die ganze Nationen erfaßt. Das wird in charismatischen Büchern und „Visionen“ seit Jahrzehnten euphorisch angekündigt.

Was wir seitdem in Wirklichkeit erleben ist – insgesamt gesehen – ein weltweiter Schwund des Glaubens, besonders in Europa. Insofern könnte man schon fast von einem „antichristlichen Abendland“ sprechen.

Natürlich gibt es da und dort auch Lichtpunkte, Hoffnungsschimmer – allerdings kommt es uns auf die nüchterne Betrachtung der Gesamtentwicklung an.

Damit nicht genug, gibt es zwei weitere Fraktionen mit ihren speziellen Vorstellung von einem künftigen goldenen Zeitalter:

Nicht wenige Fatima-Anhänger erwarten eine großartige Bekehrung Rußlands und den „Triumph des unbefleckten Herzen Mariens“, wie er drei Seherkindern bei den Erscheinungen von 1917 angekündigt worden sei, freilich unter gewissen Bedingungen (und ob diese nun erfüllt sind oder nicht, darüber gibt es unter Fatima-Fans verschiedene Auffassungen).

Sodann wollen wir monarchisch gesinnte, traditionelle Katholiken nicht vergessen, die zum Teil ebenfalls von besseren Zeiten in der Zukunft träumen. Dabei berufen sie sich bisweilen auf alte „Prophetien“, wonach am Ende der Geschichte ein großer katholischer Herrscher ersteht, der die Kirche nicht nur vor Unbill und Verfolgung beschützt, sondern sie zum glorreichen Triumph führt und eine geeinte Welt des Glaubens errichtet.

Meist bezieht sich diese Träumerei auf einen deutschen Kaiser, der das mittelalterliche Reich gleichsam zu erneuertem Glanze führt. Es gibt aber auch die frankophile Variante, wonach es die französische Dynastie der Bourbonen sei, auf denen das künftige Heil der Völker und Zeiten ruht. Ein typisches Beispiel für diesen Mythos um das edle Blut der Bourbonen und das „heilige Öl“ aus der Königsampulle, mit dem ein Abkömmling von ihnen noch gesalbt werde, ist das Kultbuch „Sire“, das in Frankreich nicht nur in monarchisch-katholischen Kreisen auf großes Interesse stieß, sondern auch hierzulande im traditionellen Spektrum gut angekommen ist. 

Es gibt sie also in den verschiedensten Richtungen und Varianten – von der nichtchristlichen, esoterisch-„emanzipatorischen“ New-Age-Bewegung über politische Ideologien von rechts und links – bis hin zu charismatischen, erscheinungsbewegten und erzkonservativen Strömungen.

Verständlich ist es allemal, wenn Menschen – auch gläubige – sich eine rosige Zukunft herbeisehnen.

Freilich nimmt die Heilige Schrift keine Rücksicht auf Wunschträume damals und heute – und das ist auch gut so. Die Bibel ist ein Buch von eindrucksvoller Nüchternheit und Klarheit, keineswegs geprägt von utopischen Idealvorstellungen, die den Ohren schmeicheln.

Endzeitschwärmereien – von Theologen als Chiliasmus oder Millenarismus bezeichnet  –  finden hier keine Basis, im Gegenteil.

Aus den Endzeitreden Jesu geht klar hervor, daß seiner Wiederkunft in Herrlichkeit eben kein irdisches Friedensreich vorausgeht, sondern ein erschreckender Verfall von Glaube und Sitte, zudem geprägt von trügerischen „Zeichen und Wundern“, von falschen Propheten und irreführenden „Christussen“. Daher fragt der HERR die Seinen: „Wenn ich wiederkomme, werde ich dann noch Glauben finden auf Erden?“

Paulus schreibt in 2 Thess 2,1 ff ebenfalls., daß  v o r  der Wiederkunft Christi  e r s t  ein massiver Glaubensabfall eintreten werde, zudem kommt vorher der Antichrist, ein Weltenbeherrscher, der mit dem Satan im Bunde steht. Für ein „universales Friedensreich“ vor dem zweiten Kommen Christi ist hier schlicht kein „Platz“ frei.

Man bezeichnet die erwähnte religiöse Wunschvorstellung in theologischen Fachkreisen als „Post-Millenarismus“, denn nach (post) diesem goldenen Zeitalter (Millenium) erfolge die Wiederkunft Christi.

Die katholische Kirche hat im Sinne biblischer Nüchternheit den post-millenaristischen Standpunkt stets abgelehnt, so etwa bereits im Mittelalter die Endzeitschwärmerei des italienischen Abtes Joachim von Fiore, der ein großartiges Heilig-Reist-Reich vor dem endzeitlichen Kommen Christi ankündigte.

Auch hinsichtlich der späteren „Botschaften“ von La Salette (dem zweiten Teil, dem sog. „Großen Geheimnis“, der im Unterschied zum ersten Teil nicht anerkannt wurde) hat die Kirche die postmillenaristische Richtung kritisiert. (Die „Seherin“ Melanie hatte in ihren Spät-Visionen von einem weltumspannenden Friedensreich fabuliert, von damit verbundenen „Aposteln der letzten Tage“ usw).

Als Papst Benedikt noch Kardinal Joseph Ratzinger hieß, hat er als Chef der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur orthodoxen Visionärin Vassula Ryden erlassen.

Darin werden ihr eine Reihe theologischer Irrtümer angelastet, darunter ihre endzeitschwärmerischen Vorstellungen; so heißt es wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas „Botschaften“.

„In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.“

Unsere Autorin Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt

 


Prälat Helmut Moll sprach in Telgte über katholische Märtyrer aus der NS-Zeit

Von Felizitas Küble

Prof. Dr. Helmut Moll ist Beauftragter und Herausgeber der Deutschen Bischofskonferenz für das zweibändige Werk „Zeugen für Christus“, ein deutsches Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Es versteht sich als Teil eines Gesamtprojekts der Märtyerergeschichte des vergangenen Jahrhunderts.

Der Prälat aus Köln leitet seit 1998 die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Erzbistum Köln.

Am Samstag, dem 30. September, sprach der Geistliche (siehe Foto) im westfälischen Wallfahrtsort Telgte auf Einladung des in Sendenhorst ansässigen Fatima-Weltapostolats im Bistum Münster zum Thema „Zeugen für Christus“. Es ging um Märtyrer, die um ihres Glaubens willen einen gewaltsamen Tod auf sich nahmen.

Professor Moll konzentrierte sich in seinem aufschlußreichen Vortrag in Wort und Bild besonders auf die mit der Gottesmutter Maria verbundenen Glaubenszeugen in der NS-Zeit. Anschaulich und bewegend schilderte er ihre Liebe zu Christus und ihre authentische marianische Spiritualität als Vorbild für unsere Gegenwart.

Zugleich erwähnte er, wie sein eigener Glaube durch die intensive Beschäftigung mit diesen Märtyrer gefestigt und vertieft wurde.

Der Referent würdigte über ein Dutzend todesmutige Priester, Ordensleute und Laien, die nicht „nur“ Opfer der NS-Diktatur waren, sondern bewußte Bekenner und Blutzeugen für Christus, für Gottes Gebote und die Nächstenliebe.  

Als weiterer Gast sprach Pfarrer Hans-Karl Seeger (siehe Foto) aus Billerbeck über den seliggesprochenen Karl Leisner aus dem Niederrhein. Der Referent war langjähriger Vorsitzender des Internationalen Karl-Leisner-Kreises. Er ist Mitautor der Biographie „Coesfelds Fels in der braunen Flut“ über den im KZ Dachau an den Folgen unmenschlicher Misshandlung verstorbenen Dechanten Josef Lodde aus Coesfeld.

Auch der stark von der katholischen Jugendbewegung beseelte Karl Leisner wurde von NS-Scherzen ins KZ Dachau eingeliefert, wo er durch einen französischen Bischof heimlich zum Priester geweiht wurde.

Pfarrer Seeger erläuterte, wie persönlichkeitsprägend die damals weit verbreitete Christkönigs-Frömmigkeit und eine tiefe Marienliebe für diesen Märtyrer war. Zugleich holte sich Leisner Impulse für seine Charakterbildung und Selbsterziehung durch die religionspädagogisch gut bewanderte Schönstattbewegung.

Als Zeitzeugin berichtete Frau Irmgard Behnke (siehe Foto) in ergreifenden Worten vom Leben und Sterben ihres Onkels Alfons Mersmann. Dieser in Greven geborene und aufgewachsene Pfarrer war von einer tiefen Marienverehrung und seiner Hinwendung zur Botschaft von Fatima geprägt.

In schwerer Zeit suchte er Zuflucht bei der Madonna und in der Heiligen Schrift, wobei ihm besonders die Johannes-Offenbarung immer wieder Trost und geistliche Orientierung vermittelten. Er wurde wiederholt verhaftet und starb 1945 auf einem Todesmarsch aus dem KZ Buchenwald. Die Nichte zeigte den Teilnehmern mit sichtlicher innerer Erschütterung das Primizbild ihres priesterlichen Verwandten.

BILD: Irmgard Behnke berichtet aus dem Leben ihres Onkels, des Priesters Alfons Mersmann

An Maria orientiert und mit dem Sühnegedanken von Fatima verbunden war zudem der bayerische Pfarrer Karl Borromäus Kramer. Ihm war es wichtig, dem Himmel Buße und Genugtuung zu leisten für die Gottlosigkeit und Verbrechen in jener mörderischen Zeit.

Dem Geistlichen lag besonders das Gebet Jesu im Garten Getsemane am Herzen: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ – Am 27. März 1945 verstarb der geradlinige Priester in Landsberg an den Folgen seiner Haft.

Prälat Moll berichtete, wie der bekannte Schriftsteller, Philosoph und Professor Dr. Johannes Maria Verweyen durch seine Verbundenheit mit Maria zum katholischen Glauben zurückfand und in zahlreichen Büchern seine Suche und seinen Weg zur Kirche begründete.

Die bekannteste Blutzeugin, die der Geistliche vorstelle, war zweifellos die heiliggesprochene Judenchristin Edith Stein (siehe Bild im 1. Foto oben). Die gebildete Ordensfrau, die auch in Münster als Dozentin wirkte, wurde gemeinsam mit ihrer Schwester Rosa Stein 1942 im KZ Auschwitz ermordet. 

Auch Laien ließen sich durch eine tiefe Marienverehrung inspirieren, z.B. der Regensburger Lagerarbeiter und Märtyrer Josef Zirkl, der durch eine Lourdesreise in seinem Glauben gefestigt wurde.

BILD: Prälat Moll spricht über das Schicksal von Charlotte Holubar, einer Blutzeugin aus der Schönstattbewegung

Mit der Schönstattbewegung verbunden und ebenfalls Blutzeugen während der NS-Tyrannei waren auch die Pallottinerpatres Franz Reinisch  – er verweigerte den Eid auf Hitler – und Albert Eise, zudem mutige Frauen wie Charlotte Holubars; ihr Lebensmotto lautete „Durch Maria zu Jesus“. Die Schönstätterin wollte „marianische Frauenart“ verkörpern.

Prälat Moll erläuterte, dass es für wahrhaft Gläubige keine Emanzipation von Gottes Wort gebe, sondern die Hingabe an seinen Willen – gleichsam ein gelebtes „Fiat“. Diese Haltung des Gottvertrauens wird in der Schönstättbewegung mit dem plastischen Begriff von der „Blankovollmacht für Gott“ definiert.

Nicht zu vergessen Pater August Benninghaus SJ, den die Gestapo im westfälischen Münster verhaftete und der am 20. Juli 1942 im KZ Dachau verhungerte. Für seine Seligsprechung wurden bei diesem Vortragsabend Unterschriften gesammelt. Der Jesuit war in der katholischen Jugendbewegung seelsorglich aktiv und zugleich marianisch ausgerichtet.

BILD: Der Redner zeigt ein Foto von Pater August Benninghaus SJ aus Münster, Märtyrer der NS-Zeit

Nach den lehrreichen und zugleich spannenden Vorträgen folgte eine Aussprache mit zahlreichen Fragen und Diskussionsbeiträgen der Besucher.

Dabei entstand eine lebhafte Debatte über Marienerscheinungen der jüngeren Zeit. Professor Moll erklärte, angebliche Privatoffenbarungen müssten mit der Heiligen Schrift, der katholischen Tradition, dem Lehramt bzw. Weltkatechismus und dem Gehorsam gegenüber der Kirche übereinstimmen. Dies sei jedoch häufig  nicht der Fall.

Er appellierte an die Teilnehmer, kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsstätten zu meiden, aber gerne zu den seit  langem bewährten Wallfahrtsorten zu pilgern.

Die inhaltliche Grundlage des faktenstarken Vortrags von Prälat Moll bildete sein Hauptwerk „Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts“ (Paderborn, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage 2015) sowie das bereits in 7. Auflage erschienene Taschenbuch „Wenn wir heute nicht unser Leben einsetzen“ über Märtyrer aus dem Erzbistum Köln im Dritten Reich, herausgegeben vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln.

Als Ergänzung sehr empfehlenswert ist das eindrucksvolle und übersichtliche Neuerscheinung „Helden und Heilige in Dikaturen“ (siehe Abb.).

Das im Media-Maria-Verlag verlegte Buch des Historikers und FELS-Autors Dr. Eduard Werner stellt Bekenner und Märtyrer unter der nationalsozialistischen oder kommunistischen Herrschaft vor, die heroischen Glaubensmut bewiesen haben, darunter auch Judenretter und Befehlsverweigerer.

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der kath. Monatszeitschrift DER FELS, Ausgabe v. Dezember 2017